Vom Paulus zum Saulus

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30.11.2012 11:10
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#76
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94

Zitat von 80er im Beitrag #74
Auf Deine Fluchtbeschreibung bin ich schon sehr gespannt.

Nu und auf Deine erst.

P.S. Hast echt beim Zumpe TM hören dürfen?

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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30.11.2012 13:54
#77
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Zitat von 80er im Beitrag #74
Zitat von kassberg im Beitrag #73
Lass mich raten, wie es weitergeht: ....

Schön, dass sich jemand gefunden hat, der für mich weiterschreibt!
Auf Deine Fluchtbeschreibung bin ich schon sehr gespannt.


@80er
Wenn Du keine Zeit hast ,dann schreib doch : "hab den Tisch voll Arbeit ,in drei Wochen gehts weiter" . Man hat dafür Verständnis.

Für mich bestand kein Grund , mich mit Flucht zu befassen (Gnade der späten Geburt). Nachdem ich mir einen Teil der Ereignisse im Dresdner Hauptbahnhof angeschaut habe, bin ich Wochen später legal über die Grenze gelaufen.

@94
Vermute mal, dass @80er beim Meister Zumpe gehört hat.
Ich selbst hatte das Vergnügen, zusammen mit vielen schönen , jungen Damen.


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30.11.2012 16:52
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#78
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Zitat von kassberg im Beitrag #77

Wenn Du keine Zeit hast ,dann schreib doch : "hab den Tisch voll Arbeit ,in drei Wochen gehts weiter" . Man hat dafür Verständnis.


Wenn ich in 3 Wochen hätte weiterschreiben wollen, hätte ich es auch mitgeteilt. Die Forenregeln verlangen nicht, den eigenen Faden täglich zu bedienen.
Zitat von 94 im Beitrag #76

P.S. Hast echt beim Zumpe TM hören dürfen?

Zitat von kassberg im Beitrag #77

@94
Vermute mal, dass @80er beim Meister Zumpe gehört hat.

Da muss mir was entgangen sein, aber eigentlich haben wir vorrangig die MaLenismus Vorlesungen geschwänzt.
Hättet Ihr richtig gelesen, so wäre Euch aufgefallen, dass es im Beitrag nicht um die Studienrichtung Bauingenieurwesen geht,
sondern um ARCHITEKTUR mit eigenen Koryphäen!
Soviel Dünkel muss sein.


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01.12.2012 10:28 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2012 10:32)
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#79
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Die Immatrikulation an der TU Dresden erfolgte im September 1975. Es war eine völlig neue Welt, in die Benno eintauchte. Vom Dorf in die Grossstadt, vom liberalen Westen der DDR in das „Tal der Ahnungslosen“ im Osten der Republik. Vielleicht lag es daran, dass die Medienvielfalt, wie sie im Westen des Ostens und in Berlin gegeben war, dort nicht möglich gewesen ist, oder dass der Menschenschlag – wie ihm nachgesagt wurde – immer schön die Fahne in den herrschenden Wind gehalten hat (besonders Braun während der NS Zeit, besonders Rot zur Zeit der Proletarischen Diktatur und schwarz seit der friedlichen Revolution)?

In der POS wurde Benno einmal gefragt, ob er der DSF beitreten wollte. Als er dies verneinte, wurde er nie wieder danach gefragt. Die Lehrer waren agitatorisch wenig aktiv, sieht man von Geschichts- und Stabü-Lehrer einmal ab.

An der Uni war das alles anders. In Bennos Seminargruppe agierte eine besonders aktive Parteigruppe. Bis auf wenige Ausnahmen weibliche Parteigenossen mit erstaunlich gefestigtem Weltbild, welches sie sich mit ihren jungen 18 Jahren aus ihren langjährigen Erfahrungen in der Schule angeeignet haben müssen -ein nicht geringer Anteil Vererbung muss auch eine Rolle gespielt haben - da sie direkt von der Penne mit viel Vitamine in die Uni gestolpert waren, naturgemäss nicht gedient und auch keine Berufsausbildung hatten.
Naive Hühner eben, die ihre politische Daseinsberechtigung mit Agitation und Propaganda verdienten. Noch angespornt durch Bennos junge Parteigenossin Seminargruppenleiterin.

Der Studienbetrieb lief noch keine 4 Wochen, da meldete sich die Front. Ja, die Kartoffelfront im Landkreis schrie förmlich nach unendgeldlicher Hilfe. Sektionsübergreifend ging es 1 Woche an die Kartoffelfront!
Wo war Benno hingeraten? Zum Studium? In die landwirtschaftliche Produktion? Wohl etwas von Bbeidem. Ausscheren galt nicht!
Nicht dass ihm Kartoffellesen fremd gewesen wäre. Als Nachkomme von Arbeiter und Bauern vom Land hatte er oft in den Herbstferien bei der LPG für 10 bis 15 Pfennige pro Korb Kartoffeln aufgesammelt, aber freiwillig und gegen Kohle! Doch das hier?

Benno konnte sich gerade noch einen Trecker organisieren – jetzt machte sich die Kraftfahrerausbildung im GAR bezahlt - um die vollen Hänger vom Acker abzufahren. Glück im Unglück!
Während einer seiner Fahrten kam er wieder einmal mit leerem Hänger auf den Acker zurück, als er 2 Kommilitonen, Söhne der „Intelligenz“ wie sich herausstellte, in der Furche sitzend und H. Hesse vorlesend, antraf. Na prima, das passt ja. Die aussterbende Klasse liest bürgerlich dekadente Literatur, anstatt mit Einsicht in die Notwendigkeit die Klasse der Bauern zu unterstützen. Ein Bild, das Benno nicht mehr vergessen konnte. Dass war eine Protestform, die ihm gefallen würde, aber er musste ja die vollen Anhänger weg bringen.

Er erinnert sich, dass ihm hier erste Zweifel gekommen sind, ob die vor einem guten halben Jahr bei den GT getroffene Entscheidung für das Studium, richtig gewesen ist.

Damit beim Leser kein falscher Eindruck entsteht, das Studium war inhaltlich richtig gut, nur die heisse Luft, die nebenbei ständig produziert wurde. Nein, danke.
Vieles davon erinnerte an den Witz, wo auf die Frage des Senders „Eriwan“, ob es stimme, „dass der Sozialismus mit Volldampf in den Kommunismus fahre“, geantwortet wurde: „Im Prinzip ja, nur dass 99% des Dampfes zum Tuten benutzt wird!“

„Die Seminargruppe trifft sich geschlossen zur Kommunalwahl am Sonntag morgen um …“
„Die Seminargruppe nimmt geschlossen im Blauhemd an der 1. Maidemonstration teil und trifft sich …“
„Die Seminargruppe trifft sich am Montag, den …, um …, zur Seminargruppen Versammlung “
„Die Seminargruppe nimmt am Samstag am Subbotnik teil“ usw.

KiTa für Erwachsene? Wer fehlt, hat wieder einen Minuspunkt mehr auf der roten Kladde.
War das der Preis für die Ehre, einen Studienplatz belegen zu dürfen?


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03.12.2012 10:19
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#80
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Die Krönung dieser Gängelei war das 5 wöchige Militärlager nach dem Grundstudium. Obligatorisch für alle Studenten. Frauen getrennt von Männern. Selbst ein ungedienter, weil ausgemusterter Student aus Bennos Seminargruppe hatte daran teilzunehmen.

Es war wie bei der Armee. Gefechtsausbildung in Mot-Schützen Manier in Felddienst. Schiessen, ABC Schutzausbildung, Ausbildung im Gelände, Gefechtssimulation, Rotlicht (Polit Unterricht) – das ganze Programm eben mit echten Reserve Offzen. und Uffzen. im Tatendrang Modus.

Um ein Haar hätte Benno hier richtig Probleme bekommen. Er schlidderte ganz scharf an der Exmatrikulation vorbei und das kam so:

Die 2-3 km zum Ausbildungsgelände, eine verstrahlte, gigantische Abraumhalte der Wismut, wurden täglich mit voller Ausrüstung hin und zurück marschiert! Nach wenigen Tagen gab´s die ersten Fusskranken, weil das natürlich nicht alle durchhielten. Benno war natürlich dabei.
Da sie aber durch einen Arzt als solche ausgewiesen wurden, hatte alles seine Richtigkeit. Simulanten wurden grosszügig aussortiert.

Da es keine Fahrzeuge gab, mussten diese Versehrten nach 2 Tagen ohne Ausrüstung erneut in Formation zur Ausbildung in das Gelände laufen.
Das Unglück kam auf die kleine Truppe von etwa 15 Mann in form einer 3 köpfigen Offz. Gruppe auf sie zu.
Der Uffz. grölte in vorauseilendem Gehorsam noch „Achtung“, aber es war schon zu spät. Der Ranghöchste, ein Major, liess anhalten.

Was ist das für eine Truppe, Genosse Uffz.
Das sind die Fusskranken der Versehrtengruppe aus dem Lazarett, Genosse Major.

Der Major lief die Truppe ab, wobei er jeden zweiten Studenten mit seinen Weisheiten über die Anzugsordnung übergoss.

Was haben Sie, Genosse Soldat!
Blasen am rechten Fuss, Genosse Major.
Was fehlt Ihnen, Genosse Soldat!
Blasen am linken Fuss, Genosse Major.
Und was haben Sie, fragte der Major, als er auf Bennos Höhe angekommen war.
In Benno kochte das Blut und sehr betont gab er zur Antwort:
Blasen an beiden Füssen, Genosse Major.
Aber rasieren hätten Sie sich doch wohl können? schrie er Benno an.
Überbetont schoss es aus Benno heraus:
Jawollll, Geeenosseee Majorrr!

Dabei schaute Benno direkt an dem Major vorbei, während sich die Truppe das Lachen ve-kneifen musste. Benno wollte einfach dieses ganze neuerliche Krieg spielen nicht mitmachen, weil er ja eigentlich zum Studieren gekommen war. Er fühlte sich nicht als Gefreiter der Reserve, im Gegensatz zu diesem Major, der sehnsüchtig darauf gewartet zu haben schien, sein Lametta heraus graben zu dürfen, um Kraft seiner „Wassersuppe“ Untergebene zu demütigen.
Folglich muss er so perplex gewesen sein, dass er rot anlief und das Blut die Halsschlagadern aufwölbte. Es passte einfach nicht in sein Weltbild, dass er von einem Rangniederen nicht ernst genommen wurde. Nun war er natürlich seinen Adjutanten gegenüber in der Pflicht. Nach kurzem Luft holen schrie er Benno an:
Sie werden sich dann und dann, da und da, in dem und dem Zelt melden!
Genosse Uffz., lassen Sie weitermachen!

Oh je, das war´s, dachte Benno, die Exmat-Keule schwebt. Im ZELT wurde er nach seiner Ent-schuldigung verwarnt und ihm mitgeteilt, dass man doch einen sehr langen Arm hätte und er sollte sein Verhalten zukünftig überdenken und überlegen, ob er sein Studium zu Ende führen möchte. Wow, noch mal gut gegangen!


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03.12.2012 10:54 (zuletzt bearbeitet: 03.12.2012 11:14)
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#81
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94

Definitiv falsche Antwort, die Dein Benno da dem Raupenschlepper als Ex-Kantenlatscher gegeben hat. Deutlich besser funktioniert hätte 'Wie denn, mit Blasen an den Füßen?' Und das natürlich mit einem treudoffdümmlichen Schwejk-Gesicht. Da hätteste dann mal die richtige Stabsoffiziers-Schnappatmung live erleben dürfen *breites_grins*

Aber der Ernteeinsatz der Erstsemester war doch eigentlich eine 'schöne' Erfindung. Ein Großteil der männlichen Studenten kam sowie erst im November, nach Ableistung ihres dreijährigen Ehrendienstes zum Studieren. So waren in den ersten zwei Monate die Nichtdreiender doch die Hähne im Korb.
Unentgeldlich wurde diese 'sozialistische Hilfe' mWn NICHT geleistet, auch wenn in Kartoffeln nicht ganz so die große Kohle zu machen war. Äpfel waren da deutlich lukrativer, besonders wenn man den Kontrolletti der genossenschaftlichen Obstbauern im Griff hatte.
So wurde das Füllen einer 300kg-Kiste mit der Sorte Gelber Köstlicher (Insider sprachen vom 'Grünen Gräßlichen') in der Qualitätsstufe 1A (keine Druckstellen, Stiel an der Frucht usw.) 25 Mark. Dafür brauchte ein Viererteam (3 Pflücker, 1 Läufer) so eine halbe Stunde. Bei 10 Stunden waren so pro Nase 125 Märker drin, regulär. Nicht gerade üppig, zumal es in Dresden einige Restaurationen gab ..., na egal.
Wie ließ sich nun dieses Salär fast verdreifachen? Ganz einfach: Zuerstmal eine größere Truppe als wie die von den Obstbauern aufgestellten Viererteams bilden, optimal war 8 ... 12 Leut, also 2 oder 3 Teams schloßen sich zusammen. Ein Team pflückte nach wie vor 1A+++-Qualität, am Besten noch mit einem Blättchem am Stiele, so richtige Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfel. Die beiden anderen Trupps machten Masse, auch und besonders mit Fallobst. Damit wurden 2/3 der Kiste gefüllt bevor die Deckschicht mit Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfeln abgeschlossen wurde. Nach dieser Methode kam JEDER auf bis zu 400 Märker pro Erntetag.
Natürlich blieben den Obstbauern diese Methoden nicht verborgen und so konnte die jungen, aber schon vollbusigen (wie schreib mein Vorredner so schön, ahja) Naiven Hühner dann die schon etwas älteren Offiziellen bezirzen. Im rechten Momente natürlich, als 200 Kilo Fallobst innerhalb von 3 bis 5 Minuten in die Kiste geschüttet die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges sicherten *breites_wissendes_grins*

Aber auch die Kartoffeln eigneten sich für einige interessante 'Experimente'. So bemerkte Eines dieser Naiven Hühner erst beim zwölftem (in Worten: 12) Male, daß es den selben Stein bereits schon elfmal vorher vom Band des E675 sortiert hatte.

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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03.12.2012 12:44
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#82
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Zitat von 94 im Beitrag #81
Definitiv falsche Antwort, die Dein Benno da dem Raupenschlepper als Ex-Kantenlatscher gegeben hat. Deutlich besser funktioniert hätte 'Wie denn, mit Blasen an den Füßen?' Und das natürlich mit einem treudoffdümmlichen Schwejk-Gesicht. Da hätteste dann mal die richtige Stabsoffiziers-Schnappatmung live erleben dürfen *breites_grins*

Ja, mit dieser Antwort wäre die Exmat in greifbarere Nähe gerückt, hätte aber den Mitversehrten deutlich besser gefallen.

Zitat von 94 im Beitrag #81
So waren in den ersten zwei Monate die Nichtdreiender doch die Hähne im Korb.

Naja, nicht wirklich relevant. In meiner SG kam im November gerade mal 1 Spätbegnadeter. Rechnen wir grosszüge 2 pro SG, dann sind das bei 4 SGn 8 Benachteiligte bzg. der weiblichen Präsenz. Bei 60 % männlichen Studenten von insgesamt etwa 80 des Jahrgangs, macht das wirre (wenn ich richtig rechne) gerade mal 4 % - also keine Konkurrenz!

Zitat von 94 im Beitrag #81
Wie ließ sich nun dieses Salär fast verdreifachen? Ganz einfach: Zuerstmal eine größere Truppe als wie die von den Obstbauern aufgestellten Viererteams bilden, optimal war 8 ... 12 Leut, also 2 oder 3 Teams schloßen sich zusammen. Ein Team pflückte nach wie vor 1A+++-Qualität, am Besten noch mit einem Blättchem am Stiele, so richtige Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfel. Die beiden anderen Trupps machten Masse, auch und besonders mit Fallobst. Damit wurden 2/3 der Kiste gefüllt bevor die Deckschicht mit Bilderbuch-Schneewittchen-Äpfeln abgeschlossen wurde. Nach dieser Methode kam JEDER auf bis zu 400 Märker pro Erntetag.

Da müssen wir uns ja nicht wundern, weshalb aus dem sozialistischen Experiment nichts geworden ist ...


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03.12.2012 13:15 (zuletzt bearbeitet: 03.12.2012 13:18)
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94

Zitat von 80er im Beitrag #82
Da müssen wir uns ja nicht wundern, weshalb aus dem sozialistischen Experiment nichts geworden ist ...
Na immer noch besser wie lesend in der Ackerfurche Hesse frierend (oder umgedreht *lach*)

Und mit dem Rest-Major hätte Einige Deiner Dienstgradgruppe noch eine Menge Spazzz gehabt, aber muß halt ein Jeder selbst wissen wie weit er sein Licht untern Scheffel stellt. Zum Beispiel so, der Raupenschlepper hatte doch KEINE Ahnung, was wirklich an der Grenze abging. Damit hätte man dann in einem Gespräch unter vier Augen (und das ist ein Gespräch unter vier Augen, also ohne Zeugen) den Chorleriker bis zur Weißglut bringen können. Bis er (endlich) die Normen des sozialistischen Anstands deutlich überschreitet.
An dieser Stelle sofort auf sachlich 'umschalten' und auf einer Weiterbearbeitung/Beschwerde bei SEINEM Vorgesetzen bestehen!
Also ALLES mußte man sich als Gefreitenreservist nun wirklich nicht bieten lassen ...
Ein Schwejk war ja nun nicht NUR dümmlichtreudoff, odär?

P.S. Natürlich wäre der Schwejk-Gefreite frischestens rasiert zu dem Stelldichein mit dem Stabsreserve-Offizier erschienen *wink*

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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03.12.2012 14:42
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94 lass gut sein ! Du und ich und noch n paar Andere hätten dem Raupenschlepper erst mal n richtige Grenzpistole erzählt ( so wie weiland unserm VPKA Leiter -seines Zeichens OSL und Volkspolizist der ersten Stunde ) aber Bennos naive Art , sein Verständnis von Fairness haben ihn doch daran gehindert.


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04.12.2012 13:37
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Hallo hier, was entdecke ich, ein Autor und Schreiberling (so werde ich auch genannt) Habe selbst sehr viel um die Ohren zur Zeit aber entdeckte den Paulus zum Saulus Thread heute Morgen nach einem Tip. Habe noch nicht alles durchgelesen, aber werde das tun.
Finde ich ganz toll 80er, dass Du frei von der Leber schreibst. Nicht viele haben den Mut, über sich oder über bestimmte Wege zu schreiben. Diese Geschichten von Zeitzeugen sind so wichtig. Wenn nicht erzählt sind diese schnell verloren. Diese sind viel wichtiger als sogenannte politisch hochranginge Stories, die vom tatsächlichen Leben damals ablenken. Schreib weiter 80er!
Danke, Larissa


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04.12.2012 13:43
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#86
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Wie könnte es anders sein, tauchte auch erneut die Frage nach der Mitgliedschaft in der DSF auf.
Für die Genossinnen der SG waren immer 100 % Mitgliedschaft das Ziel. Andauernd war das
Thema Tagesordnungspunkt der SG-Versammlungen. Ruhe hatten erst der/die, die den Antrag unterschrieben hatten,
aber das waren ohnehin nur noch wenige.
Benno unterschrieb nicht, schon aus Prinzip nicht, nur weil jemand einen Plan zu erfüllen hatte? Nein, nein, nein, und Schluss!

Es gab noch eine weitere nervtötende Gängelei, die sich bis in die Verbalbeurteilung der Diplomurkunde auswirkte.
Die Seminargruppenleiterin schrieb dort tatsächlich:
“Benno XY war bis zuletzt nicht bereit, die Verpflichtungserklärung zum Reserveoffizier zu unterschreiben.
Wir wünschen ihm, dass er mit Hilfe seines zukünftigen sozialistischen Kollektivs seinen Klassenstandpunkt festigen kann“.

Ein Leser aus den gebrauchten Bundesländern wird sich hier zu recht sagen: „Denen ihre Probleme hätte ich auch gerne gehabt“.

Was heute bei der Bewerbung im öffentlichen Dienst als Persilschein gelten könnte, war da-mals ein Kainsmal in der Urkunde,
das dessen Inhaber sein ganzes Berufsleben begleiten würde.

Was hatte es nun damit wieder auf sich? Jeder männliche Student sollte sich zum „Offizier der Reserve“ verpflichten und dafür eine Verpflichtungserklärung unterschreiben. Nach dem Studium würde es dazu eine weitere spezielle Ausbildung geben.
Weil auch hier 100% Planerfüllung gefragt war, nervte man (in der Mehrheit frau) auch unseren Ungedienten, der sich verzweifelt dagegen wehrte.
Er wollte einfach nicht begreifen, dass auch ein ausgemusterter junger Mann noch Reserveoffizier werden kann. Von ca. 80 Studenten
aus 4 Seminargruppen (davon etwa 40 % Frauen) unterschrieben 3 Studenten dieses Papier nie.

Ein Student begründete es mit seiner christlichen „Bindung“, wie das seiner Zeit genannt wurde.
Des weiteren unser Ungedienter, der noch einen nachschob:
"Das ist ja genauso, als sollte ich mich bereit erklären schwanger zu werden. Das geht zwar nicht,
aber bereit erklären könnte ich mich ja schon mal“.
Der Dritte war Benno mit der schlichten Formulierung: „Ich erkläre mich dazu nicht bereit!“
Nein, nein, nein, bis zum Ende. Zwei von drei Studenten auch noch aus einer einzigen Seminargruppe,
das war bitter, da hatte die Parteigruppe nicht gut genug agitiert. Für den Delinquenten hiess das weitere Minuspunkte!
Immer wieder war dies Thema der Seminargruppenversammlungen, 5 lange Jahre lang.

Nein, eine politische Heimat konnte Benno dort nicht finden und sich arrangieren, wie viele seiner Kommilitonen,
schon erst recht nicht. Wird so etwas nicht Opportunismus genannt?
Er wollte jedenfalls nicht so genannt werden, Anpassung hat Grenzen!


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04.12.2012 16:06
#87
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Das Lager zur militärischen Ertüchtigung von Studenten aus dem südlichen Raum der DDR muß wirklich sehr beliebt gewesen sein.

Ich war 1972 dort und da standen auf dem Gelände noch eingeschossige Holzbaracken.

Das Gelände existiert noch und nach Auskunft eines Anwohners dort wird es in den letzten Jahren ziemlich oft von "älteren" Männern aufgesucht welche auf den Spuren ihrer Jugend wandeln.....

Hie ein paar Impressionen vom heutigen Zustand; August 2012:







Gruß
Nostalgiker

Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


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05.12.2012 16:36 (zuletzt bearbeitet: 21.02.2017 11:29)
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#88
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Ende der 70er Jahre – es begann die Zeit der Nachrüstung auf dem Höhepunkt des kalten Krieges, verbunden mit dem Alleinvertretungsanspruch der Regierenden in der DDR zum Thema Friedenssicherung (z.B. Einführung des Wehrkundeunterrichtes in Schulen) - bemerkte Benno auf der Strasse erstmals die Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“, die von Mädchen und Jungen der evangelischen „Jungen Gemeinde“ an der Kleidung getragen wurden. Benno war beeindruckt. Endlich traut sich mal jemand was! Eine Alternative zur allgegenwärtigen Friedensauffassung der Partei, dachte er.
Zusammen mit einigen nicht studierenden Freunden besorgte sich Benno 2 dieser Aufnäher und nähte sie auf die Ärmel seiner beiden Wetterjacken.

Einmal wartete Benno an einer Strassenbahnhaltestelle, 3 Stationen vor der Dresdner Stasizentrale, auf die Tram. Ein Mann in Zivil setzte sich aus der Masse der Wartenden in Bewegung auf Benno zu und „empfahl“ ihm unmissverständlich, den Aufnäher abzumachen, weil verboten.
Der Aufnäher blieb dran, bis zum 8. Mai des Jahres 1980*), als Benno mit einem Freund per Öffentliche in die Moreau-Schenke, benannt nach dem franz. Revolutionsgeneral, fahren wollte. Dort wollten sie mit anderen den „Gedenktag“ der Kapitulation Hitlerdeutschlands begehen.

Die Haltestelle war in der Nähe einer grossen Strassenkreuzung, die keine Ampeln hatte und noch von der VP per Hand geregelt wurde. Seitlich stand eine kleine Schutzhütte für den Wechselposten. Während wir auf die Bahn warteten, erreichte ein Verkehrspolizist mit dem Motorrad die Schutzhütte, stieg ab, sprach kurz mit dem regelnden VP und wechselte anschliessend mit diesem die Position. Der zuletzt Dienst habende VP kam über die Strasse zur Haltestelle direkt auf die beiden Wartenden zu.

Er grüsste mit Hand an der Mütze und eröffnete etwa folgenden Dialog:
Ihre PAe bitte!
Ich fordere Sie auf, diese Aufnäher von Ihrer Kleidung zu entfernen!

Weshalb?
Es handelt sich hierbei um verbotene Druckerzeugnisse.
Wo steht das?
(nun schon etwas ungehalten) Im Gesetz über die Herstellung und Verbreitung von
Druckerzeugnissen vom …. aus dem Jahre 195.. ist dieser Aufnäher nicht aufgeführt und
deshalb verboten.

Also sind nur Druckerzeugnisse erlaubt, die dort im Gesetz aufgeführt sind?

Genauso ist es.
Können Sie uns das Gesetz zeigen?
(nun schon etwas ungehaltener) Sie werden jetzt unverzüglich diese Aufnäher von Ihrer Kleidung entfernen!
Wir machen die nicht ab, das müssen Sie dann schon selber machen!
(nun böse) Sie werden die Aufnäher jetzt abmachen, sonst nehme ich Sie mit in U-Haft und Sie machen Sie dort ab.
Wir müssen uns kurz beraten!
Bitte, aber beeilen Sie sich!
(Uns war klar, dass wir damit nicht durchkommen und schlimmsten Falles auch noch unseren Treff nicht wahrnehmen können. Wir entschieden uns nachzugeben und schnitten die Aufnäher provokativ ab, so dass es auch die anderen Wartenden sehen konnten)

Hier bitte, aber wir möchten eine Quittung!
Es gibt keine Quittung!

Dann geben wir die Aufnäher nicht her, sie sind schliesslich unser Eigentum.
(nun wieder etwas mehr ungehalten) Sie geben mir jetzt sofort diese Druckerzeugnisse, sonst nehme ich Sie beide mit.

Sie übergaben dem VP die runden Aufnäher, denn einen hatte Benno ja noch!
Männchen, auf Wiedersehen!

Er verschwand im Anschluss wieder auf seinen Dompteurschemel in die Mitte der Strassenkreuzung und der andere Streifenpolizist fuhr mit seinem Motorrad ab in´s nirgendwo.

Edit: *) es war am 7. Mai des Jahres 1982


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05.12.2012 17:24
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#89
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Erinnert mich irgendwie an meine Schulzeit,als eine Mitschülerin ihre Sportsachen aus dem C&A-Beutel nehmen mußte und diesen entsorgen sollte.Das Mädel meinte kurzentschlossen zum Lehrer:
Ok,mach ich,aber Sie bringen,da Sie ja motorisiert sind,meine Sportsachen zu mir in die elterliche Wohnung.Adresse steht im Klassenbuch.Versenkte die Tüte im Mülleimer,die Klasse tobte vor Lachen und der Lehrer hat eine Färbung im Gesicht,wie ich sie nie wieder gesehen hab.
Wir haben ihr dann ne neue Tüte "organisiert" für den Abtransport ihrer Sportsachen.


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05.12.2012 18:08 (zuletzt bearbeitet: 05.12.2012 18:15)
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Quelle: hdg.de

So sah das Teil aus? Auf irgendeinem MfS-Fasching trug man das sogar am Hut.

Von den FDJ-Kreisleitungen wurde ja ähnliche Aufnäher ausgegeben, der Text 'Frieden schaffen ohne NATO-Waffen'. Ein paar Streber pflasterten sich das Teil gleich auf die FDJ-Bluse. Mit einem Kumpel dagegen kam uns die Idee, nachdem wir einige solche Aktionen der Schutz- und Sicherheitsorgane beobachtet hatten, ein bissel Spazzz zu haben. So hefteten wir (nähen will ich mal nicht sagen, Nadelarbeit war nun wirklich nicht so unser Ding) uns diese Teile auf die Kutte und stolzierten damit rum, die Straba-Halte vorm Hauptbahnhof war da gut geeignet. Na langer Rede kurzer (Un-)Sinn, der Schnittlauch konnte uns Halbstarken auch nicht erklären, wieso man nicht gegen die bösen NATO-Waffen sein sollte.

Mensch 80er, dein Benno war wirklich zu brav für diese DDR, aber erzähl mal weiter. Ist wirklich interessant an dieser (Deiner ?) Entwicklung teilhaben zu dürfen.

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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