Was gab es in der DDR nicht oder nur selten?

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24.05.2009 07:28
avatar  Angelo
#1
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Ich würde gerne mal wissen was für Artikel in der DDR Mangelware gewesen ist ? Also ich habe mal gehört das es Südfrüchte z.B Bananen,Orangen und Zitronen fast immer Mangelware gewesen ist. Auch würde ich gerne wissen wie es denn mit Multimedia Geräten ausgeschaut hat? Also ich 1986 in Ost Berlin gewesen bin mußte ich feststellen das ein TV Gerät bis zu 8000 Ostmark gekostet hat,im Gegenzug aber eine Bratwurst mit Brötchen nur 80 Pfennig. Über viele Antworten zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen.


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24.05.2009 08:01
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#2
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Hallo Angelo,

also ich kann mich erinnern, dass es Zitronen eigentlich immer gab.
Gegen Weihnachten gab es meistens die Cuba-Orangen. Was es eher kaum gab sind Pfirsiche und Melonen.
Bei Melonen gab es grundsätzlich bei uns in der "Kaufhalle" eine 30 Meter lange Schlange.
Bananen hab ich so schlimm gar nicht in Erinnerung, die gab es zwar selten, aber es gab sie.
Was ich bis Ende der 80-er Jahre gar nicht kannte, sind beispielsweise Nektarinen.

Ich habe einen neuen Stereo-Kassettenrekorder in Berlin kaufen müssen, im Kaufhaus am Alex. 1988 war das.
Den gab es bei uns in "Westpolen" gar nicht. Der kostete ca.3000 Mark. Ich glaube der hieß EAW und irgend ne Zahl.
Zwei Boxen zum abnehmen, bunte Leuchtdioden usw.

Ich habe bis zum Beginn meiner Dienstzeit (Kindheit und Jugend) in Löbau (Oberlausitz)/(Bezirk Dresden/Sachsen) verbracht.

Wie war das bei Euch?

Wir lesen uns,
Thomas.


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24.05.2009 08:07
avatar  Angelo
#3
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Also wenn ich mir vorstelle für einen Kassettenrekorder 3000 Ost-mark zu bezahlen dann frage ich mich was hat den der Durchschnittliche Ost-Bürger verdient? Im Westen hat man für 3000 mark einen gebrauchten Wagen bekommen.


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24.05.2009 08:17 (zuletzt bearbeitet: 24.05.2009 08:17)
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#4
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Auweia, ich kann das gar nicht sagen, ich war wohl kein Durschnitt.
Ich glaube im Normalfall bekam man zwischen 600 und 800 Mark?
Meine Eltern und Großeltern waren auch alle im Staatsapparat, entweder NVA, Rat des Kreises usw...
Da wurde nie über den Verdienst gesprochen, ich hatte zum Schluss etwas mehr als 1200,-

Wir lesen uns,
Thomas.

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24.05.2009 08:19
avatar  Angelo
#5
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Na da mußte man ja schon ein wenig Sparen um sich ein Multmediagerät leisten zu können


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24.05.2009 08:25
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#6
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Das ging recht schnell. Bei 49,- Mark Miete, Verpflegung in der Dienststelle, Brötchen 5 Pfennig, halbes Brot 47 Pfennig...
keine Rezeptgebühren, keine 10 € oder Mark Arztgebühr, Versicherung war nicht allzu teuer. Keine Kindergartenbeiträge oder Schulgeld...
so geht das weiter...

So, nu muss ich aber in den Bunker auf Arbeit, bis heute Abend.

Wir lesen uns,
Thomas.


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24.05.2009 09:18
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#7
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Exotische Früchte wie Tamarillos,Pitahaya,Physalis,Papaya.Maracuja,Mango,Kaki etc.sah ich nie. Da ich die nicht einmal vom Namen her kannte,vermisste ich die auch nicht!
Aber ger.Aal den mochte ich, doch der war zumindest in Leipzig Mangelware!
Gruß Peter(Turtle)


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24.05.2009 09:22
avatar  Angelo
#8
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Also ich denke mal alles was man nicht kannte hat man auch nicht vermisst.Aber eine Banane kennt jeder und ich kann mir schon vorstellen das auch ein DDR Bürger gerne mal eine Banane gegessen hätte.Aber es gab ja auch viel positive Dinge in der DDR wo wir nur von träumen konnten.Man überlege mal Fotoapparate,Carl Zeiss Jena und viele andere Sachen,die waren einfach klasse. Ich habe sogar gesehen das es die "Vital Cola" immer noch zu kaufen gibt! Original DDR Rezept.Mein Kollege kommt aus Thüringen der hat die mal mitgebracht.Genau so liebe ich die Originale Thüringer Bratwurst die hat es bei uns auch nicht gegeben.


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24.05.2009 09:23
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#9
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Wenn man aber was "feines" wollte, wie z.B. Dosen mit Ananas oder Pfirsich, was es ja im "Delikat" durchaus gab, da war auch der Lohn schnell weg - denn meine Mutter hat mir zu meinem ersten Weihnachtsfest eine Dose für 36.- Mark gekauft und ich...? Ich Rotzlöffel hab sie ausgespuckt, weil es mir nicht geschmeckt hat.

Also in meiner Heimatstadt gab es max. zweimal im Jahr Bananen, Südfrüchte wie Nektarinen oder Kiwis waren mir gänzlich unbekannt - auch nicht aus dem Fernsehen.
Zitronen und Kartoffel gab es eigentlich immer. Für frisches Brot und frische Backwaren mussten wir stundenlang anstehen - wer zu spät kam, hatte Pech da war es einfach leer.
Fleisch- und Wurstwaren gab es nur einmal die Woche und das sehr begrenzt - auch hier stundenlanges Schlangestehen. Wir hatten Glück und eine Bekannte bediente dort, so hatten wir immer ein recht ansehnliches Paket. Für den Rest der Woche gab es in der Fleischerei eigentlich nur noch etwas Speck - das war es dann aber auch.


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24.05.2009 09:26
#10
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Mangelware gab es auch im Malerhandwerk (obwohl es bestimmt in anderen Bezirken anders war, es gab Rauhfasertapeten und Latexfarbe nur auf Vorbestellung in der Genossenschaft. Genauso waren andere Baustoffe knapp bemessen,zb. Zement, Gasbausteine, Sand ect.. Aber es gab auch einen gut funktionierenden Tauschhandel unter der Bevölkerung (hast du dieses, geb ich dir dieses). Natürlich waren Südfrüchte nicht jeden Tag zu haben, aber es gab diese und zu Feiertagen etwas mehr. Und zu den Elektrogeräten kann ich sagen, diese waren teuer, meine Eltern haben sich als die Farbfernsehgeräte heraus gekommen sind einen im Zentrumwarenhaus bestellt und für gute 6000 Mark diesen abgeholt und auch die Kassettenrekorder waren nicht eben billig, aber ich habe bei einem privaten Malermeister gearbeitet und gut verdient.


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24.05.2009 09:32
#11
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Da ja viele Wohnungen mit Ofenheizung ausgestattet waren, waren auch die Brennstoffe knapp. Ich kann mich erinnern, dass wir einen Festmeter Holz im Holzveredelungswerk (waren Holzabfälle) bestellt haben und auch immer vor der Heizperiode haben wir 100 Zentner Kohle beim Kohlenhändler bestellt, diese wurde aber gestützt, also brauchten wir nicht den vollen Preis zu zahlen, Als dann die Durchbrandöfen kamen brauchte man Koks dieser war sehr knapp und man erhielt diesen nur durch "Beziehungen", den der meiste ging an Kunden mit Etagenheizung!


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24.05.2009 12:42 (zuletzt bearbeitet: 24.05.2009 12:43)
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#12
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Weißt du Angelo,
man kann das Angebot in Ostberlin keinesfalls mit der Provinz vergleichen. Hier sah es schlechter bzw. bescheidener aus.
Bananen gabe es sehr selten. Und wenn es sie gab, dann liefen alle von ihrer Arbeiststelle weg, man konnte nicht nur einen schicken, sie wurden pro Person zugeteilt. Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es kaum glauben. So war es bei Grapefruits, Melonen, Aprikosen (habe ich 2 x erlebt), Radeberger Bier uvm. Selbst die Parteisekretäre waren demgegenüber machtlos, sie standen mit in der Reihe.

Viele in der DDR hatten einen Schrebergarten, hier baute man alles an. Meine Eltern weckten alles ein, was möglich war. Stachelbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren, Birnen, Gemüse. Einfrieren kam später hinzu. So kam man dann über den Winter.

Wenn hier von Cuba-Orangen gesprochen wird, dann kannst du dir diese sicher nicht vorstellen.
Die hat kein Mensch gegessen. Man hat den Saft ausgedrückt, mehr nicht. Was mich heute wundert, es gab im Osten Dinge nicht, die jeder Bauer anbauern kann, z.B. Eisbersalat. Brokkoli kannte keiner.

Delikat und Exquisit Läden gab es erst Ende der 70er. Wolltest du dich hier einkleiden, so reichte hier ein Monatslohn nicht.
Anorak über 150 Mark, Schuhe 130 Mark, Jeans 150,-Mark. Ein Farb-TV mit 55er Bildröhre 6000,- Mark, einfacher Radio-Recorder 900,-Mark,
Insofern relativiere ich hier die Aussage des Bunkerkommandanten, das man schnell gespart hatte. Für Angehörige im Führungskreis bei NVA u.ä. mag er recht haben. Deshalb haben auch viele diesen Weg eingeschlagen, überzeugt waren längst nicht alle.

Oft wurde in der DDR argumentiert, das Lebensmittel im Westen teurer waren. Einfach gelogen. Nun, das Stück Butter kam 2,40 Mark, im Westen keine Mark. Als ich das erste Mal die Aldi und Penny Preise sah, war schnell klar, das auch Zucker, Mehl u.a. im Westen billiger waren. Der Nordhäuser Doppelkorn wurde für ein Drittel des DDR-Preises verkauft.

Für den Golf, den die DDR verkaufte, zahlte man über 30.000 Mark. Man hatte aber den Vorteil, man konnte ihn 4 Jahre fahren und bekam den gleichen Preis beim Verkauf!

Nun weißt du mehr.

Gruß, Augenzeuge


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24.05.2009 16:18
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#13
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Tag zusammen

da gab es doch auch noch den Wartburg mit VW Maschine.4 Milliarden Ost Mark waren dafür geplant,am Schluss
hart das ganze Projekt satte 10 Milliarden gekostet. Um diese sinnlosen Kosten wenigstens zum Teil wieder
reinzuholen,wurden diese auf den Käufer abgewälzt,der für dieses Vehikel schon in der simpelsten
Ausführung 32000 Mark hinblättern sollte.
Aus Empörung über den Preis für ein hoffnungslos antiquiertes Modell bewarfen behertze Bürger auf
der Leipziger Messe den Wagen mit faulen Eiern und anderen Utensilien.


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24.05.2009 18:23
#14
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Hallo Augenzeuge,

In Antwort auf:
Für Angehörige im Führungskreis bei NVA u.ä. mag er recht haben. Deshalb haben auch viele diesen Weg eingeschlagen, überzeugt waren längst nicht alle.


Wie viele hast Du kennengelernt, für die das zutraf. Ich habe, berufsbedingt, eine Menge Leute kennengelernt, die Offiziere wurden. Ich habe keinen darunter gefunden, der es aus finanziellen Gründen getan hat. Dazu war der Job auch einfach mal zu stressig. Man kam in der DDR leichter zu Geld: u.a. Materialdiebstahl, Antiquitätenschmuggel, Gebrauchtwagenhandel etc.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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24.05.2009 18:53
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#15
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Augenzeuge: "Insofern relativiere ich hier die Aussage des Bunkerkommandanten, das man schnell gespart hatte. Für Angehörige im Führungskreis bei NVA u.ä. mag er recht haben."

Guten Abend,

endlich Feierabend.

Augenzeuge, ich bin bei der Aussage auch nur von den sogenannten "Besserverdienenden" ausgegangen.
Für den Normalverdiener in der DDR traf das natürlich nicht zu, dass er das Geld so schnell zusammen hatte, es sei denn er hat in Branchen
"gearbeitet", wie Rainman2 sie eben aufgezählt hat.
Ich bin also lediglich von Leuten mit 1000,- Mark und mehr im Monat ausgegangen.

Wir lesen uns,
Thomas.


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