Fluchthilfe - Fluchthelfer

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24.06.2009 17:35
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#16
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Vieleicht gab es ja Stichkontrollen und zack,ausgerechnet an diesem Tage ,genau zu der Stunde,exakt an dem Ort heisst
es dann:Nun machem sie mal den Kofferraum auf.


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24.06.2009 17:41 (zuletzt bearbeitet: 24.06.2009 17:48)
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#17
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Also ich mußte bei meinen Transitfahrten mit meinen Eltern (und auch sonst seit 1972) nicht ein einziges mal in Drewitz oder Rudolfstein (oder Marienborn) das Fahrzeug verlassen. Und meine Eltern fuhren oft, da sie in Bayern bis zur Wende eine eigene Ferienwohnung besaßen.

Die haben sie übrigens inzwischen getauscht gegen ein kleines Ferienhaus am Schermützelsee. Sparen sie mal locker ca. 350 Kilometer pro Strecke...


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24.06.2009 17:49
#18
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Hab da mal eine Frage.Kann es sein,das durch dieses Abkommen die Fluchthilfe kriminalisiert wurde und keine Hilfe mehr war, sondern eine Strafttat.Die dann eigentlich auch von seitens der damaligen BRD verfolgt hätte werden müssen.Schließlich haben ja 2 deutsche Staaten den Vertrag unterzeichnet.
Aber ich bin sicher--werde hier schon eine Antwort erhalten


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24.06.2009 18:02 (zuletzt bearbeitet: 24.06.2009 18:11)
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#19
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Nach meinen Erkenntnissen hat sich die DDR mehrfach beklagt, daß die Bundesregierung Fluchthelfer bzw. Flüchtlinge nicht verfolgt. Zu lesen ist das aus Sicht der DDR-Verhandlungsseite in einem sehr interessanten Buch von Karl Seidel "Berlin-Bonner-Balance".
Karl Seidel war später im DDR-Aussenministerium der Leiter der Abt."BRD"

Quelle:
http://www.vip-ev.de/text209.htm

Dort "beklagt er sich" auch, daß Bahr durch eine direkte Vorsprache bei Erich Honecker die Verhandlungspositionen der DDR-Verhandlungsführer untergraben konnte und erreicht hat, daß die Regelungen für den Transitverkehr per "Ordre de Mufti" durch "Abtretungen souveräner DDR-Rechte" gratis (ohne Gegenleistungen) zu sehr zugunsten der Position Egon Bahrs verschoben wurde.


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24.06.2009 20:41
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#20
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Zitat von Rostocker
Hab da mal eine Frage.Kann es sein,das durch dieses Abkommen die Fluchthilfe kriminalisiert wurde und keine Hilfe mehr war, sondern eine Strafttat.Die dann eigentlich auch von seitens der damaligen BRD verfolgt hätte werden müssen.Schließlich haben ja 2 deutsche Staaten den Vertrag unterzeichnet.
Aber ich bin sicher--werde hier schon eine Antwort erhalten


Klare Antwort: Nein.
Der Grundlagenvertrag regelte zwar die Zugangsmöglichkeiten nach Westberlin, aber es konnte keine klare Regelung explizit über Fluchthilfe geben. Geregelt war, unter welchen Bedingungen eine ungehinderte Durchreise zu erfolgen hat. Sofern eine Regel verletzt wird, hat die DDR das Recht einzugreifen. Die BRD hat es ja erst erfahren, wenn jemand schon im Westen war. Den durfte man dann aufgrund des höherwertigen Grundgesetzes nicht zurückschicken. Aber das war der DDR von vornherein klar.

Noch ein Beispiel. Aus dem Westen konnte man für DDR-Bürger Flüge im Ostblock kaufen. Hier musste man natürlich die Daten angeben. Daraus konnte man BRD-Pässe machen. Also, in Prag als DDRler rein- in Budapest als Bundesbürger ausgestiegen und den Einreisestempel bekommen. Hier gab es auch Verträge die verletzt wurden. Aber wen sollte man verklagen?
Ein Deutscher konnte nicht ausgeliefert werden.


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24.06.2009 20:51 (zuletzt bearbeitet: 24.06.2009 20:54)
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#21
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Wie war das genau, Augenzeuge?
Interessiert mich sehr!

Du meinst, die Pässe wurden vorher gefälscht? Und wurden in Budapest echt durch den Einreisevermerk?
Du mußtest doch aber als Westdeutscher/-berliner für Budapest ein Foto-Visum haben, welches vorher in Berlin oder Bonn bei der Botschaft (Konsulat) beantragt wurde.
Du mußtest doch außerdem in Prag einen Ausreisevermerk bekommen, der in Budapest ja auch kontrolliert wurde..

Wie klappte der Trick denn genau?
Ich weiß auch, daß es da mal Wege über Pässe und Fliegerei gegeben hat. Die genauen Details entziehen sich aber meiner Kenntnis...


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24.06.2009 20:56
#22
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Augenzeuge grüß Dich!
Ja ist ein schwieriges Thema--Aber rechtlich gesehen war Fluchthilfe-nach den Grundlagenvertrag von 1972 dann eine Straftat.Also mal so gesehen--wenn man einen Fluchthelfer erwischt hat--dann hat der Mann zu Recht gesessen.Ich spreche nun nicht von den,der flüchten wollte.Denn der Fluchthelfer hat gegen gültiges Recht des Grundlagenvertrags 1972 verstoßen.Was zwischen beiden deutschen Staaten geschlossen wurde.


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24.06.2009 21:07
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#23
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Hallo,

ich möchte in diesem Zusammenhang mal den Link http://www.ddr-geschichte.de/Politik/Sou...itabkommen.html

ins Spiel bringen, wo das ganze Transitabkommen dokumentiert ist. Der Punkt, um den sich alles dreht, ist wohl der darin
defininierte "Mißbrauch der Transitwege". Ob dieser Mißbrauch auch von der westlichen Seite hätte verfolgt werden müssen -
keine Ahnung.

Gruß

icke


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24.06.2009 21:20
#24
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icke---nun ist alles klar Danke


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26.06.2009 02:27
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#25
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Zitat von FSK-Veteran
Die Fluchthilfe lief nach seinen Erzählungen folgendermaßen ab:
Nachdem er zur Verabredung seinen Fluchthelfer in der Raststätte Michendorf auf die Toilette gehen sah, zahlte er und passte seinen Fluchthelfer dementsprechend ab, daß beide zeitgleich die Raststätte gemeinsam verließen, als ob sie sie gemeinsam betreten hätten. Beide gingen zum Auto und er setzte sich nach vorne auf den Beifahrersitz des Mercedes-PKW. Sie fuhren los am frühen Sonntagmorgen(?), als die Transitstrecke erfahrungsgemäß recht leer war. An einer bestimmten Stelle der Transitstrecke gab es eine Vertiefung. So etwas, wie ein kleines Tal, in der sich das Fahrzeug kurzfristig einer Überwachung aus der Ferne entzog. Im PKW erfuhr er vom Fluchthelfer den genauen Ablauf. Das er mitten auf der Transitstrecke stoppen werde. Und das er dann nach hinten rennen solle, um sich in den Kofferraum zu legen. Das geschah dann auch so. Das Fahrzeug stoppte rasant. Er rannte nach hinten, sprang in den Kofferraum und der Fluchthelfer gab sofort wieder Vollgas. Aus dem Kofferraum hörte er dann nach eigenen Erzählungen die Abfertigungsgespräche. Das Fahrzeug fuhr ein Stück. Dann fuhr das Fahrzeug ein längeres Stück. Dann stoppte es nochmals. Genau erinnern konnte er sich dann an die Frage: "Guten Tag, gab es in der DDR besondere Vorkommnisse"? Da wußte er: "...ich hab´s geschafft...". Der Fluchthelfer verneinte die Frage und sie fuhren noch ein Stück bis auf einen abegelegenen Teil einer Raststätte. Er kann sich noch heute an die ersten Eindrücke erinnern. "Der Kofferraum öffnete sich. Und ich sah als allererstes im Westen eine Shell-Tankstellenreklame hinten auf der anderen Fahrbahnseite."

Er setzte sich wieder nach vorne auf den Beifahrersitz. Und die Fahrt ging ganz normal weiter nach Frankfurt/Main zu seinen Verwandten....

Hallo FSK-Veteran,

vielen Dank, dass Du hier bei uns das Forum bereicherst. Ich finde Deine Betraege sehr einblicksvoll, man will ja hier die Vergangenheit festhalten und abarbeiten, und Tatsachen von Augenzeugen tragen viel dazu bei.

Zum Thema.
Ich habe im diesem Clip nie 100% verstanden worum es ging, bis ich Deine Story gelesen habe. Hat es sich in diesem Clip um so einen Fluchtversuch gehandelt?

Berliner

Dieser kleiner Clip ist aus der DVD So war das DDR, Kapitel 6: Schild und Schwert. Die DVD ist hier erhaeltlich ist.



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26.06.2009 02:41
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Zitat von Berliner
Zum Thema. Ich habe im diesem Clip nie 100% verstanden worum es ging, bis ich Deine Story gelesen habe. Hat es sich in diesem Clip um so einen Fluchtversuch gehandelt?
Berliner

Dieser kleiner Clip ist aus der DVD So war das DDR, Kapitel 6: Schild und Schwert. Die DVD ist hier erhaeltlich ist.



Mit dem Video haette ich mal 'ne Frage an unseren Bunkerkommandanten: War es normal das man sich da bei der 'Firma' ueberm Funk gegenseitig als 'Knallkoeppe' usw. bezeichnet hat?
-Th


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26.06.2009 15:41
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Zitat von FSK-Veteran
Wie war das genau, Augenzeuge?
Interessiert mich sehr!
Du meinst, die Pässe wurden vorher gefälscht? Und wurden in Budapest echt durch den Einreisevermerk?
Du mußtest doch aber als Westdeutscher/-berliner für Budapest ein Foto-Visum haben, welches vorher in Berlin oder Bonn bei der Botschaft (Konsulat) beantragt wurde.
Du mußtest doch außerdem in Prag einen Ausreisevermerk bekommen, der in Budapest ja auch kontrolliert wurde..
Wie klappte der Trick denn genau?
Ich weiß auch, daß es da mal Wege über Pässe und Fliegerei gegeben hat. Die genauen Details entziehen sich aber meiner Kenntnis...


Nun, es gab unterschiedliche Möglichkeiten. Kauf dir mal das Buch von Wolfgang Welsch, Staatsfeind Nr.1- hier soll alles detailliert beschrieben sein. Es gab wohl auch Möglichkeiten über das Strauss-Büro. Danach wurden wohl einige Flüchtlinge in Diplomatenfahrzeugen rausgebracht. Mir ist bekannt, das u.a. ein norwegischer Diplomat erfolgreich war, er aber kurz darauf ausgewiesen wurde.
Hier habe ich aber schon mal eine Story:
In die befreundeten Ost-Block-Länder zumindest konnten die DDR-Bürger ja auch fliegen. Und genau diesen Umstand nutzte Müller für seine Fluchtidee: In den Transiträumen osteuropäischer Flughäfen wie Prag oder Budapest mischten sich zu bestimmten Zeiten immer wieder ostdeutsche und westdeutsche Flugreisende. Ideal schien der Sonntag in Prag zu sein. Dort warteten die Passagiere gegen 9 Uhr auf drei fast zeitgleiche Flüge - einen nach Schönefeld (Ost-Berlin), einen mit der Swiss Air nach Zürich und den der amerikanischen Fluglinie Pan Am nach Düsseldorf.

So einfach funktionierte es: Im Transitraum sammelte Müller die Pässe und Flugscheine der zur Flucht entschlossenen DDR-Bürger ein, die, aus anderen Ostblockstaaten kommend, in Prag eigentlich in Richtung Berlin-Schönefeld umsteigen sollten. Stattdessen erhielten sie von Müller einen gefälschten Westberliner Personalausweis und neue Tickets nach Zürich oder Düsseldorf. Für die tschechischen Grenzer waren sie so Westberliner, und statt in der Interflug-Maschine nach Schönefeld saßen die DDR-Flüchtlinge plötzlich in einem Flieger in die Freiheit. Eine mit Angst und viel Geld erkaufte Freiheit.

Im günstigen Fall kostete die Flucht 8000 D-Mark, zahlbar an die "Fluchtorganisation Loeffler" - eine Menge Geld, bei einem Durchschnittsverdienstes von knapp 600 Mark (Ost) und einem inoffiziellen Tauschkurs von damals 1:3. Angebot, Nachfrage und Risiko bestimmten auch bei den Fluchthelfern den Preis: In den achtziger Jahren, als immer mehr DDR-Bürger raus wollten und der SED-Staat eine Flucht zugleich immer mehr erschwerte, sollen sogar bis zu 20.000 DM pro Ausreisewilligen verlangt worden sein. Oft zahlte die Westverwandtschaft den Preis der Freiheit, seltener akzeptierte die Fluchtorganisation auch Abtretungserklärungen - dass ein Fluchtwilliger eine so hohe Summe selbst auf der hohen Kante hatte, war die Ausnahme. "Wer nicht zahlen konnte, wurde nicht geschleust", so Müller.

Im ungünstigen Fall jedoch entdeckte die Stasi die Fluchtvorbereitungen; dann war nicht nur das Geld weg, es drohten mindestens zwei Jahre im Gefängnis. Angst hatte deshalb jeder. Für 32 DDR-Bürger, darunter Ärzte, Chemiker, Kellner und ganze Familien, denen Müller und seine Hintermänner mit gefälschten Ausweisen via Flugzeug zur Freiheit verhalfen, endete die Flucht jedoch glücklich.

Gruß, Augenzeuge


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26.06.2009 15:55
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Zitat von Augenzeuge

In die befreundeten Ost-Block-Länder zumindest konnten die DDR-Bürger ja auch fliegen. Und genau diesen Umstand nutzte Müller für seine Fluchtidee: In den Transiträumen osteuropäischer Flughäfen wie Prag oder Budapest mischten sich zu bestimmten Zeiten immer wieder ostdeutsche und westdeutsche Flugreisende. Ideal schien der Sonntag in Prag zu sein. Dort warteten die Passagiere gegen 9 Uhr auf drei fast zeitgleiche Flüge - einen nach Schönefeld (Ost-Berlin), einen mit der Swiss Air nach Zürich und den der amerikanischen Fluglinie Pan Am nach Düsseldorf.

So einfach funktionierte es: Im Transitraum sammelte Müller die Pässe und Flugscheine der zur Flucht entschlossenen DDR-Bürger ein, die, aus anderen Ostblockstaaten kommend, in Prag eigentlich in Richtung Berlin-Schönefeld umsteigen sollten. Stattdessen erhielten sie von Müller einen gefälschten Westberliner Personalausweis und neue Tickets nach Zürich oder Düsseldorf. Für die tschechischen Grenzer waren sie so Westberliner, und statt in der Interflug-Maschine nach Schönefeld saßen die DDR-Flüchtlinge plötzlich in einem Flieger in die Freiheit. Eine mit Angst und viel Geld erkaufte Freiheit.



Es mußte ja garnicht im Chaos eines Flughafen alles erledigt werden. Die DDR Bürger machten ihren ganz normalen Urlaub in Bulgarien oder ähnlich. Ein Mitarbeiter der Fluchthilfeorganisation traf dann diese Familie. Sie bekamen von ihm westdeutsche Papiere, meißtens im Original. Außerdem Flugscheine und andere Kleinigkeiten wie westl. Zigaretten und ähnliches, was auf eine Herkunft aus dem Westen schließen ließ. Diese Personen flogen dann ganz normal in West-Berlin den Flughafen an. Es gab zu dieser Zeit viele Mitarbeiter von Ordnungsämter welche die Arbeit von Fluchthilfeorganisationen mit der Weitergabe von Papieren oder Stempeln unterstützten. Manchmal waren es auch die Behörden selber.


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26.06.2009 16:05
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Hallo karl 143, bist du sicher? Dann bräuchten sie auch Ausreisepapiere, im Transitraum nicht mehr.

Gruß, Augenzeuge


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26.06.2009 16:42 (zuletzt bearbeitet: 26.06.2009 16:44)
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Ja, bin ich. Das ist auch im Buch von Welsch so beschrieben. Das erste Treffen mit der Familie welche flüchten will, findet im Hotelzimmer der Familie statt. So wurde das ganze Risiko mit den Transitbereichen umgangen. Die hatten doch dann westdeutsche Papiere. In denen war die Einreise schon eingearbeitet. Die sind dann mit dem bundesrepublikanischen Pass ganz normal als Tourist wieder nach Deutschland geflogen.


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