X

#21

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 11:53
von GZB1 | 3.452 Beiträge | 633 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds GZB1
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Dogbert
Zunächst konsularische Vertretung der DDR in den USA, später Diplomatenstatus, mitwirkend in Gremien für wirtschaftliche Zusammenarbeit bei der UNO.

Frau war Ärztin. Die Kinder wurden Immobilienmakler in den USA.



So so, Konsular und Diplomaten-Status, ich wußte garnicht das DDR-Diplomaten so fürstlich bezahlt wurden.
Oder kam das Gehalt eher von der UNO?

Hat die Frau in einer ausländischen Klinik gearbeitet? DDR-Bürger die Immobilienmakler in den USA waren?

Man lernt immer wieder dazu.


zuletzt bearbeitet 26.04.2012 11:58 | nach oben springen

#22

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 12:03
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Die Bezüge des Diplomaten kamen aus dem Etat des DDR-Haushaltes, aber auch in Devisen.

Die restlichen Familienmitglieder gingen normalen Tätigkeiten nach.



nach oben springen

#23

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 12:07
von GZB1 | 3.452 Beiträge | 633 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds GZB1
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Dogbert
Die Bezüge des Diplomaten kamen aus dem Etat des DDR-Haushaltes, aber auch in Devisen.

Die restlichen Familienmitglieder gingen normalen Tätigkeiten nach.



Im NSW?


nach oben springen

#24

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 12:22
von GZB1 | 3.452 Beiträge | 633 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds GZB1
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Dogbert
Völlig richtig!

Als Gorbatschow das Sagen hatte, hätte die DDR-Führung wach werden müssen. Zu diesem Zeitpunkt wäre noch einiges zu korrigieren gewesen.

Im Gegensatz zu Polen, Ungarn und der ,. E. der CSSR reagierte die DDR erst ganz zum Schluß, obwohl Gorbatschow schon längst das O.K. gab. Mit Ausnahme von Rumänien hatten alle europäischen sozialistischen Länder bereits Kontakte zum "Klassenfeind" geknüpft und der DDR damit schon das Wasser abgegraben.

Die DDR-Regierung hatte einfach das Problem, daß sie sich als eigenständiger Staat verstehen wollte. Dafür hätten sie schon Russisch als Amtssprache einführen müssen.



Sie ist schon wach geworden, nämlich mißtrauisch. Weil Moskau seine eigenen Interessen verfolgte die dazu führen konnten, dass die damals herrschende DDR-Führung ihre Macht verloren hätte, was sich ja letztendlich auch bewahrheitet hat.
Denn ohne "Stillhalten" in Moskau im Herbst 1989 wäre die Wende so nicht gekommen.
Eine Veränderung des damaligen Status quo zwischen den beiden deutschen Staaten hätte über kurz oder lang zu einen Zusammenwachsen geführt in welcher Form auch immer, mit Machtverlust des wirtschaftlich Schwächeren.


zuletzt bearbeitet 26.04.2012 12:53 | nach oben springen

#25

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 12:28
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Das hätte schon drei Monate nach der Machtübernahme Gorbatschows passieren müssen. Wie kann man denn die Zeit so verschlafen? Ich dachte immer, es heißt: "Von der Sowjetunion lernen etc." Spätestens nach dem Verbot der Sputnik-Ausgaben hätte doch klar sein müssen, daß da was im Staate DDR was falsch läuft.



nach oben springen

#26

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 12:34
von Nostalgiker | 2.880 Beiträge | 1274 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Nostalgiker
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von GZB1
[quote="Dogbert"]Zunächst konsularische Vertretung der DDR in den USA, später Diplomatenstatus, mitwirkend in Gremien für wirtschaftliche Zusammenarbeit bei der UNO.

Frau war Ärztin. Die Kinder wurden Immobilienmakler in den USA.



mit Verlaub Dogbert aber die von Dir geschilderten "Tatsachen" gehören mehr in das Reich der Phantasie.

Ich kenne durchaus Leute welche zu DDR Zeiten im Diplomatischen Dienst der DDR oder anderen Auslandsvertretungen von Firmen arbeiteten und zwar im sogenannten NSW.
Es waren damals durchaus Menschen welche dort sehr leitende Positionen, wie es damals so schön hieß, innehatten.

Erstens
Es stimmt das die Ehefrau mit in das Land konnte in dem ihr Mann arbeitete. Es stimmt auch das die Ehefrau meist auch arbeitete. Es stimmt hingegen definitiv nicht das ein DDR Bürger außerhalb der Botschaft oder einer sonstigen Vertretung einer DDR Firma im "Gastland" einer regulären, dort steuerpflichtigen, Arbeit nachgegangen ist.

Zweitens
Kinder. Es stimmt das die Kinder meistens mit den Eltern im jeweiligen Land waren.
Auch hier gibt es Einschränkungen. War die DDR Vertretung groß genug, also Anzahl der Mitarbeiter, unterhielt sie meistens einen eigenen Kindergarten oder die/das Kind im Vorschulalter wurde privat betreut, meist von einer "zuverlässigen" Einheimischen Person.
Kenne persönlich solch ein ehemaliges Kind welches damals eine 'persönliche Nanny' hatte.
Gab es keine eigene Botschaftsschule, in diesem Fall galt auch nicht die der UdSSR kehrten die Kinder mit Eintritt in das schulpflichtige Alter ausnahmslos in die DDR zurück.
Entweder lebten sie dann bei Verwandten oder wenn das nicht möglich war in einem Kinderheim/Internat.

Nur im sozialistischen Ausland war es möglich das die Kinder auf eine dortige Schule gehen konnten, meißt eine zentrale Botschaftsschule, in Ausnahmefällen auch in eine reguläre Schule des 'Gastlandes'.

Drittens
Berufsausbildung der Kinder im Ausland. Fehlanzeige.
Spätestens nach der mittleren Reife, wenn im sozialistischen Ausland abgelegt, ab in die Heimat.
Ein Studium im Ausland, weil sowieso schon da ging ebenfalls nicht direkt, sondern nur über den "Umweg" einer Delegierung durch die ABF Halle.
Auch hier kenne ich persönlich Kinder/Jugendliche welche diesen Weg gingen.

Kann es sein das Dir da eine Eisbärendressur aufgebunden wurde?
Selbst Frau Ursula Böttcher, welche als einziger Dompteur Weltweit eine Eisbärendressur zeigte, unter anderen auch bei Ringling Bros. and Barnum & Bailey, USA und weiteren Zirkussen rund um den Globus dürfte mit dieser Attraktion Millionen gescheffelt haben, beziehungsweise ihr Arbeitgeber VEB Staatszirkus der DDR.

Wenn es Dir möglich ist überprüfe doch bitte nochmal die Sachlage, erscheinen mir die Behauptungen auf die DDR bezogen einfach zu Abenteuerlich und Unglaubwürdig.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#27

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 12:44
von GZB1 | 3.452 Beiträge | 633 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds GZB1
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Wie gesagt die Sowjetunion verfolgte ihre ureigensten Interessen im "Spiel" um Mitteleuropa. Auch sie war wirtschaftlich stark geschwächt und mußte mit den Pfunden die sie noch hatte wuchern. (Wiederaufnahme des Gedankens der 1. Stalin-Note)

Es war klar, dass Ungarn, Polen, Tschechien, Bulgarien, Rumänien als Nationalstaaten erhalten bleiben würden.
Die DDR und somit die Macht und Führung dort würde verschwinden. Dagegen hat sich die alte DDR-Führung, die diese Macht in 40 Jahren mit aufgebaut hat, gesträubt.


zuletzt bearbeitet 26.04.2012 15:29 | nach oben springen

#28

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 12:48
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Gorbatschow hatte wohl sehr genaue Vorstellungen:

Markus Wolf als Nachfolger von Erich Honecker.

http://www.welt.de/politik/article431019...den-wollte.html



nach oben springen

#29

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 26.04.2012 13:17
von GZB1 | 3.452 Beiträge | 633 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds GZB1
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Wie im o.g. Artikel schon erwähnt wohl eher Modrow, da in der DDR und auch im Bezirk Dresden bekannt war, dass der mit Honecker nicht gut konnte.

"... Mit fast 100 Mann rückte Anfang dieses Jahres eine Untersuchungskommission des ZK der SED in Dresden an, um Modrows Laden zu filzen. Das vernichtende Urteil war im Juni im Neuen Deutschland nachzulesen: Mangelhafte "politische Massenarbeit" sei der Partei an der Elbe vorzuwerfen, Schludrigkeiten und Eigenmächtigkeiten gegenüber der Ost-Berliner Zentrale.

Das endgültige Aus für Modrow bedeutete der Verriß der Zentrale nicht. Der Mann aus Dresden ist nicht so einfach zu entmachten. Er hat auf seinem Weg durch die Parteiorganisationen viele Freunde im Apparat gesammelt...."
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13496221.html


Wolf wäre der DDR-Bevölkerung, wie er selbst erlebt hat, schwer zu vermitteln gewesen.


zuletzt bearbeitet 26.04.2012 13:25 | nach oben springen

#30

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 01:33
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

@Nostalgiker

Es hätte sicherlich für Unruhe gesorgt, wenn sich ein Diplomat der DDR, ausgerechnet aus dem UNO-Umfeld, abgesetzt hätte oder um politisches Asyl gebeten hätte. Die DDR mußte zwei Jahre später die Schlußakte von Helsinki unterschreiben, was bestimmt nicht leicht gefallen sein dürfte. Auf die dortigen Vereinbarungen konnte sich anschließend jeder berufen.

Die einzige Möglichkeit, die offiziellen Vorschriften im beiderseitigen Interesse zu unterlaufen, waren Zugeständnisse. Der eine stellt die wirtschaftlichen Kontakte her und bringt die dringend benötigten Devisen, der andere sichert den einen dann entsprechende Zugeständnisse zu. Es wurde auf diese Weise eine Win-Win-Situation geschaffen. Nicht von ungefähr verfügten nach der Wende Ausland-DDR-Bürger über beste Verbindungen. Der mir einzige öffentlich bekannte Fall dieser Art war ein ähnliches Konstrukt um Katharina Witt kurz vor der Wende im Zusammenhang mit der nordamerikanischen Eiskunstlauf-Revue. Man mußte Ausland-DDR-Bürgern diese Zugeständnisse machen, da einem klar war, daß das man ohne diese nicht weltweit repräsentieren kann.

Eine Arbeitsaufnahme in den bedeutenderen NSW-Gastländern war zur Zeit des "Kalten Krieges" für Angehörige von sowjet-nahen Staaten aus Sicherheitsgründen nur bedingt bzw. betraf Bereiche, die als weniger sicherheitstrelevant eingestuft wurden.



nach oben springen

#31

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 03:44
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Gert

Hallo Dogbert, erst einmal herzlich willkommen im Forum. Habe mit Interesse deinen Bericht mit Schlussfolgerungen gelesen. Besonders bemerkenswert finde ich die rot mark. Worte.
Ich habe auch in beiden deutschen Staaten gelebt und sehe das auch so wie von dir beschrieben. Nun, es ist jetzt Geschichte, sie hatten ihre Chance, sie haben es versaut und nun hoffe ich , dass das "Gespenst", dass in Europa umging, begraben wird.
Damit will ich nicht sagen, dass die gegenwärtige Gesellschaftsform das Ideal meiner Träume ist, zumal es sich in den letzten 20 Jahren verschlechtert hat, abe rich sehe es als das deutlich kleiner Übel im Vergleich zum sog. Sozialismus.

Viel Spass und angeregte Diskussionen wünsche ich dir im Forum



Hallo Gert,

ich bin noch dabei, mich hier noch ein bißchen einzulesen. Viele Themen sind ja hier schon behandelt worden. Es ist immer wieder interessant, etwas über die Sichtweise anderer zu erfahren. Auch wenn diese Zeit schon länger zurückliegt, prägt sie einem je nach Erfahrungs und Zugang doch immer noch. Die meisten Fragen habe ich mir bedingt durch den täglichen Dialog in Berlin schon beantworten können, worauf es naturgemäß mehrere Betrachtungsweisen geben können. Es ist halt alles eine Frage der Sichtweise und des verfügbaren Quellenmaterials. Ich stehe den realen Entwicklungen in der heutigen Gesellschaft auch kritisch gegenüber. Es gibt in der Praxis kein starres Gesellschaftsmodell und uns erwarten künftig noch ganz andere Probleme, die die damaligen Entwickler noch nicht berücksichtigt hatten oder nicht vorhersehen konnten. Selbst das schwedische Modell ließe sich nicht so ohne Weiteres auf hiesige Verhältnisse übertragen. Zur Zeit scheint es überhaupt keinen Plan zu geben, den negativen Entwicklungen gezielt entgegenzusteuern. Die DDR versuchte wenigstens ein gesellschaftliches Konzept,umzusetzen. Da nach der Wende die viele wesentlichen Störfaktoren wegfielen, hätte man es auf einen Versuch ankommen lassen können, im Zuge des Vereinigungsprozesses gesellschaftliche Reformen in beiden Teilen durchführen zu können, zumal die dafür erforderliche Wirtschaftskraft vorhanden war.

Genaugenommen wurden zwei Chancen vertan:
Zum einen auf DDR-Seite im Zuge des sowjetischen Reformprozesses und der Lockerungen gegenüber den RGW-Staaten selbst vorsichtig Reformen einzuleiten, um wenigstens die Bevölkerung zur Mitarbeit zu motivieren (wobei ich glaube, daß es 1987 dafür bereits zu spät). Selbst ein SED-naher Bauingenieur aus Schwerin sagte uns mal, daß man das nichtmal geschenkt haben wollte, was man an Substanz in der DDR vorfand. Auf der anderen Seite bot diese Herausforderung zum beiderseitigen Nutzen die Chance, die kränkelnde BRD-Binnenwirtschaft wieder anzukurbeln. Das zweite Versäumnis, welches meines Erachtens das größere war, die Gelegenheit ungenutzt zu lassen, die eigenen Systemschwächen auf dem Prüfstand zu stellen anstatt sein System kritiklos und vollkommen unkontrolliert und unkoordiniert dem anderen System aufzudrücken.

Die Herausforderungen der heutigen Zeit sind noch viel gewaltiger und auch hier sind keine Ansätze zu erkennen, die gravierenden Schwachstellen zumindest einzuräumen und mit Augenmaß gegenzusteuern.



nach oben springen

#32

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 09:36
von Nostalgiker | 2.880 Beiträge | 1274 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Nostalgiker
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

@Dogbert,

danke für Deine doch sehr allgemeine, unverbindliche Antwort mit der meine Fragen nicht so richtig beantwortet wurden.

Vielleicht habe ich mit folgenden Fragen mehr Glück:

Du schreibst; Eine Arbeitsaufnahme in den bedeutenderen NSW-Gastländern war zur Zeit des "Kalten Krieges" für Angehörige von sowjet-nahen Staaten aus Sicherheitsgründen nur bedingt bzw. betraf Bereiche, die als weniger sicherheitstrelevant eingestuft wurden.

Welches sind bedeutendere NSW-Gastländer, welches die weniger bedeutenden?
Was sind oder was ist ein sowjet-naher Staat?
Welche beruflichen Bereiche im NSW waren für DDR-Bürger zwecks Arbeitsaufnahme? als weniger sicherheitsrelevant eingestuft?
Wieso mußte die DDR die Schlußakte von Helsinki unterschreiben? Wer hat das von ihr verlangt?

Aus Deinem letzten Beitrag:
Was ist ein SED-Naher Mensch? Wohnte er neben der KL oder BL ohne selbst Mitglied der Partei zu sein.
Bezieht sich die Aussage des Bauingenieurs auf die gesamte Wirtschaft der DDR? Also Industrie, Landwirtschaft, Forschung und Entwicklung? Oder nur auf seinen Betrieb in dem er arbeitete.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#33

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 10:43
von GZB1 | 3.452 Beiträge | 633 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds GZB1
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Dogbert
@Nostalgiker

Es hätte sicherlich für Unruhe gesorgt, wenn sich ein Diplomat der DDR, ausgerechnet aus dem UNO-Umfeld, abgesetzt hätte oder um politisches Asyl gebeten hätte. Die DDR mußte zwei Jahre später die Schlußakte von Helsinki unterschreiben, was bestimmt nicht leicht gefallen sein dürfte. Auf die dortigen Vereinbarungen konnte sich anschließend jeder berufen.

@Dogbert du schreibst manchmal etwas undeutlich.

Die Schlußakte von Helsinki wurde 1975 unterschreiben. Zwei Jahre zuvor wurde die DDR gleichrangig mit der BRD in die UNO aufgenommen. Sicher wäre zu dem Zeitpunkt ein Ersuchen eines DDR-Diplomaten um politisches Asyl in den USA ein Schlag für die DDR-Behörden gewesen.
Allerdings glaube ich nicht, dass sich die Behörden der DDR von einem eigenem Diplomaten hätten erpressen lassen bezüglich Zugeständnissen. Erst recht nicht in den 70er Jahren. Auch Katarina Witt mußte sich ihre Zugeständnisse verdienen mit Leistungen und entprechendem Auftreten für die DDR. (ob diese immer gerechtfertigt waren steht auf einem anderen Blatt)
Die Herstellung von Kontakten politischer und wirtschaftlicher Natur im Ausland war und ist eine Hauptaufgabe von Diplomaten/ Handelsvertretern, warum sollten sie dafür noch zusätzlich Zugeständnisse bekommen?


Die einzige Möglichkeit, die offiziellen Vorschriften im beiderseitigen Interesse zu unterlaufen, waren Zugeständnisse. Der eine stellt die wirtschaftlichen Kontakte her und bringt die dringend benötigten Devisen, der andere sichert den einen dann entsprechende Zugeständnisse zu. Es wurde auf diese Weise eine Win-Win-Situation geschaffen. Nicht von ungefähr verfügten nach der Wende Ausland-DDR-Bürger über beste Verbindungen. Der mir einzige öffentlich bekannte Fall dieser Art war ein ähnliches Konstrukt um Katharina Witt kurz vor der Wende im Zusammenhang mit der nordamerikanischen Eiskunstlauf-Revue. Man mußte Ausland-DDR-Bürgern diese Zugeständnisse machen, da einem klar war, daß das man ohne diese nicht weltweit repräsentieren kann.

Eine Arbeitsaufnahme in den bedeutenderen NSW-Gastländern war zur Zeit des "Kalten Krieges" für Angehörige von sowjet-nahen Staaten aus Sicherheitsgründen nur bedingt bzw. betraf Bereiche, die als weniger sicherheitstrelevant eingestuft wurden.


zuletzt bearbeitet 27.04.2012 11:05 | nach oben springen

#34

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 11:07
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

@Nostalgiker

Zitat von Nostalgiker

.......

Du schreibst; Eine Arbeitsaufnahme in den bedeutenderen NSW-Gastländern war zur Zeit des "Kalten Krieges" für Angehörige von sowjet-nahen Staaten aus Sicherheitsgründen nur bedingt bzw. betraf Bereiche, die als weniger sicherheitstrelevant eingestuft wurden.

Welches sind bedeutendere NSW-Gastländer, welches die weniger bedeutenden?

Staaten, die für Auskundschaftungen interessant waren, wo. z. B. die Hochtechnologieforschung betrieben wurde und ein erhöhtes Sicherheitsinteresse hatten. Z. B. USA, BRD, GB, Frankreich. Weniger bedeutendere Staaten waren jene, die man als

Was sind oder was ist ein sowjet-naher Staat?

Staaten mit sicherheitspolitisch und wirtschaftlich engen Beziehungen zur Sowjetunion

Welche beruflichen Bereiche im NSW waren für DDR-Bürger zwecks Arbeitsaufnahme? als weniger sicherheitsrelevant eingestuft?

Forschung, militärische Einrichtungen und Hochtechnologie waren risikobehaftet. Sonstige Dienstleistungssparten galten als unbedenklich. Diese Beschränkungen galten zumindest für eine Anfangszeit auch für Übersiedler aus dem RGW-Bereich.

Wieso mußte die DDR die Schlußakte von Helsinki unterschreiben? Wer hat das von ihr verlangt?

Verlangt hat es freilich keiner, aber es hätte zu einem weitreichenden Prestigeverlust geführt und den Zugang zu den Devisenmärkten erschwert. Speziell Korb III der Vereinbarungen (Grundsätze der Zusammenarbeit in humanitären und anderen Bereichen, Erleichterung von menschlichen Kontakten über die Blockgrenzen hinweg, Informationsaustausch) enthielt Bestimmungen, die die DDR-Regierung am liebsten nicht unterschrieben hätte.

Er bildete die Voraussetzung oder Grundlage für die Arbeit vieler osteuropäischer Dissidenten und Menschenrechtsorganisationen (u. a. die Bürgerrechtsbewegungen in der DDR), die sich auf die Akte von Helsinki beriefen.


Aus Deinem letzten Beitrag:
Was ist ein SED-Naher Mensch? Wohnte er neben der KL oder BL ohne selbst Mitglied der Partei zu sein.

Nach Lage der Dinge ist er aus opportunistischen Gründen aus der SED bzw. PDS ausgetreten, da sich möglicherweise eine Mitgliedschaft für den dringenden Dialog mit westlichen Universitäten und Baufirmen als hinderlich erwiesen hätte. Seine Frau war als Schulleiterin Mitglied der SED. Zum Zeitpunkt der Erstkontaktaufnahme und während der Sondierungsgesprächen (Ende 1989) bezüglch des Schweriner Schlosses entwickelten sich bereits umfassende Vereinbarungen für die umfangreiche Sanierung. Zu diesem Zeitpunkt, wo die Zukunft der DDR noch in den Sternen lag, stellten sich zur Ermittelung des Finanzbedarfs auch Fragen betreffend der allgemeinen Infrastruktur und der verfügbaren Eigenmittel, woraus sich dann die Antwort aus dieser Frage ergibt:

Bezieht sich die Aussage des Bauingenieurs auf die gesamte Wirtschaft der DDR? Also Industrie, Landwirtschaft, Forschung und Entwicklung? Oder nur auf seinen Betrieb in dem er arbeitete.

Sowohl als auch. Die Verfügbarkeit der Eigenmittel (finanziell wie materiell) bezieht sich auf alle Wirtschaftsbereiche. Die Ist-Zustand-Analyse, Planung und Realisierung der Sanierung oblagen seinem Aufgabenbereich.




Meine Antworten sind "schwarz" markiert.

Gruß
Dogbert



zuletzt bearbeitet 27.04.2012 11:07 | nach oben springen

#35

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 11:33
von Feliks D. | 8.889 Beiträge | 36 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Feliks D.
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Dogbert
Die DDR mußte zwei Jahre später die Schlußakte von Helsinki unterschreiben, was bestimmt nicht leicht gefallen sein dürfte. Auf die dortigen Vereinbarungen konnte sich anschließend jeder berufen.



Ach bitte nicht schon wieder! Du bist jetzt gefühlt der Zwanzigste der mit dieser [Falsch]Aussage daherkommt.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!
zuletzt bearbeitet 27.04.2012 11:34 | nach oben springen

#36

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 11:55
von Nostalgiker | 2.880 Beiträge | 1274 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Nostalgiker
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

@Dogbert,

danke für die Antworten.
Möchtest Du mit folgendem: Staaten, die für Auskundschaftungen interessant waren, wo. z. B. die Hochtechnologieforschung betrieben wurde und ein erhöhtes Sicherheitsinteresse hatten. Z. B. USA, BRD, GB, Frankreich.
andeuten das sich DDR-Diplomaten vorrangig mit Wirtschaftsspionage beschäftigten, ihre Ehefrauen in die freie Wirtschaft schickten wo sie fürstlich mit Devisen für ihre Diversantentätigkeit bezahlt wurden? Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Nach Lage der Dinge ist er aus opportunistischen Gründen aus der SED bzw. PDS ausgetreten, da sich möglicherweise eine Mitgliedschaft für den dringenden Dialog mit westlichen Universitäten und Baufirmen als hinderlich erwiesen hätte.
Ja die These: "Wo ein Genosse ist, da ist die Partei" war in der Wendezeit auch nicht mehr das was sie mal vorgab zu sein.......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#37

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 27.04.2012 21:32
von frank | 1.753 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds frank
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Dogbert
Danke Dir für die wunderschöne Begrüßung.

Wie ich bereits angedeutet hatte, war einer meiner Bekannten, aus der DDR nach Stuttgart übergesiedelt. Vermutlich war er bereits aktenkundig und auch uns gegenüber sprach er seine Unzufriedenheit aus. Wir hatten oft Kontakt mit DDR-Bürgern, die uns vor lauter Wut kaum noch zu Wort kommen ließen.

Ich denke, der Anlaß war Folgender:
Wir trafen uns mit unseren "Ost"-Kumpels wie immer am Alexanderplatz und vertrödelten uns die Zeit. Als es dann so gegen 20 Uhr war, hatte ein Mädchen (ich nenne sie mal so, da wir alle noch in den frühen 20ern waren, aber schon selbstständig denken konnten), die Idee, zu einem FDJ-Heim zu fahren, um mal was anderes zu sehen, welches außerhalb vermutlich schon außerhalb Ostberlins lag, also für uns Westler ohne Einreiseantrag DDR nicht zugänglich war. (Ostberlin konnte man ja mit Spontan-Tagesvisum ansteuern.). Zu dieser Gruppe gehörte auch ein Mitarbeiter des MfS, der sich mit der Begründung verabschiedete, daß er nach Hause müsse. Die anderen sagten uns schon, daß er für die Staatssicherheit arbeiteten würde und, nun ja, nach Hause mußte. Wir dachten uns nichts dabei. Wir fuhren also über die Stadtgrenzen Ostberlins hinweg zum FDJ-Heim. Davon wußte der MfS-Mitarbeiter. Im FDJ-Heim angekommen, fanden wir da eine Menge Leuten vor, die, sagen wir mal vorsichtig, sowas wie eine Wiedervereinigung wollten und sehr aufgeregt waren. Uns hatte das tief berührt, aber ließen uns das, so gut wir irgendwie konnten, nicht anmerken. Auf der Rückfahrt zum Grenzübergang waren wir schon nervlich so fertig, wie unsere "DDR-Stadtführer" auf uns einredeten, daß wir sagten: "Komm', wir sehen uns ja wieder."

Wir beantragten bei diesen provisorisch aufgestellten Büros sicherheitshalber eine Einreisegenehmigung für das erweiterte Gebiet Ostberlins, die uns auch nach der üblichen 3-Tage-Bearbeitungszeit bewilligt wurde..Wir fuhren zum Grenzübergang Invalidenstraße.

Unser Auto wurde dermaßen geflizt wie wir es zuvor nicht kannten. Selbst in dem Öltank schauten die Grenzer. Dann wurden sie im Kofferraum fündig. Sie fanden eine banale Rechnung über eine Schallplattenbestellung, die dann zum Anlaß genommen wurde, uns die Einreise zu verweigern. Die Schallplatte mit Country-Musik von John Denver hatten wir nicht mitgeführt. Uns wurde die Einreise verweigert. Wenige Wochen später bekam ich Besuch von meiner Schwester und Studienkollegen, die sich Ostberlin ansehen wollten und ich sie dabei begleiten sollte. Uns wurde die Einreise verweigert.. Wieder später, dasselbe mit zwei befreundeten Studenten.

Ich entschied, erstmal Gras drüberwachsen zu lassen. Wir wollten dann zum Klettern ins Elbsandsteingebirge und konnten auch eine Einladung von Kletterfreunden aus der DDR vorlegen. Uns allen wurde die Einreise in die DDR ohne Begründung verweigert. Auf Nachfrage, warum wir nicht dürfen, wurde uns mitgeteilt, daß uns darüber keine Auskunft erteilt werden darf und die Sperrfrist sich zw. 2 und 99 Jahren bewegen dürfte. Zwei Monate später erfuhr ich, daß der Berliner Teil meiner Verwandtschaft Einreiseverbot erhielt.

In diese Zeit fiel die Nachricht von der erfolgreichen Ausreise eines der damaligen Bekannten. Er rief mich kurz an, daß er jetzt im Westen sei und wir keinen Kontakt zu ihm aufnehmen sollen, um nicht in Gefahr zu geraten.

Wir wissen bis heute nicht, was eigentlich der konkrete Anlaß für die Einreisesperre war. Ich vermute, daß uns jemand verdächtigt hatte, in irgendeiner Form eine Flucht vorzubereiten, die dann über ganz andere Wege gelang, nämlich die legale ständige Ausreise aus der DDR, wovon wir nichtmal was ahnten.

Es gab keine schweren Verbrechen gegen die DDR, sondern eine Verkettung von Gegebenheiten, die unabhängig voneinander geschahen. Uns lag gar nicht daran, uns mit den DDR-Organen anzulegen, sondern einfach ganz normale Kontakte zu pflegen, wie man es mit anderen auch tun kann.



ich persönlich , entschuldige bitte , glaube so ein scheiß nicht !!!



nach oben springen

#38

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 28.04.2012 01:11
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

@Nostalgiker und GZB1

Katharina Witt drohte zu einem Präzedenzfall zu werden, der eben dieses Dilemma beschreibt, wenn der Leistungserbringer das Mißverhältnis zw. Leistung und Gegenleistung erkennt. Auch hier wurde eine Win-Win-Situation geschaffen. Ein Teil der Valuta-Einnahmen wurden an den Staat abgeführt, den anderen durfte man behalten.Dieses Verfahren widerspricht zwar dem sozialistischen Grundgedanken, aber wenn einem das Land, welches man vertritt, nicht annähernd das bieten kann, welches einem das Gastland bietet, sind die Verlockungen groß.

Fraglos hat K. Witt Leistungen erbracht und die DDR im Ausland bestens repräsentiert. Das machen jedoch die Mitarbeiter der diplomatischen Vertretungen (sowohl politisch als auch im Handel) der DDR auch. Gerade diese wurden als Verhandlungspartner hochgeschätzt. Zum Zustandekommen eines Handels gehören immer noch mindestens zwei. Der Diplomat bzw. Handelsvertreter/Konsul war der Vermittler zwischen zwei Parteien, die ins Gespräch kommen und erfolgreich abschließen wollen. Dafür flossen gelegentlich auch Vermittlungsprovisionen.

Wir müssen uns wohl nicht über die Geschäftspraktiken der Koko unterhalten, die Millionen oder schon Milliarden Valuta-Währung vom volkseigenen Vermögen ins Ausland abgezweigt hatte anstatt sie der volkseigenen Wirtschaft zukommen zu lassen. Aus diesem Topf bedienten sich nach der Wende die Volksvertreter und deren ins NSW-Ausland Abgesandte unter sich. Man wußte schon, was man voneinander hatte.

Wie ich schon sagte, ergab sich eine Win-Win-Situation zwischen den Auslandsvertretungen der DDR und den maßgeblichen Leuten im MAH.

Wie hieß denn noch der Vertreter der DDR-Regierung bei der Ausarbeitung des Einigungsvertrages und spätere Verkehrsminister? Krause. Er ist nur ein Beispiel von einer elitären Gruppe. Es wurde geschachert, wo es nur ging, alles auf Kosten der Bevölkerung der DDR. Die Zugeständnisse gegenüber Auslandvertretern waren nur der Anfang. Am Beispiel von K. Witt konnte man bestenfalls erahnen, wie es hinter verschlossenen Türen zuging. Die existentielll wichtigen Devisenbringer wurden gesondert behandelt und zwar mit ausdrücklicher Zustimmung der DDR-Regierung. Und zwar so bevorzugt, daß sie nicht auf die Idee kommen werden, sich aus der DDR abzusetzen, zumal sie auch deren Sympathieträgerin der Außendarstellung waren.

Bezogen auf den von mir beschriebenen Fall läßt sich ableiten, daß diese Praktiken der "Nebenverdienste" zwecks inoffizieller Devisenbeschaffung zum gegenseitigen Vorteil aller Verhandlungspartner übliche Praxis waren. Das betraf nicht nur die DDR, sondern auch besonders die Vertreter des Konsulats der VR Polen.in damaligen Westberlin. Da Westberlin keine diplomatischen Beziehungen zur VR Polen unterhielt (ging wegen des Vier-Mächte-Status nicht), gab es hier eine Handelsvertretung, die später in ein Konsulat umgewandelt wurde, welches alles koordinierte. So konnten polnische Firmen hier Aufträge annehmen, wo etliche Provisionen in die Taschen der Vertretung (Vermittler) flossen. Ich hatte das hier unmittelbar erlebt, weil ein Konsul aus Danzig hier eine Eigentumswohnung erwarb und anschließend sämtliche Instandsetzungsaufträge an polnische Firmen vermittelt wurden. Der Typ hatte davon derart profitiert, daß wir ihn dann "enteigneten", indem wir seine Angebote nicht mehr annahmen. Er zweigte sich einfach zuviel fürm "Eigenbedarf" ab.

Dagegen war die DDR harmlos, da sie aus ideologischen Gründen diese Art der Devisenbeschaffung nicht nutzte (die Verlockungen, daß sich einzelen Facharbeiter absetzen, waren zu groß), dafür aber auf höchster Ebene tätig war und Kombinate .mit Angeboten ins Rennen schickte, die dann Großprojekte ins Rennen schickte. Die Preise wurden nicht heruntergehandelt, sondern ein Teil des Auftragsvolumens wurde abgezweigt. Der BRD lag es daran, gerade Anbieter aus der DDR zu bevorzugen und sie dadurch zu animieren, entsprechend unter der Hand zu zahlen. Im Fußball würde man das Handgeld nennen. Dieses Handgeld wurde dann an die Mitbeteiligten verteilt.

Die Quintessenz ist:
Das MAH wußte schon lange vor der Wende, daß die DDR wirtschaftlich am Ende ist. Lediglich der 2 Milliarden-DM-Kredit, den ausgerechnet Franz-Josef Strauß eingefädelt hatte, ließ der DDR noch den Rest der ökonomischen, aber bereits politisch sehr begrenzte Spielräume, um wenigstens noch die "Souveränität" der DDR nach außen zu zeigen. Leider hatten Honecker diese Geste vollkommen mißverstanden und interpretierte sie als außenpolitischen Erfolg. Der BRD-Regierung ging es darum, die DDR zu stabilsieren, um das Gleichgewicht an der Nahtstelle zw. NATO und Warschauer Pakt aufrechtzuerhalten und den Reformprozeß in der Sowjetunion zu stützen.

Eine zahlungsschwache DDR hätte zur Folge gehabt, daß die Sowjetunion sich eingestehen müßte, daß ihr Machtbereich völlig auseinanderfällt, was damals politisch zu einem Gesichtsverlust Gorbatschows hätte führen können.

Honecker hatte nicht begriffen, daß der Kredit keine Aufwertung der DDR bedeutete, sondern zur Stabilisierung des Ost-Prozesses gedacht war. Eine ökonomisch unbrauchbare DDR hätte Gorbatschow nicht brauchen können. Die Annäherung der Sowjet-Regierung zum unzufrieden Volk und die Öffnung zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den stärksten Wirtschaftsnationen kraft ihrer immensen Rohstoffreserven konnte die DDR nur destabilisieren.

Dieses Riesenreich stand selbst innenpolitisch und wirtschaftlich unter Druck als daß es sich noch um seine RGW-Zulieferstaaten kümmern könnte. Ohne westliche Hilfen konnten die Erdgasleitungselemente nicht hergestellt werden, genausowenig wie der Ostberliner Fernsehturm oder die Schwimmhalle/FEZ in weiß nicht mehr wo, irgendwo Ecke Landsberger Straße, errichtet werden konnte. Das war eine Leistung von Schweden (vermutlich gibt es hier einen Zusammenhang zw. IKEA und den Möbeln, die in der DDR produziert wurden). Die Volvos als Staatskarossen sind ein Indiz. War ein futuristisch anmutendes imposantes Gebäude. Das Karl-Friesen-Bad konnte zum prestigeträchtigen weltweit beachteten Schwimm-Länderkampf gegen die USA nur notdürftig hergerichtet werden.

Es bringt also gar nichts, die DDR schönzureden. Jede Devisenquelle mußte angezapft werden und dazu gehörten auch im NSW-Ausland geschätzte Vertreter, denen man entgegenkommen mußte und Zugeständnisse machte.

Jedes Entgegenkommen wertete die DDR-Führung als außenpolitischen Erfolg, dabei ging es nur darum, die DDR nicht zu im Interesse der zwischenmenschlichen Beziehungen der Deutschen aus Ost und West zu destabilsieren, und um die Sowjetunion nicht zu provozieren. Erst seit Gorbatschow und seiner Annäherung zum Westen gab es wenig Anlaß, die DDR noch zu subventionieren.

Die BRD hatte mit ihrer Wirtschaftskraft dafür gesorgt, den Frieden an der Nahtstelle zu wahren, indem enorme Valuta-Zuflüsse die DDR noch atmen ließen und.solange es ging, stabilisierten. Die von mir aus auch erpresserischen Methoden machten sich auch die Auslandsvertretungen der DDR zunutze, und zwar gegen das Wohl der DDR-Bevölkerung, aber gemeinsam KoKo und MAH.

Wenn die BRD gewollt hätte, hätte sie die DDR schon längst ausbluten lassen können, was sie jedoch mit Rücksicht auf Westberlin und dessen Bürger nicht tat. Erst Gorbatschow und später Ungarns Außenminister G. Horn bewirkten die Initialzündung, die die DDR-Bevölkerung dazu ermutigte, geschlossen selbst aktiv zu werden. Die BRD hielt sich tunlichst zurück, da sie auf das Wohlwollen ihrer Besatzungsmächte angewiesen war. Sie war genauso Befehlsempfänger wie die DDR.

Es ging hier schon lange nicht mehr um Reisefreiheit, sondern um Behinderungen in der beruflichen und persönlichen Entwicklung, und besonders bei zunehmender Mangelwirtschaft mangels Devisen. Umso mehr waren die inoffiziellen Verbindungen der NSW-DDR-Vertretungen eine zusätzliche Deviseneinnahmequelle, die jedoch im gegenseitigen Einvernehmen mit dem MAH so umgebucht wurde, daß es keinen direkten Zugriff seitens der Staatsmacht gab.

Gorbatschow war derjenige, der die DDR als deutschen Staat sozialistischer Ausprägung retten und ihr Gesicht wahren wollte.Sie wäre eine ernstzunehmende Alternative, den Sozialismus kraft der wirtschaftlichen Stärke der BRD das Gesicht zu geben, wie es sich Marx, Engels und Lenin wahrscheinlich in der Praxis vorgestellt hatten. Dafür hätte die DDR spätestens 1987 aktiv auf die BRD zugehen müssen und vorschlagen sollen, daß wir zusammen einen Sozialismus aufbauen sollten. Wir bringen unsere sozialen Strukturen und Erfahrungen ein, und ihr eurer technisches Know-how und eure Weltwirtschaftsbeziehungen ein, um unsere Visionen zu realisieren.

Dafür war Honeckers Starrsinn und Realitätsferne im fortgeschrittenen Stadium zu irreparabel.



zuletzt bearbeitet 28.04.2012 01:13 | nach oben springen

#39

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 28.04.2012 01:27
von Dogbert | 143 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Dogbert
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo Frank,

es wurde längst geklärt, daß es sich hier um einen IM handelte.

Solche Zusammentreffen waren in Berlin üblich. DDR-Jugendlichen oder Heranwachsenden wurden ab einer bestimmten Anzahl von Treffen mit Westdeutschen ein IM beigestellt, sodern er nicht schon immer anwesend war, da Westler von Anfang an beobachtet wurden. Wir nahmen aktiv keinen Kontakt zu DDR-Bürgern auf, weil wir wußten, daß wir sie und uns dadurch in Schwierigkeiten bringen könnten. Der Erstkontakt ging ausnahmslos von Bürgern der DDR aus.



zuletzt bearbeitet 28.04.2012 01:27 | nach oben springen

#40

RE: Westberliner, Jahrgang 1961

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 28.04.2012 01:35
von frank | 1.753 Beiträge
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds frank
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Dogbert
@Nostalgiker und GZB1

Katharina Witt drohte zu einem Präzedenzfall zu werden, der eben dieses Dilemma beschreibt, wenn der Leistungserbringer das Mißverhältnis zw. Leistung und Gegenleistung erkennt. Auch hier wurde eine Win-Win-Situation geschaffen. Ein Teil der Valuta-Einnahmen wurden an den Staat abgeführt, den anderen durfte man behalten.Dieses Verfahren widerspricht zwar dem sozialistischen Grundgedanken, aber wenn einem das Land, welches man vertritt, nicht annähernd das bieten kann, welches einem das Gastland bietet, sind die Verlockungen groß.

Fraglos hat K. Witt Leistungen erbracht und die DDR im Ausland bestens repräsentiert. Das machen jedoch die Mitarbeiter der diplomatischen Vertretungen (sowohl politisch als auch im Handel) der DDR auch. Gerade diese wurden als Verhandlungspartner hochgeschätzt. Zum Zustandekommen eines Handels gehören immer noch mindestens zwei. Der Diplomat bzw. Handelsvertreter/Konsul war der Vermittler zwischen zwei Parteien, die ins Gespräch kommen und erfolgreich abschließen wollen. Dafür flossen gelegentlich auch Vermittlungsprovisionen.

Wir müssen uns wohl nicht über die Geschäftspraktiken der Koko unterhalten, die Millionen oder schon Milliarden Valuta-Währung vom volkseigenen Vermögen ins Ausland abgezweigt hatte anstatt sie der volkseigenen Wirtschaft zukommen zu lassen. Aus diesem Topf bedienten sich nach der Wende die Volksvertreter und deren ins NSW-Ausland Abgesandte unter sich. Man wußte schon, was man voneinander hatte.

Wie ich schon sagte, ergab sich eine Win-Win-Situation zwischen den Auslandsvertretungen der DDR und den maßgeblichen Leuten im MAH.

Wie hieß denn noch der Vertreter der DDR-Regierung bei der Ausarbeitung des Einigungsvertrages und spätere Verkehrsminister? Krause. Er ist nur ein Beispiel von einer elitären Gruppe. Es wurde geschachert, wo es nur ging, alles auf Kosten der Bevölkerung der DDR. Die Zugeständnisse gegenüber Auslandvertretern waren nur der Anfang. Am Beispiel von K. Witt konnte man bestenfalls erahnen, wie es hinter verschlossenen Türen zuging. Die existentielll wichtigen Devisenbringer wurden gesondert behandelt und zwar mit ausdrücklicher Zustimmung der DDR-Regierung. Und zwar so bevorzugt, daß sie nicht auf die Idee kommen werden, sich aus der DDR abzusetzen, zumal sie auch deren Sympathieträgerin der Außendarstellung waren.

Bezogen auf den von mir beschriebenen Fall läßt sich ableiten, daß diese Praktiken der "Nebenverdienste" zwecks inoffizieller Devisenbeschaffung zum gegenseitigen Vorteil aller Verhandlungspartner übliche Praxis waren. Das betraf nicht nur die DDR, sondern auch besonders die Vertreter des Konsulats der VR Polen.in damaligen Westberlin. Da Westberlin keine diplomatischen Beziehungen zur VR Polen unterhielt (ging wegen des Vier-Mächte-Status nicht), gab es hier eine Handelsvertretung, die später in ein Konsulat umgewandelt wurde, welches alles koordinierte. So konnten polnische Firmen hier Aufträge annehmen, wo etliche Provisionen in die Taschen der Vertretung (Vermittler) flossen. Ich hatte das hier unmittelbar erlebt, weil ein Konsul aus Danzig hier eine Eigentumswohnung erwarb und anschließend sämtliche Instandsetzungsaufträge an polnische Firmen vermittelt wurden. Der Typ hatte davon derart profitiert, daß wir ihn dann "enteigneten", indem wir seine Angebote nicht mehr annahmen. Er zweigte sich einfach zuviel fürm "Eigenbedarf" ab.

Dagegen war die DDR harmlos, da sie aus ideologischen Gründen diese Art der Devisenbeschaffung nicht nutzte (die Verlockungen, daß sich einzelen Facharbeiter absetzen, waren zu groß), dafür aber auf höchster Ebene tätig war und Kombinate .mit Angeboten ins Rennen schickte, die dann Großprojekte ins Rennen schickte. Die Preise wurden nicht heruntergehandelt, sondern ein Teil des Auftragsvolumens wurde abgezweigt. Der BRD lag es daran, gerade Anbieter aus der DDR zu bevorzugen und sie dadurch zu animieren, entsprechend unter der Hand zu zahlen. Im Fußball würde man das Handgeld nennen. Dieses Handgeld wurde dann an die Mitbeteiligten verteilt.

Die Quintessenz ist:
Das MAH wußte schon lange vor der Wende, daß die DDR wirtschaftlich am Ende ist. Lediglich der 2 Milliarden-DM-Kredit, den ausgerechnet Franz-Josef Strauß eingefädelt hatte, ließ der DDR noch den Rest der ökonomischen, aber bereits politisch sehr begrenzte Spielräume, um wenigstens noch die "Souveränität" der DDR nach außen zu zeigen. Leider hatten Honecker diese Geste vollkommen mißverstanden und interpretierte sie als außenpolitischen Erfolg. Der BRD-Regierung ging es darum, die DDR zu stabilsieren, um das Gleichgewicht an der Nahtstelle zw. NATO und Warschauer Pakt aufrechtzuerhalten und den Reformprozeß in der Sowjetunion zu stützen.

Eine zahlungsschwache DDR hätte zur Folge gehabt, daß die Sowjetunion sich eingestehen müßte, daß ihr Machtbereich völlig auseinanderfällt, was damals politisch zu einem Gesichtsverlust Gorbatschows hätte führen können.

Honecker hatte nicht begriffen, daß der Kredit keine Aufwertung der DDR bedeutete, sondern zur Stabilisierung des Ost-Prozesses gedacht war. Eine ökonomisch unbrauchbare DDR hätte Gorbatschow nicht brauchen können. Die Annäherung der Sowjet-Regierung zum unzufrieden Volk und die Öffnung zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den stärksten Wirtschaftsnationen kraft ihrer immensen Rohstoffreserven konnte die DDR nur destabilisieren.

Dieses Riesenreich stand selbst innenpolitisch und wirtschaftlich unter Druck als daß es sich noch um seine RGW-Zulieferstaaten kümmern könnte. Ohne westliche Hilfen konnten die Erdgasleitungselemente nicht hergestellt werden, genausowenig wie der Ostberliner Fernsehturm oder die Schwimmhalle/FEZ in weiß nicht mehr wo, irgendwo Ecke Landsberger Straße, errichtet werden konnte. Das war eine Leistung von Schweden (vermutlich gibt es hier einen Zusammenhang zw. IKEA und den Möbeln, die in der DDR produziert wurden). Die Volvos als Staatskarossen sind ein Indiz. War ein futuristisch anmutendes imposantes Gebäude. Das Karl-Friesen-Bad konnte zum prestigeträchtigen weltweit beachteten Schwimm-Länderkampf gegen die USA nur notdürftig hergerichtet werden.

Es bringt also gar nichts, die DDR schönzureden. Jede Devisenquelle mußte angezapft werden und dazu gehörten auch im NSW-Ausland geschätzte Vertreter, denen man entgegenkommen mußte und Zugeständnisse machte.

Jedes Entgegenkommen wertete die DDR-Führung als außenpolitischen Erfolg, dabei ging es nur darum, die DDR nicht zu im Interesse der zwischenmenschlichen Beziehungen der Deutschen aus Ost und West zu destabilsieren, und um die Sowjetunion nicht zu provozieren. Erst seit Gorbatschow und seiner Annäherung zum Westen gab es wenig Anlaß, die DDR noch zu subventionieren.

Die BRD hatte mit ihrer Wirtschaftskraft dafür gesorgt, den Frieden an der Nahtstelle zu wahren, indem enorme Valuta-Zuflüsse die DDR noch atmen ließen und.solange es ging, stabilisierten. Die von mir aus auch erpresserischen Methoden machten sich auch die Auslandsvertretungen der DDR zunutze, und zwar gegen das Wohl der DDR-Bevölkerung, aber gemeinsam KoKo und MAH.

Wenn die BRD gewollt hätte, hätte sie die DDR schon längst ausbluten lassen können, was sie jedoch mit Rücksicht auf Westberlin und dessen Bürger nicht tat. Erst Gorbatschow und später Ungarns Außenminister G. Horn bewirkten die Initialzündung, die die DDR-Bevölkerung dazu ermutigte, geschlossen selbst aktiv zu werden. Die BRD hielt sich tunlichst zurück, da sie auf das Wohlwollen ihrer Besatzungsmächte angewiesen war. Sie war genauso Befehlsempfänger wie die DDR.

Es ging hier schon lange nicht mehr um Reisefreiheit, sondern um Behinderungen in der beruflichen und persönlichen Entwicklung, und besonders bei zunehmender Mangelwirtschaft mangels Devisen. Umso mehr waren die inoffiziellen Verbindungen der NSW-DDR-Vertretungen eine zusätzliche Deviseneinnahmequelle, die jedoch im gegenseitigen Einvernehmen mit dem MAH so umgebucht wurde, daß es keinen direkten Zugriff seitens der Staatsmacht gab.

Gorbatschow war derjenige, der die DDR als deutschen Staat sozialistischer Ausprägung retten und ihr Gesicht wahren wollte.Sie wäre eine ernstzunehmende Alternative, den Sozialismus kraft der wirtschaftlichen Stärke der BRD das Gesicht zu geben, wie es sich Marx, Engels und Lenin wahrscheinlich in der Praxis vorgestellt hatten. Dafür hätte die DDR spätestens 1987 aktiv auf die BRD zugehen müssen und vorschlagen sollen, daß wir zusammen einen Sozialismus aufbauen sollten. Wir bringen unsere sozialen Strukturen und Erfahrungen ein, und ihr eurer technisches Know-how und eure Weltwirtschaftsbeziehungen ein, um unsere Visionen zu realisieren.
Dafür war Honeckers Starrsinn und Realitätsferne im fortgeschrittenen Stadium zu irreparabel.




was ist das denn ???



nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Grenzproblematik in Potsdam 1961
Erstellt im Forum Grenztruppen der DDR von PKE
1 23.04.2017 22:39goto
von eisenringtheo • Zugriffe: 1009
Mauer > [ Westberlin ] < Mauer
Erstellt im Forum Leben an der Berliner Mauer von
460 07.04.2018 18:33goto
von GKUS64 • Zugriffe: 28398
Wer durfte vor dem Mauerbau bis 1961 eigentlich mit der S-Bahn zwischen Westberlin und der DDR fahren?
Erstellt im Forum Fragen und Antworten zur Berliner Mauer von mabebi0608
80 14.03.2018 18:26goto
von Eren2001 • Zugriffe: 10601
Vorderes Sperrelement auf Westberliner Gebiet!!?
Erstellt im Forum Spurensuche innerdeutsche Grenze von terraformer1
34 02.03.2015 09:30goto
von Kalubke • Zugriffe: 4802
Vorstellung Flucht am 13./14. August 1961
Erstellt im Forum Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze von woelck
1 12.08.2011 21:30goto
von Pitti53 • Zugriffe: 390
Versuchter Grenzdurchbruch 1961
Erstellt im Forum Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer von wosch
14 16.06.2011 20:10goto
von wosch • Zugriffe: 1439
Westberliner Exklaven auf DDR-Gebiet
Erstellt im Forum Fragen und Antworten zur Berliner Mauer von Rotten
133 19.03.2015 15:50goto
von Grenzläufer • Zugriffe: 41404
Chronik der Innerdeutschen Grenze: Das Jahr 1961
Erstellt im Forum DDR Grenze Literatur von Angelo
0 09.10.2008 13:43goto
von Angelo • Zugriffe: 1631
Modalitäten beim grenzübergang nach westberlin
Erstellt im Forum Fragen und Antworten zur Berliner Mauer von Hendrik
2 23.04.2009 21:25goto
von Augenzeuge • Zugriffe: 1132

Besucher
19 Mitglieder und 26 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: blackhead66
Besucherzähler
Heute waren 544 Gäste und 71 Mitglieder, gestern 2377 Gäste und 162 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 15536 Themen und 655521 Beiträge.

Heute waren 71 Mitglieder Online:


Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen