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#281

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.02.2013 12:12
von Barbara (gelöscht)
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ok wieder was gelernt :-)))))))))


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#282

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.02.2013 18:18
von werner | 1.595 Beiträge | 39 Punkte
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Zitat
Ich wusste nicht, dass der Zuschlag zu einer Wohnung von der Parteizugehörigkeit abhängig war.



Ich selbst habe - als SED - Mitglied und Offizier eines sooo privilegierten Apparates - vier Jahre im Wohnheim gewohnt ohne Aussicht auf eine Wohnung, wenn ich keine Familie gründe, und zwar egal ob ich mich über die KWV oder über die Dienststelle anmelde.

Daher dürfte das eher seine heutige Interpretation sein, schon deshalb, weil es sicher nicht nur zwei Millionen Wohnungen gab und Obdachlose hätte man heute in der Darstellung der DDR als "menschenverachtendes Regime" mit Sicherheit ausgiebig "vermarktet".


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#283

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.02.2013 18:26
von DoreHolm | 9.033 Beiträge | 6875 Punkte
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Zitat von werner im Beitrag #282

Zitat
Ich wusste nicht, dass der Zuschlag zu einer Wohnung von der Parteizugehörigkeit abhängig war.


Ich selbst habe - als SED - Mitglied und Offizier eines sooo privilegierten Apparates - vier Jahre im Wohnheim gewohnt ohne Aussicht auf eine Wohnung, wenn ich keine Familie gründe, und zwar egal ob ich mich über die KWV oder über die Dienststelle anmelde.

Daher dürfte das eher seine heutige Interpretation sein, schon deshalb, weil es sicher nicht nur zwei Millionen Wohnungen gab und Obdachlose hätte man heute in der Darstellung der DDR als "menschenverachtendes Regime" mit Sicherheit ausgiebig "vermarktet".




Da mußte man ganz beachtliche Beziehungen haben, um deutlich schneller an eine akzeptable Wohnung zu kommen. Da genügte eine Mitgliedschaft in der SED nicht. Wenn das so gewesen wäre, wären 50% der DDR-Bevölkerung da eingetreten, zumindest zeitweise. Obwohl ich (nebenamtlich) in einem mittelständ. Betrieb über 11 Jahre der PS war und ich mich für die Wohnungslösung anderer Kollegen/innen, auch die ohne Parteibuch, aber gute Arbeiter/innen stark gemacht hatte, hieß es dann, als ich selbst vor der Situation stand (Scheidung, neue Frau von Außerwärts), "hilf Dir selbst". Unser Wohnungsproblem löste ich dann dadurch, indem ich ein 8-Familien-Mietshaus mit freiwerdender Wohnungm kaufte und die Schulden des bisherigen Eigentümers übernahm. ich schrieb dazu vor einiger Zeit schon mal etwas Genaueres. Ja, so war es.
Am ehesten konnte es noch klappen, wenn sie Dich in einem Schwerpunktbereich der Industrie mit ausreichend Wohnungskontingenten brauchten.



zuletzt bearbeitet 20.02.2013 18:27 | nach oben springen

#284

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 00:52
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge | 1 Punkte
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Zitat von Barbara im Beitrag #279
Hallo Olsen,

das ist beklemmend, was du erzählst. Bis jetzt wusste ich nur, dass wegen Wohnungsnot vor allem erstmal Familien bevorzugt wurden, was man ja in gewisser Weise nachvollziehen kann. Ich wusste nicht, dass der Zuschlag zu einer Wohnung von der Parteizugehörigkeit abhängig war. Die DDR-Führung hat sich offensichtlich selbst konterkariert, indem sie ihre „jungen Intelligenz“ mit aller Macht im Land halten wollte und ihr gleichzeitig solche Knüppel zwischen die Beine warf.

Schiffsmodelle - wie schön! Ich sammle diese kleinen Fischkutter aus Holz, immer wenn ich am geliebten Meer bin kauf ich mir eins im Souvenirladen. Ist schon eine kleine stolze Sammlung.

Was du erzählst, wie man in der Not erfinderisch wird, ich habe den Link gefunden, den ich meinte:
"Marke Eigenbau" GEO Doku Basteleien, Erfindungen & Kurioses 1/3
ttp://www.youtube.com/watch?v=F_sPfR36cx4
ff.
Das ist doch einfach genial was da erfunden wurde oder nicht? Die „fahrende Disco“.....

Übrigens Mangelsituationen gab es bei uns auch, vielleicht nicht so sehr weil es die Sachen im Laden nicht gab, sondern weil einfach kein Geld da war. Ein Segen, wer handwerklich geschickt war!
Ich erinnere mich kaum, in meiner Kindheit bis weit in die Schulzeit rein, etwas neu gekauftes an Kleidung gehabt zu haben, außer Schuhen, und die erst, wenn die alten wirklich abgetragen waren. Aber es ging allen Kindern so und irgendwie war das überhaupt nicht Thema.

Meine Mutter hat aus allem was machen können, sie hat aus jedem Lappen was geschneidert, konnte mit Handwerkszeug ebenso gut umgehen wie mit Farbe und Pinsel. Überhaupt erinnere ich mich an die „Mütter“, immer in Kittelschürze, immer irgendwas am Einkochen, am Stricken, am Stopfen .... und zwischendurch mal ein Eierlikörchen mit der Nachbarin :-) - bei einem "Stall von Kindern" ...

Das war bestimmt in der DDR genau so. Die großem Heldinnen der Nachkriegszeit....

Was bedeutet denn „Absolventenzeit“?

Herzlicher Gruß!
Barbara





Hallo Barbara,

ich will nicht behaupten, daß "der Staat an sich" immer an allem Elend schuld war. Letztendlich schon, aber auch der Statt wurde von Leuten gemacht und Leute sind unterschiedlich.
Ich hole mal bissel weiter aus, um das zu erklären, was ich damit sagen will. Und bitte, für die Kritiker, das sind meine persönlichen Erlebnisse an einer zwickauer POS und später im Beruf, woanders kann das sicherlich auch ganz anders gewesen sein.

An unserer Schule (also POS, zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule) hatten wir, so ab der sechsten Klasse (ca. 1970) einen Direktor, der den zweiten WK und russische Gefangenschaft und allerlei Schlimmes mitgemacht hat. Er war Stabü- (Staatsbürgerkunde-) Lehrer und hat uns seine Kriegserlebnisse immer sehr anschaulich und drastisch geschildert.
Er war, nach meinem jetzigen Verständnis, ein überzeugter Kommunist (geworden)und wollte uns, also seine Schüler auch in diesem Sinne erziehen, "damit es nie wieder Krieg" gibt! Das war so sein Credo und dem hat er ALLES untergeordnet.
Beispielsweise hatte er die "Macht", zu entscheiden, wer einen höheren Bildungsweg beschreiten konnte (sog. EOS, erweiterte Oberschule, ab der achten bzw. zehnten Klasse, Abschluss in etwa vergleichbar mit dem des heutigen Gymnasiums).

Man (bei Mädchen war das etwas anders), also der jeweilige Schüler bzw. seine Eltern konnten ab der sechsten Klasse den Antrag auf Weiterbeschulung (in etwa der heutigen "Bildungsempfehlung" vergleichbar) in der EOS stellen. Dazu gehörte üblicherweise ein bestimmter "guter" Notendurchschnitt, mindestens etwa um die 1,4 bis 1,6, oder eine besondere Begabung, wenn es um die Aufnahme in eine EOS mit bestimmter Ausprägungsrichtung (sport-, musisch-, mathematisch-naturwissenschftlich, sprachlich) gehen sollte. Der Notendurchschnitt war kein Dogma, sondern konnte durch die jeweilige Lehrerkonferenz "festgelegt" werden.
Nun war es bei uns an der Schule so, daß bestimmte Schüler, die aus Elternhäusern kamen, denen eine gewisse "Staatsnähe" zumindest unterstellt werden konnte (Verkehrspolizist, Finanzbeamter, Abteilungsleiter im VEB, Lehrer...) vom Direktor bevorzugt wurden. Meine Eltern waren selbständige kleine Handwerker (Damen- und Herrenmaßschneider) und damit weitab von "Staatsnähe" und ich war kein Arbeiter- (oder Bauern-) kind.
Da ich einen Durchschnitt von 1,3 hatte wäre ich als EOS-Schüler durchaus in Frage gekommen, aber der Direktor wollte gerne, daß möglichst viele der Schüler aus "seiner" Schule eine militärische Laufbahn einschlagen.***
Also gab es eine schulinterne (und möglicherweise von oben nicht oder nicht bewußt (oder vielleicht doch) gewollte, aber geduldete, jedenfalls nicht offizielle) Festlegung, daß Schüler mit einem schlechteren Notendurchschnitt doch auf die EOS gehen durften, wenn sie sich für eine Laufbahn als Berufssoldat entscheiden.
!!!Nochmal, ich beziehe mich ausschließlich auf meine Erlebnisse an meiner Schule und möchte die vielen Längerdienenden und Berufssoldaten damit nicht diskriminieren!!!
Und so kam es, daß ein Klassenkamerad (prima Kumpel, guter Fußballspieler, aber naiv und nach heutigem Verständnis nicht besonders "schlau") mit Durchschnitt von 2,3 einen EOS-Platz (Offiziersbewerber, 25 Dienstjahre (?)) bekam und bei gleichem, besserem Durchschnitt die anderen nach der Höher der Dienstjahresverpflichtung (10 Jahre, 3 Jahre... Laufbahn) abgestuft die Zulassung erhielten.
Ich wurde natürlich infolge mangelnden Verpflichtungswillens nicht für würdig befunden, auf die EOS gehen zu können!
Nun ja, ein anderer Klassenkamerad, der aus Glaubensgründen nicht dienen wollte/konnte/durfte und ich, wir waren nach der achten Klasse die mit Abstand Besten unseres Jahrganges, denn die anderen mit gutem Notendurchschnitt, die sich zum Längerdienen verpflichtet hatten , waren ja weg!
Und so konnte ich später, also nach der POS-Zeit und weg vom Direktor, trotzdem studieren -es gab ja mehrere Wege, die Hochschulreife zu erlangen- (Berufsausbildung mit Abitur, zweiter Bildungsweg, "Notstromabi" in einem Jahr und derlei Dinge...)!

Und nun folgt die Antwort auf die eigentliche Frage von Barbara: Absolventenzeit?
n
Das ist die Zeit, die man im Anschluß an ein Studium in seiner Ausbildungsrichtung verbringt (verbringen muß) (also sowas wie Berufseinsteiger), in der Regel zwei Jahre, und nach deren erfolgreichem Abschluss man den Anspruch auf die sogenannte "Intelligenzrente" erwirbt.
Vor der Aufnahme des Studiums mußte man sich, zumindest zu meiner Zeit, als Zulassungsvoraussetzung verpflichten, nach erfolgreichem Abschluss für zwei Jahre dahin zu gehen, wo man vom Staat gebraucht wird (argumentativ: dem Staat etwas zurückgeben, was man durch die Studienmöglichkeit bekommen hat)!
Die Absolventenverteilung wurde staatlich organisiert und hatte (im Gegensatz zu heute) den Vorteil (Nachteile laß ich mal weg), daß ALLE erfolgreichen Studienabsoventen auch eine Anstellung in ihrer Ausbildungsrichtung bekamen. Ich wurde nach Hoyerswerda vermittelt, einer Kleinstadt, für DDR-Verkehsverhältnisse weit weg von meinem Heimatort und wie die ganze sorbische Gegend (Lausitz) dort hauptsächlich auf die Gewinnung und Nutzung der Braunkohlevorräte ausgerichtet.
Dort wollte ich nicht hin, hatte aber keine Möglichkeit (kein Haus, keine pflegebedüftige Oma, weder Frau noch Kind), drumrumzukommen. Und so hab ich meine zwei Jahre eben dort absolviert, insgesamt sind es dann -mit Grundwehrdienst- vier geworden.
Da ich nach dem Studium im Prinzip für die Landesverteidigung verloren war und meine späteren "Dienstherren" nach der Schulzeit eine gemäßigtere Einstellung hatten als mein früherer Schuldirektor wurde ich nicht weiter in Richtung "Längerdienen" behelligt.
Dafür wollte man später, daß ich meine "Treue" zur DDR dadurch dokumentieren sollte, daß ich Kandidat bzw. Mitglied der Partei würde. Da ich diesen Weg auch nicht beschreiten wollte gab es als einziges (inoffizielles) Druckmittel die Wohnraumvergabe.
Dazu folgendes: Wohnraum war in der DDR knapp! Es gab später ein großes Wohnungsbauprogramm (Berlin-Marzahn, Hoyerswerda-Neustadt, Lütten-Klein, Jena-(neu)Lobeda, Zwickau-Neuplanitz...), um diesem Notstand abzuhelfen. Der knappe Wohnraum wurde von staatlichen Stellen, den sogenannten Wohnraumvergabekommissionen verwaltet und vergeben. Nahezu jeder Großbetrieb, jede Uni oder Hochschule, die FDJ, sicherlich auch das Militär hatte solch eine Wohnraumvergabekommission. Die Kriterien für die Vergabe waren einerseits staatlich geregelt, wurden andererseits aber auch gerne sehr frei ausgelegt. Junge Familien mit Kind, Lehrer und andere Berufe, die gebraucht wurden bekamen bevorzugt Wohnraum zur Verfügung gestellt. Und wenn man jemanden eben "erpressen" -in meinem Fall zum Eintritt in die Partei "überzeugen" wollte- dann konnte die Vergabe oder Nichtvergabe schon ein zugkräftiges Druckmittel sein (es gab allerdings noch allerlei weitere).
Sicher sind auch etliche DDR-Bürger zur Arbeit für das MfS oder andere Organisationen auf diese Weise "überzeugt" worden.

Langer Rede kurzer Sinn, ich bekam eine Wohnung erst 1990, nachdem es keine staatliche Vergabe mehr gab und Unmengen von Wohnungen plötzlich frei waren, wegen Wegzug der ehemaligen Besitzer, wegen plötzlich fehlender Engpässe in der Versorgung mit Baumaterial, wegen plötzlichen "Auffindens leerstehender Wohnungen" in irgendwelchen Karteien (die von den fetten Weibern der Wohnraumvergabekommissionen zurückgehalten wurden, um damit später irgendwelche Verwandten/Bekannten/Freunde zu versorgen)

*** unter anderem wurden auch die Zahl der FDGB-Ferienplätze für die Lehrerkollegen oder die Ausstattung der Schulen mit technischen Geräten(wie ich vor einigen Jahren zum Klassentreffen erfahren habe) davon abhängig gemacht, wieviele Offiziersbewerber die Schule "bringt". Das war auch nur möglich, wenn die Führungslinie Direktor-->Rat der Stadt, Abt. Volksbildung-->Rat des Kreises und so weiter, dieses Spiel mitspielte bzw. duldete. Sicher gab es auf den höheren Ebenen ebenfalls Vorteile bei möglichst hohen Bewerberzahlen! Gegebenenfalls wurde der "Druck" sicher auch nach unten weitergegeben.

Ja, auch das war DDR, selbst erlebt!

Bitte entschuldigt den langen Text, aber ich bin nicht Reich-Ranitzky und die liebe Barbara und die anderen Interessierten sollen ja auch wissen, was ich meine!

HG 82/I
Olsen



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#285

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 01:18
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Zitat von werner im Beitrag #282

Zitat
Ich wusste nicht, dass der Zuschlag zu einer Wohnung von der Parteizugehörigkeit abhängig war.


Ich selbst habe - als SED - Mitglied und Offizier eines sooo privilegierten Apparates - vier Jahre im Wohnheim gewohnt ohne Aussicht auf eine Wohnung, wenn ich keine Familie gründe, und zwar egal ob ich mich über die KWV oder über die Dienststelle anmelde.

Daher dürfte das eher seine heutige Interpretation sein, schon deshalb, weil es sicher nicht nur zwei Millionen Wohnungen gab und Obdachlose hätte man heute in der Darstellung der DDR als "menschenverachtendes Regime" mit Sicherheit ausgiebig "vermarktet".




zur Ergänzung: Ich behaupte nicht, das die Partei-Mitgliedschaft der alleinige Schlüssel zum Erhalt einer Wohnung war.
Je nachdem, welcher Schwerpunkt -entweder von oben vorgegeben oder nach Einschätzung der entsprechenden "Verantwortlichen" festgelegt- in der betreffenden Region gesetzt war (mehr junge Ehen, mehr Nachwuchs, mehr Parteimitglieder, mehr Ärzte, mehr Facharbeiter, mehr Lehrer, mehr Offiziere...) wurde eben das eine oder das andere gefördert und dazu wurden auch die genannten Druckmittel eingesetzt.
Entweder man hatte "Beziehungen" -DDR-Geld war gar nicht immer das Ausschlaggebende, Westgeld schon eher- oder man wußte sich anders zu helfen. Meine damalige Freundin ist noch im Frühjahr 1989 in der Wohnraumvergabeliste sehr weit nach oben gerückt, weil sie zusammen mit dem "Antrag auf Wohnraumvergabe" zwei Dosen Ananas aus dem Intershop (für die zwei fetten Weiber der Vergabekommission) im Vergabebüro "zurückgelassen" hat. Zusätzlich war noch ein kleines Kind da, das als "offizielle" Begründung für die Vergabe herhalten mußte. Sie haben im August 1989 eine Wohnung bekommen, wir haben, soweit das unter damaligen Verhältnissen möglich war, mit dem Ausbau begonnen und dann kam die Wende. Guck an, plötzlich war alles anders!
Und die fetten Wohnraumvergabeweiber sitzen jetzt wieder in der Stadtverwaltung ihre Är...e breit!


HG 82/I
Olsen



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#286

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 01:28
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Zitat von Barbara im Beitrag #279
Hallo Olsen,

das ist beklemmend, was du erzählst. Bis jetzt wusste ich nur, dass wegen Wohnungsnot vor allem erstmal Familien bevorzugt wurden, was man ja in gewisser Weise nachvollziehen kann. Ich wusste nicht, dass der Zuschlag zu einer Wohnung von der Parteizugehörigkeit abhängig war. Die DDR-Führung hat sich offensichtlich selbst konterkariert, indem sie ihre „jungen Intelligenz“ mit aller Macht im Land halten wollte und ihr gleichzeitig solche Knüppel zwischen die Beine warf.

Schiffsmodelle - wie schön! Ich sammle diese kleinen Fischkutter aus Holz, immer wenn ich am geliebten Meer bin kauf ich mir eins im Souvenirladen. Ist schon eine kleine stolze Sammlung.

Was du erzählst, wie man in der Not erfinderisch wird, ich habe den Link gefunden, den ich meinte:
"Marke Eigenbau" GEO Doku Basteleien, Erfindungen & Kurioses 1/3
ttp://www.youtube.com/watch?v=F_sPfR36cx4
ff.
Das ist doch einfach genial was da erfunden wurde oder nicht? Die „fahrende Disco“.....

Übrigens Mangelsituationen gab es bei uns auch, vielleicht nicht so sehr weil es die Sachen im Laden nicht gab, sondern weil einfach kein Geld da war. Ein Segen, wer handwerklich geschickt war!
Ich erinnere mich kaum, in meiner Kindheit bis weit in die Schulzeit rein, etwas neu gekauftes an Kleidung gehabt zu haben, außer Schuhen, und die erst, wenn die alten wirklich abgetragen waren. Aber es ging allen Kindern so und irgendwie war das überhaupt nicht Thema.

Meine Mutter hat aus allem was machen können, sie hat aus jedem Lappen was geschneidert, konnte mit Handwerkszeug ebenso gut umgehen wie mit Farbe und Pinsel. Überhaupt erinnere ich mich an die „Mütter“, immer in Kittelschürze, immer irgendwas am Einkochen, am Stricken, am Stopfen .... und zwischendurch mal ein Eierlikörchen mit der Nachbarin :-) - bei einem "Stall von Kindern" ...

Das war bestimmt in der DDR genau so. Die großem Heldinnen der Nachkriegszeit....

Was bedeutet denn „Absolventenzeit“?

Herzlicher Gruß!
Barbara





Schiffsmodelle:
Also das eine Modell, welches ich durch alle Wirren des bisherigen Lebens gerettet habe ist reichlich 90 cm lang (Bild folgt auf Wunsch). Es war zu DDR-Zeiten mit kräftigen Batterien und Kabelfernsteuerung ausgerüstet (für Funk hätte ich erstens eine Lizenz und zweitens ein Sende- und Empfangs-Gerät gebraucht). Ich habe vor, es mit Funk auszurüsten, wenn ich mal Rentner bin. Aber das wird wohl nix werden, denn ich habe mir schon vieles Anderes vorgenommen für die Zeit nach dem Berufsleben...

HG 82/I
Olsen



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#287

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 10:16
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Zitat von OlsenWeilrode im Beitrag #285
Zitat von werner im Beitrag #282

Zitat
Ich wusste nicht, dass der Zuschlag zu einer Wohnung von der Parteizugehörigkeit abhängig war.


Ich selbst habe - als SED - Mitglied und Offizier eines sooo privilegierten Apparates - vier Jahre im Wohnheim gewohnt ohne Aussicht auf eine Wohnung, wenn ich keine Familie gründe, und zwar egal ob ich mich über die KWV oder über die Dienststelle anmelde.

Daher dürfte das eher seine heutige Interpretation sein, schon deshalb, weil es sicher nicht nur zwei Millionen Wohnungen gab und Obdachlose hätte man heute in der Darstellung der DDR als "menschenverachtendes Regime" mit Sicherheit ausgiebig "vermarktet".




zur Ergänzung: Ich behaupte nicht, das die Partei-Mitgliedschaft der alleinige Schlüssel zum Erhalt einer Wohnung war.
Je nachdem, welcher Schwerpunkt -entweder von oben vorgegeben oder nach Einschätzung der entsprechenden "Verantwortlichen" festgelegt- in der betreffenden Region gesetzt war (mehr junge Ehen, mehr Nachwuchs, mehr Parteimitglieder, mehr Ärzte, mehr Facharbeiter, mehr Lehrer, mehr Offiziere...) wurde eben das eine oder das andere gefördert und dazu wurden auch die genannten Druckmittel eingesetzt.
Entweder man hatte "Beziehungen" -DDR-Geld war gar nicht immer das Ausschlaggebende, Westgeld schon eher- oder man wußte sich anders zu helfen. Meine damalige Freundin ist noch im Frühjahr 1989 in der Wohnraumvergabeliste sehr weit nach oben gerückt, weil sie zusammen mit dem "Antrag auf Wohnraumvergabe" zwei Dosen Ananas aus dem Intershop (für die zwei fetten Weiber der Vergabekommission) im Vergabebüro "zurückgelassen" hat. Zusätzlich war noch ein kleines Kind da, das als "offizielle" Begründung für die Vergabe herhalten mußte. Sie haben im August 1989 eine Wohnung bekommen, wir haben, soweit das unter damaligen Verhältnissen möglich war, mit dem Ausbau begonnen und dann kam die Wende. Guck an, plötzlich war alles anders!
Und die fetten Wohnraumvergabeweiber sitzen jetzt wieder in der Stadtverwaltung ihre Är...e breit!
HG 82/I
Olsen



rot: Stimmt. Sowas Ähnliches habe ich auch erlebt. Die vorher in den Behörden saßen, wo es um so sozial relevante Dinge ging wie z.B. Wohnraumvergabe, Arbeitsamt u.a., saßen auch danach drin und da der Behördenkopf nach der Wende noch weiter aufgebläht wurde, fanden dann dort auch diejenigen Unterschlupf, deren Behörde wegen Staatsnähe u.dergleichen aufgelöst wurde. Den Gnom im mittleren Beamtendienst, der mir damals bezüglich meiner Wohnungssuche in Gegenwart meiner Frau gesagt hatte,"Warum haben Sie auch eine Frau von Außerhalb geheiratet ?", den habe ich wenig später wieder im Rathaus mit eigenem Büro getroffen. Fettaugen schwimmen immer oben.



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#288

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 10:57
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Das Thema EOS und Kriterien der Delegierung an die EOS hatten wir wimre hier schon mal an anderer Stelle.

@olsenweilrode, ist es möglich, dass Deine Eltern nicht unter „Arbeiterklasse“ fielen? Das war ein wesentliches Kriterium, wenn ein EOS-Platz trotz guter Noten nicht an Dich vergeben wurde. Es war so, dass politisch gewollt und weil man sich nach dem alten Selbstverständnis vom kap. System ja abheben wollte, „Arbeiterkinder“ verstärkt studieren sollten. Warum das so war und dass man das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat, kann man auch noch diskutieren. Wenn Du also Kind der Intelligenz warst, und künftige Arbeiter – als solche waren Berufssoldaten eingestuft – das Abitur machen wollten und diese vielleicht auch noch aus einem Berufssoldaten- Haushalt kamen, dann hast Du den Kürzeren gezogen.

Bei mir lief es „umgekehrt“, Vater Offizier, ich Notendurchschnitt 1,2 und hatte eigentlich keine Ambitionen, zur EOS zu gehen und zu studieren. Wurde dann in der 8.Klasse gemeinsam mit Klassenlehrerin zum Direks gerufen und mir wurde nahe gelegt, doch Abitur zu machen. Der Direks ließ in dem Gespräch dann auch fallen, dass die EOS ein Verhältnis Arbeiterkinder / andere Herkunft (also Intelligenz oder Handwerk oder Bauern) bringen muss. Und als Offizierskind war ich offiziell Arbeiterkind. Sie haben mich dann aufgeklärt, dass ich nach der 10.Klasse ja auch aufhören kann und auch mit Abitur nicht unbedingt studieren muss. Und da ich also nichts verlieren konnte, habe ich eingewilligt.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#289

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 11:10
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Habe mir besonders die letzten Seiten noch einmal durchgelesen.

Am Ende geht es immer wieder darum, welche Menschen aus welchen Motiven heraus in welchem Umfeld handeln.

In der Wohnraumvergabe gab es Vergabe- Direktiven, um Schmu und Willkür zu begrenzen.
Aber die Sachbearbeiter haben offenbar eben auch ihren Handlungsspielraum und die Schwächen des Systems (Mangel in Einheit mit mangelnder Kontrolle) ausgenutzt, um sich persönlich Vorteile zu verschaffen – was anderes ist es nicht, wenn ich in Gegenleistung für ein paar Gläser Ananas doch noch eine Wohnung finde. Es ist also immer eine Wechselwirkung zwischen Umwelt und Mensch.

Ein System selbst hat keine Macht, erst mit dem Menschen wird es lebendig, wie eine Waffe auch.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#290

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 14:12
von kleinesilli | 1 Beitrag
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[quote]Jo moin moin ich komme von der schönen Insel Rügen und habe als ZV ( gedient ) beim Raketenstützpunkt Neuenkirchen auf Rügen .
Ich habe da mal eine Frage zu dem Maßband , wie man das herstellt .
Hier mal eben ein Versuch von mir , aber es ist nicht richtig komme einfach nicht weiter ,wie bekommt man das richtig hin bitte bitte bitte helfen ...vielen herzlich Dank



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#291

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 15:34
von StabsfeldKoenig | 3.015 Beiträge | 445 Punkte
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Und es mangelte auch deshalb an Wohnungen, weil ab der 80er Jahren solche "Superdemokraten und Super-FDJler", wie unsere Bundeskanzlerin einfach Wohnungen besetzten und sich damit an der Warteschlange vorbeidrängelte. Ich habe meine erste eigene Wohnung 1992 mit einem "WBS-Ost" vom damaligen KWV-Nachfolger bekommen. Zu DDR-Zeiten hatte ich mich bereits angemeldet, aber unter vorgehaltener Hand davon erfahren, daß es schwierig wird, da gerade in meinem Stadbezirk viele Wohnungen einfach besetzt wurden. Ich war nur nicht so frech, es auch so zu tuen.


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#292

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 16:52
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Wie, FDJler haben Wohnungen besetzt und deshalb gab es keine?
Die haben sie aber bestimmt nur umsonst renoviert könnte ich mir vorstellen.


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#293

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.02.2013 16:57
von Mike59 | 9.453 Beiträge | 5911 Punkte
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Zitat von kleinesilli im Beitrag #290
[quote]Jo moin moin ich komme von der schönen Insel Rügen und habe als ZV ( gedient ) beim Raketenstützpunkt Neuenkirchen auf Rügen .
Ich habe da mal eine Frage zu dem Maßband , wie man das herstellt .
Hier mal eben ein Versuch von mir , aber es ist nicht richtig komme einfach nicht weiter ,wie bekommt man das richtig hin bitte bitte bitte helfen ...vielen herzlich Dank



Kann das mal ein Admin. verschieben?



zuletzt bearbeitet 21.02.2013 16:57 | nach oben springen

#294

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.02.2013 01:32
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge | 1 Punkte
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Zitat von werner im Beitrag #288
Das Thema EOS und Kriterien der Delegierung an die EOS hatten wir wimre hier schon mal an anderer Stelle.

@olsenweilrode, ist es möglich, dass Deine Eltern nicht unter „Arbeiterklasse“ fielen? Das war ein wesentliches Kriterium, wenn ein EOS-Platz trotz guter Noten nicht an Dich vergeben wurde. Es war so, dass politisch gewollt und weil man sich nach dem alten Selbstverständnis vom kap. System ja abheben wollte, „Arbeiterkinder“ verstärkt studieren sollten. Warum das so war und dass man das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat, kann man auch noch diskutieren. Wenn Du also Kind der Intelligenz warst, und künftige Arbeiter – als solche waren Berufssoldaten eingestuft – das Abitur machen wollten und diese vielleicht auch noch aus einem Berufssoldaten- Haushalt kamen, dann hast Du den Kürzeren gezogen.

Bei mir lief es „umgekehrt“, Vater Offizier, ich Notendurchschnitt 1,2 und hatte eigentlich keine Ambitionen, zur EOS zu gehen und zu studieren. Wurde dann in der 8.Klasse gemeinsam mit Klassenlehrerin zum Direks gerufen und mir wurde nahe gelegt, doch Abitur zu machen. Der Direks ließ in dem Gespräch dann auch fallen, dass die EOS ein Verhältnis Arbeiterkinder / andere Herkunft (also Intelligenz oder Handwerk oder Bauern) bringen muss. Und als Offizierskind war ich offiziell Arbeiterkind. Sie haben mich dann aufgeklärt, dass ich nach der 10.Klasse ja auch aufhören kann und auch mit Abitur nicht unbedingt studieren muss. Und da ich also nichts verlieren konnte, habe ich eingewilligt.


Meine Eltern ware selbständige Handwerksmeister ((Damen- und Herrenmaßschneider), steht schon weiter oben) und demzufolge war ich kein Arbeiterkind... und auch kein Intelligenzlerkind... stimmt! Und als Schneidermeister(in) hatte man auch keinen EXTRA-Zugang zu begehrten DDR-Handelgütern von "unter dem Ladentisch hervor", keine verkürzet Wartezeit beim Autokauf, keine Bretter, keinen guten Fotoapparat...

HG 82/I
Olsen



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#295

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.02.2013 08:03
von werner | 1.595 Beiträge | 39 Punkte
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Danke @olsen. Das bestätigt die Richtlinien - ich hatte die Handwerker / Selbständigen -Kinder ja nur im Nebensatz mitgeführt.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#296

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.02.2013 09:55
von Gelöschtes Mitglied
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@olsen, meine Mutter war auch selbstständig als Damen- und Herrenmaßschneiderin tätig. Ihr in Hamburg erworbener Meistertitel wurde jedoch in der DDR nicht anerkannt, so dass sie diesen dann noch einmal vor der Prüfungskommission der Bezirkshandwerkskammer Schwerin ablegen mußte.
Ich kann mich aber nicht erinnern, dass wir als Kinder auf Grund der Selbstständigkeit der Mutter Nachteile hatten - doch, dann, wenn unser Kinderzimmer für Anproben herhalten mußte bzw. wir die fertiggestellten Kleider u.ä. dann zu den Kunden bringen mußten. Sie hat auf Grund der wachsenden Steuerlast und des Druckes hinsichtlich Beitritt in eine PGH, dann das Handtuch geschmissen.
Auf Grund der "Kundschaft" ergaben sich auch viele Vorteile in der Absicherung von Versorgungslücken. Mein Vater, kam dabei oftmals ins .

An die EOS in Boizenburg konnte ich nicht gehen, da es eine Quotenregelung gab, die behieß, dass aus unserer Klasse nur 3 Schüler/-innen gehen konnten und mit einem Notendurchschnitt von 1,5 lag ich nur an der undankbaren vierter Stelle.
Mein Abitur habe ich dann später an der EOS "J.W. Goethe" in Schwerin abgelegt. Nach den ganzen Studien meinerseits, wie auch die meiner Frau, war jedoch unsere Tochter ins Hintertreffen geraten, denn bei ihr stand dann bei soziale Herkunft - Intelligenz. Sie ist aber dann auch ihren Weg gegangen, mit ein paar Umwegen.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 22.02.2013 11:12 | nach oben springen

#297

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.02.2013 12:32
von Barbara (gelöscht)
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Hallo und danke für eure Beiträge.

Thema Wohnung:
offensichtliche gab es vielschichtige Gründe, dass es schwierig war eine Wohnung zu bekommen: Privilegien, Beziehungen, lokale Gegebenheiten, inkompetente Sacharbeiter mit fragwürdigen Begründungen...
Lach: Frau Merkel als Wohnraumbesetzerin :-)

Mich wundert, dass es in den späten 80gern bei euch überhaupt noch diese Wohnungsnot gab? das hätte ich nicht gedacht. Olsen hat immerhin von 83 bis 90 in einem Wohnheim gelebt und das finde ich für einen erwachsenen Mann nicht angemessen. (Olsen, die Studentenzeit lass ich aus, da ist Wohnheim „normal“)
@Werner: wenn du sagst du seiest „Mitglied und Offizier eines sooo privilegierten Apparates“ gewesen, kannst du da mehr zu sagen: woran lag das mit der Wohnungsnot?
Und was @Dore sagt: sich um die Wohnbelange anderer kümmern, aber selbst nicht zu Potte kommen können, das finde ich ganz schön frustrierend. Bei dem Satz "Warum haben Sie auch eine Frau von Außerhalb geheiratet ?" – hattest du da nicht die Faust in der Tasche?
Also beim „Grundrecht Wohnen“ so würde ich es mal nennen, derartig in die Lebensplanung von Leuten einzugreifen finde ich nicht in Ordnung.

Da wir ja einen Ost-/West-Diskurs führen:
Bei uns war das so: in meiner Kindheit erinnere ich mich gab es noch Baracken (Ende 50er, Anfang 60er) Jahre. Das hatte auch damit zu tun, dass es Kriegsflüchtlinge aus dem Osten gab, die untergebracht werden mussten. Das Städtchen war „belegt“. Meine Eltern mussten mehrfach umziehen, weil die Familie wuchs. Bei kinderreichen Familien war das nicht so einfach. Es gab dann von irgendwoher (weiß ich nicht mehr) eine Starthilfe von 5.000 DM pro kinderreicher Familie zum Bau eines kleinen Häuschens. Es stand mehr oder weniger im Rohbau und musste von den Einziehenden in erheblicher Eigenleistung weiter gebaut werden. Wir Kinder haben die Baustelle natürlich geliebt, mussten aber auch ganz schön mit ranklotzen, was uns nicht geschadet hat. Im Gegenteil, ich bin handwerklich recht fit. Das Haus wurde in familien-verträglichen Raten abbezahlt. Das Grundstück gehörte der Kirche. Es war ein kleiner Garten dabei, in dem meine Mutter möglichst viel Gemüse und Obst anpflanzte um die Haushaltskasse zu schonen.
Wohnen in der Großstadt: als Studenten war es nicht so leicht, etwas zu finden, vor allem wollte man natürlich Uni-nah und in den einschlägigen Stadtvierteln wohnen. Oft verlangten die Vermieter eine Sicherheit durch die Eltern. Es gab BAFÖG, das für’s allernötigste reichte. Alle Studenten die ich kannte, haben nebenher gejobbt.
Ich habe nachgezählt, ich bin in Köln 7 mal umgezogen.


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#298

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.02.2013 13:02
von Barbara (gelöscht)
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Thema: Schule, Ausbildung

Danke sehr Olsen, dass du das mal so ausführlich geschildert hast. Ich wollte sowie so immer wissen, wie das Schulsystem bei euch aufgebaut war. Wenn ich es recht verstehe von Anfang an praxisbezogener durch die P-Schulen? Also man überlegte früh in welcher Branche man später mal arbeiten wollte? Eigentlich ist das ja nicht schlecht. Gab es hinsichtlich der Wahl der Fachrichtungen irgendwelche Einschränkungen so nach dem Motto „Wir brauchen jetzt Ingenieure“ und dann wurde das bei den Jugendlichen entsprechend dirigiert oder Ähnliches? Aber schließlich: war es dann so, dass man das sog. Vollabitur hatte, also man fach-übergreifend studieren konnte?
Diese Kriterien, wer was wann zu welchem Zeitpunkt machen konnte, finde ich natürlich befremdlich. Also jemanden wegen „Intelligent-Hintergrund“ den Studienplatz zu verweigern - habe ich das richtig verstanden? Das ist ja Kabarett! Handwerk als Nachteil. Da ist so holzschnittartig. Wie wurde das diskutiert oder begründet – Werner und Vierkrug? Also muss ich mich das tatsächlich so vorstellen, dass „gesell. Klasse“ in dieser Art und Weise unterschieden wurde?
Bei mir: also ich habe mich nach meinen „Voll-Abitur“ öfter mal gefragt, was ich davon gebraucht habe. Manche Curriculae waren einfach idiotisch. Klar die grundsätzlichen Kulturtechniken, sprachliche Schwerpunkte (die ich gewählt habe), NWS. Das ist sicher ein Thema, das auch heute immer wieder relevant ist. Aber das große Latinum? Nur damit man romanische Wortstämme ableiten kann? Oder weil Latein so schön logisch aufgebaut ist? Kann man auch anders lernen.
Auf meinem Gymnasium (reines Mädchengymnasium – ich habe später gewechselt) gab es in der 7 nur die beiden folgenden Möglichkeiten wie es weitergeht: Latein- oder Hauswirtschaftszweig.... Auch interessant, nicht?
In den 70er Jahren ist „Chancengleichheit bei der Bildung“ großes Thema geworden > Sozialliberale Koalition, offensichtlich stand Schülern prinzipiell alle möglichen Bildungswege offen, realiter aber scheinbar nicht, es hatte wohl auch mit der finanziellen Situation in den Familien zu tun und scheinbar auch eines gewisse Unsicherheit– eben nicht dazu zu gehören, zu denen „da oben“. Überhaupt „Sicherheitsdenken“ - ist vielleicht auch mal ein spannendes Thema?


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#299

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.02.2013 13:19
von Barbara (gelöscht)
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Olsen,

Bitte entschuldigt den langen Text, aber ich bin nicht Reich-Ranitzky

glaub mir, du bist besser zu verstehen als RR. Mach dir keine Sorgen :-)

Ich finde es sehr angenehm, wenn hier jemand mal ausführlich einen Umstand beschreibt.
Ich krieg dann einfach mehr mit, als wenn mir immer nur knappe Argumente um die Ohren fliegen.
Denn du musst bedenken: alles was ihr hier erzählt und beschreibt: ich habe das alles nicht erlebt! Ich versuche mich hineinzuversetzen und zurecht zu finden. Als ich mich hier angemeldet habe, habe ich mir selbst verordnet, alles zu vergessen, was ich je über die DDR und ihre Bürger gehört habe. Ich wollte mir mein eigenes Bild machen und zwar nur aufgrund dessen, was hier geschildert wird, also alles O-Töne. Das finde ich klasse, es ist für mich aber auch sehr sehr anstrengend.
Deshalb lieber Olsen, ist es angenehm, sich bei einem längeren Text mal ein wenig "auszuruhen" und versenken zu können. Außerdem entwickelt sich über die Kontinuität der Beiträge mit der Zeit auch mal eine persönliche Kontur der einzelnen "Gesprächspartner"
Ich würde jetzt schon sagen, nach knapp 3 Wochen meiner Mitgliedschaft: die Bedingungen in der DDR waren alles andere homogen, man kann diesen Staat nicht mit einigen Schlagworten beschreiben - und schon gar nicht abqualifizieren. Das wird einfach dem Leben von 17 Mio Menschen nicht gerecht, für die sie über Jahrzehnte Heimat war - in jeder Hinsicht ! Dass ihr hier so kritisch denkt, und/oder einfach euer persönlichen Erfahrungen beschreibt, auch "auseinandersetzt", die ganzen Puzzleteile zusammenführt, das finde ich sehr sehr bemerkenswert und bin froh, dass ich dabei sein darf!
Also machen wir weiter - in aller Ausführlichkeit :-)
Herzliche Grüße
Barbara


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#300

RE: Meine „deutsche(n) Frage(n)“

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.02.2013 15:27
von Jobnomade | 1.380 Beiträge | 9 Punkte
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Hallo miteinander,

da hier das Thema "SED / Privilegien / Wohnungsvergabe" angerissen wurde und anscheinend Barbara's Neugier unstillbar ist, mag ich auch mal noch ein paar Zeilen aus meinem Erleben dazu loswerden.
Da ich "Arbeiterkind" war, war das Thema Bildungsweg/Berufwahl für mich nahezu ohne Hürden.
Hier schrieb ich schon mal etwas dazu:
damals in der DDR: Wer wurde warum Berufssoldat...? #2
Zu Beginn des Studiums wurde ich Kandidat der SED - nicht so ganz aus eigenem Entschluss, würde ich es mal nennen.
Zum Thema Wohnung: Da der Studienort und die Wohnung der Eltern ca. 100 km auseinanderlagen: erst Wohnheim, später möbliertes Zimmer.
Nun gut, für einen STudenten ja völlig normal.
Nach erfolgreichem Studienabschluss war meine erste Arbeitsstelle eine Hochschule, meine Wohnung eine möblierte Dachkammer im Studentenwohnheim, Toilette und Waschbecken auf dem Gang. Meine damalige Verlobte, vorher auch Studentin, hatte eine Arbeit ca 20 km weiter gefunden, wohnte auch in einem möblierten Zimmer. Nach einigen Monaten heirateten wir, wohnungmässig änderte sich nichts.Einige Monate später wurde ich Grenzsoldat auf der anderen Seite des Landes, räumte meine Dachkammer - in der Wohnung meiner Eltern war ja noch Platz für meine paar Habseligkeiten. Gegen Ende meiner Zeit bei den Grenztruppen wurde mein Sohn geboren.
Mit diesen Kriterien war ich zunächst mal ein etwas dringlicherer Fall für die betriebseigene Wohnungvergabe meiner Arbeitsstelle Hochschule - heraus kam eine Wohnung aus 2 Zimmern mit Küche, einem Wasserhahn im Hausflur und einer sogenannten Plums-Toilette, ebenfalls im Hausflur. Mit ein bisschen Maurerarbeit war dann Wasser und Abfluss auch in der Küche. Ein Jahr später wurde unsere Tochter geboren - und wir waren wieder wohnungsmässig ein "dringlicher Fall" - nun ja, theoretisch zumindest.
Nun muss ich mal erwähnen, dass die Wohnungvergabe in der DDR in dieser Zeit im Wesentlichen durch die Betriebe gelenkt wurde (je nach deren "Wichtigkeit"), einen privaten Wohnungsmarkt gab es praktisch nicht.
Nun um unser Problem irgendwie zu lösen, fand ich in einer anderen Stadt einen Betrieb, der mir eine Arbeit anbot und versprach, das Wohnungsproblem meiner Familie so schnell wie möglich zu lösen. Eine Bleibe für mich, ein möbliertes Zimmer, fand sich schnell - was sollte ich über das Angebot noch lange nachdenken ?
Ein paar Monate pendeln, nur am Wochenende bei der Familie, ist doch nun kein grosses Problem.
Nun... denkste.
Die versprochene Arbeit erwies sich als Flop, das erste und einzige Wohnungsangebot für die Familie war eine Bruchbude, ich lehnte dankend ab.
Ach ja, ich sollte an den Wochenenden noch an Kampfgruppenübungen teilnehmen. Prima, nicht ?
An den Wochenenden haben wir uns die Köpfe heiss geredet wegen dieser sch....Situation.
Vor dem ganzen Hintergrund ging 1984 meine Ehe in die Brüche, die Kinder blieben bei der Mutter.

Ich fand kurze Zeit später eine andere andere Arbeitsstelle, bekam 1986 eine kleine Wohnung mit Fernheizung und Dusche/WC über die AWG des Betriebes. Erläuterung: "AWG" = Arbeiter-Wohnungbau-Genossenschaft. Nach etwas Wartezeit, Einzahlung von Anteilen in Geld und Erbringung von Arbeitsstunden gab es eine brauchbare Wohnung - entsprechend der Familiengrösse.
Meine Ex-Frau + Kinder bekamen nahezu gleichzeitig ebenfalls eine derartige Wohnung, durch "ihre" Arbeitsstelle.

Zusammengefasst: Ich war 33 und wieder Singe, als ich die erste menschenwürdige Wohnung in DDR bekam.
Hatte ich irgendwelche Privilegien dadurch, dass ich Parteimitglied war - ich glaub nicht...
Aber das kann man, denke ich, nur im Vergleich mit vielen anderen Geschichten beurteilen.
"Was ich an der untergegangenen DDR vermisse" ? - so heist hier ein anderes Diskussionsthema...
Nun, solche Dinge gerade nicht...
Meine Geschichte mag recht pessimistisch klingen - drum noch ein bisschen Lebensbilanz aus heutiger Sicht:
Ich habe in der DDR eine erstklassige berufliche Ausbildung gehabt - davon profitiere ich noch heute. Ich arbeite immer noch in dem Beruf, den ich damals "erlernt" habe, selbstverständlich hatte das Lernen auch nie ein Ende.
Die Scheidung damals war kein klassischer Rosenkrieg - wir haben die Verantwortung als Eltern unserer Kinder beide wahrgenommen, sind all die Jahre fair miteinander umgegangen. Auf meine erwachsenen Kinder bin ich stolz, sie haben ihre Wunschberufe lernen können und ihren Platz im Leben gefunden.



Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.02.2013 18:47 | nach oben springen



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