Neu gestaltetes Grenzlandmuseum Eichsfeld - eine Kritik

  • Seite 1 von 2
24.08.2012 15:31von TOMMI
Frage
Neu gestaltetes Grenzlandmuseum Eichsfeld - eine Kritik

Hallo Leute!
Da ich meine Dienstzeit bei den GT für 2 1/2 Jahre in Teistungen verbrachte, habe ich zum Grenzlandmuseum "Eichsfeld" ein besonderes
Verhältnis, da sich dieses in "meinem" ehemaligen Abschnitt befindet. So kann ich am ehesten Aussagen über die Realitätstreue des einen
oder anderen Teiles treffen.
Lasst euch bitte nicht durch das Wort "Kritik" in der Überschrift abschrecken. Es soll kein tendenziell negativer Bericht sein.
Wie viele wissen werden, wurde das Museum im vorigen Jahr umgestaltet.
Es befindet sich ein einem Gebäude des ehemaligen Grenzüberganges "Worbis-Duderstadt".
Neu gebaut wurde ein Foyer- und Eingangsbereich, so dass das Gebäude an sich vollständig in seiner Fläche für das Museum genutzt werden
kann. An der Kasse können Literatur, Filme und Souveniers zum Thema erworben werden. Von meinem subjektiven Eindruck her ist dieses Angebot
wohl auch nicht zuletzt durch den Umbau reichhaltiger geworden.
Neu im Museum sind einige Effekte, zB künstlerischer Natur.
Beginnt der Besucher seinen Rundgang, kommt er in ein abgedunkeltes Spiegellabyrint. Noch darüber nachdenkend, "was wohl der Künstler damit sagen wolle", erreicht er die eigentlichen Ausstellungsräume. Neu, bezw zahlreicher geworden sind Möglichkeiten, Zeitzeugenberichte zu hören und
durch Objektive in der Wand eingelassen, Diafolgen, etc. Vom Inhalt und den Exponaten her gibt es kaum was neues im vergleich zum Museum vor dem
Umbau. Die Themenfolge spannt sich vom allgemeinen (Ende des 2.WK, alliierte besatzung, beginnende Teilung, Ausbau der Grenze, Zwangsaussiedlungen, Fluchtgeschichten, Wende 1989 mit Grenzöffnung) zum spezifischen für das Eichsfeld, Teistungen und für den genannten Grenzübergang. Zu den Dauerausstellungen steht auch ein Raum für thematische Sonderausstellungen zur Verfügung, ebenso wie ein Vortragsraum.
In einem Zimmer ist die Möglichkeit für Schulklassen geschaffen worden, Meinungen und Eindrücke zu hinterlassen. Beeindruckt war ich von der Reife
der Schreiber (nichts selbstverständliches, in anderen Einruchtungen ähnlicher Art bekam ich schon ganz andere Dinge zu lesen!)
Die Gedanken waren vielfältig aber fast einig im Konsens: "Nie wieder!"
Ergänzend zum Museumsgebäude hat man einige Außenanlagen einer Kur unterzogen, neue Schautafeln aufgestellt, eine alte Grenzsäule mit frischer Farbe versehen, etc. Auch die Führungsstelle auf dem Pferdeberg (deren Inneneinrichtung dem Wandalismus zum Opfer gefallen war) hat man hergerichtet und wieder zugänglich gemacht, leider nur für Führungsgruppen.
Was mich nach wie vor stört sind einige Einrichtungen neben der FÜSt (sogenannter GSZ und Hundlaufanlage).
Dass sie nicht am Originalstandort stehen, ist noch verständlich, allerdings haben diese mit den ursprünglichen Vorbildern kaum eine Ähnlichkeit
und können nicht-Insider in die Irre führen.
Fazit: Das Museum ist eine Reise wert, wer das alte allerdings kennt, wird wenig neues entdecken, es sei denn es ist ein gesteigertes Interesse
vorhanden (wie in meinem Fall).
interessanter geworden ist es für Schülergruppen. Soll ich eine Note erteilen, würde mein Urteil heißen: 2 .
Mit wenig Aufwand könnte diese zur 1 werden.
Ich führte ein kurzes gespräch mit einem Museumsmitarbeiter. Darin eruhr ich, das von den GT-Angehörigen, die nach wie vor am Ort wohnen,
noch keiner das Museum besucht hat. Schade eigentlich.....

Gruss, TOMMI

Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
24.08.2012 17:06von RalphT
Antwort

0

0

Ich hatte auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, dieses Museum zu besuchen. So eine kleine Zusammenfassung des Besuches ist für mich hilfreich. Ich finde es gut, wenn weitere Ehemalige dieses Museum besuchen und hier berichten. Somit bekommt man einen besseren Überblick und was vielleicht wichtig ist: Lohnt sich überhaupt ein Besuch dort?

Für mich sind es auch immerhin ca. 300 km.

24.08.2012 18:14von ( gelöscht )
Antwort

0

0

die Frage ist doch,Tommi, warum sollten sie... ?

Dieterp

avatar
( gelöscht )
24.08.2012 18:43von Mike59
Antwort

0

0

Zitat
Ich führte ein kurzes gespräch mit einem Museumsmitarbeiter. Darin eruhr ich, das von den GT-Angehörigen, die nach wie vor am Ort wohnen,
noch keiner das Museum besucht hat. ....



Was soll ich denn aus diesem Satz entnehmen? Ich stufe ihn auch eher unter unglaubwürdig ein.

Mike59

24.08.2012 18:57von ( gelöscht )
Antwort

0

0

War 2 mal da..hauptsächlich dreht es sich natürlich um die Grenze aber es gibt auch noch allgemein Infos zum Leben in der DDR.

Mein Besuch ist aber schon länger her. Wichtig ist das es überhaupt noch solche Orte gibt die daran erinnern..auch wenn sich
immer wieder mal kleine Fehler in der Ausstellungen zeigen

Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
avatar
( gelöscht )
24.08.2012 19:56von Ari@D187
Antwort

0

0

Zitat von RalphT im Beitrag #2
I[...]Lohnt sich überhaupt ein Besuch dort?

Für mich sind es auch immerhin ca. 300 km.

Also wenn der Besuch mit weiteren Erkundungen im Eichsfeld einhergeht (Hanstein, Grenzmuseum Schifflersgrund, etc.), ist das sicher lohnenswert.

Gruß
Ari

24.08.2012 20:30von ( gelöscht )
Antwort

0

0

Zitat von Dieterp im Beitrag #3
die Frage ist doch,Tommi, warum sollten sie... ?

Dieterp

Hallo Dieterp, die Frage hast du leider falsch gestellt. Nicht warum sollten Sie...? , sondern warum interessiert mich die Vergangenheit nicht mehr?.Auch ich bin ehemaliger Angehöriger der Grenztruppen . Mein Abschnitt war das nicht,ich war nur im linken Abschnitt( Freienhagen) gewesen.Das Grenzlandmuseum ist schon sehr lehrreich, besonders für unsere Nachkommen.Gruß KAMÜ

Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
avatar
( gelöscht )
24.08.2012 20:36von Thunderhorse
Antwort

0

0

Zitat von TOMMI im Beitrag #1
Ich führte ein kurzes gespräch mit einem Museumsmitarbeiter. Darin eruhr ich, das von den GT-Angehörigen, die nach wie vor am Ort wohnen,
noch keiner das Museum besucht hat. Schade eigentlich.....

Gruss, TOMMI



Eher wahrscheinlich, dass die einen Besuch gar nicht mitgeschnitten haben.

Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
24.08.2012 21:08von LO-Wahnsinn
Antwort

0

0

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #8
Zitat von TOMMI im Beitrag #1
Ich führte ein kurzes gespräch mit einem Museumsmitarbeiter. Darin eruhr ich, das von den GT-Angehörigen, die nach wie vor am Ort wohnen,
noch keiner das Museum besucht hat. Schade eigentlich.....

Gruss, TOMMI



Eher wahrscheinlich, dass die einen Besuch gar nicht mitgeschnitten haben.


Denke ich auch.
Geht ja nicht jeder hin und sagt ich war früher hier, Dienststellung dies oder das.
Die Bindung zu solch einem Objekt mag bei einem Offizier anders sein als bei Soldaten -weis ich aber nicht-, denn für die Offiziere fiel ja mit der Grenze auch erstmal ihre Existenz weg, aber ich denke schon, dass die Meisten die im näheren Einzugsgebiet leben sich das schonmal angesehn haben.

Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
02.05.2014 20:48von Schuddelkind
Antwort

0

0

Wir haben uns gestern das Grenzlandmuseum angeschaut. So richtig vom Hocker gehauen hat es mich nicht, aber einige Sachen waren schon gut gemacht. Gefallen hat mir besonders der Mühlenturm in der Außenanlage. Wir hatten übrigens unseren Enkel mitgeschleppt. War schon schwierig ihm relativ wertneutral beizubringen, warum es zwei deutsche Staaten und eine Grenze dazwischen gab. Als wir ihm erklärten, dass die Leute aus der DDR nicht einfach in den Westen reisen bzw. die Grenze nicht überqueren durften, meinte er: "Das war aber ganz schön ungerecht......". Recht hat er!

Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
02.05.2014 20:58von Mike59
Antwort

0

0

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #10
Wir haben uns gestern das Grenzlandmuseum angeschaut. So richtig vom Hocker gehauen hat es mich nicht, aber einige Sachen waren schon gut gemacht. Gefallen hat mir besonders der Mühlenturm in der Außenanlage. Wir hatten übrigens unseren Enkel mitgeschleppt. War schon schwierig ihm relativ wertneutral beizubringen, warum es zwei deutsche Staaten und eine Grenze dazwischen gab. Als wir ihm erklärten, dass die Leute aus der DDR nicht einfach in den Westen reisen bzw. die Grenze nicht überqueren durften, meinte er: "Das war aber ganz schön ungerecht......". Recht hat er!


Na wo er Recht hat - hat er eben Recht.

Hast im sicher auch gleich erklärt wie es zu dieser Scheiße gekommen ist und er hat es verstanden. Ich beneide dich um deinen Enkel .

02.05.2014 22:18von ( gelöscht )
Antwort

0

0

Das Grenzlandmuseum Eichsfeld ...
... kenne ich nur vom Vorbeifahren als Hinweisschild auf der Autobahn, wenn ich als Mitfahrer eines Kollegen gen Ex-Westen geschickt wurde/werde.
Die einstige Wirklichkeit dort habe ich jedoch als DDR-Grenzer etwas "näher" auf Lunge nehmen müssen.
Was mich immer ziemlich anmuffelt ist, dass immer wieder vom Grenzübergang Worbis-Duderstadt berichtet wird, obwohl beide Orte nicht die unmittelbaren Kontaktorte waren.
Worbis lag außerhalb des Schutzstreifens und einige Kilometer ab von der Grenze und war vom eigentlichen Grenzübergang überhaupt nicht einzusehen.
Duderstadt situierte sich zwar bezüglich Grenznähe etwas besser, war aber ebenfalls keine wirklich nahe Kontaktstelle.
Die unmittelbaren Ortschaften, die Kanten gegen Kanten lagen, waren Teistungen und Gerblingerode.

Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
avatar
( gelöscht )
03.05.2014 09:36von Freienhagener
Antwort

0

0

Ich kenne nur die alte Gestaltung.
Die fand ich gut, bis auf überzogene ideologische Details.
So hatte der nachgestaltete ärmliche DDR-Konsumladen ala 50iger Jahre sicherlich nur den Zweck den DDR-Alltag schlimmer darzustellen, als er tatsächlich war. Ansonsten hatte er dort nichts zu suchen.
Dann die Dauerbeschallung mit Tondokumenten von Alarmzuständen, inmitten von Stacheldraht und weiteren Utensilien. Das ist alles realistisch. Aber die konzentrierte Darbietung vermittelte den Eindruck ständiger Schüsse und furchtbarer Zustände.
Nichtgrenzer bekommen dadurch einen überaus düsteren Eindruck vermittelt.
Durch mein Gespräch mit meinem Sohn bekam ein westdeutsches Paar mit, daß ich Exgrenzer bin - und war unter Einfluß der Darbietung sichtlich erschrocken über mich.

Gruß
Micha

03.05.2014 10:37von ( gelöscht )
Antwort

0

0

Die Grenzanlagen auf dem Pferdeberg bei Teistungen dienten auch als Drehort für den Spielfilm " An die Grenze ". Ein Großteil der Szenen wurde dort sowie in der ehem. GK Weidenbach und im Bereich Schifflersgrund an originalen Plätzen gedreht.

Als ich letzte Woche im Grenzmuseum Schifflersgrund Sickenbach / Bad Sooden war, war ich über die neue Sonderaussstellung etwas erschrocken,
Hubschrauber und Schützenpanzer der Bundeswehr neben einen Opel Vectra der Thüringer Polizei. Da fehlte doch irgendwie ein Zusammenhang zur
Grenzgeschichte.

avatar
( gelöscht )
03.05.2014 10:53von TOMMI
Antwort

0

0

Zitat von UvD815 im Beitrag #14
Die Grenzanlagen auf dem Pferdeberg bei Teistungen dienten auch als Drehort für den Spielfilm " An die Grenze ". Ein Großteil der Szenen wurde dort sowie in der ehem. GK Weidenbach und im Bereich Schifflersgrund an originalen Plätzen gedreht.

Als ich letzte Woche im Grenzmuseum Schifflersgrund Sickenbach / Bad Sooden war, war ich über die neue Sonderaussstellung etwas erschrocken,
Hubschrauber und Schützenpanzer der Bundeswehr neben einen Opel Vectra der Thüringer Polizei. Da fehlte doch irgendwie ein Zusammenhang zur
Grenzgeschichte.


Da fällt mir ein Interview mit einem Museumsverantwortlichen aus Teistungen bezüglich des Umbaus ein. Er sagte, dass man dieses Thema auch
der "RTL"-Generation beibringen wolle. Dass man sich allerdings dem RTL-Niveau annähert und nicht umgedreht, habe ich leider nicht so erwartet.

Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!