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#81

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 08.08.2012 23:20
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OFG-Stellvertreter, wie beschrieben, ein OSL d.K, Freund der FDJ und auch mit Mitte 50 noch mitten im Geschehen....Hast du vielleicht ein paar Namensvorschläge?


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#82

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 09.08.2012 11:12
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Zitat von josy95 im Beitrag #79
@erkoe, alles klar, nochmals danke für die Antwort.

Kann ich mir schon gut vorstellen, das man bei bestimmten Funktionen und wachsender Zahl der Beteiligten sich nicht überall beliebt macht und insbesondere die primitiven Neider mit der noch besseren hirnlosen Klappe schnell gegen sich hat, dazu gesellt sich dann schnell noch eine zwar etwas geistig höher gestellte Mitläufertruppe, die aber trotzdem vom IQ her eher unterdurchschnittlich mit Gehirnmasse ausstaffiert ist. Keine gute Komposition!

Damals wie Heute gilt dabei auch die Weisheit: Neid ist der Grund allen Übels!

Soll heißen, viele würden bestimmte Funktionen oder Aufgaben gern ausführen, sind aber vom Grundsatz her innerlich dafür gar nicht bereit, auch viel zu feige (einfach den berühmten *rsch nicht in der Hose!) und vom Grundsatz her auch vom IQ, vom Fachwissen usw. her total ungeeignet. Es aber anderen dann nicht gönnen wollen, besonders wenn Diese vielleicht noch Erfolg haben, auch wenn dieser noch so klein ist!

Trotzdem, was er mehr oder minder als Dein Kumpel mit Deinem Dienstbuch gemacht hat..., , ich hätte ihm das erheblich übel genommen. Spaß in Ehren, aber sowas macht man einfach nicht...


josy95


Hi josy, bezüglich deines letzten Absatzes: Wir haben 2 Tage nicht miteinander gesprochen... Ich muss ja sicher nicht erläutern, was passiert wäre, wenn das Dienstbuch tatsächlich verlustig gegangen wäre. Allerdings hatte ich aus dieser Sache auch gelernt. Seitdem gibts bestimmte Handgriffe bezüglich Geldbörse, Schlüssel usw.. Ich habe seitdem nie wieder etwas verloren.

Und ja, wir wurden doch noch richtig gute Kumpels. Ich werde ihm auch nicht vergessen, dass er sich nach "unserem" Vorfall lautstark bei der Bulldogge beschwert hat. Manche seiner Vokalbeln hatte ich bis dato noch nicht einmal gehört. Hat ja aber nichts genützt, die wollten mich wohl nur wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen und auf ein entsprechendes Maß (ihr Maß) zurechtstutzen.

VG
Erik


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#83

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 09.08.2012 14:19
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Update 09.08.2012 - Auflösungserscheinungen....

Wir gingen zwar weiterhin unserer Arbeit nach und traten die Pflastersteine platt, aber irgendwas war anders. Das ganze Klima in der Schicht hatte sich verändert. Ich nahm das ziemlich gelassen, da ich mir nicht vorstellen konnte bzw. wollte, dass unsere Führung die „Sache“ nicht in den Griff bekommen würde, realisierte aber nicht so richtig, dass sich in „meiner“ DDR ein grundlegender Wandel vollzog. In der Dienststelle wurden mittlerweile Dialoge geführt, für welche man 4 Wochen zuvor noch ernsthafte Konsequenzen zu befürchten hatte.

Gerade die älteren Kollegen machten ihrem Herzen Luft und gingen verbal auf die Bulldogge los. Wie weiter oben schon beschrieben, schien der Genosse F. zu resignieren und ihm gingen zunehmend die Argumente aus. Mir auch. Ich legte mich in seinem Sinne sogar mit Kalle und Volker an. Die sagten mir dann die ganze Wahrheit frech ins Gesicht und so grün wie ich ihrer Meinung noch hinter den Ohren war, verfärbte sich auch zunehmend meine Gesichtsfarbe.

Wir blieben nach der Schicht im Dienstraum sitzen, holten den 14,50er aus dem Schrank und ich wurde nun tatsächlich mit bitteren Wahrheiten konfrontiert. Bezüglich meines Studiums in Aschendorf, der wahren Aufgabe der OFG II, meiner persönlichen Aufgabe, der DDR und überhaupt….

Völlig geplättet kam ich im Wohnheim an und sprach mit meinen zwei Zimmergenossen über die ganze Angelegenheit. Uwe war in meiner Parallelschicht und hatte das Ganze vom Hörensagen mitbekommen. Wir waren uns einig, dass sich die Situation sicher aufklären würde und wir wie geplant unsere „Karriere“ bei der K fortsetzen können. Aber schon am nächsten Tag war’s Essig. Kalle war in Geberlaune und teilte wieder mal in Richtung Bulldogge und Partei aus. Wir wurden dann zusammen eingeteilt und rückten aus. Ich fragte ihn direkt, was ihm denn auf der Seele brenne und warum er plötzlich einen auf Revoluzzer macht. Kalle grinste nur und fragte mich so ganz nebenbei, wann man mir den Studienbeginn zugesagt hätte. Ich schilderte ihm meine Anwerbung und aus dem Grinsen wurde ein schallendes Lachen. Mit einem Mal fiel mir wieder ein, dass Kalle ja schon Mitte 40 und immer noch KOM war. Passte ja nicht ganz zur Nachwuchseinheit. Und die Geschichte, die er dann erzählte, öffnete mir schlagartig die Augen. Wir saßen derweil in der Kantine des IHZ in der Friedrichstraße, der Dienst war für mich nur noch Nebensache.

Kalle war ursprünglich Schutzmann in Lichtenberg und wurde zur Gründungszeit der OFG II dorthin delegiert. Komischerweise hat man ihm bei seiner Versetzung das Gleiche erzählt wie mir. Allerdings gefühlte 15 Jahre vorher. Es war nie vorgesehen, Studienkader aus der OFG zu rekrutieren. Endstation KOM, also keine Wirtschaftsverbrecher und keine Kunstdiebe. Es gab wohl nur seltene Fälle, dass Kollegen aus der OFG in „richtige“ Dienststellen der K gewechselt sind. Unser Auftrag bestand im Prinzip nur darin, politisch motivierte „Straftaten“ in der Öffentlichkeit zu unterbinden. Dafür leistete sich die DDR vier Dienstschichten a 20 Mann, zeitversetzt von 08-20, 10-22 Uhr und einem Wirkungskreis vom Alex bis zum BBT. Man konnte also sicher sein, dass im Zentrum Berlins mindestens 40 Leute nur darauf gewartet haben, ein Plakat, Transparent o.ä. zu kassieren. Perfide.

Ich hatte nach den Schilderungen von Kalle kurzzeitig meine Fassung verloren. Wo war ich da eigentlich hingeraten? Er hat‘s wohl geahnt, bestellte Bier und Cognac und erzählte weiter. Die OFG wurde als Diensteinheit zwar der K des PdVP unterstellt, erfüllte aber vorwiegend Aufgaben, welche eigentlich durch das MfS sicherzustellen waren. Die Kollegen des Nachbarorgans befanden sich ja zusätzlich auf der Platte. Im Nachhinein weiß ich jetzt auch, wen Kalle mit einem kaum merklichen Kopfnicken begrüßte. Ich wollte nun Gewissheit und fragte ihn, ob er noch ein zweites Dienstbuch habe. Kalle lachte wieder und meinte, er sei eigentlich immer noch Schutzmann. Ich könne ja mal meine Augen in der Dienststelle aufmachen und bewusst hinschauen, wer da die Köpfe zusammensteckt. Das hat mir gereicht. Ich hatte den Kanal voll und fuhr gleich von der Friedrichstr. nach Hause. Kalle meldete mich derweil bei UDO krank.

Das war ich dann auch. Wieder mal Angina. Trotzdem machte ich mir meine Gedanken und fand heraus, dass der G., welcher mich damals im Stich gelassen hatte, mit der Bulldogge, UDO und zwei anderen Kollegen mauschelte. Soweit, so gut, weiter kam ich erst mal nicht, denn…
Am 10.11.1989 musste ich im PdVP beim Arzt vorsprechen, um meinen Krankenschein zu bekommen. Im Wartezimmer saßen reichlich Kollegen und unterhielten sich über ein seltsames Thema. Die Mauer wäre offen. „Na Kollege, schon drüben gewesen?“ Ich hatte keinen Plan und fragte meinen Nachbarn, ob er mich verarschen wolle. Am Abend des 09.11. hatte ich mir ein paar Tabletten eingeworfen, denn die Schmerzen waren nicht unerheblich. Somit war der historische Moment der Maueröffnung ganz einfach an mir vorbeigegangen.

Ich bekam meinen Krankenschein, fuhr mit der S-Bahn bis zur Jannowitzbrücke und wollte eigentlich nur mal schauen, ob die Tore noch zu sind. Ich stieg aus und war sofort in einer Menschenmenge gefangen. Alle Richtung GÜSt. OK, Ausweis hatte ich dabei und sofort die Hosen voll. Umkehren war ob der Masse fast nicht möglich und ich ließ mich in Richtung Grenze schieben. Nach ca. 2 Stunden stand ich vor einem Genossen der GT, welcher mir einen Stempel in den PA drückte. Keine 5 Min. später stand ich völlig perplex auf Seiten des Klassenfeinds und wunderte mich, dass die Leute sangen, tanzten und einfach nur fröhlich waren. Ich bekam Bananen, Orangen und eine Packung Kaffee in die Hand gedrückt, man klopfte mir auf die Schulter und gab mir einen Stadtplan mit eingezeichneten Banken. Mein fragendes Gesicht hatten die Berliner-West wohl bemerkt. Begrüßungsgeld abholen…. Ich hatte wieder mal die Buchse voll und beschloss: „Raus aus dem Getümmel.“
So latschte ich auch auf Westberliner Seiten erst mal das Pflaster platt. Nach ca. einer Stunde hatte ich die Schnauze voll (ich war, glaube ich, am Kotti unterwegs) und begab mich schleunigst zurück in den Ostteil. Ab in die Bahn und trotz Krankenschein direkt zu Erwin. Der lachte mich an und ich fragte ihn, was denn nun genau los sei. Er nahm die Frage gar nicht ernst und schenkte aus. Cola-Wodka doppelt und kostenlos….

Mittlerweile waren dann noch ein paar Kollegen eingetroffen und wir diskutierten die Ereignisse. Bei Bernd in Rummelsburg war es am Ruhigsten. Die Delinquenten saßen alle wie am Tag zuvor noch in den Zellen. Die Schutzmänner allerdings waren sehr gestresst, denn die halbe Republik wollte wissen: „Herr Wachdmeester, wie gomme mer denn jetze rüber“. Spontan beschlossen wir, es war schließlich Wochenende, den Westteil aufzusuchen und unser Begrüßungsgeld abzugreifen.

Taten wir auch, ich ging mit 200 DM und einem Auto nach Hause, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich war kurze Zeit später wieder dienstfähig und schlug bei UDO auf. Komisch war aber, dass UDO nicht mehr da war. Und irgendwie waren wir auch mehr Leute als sonst. Die Klotür ging auf und plötzlich stand Klaus im Raum. Auf meine Nachfrage entgegnete er lapidar, er wäre zur OFG versetzt worden. Kalle sah mein Gesicht und lachte sich wieder mal schlapp. Er nahm mich beiseite und teilte mir mit, was ich eigentlich schon wusste. Dez. I in Auflösung, die suchen sich noch ein paar Löcher, in welche sie sich verkriechen können….

UDO jedenfalls war der erste Kollege, der sich nach Berlin-West abgesetzt hatte. Ich habe ihn später noch einmal gesprochen. Er war mittlerweile Kaufhausdetektiv und trauerte den alten Zeiten nach. „Ach Erik, was waren das damals für Zeiten…“ Ohne weiteren Kommentar.

Die Bulldogge hat sich dann noch einen erlaubt. Er kontrollierte die Ausweise der Genossen auf diverse Stempel der GÜSt‘en. Ich hatte einen, Kalle, Volker, Uwe… auch (fast alle). Die Ausweise wurden eingezogen und er kündigte disziplinarische Maßnahmen an. Kalle intervenierte erfolgreich beim K-Leiter und jetzt kommt’s: Major der K/des MfS F. wurde prompt aus der DVP entfernt und die OFG II ging ihrer Auflösung entgegen...

Fortsetzung folgt…


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zuletzt bearbeitet 09.08.2012 15:04 | nach oben springen

#84

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 11.08.2012 10:03
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Aber gesoffen habt Ihr scheinbar mehr als die Landser vor Stalingrad.


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#85

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 11.08.2012 10:20
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Das relativiert sich durch die Anzahl der anwesenden Personen. In der Tat war es aber recht auffällig, wie oft der 14,50er geordert wurde. Meist auch ohne Anlass. Das hatte sich per 03.10.90 schlagartig erledigt. Aber ein paar Schoten in dieser Richtung habe ich noch....


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#86

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 18.08.2012 17:02
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Na,dann lass mal gucken die Schoten!


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#87

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.08.2012 10:09
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Bisschen Geduld, das Arbeitsleben hat mich mittlerweile wieder...


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#88

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 25.08.2012 13:20
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So, liebe Freunde, ich greife mal die Auflösungserscheinungen auf, knüpfe an meine letzten Ausführungen an und nehme auch gleich Stellung zu den so genannten „14/50er-Orgien“.

Fakt war: Wir hatten nichts mehr zu tun. Das politische Weltbild war arg verschwommen, UDO nach der Maueröffnung nicht mehr existent, der Klassenfeind in der Überhand und überhaupt...

Es ergab sich eine neue, interessante Konstellation. Was passiert mit uns, wann passiert's und in welchem Umfang? Werden wir entlassen? Was kann man mit 22 Jahren in der neuen Republik anfangen? Wir jungen Kerls waren aus diesem Grund überrascht, dass man gerade uns Ende November 1989 diverse kaderpolitische Alternativen aufzeigte. Wir sollten zeitnah in die bestehenden Inspektionen versetzt werden, zur „richtigen“ Kriminalpolizei.

Nur leider gingen diese Alternativen an unseren älteren Nachwuchskadern vorbei. Und die hatten plötzlich keine Lust mehr. So saßen wir in der Dienstbude rum, gingen zum Essen mal an die frische Luft (in den Dienststellen wurde damals noch geraucht) und versoffen den Weinbrandvorrat. Selbstverständlich wurden die „Verluste“ durch die Folgeschicht wieder ausgeglichen und umgekehrt. Es hat im Zeitraum Ende Oktober bis Ende November 1989 keine Sau interessiert, was wir (und ob wir überhaupt was) gemacht haben, geschweige denn, ob die Dienstschicht vollzählig war.

Naja, stimmt nicht ganz. Bedingt durch die ganzen Demos und Kundgebungen auf der Platte sind wir doch wieder ausgerückt. Allerdings nur noch um zu schauen. Wir waren unserer Handlungsfähigkeit irgendwie beraubt. Die Frustrationstoleranz manch reiferer Kollegen war zu diesem Zeitpunkt definitiv überschritten und das viel gelobte „sozialistische Kollektiv“ hatte auch in unserer Einheit aufgehört zu existieren. Wir „Frischen“ erwarteten mit Sehnsucht die angekündigte Versetzung.

Und die kam dann, ganz spontan, von Freitag auf Montag. „Gen. K., Z. und (Name entfallen), Sie melden sich am Montag in der VPI Lichtenberg, K VII.“ Wow. Innerlich habe ich mich riesig gefreut, äußerlich aber nichts anmerken lassen. Schließlich waren mir besonders Kalle und Volker ans Herz gewachsen und ich wusste eigentlich in diesem Moment, dass es für beide Kollegen keine Zukunft bei der "neuen" Polizei gibt. Dies war zu jenem Zeitpunkt allerdings nur ein Bauchgefühl. Später, nach dem 03.10.1990, war die Sache klar. Alle VP-Angehörigen mit „zweitem Dienstbuch“ wurden sofort entlassen.

Dienstende. Und mein Ende bei der OFG II. Ich marschierte mal wieder geradeaus in Erwins Kneipe und wollte die Ereignisse des Tages mit den Kollegen teilen. Sch****, keiner da. Die Kneipe war leer. Erwin und Wolfgang (der Kellner) hockten an ihrem Tisch rechtsseits der Theke und glotzten mich an. Gewohnheitsmäßig schenkte ich mir selbst eine CW aus und glotzte meinerseits zurück. Jetzt merkte ich aber, dass etwas nicht stimmte. Erika (die eigentliche Besitzerin) war nicht da. Erwin meinte lapidar, die Kneipe ist geschlossen. Aha, alles klar, darum war die Bude leer. Er wusste aber so gut wie ich, dass ich mittlerweile zum Inventar derselben gehörte und mich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben würde. Plötzlich fingen beide an zu heulen. Erika war gestorben. Und das inmitten dieser turbulenten Zeit. Ich ging rüber ins Wohnheim und holte drei meiner engsten Freunde und Kollegen. Wir huldigten Erika auf ihre Art und Weise: Rauf auf die Theke und runter die Hosen! (Bei Erika war’s immer der Rock) Schließlich war ja erst Freitag und das Wochenende dienstfrei.

Ich litt noch zwei Tage unter den Nachwirkungen von Erika’s Huldigung und begab mich Montag früh mit schweren Knochen in die VPI Lichtenberg. War ja nicht weit. Kollege Z., genannt Erich, war auch schon da und wir standen ziemlich sinnfrei am Einlassposten rum. Nun kam er: unser Kommissariatsleiter. Riesen Hornbrille, zerknitterter Anzug und Gesicht auf halb sechs. Er hatte wohl keinen Bock, seine gefühlten drei Tage bis zur Rente noch mit uns zu teilen, geschweige denn, uns in die „echte“ kriminalpolizeiliche Arbeit einzuweisen.

Aber auch er hatte seine Weisungen und wir schlugen beim K-Leiter auf. Der meinte nur, wir seien dem K VII unterstellt und würden von nun an die 143er bearbeiten. Hä? Erich guckte mich an, ich ihn, der dritte Kollege war mittlerweile auch schon da… Naja, Rundblick halt.
Wegtreten. Na das ging ja gut los.

Wir begaben uns ins Büro und wunderten uns, dass der ganze Gang über uns lachte. Die 143er, das waren Uraltakten, ungelöste Fälle, vom Ladendiebstahl über Körperverletzung bis hin zur Personenfahndung. Wir kamen uns vor wie die Deppen und sichteten den Aktenberg, pervers. Chefe lud uns sodann auf einen Kaffee in die Kantine ein und irgendwie grinsten die Anderen immer weiter. Ehrlich, zu diesem Zeitpunkt hätte ich dann doch lieber wieder die Pflastersteine auf dem Alex plattgetreten.

Des Rätsels Lösung war schnell gefunden. Wir waren bei Kinder-Krause (KK) gelandet. Sein Kommissariat befasste sich eigentlich mit Kinder- und Jugendkriminalität. Eigentlich. Auf dem Papier, oder der Dienstvorschrift. Das Kommissariat bestand aus einem Mann. Ihm.
Mit der Führung von drei neuen Kollegen war er total überfordert. Diesen Umstand haben wir uns dann zu Nutze gemacht. Der zunächst für pervers gehaltene Aktenberg sollte für die Folgemonate eine ungeahnte (Dienst-)Freiheit bereithalten. Insgeheim haben wir nun über die anderen Mitstreiter gelacht. Nur gesagt haben wir’s keinem... Standardfloskel wir: „Auf Außenermittlung, Bahnhof Lichtenberg.“ KK: „Richtig Genossen, dort kommt die ganze Republik an!!“ Standardablauf wir: 13:00 Uhr Dienstschluss. Eventuell fällige Berichte wurden am nächsten Morgen verfasst und stimmten manchmal sogar. Ganz nebenbei haben Erich und ich (geschulte Plattenaugen) so manchen Kameraden aus dem Fahndungsbuch in der Bahnhofskneipe Lichtenberg ausgemacht und von den blauen Kollegen festsetzen lassen. Vorteilsverteilung: KK hatte einen Ermittlungserfolg (O-Ton: „Hab ich doch gesagt, Genossen!“), wir Feierabend und die TraPo die Schreibarbeit. Herrlich!!!

Auf Dauer war mir das aber zu langweilig. Einen so frühen Feierabend war ich nicht gewöhnt. Abwechslung musste her. Mittlerweile hatte Erwin die Kneipe übernommen und seine eigenen Vorstellungen über die Führung & Öffnungszeiten entwickelt. So kamen wir ins Faseln und ich zu einem Nebenjob. Von 07:30 - 13:00 Uhr Bulle, danach Barmann, Einlass-Heini und DJ. Die letztgenannten Funktionen jeweils Mittwoch, Freitag und Samstag. Kurz zur Erklärung: Die Rhinstr. bestand zur damaligen Zeit fast nur aus Wohnheimen. FDJ-Initiative Berlin, KellnerInnen, Polizei, polnische Gastarbeiter usw..

Potenzielle Gäste waren also reichlich vorhanden. Und stapelten sich bald darauf in einem Raum, welcher für ca. 50 Gäste ausgelegt war. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass Erwin die so genannte "Happy Hour" eingeführt hatte. Wenn wir die Tür abschlossen (normale Bewegungen waren im Raum schon nicht mehr möglich) standen immer noch reichlich Leute davor und begehrten Einlass. Ich wechselte hinters Mischpult, sagte einen Titel an und lies die Mucke dann laufen. Tanzen konnte eh keiner, so voll wie die Bude war. Wolfgang rief um Hilfe und ich eilte zu ihm hinter die Bar. Selbst Erwin hatte wohl den Ansturm unterschätzt und verdrückte sich ins Hinterzimmer. Wolfgang und ich kämpften im Schweiße unseres Angesichts und warteten auf das Ende der"Happy Hour". Nix da. Sein Credo: "Die Masse machts...". Und er behielt Recht.

Mir kam es vor, als hätte man eine Schleuse geöffnet, solche Feten waren zu Erikas Zeiten undenkbar. Nachdem die Meute abgefüllt in den Betten lag, haben wir uns erst mal hingesetzt und einen Blick auf das Chaos geworfen. Schlachtfeld wäre noch gelinde ausgedrückt. Erwin, auf einmal ganz der Geschäftsmann, zählte die Einnahmen. Allein in der Kasse befand sich ein ansehnliches Sümmchen. Nun fingen Wolfgang und ich auch noch an, die Taschen zu leeren, denn wir hatten einfach keine Zeit, alles in die Kasse zu tun. Erwin gingen fast die Augen über. Er überschlug kurz und teilte dann an uns beide aus. Ich wollte gar kein Geld, denn meinen Anteil hatte ich nebenbei verkonsumiert. Hätte ich allerdings jeden ausgegebenen Schnaps mitgetrunken, oha....

Erwin fing wieder an zu faseln und so begab es sich, dass wir am Samstag die Schenke schon mittags öffneten und vor der Tür den Grill anheizten. Wolfgang hatte die Schnauze voll und bestand auf Dienstantritt 16:00 Uhr. Ich stand draußen, grillte und haute ordentlich Fleisch auf die Teller, Erwin verfeinerte mit selbstgemachter Currysoße (ordentlich mit Wasser verdünnt) und Pommes. Der Hit unter unseren Gastarbeitern schlechthin. Nach zwei Stunden hatten wir alles was die Kühlzelle hergab verbraten, ich hatte bis dato 80 Mark verdient und nebenbei auch noch polnisch gelernt.

OK, Wochenende vorbei. Ab ins Tagesgeschäft. Wir wollten gerade los, als Erichs Freundin ins Büro platzte. Ein kleiner Wuschelkopf aus Sachsen, bei PM unterwegs und ne ganz Nette. Sie tuschelten rum und Erich strahlte. Ich dachte erst, sie wäre schwanger. Aber nein, beide hatten endlich eine Wohnung bekommen. Da mussten wir natürlich gleich hin. Bei KK auf Ermittlung abgemeldet, schlugen wir im tiefsten Hinterhof Friedrichshains auf. So eine Bude hatte ich noch nicht gesehen. Altbau, 3. HH, 2 Zimmer, kein Bad, Toilette halbe Treppe tiefer usw.. Und die Zwei freuten sich immer noch.

Voller Elan machte sich Erich an die Ermittlungsarbeit und wir trafen wieder mal am Lichtenberger Bahnhof ein. Mir war eigentlich so alles vergangen und ich überlegte, wie ich ihm das beibringe. Erich meinte so nebenbei, man müsse in der Wohnung wohl noch so einiges richten. So ein Scherzkeks, die Bruchbude hätte man auch sprengen können. Auf einmal kam mir die Idee. Durch meinen Nebenjob hatte ich ja reichlich Beziehungen zu den benötigten Gewerken. Lange Rede, kurzer Sinn, innerhalb von 3 Wochen war die Butze bewohnbar und wir konnten wieder unserer eigentlichen Arbeit nachgehen und bei KK Ermittlungsergebnisse abrechnen. Der war bestimmt schon auf Entzug.

Fortsetzung folgt....


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Pit 59 und HHausen88 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#89

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 25.08.2012 20:16
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Hab mir gerade das mal bildlich vorgestellt,wie ihr aufm Thresen blank gezogen habt!
Ansonsten für mich gut nachvollziehbar Deine und Eure Wendeerlebnisse.
Denke mal,es wird vielen Angehörigen der bewaffneten Organe nicht gerade leicht gefallen sein,das zusammenbrechen zu sehen,woran sie lange geglaubt und für richtig gehalten haben,sogar mit aufgebaut und dafür gekämpft haben.Mein Vater (Zollverwaltung Grellstraße) hatte dann jedenfalls die Nase voll von Politik und vertiefte sich noch tiefer in seine ihm anvertrauten Aufgaben.


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#90

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 25.08.2012 22:02
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.....für mich als Bewohner westlicher Gefilde sind die Geschichten wie von einem anderen Stern, aber sehr interessant zu lesen. Manchmal verstehe ich nicht, weil da offenbar DDR typisches Insiderwissen vorausgesetzt wird, das ich nach 24 Jahren Abstinenz natürlich nicht mehr hatte. Trotzdem weiter so, ich freue mich auf die neuen Berichte.


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#91

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 25.08.2012 22:55
von frank | 1.753 Beiträge
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Zitat von Gert im Beitrag #90
.....für mich als Bewohner westlicher Gefilde sind die Geschichten wie von einem anderen Stern, aber sehr interessant zu lesen. Manchmal verstehe ich nicht, weil da offenbar DDR typisches Insiderwissen vorausgesetzt wird, das ich nach 24 Jahren Abstinenz natürlich nicht mehr hatte. Trotzdem weiter so, ich freue mich auf die neuen Berichte.





trotz überschwänglichen hass auf alles was die ehemalige ddr bedrifft , viel spass bei schöngeistiger romanliteratur aus dem osten !!!



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#92

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 25.08.2012 23:24
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Gert,Du erschreckst mich!Aber im Positiven!


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#93

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.08.2012 10:26
von Gert | 14.080 Beiträge | 7006 Punkte
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Zitat von frank im Beitrag #91
Zitat von Gert im Beitrag #90
.....für mich als Bewohner westlicher Gefilde sind die Geschichten wie von einem anderen Stern, aber sehr interessant zu lesen. Manchmal verstehe ich nicht, weil da offenbar DDR typisches Insiderwissen vorausgesetzt wird, das ich nach 24 Jahren Abstinenz natürlich nicht mehr hatte. Trotzdem weiter so, ich freue mich auf die neuen Berichte.





trotz überschwänglichen hass auf alles was die ehemalige ddr bedrifft , viel spass bei schöngeistiger romanliteratur aus dem osten !!!



@Frank, Du kennst dich natürlich aus in meiner Denk-und Gefühlswelt.


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#94

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.08.2012 18:53
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Gert,nicht bockig werden!


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#95

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 28.08.2012 05:08
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Wenn ich mir die Erfahrungsberichte so durchlese,irgendwie doch reale DDR.Und ohne Beziehungen ging halt nix (bezogen auf Postenverteilung und Wohnung Friedrichshain).
Die Wohnheimgegend in der Rhinstraße ist in meinen Augen trotz "Farbauffrischung" nicht unbedingt eien Ecke,wo ich auf Dauer leben mag.Das Ihr da gerne einen pischeln gegangen seid kann ich nachvollziehen.


zuletzt bearbeitet 28.08.2012 05:09 | nach oben springen

#96

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 28.08.2012 07:11
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Einfach wieder köstlich die Geschichte


erkoe hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#97

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 28.08.2012 23:54
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Hallo zusammen,

ich hab mal nebenbei in meiner alten Kiste gekramt und fand noch so einige Stilblüten aus meiner PPL-Ausbildung - West. Wenn Interesse besteht, stelle ich das hier mit ein. Ich schrieb damals mein Fliegertagebuch. Leider nur bis zu dem Zeitpunkt, als mein Chef seine Interessen durchgesetzt hatte. Da wars vorbei mit der Fliegerei und einige TEuronen im Eimer. Aber die Zeit wars Wert und die Kohle letztendlich auch!!!!

VG
Erik


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#98

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 29.08.2012 00:10
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #95
Wenn ich mir die Erfahrungsberichte so durchlese,irgendwie doch reale DDR.Und ohne Beziehungen ging halt nix (bezogen auf Postenverteilung und Wohnung Friedrichshain).
Die Wohnheimgegend in der Rhinstraße ist in meinen Augen trotz "Farbauffrischung" nicht unbedingt eien Ecke,wo ich auf Dauer leben mag.Das Ihr da gerne einen pischeln gegangen seid kann ich nachvollziehen.


In diesem Sinne gebe ich dir vollkommen Recht. Aber denk mal ein paar Jahre zurück. Wir waren jung, dumm und anspruchslos... Aber die Buden waren sowas von geil. Sorry, ich kann da nichts schlechtes berichten. Zumal die Butze damals noch der Friedrich Dickel bezahlt hat. Dein letzter Satz zeigt mir aber, dass du Erwins Schenke nie aufgesucht hast. Oder liege ich da falsch?

VG
Erik


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#99

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 29.08.2012 01:01
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Die Wohnungen waren schon ok,hab mit meinen Eltern damals an der Landsberger Allee (früher "Leninalle") gegenüber Elektrokohle gewohnt.Also nicht so unweit.
Jung und Anspruchlos ja,aber dumm waren wir nicht.Naiv würde es wohl eher treffen.Aber den Einfallsreichtum von damal kann uns keiner abstreiten.
Worauf ich mich in der Rhinstraße bezog war der Mangel an Läden und kulturellen/sportlichen Ausgleichmöglichkeiten.Und irgendwie sahs dort von vom Baustill nunmal gleich aus für mich,bezogen auf die gleichen Farben der Wohnblöcke.Aber wie gesagt,wir waren jung und farblich anspruchslos!
1989 im November war ich 17 und wäre da zumindest nicht in ne Disko gegangen.
Bei Erwin war ich nicht gewesen.muß aber laut Deinen Erzählungen sehr familiär zugegangen sein dort.Ich war eher in der Schillerglocke oder im Kiew anzutreffen.
Bezüglich Dein erwänten Stilblüten möcht ich Dich bitten,diese einzustellen,da es mich interresiert.


erkoe hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.08.2012 01:03 | nach oben springen

#100

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 29.08.2012 09:19
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Keine Angst, die Stilblüten folgen mit meiner Versetzung nach Köpenick.

Aber bezüglich der Rhinstr. hast du Recht, das war ne Blockwüste. Mit Massen an Menschen aller Coleur. Da hätten die Planer Erwins Schenke ruhig ein wenig größer dimensionieren können. Familiär ging es zu, denn es waren immer die gleichen Gesichter. Man war auch irgendwie ne eingeschworene Gemeinschaft. Dies kann aber auch daran liegen, dass viele meiner Freunde auch Kollegen waren. Egal ob K, TraPo, S usw.

Natürlich wurden die Kellnerinnen aus unserem Nachbarwohnheim beim Einlass besonders berücksichtigt. Die Kehrseite der Medaille: Ich bekam als Einlass-Heini öfter ordentlich auf die Schn***** angedroht. Aber bei meiner Eskorte und dem gefühlten Heimweg von 10 Metern war das zu verkraften.

VG
Erik

Nachtrag: Eine kleine Anekdote aus Wohnheimzeiten ist mir gerade eingefallen. Nachdem Uwe und Thomas aus der Butze ausgezogen waren, bekam ich mit Tilo einen neuen Mitbewohner und im Laufe der Zeit einen sehr guten Freund. Der war mal Boxer an der KJS Berlin und so zur Polizei gekommen. Genau der Richtige für den Einlass. Er wurde bei Erwin ordentlich eingeführt und nahm mir so manche Arbeit ab. (So kann man die Kollegen versauen... ) Tilo fuhr Trabbi, genau wie ich. Er wollte am Wochenende nach Hause fahren und ich freute mich auf sturmfrei. Nix da. Ich sah ihn in die Pappe einsteigen, Motor kreischte los, nur fahren wollte das Ding nicht. Getriebe im Eimer. Was tun? Erwin kam gerade angerauscht, denn wir waren wieder mal zum Ausnehmen der polnischen Gastarbeiter (Grillen) verabredet.

Ich erklärte ihm die Situation und schon hing er am Telefon. Der alte "Cafe Moskau"-Kellner hatte innerhalb von 20 Minuten ein Getriebe organisiert. Rein in meine Pappe und das Teil abgeholt. Tilo hatte seinen Trip schon abgeschrieben, aber wir haben mit vereinten Kräften das Getriebe auf dem Wohnheimparkplatz eingebaut. Während wir werkelten, gesellten sich zahlreiche Freunde und Bekannte hinzu, es gab Bier, Kippen, Erwin's Verpflegung und viele gutgemeinte Ratschläge... Alle haben mit angepackt und wir waren ruck-zuck fertig.

So kam Tilo doch noch auf die Piste und Erwin zu seinem Grillgesellen. Ich hab an diesem Tag auf mein Salär verzichtet und lud die Kollegen zum futtern ein. Erwin war ergriffen von soviel Hilfsbereitschaft und spendierte die Getränke.

Ein wirklich klasse Tag. Vor allem freut es mich heute noch, alleine an den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft zu denken.


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zuletzt bearbeitet 29.08.2012 09:58 | nach oben springen



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