DDRDF = DDR DESIGN FAN

06.02.2012 18:40 (zuletzt bearbeitet: 06.02.2012 19:25)
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Mein Papa hat mal in Dessau bei Hugo Junkers gearbeitet, zu Zeiten, wo es dort noch Bauhäusler gab. Aus väterlichem Einfluss war ich dann verseucht vom Funktionalismus und der "Neuen Sachlichkeit". Das gab es dann auch in der DDR. Nicht viel, aber es gab was und ich bin diesen Dingen hinterher gejagt und habe sie dann auch später selber mit gemacht.

Mein DDR Design Pabst war die klitzekleine Möbelfirma in Langenau von Max Kluge: Ich mein, es war das beste was es an DDR Möbeldesign gab. Selbst die guten Hellerau Möbel konnten da kaum mit halten. Erwähnt in: "Sigrid Hinz, Innenraum und Möbel, Von der Antike bis zur Gegenwart, © Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1969, Erste Auflage, Abbildung 696, Schrankwand MKL 69 (Kastenprinzip), Entwurf Manfred Goerke, 1968, Ausführung Max Kluge, Langenau". In Italien werden diese Möbel mit den gleichen Proportionen heute noch nachgebaut und sind "Internationale italienische Möbelklassiker".

Das Kastenmöbelsystem MKL 69 wurde in Modulteilen geliefert und konnte ohne jegliches Werkzeug aufgebaut werden. (Gestell mit Rückwand, steckbar, die Möbelteile wurden einfach eingehangen mit Doppelhaken) Für die Montage einer 3 Meter Schrankwand braucht man eine halbe Stunde. Die Qualität der Verarbeitung war was ganz feines. Der Preis war hoch. Das kleinste Modulteil kostete um achtzig DDR Mark. Die Oberfläche war mattweiß oder Makoré furniert. Die Möbel gab es nur in wenigen HO Möbelläden und gingen vordergründig in den Export.

Bei mir hing immer im Wohnzimmer an der Decke die Pendelleuchte P 605; Hersteller: PGH des Metalldrücker- und Gürtlerhandwerks Halle, 1964; Design: Wolfgang Dyroff, Juni 1975. Die Leuchten des PGH des Metalldrücker- und Gürtlerhandwerks hingen in jedem Konsum oder HO Laden und gingen zum Teil in den Export nach Italien und Schweden.

Mein Radio war damals das HELI Radio RK3 aus der Bausteinserie 66. Die Rundfunkfabrik HELI wurde am 1. April 1950 von Ing. Bodo Hempel in Limbach-Oberfrohna gegründet. HELI war bekannt aber teuer.

Alle hier genannte Unternehmen waren keine volkseigene Betriebe sondern Privatbetriebe oder Genossenschaften. Zum Ende hin 1989 aber oft mit staatlicher 51% Beteiligung.

Eine umfangreiche Dokumentation und Literaturhinweisen zu DDR Design gibt es bei: Günter Höhne
http://www.industrieform-ddr.de/joomla/

Das Design der Kerzenleuchter ist von mir. Entstand um 1987 für das Kombinat Wohnkultur Suhl (für VEB Kunstgewerbe Pappenheim). Den Schmuck (Broschen produzierte ich seit 1987 als selbständiger Schmuckdesigner für keinen Volkseigenen Betrieb mehr. Selbst das Ministerium für Staatssicherheit konnte sich da auf den Kopf stellen, die haben das Zeug von mir nicht bekommen, "dachte ich damals". Das aber Schalck Golodkowski die Staatssicherheit war, wusste ich nicht. An den Staatlichen Kunsthandel der DDR, KoKo habe ich meinen Schmuck geliefert.

VEB Kunstgewerbe Pappenheim, heute (Venter Glocken Niederschmalkalden) war ein versteckter Privatbetrieb innerhalb eines Volkseigenen Betriebes. Ehemalige Privatwirtschaftliche Betriebe wurden offiziel in das "Volkseigentum" überführt. Nach innen funktionierten die aber noch ziemlich gut als privatwirtschaftlicher Familienbetrieb. Gibt es heute noch. http://www.venter-glocken.de/pages_german/startsei.htm Herr Vender produzierte zu DDR Zeiten Kuhglöcken bis zum Abwinken, und seine Familie macht die Glocken heute noch.

Design für NVA Militärprodukte:

0. NVA TruppenStahlhelm
Was eventuell wenige wissen, der DDR-NVA-Truppen-Stahlhelm war ein uralter Entwurf von 1943 für die Deutsche Wehrmacht. Das Design Modell „B“ wurde unter Leitung des Ober-Ingenieurs Erich Kisan in Thale entwickelt. Bei den Beschuss- und Truppenerprobungen erwiesen sich die beiden „B“-Modelle besser, als der alte Wehrmachtsstahlhelm Typ 35, bei dem es wegen der steilen Büchsenform zu viele Kopfverletzungen bei Einschußwirkungen gab.


(Publiziert von Günter Höhne)
1. Eßbesteck für MdI von Brigitte Mahn-Diedering:
http://www.industrieform-ddr.de/joomla/b...c=detail&id=484

2. Geländewagen P 3
http://www.industrieform-ddr.de/joomla/b...c=detail&id=483

3. Feldküche FK 180/72
http://www.industrieform-ddr.de/joomla/b...c=detail&id=479

4. Signal-Taschenlampe Artas (Ursprung 30er Jahre)
http://www.industrieform-ddr.de/joomla/b...c=detail&id=480

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06.02.2012 19:31
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#2
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Ueber den NVA Stahlhelm und seine "Verbindungen" zur Wehrmacht gibt es auch ein Video auf Youtube. Das ist auch hier im Forum schon ein paar Mal aufgetaucht.


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06.02.2012 20:49
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#3
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94

Die Dreifarblampe hat ihre Ursprünge sogar (etwas) früher ... Gefechtslampe der NVA was ist das?
Und weil ich gerad so gern Die Zeit lese ...

Die vergessenen Gestalter
Versteckt in einem Berliner Gewerbegebiet lagern 80.000 Designgegenstände aus der DDR. Ein Video-Rundgang durch eine Lagerhalle, die eigentlich ein Museum sein sollte.
weiter ... http://www.zeit.de/kultur/kunst/2010-12/ddr-design-sammlung

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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06.02.2012 21:55
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#4
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Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten
Ueber den NVA Stahlhelm und seine "Verbindungen" zur Wehrmacht gibt es auch ein Video auf Youtube. Das ist auch hier im Forum schon ein paar Mal aufgetaucht.


der stahlhelm gehörte nach meinem wissen zu einer neuen uniform der wehrmacht welche 1944 raus kommen sollte. die neuen uniformen sollten von hittler vorher besichtigt und genehmigt werden. ein bombenangriff zerstörte den zug mit den uniformen vorher. so meine erinnerung aus einem tv-bericht.
ek 82/2


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06.02.2012 23:56 (zuletzt bearbeitet: 07.02.2012 00:00)
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Zitat von 94
Die Dreifarblampe hat ihre Ursprünge sogar (etwas) früher ... Gefechtslampe der NVA was ist das?
Und weil ich gerad so gern Die Zeit lese ...

Die vergessenen Gestalter
Versteckt in einem Berliner Gewerbegebiet lagern 80.000 Designgegenstände aus der DDR. Ein Video-Rundgang durch eine Lagerhalle, die eigentlich ein Museum sein sollte.
weiter ... http://www.zeit.de/kultur/kunst/2010-12/ddr-design-sammlung



Diese Sammlung der 80.000 Designgegenstände aus der DDR kenne ich zum Teil. Auch die Probleme rund herum mit der zaghaften wissenschaftlichen historischen Einordnungen und den politischen Querälen. Das Geld, was zur Sicherung und wissenschaftlichen Bearbeitung ausgegeben wird, ist sehr wenig. Die reale Präsentation des DDR Designs ist leider nur in den vielzähligen "DDR Museen und Sammlungen" manchmal komisch dargestellt. Interessant sind die Kommentare zum Zeit.de Artkel, wo man sich manchmal von diesseits und jenseits der Elbe mit unterschiedlichsten Argumenten gegenseitig wie auch hier manchmal in den in den Haaren liegt.

Interessant ist die Designentwicklung der DDR allemal. Traurig und komisch natürlich auch, weil es viele komische Produkte gab.

Anbei mal was feines in Sachen DDR Design. Foto siehe unten: Ein Reprostativ aus Dresden von ca. 1975. Durch Dücken auf den roten Knopf konnte man fix die Höhe verstellen. Kamerawchsel ging mit einem Bajonettverschluss (fehlt hier). Alles klar, übersichtlich, sachlich und ohne überflüssigen Kram. Aluminium, mit mattschwarzem Strukturlack beschichtet. Das Ding ist noch wie neu.

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07.02.2012 00:10
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#6
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grenzsoldat mich wundert die ganze zeit warum du so offen mit deinen adressen und tel.nummern bist? ist nicht böse gemeint, aber im internet sollte man vorsichtig sein. wir haben hier schon böse erfahrungen gehabt. war nur ein tip.
ek 82/2


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07.02.2012 10:53
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#7
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94

Ich glaube rhebs weiß um die 'Gefahren' in der 2D-Welt ...

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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07.02.2012 13:01 (zuletzt bearbeitet: 07.02.2012 13:05)
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#8
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Zitat
Traurig und komisch natürlich auch, weil es viele komische Produkte gab.


WIe ist das zu verstehen, das ist doch kein DDR-Kennzeichen. "Komische Produkte" finde ich viele. Und die trotzdem gekauft werden. Nur als Beispiel mal, finde ich Mobiltelefone, die eine Fotokamera haben, komisch. Bis auf 3 mir bekannte Geräte werden vom Rest Fotos geschossen, die den Begriff Foto nicht verdienen. Bestenfalls Zeichnung.

Oder Design. Schau Dir mal die Hosen der meisten männlichen Jugendlichen an. Die Hängen so auf halb acht, dass du denkst, die haben Eingeschissen. Und die finden das Kuhl! Oder Jungens mit Strickmützen, auch im Sommer - das finde ich komisch :-)

Das ist also kein Alleinstellungsmerkmal der DDR.


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07.02.2012 15:59
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#9
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[quote="EDGE-Henning"]

Zitat


Oder Design. Schau Dir mal die Hosen der meisten männlichen Jugendlichen an. Die Hängen so auf halb acht, dass du denkst, die haben Eingeschissen. Sie haben, der Satz: "Morgen früh und pünktlich auf Arbeit!" löst dieses aus.Und die finden das Kuhl! Oder Jungens mit StrickmützenDas sind alte Socken, auch im Sommer - das finde ich komisch :-)

Das ist also kein Alleinstellungsmerkmal der DDR.





Weichmolch


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21.02.2012 21:56
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#10
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( gelöscht )

Zitat von EDGE-Henning

Zitat
Traurig und komisch natürlich auch, weil es viele komische Produkte gab.


WIe ist das zu verstehen, das ist doch kein DDR-Kennzeichen. "Komische Produkte" finde ich viele. Und die trotzdem gekauft werden. Nur als Beispiel mal, finde ich Mobiltelefone, die eine Fotokamera haben, komisch. Bis auf 3 mir bekannte Geräte werden vom Rest Fotos geschossen, die den Begriff Foto nicht verdienen. Bestenfalls Zeichnung.

Oder Design. Schau Dir mal die Hosen der meisten männlichen Jugendlichen an. Die Hängen so auf halb acht, dass du denkst, die haben Eingeschissen. Und die finden das Kuhl! Oder Jungens mit Strickmützen, auch im Sommer - das finde ich komisch :-)

Das ist also kein Alleinstellungsmerkmal der DDR.




Ich gebe dir schon Recht, dass im Vergleich zwischen komischen Design und heutiger, komischer Mode das DDR-Design ziemlich scchlecht abschneidet aber ziemlich scharfe Sachen hat die DDR-Kultur doch schon hervorgebracht.
Hier mal ein Produkt, welches ich zwar nicht besonders hübsch (und schon garnicht komisch) aber absolut praktisch finde.
Form "Rationell", in meinen Augen der absolute DDR-Klassiker

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22.02.2012 02:20
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#11
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Zitat von EK 82/2
grenzsoldat mich wundert die ganze zeit warum du so offen mit deinen adressen und tel.nummern bist? ist nicht böse gemeint, aber im internet sollte man vorsichtig sein. wir haben hier schon böse erfahrungen gehabt. war nur ein tip.
ek 82/2




Weil er bekannt ist. Als jüngerer besuchte ich öfters mal seine Website und er ist bekannt aus Reportagen.


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02.01.2017 12:42
#12
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Etwas neues zu diesem Thema.
Am 27 - 29.1 findet am Berliner Ostbahnhof in der Galerie Kaufhof eine Ausstellung mit Börse statt
Man kann seine Waren schätzen lassen und die Ausstellung ,,Industrieform-DDR von Günter Höhne besichtigen.


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02.01.2017 14:47 (zuletzt bearbeitet: 02.01.2017 15:00)
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#13
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Hier dazu ein paar Beispiele für gutes DDR-Design (außer Stahlhelm!!):





Die Praktica BX20 s war die letzte Spiegelreflexkamera von Pentacon!


MfG

GKUS64


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02.01.2017 15:06
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#14
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"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)


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02.01.2017 18:07 (zuletzt bearbeitet: 02.01.2017 18:16)
#15
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Auch das war DDR-Design,mußte sich nicht verstecken.Hans Fleischer UND Erich Lüsebrink haben dieses schöne Cabrio entworfen.Über 900 Autos wurden kompl.in Meerane gebaut.


Bilder von Christian Suhr.
Gruß C.


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