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#1

Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 12:16
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Hallo zusammen,
angeregt durch die wirklich sehr aussagekräftigen Berichte des ABV aus dem Oderland möchte ich auch meine Erlebnisse mit euch teilen und vielleicht ein paar "Ehemalige" finden. Und einige Fragen hätte ich auch noch...

Kurz zu meiner Person: Jahrgang 1967, 1986-1988 OHS für Militärflieger Brandenburg, 1988-1996 Kriminalpolizei Berlin

Ich fange einfach mal mit der Vorgeschichte, welche mich zur Kripo nach Berlin brachte, an:

Just im Hochgefühl der bestandenen 1. fliegerischen Hauptprüfung im Frühjahr 1988 und der darauffolgenden Versetzung in das 3. Studienjahr musste ich eines schönen Tages den Unterricht verlassen und im Stabsgebäude bei Major M. (V2000) aufschlagen.
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, wer das war. Im Dienstzimmer angekommen wunderte ich mich, dass mir kleinem OS die Aufmerksamkeit von 7 hohen Offizieren zuteil wurde. Eingeschüchtert nahm ich Platz und M. kam auch gleich ohne Umschweife zum Thema: "Genosse K...., sie werden in der DDR nie wieder ein Luftfahrzeug bewegen und werden als Militärflieger und OS abgelöst." Punkt.

Doing, das hatte gesessen. Mir klappte die Kinnlade runter, denn ich hätte mit allem gerechnet, nur mit so einer Äußerung nicht. Ich war zwar kurz vorher in Königsbrück zum jährlichen Check und hatte mir eine Brille (0,25... lächerlich) eingefangen, aber das war bei den Hubschraubern nun wirklich kein Problem, zumal ich ausdrücklich als flugtauglich zurückkehrte und entsprechend geplant wurde.

Die Windungen unter dem Käppi fingen an zu glühen und ich überlegte mir, was wohl als Grund kommen könnte... Fluguntauglich. Den wahren Grund habe ich es erst viele Jahre später, nach Einsicht in meine Stasi-Akte, erfahren. Wenn dieser Punkt interessiert, kann ich gerne darüber berichten, aber weiter auf dem abgesägten Ast...

Es mussten Alternativen her. Marine hätte ich mir gut vorstellen können. Keine Planstellen für einen OS. FID, nie im Leben. Die Anderen fliegen und ich schraube.... Da kommt doch der Spieß und meint, ich solle mich in Löbau in der Fachrichtung Panzerdienst melden. Wir kannten uns sehr gut und ich habe ihn direkt gefragt, ob er mich verarschen will. Lange Rede kurzer Sinn, wieder Meldung bei M. in der V 2000. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, bei der Kripo in Berlin zu arbeiten. Er hätte da einen Kontakt und wenn ich wöllte, würde der Genosse mal ein Gespräch mit mir führen. Ich war zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt, verblendet und vielleicht auch ein bisschen zu dämlich für das reale Leben.

Mir erschien die letztere Alternative als sehr interessant und ich beschloss, mir die Ausführungen des Genossen aus Berlin mal anzuhören. Keine 2 Tage später schlug Hptm. d. K S. im Objekt auf und wir führten ein angeregtes Gespräch, welches die Weichen für mein Leben nach der OHS gestellt haben. Zum Abschluss lud er mich nach Berlin ein, ins Präsidium der Volkspolizei. Wow...

Ich fühlte mich trotz meines Rausschmisses aus der OHS noch gebauchpinselt und machte mich, bewaffnet mit entsprechendem Dienstauftrag, auf in die Hauptstadt. Angekommen in der Hans-Beimler-Straße staunte ich nicht schlecht beim Anblick des imposanten Gebäudes. Zackige Meldung am Empfang und schon war der Genosse S. bei mir. Ab in die Kantine, erst mal was gefuttert und dann gings los...

Ein Rundgang durch das PdVP... Eine prägende Erinnerung. Fortsetzung folgt, wenn ihr wollt... :-)


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


Pit 59, Gert, josy95, und Eisenacher haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 12:33
von Pit 59 | 12.452 Beiträge | 11884 Punkte
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Hallo Erik

Erstmal Herzlich Willkommen hier im Forum und viel Spass.
Mensch das haste ja Prima geschrieben,ganz grosse Klasse.Sehr Spannend aber leider viel zu kurz.
Schreibe auf jeden Fall weiter,ich denke das es auch alle anderen hier sehr Interessiert.

Gruß aus Thüringen



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#3

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 12:36
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 36 Punkte
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Hallo und Willkommen, sehr interessante Schilderung!

Besonders die Ablösung als OS und dann doch noch zur K dürfen. Ich denke auf die Fortsetzung und die Hintergründe dürften schon jetzt alle sehr gebannt warten.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
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#4

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 12:51
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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@Pit und Feliks: Vielen Dank für eure Kommentare. Ich werde selbstverständlich weiter berichten. Lasst mir nur bitte eine gewisse Chronologie, sonst fehlt mir die Hälfte der Geschichte. Und selbstverständlich werde ich auch auf den Fakt OS zur K eingehen. Was zu dieser Zeit da wirklich gelaufen ist, wusste ich am Anfang der Geschichte noch gar nicht...


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#5

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 12:54
von passport | 3.135 Beiträge | 1978 Punkte
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Ein herzliches Willkommen auch von meiner Seite.

Deine Geschichte hört sich spannend und interessant an. Freue mich schon auf die Fortsetzung dieses Lebensabschnittes.

Gruß

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#6

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 13:27
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Ich knüpfe hier an meinen ersten Beitrag an und lasse die erste „Berliner Begegnung“ noch einmal durch’s Gedächtnis laufen. Eine bleibende Erinnerung ist der Fakt, dass Genosse S. damals das Essen und den Kaffee danach bezahlt hat.

Ich möchte auch noch anmerken, dass ich überrascht war, direkt von der K umworben zu werden. M.E. war ein Direkteinstieg eher unüblich. Korrigiert mich bitte, wenn ich hier falsch liege.

Dann wurde es dienstlich. Wir fuhren mit dem Paternoster (hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben gesehen und benutzt) in den 7. (?) Stock des PdVP und landeten schließlich vor einer Tür, welche mit einem elektronischen Zahlenschloss versehen war. Ich kannte bis dato nur die schnöde Petschaft und war als Technikfreak schon mal begeistert. Tür auf und wir standen auf einem langen Flur mit gefühlten 100 Büros.

Jeder Schlipsträger glotzte mich ob meiner Uniform an und ich wünschte trotzdem allen einen guten Tag. Nach einer Endlosschleife durch die Gänge führte mich Genosse S. zielsicher in einen Besprechungsraum. Hier wies er mich zuerst auf meine Verschwiegenheitspflicht hin (er hatte wohl mitbekommen, dass ich mir den Code abgeschaut hatte) und holte wieder einen Kaffee. Und plötzlich waren wir zu viert. S., Oltn. d. K M. und der Dezernatsleiter OSL d. K ?. Ich saß wie ein Krümel an der Stirnseite des Tisches, hatte einen totalen Orientierungsverlust und mir schon überlegt, dass ich doch lieber in der LPG Geußnitz als Landmaschinenschlosser arbeiten wollte. (Anmerkung: Wollte mein Vater nicht. War ihm wohl zu schnöde…)

Bevor ich allerdings ein Wort rausbrachte, stellte sich der Dezernatsleiter vor und erklärte mir, wo ich mich befinde. Im Dezernat I. OK, hätte er sich auch klemmen können, ich hatte weiterhin keinen Plan. Aber alle drei Genossen waren sehr freundlich und fingen an zu plaudern. Das Dezernat I würde sich mit allen Arten der Wirtschaftskriminalität in ganz Berlin befassen, incl. Kunstdiebstähle usw.. Da habe ich mich selbst als unbedarfter Bürger gefragt, was es wohl mit Kunstdiebstählen in der DDR auf sich hätte. Spontan fiel mir ne Leninbüste ein und ich hab erst mal richtig gelacht. Damit war das Eis wohl auch gebrochen und das Gespräch nahm einen sehr angenehmen Verlauf. Mancher mag jetzt ob meiner Unwissenheit feixen, aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch keinen Zusammenhang zwischen V2000 der NVA und dem Dezernat I der K herstellen.

Nach ca. 3 Stunden, die in einer wirklich lockeren Atmosphäre stattfanden, hatten mich die Kameraden soweit. Als ich hörte, dass sich ein Abteilungsleiter eines größeren Berliner Betriebes am Volkseigentum derart bereichert hat, dass er sich sozusagen kostenlos eine Datsche bauen konnte, war ich in Gedanken schon einer von der K. Ich fragte mich allerdings gleichzeitig, wie mein Vater seine Datsche wohl gebaut hatte…. Ich bin als Kind oft in den Wismut-LKW mitgefahren.

Da mich die Genossen so schnell als möglich in Berlin haben wollten, bekam ich ein Ersuchen auf Entlassung mit, welches ich dem M. (V2000) übergab. Wohlwollend wurde zur Kenntnis genommen, dass ich den bewaffneten Organen treu bleiben würde. Selbstverständlich wurde dem Ersuchen entsprochen.

Fortsetzung folgt….


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Pit 59 und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 13:54
von Udo | 1.330 Beiträge | 301 Punkte
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@erkoe: Willkommen und - machs nicht so spannend, schreib weiter.
Udo



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#8

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 13:59
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keine Angst, geht gleich weiter. Etwas sortieren muss ich aber schon


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#9

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 14:53
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 36 Punkte
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Muss ja nicht alles an einem Tag erzählt werden


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
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#10

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 14:59
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Recht haste, Feliks. Aber während meine Frau ein Buch liest, schreibe ich halt ein paar Zeilen....

Die Tage als OS sind gezählt…

Auf die EK-Bewegung habe ich verzichtet, schließlich war die Fliegerei mein Leben. Als man mir am Entlassungstag auch noch das Flugbuch (das wichtigste Dokument eines jeden Piloten) weggenommen hat, war das Kapitel NVA für mich erledigt. Bereits in Zivilkleidung, habe ich dies dem Stabschef der Staffel dann auch deutlich zu verstehen gegeben.

Diesem letzten Tag gingen noch drei „Kadergespräche“ mit der DVP voraus. Man wollte schließlich sichergehen, dass man sich keine Laus in den Pelz setzt. Alles in allem ziemlich easy. Allerdings wurde ich wieder nach Berlin beordert und ein Kaderoffizier stellte mir die Frage, was mein Vater wohl 1957 in der BRD zu suchen hatte. Das war mir vollkommen neu und ich gab die Frage mit Hinweis auf meinen Jahrgang (1967) zurück. Er war zufrieden, der Dienstvertrag wurde unterschrieben und ich musste eigentlich nur auf das nächste Wochenende warten, um meinem Vater ebendiese Frage zu stellen. Kurz angemerkt, die Antwort lautete sinngemäß: „Geht dich nix an!“
Ankunft in Berlin…

Am 01.11.1988 war es dann soweit. Zur befohlenen Zeit meldete ich mich am Empfang des PdVP und wieder war Genosse S. sofort zur Stelle. Aber diesmal gab‘s nix zu futtern, keinen Kaffee und der Paternoster blieb nicht links, sondern rechts liegen. Wir standen nach einigen Durchgangstüren im Hof, Ausgang Keibelstraße. Was’n da los, dachte ich kurz. Genosse S. erklärte mir, dass ich erst mal in die sogenannte Nachwuchseinheit des Dez. I komme. Die OFG (Operative Fahndungsgruppe) II. Hier würde ich so lange verbleiben, bis ich das 2. Studienjahr (Fernstudium Aschersleben) abgeschlossen hätte. Ich hab mich sowas von verarscht gefühlt… Aber es war zu spät. Wenigstens war an der finsteren Bude auch ein elektronisches Zahlenschloss. Ich hatte somit gedanklich erst mal mit dem Diebstahl der Leninbüsten abgeschlossen und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

S. kannte natürlich den Code, die Tür ging auf und er übergab mich in die Obhut des Polit, Maj. d. K F.. Mein erster Gedanke: Der sieht aus wie ne Bulldogge. War auch eine. Neben mir bauten sich zwei verdiente BU’s der BePo auf. Die Obermeister D. und G., beide in Uniform. Nebenbei ist mir irgendwie noch aufgefallen, dass die K mich um 2 Dienstgrade besch***** hatte. Als Stabsfeldwebel der Reserve hätte mir ja auch der Kriminalobermeister zugestanden. Im Hinblick auf mein Fernstudium habe ich den Gedanken aber verworfen. Das Ziel war klar: Leutnant der K.

Nun standen wir zu dritt vor der Bulldogge und die zwei Kameraden von der BePo bekamen erst mal einen Anschiss. Sie seien hier bei der K, was soll die Uniform??? Schweigen im Walde. OK, heute wäre eh erst mal Innendienst und wir bekamen einen Laufzettel für Personalangelegenheiten, B/A und ähnliches Gedöns. Ist ja hinlänglich bekannt. Gegen Mittag waren wir mit unserer Runde fertig und die Dienstschicht, welcher wir zugeteilt werden sollten, rückte ein. Schichtleiter war Oltn. d. K Udo N., später liebevoll als „Unser Dummer Oberleutnant“ bezeichnet. Als ich die Meute das erste Mal sah, stellte sich mir spontan die Frage, wieso ich hier in einer Nachwuchseinheit bin. Bis auf drei, vier Burschen in meinem Alter kamen mir nur altgediente Unterführungsgrade vor die Pupille. Zum zweiten Mal an diesem Tage war ich pappesatt.

Nun ja, die Truppe rückte aus und wir 3 bleiben mit dem Hinweis zurück, morgen genug 8/75er (Mocca Fix) und 14/50er (ich glaube Goldkrone) als Einstand mitzubringen. Die beiden Obermeister wurden mit dem Hinweis in den Feierabend verabschiedet, doch am Folgetag bitte in Zivil wiederzukommen. Ich wurde dem Schirrmeister übergeben, welcher mich mit meinem Trabbi in das Wohnheim Rhinstr. lotsen sollte. Und so ging‘s ab auf die Leninallee…

Forstsetzung folgt…


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Pit 59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#11

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 15:06
von turtle | 6.961 Beiträge | 124 Punkte
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Ich möchte auch weiter lesen. Gerade persönliches Erlebtes macht es so interessant.Man muss sich mit mit dem war auseinander setzen,versuchen zu verstehen warum,weshalb und wieso es so kommen musste.Ein Resümee ist immer gut ,auch um Fehler nicht zu wiederholen.Ich wünschte mir mehr würden hier im Forum über Erlebtes schreiben und zum Nachdenken anregen.



zuletzt bearbeitet 19.07.2012 19:16 | nach oben springen

#12

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 16:19
von exgakl | 7.589 Beiträge | 1617 Punkte
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herzlich willkommen erkoe und weiter so!

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....


zuletzt bearbeitet 19.07.2012 16:19 | nach oben springen

#13

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 17:00
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Einzug ins VP-Wohnheim

Jaja, der Schirrmeister. Das war schon ne Kraft. Düst mit dem Lada los. Seine Worte waren nur: „Immer geradeaus und bei den Hochhäusern rechts rein“. Toll, dachte ich. Aber irgendwie habe ich die Rhinstr. gefunden und wir begaben uns zur Anmeldung. Die folgende Unterhaltung zwischen dem „Anstaltsleiter“ und ihm empfand ich getreu dem Motto „Weißte noch damals, als wir 1952 die KVP gegründet haben… “. Allerdings hatte die Bekanntschaft der Beiden für mich einen entscheidenden Vorteil. Ich bekam eine Luxusbehausung, jedenfalls nach damaligen Gesichtspunkten. Separates Schlafzimmer, riesiges Esszimmer mit Küche, Wohnzimmer mit Balkon, Bad, getrennte Toiletten und ein weiteres Schlafzimmer. Wir waren im Laufe der Zeit nie mehr als 3 Mann, das war schon ne Art Kulturschock. Schnell noch Bettzeug und Schlüssel empfangen, Pappe ausräumen und ab in die Kaufhalle, Bier und Einstand holen. Alles in allem doch noch ein gelungener Tag, bis auf das Fernsehbild. Der Junost konnte wohl nicht so mit ARD usw.…

Der erste Arbeits- bzw. Diensttag

Frühschicht war befohlen. Dienstbeginn um 08:00 Uhr. Um 06:00 schrillte der Wecker und ich hatte mir überlegt, hauste dir noch ordentlich was rein, wer weiß, wann es wieder was gibt. Eine weise Entscheidung. Nicht in punkto Verpflegungsengpass, eher dem Einstand geschuldet. Ich hatte mich gleich mal schlecht eingeführt. Die Pappe hatte ich stehengelassen und wollte die Tram probieren. Den Unterschied zwischen Linie 18 und 18a kannte ich bis dahin nicht. Der war aber so gewaltig, dass ich ab dem SEZ zu Fuß gehen durfte. Allerdings hielt sich der Anschiss in Grenzen, wir waren ja bei der K.
Auch meine beiden Mitstreiter vom ersten Tage traten den Dienst in Zivil an. KOM D. allerdings im Anzug. Der hatte wohl zu viel „Polizeiruf“ gesehen. Allerdings musste man uns Neulingen zu Gute halten, dass wir keine Ahnung hatten, was uns bei der OFG erwarten würde. UDO (siehe weiter oben) kam dann auch und wies die Schicht ein. Nach dieser Einweisung bin ich fast vom Stuhl gefallen und ich wünschte mich wieder zurück in die LPG als Schlosser. Alles war interessanter im Leben als die Platten und Wege vom Alex bis zum Brandenburger Tor abzulatschen. Wo war ich bloß hingeraten?
Diese Frage sollte sich in den folgenden Stunden beantworten, denn ich wurde einem auf der „Platte“ erfahrenen Nachwuchskader (ca. 45 Jahre alt) zugeteilt, der mich einweisen sollte.
Was er auch mit Hingabe tat. Als erstes besichtigten wir den sogenannten „Zuführungspunkt“ im S-Bahnhof Alexanderplatz. So etwas hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Eine Art Bunker im Untergeschoss, dekoriert mit 3 Stühlen, einem Tisch und einem Telefon, um, wie im Jargon genannt „Über Draht“ zu kommen. Meine Desillusionierung nahm ihren Lauf. Um mich abzulenken aktualisierte ich noch schnell das Fahndungsbuch, indem ich seine Zettel bzw. diverse Fernschreiben fein säuberlich in die Fahnderbibel übertrug.
Da auf der Platte bei dem sch*** Wetter nicht viel los war, bezogen wir einen geschützten Posten in den Rathauspassagen und er zeigte mir potenzielle Kandidaten für eine Personenkontrolle. Zu diesem Zeitpunkt erschlossen sich mir seine Kriterien allerdings nicht. Im Verlauf der Schicht zeigte er mir dann tatsächlich noch unseren gesamten Dienstbereich (zu Fuß) und ich war nach den 12 Stunden derart im Eimer, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dies am nächsten Tag gleich noch einmal zu machen.
Am interessantesten fand ich an diesem Tage noch den Funk. Wir verfügten über Geräte aus tschechischer Produktion, welche man ähnlich einem Pistolenholster unter der Kleidung tragen konnte. Da mir die meisten Kollegen noch unbekannt waren, erlaubte sich mein Mentor einen kleinen Scherz. Er lotste mit einem Rundruf ein (Streifen)Pärchen zum Neptunbrunnen und meinte zu mir, dass die Zwei, die den Kopf gleich nach rechts bzw. links beugen würden (Sitz des Lautsprechers) meine Kollegen seien. Gesagt, getan. Ich hab’s nicht glauben wollen, aber er hatte Recht und ich wenigstens einen Lacher an diesem Tag, obwohl mir eigentlich nicht danach zu Mute war.
Irgendwie war meine Stimmung auch bis zur Bulldogge durchgedrungen. Jedenfalls durfte ich nach der Schicht bei ihm antanzen. Mein Mentor hatte wohl „über Draht“ meine mangelnde Einstellung zur sinnfreien Bestreifung des Berliner Zentrums kundgetan. Bitte schlagt jetzt nicht auf mich ein, aber ich dachte bis dahin immer, dafür gibt’s die Schutzpolizei. Das ein ganz anderer Gedanke hinter DIESER Bestreifung in Zivil steckte, ist mir erst viel später bewusst geworden.
Aber sei’s drum: Erster Tag, erster dienstlicher Anschiss. Das hab ich nicht mal bei der NVA geschafft. In der Folgezeit war es sehr schwierig für mich, vom gelernten Denken und Handeln eines NVA-Piloten abzulassen und den Sinn meiner neuen beruflichen Zukunft zu begreifen. Der Absturz war selbst bei wohlwollender Betrachtung zu offensichtlich und hat mir eine Menge Ärger eingebracht.

Fortsetzung folgt….

Im Zusammenhang mit der Streife der Schutzpolizei auf dem Alex hätte ich eine Frage: Es gab einen Kollegen, der wurde der „Rostocker“ genannt. Meines Wissens der erfolgreichste Fahnder auf der Platte. Ist er vielleicht hier bekannt?


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#14

RE: Resümee einer Jugend...

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Gilbert eventuell, musst mal anfragen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
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#15

RE: Resümee einer Jugend...

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Danke Feliks für deine Info bezüglich des "Rostockers", ich bin ja gerade mal einen Tag hier und wenn sich was rauskriegen lässt, dann sicher auf dieser Webseite (welche ich schon seit 2 Monaten aufmerksam verfolge)...

Ich möchte zwischenzeitlich mal die Erklärung für einen geschassten OS in Diensten der Kripo liefern. Ohne der Geschichte komplett vorgreifen zu wollen: Laut Auskunft der Personalakte, welche ich nach der Wende einsehen durfte, waren unsere Kreisdienststelle in Zeitz und auch unser ABV sehr rührig in Bezug auf meine Person. Ich bitte dies jetzt nicht als persönliche Abwertung zu verstehen, zumal ich unseren ABV'er, Ltn. d. VP R., seit der 5. Klasse kannte und auch als pubertärer Jugendlicher sehr schätzte.
Da ich nie schlechter als Note 2 in Theorie und Praxis an der OHS abgeschlossen hatte, bemühte man sich weiter um mich und suchte wohl "das geringste Übel". Hab ich in meinem jugendlichen Leichtsinn damals nicht einmal geahnt... Man hatte mich unter Kontrolle und auf eine Art und Weise geködert, auf die sicher einige junge Menschen in der DDR hereingefallen sind.


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#16

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 19:21
von Hackel39 | 3.509 Beiträge | 2210 Punkte
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Zitat von erkoe im Beitrag #13
Einzug ins VP-Wohnheim

Jaja, der Schirrmeister. Das war schon ne Kraft. Düst mit dem Lada los. Seine Worte waren nur: „Immer geradeaus und bei den Hochhäusern rechts rein“. Toll, dachte ich. Aber irgendwie habe ich die Rhinstr. gefunden und wir begaben uns zur Anmeldung. Die folgende Unterhaltung zwischen dem „Anstaltsleiter“ und ihm empfand ich getreu dem Motto „Weißte noch damals, als wir 1952 die KVP gegründet haben… “. Allerdings hatte die Bekanntschaft der Beiden für mich einen entscheidenden Vorteil. Ich bekam eine Luxusbehausung, jedenfalls nach damaligen Gesichtspunkten. Separates Schlafzimmer, riesiges Esszimmer mit Küche, Wohnzimmer mit Balkon, Bad, getrennte Toiletten und ein weiteres Schlafzimmer. Wir waren im Laufe der Zeit nie mehr als 3 Mann, das war schon ne Art Kulturschock. Schnell noch Bettzeug und Schlüssel empfangen, Pappe ausräumen und ab in die Kaufhalle, Bier und Einstand holen. Alles in allem doch noch ein gelungener Tag, bis auf das Fernsehbild. Der Junost konnte wohl nicht so mit ARD usw.…

Der erste Arbeits- bzw. Diensttag

Frühschicht war befohlen. Dienstbeginn um 08:00 Uhr. Um 06:00 schrillte der Wecker und ich hatte mir überlegt, hauste dir noch ordentlich was rein, wer weiß, wann es wieder was gibt. Eine weise Entscheidung. Nicht in punkto Verpflegungsengpass, eher dem Einstand geschuldet. Ich hatte mich gleich mal schlecht eingeführt. Die Pappe hatte ich stehengelassen und wollte die Tram probieren. Den Unterschied zwischen Linie 18 und 18a kannte ich bis dahin nicht. Der war aber so gewaltig, dass ich ab dem SEZ zu Fuß gehen durfte. Allerdings hielt sich der Anschiss in Grenzen, wir waren ja bei der K.
Auch meine beiden Mitstreiter vom ersten Tage traten den Dienst in Zivil an. KOM D. allerdings im Anzug. Der hatte wohl zu viel „Polizeiruf“ gesehen. Allerdings musste man uns Neulingen zu Gute halten, dass wir keine Ahnung hatten, was uns bei der OFG erwarten würde. UDO (siehe weiter oben) kam dann auch und wies die Schicht ein. Nach dieser Einweisung bin ich fast vom Stuhl gefallen und ich wünschte mich wieder zurück in die LPG als Schlosser. Alles war interessanter im Leben als die Platten und Wege vom Alex bis zum Brandenburger Tor abzulatschen. Wo war ich bloß hingeraten?
Diese Frage sollte sich in den folgenden Stunden beantworten, denn ich wurde einem auf der „Platte“ erfahrenen Nachwuchskader (ca. 45 Jahre alt) zugeteilt, der mich einweisen sollte.
Was er auch mit Hingabe tat. Als erstes besichtigten wir den sogenannten „Zuführungspunkt“ im S-Bahnhof Alexanderplatz. So etwas hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Eine Art Bunker im Untergeschoss, dekoriert mit 3 Stühlen, einem Tisch und einem Telefon, um, wie im Jargon genannt „Über Draht“ zu kommen. Meine Desillusionierung nahm ihren Lauf. Um mich abzulenken aktualisierte ich noch schnell das Fahndungsbuch, indem ich seine Zettel bzw. diverse Fernschreiben fein säuberlich in die Fahnderbibel übertrug.
Da auf der Platte bei dem sch*** Wetter nicht viel los war, bezogen wir einen geschützten Posten in den Rathauspassagen und er zeigte mir potenzielle Kandidaten für eine Personenkontrolle. Zu diesem Zeitpunkt erschlossen sich mir seine Kriterien allerdings nicht. Im Verlauf der Schicht zeigte er mir dann tatsächlich noch unseren gesamten Dienstbereich (zu Fuß) und ich war nach den 12 Stunden derart im Eimer, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dies am nächsten Tag gleich noch einmal zu machen.
Am interessantesten fand ich an diesem Tage noch den Funk. Wir verfügten über Geräte aus tschechischer Produktion, welche man ähnlich einem Pistolenholster unter der Kleidung tragen konnte. Da mir die meisten Kollegen noch unbekannt waren, erlaubte sich mein Mentor einen kleinen Scherz. Er lotste mit einem Rundruf ein (Streifen)Pärchen zum Neptunbrunnen und meinte zu mir, dass die Zwei, die den Kopf gleich nach rechts bzw. links beugen würden (Sitz des Lautsprechers) meine Kollegen seien. Gesagt, getan. Ich hab’s nicht glauben wollen, aber er hatte Recht und ich wenigstens einen Lacher an diesem Tag, obwohl mir eigentlich nicht danach zu Mute war.
Irgendwie war meine Stimmung auch bis zur Bulldogge durchgedrungen. Jedenfalls durfte ich nach der Schicht bei ihm antanzen. Mein Mentor hatte wohl „über Draht“ meine mangelnde Einstellung zur sinnfreien Bestreifung des Berliner Zentrums kundgetan. Bitte schlagt jetzt nicht auf mich ein, aber ich dachte bis dahin immer, dafür gibt’s die Schutzpolizei. Das ein ganz anderer Gedanke hinter DIESER Bestreifung in Zivil steckte, ist mir erst viel später bewusst geworden.
Aber sei’s drum: Erster Tag, erster dienstlicher Anschiss. Das hab ich nicht mal bei der NVA geschafft. In der Folgezeit war es sehr schwierig für mich, vom gelernten Denken und Handeln eines NVA-Piloten abzulassen und den Sinn meiner neuen beruflichen Zukunft zu begreifen. Der Absturz war selbst bei wohlwollender Betrachtung zu offensichtlich und hat mir eine Menge Ärger eingebracht.

Fortsetzung folgt….

Im Zusammenhang mit der Streife der Schutzpolizei auf dem Alex hätte ich eine Frage: Es gab einen Kollegen, der wurde der „Rostocker“ genannt. Meines Wissens der erfolgreichste Fahnder auf der Platte. Ist er vielleicht hier bekannt?



Auch von mir, ein herzliches Willkommen und nach guten Brauch gleich mal ein historisches Polizeiruf- Schnäppchen zum Thema Kunstraubhttps://www.youtube.com/watch?v=cv7v_jzX8aM
Gute Unterhaltung und vielen Dank für den authentischen Rückblick auf Deinen Berufsstart.
Kannst ja bei Gelegenheit mal drauf eingehen, was Du anders gemacht hast als Hauptmann Fuchs & Co und ob diese Filme überhaupt etwas mit dem Polizeialltag zu tun hatten.
Interessant wäre für mich auch zu wissen, ob die Bürger, auch IM's maßgeblich zur Aufklärung einzelner Straftaten hilfreich waren, Siegfried Schwarz schrieb in seinem Buch "Mord nach Mittag "darüber.
http://www.amazon.de/Mord-nach-Mittag-Au...e/dp/3360021215


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#17

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 19:29
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Zitat von erkoe im Beitrag #15
Danke Feliks für deine Info bezüglich des "Rostockers", ich bin ja gerade mal einen Tag hier und wenn sich was rauskriegen lässt, dann sicher auf dieser Webseite (welche ich schon seit 2 Monaten aufmerksam verfolge)...

Ich möchte zwischenzeitlich mal die Erklärung für einen geschassten OS in Diensten der Kripo liefern. Ohne der Geschichte komplett vorgreifen zu wollen: Laut Auskunft der Personalakte, welche ich nach der Wende einsehen durfte, waren unsere Kreisdienststelle in Zeitz und auch unser ABV sehr rührig in Bezug auf meine Person. Ich bitte dies jetzt nicht als persönliche Abwertung zu verstehen, zumal ich unseren ABV'er, Ltn. d. VP R., seit der 5. Klasse kannte und auch als pubertärer Jugendlicher sehr schätzte.
Da ich nie schlechter als Note 2 in Theorie und Praxis an der OHS abgeschlossen hatte, bemühte man sich weiter um mich und suchte wohl "das geringste Übel". Hab ich in meinem jugendlichen Leichtsinn damals nicht einmal geahnt... Man hatte mich unter Kontrolle und auf eine Art und Weise geködert, auf die sicher einige junge Menschen in der DDR hereingefallen sind.




Aber warum hast Du denn 1996 in den Sack gehauen ?
Einen solchen sicheren Job hängt man doch nicht so einfach an den Nagel .



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#18

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 20:36
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Liebe Freunde, lasst mir bitte ein bisschen Zeit für die Chronologie... Die Geschichte wird doch sonst langweilig.


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#19

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 21:08
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Die tägliche Dienst- und Freizeitverrichtung

Die letzten Wochen des Jahres 88 nahmen ihren Lauf und gingen trotzdem irgendwie an mir vorbei. So richtig heimisch fühlte ich mich nicht in meiner neuen Berufung. Wie oben beschrieben hing die Fliegerei immer noch nach. Dies wollten sich die Genossen aber nicht mehr gefallen lassen und die Bulldogge zitierte mich erneut zum Rapport. Leistungsmäßig alles OK, aber die Einstellung, Genosse. Da ich damals Kandidat der SED war, konnte er mir mit der Verweigerung der Aufnahme als Mitglied drohen. Höchststrafe und Verlust der Studiengarantie für Aschersleben . Er setzte mir also diesbezüglich die Pistole auf die Brust und meinte ganz nebenbei, ich könne auch beim Betriebsschutz anfangen. Bitte wiederum diese Äußerung nicht falsch verstehen, scheinbar war der BS in den Augen der Bulldogge die letzte Truppe der DVP.

Ich verpasste also der Platte und dem Zentrum Berlins meine Fußabdrücke und stellte polnische bzw. vietnamesische Schwarzhändler, welche die sozialistische Moral und deren Handelspolitik zu untergraben versuchten. Komischerweise waren auch "normale" DDR-Bürger unter den Hehlern, welche für sich und ihren Trabbi ein gepflegtes Billig-Kassettenradio (mit UKW!!!) erwerben wollten.

Meinen richtigen Einstand in die OFG erlebte ich im März 1989, als ich einen vietnamesischen Waffenbruder mit 130.000 DDR-Mark in einer Plastiktüte erwischte. Unbewaffnet und nur mit Funk unter der Kutte ausgerüstet (war ja noch nicht auf der Pol.-Schule). Der Kerl war zwar zwei Köpfe kleiner als ich, aber flink wie ein Wiesel und hat mich zwei Mal ums Rote Rathaus laufen lassen. Meine Güte....

Nach dem Dienst kam ich meistens nie in meiner Wohnheimbehausung an. Ich ging einfach geradeaus und fand mich neben Kollegen der Schupo, der Trapo, des Strafvollzuges und der K bei Erwin in der "Berliner Kaffeestube" wieder. Vielleicht erinnert sich an dieser Stelle einer der Leser noch an dieses Lokal. Erika (leider früh verstorben), Wolfgang und Erwin waren immer darauf bedacht, uns Staatsdienern einen gemütlichen Feierabend zu bereiten. Diese Kneipe sollte zu späterer Zeit noch eine gewichtige Rolle in meinem Leben spielen. Aber wie gesagt, später.... Mein Freundeskreis wuchs durch diese abendliche Dienstablenkung recht schnell, zumal im angrenzenden Wohnheim die Kellnerinnen der Ost-Berliner Hotellerie residierten.

Alles in allem hatte ich bis April 1989 ca. 4 Paar Schuhe verschlissen und mir insgeheim immer wieder ausgemalt, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich den Dieb der Leninbüste gestellt hätte. (Zusammenhang ergibt sich weiter oben) Die Bulldogge traute mir immer noch nicht, sprich: Ich war weiterhin Kandidat der SED und in seinen Augen ein Weichei. Trotzdem befand die vorgesetzte Dienststelle, den behalten wir und schicken ihn erst mal nach Neustrelitz. Auf die Polizeischule.

Fortsetzung folgt....


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#20

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 19.07.2012 23:14
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Polizeischule Neustrelitz - Wieder Uniformträger

Nachdem ich im Oktober 88 meine geliebte Uniform der Luftstreitkräfte abgeben musste, war es im April 89 wieder soweit. Gestellungsbefehl an die Pol.-Schule Neustrelitz und Empfang der Schutzpolizei-Uniform, nebst Anreise in dieser. In B-Lichtenberg hätte ich dadurch fast meinen Zug verpasst, als ein paar Touristen meinten:
"Herr Wachdmeester, mir missen ins Zendrum, wie gämmer jedz fahre???"
Auf meine höfliche Art wies ich ihnen den Weg und stieß so durch Zufall auf weitere Polizeischüler.

Da mein Zug bereits im Anfahren war und sie mich in Uniform bemerkten, holten sie mich mit Sack und Pack an Bord. Wir kamen schnell ins Gespräch. Die Genossen kamen aus Leipzig. Einer war auch bei der K. Tino A., wir verstanden uns prächtig. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass Tino unser Lehrgangsältester wird und mir einen zusätzlichen Aufenthalt in Neustrelitz bescheren würde... Aber der Reihe nach.

Angekommen in Neustrelitz fielen wir über die Muckerbusse (W50 - L/A) her und kamen uns wohl vor wie die Glatten bei der NVA. Tino, die anderen Leipziger und ich angelten uns trotz arger Schräglage einen Laster und saßen auf. Unwohlsein machte sich breit, welches sich nach dem Absitzen im Objekt prompt entlud. Bedingt dadurch, dass es den meisten Kameraden so erging, fielen wir nicht auf. Im allgemeinen Durcheinander stellten wir die äußere und innere Ordnung her und traten der körperlichen Aneinanderreihung bei.

Major der VP ? stellte sich als Lehrgangsleiter vor und teilte uns dem entsprechenden Block zu. (Zur Erläuterung: Es gab pro Lehrgang einen Block, derer gab es 5, plus einen Block für Betriebskampfgruppen und Frauen)
Das geschulte Auge stellte fest, dass es sich bei diesem Objekt um ein militärisch gesichertes Grundstück handelte. Wachaufzug war also vorprogrammiert. Da das Dienstende an diesem Tag so gut wie ran war, wurden schnell die Listen der Zug- bzw. Zimmeraufteilung verlesen und abgerückt.

Mein Kollege U.P. aus Weißwasser und ich bezogen ein 2-Bett-Zimmer, da wir aus Gründen militärischer Vorbildung als Gruppenführer auserwählt waren. Wie oben schon beschrieben, wurde Tino unser Lehrgangsältester und somit Vorgesetzter. Als Schirrmeister fungierte ein BePo-OM, den sie aus der gegenüberliegenden Kaserne ausgeliehen hatten. Ebenso verhielt es sich mit dem Waffenkammerbullen. (Beide nicht die Hellsten, aber 1a-Kameraden!!!!!)

Ich meine, mich erinnern zu können, dass der Block nach den Bezirken aufgefüllt wurde. Sprich von Süd (unten) nach Nord (oben). Dies sollte noch eine Rolle spielen.
Da am nächsten Tag noch keine Ausbildung vorgesehen war, ließ der Genosse Major antreten und inspizierte seine Lehrgangsteilnehmer. Es stellte sich heraus, dass im Prinzip keiner Lust auf seine zugeteilte Dienststellung hatte. Da sich zwei Kollegen im Gespräch äußerten, gerne GF zu sein, konnte ich mich als Kraftfahrer "bewerben". Dem Major war's egal und so rückten die potenziellen Kutscher sogleich zum Test (GST-LKW-Prüfung) ein. Komischerweise ist niemand durchgefallen und wir erhielten den PB-Schein.

Hier lernte ich auch ein echtes Unikum kennen: OM d. VP Kalle Leu... Ein kleiner dicker Kerl. Wollte auch zu den Kutschern, da entsprechende Vorbildung. Der fuhr vom SPW bis zur S50 alles, incl. Baumaschinen. Leider hatte der Lehrgangsleiter bemerkt, dass er ohne Hilfe nicht in den LA/A (Ballonreifen) einsteigen konnte. Lösung: In unserem Lehrgang gab es ab sofort einen Stv. Schirrmeister. Und der fuhr Lada Niva. Kalle hat's uns gedankt, indem er und seine Truppe immer zur Abholung bereit waren. Anruf hat genügt.

Kalle, falls du das lesen solltest: Du warst der ungewöhnlichste Volkspolizist, der mir je begegnet ist!! Weit außerhalb der Norm und doch ein Pfundskerl!!!! Im wahrsten Sinne des Wortes! Ich hab auch noch nach unserem Lehrgang noch lange an dich gedacht!

Nunja, das Tagesgeschäft nahm uns in Beschlag. Zu Lernen gab es genug, nebenbei Sport und Wache. Als Kutscher konnte man sich wenigstens in den Park verp**** und seinen W50 oder LO pflegen. Aus diesem Grund wurden auch, in Absprache mit dem Schirrmeister, diverse Unzulänglichkeiten generiert: z.B. Genosse HWM, die Dieselleitung an ihrem W50 leckt... Und ab in den Park!

So nahm der Lehrgang seinen Lauf. Für mich war am 01.05.1989 als Kutscher Schluss. 05:00 Uhr, Zangenberg bei Zeitz. Verkehrskontrolle, 0,3 Prom. Rest und trotz Dienstausweis der K keine Gnade.
Oder vielleicht gerade deshalb?

Ich durfte an die Schule zurück und wurde doch noch GF. Mein Kumpel U. aus Weißwasser eröffnete mir spontan einen Plan, aus dieser Bildungseinrichtung zu entkommen. Was hatte der vor? Er hatte sich beim MfS beworben und war genommen worden. Verbleib ungewiss, ich habe leider nie wieder was von ihm gehört.

Und dann schlug das Schicksal unerbittlich zu. Tino kam völlig zu aus dem Kasino. Die Nordlichter (5. oder 6. Stock) hatten den Sachsen schon auf der Rechnung, stellten die Boxen des Plattenspielers ans Fenster und gaben Vollgas. Tino tanzte vor dem Block und entledigte sich dabei seiner Kleidung. Ich hab's gesehen, raus aus dem Fenster, Tino geschnappt und kurz vor dem Eingang vom OvD gestellt.

Trotz Tino's Intervention am nächsten Tag war der Lehrgang für mich zu Ende. Die Bulldogge kam extra aus Berlin und ich konnte vom Glück reden, dass ich nach meinen Verfehlungen noch Kandidat und K-HWM sein durfte. Das Ganze ca. 3 Wochen vor der Abschlussprüfung.

So latschte ich dann weiter unbewaffnet auf der Platte rum. Bis zum 07.10.1989.

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