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#61

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 01.04.2013 21:23
von Hackel39 | 3.516 Beiträge | 2246 Punkte
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #54
mir fällt da grade ein:
In Kaltennordheim, einem kleinen Städchen in der Rhön, gibt es eine "Ernst-Thälmann-Strasse".
Immer, wenn ich dort vorbeifahre, merke ich, wie ein Schmunzeln über mein Gesicht zieht.

Ich glaub, wenn jetzt einer daherkäme und wollte diese Strasse umbenennen - mir würde zukünftig etwas fehlen.
Ich denke, wir sollten etwas gelassen mit unserer Vergangenheit umgehen.
Diese Art der "Bilderstürmerei" ist doch typisch für die chinesische Kulturrevolution Mao's. Wollen wir uns wirklich auf diese Stufe stellen ?

Gruss Hartmut



Übrigens ist Ernst Thälmann keineswegs nur geduldet als Straßenschild, unglaublich aber wahr ist auch die Selbstverständlichkeit mit der man diesen Arbeiterführer in den Alltag integriert hat, daß man meint, die Zeit sei stehen geblieben.
http://www.punktum-fernsehen.de/sites/Be...gartenlokal.htm
Die Dekoration aus Ulbricht- Poster, Pionierflagge und Parteiabzeichen imn Großformat im Gartenlokal von Eisleben ist sowas von unwirklich, daß es beinahe schon wieder faszinierend ist, wie unbeirrt man hier seine eigene Geschichte zur Schau stellt.
Es handelt sich hier keineswegs um eine Parteigruppe der Kommunistischen Partei oder der Linken, nein hier feiert Herr und Frau Mustermann in ihren 6. Vereinsgeburtstag.


zuletzt bearbeitet 01.04.2013 22:02 | nach oben springen

#62

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 00:33
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #61
Zitat von Jobnomade im Beitrag #54
mir fällt da grade ein:
In Kaltennordheim, einem kleinen Städchen in der Rhön, gibt es eine "Ernst-Thälmann-Strasse".
Immer, wenn ich dort vorbeifahre, merke ich, wie ein Schmunzeln über mein Gesicht zieht.

Ich glaub, wenn jetzt einer daherkäme und wollte diese Strasse umbenennen - mir würde zukünftig etwas fehlen.
Ich denke, wir sollten etwas gelassen mit unserer Vergangenheit umgehen.
Diese Art der "Bilderstürmerei" ist doch typisch für die chinesische Kulturrevolution Mao's. Wollen wir uns wirklich auf diese Stufe stellen ?

Gruss Hartmut



Übrigens ist Ernst Thälmann keineswegs nur geduldet als Straßenschild, unglaublich aber wahr ist auch die Selbstverständlichkeit mit der man diesen Arbeiterführer in den Alltag integriert hat, daß man meint, die Zeit sei stehen geblieben.
http://www.punktum-fernsehen.de/sites/Be...gartenlokal.htm
Die Dekoration aus Ulbricht- Poster, Pionierflagge und Parteiabzeichen imn Großformat im Gartenlokal von Eisleben ist sowas von unwirklich, daß es beinahe schon wieder faszinierend ist, wie unbeirrt man hier seine eigene Geschichte zur Schau stellt.
Es handelt sich hier keineswegs um eine Parteigruppe der Kommunistischen Partei oder der Linken, nein hier feiert Herr und Frau Mustermann in ihren 6. Vereinsgeburtstag.



Lieber Hackel, wie findest du das persönlich, das die das so machen?


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#63

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 07:21
von SCORN | 1.464 Beiträge | 55 Punkte
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Die Rathausfront im südthüringischen Suhl ziert folgender Spruch: "Im grünen Wald die rote Stadt die ein zerschossen Rathaus hat".
Natürlich gab es nach 1990 eine Initiative, vorwiegend von Mitgliedern des "Bürgerkommites" organisiert, welches einst die BV Suhl des MfS besetzt hatte, und nun umgehend eine Entfernung dieses Spruchs aus Zeiten der "SED-Diktatur" forderten! Ihnen war offensichtlich nicht klar das damit die vertreibung von Soldaten aus dem Rathaus durch bewaffnete Arbeiter gemeint war welche die Truppen des Kapp-Putsches mit Feuer aus der Stadt fegten! Das war Anfang der 20iger Jahre.

Der Spruch steht heute noch, da die Bürger und die Stadtverwaltung das Ansinnen dieser "Initiative" damals nicht teilten!

SCORN


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#64

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 08:21
von Hackel39 | 3.516 Beiträge | 2246 Punkte
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Zitat von Barbara im Beitrag #62
Zitat von Hackel39 im Beitrag #61
Zitat von Jobnomade im Beitrag #54
mir fällt da grade ein:
In Kaltennordheim, einem kleinen Städchen in der Rhön, gibt es eine "Ernst-Thälmann-Strasse".
Immer, wenn ich dort vorbeifahre, merke ich, wie ein Schmunzeln über mein Gesicht zieht.

Ich glaub, wenn jetzt einer daherkäme und wollte diese Strasse umbenennen - mir würde zukünftig etwas fehlen.
Ich denke, wir sollten etwas gelassen mit unserer Vergangenheit umgehen.
Diese Art der "Bilderstürmerei" ist doch typisch für die chinesische Kulturrevolution Mao's. Wollen wir uns wirklich auf diese Stufe stellen ?

Gruss Hartmut



Übrigens ist Ernst Thälmann keineswegs nur geduldet als Straßenschild, unglaublich aber wahr ist auch die Selbstverständlichkeit mit der man diesen Arbeiterführer in den Alltag integriert hat, daß man meint, die Zeit sei stehen geblieben.
http://www.punktum-fernsehen.de/sites/Be...gartenlokal.htm
Die Dekoration aus Ulbricht- Poster, Pionierflagge und Parteiabzeichen imn Großformat im Gartenlokal von Eisleben ist sowas von unwirklich, daß es beinahe schon wieder faszinierend ist, wie unbeirrt man hier seine eigene Geschichte zur Schau stellt.
Es handelt sich hier keineswegs um eine Parteigruppe der Kommunistischen Partei oder der Linken, nein hier feiert Herr und Frau Mustermann in ihren 6. Vereinsgeburtstag.



Lieber Hackel, wie findest du das persönlich, das die das so machen?



Guten Morgen Barbara.
Nun es ist wohl eine gesunde Mischung aus Trotz und Tradition.
Warum soll man denn diesen Namen verleugnen und die Symbole der Vergangenheit verbannen ?
War Thälmann ein Krimineller oder hat die SED Gartenvereine verboten ?
Selbst die ohnehin schon strengen Reglementierungen in solchen Vereinen sind nach der Wende oft noch schlimmer geworden bezüglich der Satzungen, all das mag auch mit in solche Entscheidungen der Namensgebung mit einfließen.
Ich finde es couragiert und ehrenwert, sich seiner Vergangenheit in dieser Form zu stellen, ein socher Name klingt nun mal authentischer als "Scholle Veltins" oder "Gartenfreunde Gleisdreieck".
In dieser Sparte ist übrigens auch ein ehemaliger Arbeitskollege von mir aktives Mitglied, der früher nichts mit Partei am Hut hatte, aber trotzdem die sozialistischen Werte hoch gehalten hatte.
Sei aber unbesorgt, Thälmanns Geburtstag feiern die nicht und das Thälmannlied https://www.youtube.com/watch?v=AzBCiyDkXPw wird auch nicht angestimmt in zwei Wochen.
Oder doch ?


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#65

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 16:16
von Jobnomade | 1.380 Beiträge | 9 Punkte
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Hallo Hackel39,
interessant, was es alles so für Kuriositäten gibt.....
Nun, ich würde da schon einen kleinen Unterschied zwischen Thälmann und Ulbricht machen:
Thälmann war KP-Vorsitzender, hat gegen die Nazis (eine DIktatur !!!) gekämpft und wurde von ihnen ermordet. Für mich eine historische Figur, die überwiegend positiv besetzt ist. Was Thälmann aus Deutschland gemacht hätte, wäre er an die Macht gekommen - wir wissen es nicht...
Insofern kann man mit den Erinnerungen an ihn wirklich gelassen umgehen, auch und vor allem in einer bürgerlichen Demokratie.
Ulbricht ist für mich ein ganz anderes Kaliber: Er war der 1.Mann im Staate DDR und in der SED.
Und was verkündete er 1961? "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" Und was war 2 Monate später so ganz "unbeabsichtigt" passiert ?
Und wie lange haben wir uns mit der Teilung Deutschlands herumgeplagt ?
Eigentlch noch bis heute, wie man in den Beiträgen dieses Forums bisweilen erkennen kann.
Für mich ist Ulbricht-Verehrung ein Schlag ins Gesicht aller aufrichtigen Demokraten.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 02.04.2013 16:19 | nach oben springen

#66

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 17:30
von Hackel39 | 3.516 Beiträge | 2246 Punkte
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #65
Hallo Hackel39,
interessant, was es alles so für Kuriositäten gibt.....
Nun, ich würde da schon einen kleinen Unterschied zwischen Thälmann und Ulbricht machen:
Thälmann war KP-Vorsitzender, hat gegen die Nazis (eine DIktatur !!!) gekämpft und wurde von ihnen ermordet. Für mich eine historische Figur, die überwiegend positiv besetzt ist. Was Thälmann aus Deutschland gemacht hätte, wäre er an die Macht gekommen - wir wissen es nicht...
Insofern kann man mit den Erinnerungen an ihn wirklich gelassen umgehen, auch und vor allem in einer bürgerlichen Demokratie.
Ulbricht ist für mich ein ganz anderes Kaliber: Er war der 1.Mann im Staate DDR und in der SED.
Und was verkündete er 1961? "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" Und was war 2 Monate später so ganz "unbeabsichtigt" passiert ?
Und wie lange haben wir uns mit der Teilung Deutschlands herumgeplagt ?
Eigentlch noch bis heute, wie man in den Beiträgen dieses Forums bisweilen erkennen kann.
Für mich ist Ulbricht-Verehrung ein Schlag ins Gesicht aller aufrichtigen Demokraten.

Gruss Hartmut





Nunja Hartmut, Ulbricht ist hier nur Deko aber dabei fällt mir ein, daß Ulbricht in der Tat kaum mehr als Relikt der Vergangenheit präsent ist.
Immerhin gibt es ja sogar noch das SKET Magdeburg, wo Thälmann noch als "T" in einem marktwirtschaftlich geführten Unternehmen vorhanden ist, während die Leuna Werke schon lange nicht mehr Walter Ulbricht heißen.
Zu sehr wird dieser Apparatschik wohl mit der Mauer in Verbindung gebracht, die für mich als DDR- Bürger genauso selbstverständlich wie die Schwerkraft war, man hatte sich halt genauso damit abzufinden wie mit der Tatsache, daß man als Mensch nicht fliegen kann.
Sie war halt Alltag und weit weg, ohne Relevanz für 99% meines damaligen Lebens und was andere dachten, die gerne ein Vogel geworden wären dem die Schwerkraft nichts ausmacht, hat mich kaum interessiert.
Verehren würde ich die Genossen von damals nicht so vorbehaltlos aber es ist auch ein Zeichen von Toleranz mit umgekehrten Vorzeichen, zu versuchen, auch die nachträglich zu verstehen.
Dieses Recht auf Geschichte nehme ich mir heraus, wo immer es angebracht ist, übrigens auch außerhalb dieses anonymen Forums.


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#67

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 18:20
von Nostalgiker | 2.880 Beiträge | 1274 Punkte
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Bisher fehlt nach meiner Kenntnis eine von Heldenverehrung und Glorifizierung weitgehendst befreite Biographie Thälmanns .......
Das in der DDR verbreitete Bild des unbeugsamen Kämpfers gegen den Faschismus würde wohl einige Risse bekommen ........

In den Zwanzigern setzte er sich durch sein Einschwenken und Ergebenheitserklärungen gegenüber der Stalinschen Komintern gegenüber den "Trotzkisten" und "linken Abweichlern" innerhalb der KPD Führung durch und nachdem er an der Macht war setzte er die fatale Einschätzung und Vorgabe Stalins in der "Sozialfaschismusthese" die unerbittliche Konfrontation gegenüber der SPD, nicht der NSDAP!, als wahren Feind der deutschen Arbeiterklasse durch ......

Erst 1935, nachdem das Kind bekanntlich in den Brunnen gefallen war, verabschiedete sich Komintern von dieser These und propagierte die Volksfront .......

Hat sich mal jemand gefragt warum sich Stalin (und die KP Führer im sowjetischem Exil) nicht darum "bemühte" Thälmann aus Deutschland herauszuholen?
Hitler hatte offensichtlich keine Verwendung für ihn, ein großer "Schauprozess" gegen ihn ist mir nicht bekannt, er nutzte ihm also nicht allzuviel ......

Die KP Führung in Moskau legte sich auch die Karten Neu für die Zeit danach und auch da war wohl keine Karte für Thälmann dabei .......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#68

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 18:28
von Polter (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #65
Hallo Hackel39,
interessant, was es alles so für Kuriositäten gibt.....
Nun, ich würde da schon einen kleinen Unterschied zwischen Thälmann und Ulbricht machen:
Thälmann war KP-Vorsitzender, hat gegen die Nazis (eine DIktatur !!!) gekämpft und wurde von ihnen ermordet. Für mich eine historische Figur, die überwiegend positiv besetzt ist. Was Thälmann aus Deutschland gemacht hätte, wäre er an die Macht gekommen - wir wissen es nicht...
Insofern kann man mit den Erinnerungen an ihn wirklich gelassen umgehen, auch und vor allem in einer bürgerlichen Demokratie.
Ulbricht ist für mich ein ganz anderes Kaliber: Er war der 1.Mann im Staate DDR und in der SED.
Und was verkündete er 1961? "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" Und was war 2 Monate später so ganz "unbeabsichtigt" passiert ?
Und wie lange haben wir uns mit der Teilung Deutschlands herumgeplagt ?
Eigentlch noch bis heute, wie man in den Beiträgen dieses Forums bisweilen erkennen kann.
Für mich ist Ulbricht-Verehrung ein Schlag ins Gesicht aller aufrichtigen Demokraten.

Gruss Hartmut





Alles was linker als heute links ist, muß Ulbricht verehren! Schließlich wurde er sogar im Westen gefeiert!

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44417565.html


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#69

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 18:36
von Hackel39 | 3.516 Beiträge | 2246 Punkte
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Zitat von Nostalgiker im Beitrag #67
Bisher fehlt nach meiner Kenntnis eine von Heldenverehrung und Glorifizierung weitgehendst befreite Biographie Thälmanns .......
Das in der DDR verbreitete Bild des unbeugsamen Kämpfers gegen den Faschismus würde wohl einige Risse bekommen ........

In den Zwanzigern setzte er sich durch sein Einschwenken und Ergebenheitserklärungen gegenüber der Stalinschen Komintern gegenüber den "Trotzkisten" und "linken Abweichlern" innerhalb der KPD Führung durch und nachdem er an der Macht war setzte er die fatale Einschätzung und Vorgabe Stalins in der "Sozialfaschismusthese" die unerbittliche Konfrontation gegenüber der SPD, nicht der NSDAP!, als wahren Feind der deutschen Arbeiterklasse durch ......

Erst 1935, nachdem das Kind bekanntlich in den Brunnen gefallen war, verabschiedete sich Komintern von dieser These und propagierte die Volksfront .......

Hat sich mal jemand gefragt warum sich Stalin (und die KP Führer im sowjetischem Exil) nicht darum "bemühte" Thälmann aus Deutschland herauszuholen?
Hitler hatte offensichtlich keine Verwendung für ihn, ein großer "Schauprozess" gegen ihn ist mir nicht bekannt, er nutzte ihm also nicht allzuviel ......

Die KP Führung in Moskau legte sich auch die Karten Neu für die Zeit danach und auch da war wohl keine Karte für Thälmann dabei .......

Gruß
Nostalgiker


Es ist in der Tat sehr schade, daß es wenig seriöse "Gegenrede" zu Thälmann gibt zumal echte Zeitzeugen wohl nicht mehr verfügbar sind.
Auf der anderen Seite wurde die DEFA- Propaganda leider bis ins Lächerliche betrieben (siehe mein Link "Thälmannlied" als man mit dem angehefteten Thälmannfoto an der Mütze an der Demo teilnahm) und so müssen wir uns entweder die Mühe machen anstrengende Gegendarstellungen in der Literatur aufzuspüren oder auf neue Projekte von Guidi Knopp zu warten, die sich solcher Themen annehmen.
Seine Lebensleistung sollten wir trotz alledem nicht kleinreden, er hat in der Zeit des Naziterrors sicher vielen Mut gemacht und Kraft gegeben für die Zeit nach dem Untergang des Hitlerreiches und alles was Du, verehrter Nostalgiker hinterfragst, ist nur für die historische Kür- Note relevant.


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#70

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 19:21
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Nostalgiker im Beitrag #67
Bisher fehlt nach meiner Kenntnis eine von Heldenverehrung und Glorifizierung weitgehendst befreite Biographie Thälmanns .......
Das in der DDR verbreitete Bild des unbeugsamen Kämpfers gegen den Faschismus würde wohl einige Risse bekommen ........

In den Zwanzigern setzte er sich durch sein Einschwenken und Ergebenheitserklärungen gegenüber der Stalinschen Komintern gegenüber den "Trotzkisten" und "linken Abweichlern" innerhalb der KPD Führung durch und nachdem er an der Macht war setzte er die fatale Einschätzung und Vorgabe Stalins in der "Sozialfaschismusthese" die unerbittliche Konfrontation gegenüber der SPD, nicht der NSDAP!, als wahren Feind der deutschen Arbeiterklasse durch ......

Erst 1935, nachdem das Kind bekanntlich in den Brunnen gefallen war, verabschiedete sich Komintern von dieser These und propagierte die Volksfront .......

Hat sich mal jemand gefragt warum sich Stalin (und die KP Führer im sowjetischem Exil) nicht darum "bemühte" Thälmann aus Deutschland herauszuholen?
Hitler hatte offensichtlich keine Verwendung für ihn, ein großer "Schauprozess" gegen ihn ist mir nicht bekannt, er nutzte ihm also nicht allzuviel ......

Die KP Führung in Moskau legte sich auch die Karten Neu für die Zeit danach und auch da war wohl keine Karte für Thälmann dabei .......

Gruß
Nostalgiker


Ich kann mir vorstellen das Stalin Thälmann wohl vom Charakter her als nicht so leicht "führbar" für spätere Aufgaben wie Ulbricht einschätzte.
War ihm vielleicht etwas zu suspekt der Hafenarbeiter, mit einem Schuss zu wenig vollkommener Ergebenheit.
Vielleicht wäre ja mit Thälmann manches anders gelaufen nach dem Krieg.
Er hatte ja wenigstens Charisma und war eine Führungspersönlichkeit was Ulbricht total abging.


zuletzt bearbeitet 02.04.2013 19:24 | nach oben springen

#71

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 19:28
von schulzi | 2.190 Beiträge | 2353 Punkte
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thälmann ,ulbricht hat nicht jeder der beiden einen platz in unserer geschichte verdient? teddy kenne ich nur aus der schule und verehre ihn immer noch obwohl er nach heutiger sicht ein stahlinist war ,aber wer war es in dieser zeit nicht.walter na ja da streiten sich die geister hat viel mist gebaut aber die nach ihn kamen waren schlimmer,sage mir immer irgend wie wäre die mauer so und so gekommen den das ausbluten der ddr musste ja aufgehalten werden


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#72

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 19:41
von Jobnomade | 1.380 Beiträge | 9 Punkte
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #66
Zitat von Jobnomade im Beitrag #65
Hallo Hackel39,
interessant, was es alles so für Kuriositäten gibt.....
Nun, ich würde da schon einen kleinen Unterschied zwischen Thälmann und Ulbricht machen:
Thälmann war KP-Vorsitzender, hat gegen die Nazis (eine DIktatur !!!) gekämpft und wurde von ihnen ermordet. Für mich eine historische Figur, die überwiegend positiv besetzt ist. Was Thälmann aus Deutschland gemacht hätte, wäre er an die Macht gekommen - wir wissen es nicht...
Insofern kann man mit den Erinnerungen an ihn wirklich gelassen umgehen, auch und vor allem in einer bürgerlichen Demokratie.
Ulbricht ist für mich ein ganz anderes Kaliber: Er war der 1.Mann im Staate DDR und in der SED.
Und was verkündete er 1961? "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" Und was war 2 Monate später so ganz "unbeabsichtigt" passiert ?
Und wie lange haben wir uns mit der Teilung Deutschlands herumgeplagt ?
Eigentlch noch bis heute, wie man in den Beiträgen dieses Forums bisweilen erkennen kann.
Für mich ist Ulbricht-Verehrung ein Schlag ins Gesicht aller aufrichtigen Demokraten.

Gruss Hartmut





Nunja Hartmut, Ulbricht ist hier nur Deko aber dabei fällt mir ein, daß Ulbricht in der Tat kaum mehr als Relikt der Vergangenheit präsent ist.
Immerhin gibt es ja sogar noch das SKET Magdeburg, wo Thälmann noch als "T" in einem marktwirtschaftlich geführten Unternehmen vorhanden ist, während die Leuna Werke schon lange nicht mehr Walter Ulbricht heißen.
Zu sehr wird dieser Apparatschik wohl mit der Mauer in Verbindung gebracht, die für mich als DDR- Bürger genauso selbstverständlich wie die Schwerkraft war, man hatte sich halt genauso damit abzufinden wie mit der Tatsache, daß man als Mensch nicht fliegen kann.
Sie war halt Alltag und weit weg, ohne Relevanz für 99% meines damaligen Lebens und was andere dachten, die gerne ein Vogel geworden wären dem die Schwerkraft nichts ausmacht, hat mich kaum interessiert.
Verehren würde ich die Genossen von damals nicht so vorbehaltlos aber es ist auch ein Zeichen von Toleranz mit umgekehrten Vorzeichen, zu versuchen, auch die nachträglich zu verstehen.
Dieses Recht auf Geschichte nehme ich mir heraus, wo immer es angebracht ist, übrigens auch außerhalb dieses anonymen Forums.


Natürlich hat jeder das Recht auf Geschichte, Hackel39.
Ich antworte mal etwas humorvoll: Die "Mauer" war scheinbar selbstverständlich - nun ist sie wieder weg. Und klar kann der Mensch fliegen - wenn er will. Ich kann's. Schau in mein Profil. Auch das hätte ich nie gedurft, als die "Mauer" noch stand.
Ich hab mich mit der "Tatsache Mauer" letztendiglich nicht abgefunden und sie mit beseitigt. Als sie gebaut wurde, war ich 8 Jahre alt und konnte es noch nicht beeinflussen. Und als ich 26 war, stand ich an jener "Mauer" und sah auf welcher Seite die Minen hingen.. Und hab mir schon so meine Gedanken dazu gemacht.... Aber ich war noch brav und hätte das Ganze nie laut hinterfragt. Das kam dann so mit den Jahren....
Und diese "Mauer" und ihre Initiatoren würde ich mir nie zurückwünschen - deshalb kann ich den Ulbricht leider nicht so entspannt wie Thälmann sehen. Das ganze Geschehen war schon ein tiefer Eingriff in meine Biografie.
Thälmann-Pionier war ich natürlich auch mal.... aber daran knüpfen sich keine solch prägende Erlebnisse.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 02.04.2013 19:46 | nach oben springen

#73

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 20:05
von Hackel39 | 3.516 Beiträge | 2246 Punkte
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #72
Zitat von Hackel39 im Beitrag #66
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Hallo Hackel39,
interessant, was es alles so für Kuriositäten gibt.....
Nun, ich würde da schon einen kleinen Unterschied zwischen Thälmann und Ulbricht machen:
Thälmann war KP-Vorsitzender, hat gegen die Nazis (eine DIktatur !!!) gekämpft und wurde von ihnen ermordet. Für mich eine historische Figur, die überwiegend positiv besetzt ist. Was Thälmann aus Deutschland gemacht hätte, wäre er an die Macht gekommen - wir wissen es nicht...
Insofern kann man mit den Erinnerungen an ihn wirklich gelassen umgehen, auch und vor allem in einer bürgerlichen Demokratie.
Ulbricht ist für mich ein ganz anderes Kaliber: Er war der 1.Mann im Staate DDR und in der SED.
Und was verkündete er 1961? "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen" Und was war 2 Monate später so ganz "unbeabsichtigt" passiert ?
Und wie lange haben wir uns mit der Teilung Deutschlands herumgeplagt ?
Eigentlch noch bis heute, wie man in den Beiträgen dieses Forums bisweilen erkennen kann.
Für mich ist Ulbricht-Verehrung ein Schlag ins Gesicht aller aufrichtigen Demokraten.

Gruss Hartmut





Nunja Hartmut, Ulbricht ist hier nur Deko aber dabei fällt mir ein, daß Ulbricht in der Tat kaum mehr als Relikt der Vergangenheit präsent ist.
Immerhin gibt es ja sogar noch das SKET Magdeburg, wo Thälmann noch als "T" in einem marktwirtschaftlich geführten Unternehmen vorhanden ist, während die Leuna Werke schon lange nicht mehr Walter Ulbricht heißen.
Zu sehr wird dieser Apparatschik wohl mit der Mauer in Verbindung gebracht, die für mich als DDR- Bürger genauso selbstverständlich wie die Schwerkraft war, man hatte sich halt genauso damit abzufinden wie mit der Tatsache, daß man als Mensch nicht fliegen kann.
Sie war halt Alltag und weit weg, ohne Relevanz für 99% meines damaligen Lebens und was andere dachten, die gerne ein Vogel geworden wären dem die Schwerkraft nichts ausmacht, hat mich kaum interessiert.
Verehren würde ich die Genossen von damals nicht so vorbehaltlos aber es ist auch ein Zeichen von Toleranz mit umgekehrten Vorzeichen, zu versuchen, auch die nachträglich zu verstehen.
Dieses Recht auf Geschichte nehme ich mir heraus, wo immer es angebracht ist, übrigens auch außerhalb dieses anonymen Forums.


Natürlich hat jeder das Recht auf Geschichte, Hackel39.
Ich antworte mal etwas humorvoll: Die "Mauer" war scheinbar selbstverständlich - nun ist sie wieder weg. Und klar kann der Mensch fliegen - wenn er will. Ich kann's. Schau in mein Profil. Auch das hätte ich nie gedurft, als die "Mauer" noch stand.
Ich hab mich mit der "Tatsache Mauer" letztendiglich nicht abgefunden und sie mit beseitigt. Als sie gebaut wurde, war ich 8 Jahre alt und konnte es noch nicht beeinflussen. Und als ich 26 war, stand ich an jener "Mauer" und sah auf welcher Seite die Minen hingen.. Und hab mir schon so meine Gedanken dazu gemacht.... Aber ich war noch brav und hätte das Ganze nie laut hinterfragt. Das kam dann so mit den Jahren....
Und diese "Mauer" und ihre Initiatoren würde ich mir nie zurückwünschen - deshalb kann ich den Ulbricht leider nicht so entspannt wie Thälmann sehen. Das ganze Geschehen war schon ein tiefer Eingriff in meine Biografie.

Gruss Hartmut




Auch ich hatte damals durchaus Grenzen gezeigt bekommen, so wie Du ein Ikaraus sein wolltest, zog es mich unter Wasser.
Meine Ambitionen als Hobbytaucher hätte ich nur durch Mitgliedschaft in der GST und aufbauenden dreijährigen Militärdienst realisieren können aber dieser Preis war mir zu hoch und ich stellte kurzzeitig den Verdrängungsmodus ein und fand mich damit ab.
Das gleiche galt für den erschwerten Zugang zu Pkw's und Westreisen, wobei ersteres ebenfalls eine Frage des Geldes gewesen wäre, die ich praktisch mit "Ja" hätte beantworten können, aber zehn Jahre lang für ein Auto zu arbeiten fiel mir auch nicht im Traum ein, und so glitt ich weiter wie ein Aal durch den sozialistischen Alltag ohne jemals irgendeinen Personenkreis für diese oder jene Mißstände verantwortlich zu machen.
Ich sah das alles pragmatisch und habe mich in nichts reingesteigert, zu viele Alternativen und Nischen gab es auch ohne die Perspektive auf 100%ige Freiheit.
Im Prinzip ist es zum einen Zufall und zum anderen geografisch bedingt, daß die Mauer keine persönliche Relevanz für mich hatte.
Immerhin hat es ja mit der Westreise über Jugendtourist dann doch noch geklappt, der Aal hat eben lange genug gelauert und war zur richtigen Zeit am richtigen Platz.
Andere hatten dieses Glück eben, wenn sie privat jemanden kannten, der ihnen das Auto mit verringerter Wartezeit zugeschanzt hatte oder der den ambitionierten Sporttaucher auch ohne Drei- Jahres- NVA- Verpflichtung in die GST- Tauchergruppe eingeschleust hatte.
So war das nun mal.


zuletzt bearbeitet 02.04.2013 20:10 | nach oben springen

#74

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 21:52
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ja, Hackel39,
da haben wir schon Gemeinsamkeiten - ich bin teilweise auch "wie ein Aal" durch den sozialistischen Alltag geglitten (schönes Bild !) und hab nach Kompromissen gesucht, um meine Träume zu verwirklichen. Und manches hat halt irgendwie geklappt - zB der Wunschberuf..
Würdest Du Dir diese Verhältnisse zurückwünschen ?

Gruss Hartmut


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#75

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 22:06
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #74
ja, Hackel39,
da haben wir schon Gemeinsamkeiten - ich bin teilweise auch "wie ein Aal" durch den sozialistischen Alltag geglitten (schönes Bild !) und hab nach Kompromissen gesucht, um meine Träume zu verwirklichen. Und manches hat halt irgendwie geklappt - zB der Wunschberuf..
Würdest Du Dir diese Verhältnisse zurückwünschen ?

Gruss Hartmut


Schwer zu sagen Hartmut, da ich nicht weiß, ob ich heute noch fit genug wäre mich durchzuschlängeln.
Meine Erinnerungen an die DDR sind nahezu durchweg positiv, somit bin ich ein Exot hier.
Immerhin hab ich mir meine Genügsamkeit, Robustheit und Disziplin erhalten und lasse mich nur schwer vor einen Karren spannen, so daß meine Basiskompetenz für einen Kaltstart zurück in den Sozialismus ausreichen würde.
Was ich mit meinem Wissen von heute niemals wiederholen würde, wäre die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung für andere Personen außerhalb der Familie, z. B. im Jugendverband, da ich mit dem Wissen von heute mit Sicherheit sagen kann, daß mindestens 80 % der Ostdeutschen nicht fit für den Sozialismus wären, die zu beeinflussen würde ich nicht mehr versuchen, warum auch ?
Das rein private Glück wäre unter Maßgabe meiner Prämissen im Sozialismus höherwertiger, auch wenn es schwer zu verstehen ist für Außenstehende, die oft sehr konsumaffin und spaßgehetzt unterwegs sind.
Praktisch ist es mir egal, wo ich weiter wachse, da ich nur Löwenzahn und kein Spargel bin, meinen Ansprüche wird jeder Boden gerecht und was das Edelgemüse darüber denkt, ist mir weitgehend egal.


Jobnomade, Küchenbulle 79, schulzi und Rainman2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#76

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 02.04.2013 23:17
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danke für Deine aufrichtige Antwort.
"Edelgemüse" - ich hab geschmunzelt... Erkenne ich mich da wieder ? Ich weiss nicht...
Nun, ich versuch' mal meine Wahl zu begründen:
Sonderlich "konsumorientiert" bin ich, glaube ich nicht. Manchen "Reichtum" geniesse ich als selbstverständlich, zB das Auto. Einfach ein Stück Freiheit (14 Jahre alter VW-Bus, also kein "neuester Luxus"). Oder mein Hobby Fliegerei. Oder leckeres Essen - da schau ich nicht unbedingt darauf, was es kostet - ich gönn mir's einfach.
Für die Kleinigkeiten muss ich arbeiten - zum Glück immer noch im Wunschberuf. Und mir meine Zeit einteilen. Aber das musste ich im Sozialismus auch...
Was mich damals gestört hat, war die allseitige Gängelei durch die Apparatschniks von Partei und Regierung, wie sie mir jeden Pups, den ich zu lassen hatte oder auch nicht, vorzuschreiben versuchten. Solche Leute brauche ich in meinem Leben nicht - ich habe selbst einen Kopf zum Denken und weiss schon, was für mich gut ist. Insofern ist die (bürgerliche) Freiheit und Selbstbestimmung für mich ein Gewinn gegen früher.

Gruss Hartmut


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#77

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 03.04.2013 10:57
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #76
danke für Deine aufrichtige Antwort.
"Edelgemüse" - ich hab geschmunzelt... Erkenne ich mich da wieder ? Ich weiss nicht...
Nun, ich versuch' mal meine Wahl zu begründen:
Sonderlich "konsumorientiert" bin ich, glaube ich nicht. Manchen "Reichtum" geniesse ich als selbstverständlich, zB das Auto. Einfach ein Stück Freiheit (14 Jahre alter VW-Bus, also kein "neuester Luxus"). Oder mein Hobby Fliegerei. Oder leckeres Essen - da schau ich nicht unbedingt darauf, was es kostet - ich gönn mir's einfach.
Für die Kleinigkeiten muss ich arbeiten - zum Glück immer noch im Wunschberuf. Und mir meine Zeit einteilen. Aber das musste ich im Sozialismus auch...
Was mich damals gestört hat, war die allseitige Gängelei durch die Apparatschniks von Partei und Regierung, wie sie mir jeden Pups, den ich zu lassen hatte oder auch nicht, vorzuschreiben versuchten. Solche Leute brauche ich in meinem Leben nicht - ich habe selbst einen Kopf zum Denken und weiss schon, was für mich gut ist. Insofern ist die (bürgerliche) Freiheit und Selbstbestimmung für mich ein Gewinn gegen früher.

Gruss Hartmut


Guten Morgen Hartmut,
Geschichte gibt es ja sowohl im Kleinen wie im Großen.
Dieses gentle agreement beispielsweise, wonach man im Kombinat nur ausnahmsweise mal alles geben mußte auf der einen Seite und eine Währung, die kaum Wert hatte andererseits hat man sich doch eigentlich flächendeckend dahingehend zu Nutze gemacht, daß man Arbeitszeit mit Freizeit verschmolzen hatte.
Das mag nach den Statuten der FDJ erst mal befremdlich klingen, es war aber Realität; das wissen wir alle.
Heute kann ich zugeben, daß ich auf den Abrufbahnhöfen (keine Einfahrt, weil die Gleise besetzt waren) hunderte Bücher während meiner bezahlten Arbeitszeit lesen konnte, selbst baden gehen in den Angersdorfer Teichen, Obhausener Kiesgruben oder im Dieskauer Dorfsee, sowie planbare Einkäufe waren Alltag, von den Skatturnieren im Querfurter Bahnhof dem Gaststättenaufenthalt (Kaffee und Bockwurst mit der schmucken Zugführerin) im Wendebahnhof Vitzenburg einmal ganz zu schweigen.
Es war damals wie heute einfach nur unredlich, für solche zuweilen desolaten Arbeitsergebnisse eine konvertible Währung zu verlangen, das ging einfach nicht und so nahm ich persönlich es eben hin, nicht alles im Laden zu bekommen.
Natürlich gab es auch in meinem Arbeitsleben bestimmte Zugleistungen, die eine maximale Wertschöpfung bedeuteten, 1/4 aller Schichten von damals schätze ich heute so ein, in der Mischkalkulation eines Arbeitsmonats war es aber nach heutigen Prämissen ein Schlaraffenland, in dem der Feierabend natürlich noch schöner war, darüber brauchen wir nichts weiter zu schreiben.
Und weil die Geschichte im Kleinen so menschlich war, haben wir alle diese Geschichte im Großen eben mitgemacht.


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#78

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 03.04.2013 12:21
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Hallo liebe Geschichtsforscher,

es ist mir eine Freude, eurem „Gespräch zu lauschen“!

Und ich bedanke mich sehr, für den Geschichtsunterricht, den ich so ganz nebenbei erhalte. Und für die persönlichen Blicke auf euer Leben! Ich finde das viel anschaulicher als so ein abstrakter Ideologie-Diskurs es sein kann.

Zu Ernst Thälmann: ist für mich ist er auf jeden Fall eine gesamtdeutsche Persönlichkeit. Sicher hat er aus heutiger Sicht politische Fehlentscheidungen getroffen – aber wer eigentlich nicht in der Weimarer Zeit? Aber Thälmanns anti-faschistischer Kampf und die ehrenwerte Grundidee des Sozialismus, für die er schließlich sein Leben geben musste – auf jeden Fall des Gedenkens wert. In Köln gibt es übrigens seit jeher eine „Ernst-Thälmann-Straße“.

Hackel, du kannst deine Identifizierung mit deinem Leben in der DDR unglaublich gut in Worte fassen. Ich weiß zwar nicht, ob die DDR ein Land für mich zum leben gewesen wäre, ich weiß nicht an welche „Grenzen“ ich dort persönlich gestoßen wäre, aber dennoch: Deine Haltung und deine Werte sind für mich absolut verständlich und du bist sehr authentisch. Wir brauchen solche Leute wie dich auch heute!

Ich finde übrigens eure „Fliegen und Tauchen-Bilder“ richtig klasse, Hartmut und Hackel, auch im übertragenen Sinn: „Übersicht haben“ und „den Dingen auf den Grund gehen“. Einfach schön. Danke!


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#79

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 03.04.2013 12:27
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #77
Zitat von Jobnomade im Beitrag #76
danke für Deine aufrichtige Antwort.
"Edelgemüse" - ich hab geschmunzelt... Erkenne ich mich da wieder ? Ich weiss nicht...
Nun, ich versuch' mal meine Wahl zu begründen:
Sonderlich "konsumorientiert" bin ich, glaube ich nicht. Manchen "Reichtum" geniesse ich als selbstverständlich, zB das Auto. Einfach ein Stück Freiheit (14 Jahre alter VW-Bus, also kein "neuester Luxus"). Oder mein Hobby Fliegerei. Oder leckeres Essen - da schau ich nicht unbedingt darauf, was es kostet - ich gönn mir's einfach.
Für die Kleinigkeiten muss ich arbeiten - zum Glück immer noch im Wunschberuf. Und mir meine Zeit einteilen. Aber das musste ich im Sozialismus auch...
Was mich damals gestört hat, war die allseitige Gängelei durch die Apparatschniks von Partei und Regierung, wie sie mir jeden Pups, den ich zu lassen hatte oder auch nicht, vorzuschreiben versuchten. Solche Leute brauche ich in meinem Leben nicht - ich habe selbst einen Kopf zum Denken und weiss schon, was für mich gut ist. Insofern ist die (bürgerliche) Freiheit und Selbstbestimmung für mich ein Gewinn gegen früher.

Gruss Hartmut


Guten Morgen Hartmut,
Geschichte gibt es ja sowohl im Kleinen wie im Großen.
Dieses gentle agreement beispielsweise, wonach man im Kombinat nur ausnahmsweise mal alles geben mußte auf der einen Seite und eine Währung, die kaum Wert hatte andererseits hat man sich doch eigentlich flächendeckend dahingehend zu Nutze gemacht, daß man Arbeitszeit mit Freizeit verschmolzen hatte.
Das mag nach den Statuten der FDJ erst mal befremdlich klingen, es war aber Realität; das wissen wir alle.
Heute kann ich zugeben, daß ich auf den Abrufbahnhöfen (keine Einfahrt, weil die Gleise besetzt waren) hunderte Bücher während meiner bezahlten Arbeitszeit lesen konnte, selbst baden gehen in den Angersdorfer Teichen, Obhausener Kiesgruben oder im Dieskauer Dorfsee, sowie planbare Einkäufe waren Alltag, von den Skatturnieren im Querfurter Bahnhof dem Gaststättenaufenthalt (Kaffee und Bockwurst mit der schmucken Zugführerin) im Wendebahnhof Vitzenburg einmal ganz zu schweigen.
Es war damals wie heute einfach nur unredlich, für solche zuweilen desolaten Arbeitsergebnisse eine konvertible Währung zu verlangen, das ging einfach nicht und so nahm ich persönlich es eben hin, nicht alles im Laden zu bekommen.
Natürlich gab es auch in meinem Arbeitsleben bestimmte Zugleistungen, die eine maximale Wertschöpfung bedeuteten, 1/4 aller Schichten von damals schätze ich heute so ein, in der Mischkalkulation eines Arbeitsmonats war es aber nach heutigen Prämissen ein Schlaraffenland, in dem der Feierabend natürlich noch schöner war, darüber brauchen wir nichts weiter zu schreiben.
Und weil die Geschichte im Kleinen so menschlich war, haben wir alle diese Geschichte im Großen eben mitgemacht.



Guten Morgen, Hackel39,

nun, dann möchte ich mal noch ergänzen:
Mein gegenwärtiger Arbeitgeber, ein sehr angesehener mittelständischer Familienbetrieb mit ca. 200 Beschäftigten am hiesigen Standort hat sehr humane Rahmenbedingungen -manches erinnert mich da ein wenig ans DDR-Arbeitsleben .
Ich habe in meinem Wanderleben durch die kapitalistische Arbeitswelt auch schon viel schlechteres kennengelernt, war oftmals in Zeitarbeits-Jobs etc.
Insofern kann ich mich auch derzeit nicht beklagen - auch wenn ich hier schon mal halbe Wochenenden wegen drückenden Projektterminen verbracht habe. Es war mal für einen kurzen Zeitraum.

Gruss Hartmut


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zuletzt bearbeitet 03.04.2013 12:28 | nach oben springen

#80

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 03.04.2013 13:28
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #79
Zitat von Hackel39 im Beitrag #77
Zitat von Jobnomade im Beitrag #76
danke für Deine aufrichtige Antwort.
"Edelgemüse" - ich hab geschmunzelt... Erkenne ich mich da wieder ? Ich weiss nicht...
Nun, ich versuch' mal meine Wahl zu begründen:
Sonderlich "konsumorientiert" bin ich, glaube ich nicht. Manchen "Reichtum" geniesse ich als selbstverständlich, zB das Auto. Einfach ein Stück Freiheit (14 Jahre alter VW-Bus, also kein "neuester Luxus"). Oder mein Hobby Fliegerei. Oder leckeres Essen - da schau ich nicht unbedingt darauf, was es kostet - ich gönn mir's einfach.
Für die Kleinigkeiten muss ich arbeiten - zum Glück immer noch im Wunschberuf. Und mir meine Zeit einteilen. Aber das musste ich im Sozialismus auch...
Was mich damals gestört hat, war die allseitige Gängelei durch die Apparatschniks von Partei und Regierung, wie sie mir jeden Pups, den ich zu lassen hatte oder auch nicht, vorzuschreiben versuchten. Solche Leute brauche ich in meinem Leben nicht - ich habe selbst einen Kopf zum Denken und weiss schon, was für mich gut ist. Insofern ist die (bürgerliche) Freiheit und Selbstbestimmung für mich ein Gewinn gegen früher.

Gruss Hartmut


Guten Morgen Hartmut,
Geschichte gibt es ja sowohl im Kleinen wie im Großen.
Dieses gentle agreement beispielsweise, wonach man im Kombinat nur ausnahmsweise mal alles geben mußte auf der einen Seite und eine Währung, die kaum Wert hatte andererseits hat man sich doch eigentlich flächendeckend dahingehend zu Nutze gemacht, daß man Arbeitszeit mit Freizeit verschmolzen hatte.
Das mag nach den Statuten der FDJ erst mal befremdlich klingen, es war aber Realität; das wissen wir alle.
Heute kann ich zugeben, daß ich auf den Abrufbahnhöfen (keine Einfahrt, weil die Gleise besetzt waren) hunderte Bücher während meiner bezahlten Arbeitszeit lesen konnte, selbst baden gehen in den Angersdorfer Teichen, Obhausener Kiesgruben oder im Dieskauer Dorfsee, sowie planbare Einkäufe waren Alltag, von den Skatturnieren im Querfurter Bahnhof dem Gaststättenaufenthalt (Kaffee und Bockwurst mit der schmucken Zugführerin) im Wendebahnhof Vitzenburg einmal ganz zu schweigen.
Es war damals wie heute einfach nur unredlich, für solche zuweilen desolaten Arbeitsergebnisse eine konvertible Währung zu verlangen, das ging einfach nicht und so nahm ich persönlich es eben hin, nicht alles im Laden zu bekommen.
Natürlich gab es auch in meinem Arbeitsleben bestimmte Zugleistungen, die eine maximale Wertschöpfung bedeuteten, 1/4 aller Schichten von damals schätze ich heute so ein, in der Mischkalkulation eines Arbeitsmonats war es aber nach heutigen Prämissen ein Schlaraffenland, in dem der Feierabend natürlich noch schöner war, darüber brauchen wir nichts weiter zu schreiben.
Und weil die Geschichte im Kleinen so menschlich war, haben wir alle diese Geschichte im Großen eben mitgemacht.



Guten Morgen, Hackel39,

nun, dann möchte ich mal noch ergänzen:
Mein gegenwärtiger Arbeitgeber, ein sehr angesehener mittelständischer Familienbetrieb mit ca. 200 Beschäftigten am hiesigen Standort hat sehr humane Rahmenbedingungen -manches erinnert mich da ein wenig ans DDR-Arbeitsleben .
Ich habe in meinem Wanderleben durch die kapitalistische Arbeitswelt auch schon viel schlechteres kennengelernt, war oftmals in Zeitarbeits-Jobs etc.
Insofern kann ich mich auch derzeit nicht beklagen - auch wenn ich hier schon mal halbe Wochenenden wegen drückenden Projektterminen verbracht habe. Es war mal für einen kurzen Zeitraum.

Gruss Hartmut


Na dann freue ich mich mal für Dich Hartmut, meine Wanderarbeitswoche beginnt nun mit neun Stunden Anreise nach Holland und endet 4500 km später in Buna, einer alten Wirkungsstätte aus Reichsbahnzeiten.
Diesen kleinen Zipfel der Erinnerung kriege ich immer mal zu fassen, aber richtig Wert hat's trotzdem nicht mehr.
Immerhin kann ich froh sein, daß nicht Bayer sondern BP und Dow Chemical dort zu Hause sind, grüne Wiesen haben wir schließlich anderswo schon genug.
Gute Reise Euch noch, auch der wissbegierigen Barbara auf ihrer Geschichtsmission und bis nächste Woche dann wieder.


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.04.2013 13:31 | nach oben springen



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