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#21

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 16:39
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge
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nein @glasi, war sie nicht.
um deine frage zu beantworten müsste man fast einen neuen tread eröffnen wenn man nicht in schwarz/ weiss denken verfallen will


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *


glasi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 19:14
von Rainman2 | 5.816 Beiträge | 362 Punkte
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Zitat von glasi im Beitrag #16
Jeder der von der BW übernommen werden wollte, der hat doch an denn Sozialismus nicht geglaubt. ODER? Ich hätte mich nie bei NVA beworben wenn der andrere Fall eingetréten wäre.( BRD beitritt zur DDR). Uniform ausziehen und nach Hause gehen.

Hallo Glasi,

naja, mal abgesehen davon, dass einige eine Familie zu ernähren hatten, dass andere in Gegenden waren, in denen die Industrialisierung bei der Installation einer Hofpumpe letztmalig zu Besuch war, abgesehen davon, dass viele von uns nichts anderes gelernt hatten, bzw. das gelernte nicht mehr anwenden konnten, abgesehen davon, dass viele einfach ratlos waren, wie sie ihre bis vor kurzem noch sicher geglaubte Zukunf nun selbst in die Hand nehmen sollten, ohne unbedingt Versicherungsvertreter zu werden, abgesehen davon, dass einige, so wie ich, nach fast 7 Jahren auf Studienbänken nun mal einen richtigen Abschluss haben wollten und letztendlich abgesehen davon, dass der Sozialismus in der von uns verteidigten Form als Gegenstand des Glaubens veschwunden war, tja, mal abgesehen von all dem weiß ich nicht, warum man hätte zur Bundeswehr gehen sollen.

Nach Hause gehen - wir hatten uns für 25 Jahre verpflichtet. Die Armee war unser Zuhause. Und genau das hatten wir plötzlich verloren. Also blieben viele in dem, was noch an ihr Zuhause erinnerte und arrangierten sich mit dem neuen Vermieter ...

Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht?

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


glasi, Ecki, KAMÜ, Winch und Mike59 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.02.2013 19:16 | nach oben springen

#23

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 19:21
von Gert | 13.804 Beiträge | 5491 Punkte
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #22
Zitat von glasi im Beitrag #16
Jeder der von der BW übernommen werden wollte, der hat doch an denn Sozialismus nicht geglaubt. ODER? Ich hätte mich nie bei NVA beworben wenn der andrere Fall eingetréten wäre.( BRD beitritt zur DDR). Uniform ausziehen und nach Hause gehen.

Hallo Glasi,

naja, mal abgesehen davon, dass einige eine Familie zu ernähren hatten, dass andere in Gegenden waren, in denen die Industrialisierung bei der Installation einer Hofpumpe letztmalig zu Besuch war, abgesehen davon, dass viele von uns nichts anderes gelernt hatten, bzw. das gelernte nicht mehr anwenden konnten, abgesehen davon, dass viele einfach ratlos waren, wie sie ihre bis vor kurzem noch sicher geglaubte Zukunf nun selbst in die Hand nehmen sollten, ohne unbedingt Versicherungsvertreter zu werden, abgesehen davon, dass einige, so wie ich, nach fast 7 Jahren auf Studienbänken nun mal einen richtigen Abschluss haben wollten und letztendlich abgesehen davon, dass der Sozialismus in der von uns verteidigten Form als Gegenstand des Glaubens veschwunden war, tja, mal abgesehen von all dem weiß ich nicht, warum man hätte zur Bundeswehr gehen sollen.

Nach Hause gehen - wir hatten uns für 25 Jahre verpflichtet. Die Armee war unser Zuhause. Und genau das hatten wir plötzlich verloren. Also blieben viele in dem, was noch an ihr Zuhause erinnerte und arrangierten sich mit dem neuen Vermieter ...

Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht?

ciao Rainman



@ Rainman was hast du denn außer Offizier studiert ? Konnte man das im Zivilleben anwenden, sprich als Beruf ausüben und in klingende Münze umsetzen ?
Ich denke mal, die, die "nur " Offizier gelernt hatten, die musste ja zunächst mal die nackte Panik erfassen, als sie realisierten, dass das sozialistische Haus langsam aber sicher erodierte!


.🇩🇪
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#24

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 20:04
von glasi | 2.816 Beiträge | 17 Punkte
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #22
Zitat von glasi im Beitrag #16
Jeder der von der BW übernommen werden wollte, der hat doch an denn Sozialismus nicht geglaubt. ODER? Ich hätte mich nie bei NVA beworben wenn der andrere Fall eingetréten wäre.( BRD beitritt zur DDR). Uniform ausziehen und nach Hause gehen.

Hallo Glasi,

naja, mal abgesehen davon, dass einige eine Familie zu ernähren hatten, dass andere in Gegenden waren, in denen die Industrialisierung bei der Installation einer Hofpumpe letztmalig zu Besuch war, abgesehen davon, dass viele von uns nichts anderes gelernt hatten, bzw. das gelernte nicht mehr anwenden konnten, abgesehen davon, dass viele einfach ratlos waren, wie sie ihre bis vor kurzem noch sicher geglaubte Zukunf nun selbst in die Hand nehmen sollten, ohne unbedingt Versicherungsvertreter zu werden, abgesehen davon, dass einige, so wie ich, nach fast 7 Jahren auf Studienbänken nun mal einen richtigen Abschluss haben wollten und letztendlich abgesehen davon, dass der Sozialismus in der von uns verteidigten Form als Gegenstand des Glaubens veschwunden war, tja, mal abgesehen von all dem weiß ich nicht, warum man hätte zur Bundeswehr gehen sollen.

Nach Hause gehen - wir hatten uns für 25 Jahre verpflichtet. Die Armee war unser Zuhause. Und genau das hatten wir plötzlich verloren. Also blieben viele in dem, was noch an ihr Zuhause erinnerte und arrangierten sich mit dem neuen Vermieter ...

Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht?

ciao Rainman


Hallo Rainman. Danke für deinen sehr guten Bericht. Der letze Absatz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Von sowas habe ich nie gehöhrt und ist bei uns in der Bw nie ein Thema gewesen. Auch meine neuen Kamaraden haben von sowas nie berichtet. Kennst du persönlich jemanden der denn Freitot gewählt hat?



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#25

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 20:05
von papa81 | 21 Beiträge
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Zitat von Gert im Beitrag #23
Zitat von Rainman2 im Beitrag #22
Zitat von glasi im Beitrag #16
Jeder der von der BW übernommen werden wollte, der hat doch an denn Sozialismus nicht geglaubt. ODER? Ich hätte mich nie bei NVA beworben wenn der andrere Fall eingetréten wäre.( BRD beitritt zur DDR). Uniform ausziehen und nach Hause gehen.

Hallo Glasi,

naja, mal abgesehen davon, dass einige eine Familie zu ernähren hatten, dass andere in Gegenden waren, in denen die Industrialisierung bei der Installation einer Hofpumpe letztmalig zu Besuch war, abgesehen davon, dass viele von uns nichts anderes gelernt hatten, bzw. das gelernte nicht mehr anwenden konnten, abgesehen davon, dass viele einfach ratlos waren, wie sie ihre bis vor kurzem noch sicher geglaubte Zukunf nun selbst in die Hand nehmen sollten, ohne unbedingt Versicherungsvertreter zu werden, abgesehen davon, dass einige, so wie ich, nach fast 7 Jahren auf Studienbänken nun mal einen richtigen Abschluss haben wollten und letztendlich abgesehen davon, dass der Sozialismus in der von uns verteidigten Form als Gegenstand des Glaubens veschwunden war, tja, mal abgesehen von all dem weiß ich nicht, warum man hätte zur Bundeswehr gehen sollen.

Nach Hause gehen - wir hatten uns für 25 Jahre verpflichtet. Die Armee war unser Zuhause. Und genau das hatten wir plötzlich verloren. Also blieben viele in dem, was noch an ihr Zuhause erinnerte und arrangierten sich mit dem neuen Vermieter ...

Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht?

ciao Rainman



@ Rainman was hast du denn außer Offizier studiert ? Konnte man das im Zivilleben anwenden, sprich als Beruf ausüben und in klingende Münze umsetzen ?
Ich denke mal, die, die "nur " Offizier gelernt hatten, die musste ja zunächst mal die nackte Panik erfassen, als sie realisierten, dass das sozialistische Haus langsam aber sicher erodierte!




allso ich für meinen tei stand genauso da erst hab ich die grenze mit bräumt und dann hat ein schlauer kopf mir gesagt ubernommen wirst nicht aber versuch esmal mit einer umschulung hat geholfen bin heute noch in dem job tätig einige haben es auch geschafft sind noch heute beim bgs in berlin


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#26

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 20:34
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Zitat von glasi im Beitrag #24
Zitat von Rainman2 im Beitrag #22
Zitat von glasi im Beitrag #16
Jeder der von der BW übernommen werden wollte, der hat doch an denn Sozialismus nicht geglaubt. ODER? Ich hätte mich nie bei NVA beworben wenn der andrere Fall eingetréten wäre.( BRD beitritt zur DDR). Uniform ausziehen und nach Hause gehen.

Hallo Glasi,

naja, mal abgesehen davon, dass einige eine Familie zu ernähren hatten, dass andere in Gegenden waren, in denen die Industrialisierung bei der Installation einer Hofpumpe letztmalig zu Besuch war, abgesehen davon, dass viele von uns nichts anderes gelernt hatten, bzw. das gelernte nicht mehr anwenden konnten, abgesehen davon, dass viele einfach ratlos waren, wie sie ihre bis vor kurzem noch sicher geglaubte Zukunf nun selbst in die Hand nehmen sollten, ohne unbedingt Versicherungsvertreter zu werden, abgesehen davon, dass einige, so wie ich, nach fast 7 Jahren auf Studienbänken nun mal einen richtigen Abschluss haben wollten und letztendlich abgesehen davon, dass der Sozialismus in der von uns verteidigten Form als Gegenstand des Glaubens veschwunden war, tja, mal abgesehen von all dem weiß ich nicht, warum man hätte zur Bundeswehr gehen sollen.

Nach Hause gehen - wir hatten uns für 25 Jahre verpflichtet. Die Armee war unser Zuhause. Und genau das hatten wir plötzlich verloren. Also blieben viele in dem, was noch an ihr Zuhause erinnerte und arrangierten sich mit dem neuen Vermieter ...

Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht?

ciao Rainman


Hallo Rainman. Danke für deinen sehr guten Bericht. Der letze Absatz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Von sowas habe ich nie gehöhrt und ist bei uns in der Bw nie ein Thema gewesen. Auch meine neuen Kamaraden haben von sowas nie berichtet. Kennst du persönlich jemanden der denn Freitot gewählt hat?



@glasi

Ja, sicher kennt Rainman2 da einige...
Mir fällt zum Thema im Moment nur der User dremi (Michael Dreese) ein, welcher vor fast genau 2 Jahren freiwillig aus dem Leben schied.
War zu dieser Zeit recht neu hier und habe nicht seine persönliche Bekanntschaft gemacht.Den Beiträgen eines ehemaligen Untergebenen zufolge
soll es sich hier um einen sehr "Mensch-gebliebenen" Offizier gehandelt haben, welcher wohl am Ende mit Zweifel und Selbstzweifel nicht
mehr leben konnte (wollte)...
Mich hat die Tatsache seines Freitodes auch menschlich sehr berührt, vor allem nach dem Lesen aller seiner Beiträge....
Unbekannterweise war er mir nur durch das Lesen seiner Beiträge sehr sympatisch.
R.I.P. dremi

SEG15D



Mike59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#27

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 21:13
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Zitat von Gert im Beitrag #23
... @ Rainman was hast du denn außer Offizier studiert ? Konnte man das im Zivilleben anwenden, sprich als Beruf ausüben und in klingende Münze umsetzen ?
Ich denke mal, die, die "nur " Offizier gelernt hatten, die musste ja zunächst mal die nackte Panik erfassen, als sie realisierten, dass das sozialistische Haus langsam aber sicher erodierte!



Hallo Gert,

Mein erster gelernter Beruf war Kfz.-Schlosser. Den lernte ich nur, weil ich einen Beruf lernen musste und weil von den im Koningent des Wehrkreiskommandos befindlichen Lehrstellen diese noch am besten klang. Und das als einer, der heute noch kein Auto fährt. Naja. Ab da habe ich nur noch Militärisches gelernt. Das Diplomstudium begann als Kulturwissenschaftsstudium und endete dank der Wende als Politikwissenschaftsstudium. Rein inhaltlich konnte ich mit den dort gelernten Sachen nicht viel anfangen. Aber ich hatte nunmehr einen ordentlichen Hochschulabschluss. Der Abschluss der Offiziershochschule gilt heute nur als Fachhochschulabschluss. Ob ich diesen Abschluss nun letzten Endes gebraucht habe oder nicht, mag heute dahingestellt sein. Damals war es mir wichtig und ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Das Beste am Studium war der Informatikkurs. Und so bin ich heute noch in der Branche, berate Unternehmen in der Personalzeitwirtschaft, richte Systeme ein, entwickle und programmiere. Eine Arbeit, die den Mann ganz ordentlich ernährt. Sehr viele Offiziere, die nicht studiert hatten, sahen sich da in einer schlechteren Lage. Vielen blieb die Umschulung. Viele wurden zunächst Vertreter. Die meisten davon Versicherungsvertreter. Ich habe auch am Anfang kurz in die Richtung geschaut, die Fähigkeiten zur Indoktrination hatte ich ja noch. Aber als Verkäufer tauge ich nicht viel, da ich "Abschlussangst" habe. Diese löbliche Eigenschaft teile ich mir mit ca. 80 % der Menschen. Ich leide also nicht sonderlich darunter.

Zitat von glasi im Beitrag #24
Zitat von Rainman2 im Beitrag #22
... Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht? ...

Hallo Rainman. Danke für deinen sehr guten Bericht. Der letze Absatz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Von sowas habe ich nie gehöhrt und ist bei uns in der Bw nie ein Thema gewesen. Auch meine neuen Kamaraden haben von sowas nie berichtet. Kennst du persönlich jemanden der denn Freitot gewählt hat?

Hallo Glasi,

aus dem Kreis mir bekanter Offiziere:
- Einer ist bewusst gegen den Baum gefahren (Abschiedsbrief).
- Einer hat sich erhängt.
- Zwei haben sich zu Tode gesoffen (Ob das nun unbedingt nur durch die Wende kam, ist da allerdings schwer zu sagen. Aber Fakt ist, dass sie mit dem Ausscheiden aus dem Dienst den letzten Halt verloren).
Die Sache mit dem sich erschießen kenne ich nur vom Hören-Sagen. Klang aber glaubhaft.
Es gab sicher kein Massensuizid unter den Offizieren. Aber es gab einige Fälle, die im Direkten Zusammenhang zur Wende standen. In den Wirren der Wende ging da einiges unter. Die Jungs, übrigens alles Politoffiziere, sind in meiner Erinnerung!

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Gert und Schmiernippel haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#28

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 21:56
von Gert | 13.804 Beiträge | 5491 Punkte
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des Mitglieds Gert
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
Zitat von Gert im Beitrag #23
... @ Rainman was hast du denn außer Offizier studiert ? Konnte man das im Zivilleben anwenden, sprich als Beruf ausüben und in klingende Münze umsetzen ?
Ich denke mal, die, die "nur " Offizier gelernt hatten, die musste ja zunächst mal die nackte Panik erfassen, als sie realisierten, dass das sozialistische Haus langsam aber sicher erodierte!



Hallo Gert,

Mein erster gelernter Beruf war Kfz.-Schlosser. Den lernte ich nur, weil ich einen Beruf lernen musste und weil von den im Koningent des Wehrkreiskommandos befindlichen Lehrstellen diese noch am besten klang. Und das als einer, der heute noch kein Auto fährt. Naja. Ab da habe ich nur noch Militärisches gelernt. Das Diplomstudium begann als Kulturwissenschaftsstudium und endete dank der Wende als Politikwissenschaftsstudium. Rein inhaltlich konnte ich mit den dort gelernten Sachen nicht viel anfangen. Aber ich hatte nunmehr einen ordentlichen Hochschulabschluss. Der Abschluss der Offiziershochschule gilt heute nur als Fachhochschulabschluss. Ob ich diesen Abschluss nun letzten Endes gebraucht habe oder nicht, mag heute dahingestellt sein. Damals war es mir wichtig und ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Das Beste am Studium war der Informatikkurs. Und so bin ich heute noch in der Branche, berate Unternehmen in der Personalzeitwirtschaft, richte Systeme ein, entwickle und programmiere. Eine Arbeit, die den Mann ganz ordentlich ernährt. Sehr viele Offiziere, die nicht studiert hatten, sahen sich da in einer schlechteren Lage. Vielen blieb die Umschulung. Viele wurden zunächst Vertreter. Die meisten davon Versicherungsvertreter. Ich habe auch am Anfang kurz in die Richtung geschaut, die Fähigkeiten zur Indoktrination hatte ich ja noch. Aber als Verkäufer tauge ich nicht viel, da ich "Abschlussangst" habe. Diese löbliche Eigenschaft teile ich mir mit ca. 80 % der Menschen. Ich leide also nicht sonderlich darunter.

Zitat von glasi im Beitrag #24
Zitat von Rainman2 im Beitrag #22
... Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht? ...

Hallo Rainman. Danke für deinen sehr guten Bericht. Der letze Absatz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Von sowas habe ich nie gehöhrt und ist bei uns in der Bw nie ein Thema gewesen. Auch meine neuen Kamaraden haben von sowas nie berichtet. Kennst du persönlich jemanden der denn Freitot gewählt hat?

Hallo Glasi,

aus dem Kreis mir bekanter Offiziere:
- Einer ist bewusst gegen den Baum gefahren (Abschiedsbrief).
- Einer hat sich erhängt.
- Zwei haben sich zu Tode gesoffen (Ob das nun unbedingt nur durch die Wende kam, ist da allerdings schwer zu sagen. Aber Fakt ist, dass sie mit dem Ausscheiden aus dem Dienst den letzten Halt verloren).
Die Sache mit dem sich erschießen kenne ich nur vom Hören-Sagen. Klang aber glaubhaft.
Es gab sicher kein Massensuizid unter den Offizieren. Aber es gab einige Fälle, die im Direkten Zusammenhang zur Wende standen. In den Wirren der Wende ging da einiges unter. Die Jungs, übrigens alles Politoffiziere, sind in meiner Erinnerung!

ciao Rainman



Rainman, danke für die ausführliche Antwort. Ich denke, Bildung schadet nie, es zahlt sich immer aus, egal was man damit später macht. Bildung ist das wichtigste Kapital, das ein Mensch erwerben kann. Was ich nicht so ganz verstehen kann ist, dass die Berufssoldaten der NVA solche Probleme hatten, in der Bundeswehr weiter zu dienen. Nach meinem Verständnis ist eine Armee in erster Linie für das Land und das Volk da, um Sicherheit nach aussen zu garantieren. Insofern ist eine regierende Partei nur der ausführende Arm des Volkes, der die Streitkräfte mit Zielen und Aufgaben führt Der Grund, warum das in der DDR etwas anders war, ist vermutlich der Fahneneid, der inhaltlich doch sehr auf eine Partei, die Staatspartei, fokussierte. Damit unterscheidet sich die NVA von vielen Armeen, deren Aufgabe es ist, einem Land und seinen Bürgern Sicherheit zu geben und nicht einer Partei und ihren Funktionären.


.🇩🇪
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#29

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 22:06
von Rostocker | 8.123 Beiträge | 1598 Punkte
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Zitat von Gert im Beitrag #28
Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
Zitat von Gert im Beitrag #23
... @ Rainman was hast du denn außer Offizier studiert ? Konnte man das im Zivilleben anwenden, sprich als Beruf ausüben und in klingende Münze umsetzen ?
Ich denke mal, die, die "nur " Offizier gelernt hatten, die musste ja zunächst mal die nackte Panik erfassen, als sie realisierten, dass das sozialistische Haus langsam aber sicher erodierte!



Hallo Gert,

Mein erster gelernter Beruf war Kfz.-Schlosser. Den lernte ich nur, weil ich einen Beruf lernen musste und weil von den im Koningent des Wehrkreiskommandos befindlichen Lehrstellen diese noch am besten klang. Und das als einer, der heute noch kein Auto fährt. Naja. Ab da habe ich nur noch Militärisches gelernt. Das Diplomstudium begann als Kulturwissenschaftsstudium und endete dank der Wende als Politikwissenschaftsstudium. Rein inhaltlich konnte ich mit den dort gelernten Sachen nicht viel anfangen. Aber ich hatte nunmehr einen ordentlichen Hochschulabschluss. Der Abschluss der Offiziershochschule gilt heute nur als Fachhochschulabschluss. Ob ich diesen Abschluss nun letzten Endes gebraucht habe oder nicht, mag heute dahingestellt sein. Damals war es mir wichtig und ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Das Beste am Studium war der Informatikkurs. Und so bin ich heute noch in der Branche, berate Unternehmen in der Personalzeitwirtschaft, richte Systeme ein, entwickle und programmiere. Eine Arbeit, die den Mann ganz ordentlich ernährt. Sehr viele Offiziere, die nicht studiert hatten, sahen sich da in einer schlechteren Lage. Vielen blieb die Umschulung. Viele wurden zunächst Vertreter. Die meisten davon Versicherungsvertreter. Ich habe auch am Anfang kurz in die Richtung geschaut, die Fähigkeiten zur Indoktrination hatte ich ja noch. Aber als Verkäufer tauge ich nicht viel, da ich "Abschlussangst" habe. Diese löbliche Eigenschaft teile ich mir mit ca. 80 % der Menschen. Ich leide also nicht sonderlich darunter.

Zitat von glasi im Beitrag #24
Zitat von Rainman2 im Beitrag #22
... Andere blieben sich treu und fuhren mit Karacho gegen Bäume, erschossen sich, erhängten sich oder soffen sich zu Tode. Sind diese in ihrer Konsequenz die Helden? Warum wird dann ihrer nicht gedacht? ...

Hallo Rainman. Danke für deinen sehr guten Bericht. Der letze Absatz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Von sowas habe ich nie gehöhrt und ist bei uns in der Bw nie ein Thema gewesen. Auch meine neuen Kamaraden haben von sowas nie berichtet. Kennst du persönlich jemanden der denn Freitot gewählt hat?

Hallo Glasi,

aus dem Kreis mir bekanter Offiziere:
- Einer ist bewusst gegen den Baum gefahren (Abschiedsbrief).
- Einer hat sich erhängt.
- Zwei haben sich zu Tode gesoffen (Ob das nun unbedingt nur durch die Wende kam, ist da allerdings schwer zu sagen. Aber Fakt ist, dass sie mit dem Ausscheiden aus dem Dienst den letzten Halt verloren).
Die Sache mit dem sich erschießen kenne ich nur vom Hören-Sagen. Klang aber glaubhaft.
Es gab sicher kein Massensuizid unter den Offizieren. Aber es gab einige Fälle, die im Direkten Zusammenhang zur Wende standen. In den Wirren der Wende ging da einiges unter. Die Jungs, übrigens alles Politoffiziere, sind in meiner Erinnerung!

ciao Rainman



Rainman, danke für die ausführliche Antwort. Ich denke, Bildung schadet nie, es zahlt sich immer aus, egal was man damit später macht. Bildung ist das wichtigste Kapital, das ein Mensch erwerben kann. Was ich nicht so ganz verstehen kann ist, dass die Berufssoldaten der NVA solche Probleme hatten, in der Bundeswehr weiter zu dienen. Nach meinem Verständnis ist eine Armee in erster Linie für das Land und das Volk da, um Sicherheit nach aussen zu garantieren. Insofern ist eine regierende Partei nur der ausführende Arm des Volkes, der die Streitkräfte mit Zielen und Aufgaben führt Der Grund, warum das in der DDR etwas anders war, ist vermutlich der Fahneneid, der inhaltlich doch sehr auf eine Partei, die Staatspartei, fokussierte. Damit unterscheidet sich die NVA von vielen Armeen, deren Aufgabe es ist, einem Land und seinen Bürgern Sicherheit zu geben und nicht einer Partei und ihren Funktionären.



Ja,,deswegen geht man ja heute nach ganz weit aussen--im Namen einiger Parteien und dessen Häuptlingen und nicht des Volkes willens.



damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#30

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 24.02.2013 23:20
von Rainman2 | 5.816 Beiträge | 362 Punkte
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Zitat von Gert im Beitrag #28
... Was ich nicht so ganz verstehen kann ist, dass die Berufssoldaten der NVA solche Probleme hatten, in der Bundeswehr weiter zu dienen. Nach meinem Verständnis ist eine Armee in erster Linie für das Land und das Volk da, um Sicherheit nach aussen zu garantieren. Insofern ist eine regierende Partei nur der ausführende Arm des Volkes, der die Streitkräfte mit Zielen und Aufgaben führt Der Grund, warum das in der DDR etwas anders war, ist vermutlich der Fahneneid, der inhaltlich doch sehr auf eine Partei, die Staatspartei, fokussierte. Damit unterscheidet sich die NVA von vielen Armeen, deren Aufgabe es ist, einem Land und seinen Bürgern Sicherheit zu geben und nicht einer Partei und ihren Funktionären.



Hallo Gert,

eine schöne Frage, bei deren Beantwortung man allerdings in die Urgründe unserer Ideologeme eintauchen muss. Da ich nicht der Nabel der Welt bin und andere auch anders gedacht haben dürften, spreche ich mal nur für mich, allerdings unterstellend, dass es anderen meiner Zunft ähnlich gegangen sein dürfte.

Machen wir mal ein Gedankenexperiment. Wir beide, Gert, Du und ich, begegneten uns 1985 - also spät genug für mich, dass Knirschen im Gebälk zu hören, aber noch vor Glasnost und Perestroika. Wir schwatzen und Du fragst plötzlich: "Was meinst Du, Regnerischer? Was ist besser für ein Volk: Keine Ausbeutung oder keine Demokratie?" Ich hätte Dich dann erst mal ungläubig angesehen und dann zurückgefragt: "Was soll denn die Frage? Ist doch klar! Lieber keine Ausbeutung." Im nachfolgenden Vortrag hätte ich Dir auseinandergesetzt, dass die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen der Schlüssel für Unterdrückung, Armut, Hunger, Obdachlosigkeit, Gewalt und Krieg ist. Es muss, hätte ich mich hineingesteigert, als legitim angesehen werden, im Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung mitsamt ihren Begleiterscheinungen auch Einschränkungen in der Demokratie zu akzeptieren. Dann hätte ich, im Versuch listig zu sein, darauf verwiesen, dass der demokratische Zentralismus in der DDR durchaus eine legitime Form der Demokratie darstellt und wäre der Meinung gewesen, Dich argumentativ vollkommen aus dem Felde geschlagen zu haben mit Deiner doofen Frage.

In diesem Moment hättest Du also die volle Wucht eines Teils meiner Grundüberzeugungen, wie es damals hieß, meines Glaubens, wie ich es heute formulieren würde, abbekommen. Und das hält einen ab, zur Bundeswehr zu gehen? Noch nicht ganz. Das fehlende Puzzelstück ist die Tatsache, dass ich mich nie wirklich als einen Soldaten eines (im Sinne des Zahlworts eins) Volkes begriffen hatte. Ich war Soldat eines Systems - des real existierenden Sozialismus, was für mich neben dem Schutz des eigenen Landes auch die Verteidigung aller anderen Bruderstaaten selbstverständlich einschloss. Aus dieser Tatsache folgerte ich, dass auch die Soldaten der anderen Seite letztlich Soldaten eines Systems seien. Und zwar eines Systems in dem Ausbeutung und Unterdrückung akzeptiert werden.

Dem Land hätte ich vielleicht dienen können. Dem System nicht. Das war für mich der springende Punkt

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Feliks D., exgakl, Gert, eisenringtheo, DoreHolm, Ecki und jecki09 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#31

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 05:36
von schulzi | 1.991 Beiträge | 1014 Punkte
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #30
Zitat von Gert im Beitrag #28
... Was ich nicht so ganz verstehen kann ist, dass die Berufssoldaten der NVA solche Probleme hatten, in der Bundeswehr weiter zu dienen. Nach meinem Verständnis ist eine Armee in erster Linie für das Land und das Volk da, um Sicherheit nach aussen zu garantieren. Insofern ist eine regierende Partei nur der ausführende Arm des Volkes, der die Streitkräfte mit Zielen und Aufgaben führt Der Grund, warum das in der DDR etwas anders war, ist vermutlich der Fahneneid, der inhaltlich doch sehr auf eine Partei, die Staatspartei, fokussierte. Damit unterscheidet sich die NVA von vielen Armeen, deren Aufgabe es ist, einem Land und seinen Bürgern Sicherheit zu geben und nicht einer Partei und ihren Funktionären.



Hallo Gert,

eine schöne Frage, bei deren Beantwortung man allerdings in die Urgründe unserer Ideologeme eintauchen muss. Da ich nicht der Nabel der Welt bin und andere auch anders gedacht haben dürften, spreche ich mal nur für mich, allerdings unterstellend, dass es anderen meiner Zunft ähnlich gegangen sein dürfte.

Machen wir mal ein Gedankenexperiment. Wir beide, Gert, Du und ich, begegneten uns 1985 - also spät genug für mich, dass Knirschen im Gebälk zu hören, aber noch vor Glasnost und Perestroika. Wir schwatzen und Du fragst plötzlich: "Was meinst Du, Regnerischer? Was ist besser für ein Volk: Keine Ausbeutung oder keine Demokratie?" Ich hätte Dich dann erst mal ungläubig angesehen und dann zurückgefragt: "Was soll denn die Frage? Ist doch klar! Lieber keine Ausbeutung." Im nachfolgenden Vortrag hätte ich Dir auseinandergesetzt, dass die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen der Schlüssel für Unterdrückung, Armut, Hunger, Obdachlosigkeit, Gewalt und Krieg ist. Es muss, hätte ich mich hineingesteigert, als legitim angesehen werden, im Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung mitsamt ihren Begleiterscheinungen auch Einschränkungen in der Demokratie zu akzeptieren. Dann hätte ich, im Versuch listig zu sein, darauf verwiesen, dass der demokratische Zentralismus in der DDR durchaus eine legitime Form der Demokratie darstellt und wäre der Meinung gewesen, Dich argumentativ vollkommen aus dem Felde geschlagen zu haben mit Deiner doofen Frage.

In diesem Moment hättest Du also die volle Wucht eines Teils meiner Grundüberzeugungen, wie es damals hieß, meines Glaubens, wie ich es heute formulieren würde, abbekommen. Und das hält einen ab, zur Bundeswehr zu gehen? Noch nicht ganz. Das fehlende Puzzelstück ist die Tatsache, dass ich mich nie wirklich als einen Soldaten eines (im Sinne des Zahlworts eins) Volkes begriffen hatte. Ich war Soldat eines Systems - des real existierenden Sozialismus, was für mich neben dem Schutz des eigenen Landes auch die Verteidigung aller anderen Bruderstaaten selbstverständlich einschloss. Aus dieser Tatsache folgerte ich, dass auch die Soldaten der anderen Seite letztlich Soldaten eines Systems seien. Und zwar eines Systems in dem Ausbeutung und Unterdrückung akzeptiert werden.

Dem Land hätte ich vielleicht dienen können. Dem System nicht. Das war für mich der springende Punkt

ciao Rainman

raiman diese worte sprechen stolz unbeugsamkeit und ehrgefühl aus du steigst in meiner achtung immer mehr


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#32

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 06:52
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 35 Punkte
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
Ich war zwar erst im Mai 1989 zum Hauptmann befördert worden, da ich aber durch meine Parteistrafen übermäßig lange Leutnant war, hatte ich die Frist für den Hauptmann der Bundeswehr erreicht und blieb in diesem Dienstgrad.


Sicher auch ein interessantes Thema!


Zum Thema an sich kann ich nicht viel sagen, bei uns ging das große Pickelschießen allerdings schon 89/90 los als viele noch dachten sich zu anderen Organen rüberretten zu können. Ein mir pers. bekannter OSL durfte sich z.B. noch kurzzeitig als Obermeister verdingen bis man ihn ganz aussortierte.

Da wir bei uns in der Wohnanlage aufgrund der Kontingentvergabe (NVA/MfS) recht konzentriert lebten sind mir durchaus mehr als nur 3 Fälle von Selbsttötungen bekannt. Erschossen haben sich 2, einer hat sich mit einer Gasexplosion aus dem Leben gerissen, ein Ehepaar hat sich in unserer Garagenanlage vergiftet (Abgase), einer ist mit dem Boot auf den Tollensesee rausgefahren und dann ins Wasser gesprungen, erhängt haben sich mehrere.

Das sind jetzt nur die mit bekannten Fälle, da mag es durchaus noch einige mehr gegeben haben. Die die sich langsam mit Alkohol gerichtet haben zähle ich mal nicht mit, sie waren jedoch alle unsere Opfer der "friedlichen Wende".


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
zuletzt bearbeitet 25.02.2013 06:53 | nach oben springen

#33

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 08:09
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Wie definiert sich eigentlich dieser "Staatsnah-Status"?
Meine jetzige Frau war damals auch staatsnah als Mitarbeiterin im Rat des Kreises Abteilung Finanzen, durfte aber dann weiterrechnen in D-Mark, konnte es ja eigentlich auch besser als die Buschzulagen-Looser die ihr das nachträglich beibringen wollten, weil im Gegensatz zu denen hatte sie dieses richtig studiert .


zuletzt bearbeitet 25.02.2013 08:27 | nach oben springen

#34

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 08:28
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 35 Punkte
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Beschäftige dich mal mit dem § 6 AAÜG, einschließlich Kommentaren. Dann kommst Du aus dem Stauen, wer so alles "staatsnah" war, nicht mehr raus.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
zuletzt bearbeitet 25.02.2013 08:29 | nach oben springen

#35

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 08:31
von Jobnomade | 1.380 Beiträge | 6 Punkte
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so, dann möchte ich mal ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis beisteuern, was aus einem langjährigen NVA-Offizier geworden ist....
(nein.... das Beispiel meiner Person taugt hierfür nicht: ich war im November 1989 für genau einen Tag Leutnant der NVA, stand bereits in Zivil auf dem Kasernenhof und hab dann nie wieder 'was vom Militär gehört)

Der besagte Offizier war 1989 Major der Nachrichtentruppen, bekam dann irgendwann eine bescheidene Abfindung und Umschulungsangebote. Irgendwann später arbeitete er mal als Wachdienst auf dem Flughafen München, heute ist er Müllfahrer. Er hat sein bescheidenes Auskommen, sicher...
Einmal meinte er zu mir mit bitterem Unterton "wir haben den Krieg verloren...."
Ich verstehe das schon aus seiner Sicht.
Was vor dem Hintergrund der ganzen Entwicklung eigentlich mitbetrachtet werden sollte, so bitter manches Einzelschicksal auch ist:
Braucht das geeinte Deutschland und Europa überhaupt noch so viele (Berufs-)Soldaten, wie damals unter Waffen standen ?

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
zuletzt bearbeitet 25.02.2013 08:32 | nach oben springen

#36

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 08:56
von Eisenacher | 2.069 Beiträge | 4 Punkte
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1990 arbeitete ich in einer privaten Sicherheitsfirma in Frankfurt/M. Da hatten wir einen Major und einen Hauptmann der NVA, 2x EX-MfS-Mitarbeiter und sogar einen Oberstleutnant habe ich kennengelernt, der in einer Konkurrenzfirma einen Job als Pförtner gefunden hatte. Da litten einige unter Depressionen, aber waren in der Sicherheitsbranche, vom Arbeitgeber gern gesehene Beschäftigte.


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#37

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 09:16
von Rüganer (gelöscht)
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Ich kenne einen Mitautor des Buches "Die Küstenraketentruppen der Volksmarine", der begann nach der Wende als Vertreter für Sanitärerzeugnisse, unter anderem Badewannen. Auf Grund der Eigenschaften: Disziplin, Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft sehr gesucht, baute der sich eine eigene Handelsvertretung auf und machte bestimmt sehr gutes Geld. Man erkannte allerdings an seinem Auftreten, seiner Haltung und seinem Haarschnitt - dies ist ein ehemaliger Offizier.
Einen weiterer hat sich ein Unternehmen aufgebaut, erfolgreich in Norddeutschland agierend, weitere haben alle ihr Ding gemacht und sind heute wieder wer.
Ein negatives Beispiel ist einer, der einen Angelkutter führt und der die "militärischen Gene" wohl noch nicht ganz ablegen konnte, entsprechende Kritiken kann man in Anglerforen lesen. Aber dies ist wohl eine Ausnahme.
Ich finde, wer etwas auf dem Kasten hatte und begriffen hat, dass dies, woran er geglaubt hat nun nicht unbedingt dass war, womit das Volk zufrieden war und was das Volk wollte, der sich auf seine Ursprünge besonnen hat, der ist auch nach dem Absturz aus dem militärischen Beruf klargekommen. Es mussten und sind ja auch tausend andere Menschen klargekommen, die ein eingeengtes Berufsbild ausübten, ich denke da nur an die Hochseefischer. Die konnten auch nur fischen und wer brauchte die nach der Wende?


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#38

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 09:22
von Gert | 13.804 Beiträge | 5491 Punkte
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #32
Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
Ich war zwar erst im Mai 1989 zum Hauptmann befördert worden, da ich aber durch meine Parteistrafen übermäßig lange Leutnant war, hatte ich die Frist für den Hauptmann der Bundeswehr erreicht und blieb in diesem Dienstgrad.


Sicher auch ein interessantes Thema!


Zum Thema an sich kann ich nicht viel sagen, bei uns ging das große Pickelschießen allerdings schon 89/90 los als viele noch dachten sich zu anderen Organen rüberretten zu können. Ein mir pers. bekannter OSL durfte sich z.B. noch kurzzeitig als Obermeister verdingen bis man ihn ganz aussortierte.

Da wir bei uns in der Wohnanlage aufgrund der Kontingentvergabe (NVA/MfS) recht konzentriert lebten sind mir durchaus mehr als nur 3 Fälle von Selbsttötungen bekannt. Erschossen haben sich 2, einer hat sich mit einer Gasexplosion aus dem Leben gerissen, ein Ehepaar hat sich in unserer Garagenanlage vergiftet (Abgase), einer ist mit dem Boot auf den Tollensesee rausgefahren und dann ins Wasser gesprungen, erhängt haben sich mehrere.

Das sind jetzt nur die mit bekannten Fälle, da mag es durchaus noch einige mehr gegeben haben. Die die sich langsam mit Alkohol gerichtet haben zähle ich mal nicht mit, sie waren jedoch alle unsere Opfer der "friedlichen Wende".



Ja Feliks, das ist eine traurige Tatsache. Nach meiner Überzeugung wäre es aber nicht nötig gewesen sich selbst zu richten. Ich denke deren Suizid ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass sie sich ein Leben nach dem Sozialismus nicht mehr oder in dem Moment nicht vorstellen konnten.Die 2. Möglichkeit eines Motivs sehe ich darin, dass sie über das Scheitern des sozialistischen Modells so enttäuscht waren, das sie keinen andernen Ausweg sahen.
Angst vor etwaiger Rache oder so etwas brauchten sie nicht zu haben, denn wir sind doch ein zivilisierte Land, das seine Meinungsverschiedenheiten vor ordentlichen Gerichten austrägt.


.🇩🇪
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#39

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 09:30
von Gert | 13.804 Beiträge | 5491 Punkte
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #30
Zitat von Gert im Beitrag #28
... Was ich nicht so ganz verstehen kann ist, dass die Berufssoldaten der NVA solche Probleme hatten, in der Bundeswehr weiter zu dienen. Nach meinem Verständnis ist eine Armee in erster Linie für das Land und das Volk da, um Sicherheit nach aussen zu garantieren. Insofern ist eine regierende Partei nur der ausführende Arm des Volkes, der die Streitkräfte mit Zielen und Aufgaben führt Der Grund, warum das in der DDR etwas anders war, ist vermutlich der Fahneneid, der inhaltlich doch sehr auf eine Partei, die Staatspartei, fokussierte. Damit unterscheidet sich die NVA von vielen Armeen, deren Aufgabe es ist, einem Land und seinen Bürgern Sicherheit zu geben und nicht einer Partei und ihren Funktionären.



Hallo Gert,

eine schöne Frage, bei deren Beantwortung man allerdings in die Urgründe unserer Ideologeme eintauchen muss. Da ich nicht der Nabel der Welt bin und andere auch anders gedacht haben dürften, spreche ich mal nur für mich, allerdings unterstellend, dass es anderen meiner Zunft ähnlich gegangen sein dürfte.

Machen wir mal ein Gedankenexperiment. Wir beide, Gert, Du und ich, begegneten uns 1985 - also spät genug für mich, dass Knirschen im Gebälk zu hören, aber noch vor Glasnost und Perestroika. Wir schwatzen und Du fragst plötzlich: "Was meinst Du, Regnerischer? Was ist besser für ein Volk: Keine Ausbeutung oder keine Demokratie?" Ich hätte Dich dann erst mal ungläubig angesehen und dann zurückgefragt: "Was soll denn die Frage? Ist doch klar! Lieber keine Ausbeutung." Im nachfolgenden Vortrag hätte ich Dir auseinandergesetzt, dass die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen der Schlüssel für Unterdrückung, Armut, Hunger, Obdachlosigkeit, Gewalt und Krieg ist. Es muss, hätte ich mich hineingesteigert, als legitim angesehen werden, im Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung mitsamt ihren Begleiterscheinungen auch Einschränkungen in der Demokratie zu akzeptieren. Dann hätte ich, im Versuch listig zu sein, darauf verwiesen, dass der demokratische Zentralismus in der DDR durchaus eine legitime Form der Demokratie darstellt und wäre der Meinung gewesen, Dich argumentativ vollkommen aus dem Felde geschlagen zu haben mit Deiner doofen Frage.

In diesem Moment hättest Du also die volle Wucht eines Teils meiner Grundüberzeugungen, wie es damals hieß, meines Glaubens, wie ich es heute formulieren würde, abbekommen. Und das hält einen ab, zur Bundeswehr zu gehen? Noch nicht ganz. Das fehlende Puzzelstück ist die Tatsache, dass ich mich nie wirklich als einen Soldaten eines (im Sinne des Zahlworts eins) Volkes begriffen hatte. Ich war Soldat eines Systems - des real existierenden Sozialismus, was für mich neben dem Schutz des eigenen Landes auch die Verteidigung aller anderen Bruderstaaten selbstverständlich einschloss. Aus dieser Tatsache folgerte ich, dass auch die Soldaten der anderen Seite letztlich Soldaten eines Systems seien. Und zwar eines Systems in dem Ausbeutung und Unterdrückung akzeptiert werden.

Dem Land hätte ich vielleicht dienen können. Dem System nicht. Das war für mich der springende Punkt

ciao Rainman



Danke rainman, für diese fundierte Argumentation. Das (rotmark.) ist ja auch die Kernaussage meines Postes gewesen. Ihr seid keine Armee im herkömmlichen Sinne gewesen, die einem Land dient, egal welche politische Führung gerade am Regieren ist. Die NVA war eine stark ideologisierte Armee und ihr ward ihr "ideologischen Krieger".


.🇩🇪
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#40

RE: Langjährig gedienter NVA-Offizier am 02.10.1990 - und dann ?

in Das Ende der DDR 25.02.2013 09:30
von werner | 1.591 Beiträge | 5 Punkte
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Beispiele sind gefragt?

1. Hptm. der NVA Panzertruppen: von der BW übernommen, Dienstgrad behalten, über mehrere Verwendungen nun wieder Major der BW.

2. Hptm. der NVA, ebenfalls von der BW übernommen und dabei geblieben, jetzt in der Beschaffung für die warmen Einsatzgebiete

Beiden war ihr Fahneneid insofern schnuppe, dass sie sich von diesem entbunden fühlten. Sie hatten nix anderes gelernt und wollten es auch nicht. Sie wollen einfach nur Militär sein. Sie fühlten sich im Stich gelassen, geben aber an, dass ihre politische Grundeinstellung sich nicht geändert hat.

3. Hptm der NVA Raketen, hat Angebot der BW abgelehnt und sich in die Privatwirtschaft begeben, vom Abteilungsleiter in einem Großkonzern in
Bayern zum Geschäftsführer in Sachsen avanciert.

4. OSL NVA hat das Übernahmeangebot der BW mit befristetem Vertrag angenommen, um sich auf Vorruhestand und Selbständigkeit vorzubereiten.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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