Sozialismus ohne "Diktatur"

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08.05.2013 14:11 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 14:14)
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#226
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #223


Ich hoffe, dass Deine Gedanken bei jenen Gehör finden, die einen neuen Sozialismus auf dem Reissbrett haben.




Da fällt mir spontan ein: "Niemand hat die Absicht ..."

"Der Begriff Gesellschaftskritik bezeichnet Kritik an der Gesellschaft, an gesellschaftlichen Teilsystemen oder an als Missstand empfundenen gesellschaftlichen Phänomenen, zum Beispiel an Einkommensverteilung, Vermögensverteilung oder Sozialstruktur. Gesellschaftskritik kann darauf abzielen, das Kritisierte zu verbessern oder abzuschaffen"

Es muss ja keine Revolution sein. Aber warum hier und heute etwas gewaltig schief läuft, kann man doch wohl versuchen zu ergründen. Zumal es eine gute und anerkannte Anleitung gibt, die nicht nur von Sozialisten, Kommunisten oder Revolutionären studiert wird. Mir fällt jetzt nicht ein wie die anderen heißen

LG von der grenzgaengerin


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08.05.2013 14:51
#227
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #224
Zitat von Vierkrug im Beitrag #221
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #216
Und wenn, welche Fehler waren so gravierend, dass das Sozialmusmodell DDR gescheitert ist. Und meine persönliche Meinung ist, dass die Lohnpolitik im Rahmen der Planwirtschaft ein nicht ganz unwesentlicher Faktor war. Nicht umsonst gab es in der frühen DDR den Aufstand vom 17. Juni, deren Auslöser die Normerhöhungen waren.

LG von der grenzgaengerin


Dieser Aussage kann ich nur zustimmen - es wurde in gravierender Weise das Leistungsprinzip verletzt. Das Leistungsprinzip -"Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten" war nur noch Losung und eine blutleere Phrase. So kann man den wirtschaftlichen Wettstreit nicht für sich entscheiden.
Ich habe mir oftmals die Frage gestellt, wozu die WAO (Wissenschaftliche Arbeitsorganisation) noch da ist. Ein Beispiel für zahlreiche andere - auf einer Werft der DDR werden im Rahmen einer Schiffbauwiederholungsserie in der Sektionsvorfertigung seitens der WAO Zeitaufnahmen gemacht, um die Normzeiten zu aktualisieren und zu präzisieren. Die Ergebnisse wurden mit den betreffenden Schiffbauer - und Schweißergewerken durchgesprochen und besprochen. Es gab von deren Seite breite Zustimmung auch zu der Konsequenz, dass die neuen Normen straffer sein werden.
Es kam der Tag X, am dem die neuen Normen die Grundlage für eine leistungsgerechte Entlohnung bilden sollten. Was kam war die Arbeitsverweigerung in den betreffenden Gewerken und letztendlich die Rückkehr zu den alten, schon rein technisch überholten Normen.

So nun muß ich meine Emotionen runterfahren.

Vierkrug





Noch ein Beispiel - der Blutdruck ist wieder etwas heruntergefahren.

Das Werkzeugkombinat Schmalkalden hatte immer Probleme, seine Planvorgaben zu erfüllen. Man machte aus der Not eine Tugend und warb Studenten der Ingenieurschule für Maschinenbau für entsprechende Aufholschichten an den Samstagen und Sonntagen. Wir, die "Norddeutschen" nahmen dieses Angebot an, da neben guter Entlohnung auch Vollverpflegung angesagt war (wir konnten ja nicht jedes WE, wie die Thüringer nach Hause fahren).
Was wir an Normvorgaben dann vorfanden, war für uns unfassbar. Es war ein Leichtes auf Normerfüllungen von 110 % und mehr zu kommen. Aber uns stachelte auch die Gier etwas an, in der zur Verfügung stehenden Zeit auch viel zu verdienen. Das bedeutete die Produktivität herauffahren. So setzten wir uns zusammen hin und berechneten die optimalen Drehzahlen, Vorschübe, Schnitttiefen und Schnittgeschwindigkeiten für die Dreh- und Fräsmaschinen. Der uns betreuende Technologe schaute dann etwas betreten und ungläubig, als wir ihm dann die Normerfüllung präsentierten - wir lagen im Bereich von 130 - 140 Prozent - und das ohne großem Aufwand. Ein Nachteil, die Standzeiten der Drehmeißel und der Fräsköpfe verinngerten sich, aber auch nur minimal.
Quintessenz des Ganzen - die Beschäftigten dieses Betriebsteiles setzten bei der Produktionsleitung durch, dass am WE keine Studenten mehr eingesetzt werden. Aber die eigene Produktivität erhöhte sich bei ihnen nur geringfügig, wie wiir dann späteren Praktika festtellten.

Vierkrug



Kann da nur noch voll zustimmen. War ja auch u.a. von 1977 bis zur Wende zuständig für WAO. Hatte dazu vor längerer zeit schon mal ausführlich geschrieben, wie das bei uns ablief. Wir hätten jedenfalls bei unseren ca. 200 Beschäftigten sofort 10 AK einsparen können, ohne daß etwas nur im Geringsten zusammengebrochen wäre.
Da frage ich, warum gehen die Arbeitnehmer im Kapitalismus nicht auf die Barrikade, wenn die Leistungsvorgaben so sind, daß bei voller AZ-Auslastung eben nicht viel mehr als 110 - 120% NE möglich sind. Wohlgemerkt, voller AZ-Auslastung. Bei uns war die AZ-Auslastung etwa 60 - 70% und eine NE von 120 - 160%. Da steckte dem Politbüro wohl sicher noch der Schreck von 1953 im Nacken, sodaß alles, auch bei Strafe einer beschi....enen Ökonomie, toleriert wurde. Die Gewerkschaften haben dann als Arbeitervertretung noch mit kräftig in das Horn reingeblasen. Auch was Preiserhöhungen betrifft, waren die Bürger empfindlich wie Mimosen. Eine Kollegin von mir wollte mir unbedingt beweisen, daß der Zucker teurer geworden ist, weil irgendwann von 1005,-g auf 1000,-g pro Tüte (oder umgekehrt) übergegangen wurde. Waren es etwa tatsächlich 0,5 Pfennige/kg mehr ? Na so eine Schweinerei, da muß man doch dagegen protestieren !. Was für fette Kröten hat diese (und andere) Kollegin nach der Währungsunion schlucken müssen, wenn sie ihren Wochenendeinkauf macht und da und dort sieht, daß etwas nicht nur um einen halben Cent teurer ist als beim letzten Mal ?
In dem Buch des US-Historikers Andrew I.Port ("Die rätselhafte Stabilität der DDR"), welches ich ansonsten sehr gut finde, kommt er aber zu der m.E. falschen Einschätzung, daß diese schlechte Arbeitsmoral ein Ausdruck des Widerstandes gegen das System wäre. Gib den Arbeitnehmern heute die absolute Sicherheit, daß sie mit Kurztreten, Bummelschichten, ihre bezahlten Krankentage voll ausnutzen, Pausenüberschreitungen u.v.m. nichts zu befürchten haben und trotzdem ihr Auskommen haben, es wäre heute nicht viel anders als in der DDR. Der Mensch ist wie jedes andere Tier auch dazu ausgelegt, seinen Lebensunterhalt mit so wenig Aufwand wie möglich zu sichern. Das ist systemunabhängig. Wo der Tritt in den A... fehlt oder auch der materielle Anreiz für viel, viel mehr an Wohlstand, da siegt eben oft genug der innere Schweinehund.
Alle Unbill zu DDR-Zeiten und auch die Ursache für den schließlichen Untergang sehe ich in der von Anfang an schlechten Ökonomie, der Mißachtung des Leistungsprinzipes (auch bei denen, die das Sagen hatten) und der unverhältnismäßigen Subventionen. Die sog. "Zweite Lohntüte" hätte zum größten Teil ausgeschüttet werden müssen, um es den Bürgern zu überlassen, für welche Ausgaben hier die Prioritäten setzt. Der eine hätte das Geld verfressen, der Andere für Reisen, wieder einer in die Größe Wohnung u.s.w.


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08.05.2013 14:55
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#228
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #226

Es muss ja keine Revolution sein. Aber warum hier und heute etwas gewaltig schief läuft, kann man doch wohl versuchen zu ergründen. Zumal es eine gute und anerkannte Anleitung gibt, die nicht nur von Sozialisten, Kommunisten oder Revolutionären studiert wird. Mir fällt jetzt nicht ein wie die anderen heißen

LG von der grenzgaengerin



Du meinst damit die Kapitalisten und ihre Büttel? Ich bin ziemlich sicher, dass zumindest einige von denen Marx kennen, denn:

"Du musst deinen Feind kennen, um ihn besiegen zu können."
Sunzi, chinesischer Philosoph und Stratege, ca. 500 vor Christus in der Zeit des Königreichs von Wau

Es scheint doch eine Art von "ewigen Wahrheiten" zu geben


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08.05.2013 14:56
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#229
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Zitat von Barbara im Beitrag #220
Ich habe eine Bitte.

können wir das Thema nicht wieder so nennen wie es ursprünglich hieß?

"Rätesystem ff" ist doch nur ein Aspekt innerhalb des Themas, ich finde das so irreführend....

finde ich auch Barbara,

zu mal ich diesen Thread eröffnet habe. Gott sei Dank wurde der ursprüngliche Titel wieder eingesetzt. Ich frage mich nur wer verändert hier die Überschriften?

Gruß Hartmut!


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08.05.2013 14:57
#230
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #211
Zitat von DoreHolm im Beitrag #210


Mit der Zuführung zusätzlicher AK war es allerdings so eine Sache. Gute Leute waren, wie inzwischen heute auch wieder, sehr rar. Bei den "Zugeführten", also in die Schwerpunktbetriebe hinvermittelten Leuten, handelte es sich zumeist um schwer Vermittelbare aller Kategorien. Die waren dann nicht selten mehr eine Belastung für die Brigade als eine Hilfe, da faul, unzuverlässig oder mindere Qualität liefernd.




Hallo DoreHolm.

wer war in der DDR schwer vermittelbar und in welche Kategorien wurden sie eingeteilt?

LG von der grenzgaengerin



Rot: Das waren die, welche auch heute schwer vermittelbar sind. Die gab es damals genauso wie heute. Ob es Kategorien gab, weiß ich nicht.
Wir hatten einen, der pünktlich im Spätherbst die Scheibe eines Schnapsladens eingeschmissen hat, eine Pulle leergemacht und sich dann von der VP einsammeln lassen. Die Unterkunft bis zum nächsten Frühjahr war, da Wiederholungstäter, damit gesichert. Ein Anderer war ein Roma. Normerfüllung, natürlich bei der Inanspruchname aller Zusatzpausen, ca. 50%. Entlohnung erfolgte so, daß die fehlende Leistung mit dem Durchschnittslohn vergütet wurfde, also halbe Leistung und voller Lohn für 100% NE. Das waren nur ein paar Beispiele, die mir so spontan einfielen.


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08.05.2013 15:24 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 15:45)
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#231
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"wer war in der DDR schwer vermittelbar und in welche Kategorien wurden sie eingeteilt? "

da fällt mit auch mein ehemaliger Nachbar aus DDR-Zeiten ein - aus dem Plattenbau am Rande Dresdens.
Er war Heizer in irgendeinem VEB und hatte Probleme mit dem Alkohol. Präziser gesagt: Er hatte Probleme wenn er keinen Alkohol hatte.
Oftmals stand der Streifenwagen der Volspolizei vor dem Haus, um ihn in die Arbeit zu bringen.
Ob er im Betrieb, in der sozialistischen Gesellschaft eine wirkliche Hilfe war, bei der Erreichung der Planziele ?
Ich glaub kaum. Aber er hat durch seine Lebensweise die Arbeitsplätze anderer gesichert: die der Vorgesetzten in seinem Betrieb und die der Volkspolizisten.

Ich habe auf meinem kleinen Dorf heute wieder so einen Nachbarn, für den der Alkohol lebenswichtig ist.
Er ist nicht mehr im Arbeitsprozess und sorgt auch nicht für Aufsehen.
Die Polizei war noch nie bei ihm, seit ich dort wohne (2 Jahre)


Gruss Hartmut


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08.05.2013 15:43 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 15:44)
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#232
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Zitat von utkieker im Beitrag #229
Zitat von Barbara im Beitrag #220
Ich habe eine Bitte.

können wir das Thema nicht wieder so nennen wie es ursprünglich hieß?

"Rätesystem ff" ist doch nur ein Aspekt innerhalb des Themas, ich finde das so irreführend....

finde ich auch Barbara,

zu mal ich diesen Thread eröffnet habe. Gott sei Dank wurde der ursprüngliche Titel wieder eingesetzt. Ich frage mich nur wer verändert hier die Überschriften?

Gruß Hartmut!



Hallo Utkieker,

nicht die Falschen verdächtigen..... Bendix hat die Sache mit seinen Adminrechten wieder gerade gebogen.
Ich hab gerade mal etwas probiert:
Wenn man eine Antwort schreibt, kann man auch den Titel editieren. Und der nächste Schreiber "erbt" dann die Änderung. So geht das mit der Titel-Änderung.
Jetzt kann man unser Admin-Team fragen: bug or feature ?
äh.... ich meine: Ist das so beabsichtigt ? Oder ein Fehler in der Foren-Software ?
Ich finde, dass man mit so einer Titeländerung auch den Sinn einer Diskussion entstellen kann - was ist dann noch "OT" ?
Also sollte diese Möglichkeit bestenfalls den Admins vorbehalten bleiben.

Gruss Hartmut


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08.05.2013 15:48
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#233
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #232
Zitat von utkieker im Beitrag #229
Zitat von Barbara im Beitrag #220
Ich habe eine Bitte.

können wir das Thema nicht wieder so nennen wie es ursprünglich hieß?

"Rätesystem ff" ist doch nur ein Aspekt innerhalb des Themas, ich finde das so irreführend....

finde ich auch Barbara,

zu mal ich diesen Thread eröffnet habe. Gott sei Dank wurde der ursprüngliche Titel wieder eingesetzt. Ich frage mich nur wer verändert hier die Überschriften?

Gruß Hartmut!



Hallo Utkieker,

nicht die Falschen verdächtigen..... Bendix hat die Sache mit seinen Adminrechten wieder gerade gebogen.
Ich hab gerade mal etwas probiert:
Wenn man eine Antwort schreibt, kann man auch den Titel editieren. Und der nächste Schreiber "erbt" dann die Änderung. So geht das mit der Titel-Änderung.
Jetzt kann man unser Admin-Team fragen: bug or feature ?
äh.... ich meine: Ist das so beabsichtigt ? Oder ein Fehler in der Foren-Software ?
Ich finde, dass man mit so einer Titeländerung auch den Sinn einer Diskussion entstellen kann - was ist dann noch "OT" ?
Also sollte diese Möglichkeit bestenfalls den Admins vorbehalten bleiben.

Gruss Hartmut


In diesen Zusammenhang bedanke ich mich bei Bendix!

Gruß Hartmut!


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08.05.2013 17:09 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 17:22)
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #230
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #211
Zitat von DoreHolm im Beitrag #210


Mit der Zuführung zusätzlicher AK war es allerdings so eine Sache. Gute Leute waren, wie inzwischen heute auch wieder, sehr rar. Bei den "Zugeführten", also in die Schwerpunktbetriebe hinvermittelten Leuten, handelte es sich zumeist um schwer Vermittelbare aller Kategorien. Die waren dann nicht selten mehr eine Belastung für die Brigade als eine Hilfe, da faul, unzuverlässig oder mindere Qualität liefernd.




Hallo DoreHolm.

wer war in der DDR schwer vermittelbar und in welche Kategorien wurden sie eingeteilt?

LG von der grenzgaengerin



Rot: Das waren die, welche auch heute schwer vermittelbar sind. Die gab es damals genauso wie heute. Ob es Kategorien gab, weiß ich nicht.
Wir hatten einen, der pünktlich im Spätherbst die Scheibe eines Schnapsladens eingeschmissen hat, eine Pulle leergemacht und sich dann von der VP einsammeln lassen. Die Unterkunft bis zum nächsten Frühjahr war, da Wiederholungstäter, damit gesichert. Ein Anderer war ein Roma. Normerfüllung, natürlich bei der Inanspruchname aller Zusatzpausen, ca. 50%. Entlohnung erfolgte so, daß die fehlende Leistung mit dem Durchschnittslohn vergütet wurfde, also halbe Leistung und voller Lohn für 100% NE. Das waren nur ein paar Beispiele, die mir so spontan einfielen.


Hallo DoreHolm,

vielen Dank für Deine Antwort. Es gibt nicht sehr viele, die so offen schreiben. Bei der "Zuführung" und den "Kategorien" musste ich einfach nachfragen, weil ich das in dieser Deutlichkeit noch nie gelesen habe. Ich denke schon, dass es da Kategorien gab, denn die Bandbreite war groß. Aber diese Frage kann eher ein ehemaliger Kaderleiter beantworten. Ich habe auch deshalb gefragt, weil ich auch eine "Zugeführte" war, doch passe ich weder in die Kategorie "Alkohol" noch in die der "Leistungsverweigerer". Irgendwo habe ich schon mal geschrieben, dass es im Rückblick das beste war, was mir passieren konnte. Nach der rosigen Theorie in Schule und Hochschule Seite an Seite mit Berliner Produktionsarbeiterinnen ist eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Es war aber auch ein gnadenloser Absturz von der rosigen Theorie in die reale Praxis des Sozialismus in der DDR.

Ich habe dann bis zur Wende zuerst in einem Werkstattbüro und dann in der Lohnbuchhaltung des Kombinates gearbeitet. Und was ich dort erfahren habe widersprach dem offiziellen Sprachgebrauch. Daher verwundert mich bis heute, dass die Schattenseiten des sozialistischen (Arbeits) Alltages meist ausgeblendet werden. Wenn, dann sind es persönliche Bereicherungen auf allen Ebenen, die zur Sprache kommen. Es gab aber auch in der DDR Menschen, denen der Lohn gepfändet wurde. Ob sie nun mit dem Unterhalt im Verzug waren oder die Stromrechnung nicht bezahlt haben. Es gab auch nicht wenige alleinerziehende Mütter, die mit dem Geld nicht auskamen und regelmäßig nach einem Abschlag gefragt haben. Und die waren bestimmt keine Alkoholikerinnen. Ich könnte die Liste weiterführen.

An dieser Stelle möchte ich auch mit der Mär aufräumen, dass man in der DDR von der Lehre bis zur Rente in ein und demselben Betrieb "gut versorgt" war. Zumindest in Berlin war das anders. Nach der Wende habe ich u.a. als Personalleiterin gearbeitet. In dieser Zeit sind über meinen Schreibtisch unzählige Bewerbungen ehemaliger DDR - Bürger gegangen. Und es gab nicht wenige, die in ihrem 20 - jährigen Berufsleben bis zur Wende bis zu 8 mal den Betrieb gewechselt haben. Die Gründe mögen unterschiedlich gewesen sein. Im Gespräch habe ich bei besonders häufigem Wechsel auch mal nachgefragt. Die meist gegebenen Antworten waren der Verdienst, bei dem man sich verbessern konnte, gefolgt vom angespannten Arbeitsklima.

Jede Medaille hat zwei Seiten.

LG von der grenzgaengerin

EDIT (Arbeits)


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08.05.2013 19:51
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#235
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Seit meinem letzten Text hier habe ich nicht Alles gelesen, entschuldigt, habe es somit nur überflogen. Aber dazu, zum Schaffensprozess in dieser DDR mal ne ganz interessante...ne, es ist sogar eine lebenswichtige Frage. Und zwar egal, ob der Eine nun Ingenieur und der Andere halt nur Hilfsheizer war. Es ist völlig egal.

Aber eurer Lohn, euer Gehalt nach Ablauf des Monats, der, das kam doch immer pünktlich? Hörte ich da gerade ein einstimmiges Ja? Na, dann bin ichs zufrieden...ha haha...

Lebensläufer

Später dazu mal ne schöne Geschichte.


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08.05.2013 19:54
avatar  Lutze
#236
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #235
Seit meinem letzten Text hier habe ich nicht Alles gelesen, entschuldigt, habe es somit nur überflogen. Aber dazu, zum Schaffensprozess in dieser DDR mal ne ganz interessante...ne, es ist sogar eine lebenswichtige Frage. Und zwar egal, ob der Eine nun Ingenieur und der Andere halt nur Hilfsheizer war. Es ist völlig egal.

Aber eurer Lohn, euer Gehalt nach Ablauf des Monats, der, das kam doch immer pünktlich? Hörte ich da gerade ein einstimmiges Ja? Na, dann bin ichs zufrieden...ha haha...

Lebensläufer

Später dazu mal ne schöne Geschichte.

meinen Lohn habe ich früher,wie auch heute immer pünktlich bekommen
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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08.05.2013 20:00
#237
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #235
Seit meinem letzten Text hier habe ich nicht Alles gelesen, entschuldigt, habe es somit nur überflogen. Aber dazu, zum Schaffensprozess in dieser DDR mal ne ganz interessante...ne, es ist sogar eine lebenswichtige Frage. Und zwar egal, ob der Eine nun Ingenieur und der Andere halt nur Hilfsheizer war. Es ist völlig egal.

Aber eurer Lohn, euer Gehalt nach Ablauf des Monats, der, das kam doch immer pünktlich? Hörte ich da gerade ein einstimmiges Ja? Na, dann bin ichs zufrieden...ha haha...

Lebensläufer

Später dazu mal ne schöne Geschichte.


...bei mir kam der Lohn immer zu DDR-Zeiten und auch jetzt , immer pünktlich.
Auf was zielst Du ab?
Auf Deine Geschichte warte ich schon.

Gruß silberfuchs60

xxx


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08.05.2013 20:08
#238
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Zitat von Dandelion im Beitrag #228
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #226

Es muss ja keine Revolution sein. Aber warum hier und heute etwas gewaltig schief läuft, kann man doch wohl versuchen zu ergründen. Zumal es eine gute und anerkannte Anleitung gibt, die nicht nur von Sozialisten, Kommunisten oder Revolutionären studiert wird. Mir fällt jetzt nicht ein wie die anderen heißen

LG von der grenzgaengerin



Du meinst damit die Kapitalisten und ihre Büttel? Ich bin ziemlich sicher, dass zumindest einige von denen Marx kennen, denn:

"Du musst deinen Feind kennen, um ihn besiegen zu können."
Sunzi, chinesischer Philosoph und Stratege, ca. 500 vor Christus in der Zeit des Königreichs von Wau

Es scheint doch eine Art von "ewigen Wahrheiten" zu geben



Pink: Siehst Du, und deshalb habe ich/haben wir fleißig Westsender geguckt und gehört und jede Gelegenheit genutzt, um mal z.B. an den "Spiegel" zu kommen. Mal Spaß beiseite, in meiner politischen Arbeit als BPO-Sekretär habe ich liebend gern auf solche Quellen zurückgegriffen und dabei auch kein Hehl daraus gemacht, wie ich zu diesen Infos gekommen bin. Ich habe nicht an diesem Stuhl des BPO-Sekretärs geklebt und da hat auch niemand dran gesägt. Zu sagen "das wurde kürzlich vom ZDF gesendet" oder "ich hatte die Gelegenheit, mal eine jüngere Ausgabe des Spiegel zu lesen" u.s.w. wirkte überzeugender als sagen zu müssen "das hat im ND gestanden". Man mußte nur verstehen, etwas zwischen den Zeilen zu lesen.
Aus o.g. Grund (seine Feinde kennen) wurde nicht nur die Ökonomie des Sozialismus, sondern auch die Ökonomie des Kapitalismus unterrichtet und wer von seinem kleinen privaten Haushalt auch auf das Große schließen kann, der blickt auch in diesen hehren Sphären durch und erkennt, daß es zwischen diesen beiden Ökonomien praktisch keinen Unterschied gibt.


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08.05.2013 20:09
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#239
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Na na Silberfuchs und Lutze, wir wollen doch heute nichts verallgemeinern siehe auf Alles und Jeden(Ingenieur bis Hilfsheizer) übertragen mit der pünktlichen Lohnzahlung.

Lebensläufer


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08.05.2013 20:20
avatar  Lutze
#240
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #239
Na na Silberfuchs und Lutze, wir wollen doch heute nichts verallgemeinern siehe auf Alles und Jeden(Ingenieur bis Hilfsheizer) übertragen mit der pünktlichen Lohnzahlung.

Lebensläufer

hattest du schlechte Erfahrungen machen müssen,
bei Geld hört ja die Freundschaft auf
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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