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#21

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 07:29
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Deine Geschichte liest sich wunderbar und ist sehr spannend.
Mich fasziniert immer wie Menschen im Staatsdienst den Übergang ins andere Systhem meistern mussten und konnten.
Mein Schwiegervater war auch über 40 Jahre Kriminalist und hat sein Berufsleben nahezu hälftig in beiden verbracht.
Ich bin auf die Fortsetzung deiner Geschichte gespannt.


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#22

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 08:06
von GeMi | 569 Beiträge | 54 Punkte
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #21
Deine Geschichte liest sich wunderbar und ...



Hallo Grenzwolf,

unter "wunderbar" verstehe ich aber etwas anderes. Dem Mann ist übel mitgespielt worden und sein Traum wurde zerstört.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau


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#23

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 09:04
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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@Gemi
Grenzwolf hat schon irgendwie Recht, heute liest sich das ziemlich flüssig... Ich hatte doch als junger Bursche zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Durchblick durch die "Gesamtsituation" Aber sicher bin ich mit solchen Erlebnissen nicht allein.... Lasst mich also in Kürze fortfahren....


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#24

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 09:50
von Udo | 1.330 Beiträge | 301 Punkte
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Nu komm schon. Weiter!!!!



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#25

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 11:04
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Hallo Udo, du wirst sofort bedient....

Update 20.07.2012 Erhellende und einprägsame Momente

Nach meinem Rausschmiss aus der Pol.-Schule trat ich meinen Dienst pflichtbewusst wieder an und wies alle Beschuldigungen von mir. Das sahen meine Kollegen aber anders. Ich würde es heute als eine Art Spießrutenlauf eines Nestbeschmutzers beschreiben. So einen wie mich hatten sie wohl in der OFG noch nicht gehabt. Und es sollte noch besser kommen…

Spätschicht auf der Platte. Nach einem Oberligaspiel BFC vs. ? versammelten sich einige Fans im Zwischengeschoss des U-Bahnhof‘s Alexanderplatz. Zufälligerweise war KOM G. (siehe weiter oben, langjähriger BU der BePo) mein Begleiter an diesem Tage. Es zeichnete sich eine so genannte „Lage“ ab. Die jungen Leute hatten zu viel intus und waren sehr aggressiv. Allerdings nicht gegen die BFC-Fans, sondern gegen Passanten und Touristen. Wir hielten uns anfangs im Hintergrund und beobachteten die Situation, welche kurz darauf eskalierte. Ich schlug G. vor, Verstärkung bzw. Kräfte der S anzufordern. In diesem Moment schlugen die Jugendlichen einen älteren Mann und ich konnte mir das nicht länger aus der Entfernung ansehen. Ich brüllte G. an, er solle endlich reagieren und stürzte mich ins Getümmel. Plötzlich war G. weg. Wohl auf dem besten Wege die Verstärkung zu rufen. Welche dann auch - nicht - eintraf. Und G. war immer noch verschwunden.

Ich zückte meinen Dienstausweis, half dem Mann auf und schrie die Jungens an, sie sollen den Scheiß unterlassen. Nebenbei machte wohl mein Meinungsverstärker – ein Teleskopschlagstock – auch noch ein bisschen Eindruck. Plötzlich war Ruhe, alles friedlich, Mann und Jungens weg. Ich trabte nach oben auf die Platte, meldete mich zwecks Berichterstattung ab und begab mich Richtung Dienststelle. Dort angekommen traute ich meinen Augen und Ohren nicht. G. saß mit UDO in trauter Runde, trank Kaffee und fragte mich, wo ich denn herkäme. Er hätte eine Lage unter Kontrolle gebracht und ich ihn pflichtwidrig im Stich gelassen….

Wie jetzt? Ich war innerlich noch so aufgewühlt, dass ich nur rumgestottert habe. Selbstverständlich kam die Bulldogge hinzu und ich war wieder Mode, indem er mir Feigheit vor dem Feind vorwarf. G. hatte natürlich längst ausgeführt, dass ich abgehauen wäre. Ich dachte so bei mir, nun wird’s doch noch was mit dem Landmaschinenschlosser, hatte aber die Tragweite der Anschuldigung noch gar nicht erfasst. Der Dienststellenleiter rückte an und befahl mich in sein Büro. Ich erzählte ihm meine Version der Geschichte und hatte den Eindruck, dass er mir glaubte.

Just in diesem Moment betraten zwei Kollegen der Schicht die Diensträume und fragten, wo der G. abgeblieben wäre. Sie hätten einen Rundruf nach Verstärkung gehört, aber niemanden am benannten Ort angetroffen und konnten so auch nicht ins Geschehen eingreifen. Wie auch, der Kerl saß ja bei UDO und soff Kaffee….

Die Rekonstruktion der Ereignisse gestaltete sich auf einmal ganz einfach: Als G. sah, dass die Lage eskalierte, trollte er sich davon, kurzer Rundruf und ab aus der Gefahrenzone. Er log UDO seine Geschichte vor und schob mich Spritzer vor’s Loch. Die Bulldogge hat sich dann wortreich bei mir entschuldigt und bevor G. in eine andere Dienststelle versetzt wurde, habe ich ihm meine Auffassung von Kameradschaft deutlichst zu verstehen gegeben. OSL Schlanert (unser Sportoffizier an der OHS, leider viel zu früh verstorben) wäre stolz auf mich gewesen.

Ich danke hiermit den 2 Kollegen, die mir, trotz Nestbeschmutzung, beigestanden haben. Die Bulldogge belobigte mich am nächsten Tag. Wegen vorbildlicher Dienstdurchführung. Da fiel mir ein ganzer Steinbruch vom Herzen und den Glauben an die Kameradschaft hatte ich auch wiedergewonnen.


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Pit 59, Udo, bruno und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#26

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 12:43
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Update 20.07.2012 - Teil 2 – Der erste WENDE-Punkt

So langsam hatte ich mich in meiner Schicht doch noch etabliert. Die Tage plätscherten so dahin, Abwechslung gab es eigentlich nur durch die Früh- und Spätschicht sowie die sich daraus ergebenden „Kneipenbesuchszeiten“. Mein Abschluss an der Pol.-Schule Neustrelitz wurde für den Februar 1990 neu terminiert. Es zeigte sich allerdings, dass die OFG II nicht mehr nur für Fahndungsaufgaben herangezogen wurde, sondern vielmehr ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen musste. Dem 220er.

Oder im Amtsdeutsch – die Verfolgung der öffentlichen Herabwürdigung. Viele von euch werden sicher wissen, was aus Sicht der DDR-Exekutive damit gemeint war. Es spielte auf einmal keine Rolle mehr, ob Schwarzhändler ihre Geschäfte machten, sondern vielmehr wurde das Augenmerk darauf gelegt, Transparente, Plakate oder Bilder mit gesellschaftskritischem Inhalt bzw. Aufdruck sofort aus der Öffentlichkeit zu entfernen.

Ich kann jetzt wirklich nicht behaupten, dass es mir zu diesem Zeitpunkt (Sommer 89) gedankliche Schwierigkeiten bereitete, auch älteren Leuten oder sogar Frauen mit einfacher körperlicher Gewalt zu begegnen und ihnen die öffentliche Herabwürdigung meiner DDR unmöglich zu machen.

So kam es dann auch. Durch UDO oder den ODH per Funk geleitet, begaben wir uns meistens zu Fuß an die entsprechende Örtlichkeit und checkten die Lage. Besonderes Augenmerk war auf eventuell anwesende Kamerateams der westlichen Fernsehanstalten zu legen, welchen ein sofortiger Platzverweis auszusprechen war. Dann ging’s zur Sache. Dem Delinquenten wurde das corpus delicti recht unsanft „entnommen“ und selbiger erst einmal zum Zuführungspunkt verbracht. Je nach Einschätzung der vorgesetzten Dienststelle (Dez. I oder MfS) wurde dann entschieden, ob der Straftäter in die Diensträume zur weiteren Vernehmung zuzuführen ist oder das Ausfüllen einer PK 12 ausreichte.

Nicht selten kam es vor, dass wir auf unseren Streifengängen diverse angeklebte Plakate fanden. Hier war eine Fotodokumentation anzufertigen und das MfS zu verständigen. Die rückten dann mit der Spurensicherung an und man hätte meinen können, es handele sich um den Tatort eines Gewaltverbrechens.

Ein besonderes Erlebnis ist mir auch noch in Erinnerung: Wir wollten mit unserem Lada die Streife an der Friedrichstraße absetzen, als plötzlich ein Werkstatt-W50 vor uns einbog. Im hinteren Fenster des Aufbaus klemmte ein Schild mit der Aufschrift „Erich, laß mich raus!!!“. Der Streifenführer hat sofort eine Meldung über Funk abgesetzt und vom ODH kam die Anweisung, das Fahrzeug zu stellen.
Es stellte sich die Frage: WIE??? Kein Blaulicht, keine Kelle, nur einen Reguliererstab…. Kollege H. hielt diesen aus dem Fenster, LKW fuhr natürlich weiter. Auf einer recht befahrenen Ampelkreuzung hatte sich der Kutscher dann irgendwie ins Abseits manövriert. H. sprang aus dem Lada und zerrte erst den LKW-Fahrer ziemlich unsanft vom Bock und fast gleichzeitig das Schild vom Aufbau ab.

Und hier, liebe Freunde, setzte mein Verstand das erste Mal nicht im Sinne des Arbeiter- und Bauernstaates ein. Ich fragte mich innerlich, was solche Maßnahmen noch mit kriminalpolizeilicher Arbeit zu tun hatten. Was hatte der Mann verbrochen? Am Abend in der Kneipe erzählte ich im Kreise der Genossen von meinem Erlebnis. Nicht wenige Kollegen der S meinten: Tagesgeschäft, einfach machen. Gedanklich ratlos trollte ich mich… und ging am nächsten Morgen wie gewohnt zum Dienst.

Fortsetzung folgt…


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Pit 59 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#27

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 13:32
von Pit 59 | 12.452 Beiträge | 11884 Punkte
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Hallo Erik

Ich will und kann nur sagen einfach Klasse geschrieben
Ich bin gespannt wie es weiter geht.Danke.



erkoe hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#28

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 14:02
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Update 20.07.2012 - Teil 3 – Das Wiedersehen

Ich saß in der PdVP-Kantine bei Kaffee, Bockwurst und belegten Brötchen und plötzlich stand er vor mir. Mein Werbeoffizier, Genosse S.. Lange nicht gesehen und doch wiedererkannt. Da ich ja jetzt Kollege war, bot er mir sogleich das DU an. Hallo Klaus, hallo Erik. Ich fragte ihn, wie meine Aktien so stünden, schließlich wollte ich ja ins Dez. I und die wirtschaftsverbrechenden Datschenbauer und Kunsträuber jagen. Komischerweise war Klaus sehr gut über meine Person informiert und meinte ganz nebenbei, dass ich für das Fernstudium in Aschersleben bestätigt sei. Allerdings war da dieser Lapsus in Neustrelitz. Dauert halt noch ein bisschen. Ein Angebot hätte er aber auch. Ich könne die Dienststelle wechseln.

Meine Lauscher gingen in HabAcht-Stellung und ich hörte folgendes:
Ich hätte mich in der OFG II bewährt und könnte zum BS wechseln. Hä? Betriebsschutz? Hat der einen sitzen? Kinnlade runter, hat er wohl gleich gesehen… Nicht der normale BS. Kripo-BS. Ich wusste bis dahin nicht einmal, dass es sowas auch noch gab. Hurra, dann klappt‘s ja doch noch mit den kunstraubenden Wirtschaftsverbrechern. Auch ohne Aschendorf. Denkste.

Er hat mir die Wahrheit gleich noch mitgegeben: Unter dem Deckmantel des BS Palast der Republik/Palasthotel suchte man zivilisierte Genossen, welche in der Lage waren, Kontakte zu Besuchern/Hotelgästen zu knüpfen. Bezüglich des Palastes war auch angedacht, eventuelle „Störer“ auszumachen, zu melden und zu entfernen. Als Anreiz für die Anwerbung diente auch der so genannte Kleidergutschein, eine monatliche Zuwendung für Klamotten (z.B. Anzüge und Krawatten) um seine Legende untermauern zu können.

Ich war baff. Mittlerweile waren meine jugendlichen Sinne so geschärft, dass ich zwischen Bespitzelung und Polizeiarbeit unterscheiden konnte. Allerdings muss ich gestehen, dass Klaus meine Abenteuerlust geweckt hatte und ich mal einen Tag in die Geschichte „reinschnupperte“. So ganz nebenbei, auf Streife bei der OFG.

Aufgabe: Es galt, eine Informatin der Dienststelle zuzuführen, möglichst ohne Aufsehen. Diese Dame war die erste Prostituierte, welche ich in meinem Leben überhaupt gesehen habe und sah eigentlich gar nicht wie eine aus. Uwe (Mitbewohner im Wohnheim und Schichtkollege) und ich machten uns auf den Weg ins Palasthotel. Wir mussten nicht lange suchen und fanden die Dame im Cafe. Sie unterhielt sich angeregt und trank Unmengen Kaffee. So kam uns die Idee, einfach zu warten, denn der Kaffee musste ja auch wieder raus. Keine halbe Stunde später hatten wir die Gute auf der Toilette abgepasst, ihren Mantel „sichergestellt“, ab durch den Hinterausgang und rein in die Keibelstr.. Uwe und ich sind dann ständig um ihren Mantel rumgeschlichen. „Impulse“, was für ein Duft zur damaligen Zeit….

Wir tauschten unsere Gedanken nach der Schicht in unserer Bude aus und stellten für uns beide fest: „Is nix“. Uwe sah seine Profession bei der Kriminaltechnik und ich wollte ja die wirtschaftsverbrechenden Kunsträuber jagen. Ich sagte Klaus also ab und verblieb: auf meiner geliebt gehassten Platte.

Nachsatz: Nachdem ich wusste, wo ich hinzuschauen hatte, sah ich Klaus noch oft. Im Palast der Republik, wenn wir uns bei Schlechtwetter ein Nickerchen in einem der gemütlichen roten Sesseln gönnten…

Fortsetzung folgt….


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Pit 59 und bendix haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#29

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 20.07.2012 15:57
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von GeMi im Beitrag #22
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #21
Deine Geschichte liest sich wunderbar und ...



Hallo Grenzwolf,

unter "wunderbar" verstehe ich aber etwas anderes. Dem Mann ist übel mitgespielt worden und sein Traum wurde zerstört.




Eipardautz wie konnt ich nur.
Ich meinte natürlich die Art der Niederschrift und nicht den Inhalt, denn so wie es geschrieben ist liest es sich halt nun mal wunderbar.
Falls du nun über das Wort "wunderbar" gar nicht drüberwegkommst bitte ich dich vielmals um Entschuldigung ob meiner unbedachten Wortwahl.


zuletzt bearbeitet 20.07.2012 16:16 | nach oben springen

#30

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 08:32
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Update 21.07.2012 - Der 7. Oktober 1989

Nachdem ich Klaus und seinem „BS“ abgesagt hatte, latschte ich mir weiter die Hacken auf der Platte ab und wurde immer mehr mit der sich ändernden politischen Situation in der DDR konfrontiert.

Sowohl auf dem Alexanderplatz, als auch am Brandenburger Tor kam es aus Sicht unserer Führung permanent zu 220ern. Viele meiner Kollegen und ich selbst auch trollten sich bei entsprechendem Funkverkehr vom Platze. Der Prozess des Umdenkens ging in der DVP zwar etwas langsamer voran, hatte die Behörde aber zu diesem Zeitpunkt schon erreicht. Dachte ich… bis zum 07.10.1989.

Wieder mal Spätschicht.In der Allee der Kosmonauten bestieg ich wie gewohnt die Linie 18 und stellte sogleich fest: Massig Leute in der Bahn. Wo wollen die denn alle hin? Und was quatschen die für einen Stuss zusammen? Demo, Aufstand, Party, tralala…. Ich hielt mich bedeckt.

Als ich Ecke Hans-Beimler-Str./Mollstr. aus der Tram ausstieg sah ich das Dilemma und auf einen Schlag machten die Diskussionen in der Tram Sinn. Menschen über Menschen. Eingegrenzt (ich vermeide bewusst den Begriff eingekesselt) von mehreren Ketten BePo. Was tun? Ich musste ja irgendwie zur Dienststelle. Da ich nicht gerade der kleinste Zeitgenosse war, grub ich mich durch die aufgewühlten Massen und stand auf einmal vor der ersten BePo-Kette. Alles junge Kerle, genau wie ich. Volle Montur am Körper, Helm, Schild, Knüppel lang. Mir ging tierisch die Muffe. Und ich denke mal, den Kameraden auch. OK, dies hatte ich realisiert und wollte nun gewiss keinen Stress. Ich suchte einen Offizier und dieser lotste mich nach Ansicht meines Dienstausweises durch die Reihen.

Mit etwas Abstand betrachtete ich das „Schauspiel“. Ich muss hier ehrlich gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, was da eigentlich abgegangen ist. Gebrüll auf beiden Seiten, gelegentliche Hiebe mit dem Knüppel, Megafon-Durchsagen und plötzlich eine seltsame Ruhe.

Ich hatte noch ein bisschen Zeit, blieb vor dem PdVP stehen und wurde so Zeuge einer makaberen Aktion: Die erste Kette BePo machte den Demonstranten Platz, indem sie nach links und rechts auseinander ging und sich am Straßenrand wieder aufstellte. Derweil drückte die Menschenmenge in Richtung 2. Kette. Als militärisch Vorgebildeter wusste ich eigentlich, was gleich passieren würde. Und so war‘s dann auch. Die 1. Kette schloss sich wieder und die eingeschlossenen Demonstranten wurden mit dem Knüppel lang bearbeitet. Männer, Frauen und auch Kinder. Ich wandte mich ab, ging um die Ecke, hockte mich auf einen Poller und rauchte erst mal eine. Dann ab in die Dienststelle…

Es wurde vor der Schichteinweisung viel geraucht und wenig gesprochen. Meine Kollegen hatten ja selbige Bilder vor Augen wie ich. Plötzlich stand die Bulldogge im Raum und meinte allen Ernstes, dass draußen die Konterrevolution toben würde. Er versuchte uns auf Linie zu bringen, mit mäßigem Erfolg. Wir waren dazu auserkoren, feindliche Kamerateams im Zentrum Berlins an ihrer Berichterstattung zu hindern. OK dachte ich, wenigstens keine Frauen und Kinder….

Ich war hin- und hergerissen. Das menschliche Gefühl wich allerdings langsam dem Gefühl der Pflichterfüllung. Beruhigt von dem Gedanken, dass keine Waffen ausgegeben wurden, machte ich mich mit meinen Kollegen auf den Weg Richtung Platte. Die BePo hatte den gesamten Bereich abgesperrt und wir gelangten über die Keibelstr. zum Alex. Irgendwie gespenstisch. Kein Mensch kam uns entgegen. Was mir erst später auffiel: Wir waren zu fünft. Sonst nur zu zweit. Lösung: Die dienstliche Aufgabe - Kamerateams an ihrer Arbeit hindern. Da wären wir zu zweit wohl überfordert gewesen.

Auf der Platte war nichts los, wie auch. Wir standen rum und hörten aus einiger Entfernung die Sprechchöre der Demonstranten. Das Ziel war klar: Der Palast der Republik. Dort fand zu gleicher Zeit die Festveranstaltung zum Geburtstag der DDR statt. Wir hörten die verschiedenen Kanäle ab und die Parole des Abends war klar: Den "Mob" daran zu hindern, den Palast zu erreichen.

Plötzlich kam über UDO die Nachricht, wir sollten uns im Kreuzungsbereich Greifswalder Str./Am Friedrichshain einfinden. Angeblich drehte dort das ZDF mit dem damaligen Ober-Ost-Hasser Brüssau als Korrespondent. Wir sind natürlich gleich losgestochen und waren ca. 15 min. später vor Ort. Menschen über Menschen, die Straße quoll fast über, allerdings kein Brüssau und auch kein ZDF.

Mit geschultem Auge machten wir aber ein belgisches Kamerateam aus, welches gerade aus den Gebüschen rund um den Märchenbrunnen kroch. Der Kameramann kam als erster hoch und bekam einen Schwinger verpasst. Die Kamera fiel zu Boden und zerbrach. Allerdings reichte das unserem Streifenführer nicht. Was fehlte? Die Kassette. Diese war unter allen Umständen sicherzustellen. Meldung an UDO und wie schon gedacht, die entsprechende Rückmeldung: "Kassette sichern!"

Nun nahm eine Jagd ihren Anfang, für die ich mich heute noch schäme. Und ich weiß bisher nicht, was mich dazu bewogen hatte, dabei mitzumachen. Wahrscheinlich die Gruppendynamik, oder das Pflichtbewusstsein? Der Rest des Kamerateams war mittlerweile stiften gegangen, natürlich mit der Kassette. Wir haben die Typen unweit des Märchenbrunnens gestellt und derart verprügelt, dass sie nur noch nach ihrer Botschaft (Ambassade Belgique) brüllten. Die Kassette war schließlich da und wir rückten ab. Ich weiß genau, wir haben verletzte Menschen zurückgelassen, aber ich weiß nicht, was die Einsatzkräfte der BePo bzw. des MfS hinterher mit ihnen gemacht haben.

Auf dem Rückweg in die Keibelstr. habe ich so gezittert, dass ich mir nicht mal ne Zigarette anbrennen konnte. UDO klopfte uns allen verbal auf die Schulter und es gab wieder mal Kaffee. Die Hälfte der Tasse hab ich verschüttet.

Aber damit war der Abend noch nicht vorbei. Zurück auf die Platte. Mittlerweile hatte sich der "Mob" Stück um Stück nach vorn geschoben und Stand in Höhe Palasthotel. Insgeheim war ich froh, mit 4 Kollegen unterwegs zu sein. Wir hatten die Order, nur zu beobachten. Ins Getümmel stürzten sich andere Dienststellen. Die Genossen habe ich nicht beneidet, da gab's ordentlich auf die Mütze.

Ich habe an diesem Abend viele gleichaltrige Mädels und Jungens gesehen, auch viele, denen die BePo's im gleichen Alter den Knüppel übergezogen haben. Über das WARUM machte ich mir zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken. Die Bulldogge hatte korrekte politische Arbeit geleistet und für mich ging die Nacht unspektakulär zu Ende.

Für die "Zugeführten" allerdings nicht. Wir kamen zu nachtschlafender Zeit wieder in der Keibelstr. an. Was'n da los?? W50 im Minutentakt?? Welche Dienststelle dafür verantwortlich war, kann ich heute nicht mehr sagen, aber die Geschichte hat mein Gedächtnis überholt. Die Menschen mussten sich im Innenhof aufstellen, ein Uniformierter brüllte sie an und wies ihnen den Weg in Richtung Knast bzw. Keller. Es gab reichlich mit dem Knüppel lang und nach Dienstende hab ich mich erst mal ins gegenüberliegende Parkhaus begeben. Ganz nach oben... Dort bin ich eingeschlafen.

Auch am nächsten Morgen war rege Geschäftigkeit zu verzeichnen. Allerdings im umgekehrten Sinne. Die meisten der "Zugeführten" wurden wieder entlassen. Sie blickten mir in die Augen, ich bin diesem Blick ausgewichen, begab mich in die Dienststelle und fragte den Polit (Bulldogge), was letzte Nacht hier los war. Er meinte lapidar: "Die werden alle abgeurteilt.", schickte mich nach Hause und meinte ganz nebenbei, ich hätte jetzt dienstfrei. Wie so oft lief ich geradeaus und Erwin in die Arme. Ab durch die Hintertür und nach ner Pulle Wodka stellte sich endlich eine Art Tiefschlaf ein.

Am 09.10.1989 stand ich wieder auf der Platte... Und die Geschichte nahm ihren Lauf, meinen noch nicht.

Fortsetzung folgt...


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Pit 59, exgakl, Hackel39, bruno und bendix haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#31

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 10:47
von Polter (gelöscht)
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Liest sich spannend, wie eine Vorveröffentlichung. Ein Verlag wird sich finden.


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#32

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 14:19
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 36 Punkte
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Zitat von erkoe im Beitrag #30
Update 21.07.2012 - Der 7. Oktober 1989

Die 1. Kette schloss sich wieder und die eingeschlossenen Demonstranten wurden mit dem Knüppel lang bearbeitet. Männer, Frauen und auch Kinder. Ich wandte mich ab, ging um die Ecke, hockte mich auf einen Poller und rauchte erst mal eine. Dann ab in die Dienststelle…

...
...

OK dachte ich, wenigstens keine Frauen und Kinder….

Es wäre mir durchaus neu, dass gezielt auch Frauen und Kinder bearbeitet wurden! Frauen mit Kleinkindern wurden zwar von den Provokateuren geziehlt in die erste Reihe gestellt, dahinter waren sie dann recht mutig, und so kam es vor dass die eine oder andere in der Hitze des Gefechts einen Schlag abbekam, geziehlt drauf los gegangen wurde aber nicht. Es sind ja nun noch einige mehr hier im Forum vertreten die an diesen Tagen aktiv vor Ort waren, wenn auch mit einem anderen Klappfix, aber dies hat keiner so gesehen bzw. gehört.

...
...

Plötzlich kam über UDO die Nachricht, wir sollten uns im Kreuzungsbereich Greifswalder Str./Am Friedrichshain einfinden. Angeblich drehte dort das ZDF mit dem damaligen Ober-Ost-Hasser Brüssau als Korrespondent. Wir sind natürlich gleich losgestochen und waren ca. 15 min. später vor Ort. Menschen über Menschen, die Straße quoll fast über, allerdings kein Brüssau und auch kein ZDF.

Herr Hano war mit seinem Team vor Ort!

Mit geschultem Auge machten wir aber ein belgisches Kamerateam aus, welches gerade aus den Gebüschen rund um den Märchenbrunnen kroch. Der Kameramann kam als erster hoch und bekam einen Schwinger verpasst. Die Kamera fiel zu Boden und zerbrach. Allerdings reichte das unserem Streifenführer nicht. Was fehlte? Die Kassette. Diese war unter allen Umständen sicherzustellen. Meldung an UDO und wie schon gedacht, die entsprechende Rückmeldung: "Kassette sichern!"

Nun nahm eine Jagd ihren Anfang, für die ich mich heute noch schäme. Und ich weiß bisher nicht, was mich dazu bewogen hatte, dabei mitzumachen. Wahrscheinlich die Gruppendynamik, oder das Pflichtbewusstsein? Der Rest des Kamerateams war mittlerweile stiften gegangen, natürlich mit der Kassette. Wir haben die Typen unweit des Märchenbrunnens gestellt und derart verprügelt, dass sie nur noch nach ihrer Botschaft (Ambassade Belgique) brüllten.



Die Tätigkeit dieser Teams war zu unterbinden, zumindest weitestgehend zu stören, jedoch nicht in dieser Art und Weise. Solche Handlungen gegen ein NSW Kamerateam hätten für die Verantwortlichen schwerste Folgen gehabt, zumal dies ja auch einer breiten Öffentichkeit bekannt geworden wäre. Vom Protest der Belgischen Botschaft mal ganz abgesehen wäre dies durch den Gegner, propagandistisch zum Nachteil der DDR, in einer Art und Weise ausgeschlachtet worden, dass sich selbst heute noch etwas zu dem Vorfall finden lassen müsste.


Diese 2 Kritikpunkte habe ich, das habe ich anders erlebt, das kenne ich so nicht! Da wird wohl die künstlerische Freiheit ihren Anteil daran haben?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
erkoe hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.07.2012 14:35 | nach oben springen

#33

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 15:44
von erkoe | 301 Beiträge | 2 Punkte
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Hallo Feliks,

vielen Dank für deinen Kommentar, du scheinst ja auch vor Ort gewesen zu sein. Ich habe versucht, mit wenig künstlerischer Freiheit auszukommen und die nur die Tatsachen zu schildern, so wie sie mir untergekommen sind. Du hast aber Recht was Frauen und Kinder angeht. Aus meiner Position hatte ich einen groben Überblick, sah allerdings in der H.-Beimler-Str. selbige unter den Demonstranten. Als die BePo den Befehl bekam, auf die Leute loszugehen, haben sie in diesem Moment keinen Unterschied im Ganzen gemacht.

Kamerateam: Hat sich genau so abgespielt wie beschrieben. Aus diesem Grund war die Kassette zu sichern!!! Wir haben uns zu diesem Zeitpunkt nicht gerade mit Ruhm bekleckert und die Herren auf das Ärgste attackiert. Allerdings war die Lage auch sehr unübersichtlich.

Heute würde man vielleicht lapidar sagen: Über das Ziel hinausgeschossen... Wie schon geschrieben, stolz bin ich darauf nicht.

Viele Grüße, Erik


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


zuletzt bearbeitet 21.07.2012 15:52 | nach oben springen

#34

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 22:11
von frank | 1.753 Beiträge
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Zitat von Polter im Beitrag #31
Liest sich spannend, wie eine Vorveröffentlichung. Ein Verlag wird sich finden.


aber nur als roman !



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#35

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 22:31
von frank | 1.753 Beiträge
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Zitat von erkoe im Beitrag #33
Hallo Feliks,

vielen Dank für deinen Kommentar, du scheinst ja auch vor Ort gewesen zu sein. Ich habe versucht, mit wenig künstlerischer Freiheit auszukommen und die nur die Tatsachen zu schildern, so wie sie mir untergekommen sind. Du hast aber Recht was Frauen und Kinder angeht. Aus meiner Position hatte ich einen groben Überblick, sah allerdings in der H.-Beimler-Str. selbige unter den Demonstranten. Als die BePo den Befehl bekam, auf die Leute loszugehen, haben sie in diesem Moment keinen Unterschied im Ganzen gemacht.

Kamerateam: Hat sich genau so abgespielt wie beschrieben. Aus diesem Grund war die Kassette zu sichern!!! Wir haben uns zu diesem Zeitpunkt nicht gerade mit Ruhm bekleckert und die Herren auf das Ärgste attackiert. Allerdings war die Lage auch sehr unübersichtlich.

Heute würde man vielleicht lapidar sagen: Über das Ziel hinausgeschossen... Wie schon geschrieben, stolz bin ich darauf nicht. Viele Grüße, Erik


wohl war ! oder wahr ? war an diesem tag auch vor ort ! wie wäre es gewesen mit einer vorstellung deinerseit's : haben sie eine drehgenehmigung? für wen und was arbeiten sie ? , ihre kammera ist beschlagnamt und sie werden zugeführt zur klärung eines sachverhaltes? ist doch bekannt der werdegang oder ? zu viel fragezeichen , da kann man ja schon mal zweifel anmelden ! oder ward ihr damals besoffen ? würde das 'zittern' erklären ?



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#36

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 23:20
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Zitat von erkoe im Beitrag #18
Liebe Freunde, lasst mir bitte ein bisschen Zeit für die Chronologie... Die Geschichte wird doch sonst langweilig.

kommt mir seltsamerweise irgendwie bekannt vor ! oder irre ich mich .



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#37

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 21.07.2012 23:47
von Fritze (gelöscht)
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#38

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.07.2012 02:32
von Gelöschtes Mitglied
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[quote=Feliks D.

Es wäre mir durchaus neu, dass gezielt auch Frauen und Kinder bearbeitet wurden! Frauen mit Kleinkindern wurden zwar von den Provokateuren geziehlt in die erste Reihe gestellt, dahinter waren sie dann recht mutig, und so kam es vor dass die eine oder andere in der Hitze des Gefechts einen Schlag abbekam, geziehlt drauf los gegangen wurde aber nicht. Es sind ja nun noch einige mehr hier im Forum vertreten die an diesen Tagen aktiv vor Ort waren, wenn auch mit einem anderen Klappfix, aber dies hat keiner so gesehen bzw. gehört.


[/quote]


So wie Du schreibst hat es Dir ja dann nichts ausgemacht, dass versehentlich auch auf Frauen und Kinder geschlagen wurden? Das ist genau die Haltung die ich nicht verstehe, wenn nicht mit mir dann sind es alles Feinde, auch die Frauen und Kinder. Diese Haltung gab es schon einmal, bevor es die DDR gab! Warum versuchst Du die heutige Meinung von erkoe in Frage zu stellen?
Ich finde es sehr gut das erkoe schreibt „stolz bin ich darauf nicht„ Ich wäre es sicher an seiner Stelle auch nicht. Egal in welcher Situation ich auch wäre, ob für oder gegen eine politische Haltung. Ich würde mich zu Boden schämen als erwachsener Mensch ein Kind mit ein Knüppel zu schlagen. Dazu hat auch keiner das Recht, auch nicht die Politik. Noch schlimmer ist was dadurch entsteht. Oder glaubst Du, dass du jemals diese Eltern für eine andere Haltung gewinnen kannst, die vielleicht gerechter wäre?



Grüße


zuletzt bearbeitet 22.07.2012 02:46 | nach oben springen

#39

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.07.2012 11:04
von bruno | 598 Beiträge | 1 Punkte
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Es wäre mir durchaus neu, dass gezielt auch Frauen und Kinder bearbeitet wurden! Frauen mit Kleinkindern wurden zwar von den Provokateuren geziehlt in die erste Reihe gestellt, dahinter waren sie dann recht mutig,

ja, so war das wohl damals, die einen waren hinter frauen und kinder mutig, die anderen hinter ihren schlagstöcken!


nichts auf der welt ist so gerecht verteilt wie der verstand.
denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
rené descartes
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#40

RE: Resümee einer Jugend...

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 22.07.2012 12:28
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 36 Punkte
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Zitat von erkoe im Beitrag #33
Hallo Feliks,

vielen Dank für deinen Kommentar, du scheinst ja auch vor Ort gewesen zu sein. Ich habe versucht, mit wenig künstlerischer Freiheit auszukommen und die nur die Tatsachen zu schildern, so wie sie mir untergekommen sind. Du hast aber Recht was Frauen und Kinder angeht. Aus meiner Position hatte ich einen groben Überblick, sah allerdings in der H.-Beimler-Str. selbige unter den Demonstranten. Als die BePo den Befehl bekam, auf die Leute loszugehen, haben sie in diesem Moment keinen Unterschied im Ganzen gemacht.

Kamerateam: Hat sich genau so abgespielt wie beschrieben. Aus diesem Grund war die Kassette zu sichern!!! Wir haben uns zu diesem Zeitpunkt nicht gerade mit Ruhm bekleckert und die Herren auf das Ärgste attackiert. Allerdings war die Lage auch sehr unübersichtlich.

Heute würde man vielleicht lapidar sagen: Über das Ziel hinausgeschossen... Wie schon geschrieben, stolz bin ich darauf nicht.

Viele Grüße, Erik


Hallo Erik ich saß warm und trocken, war also nicht, so wie einige andere hier, live vor Ort. Das Kameratem will mir vom Ablauf der Maßnahme trotzdem noch nicht so richtig in Kopf. Der "normale" Ablauf wurde ja von @frank hinlänglich beschrieben, da verfuhren die Kräfte der DVP in der Regel analog.

Habt ihr also in dem Fall nicht so gemacht, ok mag sein. Du schreibst jedoch das gleich zu Beginn der Maßnahme die Kamera zerstört wurde, anschließend gingen die Jungs stiften, ihr habt dann unverhältnismäßig unmittelbaren Zwang zur Anwendung gebracht und aus diesem Grund musstet ihr dann die Kasette sichern. Auf der kann eure "Überreaktion", aufgrund der defekten Kamera, jedoch eigentlich gar nicht festgehalten worden sein? Bei der Masse an Presse an dem Tag vor Ort war doch die Gefahrbei wesentlich höher, nun genau dabei tatsächlich gefilmt zu werden? Warum gab es keine Beschwerde seitens der Belgier, warum kam da nichts nach?

Bitte lass Dich von Fragen nicht verschrecken oder abhalten hier weiter zu schreiben, ich möchte es nur gerne schlüssig nachvollziehen können. Das geht in dem Punkt, und bei ein paar anderen die ich noch ansprechen werde, aktuell jedoch noch nicht.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
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