War Joachim Gauck ein Bürgerrechtler?

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09.03.2012 15:38
avatar  Angelo
#1
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War Joachim Gauck ein Bürgerrechtler? Die Frage ist in den vergangenen Tagen mal so, mal so beantwortet worden: Frühere Oppositionelle aus der DDR erinnerten daran, dass der kommende Bundespräsident im Wendeherbst „erst später auf den fahrenden Zug“ gesprungen sei, wie es der Pfarrer Hans-Jochen Tschiche formuliert, der sich schon seit 1968 aktiv gegen das Regime der alten Männer engagierte.
hier weiter lesen
http://www.taz.de/Debatte-Erbe-der-DDR-Opposition/!89291/


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09.03.2012 15:53
avatar  GZB1
#2
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Zitat von Angelo
...dass der kommende Bundespräsident im Wendeherbst „erst später auf den fahrenden Zug“ gesprungen sei, wie ...
http://www.taz.de/Debatte-Erbe-der-DDR-Opposition/!89291/



Nun Angelo,

da befindet er sich ja in guter Gesellschaft von jemandem die ihn dann letztendlich "gezwungenermaßen" in der Berufungs-Pressekonferenz vorgestellt hat.


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09.03.2012 16:12
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#3
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er ist kurz vor der Wende zu den Bürgerrechtlern gestossen, wie so viele andere auch. Ich denke mal, von mir aus der Ferne mit großem Interesse und Sympathie beobachtet , bis zu den von der SED gefälschten Kommunalwahlen ( Mai 89 ??) war es sicher nicht möglich irgendwelche organisierte Opposition zu machen, ausser du hattest ein Komfortbett im Interhotel HSH in der Hinterhand. Das brauchtest du ganz gewiss, denn so bald du den Mund aufmachtest oder gar eine Org.aufbautest, haben dich die Rezeptionisten des besagten Hotels weggefangen. Also im Grunde sinnlos, da aussichtslos. So konnte eine wirksame Opposition nur einhergehen mit dem langsamen Machtverfall der SED. Dieser Machtverfall trat im Sommer 89 deutlich erkennbar hervor. Die, die diesen Machtverfall erkannten, sind dann aktiv geworden unter anderen auch Gauck. Das ist doch OK, zumindest aus meiner Sicht.Sinnloses Heldentum zuvor war eher kontraproduktiv.


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09.03.2012 16:26 (zuletzt bearbeitet: 09.03.2012 16:26)
avatar  GZB1
#4
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"Wenn die Richtung des Zuges erkennbar wird spring auf und mach dich zu dessen Lokomotivführer."

Zitat
Sinnloses Heldentum zuvor war eher kontraproduktiv.



Da werden sich die Helden von vor 1989 aber freuen über deine pragmatische Meinung @Gert.


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09.03.2012 16:30 (zuletzt bearbeitet: 09.03.2012 16:33)
avatar  SCORN
#5
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Zitat von Gert
..... bis zu den von der SED gefälschten Kommunalwahlen ( Mai 89 ??) war es sicher nicht möglich irgendwelche organisierte Opposition zu machen, ausser du hattest ein Komfortbett im Interhotel HSH in der Hinterhand. Das brauchtest du ganz gewiss, denn so bald du den Mund aufmachtest oder gar eine Org.aufbautest, haben dich die Rezeptionisten des besagten Hotels weggefangen......



Gert,
deine Beobachtungen sind wie gelegentlich, auch hier nicht ganz zutreffend! Friedrich Schorlemmer initiierte z.B. 1983 auf dem Kirchentag in Wittenberg die äußerst medienwirksame Aktion "Schwerter zu Pflugscharen", ohne in HSH einfahren zu müssen! Er ist, im Gegensatz zu Gauck, eine Person welche auch vor dem Herbst 1989 den Menschen im Osten bekannt war. Für mich wäre die durch und durch Integere Person Schorlemmer eine wesentlich bessere Wahl für das höchste Amt im Staate wie der Großinquisitor! Aber da er zu oft mit der "Real Politik" in Konflikt gerät, wie Afghanistankrieg oder Sozialabbau, hat er für dieses Amt nicht die Vorraussetzung!

SCORN


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09.03.2012 16:32
avatar  werner
#6
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Zitat von Gert
. . . bis zu den von der SED gefälschten Kommunalwahlen ( Mai 89 ??) war es sicher nicht möglich irgendwelche organisierte Opposition zu machen, ausser du hattest ein Komfortbett im Interhotel HSH in der Hinterhand. Das brauchtest du ganz gewiss, denn so bald du den Mund aufmachtest oder gar eine Org.aufbautest, haben dich die Rezeptionisten des besagten Hotels weggefangen. . . . .



Das ist nicht richtig!

Es gab einige Gruppen, die durchaus sehr aktiv waren, einige davon unter dem Kirchendach. Und nicht erst 1989, sondern schon Jahre zuvor. Und diese Gruppen waren sehr wohl bekannt und standen unter Beobachtung, ohne dass jemand von denen in U-Haft gegangen ist.

Im Bez. Ff/O gab es eine Gruppe, in der ein heute prominenter Anwalt mitwirkte. Dieser Anwalt fuhr mehr oder weniger regelmäßig nach Westberlin zu "Klienten". Und wie durch ein Wunder kam es jedesmal etwa eine Woche nach seiner Rückkehr zu einer Aktion dieser Gruppe. Aber natürlich ist das reiner Zufall und es gab da keine logistische Unterstützung.

Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984

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09.03.2012 16:46
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Zitat von werner

Zitat von Gert
. . . bis zu den von der SED gefälschten Kommunalwahlen ( Mai 89 ??) war es sicher nicht möglich irgendwelche organisierte Opposition zu machen, ausser du hattest ein Komfortbett im Interhotel HSH in der Hinterhand. Das brauchtest du ganz gewiss, denn so bald du den Mund aufmachtest oder gar eine Org.aufbautest, haben dich die Rezeptionisten des besagten Hotels weggefangen. . . . .



Das ist nicht richtig!

Es gab einige Gruppen, die durchaus sehr aktiv waren, einige davon unter dem Kirchendach. Und nicht erst 1989, sondern schon Jahre zuvor. Und diese Gruppen waren sehr wohl bekannt und standen unter Beobachtung, ohne dass jemand von denen in U-Haft gegangen ist.

Im Bez. Ff/O gab es eine Gruppe, in der ein heute prominenter Anwalt mitwirkte. Dieser Anwalt fuhr mehr oder weniger regelmäßig nach Westberlin zu "Klienten". Und wie durch ein Wunder kam es jedesmal etwa eine Woche nach seiner Rückkehr zu einer Aktion dieser Gruppe. Aber natürlich ist das reiner Zufall und es gab da keine logistische Unterstützung.





Werner, das mag ja richtig sein, was du da entgegen hältst, aber die Aktionen waren sicher so harmlos, dass ihr sie gewähren liesset, natürlich unter strikter Beobachtung, Desinformation, Zersetzungsarbeit , Einsatz von IM ganz wichtig und wie die ganze Klaviatur des MfS hiess. Das war, wenn ich mich gedanklich auf den Stuhl eines MfS Mitarbeiters setze, produktiver in Sachen Sicherheit, als sie festzusetzen. Denn wenn ihr Opposition aus dem Verkehr gezogen habt, hat das ja immer ne Menge Staub aufgewirbelt. Stichwort " Hilferufe von drüben ", Gerhard Löwenthal oder Kennzeichen D mit H.W Schwarze. Das hat dem Politbüro sicher gar nicht gefallen und da hat der kleine/große Mielke wahrscheinlich oft Stress bekommen, oder liege ich da falsch ?
Wovon ich sprach, ist einfach, wenn Opposition die von der SED gezogene rote Linie überschritten hatte. Dieses konnte sie einigermassen gefahrlos erst im Spätsommer 1989 und dann nahm die Dynamik ihren Lauf.
e


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09.03.2012 16:54
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#8
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Zitat von GZB1
"Wenn die Richtung des Zuges erkennbar wird spring auf und mach dich zu dessen Lokomotivführer."

Zitat
Sinnloses Heldentum zuvor war eher kontraproduktiv.



Da werden sich die Helden von vor 1989 aber freuen über deine pragmatische Meinung @Gert.





Dein Beitrag und andere, die zum Ziel haben Gauck zu delegitimieren, ihm die Fähigkeit abzusprechen ein guter Präsident zu werden sind doch nur aus dem Gedanken geboren, dass ihr bedauert, nicht mehr an den Fressnäpfen zu sitzen wie zu SED Zeiten, also der pure Neid zerfrisst euch über die politische Bedeutungslosigkeit, in der ihr steckt. Nimm's doch sportlich, 40 Jahre ward ihr die Privilegierte, dann hat euch das Volk in die Wüste geschickt und nun sind mal andere dran. Nicht weinen, das Leben geht weiter, auch ohne Kommunismus oder wie ein Politiker mal sagte, Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.


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09.03.2012 17:00 (zuletzt bearbeitet: 09.03.2012 17:03)
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Ach @Gert ich nehms schon lange sportlich, nur mag ich es nicht wenn man mich und die heutige Bevölkerung für dumm verkaufen will und Leuten wie Gau.. einen Glorienschein andichtet der Ihnen nicht zusteht.

Was dabei herauskommen kann hat man bei Wulff gesehen.

Und das haben beileibe nicht nur sogenannte "ewig Gestrige" so gesehen!


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09.03.2012 17:09
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#10
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Wenn ich an den Rostocker Wendeherbst denke und an die Massenproteste auf den Donnerstagsdemonstrationen denke fällt mir vor allem der spätere Rostocker Bürgerschaftspräsident Christoph Kleemann ein. Und warum fand ich ausgerechnet, Fred Mahlburg als Sympathieträger der friedlichen Revolution in Rostock? Wirklich in Erscheinung getreten ist Gauck erst bei der Abwicklung der DDR, als ihm die Stasiunterlagenbehörde anvertraut wurde.

Gruß Hartmut!


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09.03.2012 17:12
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#11
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GZB1 ............... ich persönlich fühle mich nicht für dumm verkauft. Und das seit 47 Jahren Bundesrepublik. Und wie wirksam die Demokratie ist, hast du ja an dem Ablauf der Entmachtung des Präsidenten Wulff gesehen. Das funktioniert , auch in der Zukunft und wenn es mit der von vielen geschmähten Bl..d zeitung oder Spiegel geht. Die passen auf, da sind die besseren Journalisten als in der Jungen Welt oder ND. Sind wir uns einig, dass der Vorgang bis zum gestrigen Abschied mit Zapfenstreich innerhalb nur weniger Wochen in einem kommunistischen Staat nie stattgefunden hätte? Das ist der kleine Unterschied in der Staatsform, den ich seit dem Tage, als ich in der wunderschönen Rhön zum ersten Mal meinen Fuss auf den Boden der Bundesrepublik setzte, so liebe.


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09.03.2012 17:19 (zuletzt bearbeitet: 10.03.2012 09:56)
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#12
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Nun @Gert hinter der causa Wulff steckt sicher mehr als journalistische Recherchearbeit, kannste glauben oder nicht.

Der Ex-Buprä muss wohl jemand mächtig auf die Füsse getreten sein oder es übertrieben und somit andere gefährdet haben, denn sonst säße er noch im Schloss Bellevue. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.
Und in Ungnade fallen gibt es wohl in allen Herrschaftsformen.


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09.03.2012 17:54 (zuletzt bearbeitet: 09.03.2012 17:57)
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#13
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Zitat von Gert
GZB1 ............... ich persönlich fühle mich nicht für dumm verkauft. Und das seit 47 Jahren Bundesrepublik. Und wie wirksam die Demokratie ist, hast du ja an dem Ablauf der Entmachtung des Präsidenten Wulff gesehen. Das funktioniert , auch in der Zukunft und wenn es mit der von vielen geschmähten Bl..d zeitung oder Spiegel geht. Die passen auf, da sind die besseren Journalisten als in der Jungen Welt oder ND. Sind wir uns einig, dass der Vorgang bis zum gestrigen Abschied mit Zapfenstreich innerhalb nur weniger Wochen in einem kommunistischen Staat nie stattgefunden hätte? Das ist der kleine Unterschied in der Staatsform, den ich seit dem Tage, als ich in der wunderschönen Rhön zum ersten Mal meinen Fuss auf den Boden der Bundesrepublik setzte, so liebe.




In sozialistischen Staaten und anderen Diktaturen bitten die in Ungnade gefallenen ("Geputschten") um ihren Rücktritt - aus gesundheitlichen Gründen: Man machte ihnen klar, dass es nicht so gesund für sie werden würde, wenn sie bleiben würden. Der Rücktritt geht dann sehr rasch, innert Stunden oder Minuten.
Die Gruppe verkündete, dass Gorbatschow erkrankt sei und daher von seinen politischen Ämtern befreit worden war. Gennadi Janajew, Vizepräsident der Sowjetunion, wurde zum Interimspräsidenten ernannt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Augustputsch_in_Moskau
Solche und ähnliche Befürchtungen waren doch letztlich der Grund für die ausserordentliche Hektik bei der deutschen Einigung: Die Angst, dass Gorbatschow plötzlich erkrankt..
Theo


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09.03.2012 18:03
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#14
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Zur Huldigung dieses Herren werd ich auch eines dieser gestern abend verwendeten Radaumacher verwenden.Schade,dass man dies hier nicht hören kann.


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10.03.2012 08:33
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#15
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Eine interessante Frage. Bürgerrechtler? Gauck?

Mit freundlicher Gemehnigung hänge ich hier mal eine Datei zur Kentnissnahme rein.

Weichmolch

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