Zitate zur Grenze

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20.08.2019 15:41 (zuletzt bearbeitet: 28.09.2019 18:22)
#46
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Franz Kafka kannte zwar nicht die Grenze von der hier die Rede ist. Aber Mauern kannte er. Daher erlaube ich mir hier seine Fabel zu zitieren.

Kleine Fabel

»Ach«, sagte die Maus,

»,die Welt wird enger mit jedem Tag.

Zuerst war sie so breit,

daß ich Angst hatte,

ich lief weiter und war glücklich,

daß ich endlich rechts und links

in der Ferne Mauern sah,

aber diese langen Mauern eilen

so schnell aufeinander zu,

daß ich schon im letzten Zimmer bin,

und dort im Winkel steht die Falle,

in die ich laufe.« -

»Du mußt nur die Laufrichtung ändern«,

sagte die Katze

und fraß sie.

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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28.09.2019 18:29 (zuletzt bearbeitet: 28.09.2019 20:46)
#47
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Ein Gedicht von Volker Braun , das seinerzeit Wellen geschlagen hat. Ich denke ich muss Volker Braun nicht näher vorstellen.

Ich weiß nicht mehr wer es gesagt hat, Eva Strettmatter oder Sarah Kirsch. Wenn sie schreiben oder es getan haben, dann für sich.

So verstehe ich auch das Gedicht von Volker Braun aus dem Jahr 1966. Sein Schwanken zwischen Anpassung und Kritik im Land in dem man lebt. So wie es vielen gegangen ist und heute noch geht.


DIE MAUER

Zwischen den seltsamen Städten, die den gleichen
Namen haben, zwischen vielem Beton
Eisen Draht Rauch, den Schüssen
Der Motore: in des seltsamen Lands
Wundermal steht aus all dem
Ein Bau, zwischen den Wundern
Auffallend, im erstaunlichen Land
Ausland. Gewöhnt
An hängende Brücken und Stahltürme
Und was noch an die Grenze geht
Von Material und Maschinen, faßt
Der Blick doch nicht
Das hier.
Zwischen all den Rätseln: das ist
Fast ihre Lösung. Schrecklich
Hält sie, steinerne Grenze
Auf was keine Grenze
Kennt: den Krieg. Und sie hält
Im friedlichen Land, denn es muß stark sein
Nicht arm, die abhaun zu den Wölfen
Die Lämmer. Vor den Kopf
Stößt sie, das gehn soll, wohin es will, nicht
In die Mässengräber, das
Volk der Denker.
Aber das mich so hält, das halbe
Land, das sich geändert hat mit mir, jetzt
Ist es sichrer, aber
Ändre ichs noch? Von dem Panzer
Gedeckt, freut sichs
Seiner Ruhe, fast ruhig? Schwer
Aus den Gewehren fallen die Schüsse:
Auf die, die es anders besser
Halten könnte. Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

2
Die hinter den Zeitungen
Anbelln den Beton und, besengt
Von den Sendern, sich aus dem Staub machen
Der Baustellen oder am Stacheldraht
Unter Brüdern harfen und
Unter Kirchen scharrn Tunnel: die
Blinden Hühner finden sich
Vor Kimme und Korn. Unerfindlich
Aber ist ihnen, was diese Städte
Trennt. Weil das nicht
Aus Beton vor der Stirn pappt.
Uns trennt keine Mauer.
Das ist Dreck aus Beton, schafft
Das dann weg, mit Schneidbrennern
Reißt das klein, mit Brecheisen
Legts ins Gras: wenn sie nicht mehr
Abhaun mit ihrer Haut zum Markt
Zerhaut den Verhau. Wenn machtlos sind
Die noch Grenzen ändern wollen
Zerbrecht die Grenze. Der letzte Panzer
Zerdrück sie und sie ihn.
Daß sie weg ist.
Jetzt laßt das da.
Aber
Ich sag: es steht durch die Stadt
Unstattlich, der Baukunst langer Unbau
Streicht das schwarz
Die Brandmauer (scheißt drauf).
Denn es ist nicht
Unsre Schande: zeigt sie
Macht nicht in einem August
Einen Garten daraus, wälzt den Dreck nicht
Zu Beeten breit, mit Lilien über den Minen
Pflanzt Nesseln, nicht Nelken
Vermehrt nicht, zwischen den seltsamen
Städten, die Rätsel, krachend
Schmückt das Land nicht
Mit seiner Not. Und
Laßt nicht das Gras wachsen
Über der offenen Schande: es ist
Nicht unsre, zeigt sie.

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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