DDR und die Vergangenheit

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18.06.2013 16:47 (zuletzt bearbeitet: 18.06.2013 22:13)
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#1
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Ich hab schon einige wunderbare Berichte in einem anderen Thema gefunden, zum Thema "Schulbildung" in der DDR und wie weit Man(n) aufgeklärt wurde über die NS-Vergangenheit.
Trotzdem würde ich gerne noch einige konkrete Fragen dazu stellen.

Eine Frage die mich sehr beschäftigt ist: Wie sah der Alltag in der DDR aus -->Machte man sich Gedanken über die Vergangenheit (schließlich wollten bestimmt Kinder wissen warum es „2 Deutschlands“ gibt oder wurde es anders gesehen?)

In wie weit wurde in der Schule was zur Nazi Vergangenheit gesagt? (Es müsste ja schließlich einige Lehrer gegeben haben, welche selbst involviert waren im NS Regime und vielleicht sogar noch eine gute Meinung davon hatten`?!)

Inwiefern kamen ehemalige Nazi größen in der DDR "an die Macht"? Wurde in der DDR stark nach ehemaligen Verbrechern gesucht und publik gemacht?

Berichteten Zeitungen über das Thema Nationalsozialismus und deren ganzen Ausmaß?

Wurde mit den Eltern darüber geredet oder herrschte ein großes "Verdrängen"?

Alles Fragen die mir einfach kein Schulbuch beantworten will und wenn dann nur sehr einseitig. Mich würden eure Erinnerungen interessieren

**Nachtrag:
Hat die Ns Vergangenheit überhaupt eine Rolle gespielt für die Generation "nach dem Krieg"? Oder ging sie einfach ihrem Alltag nach. Wie waren dadurch die Familien Verhältnisse geprägt? Eine Generation vom Krieg geprägt die andere aufgewachsen in einem neuen System der DDR.


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18.06.2013 18:03
#2
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Hallo Rikura, erstmal von mir ein herzliches Willkommen im Forum.

Über Aufkläung von NS-Verbrechen findest Du hier einige interessante Beiträge !

http://www.mfs-insider.de/


Dort unter diesen Beiträgen mal schauen

Zur "Focus"-Ente, das MfS habe mehr als 20.000 Nazi- und Kriegsverbrecher gedeckt.
Gegendarstellung
"Neues Deutschland" vom 20.11.2004: "Jetzt neu: politisch korrekt lügen"
"Was wusste, tat, verhinderte die Stasi? Enttarnung, Verfolgung und Verurteilung von Nazis in der DDR
"junge Welt" vom 25.11.2004: "Seriöse Aufklärung von Naziverbrechen"
Dienstaufsichtsbeschwerde: formlos, fristlos, fruchtlos!


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18.06.2013 18:42
avatar  Lutze
#3
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Hallo Rikura,
unser Russischlehrer war in sowjetische Kriegsgefangenschaft gewesen,
er war einfacher Wehrmachts-Soldat gewesen,im Unterricht hat er viel
darüber erzählt,das war manchmal so spannend,wir sind garnicht zum
Russischlernen gekommen
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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18.06.2013 18:50
avatar  Mike59
#4
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Zitat von Lutze im Beitrag #3
Hallo Rikura,
unser Russischlehrer war in sowjetische Kriegsgefangenschaft gewesen,
er war einfacher Wehrmachts-Soldat gewesen,im Unterricht hat er viel
darüber erzählt,das war manchmal so spannend,wir sind garnicht zum
Russischlernen gekommen
Lutze

Okay - und ich dachte nur bei mir war das so. Dafür bin ich auch immer mit Russisch 5 in die Relegationsrunde für das nächste Schuljahr gegangen. Aber Geschichte hat mich eh mehr interessiert.


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18.06.2013 19:41
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#5
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Zitat von Rikura im Beitrag #1


(Es müsste ja schließlich einige Lehrer gegeben haben, welche selbst involviert waren im NS Regime und vielleicht sogar noch eine gute Meinung davon hatten`?!)




Liebe Rikura,

ich bin 1964 eingeschult worden und habe keinen Lehrer oder Lehrerin erlebt, die eine positive Meinung zum Nationalsozialismus hatten.

Hier einige links zum Bildungswesen nach 1945:

Reeducation

"Die von den vier alliierten Mächten geplante und durchgeführte demokratische Bildungsarbeit im gesamten Nachkriegsdeutschland ist als Reeducation (auch Re-Education) bekannt, obwohl dies zunächst nur die US-amerikanische Bezeichnung war. In den anderen Besatzungszonen wurden auch andere Begriffe verwendet: „Reconstruction“ bei den Briten, „mission civilisatrice“ bei den Franzosen und „antifaschistisch-demokratische Umgestaltung“ in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)."

http://de.wikipedia.org/wiki/Reeducation

Neulehrerbewegung in der sowjetischen Besatzungszone

"Zur Wiederaufnahme des Schulbetriebes nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in kurzen Programmen Akademikern, in der sowjetischen Besatzungszone auch jungen Arbeitern, der Weg ins Lehramt eröffnet.

Für das Programm wurden alle gemeldeten Bürger mit einem akademischen Grad geprüft, und soweit keine Verstrickung mit der NSDAP oder deren Staatsorganen bestand, in das Umschulungsprogramm zum Lehrer übernommen. Dieses bestand im Wesentlichen aus Unterweisungen in Pädagogik nach dem damaligen Wissensstand, sodass sie nach nur wenigen Monaten den Schuldienst antreten konnten. Im Neulehrerprogramm der sowjetischen Besatzungszone liefen die Kurse typisch 4 bis 8 Monate, oft in eigens eingerichteten Schulen. Hier wurden junge Arbeiter besonders gefördert. In den westlichen Besatzungszonen wurden an allen Universitäten pädagogische Fakultäten eingerichtet, die Junglehrer in maximal einjährigen Kursen heranbildeten.

Wurden im ersten Schuljahr noch einige Lehrer mit nationalsozialistischer Vergangenheit geduldet, so wurden die Richtlinien für den Verbleib im Schuldienst schrittweise verschärft. In den westlichen Besatzungszonen konnten einige Lehrer mit zweifelhaftem Hintergrund nach sogenannten „Entbräunungskursen“ ab 1947 wieder in den Schuldienst eintreten, während in der sowjetischen Besatzungszone das Neulehrerprogramm so umfangreich gestaltet wurde, dass große Teile der bisherigen Lehrerschaft von den rund 40.000 Neulehrern ersetzt wurden. Obschon die alte Lehrerschaft die Qualität einer höchstens einjährigen Umschulung anzweifelte, war aufgrund des zumeist akademischen Hintergrundes der Neulehrer das Ergebnis hinreichend gut und ermöglichte den sonst im Nachkriegsdeutschland aufgabenlosen Berufen eine feste Anstellung. Die große Mehrzahl der Neulehrer blieb auf Dauer im Schuldienst tätig."

http://de.wikipedia.org/wiki/Neulehrer

LG von der grenzgaengerin


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18.06.2013 19:45
avatar  Mike59
#6
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Alltag in der DDR?

Was ist Alltag und für wen? Im Arbeitsprozess bist du ja offensichtlich noch nicht @Rikura
Das wäre ja Alltag im Schulalter. Wecker klingelt - aufstehen. Meine Eltern sind schon an der Arbeit - das bereitgestellte Frühstück Brot Butter Marmelade und/oder Wurst - Muckefuck oder Milch. bääh
Also ohne Frühstück zur Schule. Der Weg führt am örtl. Bäcker vorbei - der hat heute ganz frischen Bienenstich mit Cremfüllung. Das Taschengeld reicht gerade noch für zwei Stück - lecker.
danach Schule bis 14 - 15 Uhr. Mittagessen gibt es in der Schule und es gibt "Pausenmilch" die Kosten waren erschwinglich. Nach der Schule ging es nach Hause. Klamotten wechseln oder auch einfach vergessen und gleich wieder auf die Rolle. Abends dann der erzieherische Anschiss weil weil das Frühstück noch so stand wie es gestellt wurde der Mülleimer nicht entleert wurde, die Kleidung für die Schule am nächsten Tag nicht mehr zu gebrauchen war, keine Hausaufgaben erledigt waren und der Aufsatz mit einer glatten 5 nicht akzeptiert wird. Abendessen - Fernsehen - Bett dort noch Lesen. Ermahnung Licht aus. Der nächste Tag wartet.

Ich weiß nicht ob das noch in der Erinnerung ist, wie das früher ???? also in der Zeit um 1960-1970 so mit der Tageswäsche war. Ich kann mich noch erinnern das die Wäsche eine Woche getragen wurde, bevor sich dann am Samstag in einer Zinkwanne gewaschen (Badetag) wurde und es gab neue saubere Kleidung. Ansonsten nur Hände, Gesicht und zur Not mal die Füße gewaschen bzw. was eben gerade als besonders schmutzig erachtet wurde. Wir hatten einen Wasserhahn in der Wohnung! Einmal im Monat war Waschtag, aber dann alles, denn die Waschküche war für diesen Tag reserviert. Die Tage danach ging es dann zum Wäsche plätten. In Erfurt nannte sich das die Rolle - gemeint war Wäschemangeln. Oje ich schweife ab.


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18.06.2013 22:09
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#7
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bei mir warens dann meist die Streuselschnecken ,welche in der grossen Pause geholt wurden . Damals war der Kuchen auch erschwinglich für unser Taschengeld ! Preis einer Streuselschnecke 9 Pfennig , Gefüllter Bienenstich 40 Pfennig
MfG Fritze


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18.06.2013 22:16
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#8
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@Fritze und nicht die Amerikaner zu vergessen !!!

Vierkrug


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18.06.2013 22:25 (zuletzt bearbeitet: 18.06.2013 22:26)
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #8
@Fritze und nicht die Amerikaner zu vergessen !!!

Vierkrug



"Genau , tu was für den Frieden !"


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21.06.2013 00:24
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#10
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Liebe Claire,

auch von mir schöne Grüße. Die DDR war antifaschistisch, obgleich Faschisten schon vorhanden waren. Nur dass sie nicht sehr ernst genommen wurden. In der BRD hingegen wurde die Nazizeit bis weit in die 1980er hinein weitgehend totgeschwiegen. Natürlich konnte man die 12 Jahre nicht überspielen, aber das lief darauf hinaus, dass SchülerInnen in etwa gesagt wurde: "Tja, ab 1933 gab es eine ziemlich unangenehme Zeit, mit einem Weltkrieg und so, aber das war 1945 vorbei und dann kam das deutsche Wirtschaftswunder". Sogar Wessi LehrerInnen, die selbst mehr darüber wissen wollten, mussten Material und Dokumentarfilme aus der DDR holen, denn "vor Ort" was kaum was zu finden. Es waren auch die DDR-Forscher, die peinlicherweise auch die Wessis auf Nazis in hohen Stellen aufmerksam machten. Zum Beispiel der Ministerpräsident von BaWü, und Nazirichter, Hans Filbinger, der in Norwegen sogar nach dem Ende des Krieges Deseteure zum Tode verurteilt hatte.

Hier ist ein sehr interessantes Stück zu der Frage der Behandlung der Nazis in der DDR und auch teilweise in der BRD.

http://www.mfs-insider.de/Abhandlungen/Rueter.htm

MsG


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21.06.2013 00:45
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#11
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #8
@Fritze und nicht die Amerikaner zu vergessen !!!

Vierkrug



Die Amis hatte ich auch zum Fressen gern.
Die gab es aber nur mit Glasur.


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21.06.2013 07:44 (zuletzt bearbeitet: 21.06.2013 07:52)
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#12
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Zitat von Bugsy im Beitrag #10
Liebe Claire,

auch von mir schöne Grüße. Die DDR war antifaschistisch, obgleich Faschisten schon vorhanden waren. Nur dass sie nicht sehr ernst genommen wurden. In der BRD hingegen wurde die Nazizeit bis weit in die 1980er hinein weitgehend totgeschwiegen. Natürlich konnte man die 12 Jahre nicht überspielen, aber das lief darauf hinaus, dass SchülerInnen in etwa gesagt wurde: "Tja, ab 1933 gab es eine ziemlich unangenehme Zeit, mit einem Weltkrieg und so, aber das war 1945 vorbei und dann kam das deutsche Wirtschaftswunder". Sogar Wessi LehrerInnen, die selbst mehr darüber wissen wollten, mussten Material und Dokumentarfilme aus der DDR holen, denn "vor Ort" was kaum was zu finden. Es waren auch die DDR-Forscher, die peinlicherweise auch die Wessis auf Nazis in hohen Stellen aufmerksam machten. Zum Beispiel der Ministerpräsident von BaWü, und Nazirichter, Hans Filbinger, der in Norwegen sogar nach dem Ende des Krieges Deseteure zum Tode verurteilt hatte.

Hier ist ein sehr interessantes Stück zu der Frage der Behandlung der Nazis in der DDR und auch teilweise in der BRD.

http://www.mfs-insider.de/Abhandlungen/Rueter.htm

MsG



Geschichte kann so einfach sein! Wunderbar.
Im Westen die Bösen im Osten die Guten.


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21.06.2013 08:27
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Zitat von damals wars im Beitrag #11
Zitat von Vierkrug im Beitrag #8
@Fritze und nicht die Amerikaner zu vergessen !!!

Vierkrug



Die Amis hatte ich auch zum Fressen gern.
Die gab es aber nur mit Glasur.


@ damals wars---Das schlimmst war ja der Gruppensex in der Bäckerei.Wenn ein Amerikaner,zwischen zwei Schnecken lag.


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21.06.2013 08:28
#14
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #12



Geschichte kann so einfach sein! Wunderbar.
Im Westen die Bösen im Osten die Guten.


Im Westen waren mutmassliche Naziverbrecher in den siebziger und achtziger Jahren ein "Dauerbrenner" in der Presse, vor allem dank des Simon Wiesenthal Centers
http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Wiesenthal
zum Beispiel kam fast jeden Tag ein Bericht über Kurt Waldheim, den österreichischen Bundespräsidenten
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Waldheim
Auch Klaus Barbie war prominent in den Zeitungen vertreten
http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Barbie
Zu den Urteilen: Die ausgesprochenen Strafen sind im Osten zum Teil extrem hoch
http://www1.jur.uva.nl/junsv/ddr/DDRLfdNrfr.htm
http://www1.jur.uva.nl/junsv/brd/Lfdnrfr.htm
Theo


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21.06.2013 09:55
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#15
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Zitat von Rikura im Beitrag #1
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Eine Frage die mich sehr beschäftigt ist: Wie sah der Alltag in der DDR aus -->Machte man sich Gedanken über die Vergangenheit (schließlich wollten bestimmt Kinder wissen warum es „2 Deutschlands“ gibt oder wurde es anders gesehen?)


Mich hat es als Kind nicht interessiert, warum es 2 deutsche Staaten gab. Es war halt so. Als ich noch am Zaun lebte, war für mich genau hinter dem Zaun die Welt zu Ende. Für mich gab es dort nix mehr.

Mit etwas zunehmenden Alter, hat man gewusst, dass es da noch die BRD gab. Natürlich wusste man auch, dass es dort schöne Dinge zu kaufen gibt, oder das es Westgeld gab und Intershop's. Natürlich wusste ich das alles von meinen Klassenkameraden. Ich selber bin so gut wie nie in den Genuss von westdeutschen Produkten gekommen. Familie väterlicher Seite war in hohen Positionen gesessen und da war sowas natürlich absolut tabu! Ich bin dafür in den Genuss von köstlicher russischer Schokolade gekommen.

Über das Nazigeschwadel haben wir in der Schule zwar gerdet bzw auch als Schulstoff dran genommen, aber der größte Teil waren die Heldentaten der roten Armee. Ich muss aber auch sagen, für mich ist nur die rote Armee der Sieger über Nazideutschland. Aber das wäre nun ein anderes Thema!
In den familiären Kreisen wurde nie über so etwas gesprochen und mich hat es auch wirklich nicht interessiert als Kind.

Ich muss gestehen, ich habe lange mit dem Ende der DDR zu kämpfen gehabt. Ich hab ihr lange hinterher getrauert. Hab mich lange an alten Dinge geklammert. Was soll man machen als 12, 13, 14jähriger. ich stand da, ohne Perspektive, ohne Pionierhalstuch, ohne Klassenfeind, den ich dann ganz nach Vorbild meines Vater als stolzer Grenzer, davon abhalten wollte, in unsere DDR einzufallen.

Jaja, so war es für mich. Ich kann für mich und nur für mich behaupten, ich hatte eine schöne Kindheit in der DDR. Ich war stolzer Pionier und wäre bestimmt auch ein stolzer Grenzer geworden!
Mittlerweile bin ich froh in einem anderen Land leben zu dürfen. Es hat auch sehr sehr viele Macken die mich gewaltig stören, aber es lebt sich ganz gut hier in diesem heutigen und jetzigen Deutschland!

Ich hoffe, ich bin nicht zu weit abgeschweift....


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