Sozialismus ohne "Diktatur"

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07.05.2013 22:35 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:33)
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#211
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #210


Mit der Zuführung zusätzlicher AK war es allerdings so eine Sache. Gute Leute waren, wie inzwischen heute auch wieder, sehr rar. Bei den "Zugeführten", also in die Schwerpunktbetriebe hinvermittelten Leuten, handelte es sich zumeist um schwer Vermittelbare aller Kategorien. Die waren dann nicht selten mehr eine Belastung für die Brigade als eine Hilfe, da faul, unzuverlässig oder mindere Qualität liefernd.




Hallo DoreHolm.

wer war in der DDR schwer vermittelbar und in welche Kategorien wurden sie eingeteilt?

LG von der grenzgaengerin


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08.05.2013 00:15 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:34)
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Hartmut soweit gehe ich mit Dir konform. Nur Deine letzter Satz, den verwandele ich etwas: Der Kapitalismus existiert nicht mehr in der Form, der ausschlaggebend war fur den sogenannten Sieg ueber den Sozialismus. Allerfalls vegetiert Kapitalismus heute dahin, aufrechterhalten genau von dem was uns die marxistische Lehre sagt. Widersprueche aus Kapital und Arbeit.

Entscheidend sollten für die Überwindung des kapitalistischen Systems diese Widersprueche sein. Diese Verschiedenheit, insbesondere aber die Veraendung der Wirtschaftslage, das sind die Probleme heute im Kapitalismus. Die Verschuldung geht in astronomische Hoehen, waehrend Banken weiterhin schaufeln und das Proletariat in der sogenannten Demokratie haengt gerade noch an der untersten Leitersprosse.

Gerade diese Probleme waren nach der marxistischen Lehre Anhaltspunkte fur eine revolutionaere Veraenderung. Vom Kapitalismus zum Sozialismus/Kommunismus, und zu einer neuen Gesellschaft. ist es nie gekommen. Auch nicht in der UdSSR. Fuer mich kommt hinzu, das reale Leben in vergleichsweise diese beiden wirtschafts- und politischen Formen zeigt, dass der eine ohne den anderen scheinbar nicht auskommt. Die DDR lebte von Geschaeften mit der BRD auf verschiedenster Weise.
Wir muessen die schleichenden imperialistischen Wege betrachten, und auf der anderen Seite die Vorstellung von der Revolution ueber diesen, und umgekehrt, sehen. Ich habe nach wie vor meine Weltanschauung. Es scheint nicht nur, es ist so, dass wie in vielen Strukturen unseres Lebens einfach keine Fortschritte und schon gar nicht ein Umdenken vorhanden ist. Wenn sich etwas verbessern oder veraendern soll, so mussen neue Wege gesucht werden. Diese Weg sucht unauffaellig auch der dahin vegetierende Kapitalismus, und zwar in aller Unehrlichkeit, und dieser tut sich schwer dabei, auch nur ein Hauch vom Kommunismus anzunehmen.
Wie im Kapitalismus heute, vegetierte der Kommunismus in der DDR ebenfalls dahin, aller guten Vorsatze zum Nachteil. Marxismus ist ein Sammelbegriff für die Vielfalt theoretische Ansaetze aus die Lehren von Karl Marx und Friedrich Engels. Die Ansichten des russischen Marxisten und Revolutionaers Lenin wurden zusammengefasst unter Leninismus. Im Falle Lenins muss das Zeitgeschehen unter dem Zaren und das Leiden und Sterben der Bevoelkerung gesehen werden.
Ziel war eine klassenlose Gesellschaft. Die freie Entwicklung, insbesondere ein grosses Ziel fuer alle Menschen, wurde nicht eingehalten. Es wurde nicht mit dem Menschen gerechnet, der Mensch war innerhalb des DDR Systems im Gegenteil, naemlich einer streng bewachten Entwicklung unterlegen. Eine Sache, die zwangslaeufig zu dem fuehren musste, was sich lange vor dem Ende abspielte.

quote anfang: Der Marxismus-Leninismus war die offizielle Weltanschauung, gleichsam die Staatsdoktrin der früheren Sowjetunion und Parteiideologie der „Kommunistischen Partei der Sowjetunion" (KPdSU). Sie war damit zugleich verbindlich für alle am Marxismus sowjetischer Prägung orientierten sozialistischen Länder. Zusammengesetzt aus den Lehren von Marx und Engels, deren Weiterentwicklung durch Lenin, aber auch aus Beiträgen von Stalin und weiteren späteren Ergänzungen, nimmt der Marxismus-Leninismus für sich in Anspruch, ein logisch geschlossenes, wissenschaftliches System zu sein. Er stellt zugleich die theoretische Basis und Zielvorgabe für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft unter Führung der kommunistischen Partei, für den internationalen Klassenkampf des Proletariats und die revolutionäre Veränderung der Welt dar. Der marxistisch-leninistischen Betrachtungsweise zufolge verläuft die Geschichte nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, wonach der Sozialismus als „höhere", humanere und ökonomisch überlegene Gesellschaftsform letztendlich international den Kapitalismus revolutionär ablösen werde. Quote Ende

Wir sehen die unterschiedlichen Reaktionen hier zur DDR. Dem einen ging es gut, dem anderen nicht. Der eine war zufrieden, der andere weit davon entfernt. Ein breites Feld an Verschiedenheit in einer Gesellschaft, die weit entfernt war einer klassenlosen Gesellschaft. Hauptsache der Revolution war die Arbeiterklasse. Wo jemals in der DDR hat es gegeben das Diktat des Proletariats? Hier steht deutlich geschrieben von Arbeitern, die zum ‚A..... degradiert sind, Lebenslaeufer ist sehr deutlich, wenn ich es duerfte, wuerde ich noch deutlicher werden. So gehe ich konform mit #203. Aber auch in der DDR die Arbeiterklasse nur durch Worte ernst zu nehmen, war ein fataler Fehler im System, der der marxschen Theorie weit entfernt war, und der sich raechte. Hinzu kam eine Bevormundung, die auch nicht dem entsprach, was sich grosse Denker vorgestellt hatten. Ich gebe auch zu Bedenken, in welcher Zeit und in welchem Dilemma sich das Proletariat zur Zeit von Marx und Engels befand. Arbeitermassen wurden systematisch skurpellos ausgebeutet, nicht anders als heute, NUR, die Lebensformen der Menschen war eine weitaus schlechtere. Kinderarbeit, Sterblichkeit der Kinder, unglaube Zustaende in den Fabriken. Es war ein Emanzipationskampf, der sich nicht und schon gar nicht mit dem System in der DDR vergleichen liess.

In der DDR bestand keine klassenlose Gesellschaft, ebenso wenig wie in der UdSSR. Ich habe intellektuelle Freunde gehabt, in beiden Laendern, die wie ich es sah, in einer bestimmten ‚Kaste‘ lebten. Diese hatten Vorteile, diese brauchten nur zu zucken ein Ausweis, sie waren priviligiert. Ich wurde in die ‚kommunistische‘ Gesellschaft eingefuehrt und bin nicht darin aufgewachsen. Wenn man in eine Sache hineingeboren wird, so ist es Normalitaet. Ich war sofort empfaenglich fuer die Idee und glaubte an diese Form der Gesellschaft, weil ich den Westen kannte. Auch ich musste erkennen, dass es am Ende nicht langte, und schlimmer noch, dass alle guten Ansaetze mit Fuessen getreten wurden, von denen, die weit davon entfernt waren, diese grossen Ideen zu vollenden, und sich zudem nur personlich bereicherten. Sie arbeiteten, ganz klar, gegen das Ziel der humaneren Gesellschaftsform, wie von grossen Denkern entfacht.
Buergerliche Demokratie? was ist das schon wieder? Fuer mich nur ein abstracter Begriff wie Diktat des Proletariats.
Ich hoffe ich habe so viele Fehler nicht gemacht, ich habe keine Korrigierung heute Nacht. Und auch, dass verstanden wird, was ich meine.
Gruss, Larissa


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08.05.2013 00:49 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:34)
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#213
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Zur Nacht möchte ich nur an Ernst Busch erinnern. Es sind keine Schlaflieder...

https://www.youtube.com/watch?v=fKmrHqw1x...34F53D71C2A527A

https://www.youtube.com/watch?v=3VpjgPJabYI

LG von der grenzgaengerin


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08.05.2013 10:17 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:34)
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Hallo Grenzgängerin,

ich möchte noch mal auf Deinen Beitrag #200 zurückkommen.
Materiell hatte ich in der DDR nichts auszustehen, das stimmt. Auch die Bananen fehlten mir nicht - die kaufe ich auch heute relativ selten, weil sie einfach nicht mein Geschmack sind. Dass es genug Leute gab, die auch noch um das bisschen Geld damals bangen mussten, glaub ich dir unbesehen.
Ein Zurückfahren der Lebensmittelsubventionen hätte in jedem Fall mit einem Anheben der unteren Lohngruppen einher gehen müssen.
Was mich in der DDR unzufrieden machte, waren andere Probleme - Utkieker hat sie schon ein wenig angerissen.
Auch ich hatte mich für die Technik begeistert, war Ingenieur geworden, wollte was bewegen, um damit allen zu nützen.
Und stiess sehr oft an Grenzen bei der Umsetzung: Verfügbarkeit von irgendwelchen elektronischen Bauteilen, Materialien...
Und immer hiess es vorher "Ja, die Idee ist klasse, mach dir mal Gedanken drüber" blablabla. Und dann landete meine monatelange Arbeit in irgendeiner Schublade.
Oder, es passte eben einfach nicht in den "Plan" von Funktionären.
"Was der Parteitag nicht beschloss - wird auch nicht sein" - habe ich damals gelernt, als Erklärung.
Irgend wann wird man müde und lustlos und fragt sich "wozu habe ich eigentlich studiert ?".
Mit etwas mehr Gleichgültigkeit hätte ich das sicher noch lange ertragen.
Aus meinem letzten Arbeitsumfeld: Wir hatten bei Robotron einen DinA3/4-Rollenplotter entwickelt - die Muster wurden auf der Leipziger Messe im Frühjahr 1990 ausgestellt, ein Markt war absehbar, die Produktion sollte im Sommer 90 anlaufen.
Entscheidung der Betriebsleitung: Wir schicken das Entwicklerkollektiv von ca. 20 Ingenieuren erst mal in Kurzarbeit-Null-Stunden und warten......
Bis der Betrieb ca. 2 Jahre später geschleift wurde.

Jetzt wirst Du mich fragen: Und ? Hast Du es heute besser ?
Ich antworte: Wenn ich Ideen habe, die Nutzen für die Firma bringen können, muss ich sie begründen und vor kritischen Kollegen verteidigen. Und wenn sie dann immer noch bestehen - werden sie auch umgesetzt.

Gruss Hartmut


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08.05.2013 11:14 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:34)
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Warum wurde der Thread umbenannt? Das macht mich ganz durcheinander?


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08.05.2013 11:16 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:35)
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#216
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Lieber Hartmut,

entschuldige bitte, falls mein Beitrag oder auch andere von mir, bei Dir persönlich als Kritik an Deiner Person, angekommen sind. So vielfälltig wie Menschen sind, so vielfaälltig sind auch die persönlichen Geschichten der Menschen in der DDR. Und glaub mir, ich respektiere sie alle.

Was uns hier im Forum in unzähligen threads vereint, ist doch mehr oder weniger die Frage, warum es so gekommen ist wie es ist. Und es waren nicht die Jahre 1988/1989 die entscheidend waren. Es war eine lange Entwicklung. Nicht wenige haben den sozialistischen Gedanken von einer besseren, gerechten Gesellschaft 1989 (nicht) aufgegeben oder kommen nach der Erfahrung der letzten Jahre zu dem Schluß, vielleicht ist doch etwas an der Lehre von Marx dran.

In meinem ganz persönlichen Rückblick gab es nur eins, was berechtigt war zu sagen, die DDR war ein sozialistischen Land: das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln, mit denen eine Mehrwert erarbeitet werden sollte, aus dem letztendlich der Reichtum der Gesellschaft generiert werden sollte . Und im Umgang damit sind eben die Fehler passiert. Die einen haben sie gesehen, den anderen waren sie egal, widerum andere haben es vertuscht. Ganz viele haben ihre ganze Arbeitskraft eingesetzt. Deren Enttäuschung ist berechtigt und wirkt zum Teil bis heute.

Ich finde die Frage daher mehr als berechtigt: Geht es auch anders. Und wenn, welche Fehler waren so gravierend, dass das Sozialmusmodell DDR gescheitert ist. Und meine persönliche Meinung ist, dass die Lohnpolitik im Rahmen der Planwirtschaft ein nicht ganz unwesentlicher Faktor war. Nicht umsonst gab es in der frühen DDR den Aufstand vom 17. Juni, deren Auslöser die Normerhöhungen waren. Seit dem, so ist mein Eindruck, gab es ein großes Misstrauen der DDR - Führung gegenüber den arbeitenden Menschen. Dieses Misstrauen bestimmte meiner Meinung nach weitesgehend das Handeln der DDR - Führung, das sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche erstreckte.

Ich hoffe ich, habe ein wenig Sachlichkeit in die Diskussion gebracht. Mir fällt es manchmal auch schwer meine Emotionen im Zaum zu halten. Auch wenn man in Beiträgen von Erscheinungen liest, die man lange Zeit verdrängt hat und heute wieder einholen. Doch wenn man sich dem Thema stellt, dann ist das unausweichlich. Und das geht glaube jedem so.

LG von der grenzgaengerin

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08.05.2013 12:00 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:35)
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Liebe Grenzgängerin,

ich habe Deine Worte nicht als Kritik an meiner Person, meinem Handeln, aufgefasst.
Wir beide haben unterschiedliche Lebens- und Berufsumfelder der untergegangen DDR kennegelernt, analysieren hier gemeinsam die Gründe für das Scheitern dieses Staates und suchen vielleicht nach Ansätzen, wie man es bei einem nächsten Sozialismus-Experiment besser machen könnte. Noch gibt es Zeitzeugen des vorigen Versuchs, warum sollen künftge Generationen die Fehler wiederholen.
Ein erneutes sozialistisches Experiment mit vollmundigen Versprechungen ans werktätige Volk und einer Kaste von alles-besser-wissenden Parteifunktionären wird wieder im Desaster enden, da bin ich sicher. Und das Misstrauen seitens der Führung gegenüber dem Volk - das ist auch eine schlechte Basis, sehe ich auch so. Wo waren zum Schluss plötzlich die 99,8 % Stimmen für die SED, die sie immer bei den Wahlen hatte ?
Der Kapitalismus ist auch nicht die "perfekte Lösung" - so sehe ich das auch. Die Mängel treten oft zutage, ob alles durch Reformen, Einlenken, Kompromisse "reparierbar" sein wird - ich weiss es nicht.
Und ein bisschen bin ich inzwischen auch des Experimentierens müde geworden.......

Gruss Hartmut


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08.05.2013 12:26 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:35)
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#218
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Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #198
Die sozialistische Demokratie solte mittels eines Rätesystem's (Arbeiter- und Soldatenräte, Lebensmittel-(Hausfrauen)Ausschüsse, Komitees der Dorfarmut) die kollektive Diktatur des Proletariates (als umgedrehtes Modell der antiken Oligarchie) ergeben. Da nur die Werktätigen (Industrie- und Landarbeiter, Kleinbauern, Mannschafts- und Uffz-Dienstgrade der Armee), nicht jedoch die Besitzenden und Vertreter der alten Macht (Unternehmer, Großbauern, Offiziere) die politische Macht ausüben sollten, wäre damit die Klasse der Bourgosie politisch ausgeschaltet worden, ohne diese tatsächlich durch Enteigung zu zerschlagen.

Wieso schreibe ich "antiken Oligarchie" und nicht "antike Demokratie", wiees in den Geschichtsbüchern des Schulunterrichtes steht? Im alten Griechenland stand das aktive und passive Wahlrecht nur den über 30jährigen, einheimischen und freien Männern zu. Damit war die Mehrheit des Volkes (Frauen, junge Erwachsene unter 30 (bei einer geringeren Lebenserwartung als heute), Einwanderer und Sklaven) von der politischen Macht ausgeschlossen. Das ist keine Demokratie (Volksherrschaft), sondern eine Oligarchie (Gruppenherrschaft).



Ich bedanke mich sehr für diese Erläuterung!

Ist das zunächst (im ersten Absatz fett) so gewesen im Zuge der russischen Revolution?
Und wurde durch die Gründung der KPDSU unterbrochen, beendet? Hätte es da einen anderen Ansatz geben können? Mehrere Parteien mit unterschiedlichen Schwerpunkten? Die aber dennoch ein gemeinsamens Ziel haben? Also nicht konfrontativ sind?
Politische Entmachtung "der Bourgoisie" ohne Enteignung! Den Gedanken muss ich erst mal zu Ende denken.....


Zur "antiken Demokratie" möchte ich gerne sagen:
in der Antike wurden Männer (und es ging nur um Männer, Frauen wurden komplett bis zum Anfang des 20. Jhdt. von direkter poltischer Macht ausgeschlossen, mal von den Monarchinnen abgesehen) ich glaube bis zum 40. Lebensjahr noch als adoleszent angesehen. "Reife" und damit auch politische Reife unterstellte man erst ab dann.
Ich glaube, das müssen wir mitbedenken...


Ich finde aber, die Entwicklung und Voraussetzungen der Staatsform "Demokratie" seit der Entstehung der Idee, und ihre historischen Umsetzungen ist sehr wichtig auch in diesem Thema mitzubetrachten....


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08.05.2013 12:49 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:36)
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#219
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[quote=grenzgaengerin|p251711]


In meinem ganz persönlichen Rückblick gab es nur eins, was berechtigt war zu sagen, die DDR war ein sozialistischen Land: das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln, mit denen eine Mehrwert erarbeitet werden sollte, aus dem letztendlich der Reichtum der Gesellschaft generiert werden sollte . Und im Umgang damit sind eben die Fehler passiert. Die einen haben sie gesehen, den anderen waren sie egal, widerum andere haben es vertuscht. Ganz viele haben ihre ganze Arbeitskraft eingesetzt. Deren Enttäuschung ist berechtigt und wirkt zum Teil bis heute.

Ich finde die Frage daher mehr als berechtigt: Geht es auch anders. Und wenn, welche Fehler waren so gravierend, dass das Sozialmusmodell DDR gescheitert ist. Und meine persönliche Meinung ist, dass die Lohnpolitik im Rahmen der Planwirtschaft ein nicht ganz unwesentlicher Faktor war. Nicht umsonst gab es in der frühen DDR den Aufstand vom 17. Juni, deren Auslöser die Normerhöhungen waren. Seit dem, so ist mein Eindruck, gab es ein großes Misstrauen der DDR - Führung gegenüber den arbeitenden Menschen. Dieses Misstrauen bestimmte meiner Meinung nach weitesgehend das Handeln der DDR - Führung, das sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche erstreckte.

Ich hoffe ich, habe ein wenig Sachlichkeit in die Diskussion gebracht. Mir fällt es manchmal auch schwer meine Emotionen im Zaum zu halten. Auch wenn man in Beiträgen von Erscheinungen liest, die man lange Zeit verdrängt hat und heute wieder einholen. Doch wenn man sich dem Thema stellt, dann ist das unausweichlich. Und das geht glaube jedem so.

LG von der grenzgaengerin



Zu deinem letzten Absatz: ich finde das auch völlig in Ordnung und sehr verständlich angesichts des Themas.

Hier hat Grenzgängerin es doch sehr schön auf einen Punkt gebracht - das war das Ziel:

....die DDR war ein sozialistischen Land: das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln, mit denen eine Mehrwert erarbeitet werden sollte, aus dem letztendlich der Reichtum der Gesellschaft generiert werden sollte.


Meine Frage (für heute - nicht für damals): woran misst sich der Reichtum einer Gesellschaft? Welcher Grad an Wohlstand ist gemeint? Kann man das überhaupt definieren?

Kann man Wohlstand "national" abgrenzen?
-------------------------------------------------


Ich entnehme euren Beiträgen folgendes - und zwar nur im Hinbick auf heute (denn an der DDR können wir nichts mehr ändern):

Demotivierung durch Unsinnigkeiten - gibt es auch heute im Arbeitsleben (meine eigene Erfahrung) - muss geändert werden:
der "Fach"-Mann muss gehört werden, ihm muss Handlungs- und Entscheidungskomeptenz zugestanden werden.

"Wertschätzung" in der Arbeit die sowohl materiell als auch ideel erfolgen muss.
"Unternehmens"-Ziele müssen transparent kommuniziert werden und hinterfragbar sein.

Klärung und Hinterfragung von "Hierarchie".

Immer da wo nicht hinterfragt werden darf gerät man in eine Sackgasse - meine Meinung!


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08.05.2013 13:00 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:36)
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#220
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Ich habe eine Bitte.

können wir das Thema nicht wieder so nennen wie es ursprünglich hieß?

"Rätesystem ff" ist doch nur ein Aspekt innerhalb des Themas, ich finde das so irreführend....


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08.05.2013 13:10 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:36)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #216
Und wenn, welche Fehler waren so gravierend, dass das Sozialmusmodell DDR gescheitert ist. Und meine persönliche Meinung ist, dass die Lohnpolitik im Rahmen der Planwirtschaft ein nicht ganz unwesentlicher Faktor war. Nicht umsonst gab es in der frühen DDR den Aufstand vom 17. Juni, deren Auslöser die Normerhöhungen waren.

LG von der grenzgaengerin


Dieser Aussage kann ich nur zustimmen - es wurde in gravierender Weise das Leistungsprinzip verletzt. Das Leistungsprinzip -"Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten" war nur noch Losung und eine blutleere Phrase. So kann man den wirtschaftlichen Wettstreit nicht für sich entscheiden.
Ich habe mir oftmals die Frage gestellt, wozu die WAO (Wissenschaftliche Arbeitsorganisation) noch da ist. Ein Beispiel für zahlreiche andere - auf einer Werft der DDR werden im Rahmen einer Schiffbauwiederholungsserie in der Sektionsvorfertigung seitens der WAO Zeitaufnahmen gemacht, um die Normzeiten zu aktualisieren und zu präzisieren. Die Ergebnisse wurden mit den betreffenden Schiffbauer - und Schweißergewerken durchgesprochen und besprochen. Es gab von deren Seite breite Zustimmung auch zu der Konsequenz, dass die neuen Normen straffer sein werden.
Es kam der Tag X, am dem die neuen Normen die Grundlage für eine leistungsgerechte Entlohnung bilden sollten. Was kam war die Arbeitsverweigerung in den betreffenden Gewerken und letztendlich die Rückkehr zu den alten, schon rein technisch überholten Normen.

So nun muß ich meine Emotionen runterfahren.

Vierkrug


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08.05.2013 13:17 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:36)
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Zitat von Barbara im Beitrag #219


Hier hat Grenzgängerin es doch sehr schön auf einen Punkt gebracht - das war das Ziel:

....die DDR war ein sozialistischen Land: das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln, mit denen eine Mehrwert erarbeitet werden sollte, aus dem letztendlich der Reichtum der Gesellschaft generiert werden sollte.


Meine Frage (für heute - nicht für damals): woran misst sich der Reichtum einer Gesellschaft? Welcher Grad an Wohlstand ist gemeint? Kann man das überhaupt definieren?




Liebe Barbara,

kaum zitiert man sinngemäß Marx, schon nagelst Du mich fest . Als gute, auch wenn nicht anerkannte DDR - Bürgerin , habe ich Marx verschlungen - nicht als Pflichlektüre. Und einiges ist von der Theorie hängengeblieben. Die zwingst mich regelrecht ihn aus dem Bücherregal zu holen.

Deine Frage nach dem Reichtum der Gesellschaft ist doch die aktuellste in der heutigen Zeit. Daher schlage ich vor einen thread aufzumachen, in dem man sich kritisch mit der heutigen Gesellschaft auseinander setzt.

LG von der grenzgaengerin


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08.05.2013 13:29 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:49)
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#223
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Zitat von Barbara im Beitrag #219
[quote=grenzgaengerin|p251711]


In meinem ganz persönlichen Rückblick gab es nur eins, was berechtigt war zu sagen, die DDR war ein sozialistischen Land: das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln, mit denen eine Mehrwert erarbeitet werden sollte, aus dem letztendlich der Reichtum der Gesellschaft generiert werden sollte . Und im Umgang damit sind eben die Fehler passiert. Die einen haben sie gesehen, den anderen waren sie egal, widerum andere haben es vertuscht. Ganz viele haben ihre ganze Arbeitskraft eingesetzt. Deren Enttäuschung ist berechtigt und wirkt zum Teil bis heute.

Ich finde die Frage daher mehr als berechtigt: Geht es auch anders. Und wenn, welche Fehler waren so gravierend, dass das Sozialmusmodell DDR gescheitert ist. Und meine persönliche Meinung ist, dass die Lohnpolitik im Rahmen der Planwirtschaft ein nicht ganz unwesentlicher Faktor war. Nicht umsonst gab es in der frühen DDR den Aufstand vom 17. Juni, deren Auslöser die Normerhöhungen waren. Seit dem, so ist mein Eindruck, gab es ein großes Misstrauen der DDR - Führung gegenüber den arbeitenden Menschen. Dieses Misstrauen bestimmte meiner Meinung nach weitesgehend das Handeln der DDR - Führung, das sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche erstreckte.

Ich hoffe ich, habe ein wenig Sachlichkeit in die Diskussion gebracht. Mir fällt es manchmal auch schwer meine Emotionen im Zaum zu halten. Auch wenn man in Beiträgen von Erscheinungen liest, die man lange Zeit verdrängt hat und heute wieder einholen. Doch wenn man sich dem Thema stellt, dann ist das unausweichlich. Und das geht glaube jedem so.

LG von der grenzgaengerin



Zu deinem letzten Absatz: ich finde das auch völlig in Ordnung und sehr verständlich angesichts des Themas.

Hier hat Grenzgängerin es doch sehr schön auf einen Punkt gebracht - das war das Ziel:

....die DDR war ein sozialistischen Land: das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln, mit denen eine Mehrwert erarbeitet werden sollte, aus dem letztendlich der Reichtum der Gesellschaft generiert werden sollte.


Meine Frage (für heute - nicht für damals): woran misst sich der Reichtum einer Gesellschaft? Welcher Grad an Wohlstand ist gemeint? Kann man das überhaupt definieren?

Kann man Wohlstand "national" abgrenzen?-------------------------------------------------


Ich entnehme euren Beiträgen folgendes - und zwar nur im Hinbick auf heute (denn an der DDR können wir nichts mehr ändern):

Demotivierung durch Unsinnigkeiten - gibt es auch heute im Arbeitsleben (meine eigene Erfahrung) - muss geändert werden:
der "Fach"-Mann muss gehört werden, ihm muss Handlungs- und Entscheidungskomeptenz zugestanden werden.

"Wertschätzung" in der Arbeit die sowohl materiell als auch ideel erfolgen muss.
"Unternehmens"-Ziele müssen transparent kommuniziert werden und hinterfragbar sein.

Klärung und Hinterfragung von "Hierarchie".

Immer da wo nicht hinterfragt werden darf gerät man in eine Sackgasse - meine Meinung!



Danke für die interessante Zusammenfassung, liebe Barbara.
rot
Das gilt nun für alle Gesellschaften - nicht nur für den Sozialismus.... ?
Ich hoffe, dass Deine Gedanken bei jenen Gehör finden, die einen neuen Sozialismus auf dem Reissbrett haben.

grün:
eigentlich nur, wenn sich das Land von den Nachbarn ausreichend abgrenzt.... In unserem Europa heute nahezu undenkbar - das schafft nicht mal mehr die Schweiz.
Für die anderen Kontinente dieser Welt wage ich da kein Urteil. Wenn die geografischen Grenzen schwer überwindbar sind, lässt sich vielleicht eine Abgrenzung gegen die "armen Nachbarn" erreichen.

Herzlichen Gruss von Hartmut


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08.05.2013 13:39 (zuletzt bearbeitet: 08.05.2013 13:40)
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #221
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #216
Und wenn, welche Fehler waren so gravierend, dass das Sozialmusmodell DDR gescheitert ist. Und meine persönliche Meinung ist, dass die Lohnpolitik im Rahmen der Planwirtschaft ein nicht ganz unwesentlicher Faktor war. Nicht umsonst gab es in der frühen DDR den Aufstand vom 17. Juni, deren Auslöser die Normerhöhungen waren.

LG von der grenzgaengerin


Dieser Aussage kann ich nur zustimmen - es wurde in gravierender Weise das Leistungsprinzip verletzt. Das Leistungsprinzip -"Jeden nach seinen Leistungen, jeden nach seinen Fähigkeiten" war nur noch Losung und eine blutleere Phrase. So kann man den wirtschaftlichen Wettstreit nicht für sich entscheiden.
Ich habe mir oftmals die Frage gestellt, wozu die WAO (Wissenschaftliche Arbeitsorganisation) noch da ist. Ein Beispiel für zahlreiche andere - auf einer Werft der DDR werden im Rahmen einer Schiffbauwiederholungsserie in der Sektionsvorfertigung seitens der WAO Zeitaufnahmen gemacht, um die Normzeiten zu aktualisieren und zu präzisieren. Die Ergebnisse wurden mit den betreffenden Schiffbauer - und Schweißergewerken durchgesprochen und besprochen. Es gab von deren Seite breite Zustimmung auch zu der Konsequenz, dass die neuen Normen straffer sein werden.
Es kam der Tag X, am dem die neuen Normen die Grundlage für eine leistungsgerechte Entlohnung bilden sollten. Was kam war die Arbeitsverweigerung in den betreffenden Gewerken und letztendlich die Rückkehr zu den alten, schon rein technisch überholten Normen.

So nun muß ich meine Emotionen runterfahren.

Vierkrug





Noch ein Beispiel - der Blutdruck ist wieder etwas heruntergefahren.

Das Werkzeugkombinat Schmalkalden hatte immer Probleme, seine Planvorgaben zu erfüllen. Man machte aus der Not eine Tugend und warb Studenten der Ingenieurschule für Maschinenbau für entsprechende Aufholschichten an den Samstagen und Sonntagen. Wir, die "Norddeutschen" nahmen dieses Angebot an, da neben guter Entlohnung auch Vollverpflegung angesagt war (wir konnten ja nicht jedes WE, wie die Thüringer nach Hause fahren).
Was wir an Normvorgaben dann vorfanden, war für uns unfassbar. Es war ein Leichtes auf Normerfüllungen von 110 % und mehr zu kommen. Aber uns stachelte auch die Gier etwas an, in der zur Verfügung stehenden Zeit auch viel zu verdienen. Das bedeutete die Produktivität herauffahren. So setzten wir uns zusammen hin und berechneten die optimalen Drehzahlen, Vorschübe, Schnitttiefen und Schnittgeschwindigkeiten für die Dreh- und Fräsmaschinen. Der uns betreuende Technologe schaute dann etwas betreten und ungläubig, als wir ihm dann die Normerfüllung präsentierten - wir lagen im Bereich von 130 - 140 Prozent - und das ohne großem Aufwand. Ein Nachteil, die Standzeiten der Drehmeißel und der Fräsköpfe verinngerten sich, aber auch nur minimal.
Quintessenz des Ganzen - die Beschäftigten dieses Betriebsteiles setzten bei der Produktionsleitung durch, dass am WE keine Studenten mehr eingesetzt werden. Aber die eigene Produktivität erhöhte sich bei ihnen nur geringfügig, wie wiir dann späteren Praktika festtellten.

Vierkrug


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08.05.2013 13:47
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#225
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Zitat von Barbara im Beitrag #220
Ich habe eine Bitte.

können wir das Thema nicht wieder so nennen wie es ursprünglich hieß?

"Rätesystem ff" ist doch nur ein Aspekt innerhalb des Themas, ich finde das so irreführend....


Habe den Ursprungszustand wieder hergestellt.

Für die Zukunft bitte ich darum die Überschriften nicht zu verändern!

Gruß bendix


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