30
Mai
2015

Ein Zöller flüchtet in den Osten

Meine Erinnerungen über die Ereignisse an der deutsch-deutschen Grenze im Harz. Von 1975-1980.
Nach meiner BW-Zeit bei einer Radareinheit ging ich zum Zoll-Grenzdienst. Nach den Lehrgängen in Ruprechtstegen und Velen kam ich zu Ausbildung auf die Grenzaufsichtsstelle nach Bad Harzburg-Taternbruch .wo ich von den Stammbeamten in das Grenzgebiet eingewiesen wurden. Sie erzählten dabei viele Ereignisse die in diesem Abschnitt der Grenze schon passiert waren. Auch die Geschichte von den Grenzschleusern , die nach dem Krieg Menschen von Ost nach West schleusten und dann beraubten und umbrachten. Bei bestimmten Verhältnissen könnte man in der Nacht noch an diesen Stellen die Schreie der armen Menschen hören, wurde von den Stammbeamten erzählt. Immer wenn ich später im Dienst an dieser Stelle unterhalb der Eckertalsperre im dunklen Eckertal , auch noch ohne eine Funkverbindung zu bekommen , vorbei musste, hatte ich doch eine kleine Gänsehaut. Nach meiner Ausbildung kam ich zu Grenzaufsichtsstelle nach Bad Harzburg-Eckertal wo wir an der Blankenburger Str. auch eine Dienstwohnung beziehen konnten. Hier verrichtete ich in der Zeit von 1975 bis 1980 als Hundeführer Grenzaufsichtsdienst. Meinen Diensthund, einen schönen .großen schwarzen Schäferhund der auf den Namen Rauk hörte bekam ich von unserem damaligen Zollhundelehrwart Herr Cramme. Er musste einem anderen Zollbeamten der in den Innendienst wechselte entzogen werden. Rauk war ein voll ausgebildeter Schutz- und Fährtenhund. Da ich aber kein ausgebildeter Hundeführer war musste ich mit meinem neuen Begleiter zu den nötigen Lehrgängen nach Bleckede zur Zollhundeschule um das zu erlernen was Rauk schon kannte. Wir beschnüffelten uns intensiv und beschlossen, wir werden Freunde! Jetzt konnte ich auch als ausgebildeter Hundeführer meinen Dienst auch in der Nacht alleine mit einem schützenden Begleiter versehen.
Die Streifen gingen entlang des Grenzflusses der Ecker von Lochtum , Abbenrode, Stapelburg,Schimmerwald nach Eckertal bis zur Eckertalsperre. An unserer Wohnung wurde mir ein große überdachte Hundezwinger Anlage mit Freilauf aufgestellt. Diese Zeit als Zollhundeführer war Dank unseres guten Hundelehrwartes Herr Cramme eine sehr schöne Zeit. Im Winter gab zum Jahresabschluss immer ein Treff in einer kleinen Schutzhütte im Schimmerwald bei Eckertal. Derr Ofen wurde kräftig angeheitzt und ein grosser Topf, gefüllt mit Rotwein, Rum und Zitronen mit Glühweingewürz und kräftig Zucker dampfe darauf. Es war ein Genuss, kein Dienst, kein Auto, der Hund zog einen zu Frauchen, Rauk kannte ja die Strecke. Für die Hundeführer und Familien gab es vor Weihnachten noch ein sogenanntes „Hundeessen“ in einem Lokal in Bad Harzburg Es gab für alle ein bei einem Bäcker gebackenes Spanferkel mit Zutaten und guten Getränken.
In dieser Zeit hatten wir noch Dienstfahrräder und im Winter Skier. Die Sperranlagen an der Grenze, die ein unüberwindliches Hindernis waren, wurden von sehr vielen Besuchergruppen und Besuchern aus allen Gebieten und Ländern besichtigt. Unsere Aufgabe war die Beobachtung der Dienstverrichtung und Arbeiten der DDR-Grenztruppen, die Begleitung der Offiziersstreifen vor dem Grenzzaun und die Verhinderung von Provokationen aller Art von unserer Seite her, sowie die Führung von Besuchergruppen entlang des Grenzverlaufs, mit den notwendigen Erklärungen über die Grenzsituation. Besonders an dem Grenzübersichtspunkt in Eckertal gegenüber der DDR-Ortschaft Stapelburg waren bei gutem Wetter sehr viele Menschen, die staunend auf den mit Hund und Fahrrad ausgestatteten Zöllner blickten. Die Kommentare waren meisten:“ So möchten wir auch einmal Urlaub machen wie sie hier Dienst verrichten und dazu noch bezahlt werden! „. Auch im Winter bei glitzerndem Schnee auf Skiern mit dem Hund an der Leine waren die Kommentare hörbar. Doch diese Menschen übersahen dabei den Dienst bei jedem Wetter an jedem Tag, bei Regen und Käte, bei Sturm und besonderes in den langen Nächten an dieser unmenschlichen Grenze die Deutschland teilte. Sie hörten nicht die Detonationen der Selbstschussanlagen in der Nacht. Die einen mit dem Gedanken „ las es bitte kein Mensch gewesen sein! „ aus dem Schlaf rissen. Sie hörten nicht die lauten jämmerlichen Schreie der tödlich verletzten Tiere die im Metallgitterzaun hingen und verendeten. Sie merkten nicht die seelische Belastung die auf den Familien der Beamten ruhte. Selten zeigte sich doch manchmal eine menschliche Seite dieser Todesgrenze. Einmal begleitete ich einen sogenannten Grenzaufklärer der DDR Grenztruppen ( sehr zuverlässige Offiziere ) . Auf seinem Kontrollgang vor dem Metallgitterzaun unmittelbar am Grenzverlauf, als dieser sich zu einem Päuschen auf einen Stein setzte, dabei aber übersah das der Stein schon von einer Kröte besetzt war. Die Kröte überlebte diese Aktion leider nicht, aber auf der Offiziershose zeigte sich ein großer Fleck. Zu meinem Erstaunen lächelte der Grenzaufklärer zu mir rüber und ich lächelte und grüßte zurück. So gingen wir beide unseres Weges weiter. Auch an dem ersten Nachtdienst nach meiner Hochzeit gab es einen sehr menschlichen Kontakt zwischen Ost und West. Ich stand zu später Stunde auf dem Grenzübersichtpunkt in Eckertal gegenüber dem Grenzführungsbunker mit Beobachtungsturm in Stapelburg und zeigte den dienstverrichtenden Grenzsoldaten auf dem Turm stolz meinen neuen Ehering. Plötzlich ging der große Suchscheinwerfer auf dem Turm an und der Hund, der Ring mit mir standen im hellen Licht, als sich oben im Turm ein Klappfenster öffnete und ein Maßband gezeigt wurde. Auch heute bin ich mir noch nicht sicher ob es die Anzeige der noch verbleibenden Dienstzeit bei der Grenztruppe des Soldaten anzeigte, oder ob es die restlichen Tage bis zu seiner Hochzeit waren.
So vergingen die Jahre. Eines Tages postierte ich in den frühen Morgenstunden mit dem Dienstfahrzeug unterhalb der Eckertalsperre , an der dort durch die Geländeverhältnisse sehr offen und die vorderen Grenz ohne Metallgitterzaun. Mein vierbeiniger Freund, der schwarze Schäferhund Rauk lag abgelegt mit seinen angelegtem Zollkennzeichen vor dem VW-Bus, als eine Herde Muffelwild von West nach Ost die Grenze wechselte. Die Braten riechend flitzte mein Hund in das Arbeiter und Bauern Paradies. Nach einiger Zeit kam Rauk jedoch mit eingekniffenen Schweif und hängender Zunge in den „ goldenen„ Westen zurück. Ich hatte meinen Hund schon in Gedanken bei der DDR Propagandafernsehsendung“ Der schwarze Kanal“ mit Karl Eduard von Schnitzler unter dem Motto: Nun kommen auch die armen Hunde des Klassenfeindes zu uns in Paradies. Eines Tages bekam ich dann meine Beurteilung von meinen damaligen Vorgesetzten Jürgen Heise und dem Hauptzollamtsvorsteher von Göttingen, Schöpe ausgehändigt. Diese Beurteilung wurde von mir nicht anerkannt. Ich leitete die mir zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel ein, um gegen diese Beurteilung anzugehen. Da das Verfahren aber immer weiter rausgezögert wurde wendete ich mich an den Petitionsausschuss des deutschen Bundestages, der einen Sonderermittler einsetzte. Nach dem Ermittlungsergebnis musste meine Beurteilung auf höhere Weisung zurückgezogen w erden und eine neue positive Beurteilung wurde erstellt. Ich hatte danach die Möglichkeit bei meiner alten Dienststelle zu verbleiben oder mir eine neue Dienststelle meiner Auswahl ! Innerhalb der Bundesrepublik auszusuchen. Wir zogen mit unserem Sohn Tobias und meinem vierbeinigem Freund in die wunderschöne Stadt Aachen wo ich sofort befördert wurde und meinen Dienst auf den internationalen grenzüberschreitenden Zügen verrichtete. Später verrichtete ich bis zu meinem Ruhestand Dienst bei einer Sondereinheit zur Bekämpfung des Betäubungsmittel- und Waffenschmuggels und der Kontrolle von Verboten und Beschränkungen auf den Autobahnen des Dreiländerecks zwischen den Niederlanden, Belgien und Deutschland eingesetzt war. Es war eine sehr spannende und abwechslungsreiche erfolgreiche Dienstzeit innerhalb einer eingeschworenen sehr guten Kameradschaft! Mit besten Grüßen aus Aachen Burkhard Brenk .Hallo aus Aachen im Oktober 2015. Nach längerer Zeit habe ich es fast geschaft, Über diese, meine eigendlich unglaubliche aber wahre Geschichte der Dienstzeit beim Zoll ein umfassebndes Buch zu schreiben. Das Manuskript ist fast fertig und geht dann zur anschlißenden Bildbearbeitung (15 Fotos und ca.. 55 Seiten, Der Arbeitstitel ist: Ein "Zöllner"flüchtete in die DDR, mit dem Untertitel: verschwigen, verdrängt und ausgesessen, eine unglaubliche aber wahre biograpfische Erzählung über meine Dienstzeit beim Zollgrenzdienst im Harz den Begegnungen zwischen Ost und West sowie über die Aktion Schweinebank und meine vielfälltigen Erlebnisse bei einer Sondereinheit zur Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität in Aachen. Dieses Buch zu schreiben hat mir sehr am Herzen gelegen Wenn es veröffentlicht wird werde ich Euch informieren. Es wird dann mein zweites Werk sein, mit dem ersten Werk ein maritimer Erlebnisbericht nach geschichtlichen Vorgaben über den Royal Mail Steamer SERVIA der britischen Cunard Linie von 1881 mit dem Titel" Unter Rauch geschwärzten Segel " bin ich jetzt einige Tage auf der Buchmesse in Frankfurt a.M Besten Grüsse aus Aachen von einer ergrauten Landratte mit Seewasser im Blut ( zu sehen auf meiner Internetseite: www.Nordseegalerie.com .Burkhard.



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Weitere Informationen zu "Ein Zöller flüchtet in den Osten"
  • Autor: Burkhard
  • Kategorie: Allgemein
  • Veröffentlichung: 30.05.2015 17:10
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