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#321

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 18:22
von Grenzverletzerin | 1.199 Beiträge | 121 Punkte
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Zitat

Ich habe diese Schrift, da ich 1979 eingeschult wurde, gleich gelernt. Mein Bruder 2 Jahre vo,r mit hatte noch die Schrift mit vielen "Schleifen". Oft waren diese an den ersten Anstrichen des Buchstabens.



Hihi Jecki...da biste ja ein echter Spätzünder ...


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.
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jecki09 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#322

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 19:09
von schulzi | 2.189 Beiträge | 2343 Punkte
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das mit der schrift änderte sich immer mal hörte aber spätestens mit der 6. klasse auf,den da hatten die meisten ihr schriftprofil gefunden


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#323

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 19:31
von PF75 | 3.663 Beiträge | 1386 Punkte
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mein Schriftprofil hatte ich schon in der 2. Klasse gefunden,kam aber bis zum Schulende nicht immer gut an.
Schönschrift max. ein 3.



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#324

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 19:40
von Gelöschtes Mitglied
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Schönschrift gab es ab der 2. Klasse bei uns, mit der Einführung der Schreibhefte. Bis dahin hatten wir noch die gute alte Schiefertafel und Schiefergriffel (weich und hart) - da war nichts mit Schönschrift !!! Auch hatten die ersten Füller der Marke "Pionier" so ihre Macken und verursachten mehr Kleckse wie schöne Schriftzüge. Die wurden auch teilweise verhindert durch Holzeinschlüsse im Papier.
Mein Schriftbild hat sich im Laufe der Jahre mehrmals verändert und sich dann während des Studiums zur jetzigen Form ausgeprägt.

Vierkrug


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#325

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 20:35
von Grenzverletzerin | 1.199 Beiträge | 121 Punkte
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Och Vierkrug wo du Füller erwähnst, da habe ich noch eine schöne Geschichte. Ich hatte eine Kommilitonin die wie ich aus der Ehemaligen kam und sie besaß noch ihren *Heiko-Füller*. Der kleckste und sie sah öfter aus wie eine Erstklässlerin aber nicht wie eine Studentin um die Pfötchen. Ich frage sie also warum sie sich nicht mal Neues gönnt. Nee sagt sie...ich kann nur mit Heiko-Füllern schreiben, ich hatte immer noch Reserven aber das wäre nun der letzte seiner Art und sie wüßte nicht wie es weiter geht. Kurze Zeit später hatte sie Geburtstag und unser kleiner Mädchenkreis sammelte zum Ehrentag. Ich war dran mit der Geschenkebesorgung, nach kurzer Beratung stand fest...sie bekommt einen neuen Füller...was Gutes. Zu Hause kam ich dann ins Grübeln und ich fing an zu Recherchieren...Hersteller des Heikos...Sitz...ect.pp. Ich rief dann in der Firma an...die vertreibt heute eine bekannte Büroartikelmarke...ich erzähle also der Sekretärin meine Geschichte und frage, wo könnte ich denn noch einen Heiko-Füller erwerben. Sie verbindet mich dann mit ihrem Geschäftsführer und ich erzähle wieder meine Geschichte...er lässt mich labern und labern und sagt dann ganz verschmitzt...na von mir...ich habe doch eine private, vollständige Sammlung aller in der DDR hergestellten Füller. Ende der Geschichte...er sendet mir das Luxusmodell *Heiko* in silber und im Etuis Ich habe ihm dann die gesamte gesammelte Summe für die Kaffeekasse geschickt. Das war wirklich ein schönes Erlebnis...wenn es doch öfter im Leben so unkompliziert funktionieren würde.


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#326

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 21:02
von Kurt | 933 Beiträge | 3 Punkte
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Hallo Grenzverletzerin,

kaum vorstellbar, daß jemand auf Heiko-Füller steht. Ich fand sie auch furchtbar. Sie waren während des Schreibens so kratzend-hart auf dem Papier. Deshalb habe ich solange gebettelt, bis mir Großmutter einen Pelikano aus Westberlin mitbrachte.

Tja Barbara, ich ging in den siebziger und achtziger Jahren zur Schule (Doberlug-Kirchhain und Finsterwalde).
Wir hatten auch Russisch ab der fünften Klasse und Englisch ab der siebenten Klasse. Schönschrift gab es in der Unterstufe auch noch.
Wenn man später zur EOS wollte, war Englisch Pflicht. Es wurden pro Schule nur 2 Schüler für die EOS genommen. In der Kreisstadt, Finsterwalde, bestanden 2 Parallelklassen aus Finsterwalder Schülern und eine aus Schülern des Kreises an sich, also Tröbitz, Doberlug-Kirchhain, Sonnewalde usw.
An der EOS kam dann noch die dritte Fremdsprache hinzu, entweder Polnisch oder Latein. Ich wählte Polnisch, aus praktischen Gründen. Die Grenze war nicht so weit. Aber es war ein folgenschwerer Fehler. Russisch- und Polnischkenntnisse machten sich erst später bezahlt.
Nach meinem Wehrdienst und der Wende lag die Humboldt-Universität nun im "alten Bundesland" Berlin. Dort wurden die Sprachen Russisch und Polnisch nicht als Fremdsprachen anerkannt. Deshalb mußte ich schnell das Latinum nachholen, um wieder ein anerkanntes Abiturzeugnis zu haben. Denn nur dieses Zeugnis berechtigte, zur Zwischenprüfung zugelassen zu werden. In den "fünf neuen Bundesländern" wurden Russisch und Polnisch weiter anerkannt. Aber zurück zur Zeit vor der Wende.
Finsterwalde hatte eine Partnerstadt im Saarland.....Eppelborn. Dorthin durften wirklich nur ausgesuchte Schüler der EOS reisen, welche "Kandidaten der SED" waren. Damit fiel ich aus der Wahl und war bis heute nicht in Eppelborn.
Trotzdem war es ein kleines Wunder, für die EOS ausgewählt worden zu sein, da beide Elternteile der "Intelligenz" angehörten.

Viele Grüße,

Kurt


zuletzt bearbeitet 23.02.2013 21:05 | nach oben springen

#327

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 22:34
von werner | 1.595 Beiträge | 39 Punkte
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Zitat von Barbara im Beitrag #297

. . . .
@Werner: wenn du sagst du seiest „Mitglied und Offizier eines sooo privilegierten Apparates“ gewesen, kannst du da mehr zu sagen: woran lag das mit der Wohnungsnot?
. . . .





Ein wenig wurde t5545f45-Wie-lief-das-mit-Wohnungen.html schon dazu gesagt.

Ob es tatsächlich keinen ausreichenden Wohnraum gab, weiß ich nicht, man hatte jedenfalls das Gefühl. Erstaunt hat mich aber schon, dass schon ab Januar scheinbar kein Mangel mehr da war - ich habe von mehreren Stellen auf einfache Nachfrage Wohnungen angeboten bekommen, z.B. NVA in Niederlehme, KWV in Frankfurt/O, AWG und KWV in Strausberg. Und ich kann mir, ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es "nur" ein paar hunderttausend Wohnungen waren, die da vorher fehlten und die ganzen Bewerber nun auf einmal in den gebrauchten Bundesländern untergekommen sind. Insofern bezweifle ich, dass es massiven Wohnraummangel gab. Ich glaube eher, dass das auch wieder ein Verteilungsproblem war und die Wohnungssuchenden häufig der Willkür der Mitarbeiter der Vergabestellen ausgeliefert waren. Unbestreitbar ist allerdings auch, dass ein fehlender Überschuss an Waren solche Willkür, die zu Mangel führt sehr begünstigt.

Ohne es belegen zu können, gehe ich davon aus, dass nicht wenige Betriebe und Behörden auf Vorrat Bedarf für Wohnungen entsprechend ihrem Personalbedarf angemeldet haben. Selbst wenn jeder Betriebsleiter aus Sorge, dass es mal eng werden könnte, nur eine Wohnung mehr anmeldete als er wirklich benötigte, kamen so schnell ein paar Tausend Wohnungen zusammen. Wodurch sich die vorhandene Knappheit potenzierte. Dazu kam, dass die Bevölkerung durch Familienprogramme anfing zu wachsen, obendrein die subventionierten Mieten und unproblematische Scheidungspraxis, fehlender wirtschaftlicher Wohnungsmarkt, Knappheit an Baustoffen aus unterschiedlichen Gründen etc. .

So als - sehr hinkender - Vergleich aus dem täglichen Bedarf wird sich der eine oder andere an so eine oder ähnliche Situation erinnern:

Sommerzeit - Erntezeit
Die Konsum - Filiale XY bekommt von der OGS (das war der Großhandel Obst-Gemüse-Speisekartoffeln) den Anruf, dass der Waggon mit der Zuckerlieferung durch einen Fehler falsch geleitet wurde und eine Woche später bei der OGS eintrifft, Ersatzlieferanten gibt es nicht. HO und Kaufhalle werden werden auch von OGS beliefert, haben also möglicherweise dasselbe Problem. Das Wochenende steht vor der Tür und der Filialleiter hat es versäumt, sich mit Puffer zu bevorraten. Der Konsum-Filialleiter hat nun Sorge, dass der Zucker für die normale Versorgung knapp werden könnte, wenn die Laubenpieper zum Marmelade machen nicht bloß eine Tüte kaufen, sondern drei oder vier.
Was macht er leichtsinnigerweise im Guten Willen? Er stellt in das Regal mit dem Zucker ein Schild: "BITTE NUR EINE TÜTE PRO HAUSHALT NEHMEN!"

Der sensible DDR-Bürger liest das Schild und interpretiert: ZUCKER WIRD KNAPP!! und informiert schnellstens alle Bekannten über den bevorstehenden Engpass. Die wiederum informieren ihre Freunde und Bekannten. Und jeder schickt natürlich nach dem Einkauf auch gleich Mann und Kinder in den Konsum, damit jeder eine Tüte kauft.
Da logischerweise in Nullkommanichts im Konsum der Zucker alle ist, weichen die Zukurzgekommenen auf HO und Kaufhalle aus und decken sich dort ein, bis auch dort die Vorräte aufgebraucht sind. Die Situation in der Stadt spricht sich schnell in den Nachbarstädten rum, mit dem entsprechenden Effekt.

Den Rest kann sich jeder selbst denken.

Nach einer Woche kommt die avisierte Lieferung endlich. Jetzt decken sich alle, die bisher nichts bekommen haben, auch noch ein und der Engpass ist perfekt. Da bei der Vorplanung der Belieferung mit einer solchen Situation keiner gerechnet hat und die Transportressourcen auch ohne schnell abrufbare Reserven "Just in time" laufen, bleibt der Engpass für eine Weile erhalten, mindestens bis die Marmeladensaison vorüber ist.

Ich habe hier das Beispiel für eine zufällig eingetretene Situation gewählt. Dem Zufall wurde auch schon mal nachgeholfen und die Täter, so man ihrer habhaft wurde, dürfen sich heute als "Opfer" eine Rente genehmigen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#328

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 23.02.2013 23:14
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #325
Och Vierkrug wo du Füller erwähnst, da habe ich noch eine schöne Geschichte. Ich hatte eine Kommilitonin die wie ich aus der Ehemaligen kam und sie besaß noch ihren *Heiko-Füller*. Der kleckste und sie sah öfter aus wie eine Erstklässlerin aber nicht wie eine Studentin um die Pfötchen. Ich frage sie also warum sie sich nicht mal Neues gönnt. Nee sagt sie...ich kann nur mit Heiko-Füllern schreiben, ich hatte immer noch Reserven aber das wäre nun der letzte seiner Art und sie wüßte nicht wie es weiter geht. Kurze Zeit später hatte sie Geburtstag und unser kleiner Mädchenkreis sammelte zum Ehrentag. Ich war dran mit der Geschenkebesorgung, nach kurzer Beratung stand fest...sie bekommt einen neuen Füller...was Gutes. Zu Hause kam ich dann ins Grübeln und ich fing an zu Recherchieren...Hersteller des Heikos...Sitz...ect.pp. Ich rief dann in der Firma an...die vertreibt heute eine bekannte Büroartikelmarke...ich erzähle also der Sekretärin meine Geschichte und frage, wo könnte ich denn noch einen Heiko-Füller erwerben. Sie verbindet mich dann mit ihrem Geschäftsführer und ich erzähle wieder meine Geschichte...er lässt mich labern und labern und sagt dann ganz verschmitzt...na von mir...ich habe doch eine private, vollständige Sammlung aller in der DDR hergestellten Füller. Ende der Geschichte...er sendet mir das Luxusmodell *Heiko* in silber und im Etuis Ich habe ihm dann die gesamte gesammelte Summe für die Kaffeekasse geschickt. Das war wirklich ein schönes Erlebnis...wenn es doch öfter im Leben so unkompliziert funktionieren würde.





Ist das eine schöne Geschichte!!!!!


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#329

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 00:33
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Wow, jetzt habe ich aber einen wirklich umfassenden Überblick über das Schulsystem der DDR erhalten – vielen Dank dafür!

Diese frühe Lenkung auf berufliche Schwerpunkte hat was finde ich, schrieb ich ja vorher schonmal.
Bzgl. der Sprache: im letzten Jahr unterhielt ich mich mit einem Luckenwalder, im Gesprächskontext sagte er, dass er kein Englisch könne. Ich sagte dann, dafür kannst du aber bestimmt Russisch, was er bejahte. Er aber meinte, dass er darauf keinen Wert legen würde, es auch nicht mehr sprechen könne usw. Ich sagte dann, dass das doch eigentlich schade wäre, denn immerhin ist das Erlernen einer Fremdsprache, also auch des Russischen, eine erworbene Kompetenz. Er verstand mich glaube ich nicht....

Wie ist das mit euch Russisch-Sprachlern? Gibt es Gelegenheiten zu sprechen? Pflegt ihr die Sprachkenntnisse noch? Nützen sie in beruflicher Hinsicht z.B.?
Warum wurden Englisch und Französisch nicht benotet?
Was heißt EOS ausgeschrieben? (steht vielleicht irgendwo und ich hab’s überlesen...)

Vierkrug :
Noch eine Bemerkung zu Barbaras Anfragen. Ich habe nie den Sinn oder besser gesagt Unsinn verstanden hinsichtlich der Deklarierung der sozialen Herkunft.
In der DDR sprach man auch nicht von einer klassenlosen Gesellschaft, sondern von der Arbeiterklasse und der Klasse der Genossenschaftsbauern, die sich jedoch nichtantagonistisch gegenüberstehen. Dann noch von sozialen Schichten, wie der Intelligenz und den Selbstständigen/Handwerkern. Auf Grund der beruflichen Entwicklung, Studium etc. konnte man dann ganz schnell von der sozialen Herkunft Arbeiter in die soziale Schicht der Intelligenz "hinüberwachsen". Auch wurden immer wieder nichtanatgonistische Widersprüche, wie z.B. zwischen Stadt und Land dazu benutzt, um Fehlentwicklungen in der gesellschaftlichen Entwicklung und in der unterschiedlichen Bedürfnisstruktur der Menschen damit zu übertünchen. Hat sich dann bekanntlich bitter gerächt.


Und Hartmut:
ja, Vierkrug, und wir haben uns damals im M/L-Unterricht und Parteilehrjahr die Köpfe um solche "Widersprüche" heiss geredet.
Später hatte ich dann verstärkt den Eindruck gewonnen, dass solche Konstrukte eigentlich hilflose Versuche waren , sich eine Theorie zurechtzubiegen, um Unzulänglichkeiten der praktischen Umsetzung der ursprünglichen Lehren der Klassiker schön zu reden.
Das war einfach noch kein "entwickelter Sozialismus" - auch wenn die Berichtszahlen scheinbar stimmten.


Was ihr beiden schreibt, ist für mich sehr schwer nachvollziehbar. Also wenn man an einen Punkt kommt, wo man merkt, dass bestimmte Klassifizierungen keinen Sinn machen oder gar kontraproduktiv sind, da wart ihr doch bestimmt nicht alleine mit und Leute, die so etwas entscheiden konnten, waren doch bestimmt auch nicht dumm. Hier fängt genau meine Schwierigkeit an, was wir auch schon in der „Sozialismus-Debatte“ angesprochen haben: warum konnte man nicht sagen, wir müssen hier von der Theorie abweichen, sie den realen Gegebenheiten anpassen? Was waren die „echten“ Hindernisse dafür? Reine „Theorie-Treue“?

Schiefertafel hatten wir auch in der Grundschule und dann die Hefte mit den 4 Linien. Wenn man sich das überlegt, dass unsere Jahrgänge noch „Schönschrift“ als eigenes Unterrichtsfach hatten ....

Gab es bei euch eigentlich „Kopfnoten“?
Also „Benehmen, Teilnahmefreudigkeit, soziale Kompetenz“?


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#330

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 00:42
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Zitat von Barbara im Beitrag #329
Wow, jetzt habe ich aber einen wirklich umfassenden Überblick über das Schulsystem der DDR erhalten – vielen Dank dafür!

Diese frühe Lenkung auf berufliche Schwerpunkte hat was finde ich, schrieb ich ja vorher schonmal.
Bzgl. der Sprache: im letzten Jahr unterhielt ich mich mit einem Luckenwalder, im Gesprächskontext sagte er, dass er kein Englisch könne. Ich sagte dann, dafür kannst du aber bestimmt Russisch, was er bejahte. Er aber meinte, dass er darauf keinen Wert legen würde, es auch nicht mehr sprechen könne usw. Ich sagte dann, dass das doch eigentlich schade wäre, denn immerhin ist das Erlernen einer Fremdsprache, also auch des Russischen, eine erworbene Kompetenz. Er verstand mich glaube ich nicht....

Wie ist das mit euch Russisch-Sprachlern? Gibt es Gelegenheiten zu sprechen? Pflegt ihr die Sprachkenntnisse noch? Nützen sie in beruflicher Hinsicht z.B.?
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Vierkrug :
Noch eine Bemerkung zu Barbaras Anfragen. Ich habe nie den Sinn oder besser gesagt Unsinn verstanden hinsichtlich der Deklarierung der sozialen Herkunft.
In der DDR sprach man auch nicht von einer klassenlosen Gesellschaft, sondern von der Arbeiterklasse und der Klasse der Genossenschaftsbauern, die sich jedoch nichtantagonistisch gegenüberstehen. Dann noch von sozialen Schichten, wie der Intelligenz und den Selbstständigen/Handwerkern. Auf Grund der beruflichen Entwicklung, Studium etc. konnte man dann ganz schnell von der sozialen Herkunft Arbeiter in die soziale Schicht der Intelligenz "hinüberwachsen". Auch wurden immer wieder nichtanatgonistische Widersprüche, wie z.B. zwischen Stadt und Land dazu benutzt, um Fehlentwicklungen in der gesellschaftlichen Entwicklung und in der unterschiedlichen Bedürfnisstruktur der Menschen damit zu übertünchen. Hat sich dann bekanntlich bitter gerächt.


Und Hartmut:
ja, Vierkrug, und wir haben uns damals im M/L-Unterricht und Parteilehrjahr die Köpfe um solche "Widersprüche" heiss geredet.
Später hatte ich dann verstärkt den Eindruck gewonnen, dass solche Konstrukte eigentlich hilflose Versuche waren , sich eine Theorie zurechtzubiegen, um Unzulänglichkeiten der praktischen Umsetzung der ursprünglichen Lehren der Klassiker schön zu reden.
Das war einfach noch kein "entwickelter Sozialismus" - auch wenn die Berichtszahlen scheinbar stimmten.


Was ihr beiden schreibt, ist für mich sehr schwer nachvollziehbar. Also wenn man an einen Punkt kommt, wo man merkt, dass bestimmte Klassifizierungen keinen Sinn machen oder gar kontraproduktiv sind, da wart ihr doch bestimmt nicht alleine mit und Leute, die so etwas entscheiden konnten, waren doch bestimmt auch nicht dumm. Hier fängt genau meine Schwierigkeit an, was wir auch schon in der „Sozialismus-Debatte“ angesprochen haben: warum konnte man nicht sagen, wir müssen hier von der Theorie abweichen, sie den realen Gegebenheiten anpassen? Was waren die „echten“ Hindernisse dafür? Reine „Theorie-Treue“?

Schiefertafel hatten wir auch in der Grundschule und dann die Hefte mit den 4 Linien. Wenn man sich das überlegt, dass unsere Jahrgänge noch „Schönschrift“ als eigenes Unterrichtsfach hatten ....

Gab es bei euch eigentlich „Kopfnoten“?
Also „Benehmen, Teilnahmefreudigkeit, soziale Kompetenz“?


ja , aber 'rot mark' ist mir unbekannt !!!



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#331

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 00:44
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Grstungen386 im Beitrag #308
Hallo Barbara, richtig guter Startbeitrag, gute Fragen wirfst Du auf, wollte Dir nur mailen, dass ich die von Dir genannte Berliner Örtlichkeit "Alte Jakobstrasse" in Berlin-Mitte gut kenne, da ich eine Zeitlang (86-89) in der NEUEN !!! Jakobstrasse beim damaligen VEB Baureparaturen Berlin-Mitte als Bauleiter gearbeitet habe. Kann mich auch noch sehr gut an das seinerzeitige Grenzregime dort erinnern. Ganz liebe Grüsse von Christian (Gerstungen 386, Jahrgang 62), war so dämlich, bei meinem ersten Einchecken im Forum beim Gerstungen das "e" zu vergessen.



Hallo Christian, herzlichen Dank!
Das finde ich ja klasse mit der Neuen Jakobstraße. Da hast du sehr grenznah gearbeitet. Hattest du Einblick in den Grenzstreifen? Weißt du, ich bin da um dieses ganze Karree rumgelaufen, Alte Jakob, Stallschreiberstraße, da ist nach wie vor nix, nur Brache, sehr ungewöhnlich denn das ist ja grundstücksmäßig ein Filetstück. Nur ein Grundschule steht da, und die stand lt. meiner Freundin auch schon zu DDR-Zeiten da. Ich hab mich da einfach in die Wiese gesetzt und nachgedacht. Dass ich hier vor 25 Jahren nicht hätte sitzen dürfen, ein ganz komisches Gefühl sage ich dir....

Wegen deines Namens: du kannst doch bestimmt die Admins bitten das zu ändern!

Herzliche Grüße!
Barbara


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#332

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

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Zitat von frank im Beitrag #330
Zitat von Barbara im Beitrag #329
Wow, jetzt habe ich aber einen wirklich umfassenden Überblick über das Schulsystem der DDR erhalten – vielen Dank dafür!

Diese frühe Lenkung auf berufliche Schwerpunkte hat was finde ich, schrieb ich ja vorher schonmal.
Bzgl. der Sprache: im letzten Jahr unterhielt ich mich mit einem Luckenwalder, im Gesprächskontext sagte er, dass er kein Englisch könne. Ich sagte dann, dafür kannst du aber bestimmt Russisch, was er bejahte. Er aber meinte, dass er darauf keinen Wert legen würde, es auch nicht mehr sprechen könne usw. Ich sagte dann, dass das doch eigentlich schade wäre, denn immerhin ist das Erlernen einer Fremdsprache, also auch des Russischen, eine erworbene Kompetenz. Er verstand mich glaube ich nicht....

Wie ist das mit euch Russisch-Sprachlern? Gibt es Gelegenheiten zu sprechen? Pflegt ihr die Sprachkenntnisse noch? Nützen sie in beruflicher Hinsicht z.B.?
Warum wurden Englisch und Französisch nicht benotet?
Was heißt EOS ausgeschrieben? (steht vielleicht irgendwo und ich hab’s überlesen...)

Vierkrug :
Noch eine Bemerkung zu Barbaras Anfragen. Ich habe nie den Sinn oder besser gesagt Unsinn verstanden hinsichtlich der Deklarierung der sozialen Herkunft.
In der DDR sprach man auch nicht von einer klassenlosen Gesellschaft, sondern von der Arbeiterklasse und der Klasse der Genossenschaftsbauern, die sich jedoch nichtantagonistisch gegenüberstehen. Dann noch von sozialen Schichten, wie der Intelligenz und den Selbstständigen/Handwerkern. Auf Grund der beruflichen Entwicklung, Studium etc. konnte man dann ganz schnell von der sozialen Herkunft Arbeiter in die soziale Schicht der Intelligenz "hinüberwachsen". Auch wurden immer wieder nichtanatgonistische Widersprüche, wie z.B. zwischen Stadt und Land dazu benutzt, um Fehlentwicklungen in der gesellschaftlichen Entwicklung und in der unterschiedlichen Bedürfnisstruktur der Menschen damit zu übertünchen. Hat sich dann bekanntlich bitter gerächt.


Und Hartmut:
ja, Vierkrug, und wir haben uns damals im M/L-Unterricht und Parteilehrjahr die Köpfe um solche "Widersprüche" heiss geredet.
Später hatte ich dann verstärkt den Eindruck gewonnen, dass solche Konstrukte eigentlich hilflose Versuche waren , sich eine Theorie zurechtzubiegen, um Unzulänglichkeiten der praktischen Umsetzung der ursprünglichen Lehren der Klassiker schön zu reden.
Das war einfach noch kein "entwickelter Sozialismus" - auch wenn die Berichtszahlen scheinbar stimmten.


Was ihr beiden schreibt, ist für mich sehr schwer nachvollziehbar. Also wenn man an einen Punkt kommt, wo man merkt, dass bestimmte Klassifizierungen keinen Sinn machen oder gar kontraproduktiv sind, da wart ihr doch bestimmt nicht alleine mit und Leute, die so etwas entscheiden konnten, waren doch bestimmt auch nicht dumm. Hier fängt genau meine Schwierigkeit an, was wir auch schon in der „Sozialismus-Debatte“ angesprochen haben: warum konnte man nicht sagen, wir müssen hier von der Theorie abweichen, sie den realen Gegebenheiten anpassen? Was waren die „echten“ Hindernisse dafür? Reine „Theorie-Treue“?

Schiefertafel hatten wir auch in der Grundschule und dann die Hefte mit den 4 Linien. Wenn man sich das überlegt, dass unsere Jahrgänge noch „Schönschrift“ als eigenes Unterrichtsfach hatten ....

Gab es bei euch eigentlich „Kopfnoten“?
Also „Benehmen, Teilnahmefreudigkeit, soziale Kompetenz“?


ja , aber 'rot mark' ist mir unbekannt !!!



ob man andere z.B. "ausgrenzt" oder eher "integrierend" ist...das Miteinander eben ...


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#333

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 01:02
von Barbara (gelöscht)
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des Mitglieds Barbara
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Zitat von werner im Beitrag #327
Zitat von Barbara im Beitrag #297

. . . .
@Werner: wenn du sagst du seiest „Mitglied und Offizier eines sooo privilegierten Apparates“ gewesen, kannst du da mehr zu sagen: woran lag das mit der Wohnungsnot?
. . . .





Ein wenig wurde t5545f45-Wie-lief-das-mit-Wohnungen.html schon dazu gesagt.

Ob es tatsächlich keinen ausreichenden Wohnraum gab, weiß ich nicht, man hatte jedenfalls das Gefühl. Erstaunt hat mich aber schon, dass schon ab Januar scheinbar kein Mangel mehr da war - ich habe von mehreren Stellen auf einfache Nachfrage Wohnungen angeboten bekommen, z.B. NVA in Niederlehme, KWV in Frankfurt/O, AWG und KWV in Strausberg. Und ich kann mir, ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es "nur" ein paar hunderttausend Wohnungen waren, die da vorher fehlten und die ganzen Bewerber nun auf einmal in den gebrauchten Bundesländern untergekommen sind. Insofern bezweifle ich, dass es massiven Wohnraummangel gab. Ich glaube eher, dass das auch wieder ein Verteilungsproblem war und die Wohnungssuchenden häufig der Willkür der Mitarbeiter der Vergabestellen ausgeliefert waren. Unbestreitbar ist allerdings auch, dass ein fehlender Überschuss an Waren solche Willkür, die zu Mangel führt sehr begünstigt.

Ohne es belegen zu können, gehe ich davon aus, dass nicht wenige Betriebe und Behörden auf Vorrat Bedarf für Wohnungen entsprechend ihrem Personalbedarf angemeldet haben. Selbst wenn jeder Betriebsleiter aus Sorge, dass es mal eng werden könnte, nur eine Wohnung mehr anmeldete als er wirklich benötigte, kamen so schnell ein paar Tausend Wohnungen zusammen. Wodurch sich die vorhandene Knappheit potenzierte. Dazu kam, dass die Bevölkerung durch Familienprogramme anfing zu wachsen, obendrein die subventionierten Mieten und unproblematische Scheidungspraxis, fehlender wirtschaftlicher Wohnungsmarkt, Knappheit an Baustoffen aus unterschiedlichen Gründen etc. .

So als - sehr hinkender - Vergleich aus dem täglichen Bedarf wird sich der eine oder andere an so eine oder ähnliche Situation erinnern:

Sommerzeit - Erntezeit
Die Konsum - Filiale XY bekommt von der OGS (das war der Großhandel Obst-Gemüse-Speisekartoffeln) den Anruf, dass der Waggon mit der Zuckerlieferung durch einen Fehler falsch geleitet wurde und eine Woche später bei der OGS eintrifft, Ersatzlieferanten gibt es nicht. HO und Kaufhalle werden werden auch von OGS beliefert, haben also möglicherweise dasselbe Problem. Das Wochenende steht vor der Tür und der Filialleiter hat es versäumt, sich mit Puffer zu bevorraten. Der Konsum-Filialleiter hat nun Sorge, dass der Zucker für die normale Versorgung knapp werden könnte, wenn die Laubenpieper zum Marmelade machen nicht bloß eine Tüte kaufen, sondern drei oder vier.
Was macht er leichtsinnigerweise im Guten Willen? Er stellt in das Regal mit dem Zucker ein Schild: "BITTE NUR EINE TÜTE PRO HAUSHALT NEHMEN!"

Der sensible DDR-Bürger liest das Schild und interpretiert: ZUCKER WIRD KNAPP!! und informiert schnellstens alle Bekannten über den bevorstehenden Engpass. Die wiederum informieren ihre Freunde und Bekannten. Und jeder schickt natürlich nach dem Einkauf auch gleich Mann und Kinder in den Konsum, damit jeder eine Tüte kauft.
Da logischerweise in Nullkommanichts im Konsum der Zucker alle ist, weichen die Zukurzgekommenen auf HO und Kaufhalle aus und decken sich dort ein, bis auch dort die Vorräte aufgebraucht sind. Die Situation in der Stadt spricht sich schnell in den Nachbarstädten rum, mit dem entsprechenden Effekt.

Den Rest kann sich jeder selbst denken.

Nach einer Woche kommt die avisierte Lieferung endlich. Jetzt decken sich alle, die bisher nichts bekommen haben, auch noch ein und der Engpass ist perfekt. Da bei der Vorplanung der Belieferung mit einer solchen Situation keiner gerechnet hat und die Transportressourcen auch ohne schnell abrufbare Reserven "Just in time" laufen, bleibt der Engpass für eine Weile erhalten, mindestens bis die Marmeladensaison vorüber ist.

Ich habe hier das Beispiel für eine zufällig eingetretene Situation gewählt. Dem Zufall wurde auch schon mal nachgeholfen und die Täter, so man ihrer habhaft wurde, dürfen sich heute als "Opfer" eine Rente genehmigen.




Werner, wie steht ihr heute, nach all den Erfahrungen und in der Rückschau zu "Planwirtschaft"? War das insgesamt ein praktikabler Ansatz, der z.B. an "Faktor Mensch" gescheitert ist? Siehe auch meine Fragen an Hartmut und Vierkrug wegen der Klasseneinteilungen.
Ich ringe die ganze Zeit um die DDR, weil mir einfach nicht in den Kopf will, dass sich mir hier im Forum eine geballte Ladung Kompetenz, Hochgebildete, und auch im guten Sinne "von der Sache Überzeugte" Menschen präsentieren Bürger dieses Staates waren und dieser es dennoch nicht geschafft hat.
Was sind eigentlich wirklich letztlich die Gründe des Scheiterns der DDR? Dieser blanke Kosum-Wunsch reicht irgendwie nicht.
Die Erkenntnisse, dass sich etwas ändern muss ist doch lange vor 89 entstanden. Waren es wirklich reine Machterhalt-Gründe seitens der "Partei", des "Politbüros", des "Staatsrates" ? Die können doch auch nicht alle doof gewesen sein?
Ich bin das total ratlos...


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#334

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 01:09
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge | 1 Punkte
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Hallo Barbara,

EOS heißt erweiterte Oberschule, also erste bis zwölfte Klasse im Gegensatz zur POS, polytechnische Oberschule mit Klasse eins bis zehn.
Es geht gleich weiter!

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Olsen



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#335

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 01:12
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #300
Hallo miteinander,

da hier das Thema "SED / Privilegien / Wohnungsvergabe" angerissen wurde und anscheinend Barbara's Neugier unstillbar ist, mag ich auch mal noch ein paar Zeilen aus meinem Erleben dazu loswerden.
Da ich "Arbeiterkind" war, war das Thema Bildungsweg/Berufwahl für mich nahezu ohne Hürden.
Hier schrieb ich schon mal etwas dazu:
damals in der DDR: Wer wurde warum Berufssoldat...? #2
Zu Beginn des Studiums wurde ich Kandidat der SED - nicht so ganz aus eigenem Entschluss, würde ich es mal nennen.
Zum Thema Wohnung: Da der Studienort und die Wohnung der Eltern ca. 100 km auseinanderlagen: erst Wohnheim, später möbliertes Zimmer.
Nun gut, für einen STudenten ja völlig normal.
Nach erfolgreichem Studienabschluss war meine erste Arbeitsstelle eine Hochschule, meine Wohnung eine möblierte Dachkammer im Studentenwohnheim, Toilette und Waschbecken auf dem Gang. Meine damalige Verlobte, vorher auch Studentin, hatte eine Arbeit ca 20 km weiter gefunden, wohnte auch in einem möblierten Zimmer. Nach einigen Monaten heirateten wir, wohnungmässig änderte sich nichts.Einige Monate später wurde ich Grenzsoldat auf der anderen Seite des Landes, räumte meine Dachkammer - in der Wohnung meiner Eltern war ja noch Platz für meine paar Habseligkeiten. Gegen Ende meiner Zeit bei den Grenztruppen wurde mein Sohn geboren.
Mit diesen Kriterien war ich zunächst mal ein etwas dringlicherer Fall für die betriebseigene Wohnungvergabe meiner Arbeitsstelle Hochschule - heraus kam eine Wohnung aus 2 Zimmern mit Küche, einem Wasserhahn im Hausflur und einer sogenannten Plums-Toilette, ebenfalls im Hausflur. Mit ein bisschen Maurerarbeit war dann Wasser und Abfluss auch in der Küche. Ein Jahr später wurde unsere Tochter geboren - und wir waren wieder wohnungsmässig ein "dringlicher Fall" - nun ja, theoretisch zumindest.
Nun muss ich mal erwähnen, dass die Wohnungvergabe in der DDR in dieser Zeit im Wesentlichen durch die Betriebe gelenkt wurde (je nach deren "Wichtigkeit"), einen privaten Wohnungsmarkt gab es praktisch nicht.
Nun um unser Problem irgendwie zu lösen, fand ich in einer anderen Stadt einen Betrieb, der mir eine Arbeit anbot und versprach, das Wohnungsproblem meiner Familie so schnell wie möglich zu lösen. Eine Bleibe für mich, ein möbliertes Zimmer, fand sich schnell - was sollte ich über das Angebot noch lange nachdenken ?
Ein paar Monate pendeln, nur am Wochenende bei der Familie, ist doch nun kein grosses Problem.
Nun... denkste.
Die versprochene Arbeit erwies sich als Flop, das erste und einzige Wohnungsangebot für die Familie war eine Bruchbude, ich lehnte dankend ab.
Ach ja, ich sollte an den Wochenenden noch an Kampfgruppenübungen teilnehmen. Prima, nicht ?
An den Wochenenden haben wir uns die Köpfe heiss geredet wegen dieser sch....Situation.
Vor dem ganzen Hintergrund ging 1984 meine Ehe in die Brüche, die Kinder blieben bei der Mutter.

Ich fand kurze Zeit später eine andere andere Arbeitsstelle, bekam 1986 eine kleine Wohnung mit Fernheizung und Dusche/WC über die AWG des Betriebes. Erläuterung: "AWG" = Arbeiter-Wohnungbau-Genossenschaft. Nach etwas Wartezeit, Einzahlung von Anteilen in Geld und Erbringung von Arbeitsstunden gab es eine brauchbare Wohnung - entsprechend der Familiengrösse.
Meine Ex-Frau + Kinder bekamen nahezu gleichzeitig ebenfalls eine derartige Wohnung, durch "ihre" Arbeitsstelle.

Zusammengefasst: Ich war 33 und wieder Singe, als ich die erste menschenwürdige Wohnung in DDR bekam.
Hatte ich irgendwelche Privilegien dadurch, dass ich Parteimitglied war - ich glaub nicht...
Aber das kann man, denke ich, nur im Vergleich mit vielen anderen Geschichten beurteilen.
"Was ich an der untergegangenen DDR vermisse" ? - so heist hier ein anderes Diskussionsthema...
Nun, solche Dinge gerade nicht...
Meine Geschichte mag recht pessimistisch klingen - drum noch ein bisschen Lebensbilanz aus heutiger Sicht:
Ich habe in der DDR eine erstklassige berufliche Ausbildung gehabt - davon profitiere ich noch heute. Ich arbeite immer noch in dem Beruf, den ich damals "erlernt" habe, selbstverständlich hatte das Lernen auch nie ein Ende.
Die Scheidung damals war kein klassischer Rosenkrieg - wir haben die Verantwortung als Eltern unserer Kinder beide wahrgenommen, sind all die Jahre fair miteinander umgegangen. Auf meine erwachsenen Kinder bin ich stolz, sie haben ihre Wunschberufe lernen können und ihren Platz im Leben gefunden.



Gruss Hartmut








Hartmut, das sind unerträgliche Beeinträchtigungen der privaten Lebensplanung. Was habt ihr irgendwie alle ertragen müssen....


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#336

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 01:29
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge | 1 Punkte
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Heiko-Pionierfüller habe ich heute noch. Ich schreibe damit immer, wenn ich mit violetter Methylen-Violett-Tinte schreibe (selbstgemacht, früher aus Kopierstftminen, heutzutage aus käuflicher Indikatorlösung). Das Kratzen kam vom Herstellungsverfahren der Federn, wenn sie neu waren gab es daran noch einen gangganzganz kleinen Grat vom Schlitzen und der verhakte sich gerne in den Papierfasern oder Holzeinschlüssen. Die ersten Heiko-Füller hatten meines Erachtens noch Iridium-Spitzen, die waren besser für Schreibfedern geeignet.
Der Füller hieß auch Heiko-Taschenfüller! Und an der Grenze hatten wir einen GAKl, der uns öfters die Taschen mit "erlebten" unheimlichen Grenzergeschichten füllte, Da hatte er seinen Deckname "Heiko" weg!
In der ersten Klasse haben wir noch das Schreiben mit Pinsel und blauer Malfarbe gelernt, weil wir so "eine leichte Handschrift" und Federführung bekommen sollten. Vielleicht konnte ich auch deshalb so gut mit dem Pionierfüller zurecht kommen.
Englisch wurde bei uns benotet!
Kopfnoten gab es: Betragen, Fleiß, Ordnung, Mitarbeit, Gesamtverhalten. Von der ersten bis zur zehnten Klasse.

Viele Sachen in der DDR waren knapp, wie es das Zucker-Marmeladen-Beispiel zeigt, weil immer alles, was es gerade gab von bestimmten Leuten absichtlich oder unabsichtlich oder vorausschauend "gehortet" wurde. Oder weil die Verteilung in der DDR nicht richtig klappte.
Als ich in Hoyerswerda gearbeitet hab mußte ich immer für meine Mutter Spee (das Waschmittel), Eier, Toilettenpapier und Backzutaten besorgen und mitbringen. Das war in unserer Gegend eben knapp. Nach Hoyerswerda hab ich für meine Kollegen immer Gewürze mitbringen müssen, die in dieser Gegend knapp waren.
Viele Sachen wurden wirklich gehortet. Ich weiß noch von der Uni in Chemnitz, da gab es im Keller ein Lager für Verbrauchsmaterialien, stabil vergittert. Durch die Gitterstäbe konnte man aber sehen, was gelagert wurde. Und als ich vor zwei Jahren zufällig mal dort war hab ich auch in den Keller geguckt. Alles noch wie zu DDR-Zeiten und noch stapelweise DDR-Fit-Flaschen.
Und als alter Zwicker wußte ich, das Trabant-Ersatzteile immer knapp waren. Nach der Wende gab es zu den Trabant-Terffen plötzlich Unmengen von Auspuffanlagen, Rückspiegeln, Türgriffen und Rücklicht-Gläsern. Alles zu DDR-Zeiten sehr gefragte Tasuchobjekte. Vieles wurde also auch nicht für sich selbst gehortet, sondern als Tauschobjekte für die Dinge, auf die man selber keinen Zugriff hatte.

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Olsen



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#337

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

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Hallo Olsen,

du hast mit einem Pinsel schreiben gelernt????? Das ist ja ein Ding!

Wie wurde das bei der Wende eigentlich erlebt - dass plötzlich alles da war? War das einfach nur pure Erleichterung, nicht immer "organisieren" zu müssen, sondern im nächsten Laden alles kaufen zu können? Wie hat sich das angefühlt - von heute auf morgen im "Überfluss" zu stehen? Wie siehst du das heute - wo du doch auch ein Tüftler bist - ging auch etwas verloren dadurch?

Herzlicher Gruß!
Barbara


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#338

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 02:23
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Zitat von Barbara im Beitrag #337
Hallo Olsen,

du hast mit einem Pinsel schreiben gelernt????? Das ist ja ein Ding!

Wie wurde das bei der Wende eigentlich erlebt - dass plötzlich alles da war? War das einfach nur pure Erleichterung, nicht immer "organisieren" zu müssen, sondern im nächsten Laden alles kaufen zu können? Wie hat sich das angefühlt - von heute auf morgen im "Überfluss" zu stehen? Wie siehst du das heute - wo du doch auch ein Tüftler bist - ging auch etwas verloren dadurch?

Herzlicher Gruß!
Barbara


so viele fragen ! geschichtliches interresse oder berufliche ambitionen !!??



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#339

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 02:44
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Zitat von OlsenWeilrode im Beitrag #336
Heiko-Pionierfüller habe ich heute noch. Ich schreibe damit immer, wenn ich mit violetter Methylen-Violett-Tinte schreibe (selbstgemacht, früher aus Kopierstftminen, heutzutage aus käuflicher Indikatorlösung). Das Kratzen kam vom Herstellungsverfahren der Federn, wenn sie neu waren gab es daran noch einen gangganzganz kleinen Grat vom Schlitzen und der verhakte sich gerne in den Papierfasern oder Holzeinschlüssen. Die ersten Heiko-Füller hatten meines Erachtens noch Iridium-Spitzen, die waren besser für Schreibfedern geeignet.
Der Füller hieß auch Heiko-Taschenfüller! Und an der Grenze hatten wir einen GAKl, der uns öfters die Taschen mit "erlebten" unheimlichen Grenzergeschichten füllte, Da hatte er seinen Deckname "Heiko" weg!
In der ersten Klasse haben wir noch das Schreiben mit Pinsel und blauer Malfarbe gelernt, weil wir so "eine leichte Handschrift" und Federführung bekommen sollten. Vielleicht konnte ich auch deshalb so gut mit dem Pionierfüller zurecht kommen.
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Viele Sachen in der DDR waren knapp, wie es das Zucker-Marmeladen-Beispiel zeigt, weil immer alles, was es gerade gab von bestimmten Leuten absichtlich oder unabsichtlich oder vorausschauend "gehortet" wurde. Oder weil die Verteilung in der DDR nicht richtig klappte.
Als ich in Hoyerswerda gearbeitet hab mußte ich immer für meine Mutter Spee (das Waschmittel), Eier, Toilettenpapier und Backzutaten besorgen und mitbringen. Das war in unserer Gegend eben knapp. Nach Hoyerswerda hab ich für meine Kollegen immer Gewürze mitbringen müssen, die in dieser Gegend knapp waren.
Viele Sachen wurden wirklich gehortet. Ich weiß noch von der Uni in Chemnitz, da gab es im Keller ein Lager für Verbrauchsmaterialien, stabil vergittert. Durch die Gitterstäbe konnte man aber sehen, was gelagert wurde. Und als ich vor zwei Jahren zufällig mal dort war hab ich auch in den Keller geguckt. Alles noch wie zu DDR-Zeiten und noch stapelweise DDR-Fit-Flaschen.
Und als alter Zwicker wußte ich, das Trabant-Ersatzteile immer knapp waren. Nach der Wende gab es zu den Trabant-Terffen plötzlich Unmengen von Auspuffanlagen, Rückspiegeln, Türgriffen und Rücklicht-Gläsern. Alles zu DDR-Zeiten sehr gefragte Tasuchobjekte. Vieles wurde also auch nicht für sich selbst gehortet, sondern als Tauschobjekte für die Dinge, auf die man selber keinen Zugriff hatte.

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wow ! ist mir neu das es so 'abgelegene orte' gab in der ddr , wo mann nicht einmal : waschpulver , eier und papier für 'hinten' bekommen hat !!
wie hieß denn das 'kaff' ???



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#340

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 24.02.2013 04:53
von schulzi | 2.189 Beiträge | 2343 Punkte
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der pionierfüller eins hat manche eltern und lehrer zur verzweiflung gebracht den er war schön lang und man kommte gut am anderen ende rumketschen was natürlich nicht sehr schön aus sah und meine eltern hatten proleme im schreibwarenladen neue spitzen zubekommen


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