Honecker erwog Konföderation DDR-BRD?

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24.08.2012 16:08
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#1
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Saarländisches Doppel
Historiker: Honecker erwog deutsch-deutsche Konföderation mit Lafontaine


" Der Leiter des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, Martin Sabrow, sagte der "Zeit", Honecker habe 1989 angesichts der Krise in der DDR „mit dem Gedanken an eine deutsch-deutsche Konföderation unter der Führung des Saarländers Honecker in Ostdeutschland und des Saarländers Oskar Lafontaine im Westen gespielt“. Honecker, der wie Lafontaine aus dem Saarland stammt, wäre am 25. August 100 Jahre alt geworden.

Nach Angaben des Historikers deuten manche Indizien darauf hin, „dass Honecker seinen sentimentalen Saarpatriotismus als historische Chance begriffen haben könnte“. Ohne das Eingreifen der aufbegehrenden DDR-Bevölkerung „hätten nach den Bundestagswahlen 1990 und dem vorgezogenen zwölften Parteitag der SED im selben Jahr womöglich mit Honecker und Lafontaine zwei Saarländer an der Spitze der deutschen Staaten gestanden.

Dass danach der Tausch von wirtschaftlicher Hilfe gegen politische Erleichterungen zu einer deutsch-deutschen Vertragsgemeinschaft hätte führen können, wäre kein völlig absurdes Kalkül Honeckers gewesen“, sagte Sabrow. Die These könne erklären, warum der greise Diktator sich bis zur Entmachtung „starrsinnig an seiner aussichtslosen Herrschaft festklammerte“. Lafontaine spielte bei dem möglichen Planspiel laut Sabrow keine aktive Rolle...."

Quellen: http://www.tagesspiegel.de/politik/saarl...ne/7045322.html
http://www.zeit.de/2012/35/Honecker-100-Jahre/seite-1

Wenn diese These stimmen sollte, erscheint das Attentat auf Lafontaine am 25. April 1990 in einem ganz anderen Licht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Lafon...at_der_SPD_1990


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24.08.2012 19:37
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#2
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Das erinnert an den Versprecher von Helmut Kohl im Bundestag als er den Oskar mit "Kollege Honecker" ansprach.


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24.08.2012 19:43
avatar  TOMMI
#3
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Ich erinnere mich an Honeckers Besuch 1987 im Westen. Irgendwie schienen da auch heimatliche Gefühle hochzukommen.
Von Oskar auf saarländisch begrüßt ("willkomme dahemm") sagte er sinngemäß: "...es wird der Tag kommen, da uns Grenzen nicht
mehr trennen, sondern verbinden...."
Schade eigentlich, dass er diese linie nicht mehr weiter verfolgte, sondern bald darauf wieder zu machte.
Wer es denn überhaupt eine Linie oder nur ein spontaner Gefühlsausbruch?
Jedenfalls, ohne die Sowjets wäre gar nichts gegangen, auch nicht mit Gorbi....


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24.08.2012 19:57
#4
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Hm, die These klingt durchaus interessant, aber ob das je belegbar sein wird?
Ich weis nicht was Erich hinterlassen hat und was in seinen Büchern steht, steht da nichts, wirds vermutlich wohl nicht zutreffen.

Aber interessant ist das durchaus, denn es stellt sich damit die Frage, wie real die Chance des Überlebends der DDR gewesen wäre und ob man auf diesem Weg doch noch das geschaffen hätte, was eigentlich mal angedacht war.

Aber ich glaube, auch wenn das Volk den Staat nicht gestürzt hätte, dann hätten es seine Nachfolger, Mitbewerber und Nebenbuhler getan.


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24.08.2012 20:05
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#5
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Nach meinem laienhaften Verständnis und nach meiner Erinnerung an jene Zeit wären solche Überlegungen, auch noch von seiten EH´s, nicht vorstellbar.
Es sei daran erinnert, dass in jenem hypothetischen Fall sich bestimmt schon Margot H. und/oder enge Vertraute Honeckers zu Wort gemeldet hätten nach dem Motto: "Wir wollten schon lange, dass die Deutschen zusammengehen."

VG Ex-Huf


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24.08.2012 20:39
#6
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Ja das sehe ich genauso, das dachte ich nämlich auch, dass es irgendwo bereits verzeichnet sein würde.
Auf Margot kam ich garnicht aber da hast Du wohl recht.


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24.08.2012 20:40
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#7
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Für mich absolut unvorstellbar, wie hätte man das praktisch durchsetzen wollen?

Auf der einen Seite soll ich die BRD als befreundeten Gliedstaaten ansehen und auf der anderen als Klassenfeind, auf der einen Seite Bürger, die Gesetze verletzen und unser Staats- und Gesellschaftssystem bedrohen, entsprechend den Gesetzen verfolgen und auf der anderen Seite die sie inspirierende und von ihnen präferierte konträre Staats- und Gesellschaftsordung als Partner anerkennen?

Da wäre ich nicht mitgegangen, dass hätte bedeutet die eigene Weltanschauung/Ideologie aufzugeben oder zu verleugnen und so wäre es sicher der Masse der Angehörigen der Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR gegangen. An diesen Widersprüchen wäre die DDR dann ebenfalls zugrunde gegangen.

Also nur undurchführbare Gedankenspiele, da hätte eine vernünftige Wirtschaftspolitik eher die Rettung bedeutet!


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24.08.2012 20:49
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#8
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Naja und dann würde ich auch vermuten, dass alle Tendenzen der theoretisch beidseitig gewollten politischen Annäherung beider deutscher Staaten nicht nur von Gorbi in der UdSSR abhing, sondern spätestens beim "Petting" die Amerikaner, Briten und Franzosen ein Fass aufgemacht hätten.
Also, ich würde diese These ins Reich der Spekulation oder auch der süßen Märchen schicken.

Und war denn in der alten Bundesrepublik eine Mehrheit bereit, viel für die Einheit zu geben? Und somit jene theoretisch erörtete Annäherung mehrheitlich demokratisch dauerhaft zu stützen?

Ex-Huf


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24.08.2012 21:30
#9
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Zitat
da hätte eine vernünftige Wirtschaftspolitik eher die Rettung bedeutet!


Darum wirds auch nur gegangen sein wenn man mal annimmt das die These zutrifft.


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24.08.2012 21:35
#10
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Mitte der achtziger Jahre war im Westen nicht mehr so sehr die Rede von den "Schwestern und Brüder", es kamen die Millionenkredite, der Abbau der Selbstschussanlagen, der Staatsbesuch Honeckers im Westen... Meine Bekannten meinten damals jetzt komme die vollständige Anerkennung der DDR Staatsbürgerschaft. Mit dem Wegfall des Bleiberechtes in der BRD mehr Reisefreiheit und Abbau der Grenzsicherung! Ich sah das nicht so positiv, aber für mich lief es schon in diese Richtung. Eine lockere Konföderation ohne Änderung der militärischen Bündnisstrukturen, damit hätten die Weltkriegsallierten leben können. Insbesondere, da die DDR "die Mauer" vollständig aus dem eigenen Sack bezahlen und unterhalten mussten, ist ein Hinweis dafür, dass sich die SU nicht so sehr für die Migrationspolitik der Deutschen interessierte. Wenn man die Abwanderung aus der DDR ohne Mauer hätte stoppen können, hätte man sie mit Billigung der SU ohne weiteres abreissen können. Denn militärisch war sie nutzlos.
Theo


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24.08.2012 21:39
#11
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Interessant an dieser ganzen Geschichte ist mehr was aus dem Gespräch welches Herr Sabrow mit H.-J Neubauerder vom Magazin "Die Zeit"geführt hat, gemacht wurde.

Einzig die "Berliner Morgenpost" benennt in ihrer Zusammenfassung des Gespräches was die Aussagen Herrn Schabrow betreffen klar was sie sind: Spekulation und nichts weiter.
Quelle: hier

In keinem Nebensatz bezieht er sich auch nur Ansatzweise darauf wie er zu solchen Annahmen kommt, ich meine damit persönliche Notizen von E. H. selber oder von Vertrauten (hatte er überhaupt welche?) etc.
Nichts dergleichen wird im Gespräch erwähnt und damit sinniert Herr Prof. elegant über einen Gedanken welcher die Journalie erfreut; endlich was für's Sommerloch; und Hr. Lafontaine durchaus in der Jetztzeit politisch schaden kann ......

Was an den 'Politikzielen' die er bis ins Alter bewahrte eventuell schlecht sein sollte erschließt sich mir nicht: eine bezahlbare Wohnung für jeden, ein gesichertes Auskommen ist auch heutzutage das unedelste nicht was sich die Politik auf die Fahne schreiben könnte, was er unter einer 'geregelten Freizeit' verstanden haben könnte möchte ich nicht wirklich wissen. Mir hat das reale Freizeitangebot im Realsozialismus schon gereicht.

Interessanter waren für mich da schon folgende Äußerungen und versteckte Verunglimpfung:
Honecker ließ sich im Urlaub auch auf die verbotene Ostsee-Insel Vilm die Brötchen liefern, die er in Wandlitz bezog.
Für eine Diktatur und ihren obersten Machthaber ein typischer Ausdruck von Macht, währenddessen die gleiche Handlung; Bundespräsident lässt sich Brötchen aus Hannover liefern, natürlich völlig in Ordnung ist.
Denn wenn zwei das gleiche tun ist es noch lange nicht dasselbe, zumal der Eine "Chef" in einer Demokratie ist/war und da darf man das.

Wichtigste Aussage im ganzen Gespräch welches den "Schulterschluß" von E. und O. in das Reich der Spekulation verweist ist folgende Textpassage

Er [E. H.] wollte, dass die DDR-Staatsbürgerschaft anerkannt wird.

ZEIT: Was hätte das bewirkt?

Sabrow: Es hätte die nach Westen entkommenen DDR-Flüchtlinge ihres sicheren Hafens in der Bundesrepublik beraubt und mit Rücküberstellung in die DDR bedroht.


Dem Gedanken der Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft hätte auch ein O. Lafontaine als BK nicht durchgesetzt denn dann wäre die in der letzten Antwort durchaus richtige Feststellung eingetreten und dagegen hätte es aus fast allen Bereichen des öffentlichen und versteckten politischen Lebens in der damaligen Bundesrepublik vereinte Anstrengungen gegeben um genau dies zu verhindern.

Gruß
Nostalgiker


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24.08.2012 21:59
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#12
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #7
Für mich absolut unvorstellbar, wie hätte man das praktisch durchsetzen wollen?

Auf der einen Seite soll ich die BRD als befreundeten Gliedstaaten ansehen und auf der anderen als Klassenfeind, auf der einen Seite Bürger, die Gesetze verletzen und unser Staats- und Gesellschaftssystem bedrohen, entsprechend den Gesetzen verfolgen und auf der anderen Seite die sie inspirierende und von ihnen präferierte konträre Staats- und Gesellschaftsordung als Partner anerkennen?

Da wäre ich nicht mitgegangen, dass hätte bedeutet die eigene Weltanschauung/Ideologie aufzugeben oder zu verleugnen und so wäre es sicher der Masse der Angehörigen der Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR gegangen. An diesen Widersprüchen wäre die DDR dann ebenfalls zugrunde gegangen.

Also nur undurchführbare Gedankenspiele, da hätte eine vernünftige Wirtschaftspolitik eher die Rettung bedeutet!



Feliks , die Ideologie hört beim Fressen auf ( auch bei Honeckers ), noch nicht gerafft ?


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24.08.2012 22:13
#13
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Zitat
Sabrow: Es hätte die nach Westen entkommenen DDR-Flüchtlinge ihres sicheren Hafens in der Bundesrepublik beraubt und mit Rücküberstellung in die DDR bedroht.



Glaub ich nicht, denn man hätte sich beidseitig auf allen Ebenen annähern müssen.
Diese Aussage ist meiner Einschätzung nach nicht haltbar, denn Oskar hätte auch Bedinungen gestellt.
Das man dann die Mörder und sonstige Straftäter hätte auch im Westen würdig bestrafen können, dass wär ja nur richtig gewesen.
Aber welchen Sinn sollte es nach so einer Annährung noch machen Flüchtlinge zu bestrafen, die sich ausser ihrer Flucht nie etwas haben zu schulden kommen lassen.

Ansonsten stimme ich Deinem Beitrag aber zu, dass war wohl eine Sommerente.


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24.08.2012 22:18
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#14
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #7
Für mich absolut unvorstellbar, wie hätte man das praktisch durchsetzen wollen?

Auf der einen Seite soll ich die BRD als befreundeten Gliedstaaten ansehen und auf der anderen als Klassenfeind, auf der einen Seite Bürger, die Gesetze verletzen und unser Staats- und Gesellschaftssystem bedrohen, entsprechend den Gesetzen verfolgen und auf der anderen Seite die sie inspirierende und von ihnen präferierte konträre Staats- und Gesellschaftsordung als Partner anerkennen?

Da wäre ich nicht mitgegangen, dass hätte bedeutet die eigene Weltanschauung/Ideologie aufzugeben oder zu verleugnen und so wäre es sicher der Masse der Angehörigen der Schutz- und Sicherheitsorgane der DDR gegangen. An diesen Widersprüchen wäre die DDR dann ebenfalls zugrunde gegangen.

Also nur undurchführbare Gedankenspiele, da hätte eine vernünftige Wirtschaftspolitik eher die Rettung bedeutet!


Praktisch schon durchsetzbar gewesen wenn man bedenkt wie weit links Lafontaine steht. Er haette sich naemlich Honecker angepasst und nicht anders herum. So eine Fall waere fuer Honecker die schon immer erstrebte Westerweiterung der DDR gewesen. Mein Gott, ich war doch jetzt wieder 3 Wochen im Saarland. Leider geistert dort der Oskar immer noch herum mit seinen Theorien und seinem dummen Geschwaetz.. Kann mich noch gut daran erinnern als er noch als SPDler Oberbuergermeister in Saarbruecken war. Kann Euch Leuten im Osten nur sagen, seit froh das dieser Honecker/Lafontaine Pakt nie eingetreten ist. Das haette das Ende von Deutschland und den paar Fragmenten von Buergerrechten und Freiheiten die wir noch im BRD Staat geniessen duerfen bedeutet.


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24.08.2012 22:20
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Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #13

Zitat
Sabrow: Es hätte die nach Westen entkommenen DDR-Flüchtlinge ihres sicheren Hafens in der Bundesrepublik beraubt und mit Rücküberstellung in die DDR bedroht.



Glaub ich nicht, denn man hätte sich beidseitig auf allen Ebenen annähern müssen.
Diese Aussage ist meiner Einschätzung nach nicht haltbar, denn Oskar hätte auch Bedinungen gestellt.
Das man dann die Mörder und sonstige Straftäter hätte auch im Westen würdig bestrafen können, dass wär ja nur richtig gewesen.
Aber welchen Sinn sollte es nach so einer Annährung noch machen Flüchtlinge zu bestrafen, die sich ausser ihrer Flucht nie etwas haben zu schulden kommen lassen.

Ansonsten stimme ich Deinem Beitrag aber zu, dass war wohl eine Sommerente.



Fakt ist das Lafontaine schon kurz nach dem Fall der Mauer sich dafuer ausgesprochen hat DDR Buerger mit Auslaendern gleichzustellen.


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