Dienst quittiert

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14.01.2013 16:57 (zuletzt bearbeitet: 14.01.2013 20:08)
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#1
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Angeregt durch das letztens diskutierte Thema zum Schußwaffengebrauch habe ich mit Abstand der Jahre nachgedacht wie ich das damals selbst gefühlt habe.
Mit der Akzeptanz des immer kontrovers diskutierten Befehls der nicht schriftlich festgehalten ist aber mündlich erteilt wurde, war ich mir meiner Aufgabe bewusst, also auch das ich täglich in die Verlegenheit kommen könnte die Waffe gegen flüchtende einzusetzen.
Im Nachhinein kann man darüber sinnieren ob man eventuell mißbraucht wurde oder nicht, damals haben die meisten wohl einfach, aus den verschiedensten Gründen, ihre Aufgaben erfüllt.
Eine Frage interessiert mich dazu.
Gibt es unter uns Kameraden/Genossen, die während ihres aktiven Dienstes an der Linie aus Gewissensgründen, oder auch weil sie sich aus anderen Gründen nicht mehr zum Grenzdienst in der Lage sahen, an einen Vorgesetzten mit der Bitte um dauerhafte Beendigung des Grenzdienstes herangetreten sind?
Ich beziehe die Frage auf Grenzsoldaten die bis dahin ihren Dienst ohne Tadel verrichteten, also keine Zwangsversetzung wegen Vorkommnissen.
Wie wurde in solch einem Fall verfahren, sofortige Herausnahme aus dem Dienst, oder erst noch Gespräche?
Wurde die Verwaltung 2000 informiert oder wurde sie tätig?
Gab es später spürbare Nachteile während der Restdienstzeit und im Zivilleben?
Gibt es Zahlenangaben wie oft so etwas geschehen ist?


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14.01.2013 17:02
avatar  Alfred
#2
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GW,

ja, diese Fälle gab es.

So konnte es u.a. passieren, dass man von den GT in den Bereich der Landstreitkräfte versetzt wurde.


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14.01.2013 17:14
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#3
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Zitat von Alfred im Beitrag #2
GW,

ja, diese Fälle gab es.

So konnte es u.a. passieren, dass man von den GT in den Bereich der Landstreitkräfte versetzt wurde.


Hast du paar Zahlen zur Hand, oder wurde das eher unter dem Deckel gehalten?


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14.01.2013 17:17
avatar  Alfred
#4
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Hallo,

nein, Zahlen habe ich Moment nicht zur Hand.

Ich müsste mal suchen, ob ich in meinen Unterlagen was finde.


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14.01.2013 17:17
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#5
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Das wäre nett, danke.


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14.01.2013 17:56
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#6
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Ich kann mich noch erinnern an der Uffz.- Schule hatten wir den Schüler D. Er hatte Hemmungen überhaupt zu schießen, trotzdem tat er treu und brav seine Pflicht! Unter dem Hohngelächter der Ausbilder schoß er seine Pistolenübung mit der Makarow, mit geschlossenen Augen und traf trotz harten Abzugs. Gesträubt hatte er sich mit dem RPG zu schießen. Ständig war er den Schikanen der Ausbilder ausgesetzt und so manchen Ausbilder hätte ich am liebsten ein's auf's Maul gehauen. Aber D. war geduldig. Ich traf D. dann irgendwann mal im 24. GR in Begleitung von ein paar Sackis, ich glaube den haben sie gleich in den Stabsdienst versetzt!

Gruß Hartmut!


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14.01.2013 18:02 (zuletzt bearbeitet: 14.01.2013 18:05)
#7
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #1
... Gibt es unter uns Kameraden/Genossen, die während ihres aktiven Dienstes an der Linie aus Gewissensgründen, oder auch weil sie sich aus anderen Gründen nicht mehr zum Grenzdienst in der Lage sahen, an einen Vorgesetzten mit der Bitte um dauerhafte Beendigung des Grenzdienstes herangetreten sind?
Ich beziehe die Frage auf Grenzsoldaten die bis dahin ihren Dienst ohne Tadel verrichteten, also keine Zwangsversetzung wegen Vorkommnissen.
Wie wurde in solch einem Fall verfahren, sofortige Herausnahme aus dem Dienst, oder erst noch Gespräche?
Wurde die Verwaltung 2000 informiert oder wurde sie tätig?
Gab es später spürbare Nachteile während der Restdienstzeit und im Zivilleben?
Gibt es Zahlenangaben wie oft so etwas geschehen ist?

Hallo Grenzwolf,

der einfache Teil der Antwort ist: Ja, es gab Abversetzungen auf eigenen Wunsch. Diese Abversetzung erfolgte zunächst in den Regimentsstab, in die dortige Stabskompanie. In Ausnahmefällen erfolgten auch Abversetzungen in die Bataillonsstäbe. Da ich Polit in der Stabskompanie des GR3 war, hatte ich mit diesen Leuten zu tun.

Eine Abversetzung aus Gewissensgründen, nachdem bereits Dienst in der Grenzkompanie geleistet wurde, ist mir nicht in Erinnerung. Das wurde wohl eher in der Ausbildung oder spätestens während der Erstaussprache bei der Zuversetzung in die Kompanie vor dem ersten Grenzdienst geklärt.

Auf eigenen Wunsch erfolgte die Abversetzung in der Regel aus persönlichen Problemen oder wegen, wie es heute genannt wird, Mobbings. Es gab auch Fälle, in denen Vorgesetzte ihre Unterstellten ansprachen und ihnen die Empfehlung gaben sich versetzen zu lassen. Unser Bataillonskommandeur hatte da ein "Händchen für". Er sah, wenn jemand aus der Kompanie raus musste und bot auch an, Leute zeitweilig in den Bataillonsstab zu holen, wenn ihnen damit geholfen war.

Die Kompanieführung stand solchen Wünschen nicht sehr aufgeschlossen gegenüber. Das sage ich auch mit aller Selbstkritik in meine Richtung in meiner Zeit als Polit einer Grenzkompanie. Die Grenzdienststärke war eh durch Ausfälle genug belastet und nun noch einen gehen lassen, in der Regel ohne die Chance, im Halbjahr irgeneinen Ersatz zu bekommen ... Da wurden dann schon Gespräche geführt. Bei persönlichen Problemen mit Familie oder Wohnung wurden dann auch schon mal Aktionen unternommen, das Problem zu beseitigen oder zumindest das Gefühl zu vermitteln, dass wir uns drum kümmern.

Es gab, um auf das Thema Gewissensgründe zurückzukommen, eher den indirekten Weg, aus der Grenzkompanie abgezogen zu werden. Das war zum einen die ständige "Negativdiskussion", die erkennen lassen sollte, dass man mit dem Staat und dem Dienst bei den GT nichts am Hut haben wollte, zum anderen war es die offene Hinwendung zur DDR-Opposition. Da die Kirche im Generalverdacht der Opposition stand, reichte für diesen Verdacht schon eine Bibel im Spind. Ob das immer bewusst erfolgte mit dem Ziel der Abversetzung oder ob das spontan aus dem Bauch heraus gemacht wurde, kann ich nicht sagen. Das führte aber in jedem Fall zu intensiven Aussprachen mit Vorgesetzten und der Verwaltung 2000.

Im Fall der Abversetzung in den Regimentsstab erfolgte dann der Einsatz im Wachzug der Stabskompanie. Wenn, aufgrund persönlicher Probleme zum Beispiel, kein Einsatz mit Waffe erfolgen durfte, gab es entsprechende Arbeitsdienste (Küche, Heizung, Hundetrupp usw.).

Soviel erstmal dazu.
ciao Rainman


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14.01.2013 18:11
avatar  Lutze
#8
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vor diesen ehemaligen grenzern ziehe ich den Hut
gruss Lutze


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14.01.2013 18:44
#9
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Ich kann mir vorstellen, dass Grenztruppenangehörige, die eine Grenzverletzung bereinigen mussten und dies auch erfolgreich (auch ohne Tote und Verletzte) getan haben, in eine sehr schwierige persönliche Situation gekommen sind und am liebsten alles geschmissen hätten. Insbesondere Angehörige ohne grosse Begeisterung für das politische System. Ich persönlich hätte Angst vor Mobbing in der Einheit und vor Ächtung im privaten Umfeld bekommen. Welche Strategien verfolge die Armee und die Gesellschaft, um diesen Truppenangehörigen das weitere Leben zu erleichtern?
Theo


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14.01.2013 18:46
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#10
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Das die Kirche ein Problem für die NVA und die Grenztruppen war, habe ich auch mitbekommen. Wie hat man eigentlich dieses Problem in der Region Eichsfeld gelöst. Das war ja das Zentrum der Erzkatholen in der DDR. Brauchten die alle nicht zur Grenze und gab es da keine Berufssoldaten und Offiziere aus der Region?


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14.01.2013 18:52
#11
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Auch aus unseren ,glaube 6 Bett Zimmer ,haben Sie einen Kameraden,freiwillig? oder nicht? innerhalb eines Tages rausgenommen.
Ich war damals schon EK,er war junge 18 Jahre .Immer wenn es mit den Ello raus ging ,Richtung Grenzabschnitt,flippte er aus .
Ich persönlich denke mal ,er ist mit dieser Situation nicht klargekommen.
Dies war vielleicht für ihn ,und uns als seine Kameraden das beste.
Ich möchte damit auch sagen ,das die GT für uns Verantwortung getragen hat.


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14.01.2013 19:07
avatar  jecki09
#12
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In der GK Ifta hatte ich einmal einen Soldaten der aktiv in seiner Gemeinde Kirchenvorsteher war.

Über die Versetzung vom GAR Eisenach in eine "aktive" Grenzkompanie hatten wir uns sehr gewundert. Nach wenigen Wochen war er aber in den Stab des II.GB oder in das GR-1 versetzt worden. Ob wir Ersatz bekommen haben weiß ich heute nicht mehr.

Aber dass war zwar nicht Dienst quittiert. Aber wer ihn zu den GT geschickt hatte, hat wohl nicht nachgedacht und nur seine Quote im Kopf.


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14.01.2013 19:25
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#13
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Hallo Lutze,

zunächst herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag https://www.youtube.com/watch?v=nOUKxZkRGTY
Sag mal hast du eigentlich gedient?


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14.01.2013 20:15 (zuletzt bearbeitet: 15.01.2013 07:37)
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#14
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Zitat von Lutze im Beitrag #8
vor diesen ehemaligen grenzern ziehe ich den Hut
gruss Lutze


Ja, da gehörte schon was dazu, zu sagen für mich hörts hier auf.


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14.01.2013 20:40
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#15
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #9
Ich kann mir vorstellen, dass Grenztruppenangehörige, die eine Grenzverletzung bereinigen mussten und dies auch erfolgreich (auch ohne Tote und Verletzte) getan haben, in eine sehr schwierige persönliche Situation gekommen sind und am liebsten alles geschmissen hätten. Insbesondere Angehörige ohne grosse Begeisterung für das politische System. Ich persönlich hätte Angst vor Mobbing in der Einheit und vor Ächtung im privaten Umfeld bekommen. Welche Strategien verfolge die Armee und die Gesellschaft, um diesen Truppenangehörigen das weitere Leben zu erleichtern?
Theo

Hallo Theo,

Ich glaub das ist der Kasus Knaxus, die Gruppendynamik im Militärdienst im Allgemeinen und bei den Grenztruppen im Besonderen. Man mag angewiedert sein von den Schikanen der Ausbilder von Brüllaffen und sadistischen Schleifern. Aber wer möchte schon als Weichei oder Warmduscher gelten. Eigenbrötler haben meist einen schlechten Stand, sie scheinen wie Fremdkörper innerhalb des Teams zu sein. Auch wenn die sogenannte EK- Bewegung bei den GT selten ausuferte bildete sich doch eine gewisse Hierarchie heraus. Und wenn man sieht die Anderen habens ja auch geschafft beugt man sich zyklisch den vermeintlichen oder tatsächlichen Alphatierchen. Deshalb war es auch selten, daß jemand aus der Reihe sprang.

Wie war das denn bei euch in der Schweiz im Kasernenalltag des Heeres?

Gruß Hartmut!


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