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07
September
2016

Hinterhermsdorf und die Weltgeschichte

Die Meldung ist zwar schon zwei, drei Monate alt, aber trotzdem sollte man sie erwähnen.

Deutschland erstmals seit 1871 größer geworden

Landgewinn an Grenzstein 28/8

Wenn wir Menschen unsere Staatsgrenzen verändern wollen, hat dies meist zwei Nachteile, a) geht sowas nur ganz selten unblutig aus, und b) sind so Kriege für den Angreifer nicht immer erfolgreich. Im Misserfolgsfall werden die Staatsgebiete dann am Ende manchmal sogar kleiner statt größer. So ist es Deutschland seit 1871 nicht mehr gelungen, sein Staatsgebiet zu vergrößern. Die beiden diesbezüglichen Großversuche waren ja bekanntlich mit viel Leid verbunden und sind gescheitert.

Doch nun gibt es erstmals seit dem Vertrag von Eger aus dem Jahr 1459 endlich wieder einmal einen Erfolg zu vermelden:

In Hinterhermsdorf an Grenzstein 28/8: Wir denken immer, Grenzen sind „in Stein gehauen“, gehen also dort entlang, wo Grenzsteine stehen. Das stimmt nur zum Teil, d. h. insofern es die sog. „trockenen Grenzen“ betrifft. Das Gegenstück dazu ist die „nasse Grenze“. In der Tat werden Grenzen überaus häufig duch Flüsse gebildet. Es gibt bekanntere Beispiele, wie die Donau zwischen Rumänien und Bulgarien oder den Rio Grande zwischen Texas und Mexiko. Oder-Neiße nicht zu vergessen. Und es gibt bescheidenere „nasse Grenzen“, wie die Kirnitzsch zwischen Hinterhermsdorf und Tschechien. Da geht die Grenze immer genau in der Flussmitte lang. Die Grenzsteine am Ufer haben lediglich „symbolischen Charakter“.

In ihrem schönsten Stück, auf den Hinterdittersbacher Wiesen unterhalb der Rabensteine mäandert die Kirnitzsch, d. h. es geht da nicht so richtig vorwärts, sondern in Schlängelkurven. (Es heißt übrigens immer „mäandern“ und nicht „mäandrieren“. „Mäandrieren“ ist falsch. Genauso, wie es „Erzgebirger“ heißt und nicht „Erzgebirgler,“ „Elbsandsteingebirger“ und nicht „Elbsandsteingebirgler“ – Entschuldigung, kleine Abschweifung.)

Zurück zum Mäander. Das Ufer an der „Mäander-Innenkurve“ ist nun ein Gleithang, an der „Mäander-Außenkurve“ haben wir einen Prallhang. Steter Tropfen höhlt den Stein, und irgendwann ist dann alles abgetragen. „Der Mäander bricht durch“. Das ist nun Pech für unsere nasse Grenze. Die geht dann plötzlich woanders lang.

Und schwupp, ist ein Land größer und das Nachbarland kleiner. Ganz ohne Krieg und Vertreibung.

Nun sind derartige ländergrenzenändernde Flussverlegungen sehr selten. Aber die Kirnitzsch hat es nach ein paar hundert Jahren gerade wieder einmal geschafft. Am Grenzstein 28/8 ist ein Mäander durchgebrochen. Die abgeschnittene Fläche ist mit 18 × 28 m völkerrechtlich nur wenig bedeutsam, als Häuslebauer-Grundstücksfläche würde es aber ausreichen. Immerhin 500 m².

Quelle der Geschichte und Entdecker:
http://www.boehmwanderkarten.de/themen/is_grenzstein288.html

Mehr als 40 Prozent der deutsch-tschechischen Staatsgrenze werden durch Flüsse und Bäche gebildet - viele neigen zum Mäandern und damit zu Durchbrüchen. "Daher sind an der Staatsgrenze diese Durchbrüche ein alltägliches Phänomen, mit dem sich die deutsch-tschechische Grenzkommission regelmäßig auf ihrer jährlichen Tagung befasst", hieß es.

Immerhin dürfte die gescheiterte Verschiebung der Ostgrenze für die meisten kein allzu schwerer Schlag sein: "In die Gegend verirren sich nicht so viele Menschen ", sagt Böhm.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur...-a-1102456.html

...



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