ewiger Grenzdienst

30.04.2012 22:37 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2012 20:34)
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#1
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Die Zeiger der Uhr haben Mitternacht längst passiert,
der neue Tag ist schon so jung nicht mehr
Während sich manch´ Frühaufsteher jetzt rasiert,
setzen wir Grenzer uns gegen die Müdigkeit zur Wehr

Ihr auf dem Beobachtungsturm, der mir gegenüber steht
und ich, der ganz einsam auf dem Hochstand sitzt
Ich höre, wie jede Sekunde vorwärts geht,
so leise es an diesem Platze ist

Dienst an der Grenze, die unser Deutschland teilt;
eine berufliche Aufgabe, die mich voll und ganz erfüllt,
auch wenn die Zeit sich mit dem Gehen nicht beeilt
und tiefe Dunkelheit mich umhüllt

Grenzsoldaten, bitte schaut wie ich auch mal nach oben;
seht in die Sterne, in ihr wunderschönes Licht
Diese Grenze, die man hat zwischen uns geschoben,
existiert für diese Sonnen nicht

Vielleicht macht auch Ihr da drüben Euch Gedanken,
warum wir uns als Gegner betrachten
und uns trennen durch Zäune, Minen, Schranken,
anstatt uns gegenseitig zu achten
als Menschen, Deutsche, Brüder

Grenzsoldaten, ich wünschte, Ihr kämt jetzt zu mir ´rüber
ohne Eure Waffen und ohne Hass
- ich dafür meinen Grenzdienst auch ewig dauern lass´


Ich habe meinen D I E N S T an der Grenze geliebt,
so wie mancher von Euch!
Wenn Ihr traurig seid,
dann schaut wie ich nach oben in die Sterne
und lasst Euch von Wahrheit und Liebe trösten


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30.04.2012 22:46
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#2
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Ist ja echt poetisch ! Den hätte ich mal vor 25 Jahren lesen sollen. Hatte immer jahrelang noch so ein Bild imKopf,wo sich die untergehene Sonne glutrot durch den Streckmetallzaun brennt.


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30.04.2012 22:55
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Zitat von Fritze
Ist ja echt poetisch ! Den hätte ich mal vor 25 Jahren lesen sollen. Hatte immer jahrelang noch so ein Bild imKopf,wo sich die untergehene Sonne glutrot durch den Streckmetallzaun brennt.


Da kann ich Fritze nur Recht geben.
So poetisch wars ja im "Grenzeralltag" meistens nicht, wenn Herbert Roth "vergewaltigt wurde: "Diesen Weg am K6 bin ich oft gegangen, Zöllner schauten herüber...." oder die Beach Boys: "Ein B-Turm steht in der Nacht. Zwei Grenzer die zieh`n auf Wacht. Und leise zieht ein Lied durchs Grenzgebiet...."


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30.04.2012 22:58 (zuletzt bearbeitet: 30.04.2012 22:59)
#4
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Zitat von Fritze
Ist ja echt poetisch ! Den hätte ich mal vor 25 Jahren lesen sollen. Hatte immer jahrelang noch so ein Bild imKopf,wo sich die untergehene Sonne glutrot durch den Streckmetallzaun brennt.



Stelle ich mir irgendwie schön vor..

Quelle: http://www.fotocent.de/foto_detail.php?S...85914&foto=Zaun
Theo


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30.04.2012 23:17
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#5
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Mann Theo eben hatte ich einen Schauer übern Rücken laufen,daß mir die Ohren wackelten.Hammer das Bild,auch wenn es "nur" Maschendraht ist.
Habe mir heute den Kompletten Perleberg Thread inhaliert.Glaube muss noch paar vom eigenem Likör trinken,daß ich nicht so viel Geschichte träume.
@Sorge:Ist schon erschreckend wie einen die Alten Bilder einholen.


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01.05.2012 15:36
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#6
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Hallo Kralle, ein gutes Gedicht . Wenn man dieses so liest kommt man gleich wieder ins Schwärmen über unsere damalige Zeit.Gruß KAMÜ


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01.05.2012 17:29 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2012 17:33)
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Ja, es holt uns alle die Vergangenheit ein - sogar uns vom MfS, die auch manchmal DIENST am Zaun machen mussten !!


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01.05.2012 17:34
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Zitat von KAMÜ
Hallo Kralle, ein gutes Gedicht . Wenn man dieses so liest kommt man gleich wieder ins Schwärmen über unsere damalige Zeit.Gruß KAMÜ



@Kamü, Du scheinst ja diese Zeit sehr genossen zu haben !??


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01.05.2012 18:01
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Ein wirklich schoenes Gedicht. Aber wollen wir beten und hoffen das es so eine Grenze innerhalb Deutschlands nie wieder gibt.


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01.05.2012 19:52
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Also ,über alles geliebt habe ich den Grenzdienst nun wahrlich nicht! Hans55


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01.05.2012 20:29 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2012 20:31)
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#11
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Hallo Hans!

Ich gebe Dir Recht: es gab viel zu viele "Umstände", die es uns schwer machten, unseren Dienst zu "lieben". Ich habe meine berufliche Aufgabe aber zu keiner Zeit "gehasst", gleichwohl gebe ich zu, dass ich manchmal den Wunsch in mir getragen habe, möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen. Wenn ich z.B. nur an die teilweise sehr schweren Gewitter denke, die sich über uns entluden. Es war auch nicht angenehm, bei über 30 Grad im Schatten oder bei minus 15 Grad (und tiefer) am Schlagbaum zu stehen und zu beobachten, was die Grenztruppen "machen".....
Dennoch habe ich berufliche Erfüllung gefunden! - ja, ich habe meinen "Job" nicht nur ernst genommen, sondern diesen auch geliebt. Und deswegen fiel es mir nach der "Wende" auch nicht leicht, mich den vielen Änderungen zu stellen. Ich denke, dass es auch viele (ex-) Angehörige der Grenztruppen der DDR (bzw. der NVA) gibt, die sich an ihrer beruflichen Aufgabe "erfreut" haben. Und das finde ich auch völlig in Ordnung und sollte nicht verschwiegen werden. IHR ALLE habt Euren Dienst gemäß den Euch gestellten Aufgaben versehen. Und als solche Menschen habe ich Euch auch betrachtet - zu jeder Zeit, auch in tiefster Nacht. Nicht als "Feinde", sondern als Deutsche - die Ihr (wie wir im Westen unseres Vaterlandes) doch immer wart, auch wenn Zäune, Minen, Gräben etc. uns voneinander trennten.


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01.05.2012 20:50
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#12
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Zitat von Krelle
Hallo Hans!

Ich denke, dass es auch viele (ex-) Angehörige der Grenztruppen der DDR (bzw. der NVA) gibt, die sich an ihrer beruflichen Aufgabe "erfreut" haben. Und das finde ich auch völlig in Ordnung und sollte nicht verschwiegen werden. IHR ALLE habt Euren Dienst gemäß den Euch gestellten Aufgaben versehen. Und als solche Menschen habe ich Euch auch betrachtet - zu jeder Zeit, auch in tiefster Nacht. Nicht als "Feinde", sondern als Deutsche - die Ihr (wie wir im Westen unseres Vaterlandes) doch immer wart, auch wenn Zäune, Minen, Gräben etc. uns voneinander trennten.



Da stimme ich mit Dir 100% ueberein, Krelle. Ich moechte noch hinzufuegen das wir deutsche auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze von raumfremden Maechten fuer deren schaebige Machenschaften missbraucht und gegenseitig gegeneinander aufgehetzt worden sind.


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01.05.2012 22:08
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#13
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Ich sehe immer den Nebel vom Teltowkanal hochziehen.

Nebel an sich war ja ungünstig, aber das Naturschauspiel!

Läßt sich nicht in Worte fassen.


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