Anstelle einer Vorstellung

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22.10.2012 17:28
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#1
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20.6.74

Mein erster Grenzdienst. Nachtschicht in der Kompaniesicherung. Der Postenführer, ein Berliner aus meinem Zimmer,
hatte noch vor dem dunkel werden 2 Karabinerschlösser so prepariert, dass mit brauner Kunstofflitze
das Postengebiet so verdrahtet war, dass es sowohl für GF als auch für eine mögliche Postenkontrolle
fast unmöglich gewesen wäre, sich uns unbemerkt zu nähern.

Keine 200 m von der GK entfernt setzten wir uns so gegen Mitternacht in das vom Tau nasse Gras unter einen
Busch und 10 min. später war mein PF eingeschlafen ...

Ich dachte, aha, so geht Grenzdienst! (Ich muss hier einwenden, dass ich vom Grenzdienst tatsächlich Null Ahnung
hatte, weil ich im GAR zum Kraftfahrer ausgebildet wurde, mit der Option, die restlichen 12 Monate jeweils die
ersten Diensthalbjahre zur Ausbildung zu fahren. Dass Schlafen im Dienst nicht erlaubt sein würde, vermutete ich allerdings
schon in dieser ersten Nacht).
Vorher hatte er mir aber noch eingeschärft, ihn rechtzeitig zu wecken, sollte ich eine Postenkontrolle bemerken.
Dies zeigte schon, dass die Wahrscheinlichkeit, von einer PK kontrolliert zu werden höher war, als einen GF
auf frischer Tat zu stellen. Ausserdem war Schlafen im Grenzdienst wohl das Privileg der "Gänger", wie die EK bei uns hiessen.

Mir war nicht ganz wohl wegen der "grossen Verantwortung", die nun auf mir ganz allein lag. Ich wagte also nicht,
auch noch zu schlafen.

Es war kalt und nass vom Nebel, der in das Tal zog und ich weiss nicht mehr, wie lange wir dort unter dem
Busch sassen.
Als es zu dämmern begann wachte mein PF auf und nahm mich mit auf "Streife" weiter in das Tal hinein.
Plötzlich blieb er stehen, stellte sich vor die Nebelwand und sprach pathetisch:
"Wir befinden uns jetzt unmittelbar vor der Grenze der Deutschen Demokratischen Republick".
Ich dachte noch, was das wohl für ein hundertfünfzigprozentiger sei, war aber doch sehr neugierig auf den ersten Sichtkontakt
des Jahrhundertbauwerks, starrte in die Nebelwand und sah - nichts! Meine Enttäuschung war entsprechend gross.

Der "Berliner" war dann doch kein "hundertfünfzigprozentiger", die Kompaniesicherung wurde noch während meiner
Dienstzeit von der Bataillonsicherung abgelöst - leider, aber Schlafen habe ich mich in den restlichen 10 Monaten
nie getraut.

Gruss, 80er


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22.10.2012 18:08
#2
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Von Kompanie- auch noch zur Bataillonssicherung ? Ach Du Ärmster. Ich hatte bis auf die letzten Monate noch die Zugsicherung. War das herrlich. Jeder Zug eine andere Schicht, bei uns im Kfz-Zug (2 Zimmer) hatte immer jemand Nachtruhe, dgl. auch immer ein Zug in unserer Holzbaracke mitten im Wald, einige Kilometer weg vom Regimentsstab. Die Kantine hatte rund um die Uhr geöffnet. Kein Uffz brüllte auf dem Flur rum. Zum Dienstantritt, da im Zimmer immer einer seine Schlafzeit hatte, wurde man ganz sacht geweckt (leichtes Rütteln, "he, Genosse, Du mußt aufstehen"). Natürlich auch kein Frühsport, dafür haben wir in der Freizeit, vor allem im Sommer für uns viel Sport gemacht (Federball-Kompanieausscheid). Das alles war so zumind. bis 67/68.


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22.10.2012 22:10
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#3
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Hallo 80er,

Willkommen im Forum.
Dann warst du wirklich ein Vorbildlicher Grenzer,nie am Kanten geschlafen.
Bei mir war es genau anders herum.

Gruß ek40


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23.10.2012 09:56
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#4
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@ek40

Ja, im Grenzdienst würde ich mich als ausreichend engagiert outen. Politisch hatte ich meine eigene Meinung und die behielt man, wenn man klug war, lieber für sich. Ich hatte in den meisten PF gute Vorbilder, einige davon wollten studieren, wie ich auch und wollten und konnten deshalb nichts riskieren.
Ausserdem fand ich unsere Behandlung fair. Keine nervenden Uffz, 2 harmlose Spiesse (hintereinander), keine demütigende EK-Bewegung, ein KC vom Schlag des "alten Soldaten", der wie wir seinen Dienst gemacht hatte (mehr nicht) und im Vergleich zum GAR gute Verpflegung.


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24.10.2012 14:20
#5
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Hallo 80er, ein herzliches Willkommen von mir hier im Forum.

Ich hab am Kanten auch nicht geschlafen, ging ja auch nicht, die Hunde wollten versorgt werden und Nachtdienst hatten wir zum Glück nicht.
Ich denke aber, auch wenn ich in einer regulären Grenzkompanie gelandet wäre, hätte ich nicht geschlafen, zumindest nicht willentlich.
Weniger aus politischer Moral heraus, sondern weil ich meinen Hintern auch wieder heil nach Hause bringen wollte.

Verloren ist der Tag, an dem man nicht gelacht hat.


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24.10.2012 16:41 (zuletzt bearbeitet: 24.10.2012 16:42)
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Ein Grenzer schlief nicht, er ruhte


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24.10.2012 19:37
avatar  80er
#7
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@ LO-Wahnsinn
Danke für die Begrüssung!
[quote=]
"... hätte ich nicht geschlafen, zumindest nicht willentlich."
[/quote]


Ja, genau. Natürlich gab es Situationen, die einem zwangsläufig die Augen schlossen. Das passierte häufig dort,
wo es Gelegenheiten gab, im Winter eine Heizquelle zu nutzen. Im LO (es gab bei uns ein Postengebiet, wo man
8 Stunden mit dem Fahrzeug für Personenkontrollen zu stehen hatte) machte der Postenführer schon mal nachts
den Motor im Stand an, wo die Motorabwärme die Kabine leidlich erwärmte. Das dauerte recht lange und die Körperseite an der Tür-/Fensterseite
war trotzdem immer klamm.
Der PF hat dies ohnehin nicht lange ausgehalten, weil andere Geräusche praktisch nicht mehr zu hören waren.

Eine weitere Situation ergab sich in den BT 11s. Da gab es E-Strahler, die die obere
Körperhälfte anstahlten, der untere Teil war aber immer kalt. Nichtzuletzt, weil die B-Türme innen aus allen Ecken
gezogen haben. Weil aber BT-11s fast ausschliesslich Führungsstellen waren, hatte ein Uffz. die Verantwortung und
spätestens, wenn sich ein Posten über das GMN meldete, standen wieder alle senkrecht. Es war eh nur ein dösen.
Wer kann schon auf einem Barhocker einschlafen?

Wir hatten auch ein Postengebiet in einem zugigen Holzhäuschen auf einer Eisenbahnbrücke. Das hatte auch einen Strahler.
Wenn man müde wurde, konnte man aber schnell raus, 100 m die Schienen hoch und wieder runter laufen und die Müdigkeit war weg.


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24.10.2012 20:04
avatar  Hans55
#8
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Also,wenn der Postenführer, beim ersten Grenzdienst seines Postens gepennt hat,war das leichtsinnig und schlampig! Hans55


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24.10.2012 22:02
avatar  PF75
#9
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Zitat von Hans55 im Beitrag #8
Also,wenn der Postenführer, beim ersten Grenzdienst seines Postens gepennt hat,war das leichtsinnig und schlampig! Hans55



Also ich kenn das auch so,das die ersten 14 tage dienst nach vorschrift (zumindestens zu 90 %) gemacht wurde und dann je nach persönlicher einschätzung des jeweiligen begleiters wurden erleichterungen erlaubt.sicher ist sicher war die erste zeit immer die devise.


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24.10.2012 22:38
#10
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Eine der unangenehmsten Schichten war die am Schlagbaum zum Grenzgebiet. Da war nur eine kleine Getränkehandlung in einer Gartenkolonie und vielleicht eine handvoll bewohnte Häuschen. Schicht von 20.00 Uhr bis 04.00 Uhr. Da war im Winter spätestens ab 22.00 Uhr absolute Ruhe. Dann bei - 15°C in einem zugigen Unterstand und nichts zum hinsetzen. Aber hell erleuchtet. Da wollten die Stunden nicht vergehen. Abwechslung bot nur die Kradstreife, die alle halbe Stunde dort gewendet hat. Ich war zwar Kradfahrer, hatte aber auch einige Male das Vergnügen, dort stehen zu dürfen.
Da war beim besten Willen unter Strafe des Erfrierens nichts drin mit schlafen.


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25.10.2012 06:41 (zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 06:41)
#11
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Zitat von ek40 im Beitrag #3
Hallo 80er, wen einer sagt das ihm am kanten nie geschlafen hatte ist er ein lügner ,den ich bin nachts oft eingepennt doch du kannst froh sein genau wie ich das der kumpel dir nicht die knarre weg genommen und dich beim kgs verpfieffen hat. schulzi

Willkommen im Forum.
Dann warst du wirklich ein Vorbildlicher Grenzer,nie am Kanten geschlafen.
Bei mir war es genau anders herum.

Gruß ek40


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25.10.2012 07:28 (zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 07:31)
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#12
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Zitat von ek40 im Beitrag #3
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Hallo 80er, wen einer sagt das ihm am kanten nie geschlafen hatte ist er ein lügner ,den ich bin nachts oft eingepennt doch du kannst froh sein genau wie ich das der kumpel dir nicht die knarre weg genommen und dich beim kgs verpfieffen hat. schulzi

Willkommen im Forum.
Dann warst du wirklich ein Vorbildlicher Grenzer,nie am Kanten geschlafen.
Bei mir war es genau anders herum.

Gruß ek40

Wenn ich das hier lese , kann ich nur sagen ,wir sind nicht alle Lügner wie DU.[rot]
Wenn ich draußen am Kannten war, egal ob als Postenführer oder als Posten . es hat niemand von uns geschlafen , denn wir wollten ohne Vorkommnisse wieder entlassen werden .
Ich wundere mich manchmal nicht wenn in vielen Grenzerforen geschrieben wird , wie schön es an der Grenze war,was wir alles getrieben haben.
Da brauch man sich nicht zu wundern ,wenn es machmal zu unerklärlichen Zwischenfällen an der Grenze kam . MG ratata


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25.10.2012 08:31 (zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 08:34)
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Zitat von ratata im Beitrag #12
Zitat von ek40 im Beitrag #3
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Wenn ich das hier lese , kann ich nur sagen ,wir sind nicht alle Lügner wie DU.[rot]
Wenn ich draußen am Kannten war, egal ob als Postenführer oder als Posten . es hat niemand von uns geschlafen , denn wir wollten ohne Vorkommnisse wieder entlassen werden .
Ich wundere mich manchmal nicht wenn in vielen Grenzerforen geschrieben wird , wie schön es an der Grenze war,was wir alles getrieben haben.
Da brauch man sich nicht zu wundern ,wenn es machmal zu unerklärlichen Zwischenfällen an der Grenze kam . MG ratata


Das stimmt schon so, aber wenn du bei Kompaniesicherung in der Nacht zum 50sten Mal mit deinem Stubenkumpel auf dem gleichen langweiligen Turm sitzt und man hat sich eigentlich nichts mehr zu erzählen weil man schon alles vom Leben des anderen weiß und im Hinterland alles fast lückenlos von den Freundwärtsleuten abgeriegelt ist, da gingen ja zwangsläufig mal (oft) die Augen zu.
Die Einteilung "4 Stunden du, 4 Stunden ich" hat auch nicht immer funktioniert, einem beim Pennen zuzuschauen macht echt müde.
Gefährlich war das schon.


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25.10.2012 09:09
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Zitat von 80er im Beitrag #4
@ek40

Ja, im Grenzdienst würde ich mich als ausreichend engagiert outen. Politisch hatte ich meine eigene Meinung und die behielt man, wenn man klug war, lieber für sich. Ich hatte in den meisten PF gute Vorbilder, einige davon wollten studieren, wie ich auch und wollten und konnten deshalb nichts riskieren.
Ausserdem fand ich unsere Behandlung fair. Keine nervenden Uffz, 2 harmlose Spiesse (hintereinander), keine demütigende EK-Bewegung, ein KC vom Schlag des "alten Soldaten", der wie wir seinen Dienst gemacht hatte (mehr nicht) und im Vergleich zum GAR gute Verpflegung.


Das kann ich für meine Dienstzeit so auch bestätigen.


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25.10.2012 09:18 (zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 09:21)
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Wie du schreibst liegen zwischen unseren Zeiten an der Grenze schon einige Jahre dazwischen . Ich war von 69 -70 an der grünen Grenze .
Kompaniesichreung wie es sie bei Euch gab , gab es damals noch nicht.
Die Wechselschichten gingen 8 std immer mit unterschiedlichen Postenpaaren. Mein Abschnitt wo ich eingesetzt war Locksteckt GR 23 ,da gab es damals nur Postenplätze auf der blanken Erde , Wie es sich anfühlt bei - 28 C° zum Glück nur 6std draußen zu sein , brauche ich wohl nicht zu beschreiben . Damit wir nicht einfrierten , schickte uns der Leitstand mal hier mal dort hin.Auch an anderen Tagen ging es immer von Postenplatz zu Postenplatz. MfG ratata


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