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#21

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.03.2013 17:21
von Bugsy | 454 Beiträge | 6 Punkte
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Zitat von schulzi im Beitrag #17
meine persönliche meinung nach der entsorgung des asbest ,was auch gesschehen hätte man ihn ausbauen können aber er war aus dem osten deshalb musste er weg den ich glaube nicht das der neubau des stadtschloss für ein apfel und ein ei zu haben ist.ich wage sogar zu behaupten der neuausbau des palast wäre billiger gewesen ,aber das stadtschloss ist halt auch ein prestige objekt

Ganz richtig! Es war eine rein politische Entscheidung der "Sieger". In all dem ganzen Hin und Her über den Abriß, haben Ost-Ingeneure Messungen in West Berlin vorgenommen. Und siehe da! Im Palast der Republik (ein wirklich gelungenes Gebäude) ergaben sich Asbestwerte von ca. 18 ppm (parts per million), in West Berlin in der Nähe der Gedächtniskirche maßen die Ingeneure 57 ppm - auf offener Straße! . Da soll mir einer erzählen, dass der Abriß notwendig war.

MsG


Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlicheit, der Sanitäter kommt zehn Minuten später.
DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.03.2013 17:37
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Hallo Barbara,schade,dass Du nicht die Warteschlange gebändigt hast.Ich war letztmalig da oben,als man noch eine Stunde dort oben seine "Runde" drehen durfte und auch noch die damals vorhanden Schnittstelle betrachten konnte.Alledrdings warteten wir damals weit mehr als 2 Stunden.Berlin vertrat ja zwei Welten,also gab es vieles de facto irgendwie doppelt, nach dem zusammenfügen war wohl für so manches kein Geld mehr da.Mit Grausen erinnere ich mich an das Trara um den Tierpark.Angefangen beim unrühmlichen Ende des einzigartigen Herrn Dathe(kann die Titel nicht korrekt angeben) bis zun Versuch diesen zu schliessen.Ich kenne den Zoo nun auch,bin selber aber eher dem Tierpark zugeneigt.Wenn man das nicht selber mehr vertreten kann,ist das nicht nur traurig sondern abartig.Geschichte gerade rücken mit dem Verteufeln des damals erlebten,nee Danke.
Über das damalige Berlin haben viele gemeckert,hingefahren sind aber doch viele aus Nah und Fern.
Barbara,beim nächsten Besuch reihe Dich mal ein,der Ausblick ist bestimmt immer noch super.
Gruss Michael,und kein Berliner,damals wie heute



zuletzt bearbeitet 20.03.2013 17:42 | nach oben springen

#23

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.03.2013 17:53
von Eisenacher | 2.069 Beiträge | 6 Punkte
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Zitat von Schuddelkind im Beitrag #15
"Lang lebe der anzifaschistische Schutzwall............in den Köpfen!" Das kam mir in den Sinn, als ich hier gelesen habe.
Das Recht an Geschichte hat jeder, keine Frage. Aber traurig zu sehen, wie hier immer noch schön in Ossis und Wessis unterschieden wird. Und wenn ich mich hier bei mir in meinem Ort umschaue, tief im Siegesland, was sehe ich da? Ne Menge Leute die sich mit der DDR Geschichte auseinandergesetzt haben und begeistert sind von den Orten, den Landschaften und von der Technik. Ein Kumpel von mir ein paar Straßen weiter hat soviel DDR-Technik gehortet, da würde manch einer von euch blass werden. Der ist so begeistert von dem ganzen Kram, dass er jedem der es hören oder nicht hören will, die Vorzüge dieser Technik erklärt............
Mit dem Palast ist es doch so, Astbest hin oder her: Offensichtlich gab es kein geeignetes Nutzungskonzept, was eine aufwendige Sanierung gerechtfertigt hätte. Veranstaltungsorte gibt es in Berlin ja in Hülle und Fülle. Ist so wie mit den Nazibauten nach dem 2.WK, was man nicht nutzen konnte wurde abgerissen. Und wenn man es nutzen konnte, war die dahinterstehende Ideologie egal. Nach der vorherschenden Meinung hier hätte man ja halb Ost-Berlin abreißen müssen...........
Übrigens finde ich die Häuser in der Stalinallee( keine Ahnungwie das heute heißt) klasse. Ich hab ein Faible für so monumentale Architektur.


Bei Systemwechsel geht es nicht um Nutzungskonzepte , sondern um die Beseitigung von Symbolen. Das ist übrigens systemsübergreifend.


Bugsy hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.03.2013 18:27 | nach oben springen

#24

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.03.2013 18:26
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Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #12

Zitat
@grenzverletzerin

ich sehe da nicht nur den Asbest als Grund. Ich bin kein Baufachmann, aber wäre nicht eine Asbestsanierung bei glkeichen Kosten möglich gewesen?

Nur hier geht es um eine pol. Entscheidung. Die DDR ließ die Reste des Stadtschlosses "schleifen" um an dieser Stelle einen Palast für seine Bürger zu errichten (Bezeichne das als Symbol, denn ich warte auf die Kommentare das der Palast nur für die "Systemtreuen" war) und dann wurde der Palast geschliffen um wieder ein Abbild des Stadtschlosses zu errichten - wenn das keine Botschaft ist.



Bauvorhaben bzw. Rückbau in der Größenordnung sind immer politische Entscheidungen. In diesem Fall hat der Bundestag entschieden - inwieweit man da den Ostdeutschen ihre Geschichte nehmen wollte - entzieht sich meiner Kenntnis. Das die Menschen so fühlen - kann ich verstehen - würde aber nicht immer gleich politisch durchgeführten Willen reininterpretieren.
Nun drehen wir den Spieß mal um...wäre z.B. das ICC nach der Wende unter den Bauhammer gekommen...wären sicher die üblichen Verdächtigen zur Demo aufgelaufen aber niemand hätte m.E. 'Beschneidung der westberliner Geschichte' aufs Tapet gebracht.

Und genau bei diesem Ansatz sehe ich diese unsichtbare Mauer in unseren Köpfen...leider!!
Der ständig über den Tisch gezogene arme Ossi und der die Siegestrophäe schwingende Wessi.
In Dresden, Leipzig und anderen ehemaligen DDR-Städten hat sich sanierungstechnisch nach der Wende soviel getan...da die DDR durch den auf Neubau fixierten Städtebau - die Altbausubstanz völlig vernachlässigt hat.



Leider irrst Du da ein wenig.
Das ist nicht als Vorhaltung zu aufzufassen.
Seit einiger Zeit wird auf Stadtebene, fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit, die Sanierung des ICC diskutiert. Ja und es geht auch um Asbest.
Die bisher genannten Kosten belaufen sich auf 350 bis 400 Mio €, wo das dann endet ....., diese Erfahrung wurde bisher nicht nur in Berlin gemacht.

aber ich möchte auf etwas anderes hinaus.
Vor wenigen Jahren wurde die Denkmalsgeschützte Deutschlandhalle in die Luft gesprengt, sie "störte" die Messegesellschaft bei der Neu- und Umgestaltung des Terrains.....
Ein Jammern und Barmen hob an, das da etwas Vernichtet wird was die Identität von Westberlin ausmache etc,. so war der Tenor aus Politik und Öffentlichkeit.
Wen hat es interessiert? Keinen! Der zuständige verantwortliche Bezirk hat das Ding durchgezogen und heute redet (fast) keiner mehr über diese Halle
Da wurde schon die Westberliner Geschichte beschnitten ....

Die Sanierung des ICC ist zum Politikum geworden, denn es wird jetzt von der Politik ebenfalls als Symbol der Freiheit in Westberlin gehandelt. Symbole der Freiheit reißt man nicht ab, Symbole des Unrechts schon ......

Noch ein Wort zu den "liebevoll" sanierten Altstädten in der BRB: Die dort begangenen Bausünden,gerade in den 60gern, sind enorm.

Berlin, so ein renommierter Architekturkritiker, meinte,zurecht sage ich, das Berlin gesamt im 20. Jahrhundert zweimal zerstört wurde. Einmal durch den Bombenkrieg und bei den Kämpfen um die Eroberung von Berlin und dann beim Aufbau durch die Stadtplaner Ost wie West .....

Der derzeitige Stand zum Stadtschloß läßt befürchten dass das Gebäude was angeblich ab Mitte des Jahres hochgezogen werden soll auf Jahre ein besserer Torso bleiben wird, einfach weil dafür kein Geld vorhanden ist. Der Bundestag stimmte zwar für den Abriss aber Geld für was Neues, wieso denn? Hauptsache das Ding was hauptsächlich 'Birne' ein Dorn im Auge war ist weg!
Es kann gedreht und gewendet werden, es war eine reine politische Entscheidung diesen Palast abzureißen und da ist nichts "reinzuinterpretiern"
Mehrere damalige Politiker haben sich sehr eindeutig dazu geäußert, von Kohl über Schäuble und ihr Grundtenor war "Symbol der Diktatur" .....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Eisenacher, Damals87 und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#25

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.03.2013 19:17
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@Nostalgiker
Beim Abriss von Erichs Lampenladen, äähh ich meine Palast der Republik, spielte wohl noch ein weiterer, wirtschaftlicher Aspekt eine Rolle. Der Vielzwecksaal des PdR, überhaupt das ganze Gebäude, wäre mit den Restaurants, dem Theater und der Bowlingbahn eine ernst zunehmende Konkurrenz für das ICC geworden. Und dann noch mitten in der Stadt gelegen.
Peter, der Zaunkönig


März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße
Damals87, Schmiernippel und KasparHauser haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.03.2013 19:18 | nach oben springen

#26

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.03.2013 20:46
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Zitat von Zaunkönig im Beitrag #25
@Nostalgiker
Beim Abriss von Erichs Lampenladen, äähh ich meine Palast der Republik, spielte wohl noch ein weiterer, wirtschaftlicher Aspekt eine Rolle. Der Vielzwecksaal des PdR, überhaupt das ganze Gebäude, wäre mit den Restaurants, dem Theater und der Bowlingbahn eine ernst zunehmende Konkurrenz für das ICC geworden. Und dann noch mitten in der Stadt gelegen.
Peter, der Zaunkönig


Diesen Aspekt habe ich noch nicht bedacht ......
Wobei der Vergleich zwischen beiden Multifunktionsgebäuden eindeutig zum 'Palast' ausschlägt, jedenfalls bei mir .....
Der 'Palast' war im Prinzip 24 Stunden geöffnet, eine Vielzahl von Restaurants, Cafes, die Eisbar, Bowlingbahn etc.
Nicht zu vergessen die Vielzahl der Veranstaltungen im Großen Saal .....

Selber habe ich dort den kollektiven FDJ Orgasmus zum Empfangdes "Ersten Deutschen" im All erlebt....., eine teilweise merkwürdige Veranstaltung .....
Zumindest befindet sich noch die Eintrittskarte in meinem Poesieaalbum .....

Eine Vielzahl von Konzerten, wobei das vom singenden Cowboy einen persönlichen Tiefpunkt darstellte ....., aber was tat man damals nicht alles für unsere Brüder und Schwestern im Geiste......, und sie waren begeistert!

Das Theater nicht vergessend, obwohl oder auch weil Vera die Intendantin war und dort Stücke zur Aufführung kamen welche nicht von schlechten Eltern waren .....

Na bevor ich ins schwärmen komme, nein bei Udo war ich nicht .....

Gruß
Nostalgiker


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#27

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.03.2013 23:46
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Zitat von Nostalgiker im Beitrag #24
Die Sanierung des ICC ist zum Politikum geworden, denn es wird jetzt von der Politik ebenfalls als Symbol der Freiheit in Westberlin gehandelt. Symbole der Freiheit reißt man nicht ab, Symbole des Unrechts schon ......
Gruß
Nostalgiker

Zufällig kannte ich den Architekten des ICC und (auch flüchtig) seine Frau. In seiner Villa in Lichterfelde (oder war es Lichtenrade?) ging man in die Eingangstür hinein und zur rechten Seite gab es eine Flucht von drei miteinander mit Flügeltüren verbundenen Zimmer, die nur eine Sitzgarnitur beherbergten. Sonst nichts. Es war so, dass in den äußersten Zimmern jeweils die Sessel platziert waren, während im mittigen zum Eingang offenen Zimmer lediglich die Couch der Garnitur untergebracht war. Jener Architekt verriet mir, dass er von einer solchen Aufteilung seit seiner Kindheit geträumt hatte.

Zur Linken im Eingang derselben Villa (unterhalb der wuchtigen) Treppe lag der Küchenbereich, und da fühlte ich mich am wollsten.

MsG


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#28

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 00:06
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Zitat von Bugsy im Beitrag #21
Zitat von schulzi im Beitrag #17
meine persönliche meinung nach der entsorgung des asbest ,was auch gesschehen hätte man ihn ausbauen können aber er war aus dem osten deshalb musste er weg den ich glaube nicht das der neubau des stadtschloss für ein apfel und ein ei zu haben ist.ich wage sogar zu behaupten der neuausbau des palast wäre billiger gewesen ,aber das stadtschloss ist halt auch ein prestige objekt

Ganz richtig! Es war eine rein politische Entscheidung der "Sieger". In all dem ganzen Hin und Her über den Abriß, haben Ost-Ingeneure Messungen in West Berlin vorgenommen. Und siehe da! Im Palast der Republik (ein wirklich gelungenes Gebäude) ergaben sich Asbestwerte von ca. 18 ppm (parts per million), in West Berlin in der Nähe der Gedächtniskirche maßen die Ingeneure 57 ppm - auf offener Straße! . Da soll mir einer erzählen, dass der Abriß notwendig war.
MsG



Wegen Asbest wird m.E. wie mit zahlreichen anderen Stoffen mehr Rummel veranstaltet als das wert ist. Mit der Statistik und Analysenmethoden, die bis in´s Milliardstel Bereich und darunter gehen, kann man in jedem Artikel alles nachweisen und eine Gefahr für die Menschen daraus basteln. Ich will hier nichts verharmlosen, aber wenn ich Politiker und Journalisten die Worte "hochgiftig" und "hochexplosiv" gebrauchen sehe, werde ich sehr, sehr skeptisch. Mit den Analyseergebnissen und Statistik können Politiker die unwissende Masse mit Hilfe der Medien so weit bringen, daß sie auch die dickste Kröte als Leckerbissen betrachten. Kurz zu Asbest: Das ist ein Mineral, welches in einigen dunklen Gesteinen (z.B. Serpentinit von Zöblitz u.a. Vorkommen in Franken ) natürlich vorkommt. Schädlich kann es nur werden, wenn Mineralfasern sich in der Lunge festsetzen, rein statistisch natürlich. Rein statistisch kann auch jedes Röntgen Krebs erzeugen. Würden wir auf diese Diagnosemöglichkeit verzichten ? Asbest ist unschädlich z.B. beim Verbund in Erd-Wasserleitungen. Für eine Entsorgung genügt ein Loch und ein halber Meter Erde drauf. Wer heute mit 50 oder mehr Asbeststäube einatmet, kann, wenn überhaupt, erst mit 75 oder später damit rechnen, daß daraus ein Krebs entsteht. So lang ist die Latenzzeit. In unserer Gartenanlage (1988 gegründet) hatte fast jeder mit Wellasbestplatten gearbeitet. Die wurden u.a. gesägt, wobei eine Menge Staub entstand. Ich kenne von den etwa 100 Datschen keinen Eigentümer, bei dem mir eine Lungenkrebserkrankung bekannt geworden wäre. Auch ich hatte Beginn der 70er in meines Vaters Datsche fleißig Wellasbest verlegt. Aus all diesen Gründen erscheint mir der Asbestgrund beim Palast etwas vorgeschoben.



zuletzt bearbeitet 21.03.2013 00:08 | nach oben springen

#29

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 00:10
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Zitat von Bugsy im Beitrag #27
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #24
Die Sanierung des ICC ist zum Politikum geworden, denn es wird jetzt von der Politik ebenfalls als Symbol der Freiheit in Westberlin gehandelt. Symbole der Freiheit reißt man nicht ab, Symbole des Unrechts schon ......
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Zufällig kannte ich den Architekten des ICC und (auch flüchtig) seine Frau. In seiner Villa in Lichterfelde (oder war es Lichtenrade?) ging man in die Eingangstür hinein und zur rechten Seite gab es eine Flucht von drei miteinander mit Flügeltüren verbundenen Zimmer, die nur eine Sitzgarnitur beherbergten. Sonst nichts. Es war so, dass in den äußersten Zimmern jeweils die Sessel platziert waren, während im mittigen zum Eingang offenen Zimmer lediglich die Couch der Garnitur untergebracht war. Jener Architekt verriet mir, dass er von einer solchen Aufteilung seit seiner Kindheit geträumt hatte.

Zur Linken im Eingang derselben Villa (unterhalb der wuchtigen) Treppe lag der Küchenbereich, und da fühlte ich mich am wollsten.

MsG


Was möchtest Du mir persönlich damit sagen?
Ok wenn der Architekt von irgendeiner Aufteilung geträumt hat, so war es in Bezug des ICC der in Beton und Asbest gegossene Albtraum seiner Kindheit .....
Sorry aber kann ich es nicht sagen....
Der ganze Bau erzeugt Beklemmungen ......

Nostalgiker


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#30

RE: "Recht an Geschichte"

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Zitat von Damals87 im Beitrag #2
Hallo,

@Barbara, Deine Gedanken sprechen mir aus der Seele!

Ich hatte noch das Glück, den Palast der Republik auch von innen zu sehen. Auch ein wirklich sehenswertes Stück Architektur und Zeitgeschichte, konsequent im Stil der 70er.
Leider mußte er weg, koste es, was es wolle. Mich wundert, daß der Fernsehturm stehenbleiben durfte, obwohl da auch sicher politischer Asbest drin ist. Vielleicht hatte man allerdings nach den Erfahrungen mit dem PdR auch nur Angst vor den Abbruchkosten, denn Volkes Wille dürfte kaum für die Entscheidung relevant gewesen sein.

Ein schönes Beispiel, an dem sich zeigt, warum sich viele Ostdeutsche als gedemütigte Besiegte fühlen, trotz oft gestiegenem Wohlstand nach der "Wende".

Grüße aus Hessen




Ich danke dir Damals 87!

den PdR habe ja gar nicht gesehen, mir allerdings im Laufe der Zeit einiges ein Infos und Dokus dazu angesehen. Tatsache war: er war zu seiner Zeit das Gebäude mit der modernsten Technik - europaweit! Ja und er war originale 70er Jahre-Architektur - stilsicher.
Ein Luckenwalder Freund sagte neulich am Telefon: der war klasse, du konntest alles drin machen (er meinte Unterhaltung. Essen gehen etc.) für kleines Geld.


Auch an die anderen:
wegen der Asbestsanierung und dem "politisch motivierten" Abriss: ich kann das überhaupt nicht beurteilen. Eine West-Berliner Freundin hat ihn wohl während des Abrissses jeden Tag gefilmt, ich fragte sie wieso sie das macht - konnte sie mir nicht erklären - ein Gefühl....

Dass dort jetzt das Humboldtforum in Hohenzollernmanier dort hin soll, finde ich persönlich komplett daneben, nicht nur wegen der Kosten.
Ich hätte diesen Platz frei gelassen, umrahmt von Gebäuden der unterschiedlichen deutschen Geschichte, wo man sich hinsetzten kann, Raum und Luft zum nachdenken hat, mit viel Himmel über sich..... wo man sich einfach begegnen kann .......


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#31

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 00:49
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von GKUS64 im Beitrag #8
Hallo Barbara ,hallo Ost-West-Aufklärer,

ja auch hier wieder West-Ost- (oder Ost-West-??) Gedanken. Der Fernsehturm und auch der Palast der Republik gehörten schon zu den Prestigeprojekten der DDR im Schaufenster von Ostberlin.
Diese Projekte ergaben im Rest der Republik vielfach Unmut, denn dort war die Versorgungslage schlechter als in Berlin und an ähnliche Bauprojekte war nicht zu denken, es mussten vorrangig die Wohnungsprobleme durch nicht besonders schöne Plattenbauten gelöst werden.
Also auf die Hauptstadt war man aus diesen Gründen nicht sehr gut zu sprechen.
Im Westen wurde bei der Beurteilung dieser Bauten natürlich auch mehr die politische Dimension als die Architektur in den Vordergrund gestellt.
Das sind für mich die Gründe für die Aussage dieser Frau.
In Dresden gab es z.B. auch einen jahrelangen Kampf zum Wiederaufbau der Semperoper. Einige starke Leute aus der Politik haben sich dann gegenüber Berlin durchgesetzt, damit auch für dieses Projekt Mittel in die „Provinz“ flossen. Die Semperoper wurde von 1977 bis 1985 wieder im alten Glanz, nach der Zerstörung von 1945, errichtet. Auf diesen Bau , auf die wiedererstandene Frauenkirche, den historischen Neumarkt und den Wiederaufbau des Dresdener Schlosses sind die Dresdener besonders Stolz. Die Architekten der Neuzeit werfen uns aber jetzt vor, die Dresdener hängen nur am Barock und sind für Neues wenig aufgeschlossen. Am Neumarkt hat man deshalb (aus meiner Sicht leider) einige Kompromisse geschlossen, es entsteht eine Mischung aus alt und neu.
Schaut es euch mal an und äußert eure Meinung!

Macht´s gut, habt ihr schon Frühlingsgefühle?

GKUS64




Ja lieber GKUS64 - wieder ein Wost-Est-Thema :-))))
Ich weiß und es hat ja auch mit Eckis Thread "vom Stolz ein DDR-Bürger gewesen zu sein" zu tun, alles hängt zusammen...
Ich wollte aber auf etwas Persönliches hinaus mit der kleinen Geschichte, weg vom Systemabgleich und den "großen Themen", weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Veränderung von Dinge, die wir beklagen, meistens zwischen 2 Menschen anfangen.
Ich habe als wirklich unbedarfte naive Wessi, die ich bei meiner Berlin-Tour war, durch den Kontakt mit dieser Dame etwas gelernt - damals nur unbewusst.....

Das Gerangel innerhalb der DDR, wo wird investiert, wo nicht - Konkurrenz zwischen Hauptstadt und Provinz, da habe ich schon mehrfach hier was drüber gelesen.
Die modernen Architekten wollen natürlich immer "modern", ob uns das immer gefällt, ist eine andere Sache...
Die 70er Jahre haben ja in ganz Deutschland schlimmste Bausünden hinterlassen, Köln (Innenstadt zu 80% zerstört im Krieg) ist diesbezüglich eine besonders schlimmes Beispiel. Wir haben hier Gott sei Dank so viele Romanische Kirchen, das rettet es zum Teil...

Ja ich weiß, Dresden muss wunderschön sein, das steht auch auf meinem Reiseplan. Ich wünschte ich wäre 20 Jahre jünger und könnte freier über meine Zeit verfügen, dann wäre ich dauernd auf Achse :-)
Ich hatte ja schonmal geschrieben, meine Mutter war als junges Mädchen dort im Arbeitsdienst, sie wollte so gerne nochmal dort hin und in die Semper-Oper, leider ist es dazu nicht mehr gekommen.....


Also Frühlingsgefühle: ich finde mich nicht mehr zurecht in dieser seltsamen Jahreszeit. dauernd frieren, trotzdem raus müssen, krank werden, Regen Schnee, Kälte, zwischendurch mal ein bisschen Sonne - ich bin total bedient von diesem Wetter!
Aber: die Erfahrung sagt: der Frühling muss ja irgendwann kommen :-)))

Herzlichen Gruß!
Barbara


GKUS64 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#32

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 01:02
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von ddr-bürger im Beitrag #10
@grenzverletzerin

ich sehe da nicht nur den Asbest als Grund. Ich bin kein Baufachmann, aber wäre nicht eine Asbestsanierung bei glkeichen Kosten möglich gewesen?

Nur hier geht es um eine pol. Entscheidung. Die DDR ließ die Reste des Stadtschlosses "schleifen" um an dieser Stelle einen Palast für seine Bürger zu errichten (Bezeichne das als Symbol, denn ich warte auf die Kommentare das der Palast nur für die "Systemtreuen" war) und dann wurde der Palast geschliffen um wieder ein Abbild des Stadtschlosses zu errichten - wenn das keine Botschaft ist.

@barbara

ich sehe schon eine "verfremdung" der Geschichte. Zur Geschichte gehört auch die eigene Kultur und auch die technische Entwicklung. Ich war im Dezember 2012 in Weimar in einer Ausstellung "Ikarus" Kunst in der DDR. Die Ausstellung war so einseitig, fast nur Berichte warum und wie Künstler die DDR verlassen hatten, oder wie sie "gemobbt" wurden und der Rest waren "Systemtreue". da frage ich mich eh, gehts noch, es gab nicht nur schwarz oder weiß....

Zweites Beispiel Technik, "eh guckt doch was die "Ossis" für Autos hatten.....", das wird aber aus der heutigen sicht getan mit Blick auf Generation Go... 5 und 6. Damals gab es aber auch den Go....1, bloß damit wird nicht verglichen.

Mit solchen Dingen wird auch eine "Geschichte" bewertet.



Hallo DDR-Bürger,

ich habe diesen "verächtlichen Blick auf die Ossis" ja gar nicht erlebt, also in meinem Umfeld hat man nicht so geredet, wir haben gar nicht über die DDR geredet, waren mit unserem eigenen Leben beschäftigt hier im äußersten Westen. Ich hätte dagegen allerdings auch was gesagt, denn über jemanden verächtlich reden finde ich nicht ok, egal über wen.

Aber weißt du was sehr spannend ist? Ich war auch in der Ikarus-Ausstellung in Weimar. Habe das ein bisschen anders erlebt als du, ich fand gerade, dass in dieser Ausstellung ein schönes Nebeneinander von Künstlern "gegen das Regime" aber auch beeindruckender Sozialistischer Kunst dargestellt wurde. Zum Beispiel dieses sehr große Bild in dem Stahlwerk, das ist große Kunst, und ich meine nicht, dass das einfach nur als Propagandakunst abgewertet worden sei.
Ich habe allerdings den Katalog zu der Ausstellung nicht gelesen, vielleicht war der tendenziös.....

Aber schön, dass wir dieselbe Ausstellung gesehen haben!


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#33

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 01:30
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #11
Zitat von Barbara im Beitrag #1
Hallo liebe Landsleute,

„Recht an Geschichte“ - diesen Ausdruck hatte Rainman mal im Thema „Meine deutschen Fragen“ formuliert. (#91 RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“ Punkt 2,) Zu einem ganz speziellen Umstand zwar, aber der Ausdruck hat mich auch darüber hinaus total elektrisiert und ich habe in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht.
...
Was denkt ihr?

Herzlicher Gruß!
Barbara ...

Hallo Barbara,

danke, dass Du das Thema so herausgeholt hast und auch Dein Beispiel finde ich sehr gelungen. Ich denke, dass bei dieser Frau unsere alte Sozialisation durchkam: "Darf man das jetzt sagen?" Das klingt, wenn es so dasteht, relativ platt. Aber wir sind in der DDR tatsächlich ja oft mit der eigenen Zensurschere im Kopf herumgelaufen und haben uns selbst diszipliniert. Ich hatte im Thread über den Tod des Kabarettisten Peter Ensikat schon das Zitat gebracht:

Dabei gestand er ein, sich in 40 Jahren DDR an eine schleichende Entmündigung gewöhnt zu haben. Das hätte er nie akzeptieren dürfen, so Ensikat einmal im Rückblick. Er und andere Kollegen hätten in einer «Sklavensprache geschrieben, unsere windelweichen Halbwahrheiten durch die Blume der Zensur geflüstert».

Genau das ist eine Sozialisation mit der wir aufgewachsen sind. Die streift man nicht einfach ab nach dem Motto: "Ach, hier sind jetzt neue Möglichkeiten? Na dann ergreifen wir die mal!" Bei einigen halten die Gewohnheiten an, bei anderen bricht das Selbstbewusstsein durch, auch wenn es Rückfälle geben kann (kenne ich von mir). Vielleicht zur Klarstellung: Ich schreibe hier nicht über den DDR-Bürger an sich, für alle trifft nicht zu, was ich hier sage. Aber für die, die eine ähnliche sozialistische Entwicklung durch haben, wie ich, und die zumindest an Teile dessen geglaubt haben, was postuliert wurde, mag das gelten.

Wir zweifeln also zunächst an unserem eigenen Recht auf Geschichte, weil der Selbstzweifel etwas ist, womit wir aufwuchsen. Und dann kommt es zu der verrückten Situation, dass man mal irgendwo was sagt und schon wird man zu Boden argumentiert. Die interne Rückmeldung mag dann lauten: "Hätteste mal lieber nüscht gesagt", und wäre somit eine Bestätigung der sozialistischen Sozialisation. Oder man wird trotzig, weil man das Gesagte vielleicht noch nicht intellektuell durchdrungen hat, eigentlich nur mal seine Meinung aus dem Gefühl heraus sagen wollte und nun mit der Diskussion nicht mithalten kann. Um also gegen diese Erziehung und die Erfahrungen nun aber doch ein Recht an Geschichte für sich selbst zu entwickeln, braucht es Zeit und die richtigen Gesprächspartner. So ein Forum kann ein guter Ort dafür sein, vor allem wenn man feststellt, dass gerade die falschen Gesprächspartner die richtigen sind.

Soviel erst mal dazu!
ciao Rainman



Ich danke dir Rainman, du hast die Vorlage geliefert.

Der Witz ist ja, ich ringe ja auch um meine Geschichte und ich komme von der anderen Seite "des Zauns"....
Meinst du das mit dem "Aufwachsen mit dem Selbstzweifel" systembezogen? Also das Üben von "Kritik und Selbstkritik"? Hegel'sche Dialektik? Also einer enorm anspruchsvolle Theorie mit der "ihr" aufgewachsen seid? Oder allgemein "Unsicherheit" im Leben, weil der Kontext unsicher ist?
Jede Frage die ich hier gerade stelle produziert bei mir schon die nächste, deswegen höre ich hier mal auf...aber nur für den Augenblick :-)

Die Situation mit der Frau: ich wünschte du/ihr könntet ihr Gesicht sehen mit dem sie sagte: "... und was glauben Sie was damals los war als der eröffnet wurde!" Sie war wie ausgewechselt. Die war einfach stolz mit ihrer Erinnerung, sie hatte Freude! die sie mir mitgeteilt hat, worüber ich mich wiederum gefreut habe, denn den Fernsehturm fanden wir beide schön und haben uns darin "gefunden". Ach, das ist schön.


... vor allem wenn man feststellt, dass gerade die falschen Gesprächspartner die richtigen sind.

Das ist ja vielleicht ein bemerkenswerter Satz....

Lieben Gruß!
Barbara


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#34

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 01:34
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #14
Es gab viel Müll in der DDR , aber der Palast der Republik und das ganze Umfeld Alexanderplatz, war ein Vorzeigeprojekt und ist auch gelungen. ich habe so ca. 8-9jahre in Berlin gewohnt und hatte 10min. zum Alex. Da gab es für jeden etwas. Die Currywurst für 1.15M am Stand und die Wernesgruener Bierstube der halbe Liter für 1.16M . Oder auch die 37.Etage im Hotel Berlin mit 100M Eintritt zur Travestieshow und die Flasche Sekt für 135M.
Vielleicht etwas zu viel der Überwachung durch die Zivilpolizei und Stasi , aber insgesamt eine gelungene Mischung. Das der Palast der Republik abgerissen wurde, war eine rein politische Entscheidung und hatte nichts mit Asbest zu tun. Man wollte einfach Symbole beseitigen, egal was es kostet. Wenn ich mir heute den Alex und Umfeld anschaue, tut einem das Herz weh.



Ja und weißt du was Eisenacher?
Ich habe in der Nähe des Alex mit einer "Ost-Berliner" Wirtin gesprochen, die sagte.
"früher" , da wussten wir genau wo wir hingehen konnten am Alex, zum Tanzen, zum Quatschen, was trinken gehen. Heute ist da nüscht mehr."..........


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#35

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 01:37
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Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #12

Zitat
@grenzverletzerin

ich sehe da nicht nur den Asbest als Grund. Ich bin kein Baufachmann, aber wäre nicht eine Asbestsanierung bei glkeichen Kosten möglich gewesen?

Nur hier geht es um eine pol. Entscheidung. Die DDR ließ die Reste des Stadtschlosses "schleifen" um an dieser Stelle einen Palast für seine Bürger zu errichten (Bezeichne das als Symbol, denn ich warte auf die Kommentare das der Palast nur für die "Systemtreuen" war) und dann wurde der Palast geschliffen um wieder ein Abbild des Stadtschlosses zu errichten - wenn das keine Botschaft ist.



Bauvorhaben bzw. Rückbau in der Größenordnung sind immer politische Entscheidungen. In diesem Fall hat der Bundestag entschieden - inwieweit man da den Ostdeutschen ihre Geschichte nehmen wollte - entzieht sich meiner Kenntnis. Das die Menschen so fühlen - kann ich verstehen - würde aber nicht immer gleich politisch durchgeführten Willen reininterpretieren.
Nun drehen wir den Spieß mal um...wäre z.B. das ICC nach der Wende unter den Bauhammer gekommen...wären sicher die üblichen Verdächtigen zur Demo aufgelaufen aber niemand hätte m.E. 'Beschneidung der westberliner Geschichte' aufs Tapet gebracht.

Und genau bei diesem Ansatz sehe ich diese unsichtbare Mauer in unseren Köpfen...leider!!
Der ständig über den Tisch gezogene arme Ossi und der die Siegestrophäe schwingende Wessi.
In Dresden, Leipzig und anderen ehemaligen DDR-Städten hat sich sanierungstechnisch nach der Wende soviel getan...da die DDR durch den auf Neubau fixierten Städtebau - die Altbausubstanz völlig vernachlässigt hat.




Andrea meinst du damit, dass die Klischees auch "künstlich" am Leben erhalten werden?


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#36

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 01:40
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #19
Wir haben unser Karl-Marx-Monument, den Nischl, jedenfalls stehen lassen, ist ja so eine Art akzeptiertes Wahrzeichen geworden.
Dachte eigentlich das der Fernsehturm auch ein Wahrzeichen von Berlin ist, versteh nicht das man da nicht sagen sollte das man ihn schön findet, ist doch eine eigene Ansicht.
Das "Erichs Lampenladen" geschliffen wurde, warum auch immer, nu ja, für uns Sachsen war das eh schon immer der "Ballast der Republik"



... die Frau fand ihn schön Grenzwolf, sie traute sich aber nicht das laut zu sagen, sie war einfach unsicher......


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#37

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 02:06
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #20
Zitat von Barbara im Beitrag #1
Hallo liebe Landsleute,


Liebe Barbara,

eigentlich wollte ich an der Stelle garnicht mehr weiter lesen So eine "staatstragende" Anrede

Doch die gehört auch zu UNSERER Geschichte dazu. Mit "Liebe Landsleute" wurden viele Reden begonnen, die je nach politischer "Ortung" für den Deutschen entweder Seelenmassage waren oder Widerspruch provozierten. Nachdenken war selten die Folge. Dabei gab es einige gute Reden an die Deutschen, die leider in Vergessenheit geraten sind:

"Meine lieben Landsleute in Mitteldeutschland und Ostberlin! Schon über 17 Jahre dauert nun in Mitteldeutschland die totalitäre Herrschaft einer kleinen Minderheit, die gestützt auf die Macht der sowjetischen Armee jede Regung politischer und persönlicher Freiheit erstickt. Die Funktionäre maßen sich an, das Denken und Handeln der Bevölkerung zu lenken. Freie Wahlen, freie Meinungsäußerung und die Entfaltung der Persönlichkeit sind Ihnen, meine Landsleute, zwar geläufige Vorstellungen, aber praktische Folgerungen daraus zu ziehen, ist Ihnen unmöglich gemacht. Zur Unfreiheit kamen 1962 noch verstärkt die verheerenden Folgen der Misswirtschaft des Regimes in Landwirtschaft, Handel und Industrie. Was nützt Ihr Fleiß, Ihr Fachwissen und Ihre Erfahrung, wenn alles durch die Unfähigkeit der Funktionäre zunichte gemacht wird? Das geht so weit, dass Ihre Kinder neuerdings nicht den Beruf wählen dürfen, der ihnen liegt, sondern den ergreifen müssen, der der Verwirklichung des Volkswirtschaftsplanes dient. Durch brutale Gewaltmaßnahmen wurde der Abbruch der Beziehungen zwischen Ihnen und uns in der Bundesrepublik erzwungen, aber wir Deutschen im Osten und Westen, im Norden und Süden unseres Vaterlandes sind und bleiben eine geistige Gemeinschaft und darum ein Volk. Ihre Trauer und Ihre Leiden sind trotz der Trennung auch unsere Trauer und unsere Leiden."

Heinrich Lübke in der Neujahrsansprache vom 1. Januar 1963

Das sind so meine Gedanken. Wo es Rechte gibt, gibt es dann nicht auch Pflichten für ein Volk? Als Pflicht sehe ich zum Beispiel die Annerkennung der Leistung der "Ostdeutschen" an. Fernsehturm und Palast der Republik sind nicht zuletzt aus dem Steueraufkommen der arbeitenden Bevölkerung errichtet worden.

LG von der grenzgaengerin

Und Asbest war sowohl in Ost UND West gerne verwandt worden.






Liebe Grenzgängerin,

oh ha, musste es denn jetzt ausgerechnet Lübke sein der so geredet hat (wer sonst, er war definitiv einer der peinlichsten...), wie steh ich jetzt da.... :-)

Vor ca. 7 Wochen hatte ich hier meinen Einstand mit genau dieser Anrede, die ich dann noch modifiziert habe, weil sich nicht alle Forums-Teilnehmer angesprochen gefühlt hatten (ich zitiere mich selbst):

"Hallo liebe Landsleute - und Nicht-Landsleute!

(Bitte verzeih liebe Larissa, ich wollte keinesfalls irgendjemand ausschließen. Das Wort „Landsleute“ ist ein so schönes altmodisches deutsches Wort, so gar nicht staatlich oder national, man kann sich darin finden, wenn man möchte - es ist ein Angebot!)"

Und da ist mir Lübke doch glatt zuvor gekommen. (Bestimmt kennst du die Witze über ihn bzgl. seiner Unsicherheiten mit der deutschen Sprache :-)

Aber ich freu mich, dass du dennoch weiter gelesen hast!
Die Anerkennung von Leistung - ja, und nicht nur die Materielle! Symbole, die etwas bedeuten - ganz persönlich, die Erinnerungen wach halten - und das ganz individuelle Recht auf diese Erinnerungen. Es laut sagen dürfen! Erzählen von all den Augenblicke, aus denen das Leben ja eigentlich besteht. Und die viel zu oft untergehen im Getöse der Zeiten...

Heute (nein gestern stand) steht auf meinem Kalender:

"Was hinter uns und was vor uns liegt sind winzige Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt."
(Henry S. Haskins - den ich nicht kenne)

Liebe und herzliche Grüße!
Barbara


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#38

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 02:16
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von EK82I im Beitrag #22
Hallo Barbara,schade,dass Du nicht die Warteschlange gebändigt hast.Ich war letztmalig da oben,als man noch eine Stunde dort oben seine "Runde" drehen durfte und auch noch die damals vorhanden Schnittstelle betrachten konnte.Alledrdings warteten wir damals weit mehr als 2 Stunden.Berlin vertrat ja zwei Welten,also gab es vieles de facto irgendwie doppelt, nach dem zusammenfügen war wohl für so manches kein Geld mehr da.Mit Grausen erinnere ich mich an das Trara um den Tierpark.Angefangen beim unrühmlichen Ende des einzigartigen Herrn Dathe(kann die Titel nicht korrekt angeben) bis zun Versuch diesen zu schliessen.Ich kenne den Zoo nun auch,bin selber aber eher dem Tierpark zugeneigt.Wenn man das nicht selber mehr vertreten kann,ist das nicht nur traurig sondern abartig.Geschichte gerade rücken mit dem Verteufeln des damals erlebten,nee Danke.
Über das damalige Berlin haben viele gemeckert,hingefahren sind aber doch viele aus Nah und Fern.
Barbara,beim nächsten Besuch reihe Dich mal ein,der Ausblick ist bestimmt immer noch super.
Gruss Michael,und kein Berliner,damals wie heute




Hallo Michael,

das werde ich auf jeden Fall noch machen! Ich bin total verknallt in den Fernsehturm!

Ich verstehe das was du sagst am Beispiel von Zoo und Tierpark.Sie sind aber beide erhalten geblieben oder?
Es hat bei der Wende in jedem Fall das "Innehalten" gefehlt, sich erstmal umgucken, was gerade überhaupt passiert.
Die wirtschaftlichen Aspekte standen so sehr im Vordergrund, Kosten-Nutzen, schnell-schnell, da ist so viel übergangen und überrannt worden.
"Berlin vertrat zwei Welten", das hast du klasse ausgedrückt! Aber wir können uns gegenseitig erzählen und jede Erinnerung ist wertvoll!

Herzlicher Gruß!
Barbara


EK82I hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 07:54
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #34

Ja und weißt du was Eisenacher?
Ich habe in der Nähe des Alex mit einer "Ost-Berliner" Wirtin gesprochen, die sagte.
"früher" , da wussten wir genau wo wir hingehen konnten am Alex, zum Tanzen, zum Quatschen, was trinken gehen. Heute ist da nüscht mehr."..........



Liebe Barbara,

das mit der Wirtin würde ich nicht überbewerten. Die gute Frau ist auch älter geworden. Und da wo ich vor 30 Jahren in die Disko gegangen bin, würde ich als über 50-jährige wahrscheinlich heute auch nicht mehr hingehen - "Alextreff". http://www.artflakes.com/de/products/disko-im-alextreff-2 "Klärchens Ballhaus" , auch in Berlin Mitte, feiert dieses Jahr 100-es, hat alle Wirren der Zeit überlebt. http://de.wikipedia.org/wiki/Cl%C3%A4rchens_Ballhaus

Und rund um den Alex gibt es auch heute genug wo man hingehen kann, mit dem großen Vorteil, dass man nicht mehr platziert wird. Aber auch mit dem großen Nachteil des Nichtrauchens...

Und bei der Fragen des Quatschens, stellt sich nicht wohin, sondern mit wem. Und das ist eine nicht unwichtige Begleiterscheinung der Wende - das "Auseinanderlaufen" der Menschen aus was für Gründen auch immer.

LG von der grenzgaengerin


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#40

RE: "Recht an Geschichte"

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.03.2013 08:01
von icke46 | 2.851 Beiträge | 1091 Punkte
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #39
Zitat von Barbara im Beitrag #34

Ja und weißt du was Eisenacher?
Ich habe in der Nähe des Alex mit einer "Ost-Berliner" Wirtin gesprochen, die sagte.
"früher" , da wussten wir genau wo wir hingehen konnten am Alex, zum Tanzen, zum Quatschen, was trinken gehen. Heute ist da nüscht mehr."..........



Liebe Barbara,

das mit der Wirtin würde ich nicht überbewerten. Die gute Frau ist auch älter geworden. Und da wo ich vor 30 Jahren in die Disko gegangen bin, würde ich als über 50-jährige wahrscheinlich heute auch nicht mehr hingehen - "Alextreff". http://www.artflakes.com/de/products/disko-im-alextreff-2 "Klärchens Ballhaus" , auch in Berlin Mitte, feiert dieses Jahr 100-es, hat alle Wirren der Zeit überlebt. http://de.wikipedia.org/wiki/Cl%C3%A4rchens_Ballhaus

Und rund um den Alex gibt es auch heute genug wo man hingehen kann, mit dem großen Vorteil, dass man nicht mehr platziert wird. Aber auch mit dem großen Nachteil des Nichtrauchens...

Und bei der Fragen des Quatschens, stellt sich nicht wohin, sondern mit wem. Und das ist eine nicht unwichtige Begleiterscheinung der Wende - das "Auseinanderlaufen" der Menschen aus was für Gründen auch immer.

LG von der grenzgaengerin





Was aber meiner Meinung nach ein Gesamt-Berliner Auslaufmodell ist. ist die typische Berliner Eckkneipe, mit dem Kühlfach mit Sichtfenster, wo man einfach so ne Bulette mit Senf oder eine Hackepeter-Schrippe bekam.

Was es wohl immer noch gibt - die Tradition ist nicht totzukriegen - ist diese hier: www.metzer-eck.de

Gruss

icke



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