Gewissenskonflikte beim Wechsel von NVA/Grenztruppen zum Klassenfeind ?

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04.06.2013 05:44
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#31
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Zitat von ratata im Beitrag #18
Seit ihr alle hier so Naiv und nehmt an der Wechsel von Bundeswehr zur NVA währe noch humaner verlaufen . Die Stasi hätte erstmals reinen Tisch gemacht und ihre Internierungslager vollgestopft .ratata

Die guten alten Internierungslager,die man da vorhatte einzurichten,im Fall der Fälle.
Die Frage die sich mir da oft stellt,die alte BRD in Zeiten des kalten Krieges,ob sich denn da keiner von den Verantwortlichen Gedanken gemacht hat,was machen wir eigentlich in Fall der Fälle mit den Leuten,die zum Feind gehören und bei uns leben?
Die Amerikaner haben bei Eintritt in den 2.Weltkrieg alle Japaner,auch die die schon in zweiter Generation im Lande leben interniert,vorsichtshalber,aus Angst vor Sabotage und Spionage.Sollte es solche Pläne in der BRD-Alt gegeben haben,heute sind sie sicher streng geheim


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04.06.2013 11:06 (zuletzt bearbeitet: 04.06.2013 13:32)
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#32
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #29
Ach, wenn es alles so einfach gewesen wäre ...

......................
Bin ich nun ein Wendehals?

ciao Rainman


Definitiv: nein - sage ich.
Wer hat sich blos solche komischen Begriffe ausgedacht ?
Ist doch "Siegerjustiz" - kontere ich da mal...

Ach Rainmann, wir haben ja in Eisenach zusammengehockt und über solche Fragen nachgesonnen.....
Und Du weisst ja auch:
Es war der Flügelschlag eines Schmetterlings in Indien (so wie beim Wetter in Europa) in meiner Biografie - und ich müsste mir genau die gleichen Gedanken machen. Nein: Ich hab Dich als Mensch erlebt, du bist aufrichtig, authentisch, im Leben wie hier in Deinen Beiträgen.


Augen auf bei der Berufswahl !
Jaja, ist zu spät - man kann die Zeit nicht zurückdrehen, ich weiss....

Wenn Du Künstler, Musiker, geworden wäst - statt Offizier - dann hättest Du die DDR-Musikgeschichte "mitgeschrieben", so wie die Puhdys oder Tamara Danz. Da bin ich sicher.
Du hast in bester Absicht Deine Talente und Anlagen, die schon immer in Dir schlummerten, damals bei der Truppe "verschleudert".
Mir wär's sicher genau so gegangen - ich wäre nur ein mittelmässiger Nachrichtenoffizier geworden, aus Pflichtbewusstsein.
So bin ich ein mittelmässiger Softwareentwickler geworden und - eigentlich ganz zufrieden mit meinem Schicksal.

Also - lass Dir bloss nichts einreden, schau in den Spiegel, lächle und sag:
"ich bin im hier und jetzt angekommen und kann von meiner Arbeit leben."
Und die Musik ist eben Hobby geworden, nicht Beruf.
Wer weiss, ob Du von der Musik leben könntest...


Herzliche Grüsse von Hartmut


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05.06.2013 10:08 (zuletzt bearbeitet: 05.06.2013 18:08)
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Zitat von Mike59 im Beitrag #23
Hatte ich Gewissensbisse?
....................................
Ja- hatte ich. Jetzt nicht mehr.




Hallo Mike,

Respekt - auch Du hast für Dich alles richtig gemacht.
Und vor allem: Meine Respekt dafür, dass Du Deine Gründe hier so offen darlegt hast.
Unser Land kommt nicht ohne Grenzkontrollen aus, leider. Dazu ist diese Welt (noch) viel zu kompliziert.

Du weisst ja: nachdem ich hier im Forum mitbekommen habe, dass wir uns 1979/80 in Vacha schon mal begegnet sein müssen, Da damals als Berufunteroffozier noch ganz am Anfang Deiner MIlitärlaufbahn warst, dachte ich in den vergangen Wochen manchmal:
"Wie wird es denn dem Mike 1989 so ergangen sein - genau nach 10 Jahren, der regulären Dienstzeit für Berufunteroffiziere, raus aus dem Zivilberuf und Dienstzeit abgelaufen..... Ach, das fragst Du ihn beim Forentreffen persönlich, vielleicht ist das ein wunder Punkt."
Und dann sassen wir zu dritt im Storchenturm beieinander, Klaus-Peter, Du und ich.

Und Deine Formulierung "Ironie des Schicksals....." ist ja richtig pressereif

Guss Hartmut

PS: @Mike59 Hast Du die Formulare "Antrag auf Einreise..." mitgebracht ?
Die waren klasse - hab so etwas nie in der Hand gehabt - mangels Westverwandschaft.


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05.06.2013 10:34
#34
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Zitat von Grenzerei im Beitrag #28

(...)
Denn wenn man das Beispiel der Kundschafter nimmt, haben einige Leute jahrelang im Gefängnis dafür gesessen, dass sie sich für Frieden und für das untergegangene Gesellschaftssystem eingesetzt haben. Möge man diesen Leuten ins Gesicht sagen, das man als Offizier der NVA/Grenztruppe nur seinen Job gemacht hat.


Ausser natürlich, man heisst Markus Wolf, kennt den Inhalt des Einigungsvertrages und ist prozessfreudig..
http://de.wikipedia.org/wiki/Strafverfol...BCr_DDR-Agenten
Theo


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05.06.2013 10:36 (zuletzt bearbeitet: 05.06.2013 10:51)
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#35
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Das mit dem Spiegel und selber in die Augen gucken ist wohl das Wichtigste.
Das kann nicht jeder für sich in Anspruch nehmen.

seaman

Einen kenne Ich auch seaman,mein SV. der hat 1990 gesagt "diese Uniform der Bundeswehr ziehe ich nicht an",und das hat er hartnäckig durchgezogen.
Auch als ich Ihm sagte "Du Idiot,mache das doch noch die paar Jahre"
Von einem Gefreiten der GT hat der sich aber noch lange nichts sagen lassen,geschweige denn Beeinflussen lassen.
Das Ende vom Lied war die Entlassungsurkunde unterzeichnet von Rainer Eppelmann.

Und diese Einstellung hat er bis zum heutigen Tag behalten.das ND kommt täglich in unser Haus,und an den Parteiversammlungen der Linken nimmt er regelmäßig teil.
Ich konnte diese Entscheidung von Ihm Jahrelang nicht verstehen,aber mittlerweile respektiere ich sie. Bei Familienfeiern muss er sich trotzdem immer einige Spitzen von mir gefallen lassen

P.S. Bei jeder wahl sagt er mir immer welche Partei ich zu wählen habe sage dann auch immer "hab ich gemacht"


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08.06.2013 15:19
avatar  glasi
#36
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #29
Ach, wenn es alles so einfach gewesen wäre ...

Zunächst: Damit das fest gefügte Weltbild eines Menschen vollständig zerstört wird, reicht ein Tag, eine Stunde, ein Augenblick. Wenn ein Mensch sein Tun, über Jahre oder gar über sein ganzes Leben, an ein fest gefügtes Weltbild geknüpft hat, so wird er sein Tun genauso schnell in Frage stellen, wie das Weltbild zerstört wurde.

Bei mir gab es in Bezug auf meine Überzeugungen mehrere Phasen des Erschütterns bis hin zum Zusammenbruch:
- Gorbatschows Glasnost und Perestroika verpassten meinem Weltbild einen ersten Dämpfer.
- Die Delegierung zum Studium 1988 nahm mich aus der Mühle des Dienstgeschäftes heraus - Ergebnis: Nachdenken, Reflexion auch Diskussionen mit den Studienkollegen.
- Der Beginn der Demonstrationen in Leipzig, immerhin meine Heimatstadt - auch Leute aus meiner Familie gingen da hin.
- Mein Einsatz an tschechischen Grenze über den 40. Jahrestag der DDR hinweg - Konfrontation mit einem Dienstalltag, der der politischen Situation im Land in keiner Weise entsprach.
- Freitag 10.11. - Mittwoch 15.11.1989 - der Zusammenbruch

Die letzte Phase war die entscheidende. Hier brach mein aus meiner Sicht wohlgefügtes Bild von der DDR und ihrer Führung endgültig zusammen. Ich wurde kein Feind des Sozialismus. Ich behielt die Uniform an. Aber der ursprüngliche Sinn, den ich in meinem Dienst gesehen hatte, die Verteidigung des real existierenden Sozialismus, weil dies die einzige Gesellschaftsordnung schien, die den Frieden sichern und erhalten konnte, war weg.

Dann ging es Schritt für Schritt (Auswahl - aus meiner Sicht):
- Der Versuch einer Militärreform
- Der Streik der Armeeangehörigen
- Der Runde Tisch der Landesverteidigung
- Die Wahlen
- Der "Eppelmann"-Eid
- Die Auflösung der Grenztruppen und meine Übernahme in die NVA
- Der 3. Oktober 1990.

Das ging also alles nicht Knall auf Fall, es war eine Zeit des Umbruchs und der Entwicklung. Für einen Moment war ich auch geneigt, mich bei der Bundeswehr zu bewerben. Ich gestehe, dass das eher so etwas wie Hilflosigkeit, oder Perspektivlosigkeit war. Als ich dann meinen Lebenslauf für diese Bewerbung schrieb (für mich unvergessen, wie ich im Computerkabinett der Militärpolitischen Hochschule an einem PC1715 saß und den Lebenslauf tippte), überkam mich mit einem Mal ein Lachanfall: "Die müssen doch mit dem Notventil geduscht sein, wenn die so eine alte rote Socke wie mich einstellen! Und ich - was will ich dort?"

Ich wollte mein Studium abschließen. Nach fast 7 Jahren auf Studienbänken nur mit einem Fachhochschulabschluss dazustehen, dem Abschluss der Offiziershochschule in Plauen, schien mir zu wenig. Es gab das Angebot der Militärpolitischen Hochschule, das Studium bis 31.12.1990 mit einem voll gültigen Diplom abzuschließen und danach entlassen zu werden. Das nahm ich an und wurde noch für knapp 3 Monate Hauptmann der Bundeswehr. Ich trug die Uniform dreimal: Zur Einkleidung, zum Appell am 04.10.1990 und zur Prüfung im Hauptfach (Politikwissenschaft).

Bin ich nun ein Wendehals? Wer Spaß daran hat, es so zu sehen, möge das tun. Es ist mir zwar nicht gleichgültig, aber letztlich brauche ich dafür nicht mal eine Regenplane. Hatte ich Gewissenskonflikte? Oh ja! Aber die Entscheidung, die Uniform des alten Feindes anzuziehen, stand am Ende eines fast vierjährigen Entwicklungsweges mit dramatischsten Wendungen und permanenten Entscheidungen. Heute kann ich nicht behaupten, das alles toll gemacht zu haben. Ich kann mir lediglich noch im Spiegel gerade in die Augen gucken. Ist auch was wert.

ciao Rainman

Das hast du genau richtig gemacht. Was stört es wenn mann als Wendehals bezeichnet wird. Können diese Leute deine Rechnungen bezahlen? Jeder muß sehen wo er bleibt. Alles andere ist dummes Gerede.


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13.06.2013 06:35 (zuletzt bearbeitet: 13.06.2013 06:55)
#37
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Zitat
Wie wird es denn dem Mike 1989 so ergangen sein



Von Mike gibt´s ein Video am Tag der Grenzöffnung.

Schön, wenn die Namen Gesichter bekommen.

Wie bei Rainman schätze ich Mike´s offene Art mit der Geschichte umzugehen.

Mfg Berlin


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13.06.2013 13:24 (zuletzt bearbeitet: 22.06.2013 21:11)
avatar  Gohrbi
#38
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...ich war schon am überlegen, ob ich mich hier einbringe.........der Beitrag wäre auch zu lang hier.......
für den, der es lesen möchte, bitte den Word - Anhang benutzen.......3 DinA4 Seiten.....es sollte mal ein Beitrag
zu einem Buch der FuTT werden, darum ausfühlicher....aber trotzdem meine Sicht und Erleben....

Kurzfassung.....alles richtig gemacht und so auch von Ost und West akzeptiert worden.
Leute mit anderer Meinung gibt es überall und so bin ich für Meinungen offen.......können uns auch "hauen" symbolisch natürlich


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13.06.2013 13:36
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#39
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( gelöscht )

Zitat von Gohrbi im Beitrag #38
...ich war schon am überlegen, ob ich mich hier einbringe.........der Beitrag wäre auch zu lang hier.......
für den, der es lesen möchte, bitte den Word - Anhang benutzen.......3 DinA4 Seiten.....es sollte mal ein Beitrag
zu einem Buch der FuTT werden, darum ausfühlicher....aber trotzdem meine Sicht und Erleben....

Kurzfassung.....alles richtig gemacht und so auch von Ost und West akzeptiert worden.
Leute mit anderer Meinung gibt es überall und so bin ich für Meinungen offen.......können uns auch "hauen" symbolisch natürlich


Klar,sachlich und interessant geschrieben.Das sind Beiträge die würdig sind, zu diskutieren!


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13.06.2013 16:34
avatar  glasi
#40
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Zitat von Gohrbi im Beitrag #38
...ich war schon am überlegen, ob ich mich hier einbringe.........der Beitrag wäre auch zu lang hier.......
für den, der es lesen möchte, bitte den Word - Anhang benutzen.......3 DinA4 Seiten.....es sollte mal ein Beitrag
zu einem Buch der FuTT werden, darum ausfühlicher....aber trotzdem meine Sicht und Erleben....

Kurzfassung.....alles richtig gemacht und so auch von Ost und West akzeptiert worden.
Leute mit anderer Meinung gibt es überall und so bin ich für Meinungen offen.......können uns auch "hauen" symbolisch natürlich

Ich danke dir für diesen tollen Bericht. Du hast die richtige Entscheidung getroffen. Was ich lustig finde wie ihr Probleme hattet beim Waffendrill mit dem G3. Ist doch eigentlich ganz einfach.


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13.06.2013 17:33
avatar  Gohrbi
#41
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Zitat von glasi im Beitrag #40
Zitat von Gohrbi im Beitrag #38
...ich war schon am überlegen, ob ich mich hier einbringe.........der Beitrag wäre auch zu lang hier.......
für den, der es lesen möchte, bitte den Word - Anhang benutzen.......3 DinA4 Seiten.....es sollte mal ein Beitrag
zu einem Buch der FuTT werden, darum ausfühlicher....aber trotzdem meine Sicht und Erleben....

Kurzfassung.....alles richtig gemacht und so auch von Ost und West akzeptiert worden.
Leute mit anderer Meinung gibt es überall und so bin ich für Meinungen offen.......können uns auch "hauen" symbolisch natürlich

Ich danke dir für diesen tollen Bericht. Du hast die richtige Entscheidung getroffen. Was ich lustig finde wie ihr Probleme hattet beim Waffendrill mit dem G3. Ist doch eigentlich ganz einfach.


..klar war es einfach, aber hier ging es ums Prinzip, Es fehlte die Nachfrage, wer die Waffe kennt und es fehlte einfach das Feingefühl, dass ein Ausbilder haben sollte. Man wirft doch keinen auf offener See über Bord und fragt hinterher, "Sie können doch schwimmen?"


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13.06.2013 17:47
#42
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Kannst Du das bitte mal als PDF einstellen? Mein Word mag das nicht.

Danke.

Mfg Berlin


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13.06.2013 18:00
avatar  Gohrbi
#43
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Zitat von berlin3321 im Beitrag #42
Kannst Du das bitte mal als PDF einstellen? Mein Word mag das nicht.

Danke.

Mfg Berlin


Versuche es gerade, aber die wollen gleich ein Jahres/Monatsabo anlegen. Ich versuche es mal anders.


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13.06.2013 18:02
avatar  werner
#44
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Zitat von Gohrbi im Beitrag #43
Zitat von berlin3321 im Beitrag #42
Kannst Du das bitte mal als PDF einstellen? Mein Word mag das nicht.

Danke.

Mfg Berlin


Versuche es gerade, aber die wollen gleich ein Jahres/Monatsabo anlegen. Ich versuche es mal anders.



@Gohrbi openoffice z.B. macht´s möglich oder free_pdf_xp


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13.06.2013 18:09
avatar  RalphT
#45
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@Gohrbi:

Ich war mal so frei. Ich hoffe das ist ok. Hier ist das Dokumant als PDF

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  • Gewissenskonflikte beim Wechsel von NVAGrenztruppen zum Klassenfeind.pdf

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