Wildwest in Eastern Germany

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24.04.2013 07:30
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#16
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toll geschrieben, bewhrenswert, danke...


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24.04.2013 09:04
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#17
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@ Uwe!

Schonmal an ein 2. Einkommen gedacht als Schreiberling?Das Zeug haste dazu!
Weiter so!


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24.04.2013 11:45
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#18
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Klasse Artikel, Uwe

Als Hörbuch haste es aber noch nicht vorrätig?


Gruß Volker


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24.04.2013 11:58
avatar  Udo
#19
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Udo

Hab die 107 Seiten durch. Sehr aufschlussreich mal einen Erlebnisbericht der Polizeikollegen zu hören. Danke.
Über eine Fortsetzung wäre ich nicht böse.


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26.04.2013 06:57
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#20
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ABV

Zitat von berlin3321 im Beitrag #15
Guten Morgen Uwe,

ich habe jetzt alle 107 Seiten gelesen, einfach Klasse, der Bericht.

Ich würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung gibt.

Ist den 2. Job Schriftsteller? Das Zeug dazu hast Du. In einem anderen Forum (auch im Oderbruch zu Hause, selbst der Ort wurde genannt: Zechin) steht dann immer wieder: Weiter so..........

Mfg Berlin


Danke für dein Lob, Berliner. Und auch ein Dankeschön an alle anderen. Na ja, mit dem Zweitjob ist das nicht so einfach. Als Hobby ist das ja ganz ok. Aber einen Verlag zu finden, der das geschriebene drucken und herausgeben möchte, ist leider sehr schwierig. Ist ja auch egal. Ich habe ja mein Publikum im Forum

Gruß an alle
Uwe

Gruß an alle Uwe

26.04.2013 10:44
#21
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Zitat von Gert im Beitrag #7
Zitat von Hackel39 im Beitrag #3
Zitat von ABV im Beitrag #1
Hallo Freunde!
Über meine Erlebnisse während der Wendezeit hatte ich ja in einem anderen Thread bereits berichtet. Wie aber ging es im Oderbruch nach 1990 weiter? Ich habe meine Erlebnisse zwischen 1990 und 1996 niedergeschrieben. Wegen der besseren Lesbarkeit, habe ich eine PDF-Datei daraus erstellt. Ihr findet diese Datei unten als Anhang.

Viel Spaß beim Lesen
und viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


Hallo Uwe,
das liest sich sehr gut an, einfach Klasse.
Ich werde versuchen, alles durchzulesen in meiner Abfeierwoche, was ich nicht schaffe, drucke ich aus und nehme es mit dem Zug kreuz und quer durch Einheitsdeutschland mit.

Gruß Hackel.




so, während einer Zugfahrt liest du Bücher ???




Gaaaanz ruhig, verehrter Gert, laß mich den Sachverhalt klären.
Wie bekannt, lebe ich im entvölkerten, entindustrialisiertem Morgenthau- Osten und muß erst 300-400 km überbrücken, um dort hinzukommen, wo die Niedriglohnkrake nicht hinkommt.
Auf dieser Reise lese ich, alles was ich durch meine rosarote Brille lesen kann, so einfach ist das.
Übrigens habe ich auch innerhalb der Arbeitswoche wegen asymetrischer Dienstpläne zuweilen mehrere 100 km als Fahrgast zu überbrücken, also Zeit ohne Ende, Zeit ohne Heimat.
Gruß Hackel.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein und kein Sofa.

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26.04.2013 12:43
#22
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Hallo,

ich bin ebenfalls schwer beeindruckt! Schmissig geschrieben, liest sich wie ein Roman. Und das Lokalkolorit des Oderbruchs, 1A!
Köstlich fand ich die deutsch polnische Zusammenarbeit zur Pekinesenrettung.

Weiter so!

Grüße aus Hessen

„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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26.04.2013 20:57
#23
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #6
Den Fragebogen brauchte ich nicht mehr ausfüllen, da sowohl der damalige Innenminister der DDR, PMD, wie auch der künftige Innenminister des Landes Brandenburg (ab 01.11.1990), Alwin Ziel wußten, aus welchem Stall ich kam.
Auch dem damaligem Vorsitzenden der GDP, Hermann Lutz (CDU), war dieser Umstand bekannt und er hat sich auch nicht daran gestossen. Die Gründe für mein Ausscheiden waren anderer Natur. U.a. war ich nicht bereit und willens ein Gelöbnis auf diesen "neuen" Staat abzulegen. Und zu dieser Entscheidung stehe ich heute noch.

Vierkrug


Hallo Vierkrug,
ich fände es interessant zu erfahren, ob es da bestimmte Passagen des Gelöbnisses waren, die Dich konkret von der beruflichen Intergration im Folgesystem abhielten oder ob Du dem neuen Staat eher allgemein abgeschworen hattest.
Die Reichsbahn war ja ähnlich strukturiert wie Militär und Polizei, mit Diensträngen, Paragrafen, Uniformpflicht, Befehlen, politischen und technischen Abteilungen sowie dem allgemeinen Disziplinverständnis, trotzdem war mir Nahtlosbahner das Gerangel um die Posten, sowohl direkt im Betrieb als auch oberhalb davon relativ egal, wir konnten nur verlieren angesichts der Straßenlobby, das wußten wir vorher schon.
Mit unseren Uniformen verloren wir auch viel Anerkennung und wenn die GDL (Lokführergewerkschaft) damals nicht die alten Werte so gut es ging hoch gehalten hätte, dann hätte ich vielleicht auch hingeschmissen.
Gruß Hackel.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein und kein Sofa.

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26.04.2013 21:04
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#24
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #23
Zitat von Vierkrug im Beitrag #6
Den Fragebogen brauchte ich nicht mehr ausfüllen, da sowohl der damalige Innenminister der DDR, PMD, wie auch der künftige Innenminister des Landes Brandenburg (ab 01.11.1990), Alwin Ziel wußten, aus welchem Stall ich kam.
Auch dem damaligem Vorsitzenden der GDP, Hermann Lutz (CDU), war dieser Umstand bekannt und er hat sich auch nicht daran gestossen. Die Gründe für mein Ausscheiden waren anderer Natur. U.a. war ich nicht bereit und willens ein Gelöbnis auf diesen "neuen" Staat abzulegen. Und zu dieser Entscheidung stehe ich heute noch.

Vierkrug


Hallo Vierkrug,
ich fände es interessant zu erfahren, ob es da bestimmte Passagen des Gelöbnisses waren, die Dich konkret von der beruflichen Intergration im Folgesystem abhielten oder ob Du dem neuen Staat eher allgemein abgeschworen hattest.
Die Reichsbahn war ja ähnlich strukturiert wie Militär und Polizei, mit Diensträngen, Paragrafen, Uniformpflicht, Befehlen, politischen und technischen Abteilungen sowie dem allgemeinen Disziplinverständnis, trotzdem war mir Nahtlosbahner das Gerangel um die Posten, sowohl direkt im Betrieb als auch oberhalb davon relativ egal, wir konnten nur verlieren angesichts der Straßenlobby, das wußten wir vorher schon.
Mit unseren Uniformen verloren wir auch viel Anerkennung und wenn die GDL (Lokführergewerkschaft) damals nicht die alten Werte so gut es ging hoch gehalten hätte, dann hätte ich vielleicht auch hingeschmissen.
Gruß Hackel.


Antwort folgt morgen !!!

Vierkrug


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27.04.2013 12:54
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#25
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Sorry Hackel, dass ich erst heute Deine Anfrage beantworte, aber ich war gestern von der Gartenarbeit so platt, wie eine Maischolle.
Ich werde auch auf einen Prolog verzichten und versuchen, auch gleich zum Kern zu kommen. Vorab jedoch noch eine Bemerkung meinerseits.
Ich bewundere Menschen, wie meinen Freund Heinz (der unter dem Pseudonym "E.Rasmus" gelegentlich für den "Rotfuchs" schreibt) und auch ABV, die die Schönheit und vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der deutschen Sprache nutzen, um ihre Beiträge entsprechend zu formulieren. Das geht mir als "Technokraten" nicht so aus der Feder.

Wie bereits bekannt, trat ich meinen Dienst in den Reihen der Volkspolizei am 15. Januar 1990 an. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde ich noch anderweitig besoldet.
Mit dem Dienstantritt spürte ich zugleich eine gewisse Reserviertheit einiger höherer Polizeioffiziere der Bezirksbehörde gegenüber meiner Person, obwohl wir uns über viele Jahre kannten und auch in gemeinsame Aktivitäten eingebunden waren. Ich hatte dafür Verständnis, denn das MfS und seine Mitarbeiter waren die Zielscheibe nicht nur des Volkszornes.
Hinsichtlich der Aufgabenwahrnehmung gab es keine Probleme und das Aufgabengebiet passte in meine Vorstellungen.
Zum gleichem Zeitpunkt gab es innerhalb der Volkspolizei die ersten Aktivitäten zur Bildung einer eigenen Polizeigewerkschaft, der GdVP (Gewerkschaft der Volkspolizei), die den Bediensteten auch ein demokratisches Mitspracherecht nicht nur bei dienstlichen Obliegenheiten sichern sollte. Initiatoren dieser Gewerkschaftsgründung in der Bezirksbehörde waren vor allem Mitarbeiter der K. Die von ihnen angeführten Argumente waren auch für mich verständlich und nachvollziehbar. Obwohl es meinerseits keinerlei Ambitionen hinsichtlich einer Kandidatur gab, wurde ich zum Vorsitzenden der GdVP in der DE gewählt.
Aber zurück zum Thema. Ich hatte im März 1967 den Fahneneid des MfS geschworen, der sich nur unwesentlich von den Fahneneiden der anderen bewaffneten Kräfte der DDR unterschied. Dieser Fahneneid war für mich zugleich mein Bekenntnis und meine Treue zur Arbeiter - und Bauern - Macht in der DDR und bestimmte letztendlich mein Denken und Handeln – oder wie es auch manchmal im Parteideutsch hieß, die Einheit von Wort und Tat.
Die DDR war nicht nur meine politische Heimat – sie war auch mein Vaterland, im dem ich aufgewachsen war, eine umfassende Schulbildung genoss und meine Studien erfolgreich absolvieren konnte. Sie war der soziale Schoß, im dem ich meine Familie gründete und mit ihr viele gemeinsame und unvergessliche Jahre verbringen konnte.
Das stand alles 1990 zur Disposition. Aus den Hoffnungen, die DDR so zu reformieren, dass die bekannten Unzulänglichkeiten und Probleme auf breiter demokratischer Basis gemeinsam mit Volk beseitigt werden, erwuchs die Erkenntnis, dass dieses nicht das Ziel und das Anliegen bestimmter politischer Kräfte gewesen ist.
Diese Unsicherheiten widerspiegelten sich auch in der Dienstdurchführung der sich noch nennenden Volkspolizei.
Es ist u.a. PMD zu verdanken, dass die Volkspolizei in dieser Phase nicht in die Handlungsunfähigkeit abrutschte und sich mit den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten zurechtfand. Manchmal eine Gratwanderung und Zangengeburt.
In dieser Phase war bereits zu erkennen, dass sich die Führung der Bezirksbehörde mehr der eigenen Zukunft zuwandte, wie den sich den Sorgen und Problemen der Polizisten anzunehmen. Mit einem Mal war u.a. der ehemalige Leiter der K1 ein Verfolgter des SED-Regimes – seine Ehefrau war noch zuvor offizielle Delegierte zum Parteitag der SED gewesen. Andere hochrangige Polizeioffiziere bastelten an ihrer Vita herum, um sich bei den neuen Dienstherren anzubiedern und scheuten dabei nicht einmal vor denuzierenden Methoden zurück. Sie hatten sich dem Diktat der SED beugen müssen, um nicht Schäden in ihrer Laufbahn hinnehmen zu müssen – im Stillen haben sie jedoch eine andere Haltung zum Staat DDR und der Partei bezogen.
Das war für mich u.a. Bruch des geleisteten Fahneneides und eine spezifische Form der Fahnenflucht.
Ich konnte mich mit einer solchen Denk- und Verhaltensweise keinesfalls identifizieren und ich wollte es auch nicht. Noch existierte die DDR und der Fahneneid war noch bindend.
So langsam wurde ich einigen höheren Polizeioffizieren der Behörde ein unbequemer Partner – denn wir saßen als Personalvertreter auf einem Mal als gleichberechtigte Partner bei den Dienstbesprechungen mit am Tisch.
Es gab den Versuch, mich in eine Spezialeinheit, des sich im Aufbau befindlichen BGS Ost abzuschieben. Dieser Versuch scheiterte, da die Polizeigewerkschaft auch ihre Zustimmung geben musste. Und das eigentliche Anliegen dieser Maßnahme war zu offensichtlich.

Es rückte mit den Verhandlungen zum Einigungsvertrag und dessen Unterzeichnung der Tag immer näher, an dem die deutsche Einheit staatlich vollzogen wird und die DDR aufhört zu existieren. Es wurde dann der 3. Oktober 1990 als Termin des Vollzuges genannt.
In einer Dienstversammlung wurde uns dann das künftig abzulegende Gelöbnis zur Kenntnis gebracht. Für mich der Zeitpunkt, meinen Dienst zu quittieren, denn ich konnte dieses Gelöbnis und seinen Inhalt nicht mit meiner politischen Grundposition und meinen persönlichen Überzeugungen im Einklang bringen.
Es wäre auch eine Form des Verrates gegenüber dem Kampf und dem Lebenswerk meines Vaters gewesen, der von den Nazis ins Zuchthaus verbracht wurde, im Spanienkrieg in den Reihen der Interbrigaden kämpfte und nach Kriegsende aktiv beim Aufbau der Polizei in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR mitwirkte. Es waren westdeutsche Polizeibeamte, die meinen Vater aus dem sogenanntem Interzonenzug in Büchen herausholten und den Justizorganen in Lübeck übergaben, weil er den Wahlkampf der KPD zur Bundestagswahl in Hamburg mit unterstützen wollte. Es verbrachte viele Monate in Untersuchungshaft.

Mein Leitspruch von Immanuel Kant, dem großem deutschem Philosophen lautet: "Ich kann, weil ich will, was ich muß". Und danach handelte ich dann auch.

Ich darf mich heute KHK a.D. nennen. Ein Vorzug gegenüber meiner ehemaligen Tätigkeit, in deren Folge ich mich nicht als Hauptmann a.D. bezeichnen darf, da gedient in "fremden Heeren".

Gruß
Vierkrug

Noch ein abschliessender Hinweis für die allseits bekannten User, die wieder das "Sperrfeuer" eröffnen werden - ich trage eine schußsichere Weste !!!


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27.04.2013 14:07
#26
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Danke Vierkrug für diese ehrliche überzeugende Antwort.
Alles was ich in Deinen Zeilen gelesen habe, ruft aber eine Gegenfrage an Dich hervor, die ich gerne auch Thälmann oder Honecker stellen würde:
Würdest Du mit dem Wissen von heute, ein weiteres Mal auf die Loyalität dieser Arbeiterklasse vertrauen, die wir beide jeweils im Rahmen unserer Möglichkeiten zu führen versuchten, um im Wettstreit der Systeme als Sieger hervorzugehen ?
Ich rechnete mal intern in meinem damaligen Bekanntenkreis hoch, wieviele meiner damaligen Mitstreiter fit genug für den Sozialismus waren und kam auf etwa jeden fünften, eine gewagte und auch recht grobe Schätzung aber die ist entscheidend darüber, ob es überhaupt Sinn macht, etwas zu verteidigen, was viele offensichtlich gar nicht wollen, weil sie weder Krieg, Hunger, Vertreibung, Enteignung oder Terror von innen noch das Gegenmodell des Westens kennen gelernt hatten.
Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf meinen weitgehend gleichaltrigen Bekanntenkreis von damals, die Reichsbahner in meiner FDJ- Organisation bzw. dem Bahnstandort allgemein aber auch Betriebe des Umlands, deren Jugendliche ich damals besser kennengelernt hatte, auch Mitstreiter im Anglerverein und im Wohngebiet.
Als wir schließlich im März 1990 mit einem fetten Goldklumpen vor der Wahlurne standen, gab es noch eine gewisse Hoffnung auf einen besseren Weg, wenngleich die schon sehr gering war, aber es war nun mal eine freie Wahl, die auch für mich die Weichen stellte.
Nachdem Hans im Glück am Ende seiner Tauschgeschäfte (Gold- Pferd- Kuh...) am Ende seine Schleifsteine in den Straßengraben warf, weil keiner mehr seine Arbeitskraft brauchte und die linken Alternativparteien trotzdem nicht zum Zuge kamen, begriff ich im Verlauf der ersten 10-15 Jahre danach, daß es nichts mehr zu verteidigen gab.
Aber ich will nicht weiter ablenken und vielleicht kannst Du meine Gegenfrage doch beantworten,
Gruß Hackel.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein und kein Sofa.

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27.04.2013 14:39
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#27
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Ich beantworte Deine Gegenfrage gern. Zumindest wäre es mit Erfahrungen und Erkenntnissen von heute, einen erneuten Versuch wert. Vertrauen kann man nicht verordnen bzw. aufoktroyieren, man muß es sich erarbeiten und erwerben.
Ich hatte es schon einmal so ähnlich formuliert - Wir hatten ein gutes Volk, für dessen Wohlergehen wir alles unternehmen wollten. Irgendwann haben wir auf unserem Weg es versäumt, die Menschen dabei mitzunehmen und dabei das Volk verloren. Zum Schluß wollten dann die Menschen und das Volk nicht mehr mit uns gehen und folgten mehrheitlich dem "goldenem Kalb".

Wir haben so oft über das Sein und das gesellschaftliche Bewußtsein postuliert, aber in der Praxis nicht umgesetzt. Die Rede von Friedrich Engels am Grabe von Karl Marx hätte nicht nur zitiert werden sollen, sondern in der praktischen Arbeit mit Inhalt und Leben erfüllt werden müssen: Hier noch einmal auszugsweise zur Erinnerung:
"Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen - nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt."

Irgendwann wird es eine erneute Chance geben und dann hoffe ich, dass es die Erben besser angehen und aus den bitteren Erfahrungen und Erkenntnissen, die richtigen Schlußfolgerungen ziehen.

Vierkrug


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27.04.2013 15:35
#28
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #27
Ich beantworte Deine Gegenfrage gern. Zumindest wäre es mit Erfahrungen und Erkenntnissen von heute, einen erneuten Versuch wert. Vertrauen kann man nicht verordnen bzw. aufoktroyieren, man muß es sich erarbeiten und erwerben.
Ich hatte es schon einmal so ähnlich formuliert - Wir hatten ein gutes Volk, für dessen Wohlergehen wir alles unternehmen wollten. Irgendwann haben wir auf unserem Weg es versäumt, die Menschen dabei mitzunehmen und dabei das Volk verloren. Zum Schluß wollten dann die Menschen und das Volk nicht mehr mit uns gehen und folgten mehrheitlich dem "goldenem Kalb".

Wir haben so oft über das Sein und das gesellschaftliche Bewußtsein postuliert, aber in der Praxis nicht umgesetzt. Die Rede von Friedrich Engels am Grabe von Karl Marx hätte nicht nur zitiert werden sollen, sondern in der praktischen Arbeit mit Inhalt und Leben erfüllt werden müssen: Hier noch einmal auszugsweise zur Erinnerung:
"Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen - nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt."

Irgendwann wird es eine erneute Chance geben und dann hoffe ich, dass es die Erben besser angehen und aus den bitteren Erfahrungen und Erkenntnissen, die richtigen Schlußfolgerungen ziehen.

Vierkrug


"Irgendwann das Volk verloren"- mir fehlen die Lebensjahre als Erwachsener in der DDR aber kann denn in jedem Fall der Staatsapparat etwas dafür, wenn Leute, die satt zu essen haben, subventionierte Kohlen, Brötchen und Fleisch zu kaufen bekommen es offensichtlich nötig haben, sobald sie die Möglichkeit dazu haben, sich einen Mehrwert am Gemeinwesen anzueignen ?
Stellt es nicht die Kausalkette des Untergangs vollkommen auf den Kopf, wenn der Schlosser des Jahres 1980 immer noch Kohlen vom großen Haufen der Lokschuppenheizung klaut, weil der Vater es 1955 auch schon gemacht hat, mit dem Unterschied, daß der Sohn ohne den Diebstahl 1955 auf dem Wickeltisch erfroren wäre, während der Dieb des Jahres 1980 nur die Tankfüllung für sein Moped finanzieren möchte?
Ist es denn legitim, 5 kg Rouladen nach einem Einzeleinkauf zu horten, so daß 5 unzufriedene Kunden zurückbleiben, die dann keine mehr bekommen um daraufhin 5 kg Butter ins Tiefkühlfach bunkern ohne Rücksicht auf die Versorgung der Folgekunden im Konsum ?
Ist es denn nicht legitim, solche Volksgenossen anzugehen, wenn man sie einmal am Anfang der Kausalkette ausgemacht hat ?
War denn die Staatsmacht nicht eher zu zahm als zu streng in einer Phase als die Formbarkeit der sozialistischen Ethik noch praktikabel gewesen wäre, anstatt den ganzen Garten verwildern zu lassen ?
Ich vergleiche es immer mit meinen Fahrten im ICE, dort kaufen manche eben Platzkarten und andere nicht und in 95 % meiner Fahrten haben am Ende trotzdem alle einen Sitzplatz, ähnlich war es mit der Versorgungssituation in der DDR, davon kann und will ich mich nicht abbringen lassen, andernorts im Forum hab ich mich darüber schon geäußert und will es hier nicht noch mehr vertiefen aber das mit der Vollversorgung mit Konsumgütern wäre innerhalb der vorgegebenen Qualität lösbar gewesen, genauso wie die Vollversorgung mit Sitzplätzen fast immer möglich ist.
Und auch die eingeschränkte Reisefreiheit war keine Frage von staatlicher Willkür oder Mißtrauen sondern schlichtweg ein Mangel an Devisen, wie Honecker selbst (wenn auch in einem unpässlichen, dafür aber gnadenlos ehrlichen Moment) bei min 0:20 auch zu gab.
https://www.youtube.com/watch?v=y1HHNGQ9HgY
An eine neue Chance glaube ich im Gegensatz zur Dir, werter Vierkrug aber nicht, bzw. ist diese Chance ist nicht ohne eine vorausgehende Katastrophe zu haben.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein und kein Sofa.

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27.04.2013 15:40
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#29
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #26
Danke Vierkrug für diese ehrliche überzeugende Antwort.
Alles was ich in Deinen Zeilen gelesen habe, ruft aber eine Gegenfrage an Dich hervor, die ich gerne auch Thälmann oder Honecker stellen würde:
Würdest Du mit dem Wissen von heute, ein weiteres Mal auf die Loyalität dieser Arbeiterklasse vertrauen, die wir beide jeweils im Rahmen unserer Möglichkeiten zu führen versuchten, um im Wettstreit der Systeme als Sieger hervorzugehen ?
Ich rechnete mal intern in meinem damaligen Bekanntenkreis hoch, wieviele meiner damaligen Mitstreiter fit genug für den Sozialismus waren und kam auf etwa jeden fünften, eine gewagte und auch recht grobe Schätzung aber die ist entscheidend darüber, ob es überhaupt Sinn macht, etwas zu verteidigen, was viele offensichtlich gar nicht wollen, weil sie weder Krieg, Hunger, Vertreibung, Enteignung oder Terror von innen noch das Gegenmodell des Westens kennen gelernt hatten.
Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf meinen weitgehend gleichaltrigen Bekanntenkreis von damals, die Reichsbahner in meiner FDJ- Organisation bzw. dem Bahnstandort allgemein aber auch Betriebe des Umlands, deren Jugendliche ich damals besser kennengelernt hatte, auch Mitstreiter im Anglerverein und im Wohngebiet.
Als wir schließlich im März 1990 mit einem fetten Goldklumpen vor der Wahlurne standen, gab es noch eine gewisse Hoffnung auf einen besseren Weg, wenngleich die schon sehr gering war, aber es war nun mal eine freie Wahl, die auch für mich die Weichen stellte.
Nachdem Hans im Glück am Ende seiner Tauschgeschäfte (Gold- Pferd- Kuh...) am Ende seine Schleifsteine in den Straßengraben warf, weil keiner mehr seine Arbeitskraft brauchte und die linken Alternativparteien trotzdem nicht zum Zuge kamen, begriff ich im Verlauf der ersten 10-15 Jahre danach, daß es nichts mehr zu verteidigen gab.
Aber ich will nicht weiter ablenken und vielleicht kannst Du meine Gegenfrage doch beantworten,
Gruß Hackel.



Hier mal meine unerhebliche Schätzung über die Bevölkerungsstruktur der DDR:

20% Überzeugte (davon erheblicher Prozentsatz"Radieschen" (aussen rot innen weiß)
60% Mitläufer (politisch desintessierte)
20% Gegner bzw. das was die Partei dafür hielt

Das MfS hat sicherlich aussagekräftige Zahlen darüber.

Das mit der Loyalität der Arbeiterklasse habe ich nicht ganz verstanden.
Die ganz einfachen Menschen in der DDR ohne Westverwandschaft, ohne Vitamin B ,ohne Datsche , ohne Auto, mit mageren Einkommen,diejenigen die sich die Hacken abgerannt haben selbst nach einem Weihnachtsbaum im Mangelland DDR , sollten die 1990 sagen nein wir versuchen es nochmal mit den Genossen aus der zweiten Reihe?
Sollten die sagen ,ja wir sind einverstanden wenn der Lebensstandard um Jahrzehnte zurückgeschraubt wird um die Fehler der letzten Jahrzente vielleicht wieder ausbügeln zu können?
Wann ist man den fit für den Sozialismus?
Wenn es mich nicht mehr stört wenn in meinem Stadtbezirk ein Straßenzug nach dem anderen verwahrlost und zu Ruinen verkommt?
Wenn es mir nichts mehr ausmacht wenn tausende Liter hochgiftige Substanzen aus einer Galvanofirma in einem Baggersee verklappt werden, ohne das jemand zur Rechenschaft gezogen wird?
Wenn Umweltzerstörung und daraus resultierende Krankheitsfälle zum Staatsgeheimniss werden?
Wenn es in Ordung für mich ist , daß jeder der raus aus dieser DDR möchte zum Verbrecher stilisiert wird?

Gestern lief wieder diese Reportage über die Interflug.
Die Damen und Herren von dieser Gesellschaft hatten einen völlig anderen Blick auf die DDR als diejenigen die sich täglich unten in diesem Land
herumschlugen.
Von OBEN.


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27.04.2013 16:35
#30
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #29
[quote=Hackel39|p249451]]


Hier mal meine unerhebliche Schätzung über die Bevölkerungsstruktur der DDR:

20% Überzeugte (davon erheblicher Prozentsatz"Radieschen" (aussen rot innen weiß)
60% Mitläufer (politisch desintessierte)
20% Gegner bzw. das was die Partei dafür hielt

Das MfS hat sicherlich aussagekräftige Zahlen darüber.

Das mit der Loyalität der Arbeiterklasse habe ich nicht ganz verstanden.
Die ganz einfachen Menschen in der DDR ohne Westverwandschaft, ohne Vitamin B ,ohne Datsche , ohne Auto, mit mageren Einkommen,diejenigen die sich die Hacken abgerannt haben selbst nach einem Weihnachtsbaum im Mangelland DDR , sollten die 1990 sagen nein wir versuchen es nochmal mit den Genossen aus der zweiten Reihe?
Sollten die sagen ,ja wir sind einverstanden wenn der Lebensstandard um Jahrzehnte zurückgeschraubt wird um die Fehler der letzten Jahrzente vielleicht wieder ausbügeln zu können?
Wann ist man den fit für den Sozialismus?
Wenn es mich nicht mehr stört wenn in meinem Stadtbezirk ein Straßenzug nach dem anderen verwahrlost und zu Ruinen verkommt?
Wenn es mir nichts mehr ausmacht wenn tausende Liter hochgiftige Substanzen aus einer Galvanofirma in einem Baggersee verklappt werden, ohne das jemand zur Rechenschaft gezogen wird?
Wenn Umweltzerstörung und daraus resultierende Krankheitsfälle zum Staatsgeheimniss werden?
Wenn es in Ordung für mich ist , daß jeder der raus aus dieser DDR möchte zum Verbrecher stilisiert wird?

Gestern lief wieder diese Reportage über die Interflug.
Die Damen und Herren von dieser Gesellschaft hatten einen völlig anderen Blick auf die DDR als diejenigen die sich täglich unten in diesem Land
herumschlugen.
Von OBEN.


Nun Schnatterinchen, vielleicht ist die Sichtweise ja abhängig davon, ob man in der Stadt oder auf dem Land gelebt hat und ob es eine schöne Stadt oder ein schönes Dorf war, ob man im Traumberuf arbeiten darf oder irgendwas machen mußte, um sein Auskommen zu haben- Unterschiede gab es in der DDR ja auch schon, es ist ja auch nur meine Sichtweise.
Fit genug für den Sozialismus und damit loyaler Arbeiter/ Angestellter war man, wenn man an seinem Platz versucht hat, das Optimale herauszuholen, wenn man sich im Verein/ der Feuerwehr/ dem Chor oder wo auch immer außerhalb des Arbeitsplatzes eingebracht hat und mit dem zufrieden war, was für den Moment erreichbar war, um sich langfristig realistische Ziele zu setzen.
Somit war es eben nicht möglich, schon mit Mitte 20 schon im eigenem Haus zu wohnen (geht heute auch nicht ohne Riesenschulden), erst recht nicht, wenn man dem Betrieb, der möglicherweise helfen könnte, nicht entgegenzukommen bereit war, sei es über außerbetriebliche Projekte wie Patenbrigaden oder eigene Qualifizierungsmaßnahmen, Überstunden usw.
Der Unzufriedene muß sich nun fragen, ob sein Zeithorizont realistisch war, meiner war es bezogen auf meine Ziele und zwar ohne in irgendeiner Form privilegiert gewesen zu sein (von meiner einzigen Westreise nach Hamburg über Jugendtourist mal abgesehen).
Am Ende Deiner Ausführungen stellst Du den Bezug zu den Medien her und so wäre es eben viel interessanter zu erfahren, ob Du vor der Haustür diese Zustände auch hattest, wie ausreisewillige Verbrecher, umweltbedingte Krankheiten oder verwahrloste Straßenzüge und nur wenn man die Summe dieser eigenen Wahrnehmung heranzieht, also ohne jegliche Beeinflussung durch heutige Medien bzw. durch Gespräche mit weniger zufriedenen Zeitgenossen in der DDR, wird man eine einigermaßen treffsichere Abschlußbilanz erstellen können.
Immerhin wurde durch eben diese Gespräche seinerzeit auch sehr viel Zweckpessimismus offenbart,so wie es heute auch häufig vorkommt aus welchem Grund auch immer.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein und kein Sofa.

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