#41

RE: perleberg

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 18.01.2018 15:04
von Niederlausitzer | 885 Beiträge | 3051 Punkte

Zitat von vs1400 im Beitrag #40
Zitat von Niederlausitzer im Beitrag #35
Ich war von November 1987 - April 1988 zur Ausbildung auf der Unteroffiziersschule "Egon Schultz" in Perleberg. In diesem Zeitraum kam es dann zu diesem tragischen Vorfall.

Unteroffiziersschüler Axel Stahnke

Im Rahmen seiner Ausbildung an der Unteroffiziersschule „Egon Schultz“ in Perleberg bewachte Axel Stahnke am 12. Februar 1988 ein Übungsgelände bei Perleberg. Als die Wachablösung ihn um 17.30 Uhr nicht auf seinem Posten antraf, wurde Großfahndung ausgelöst. Ein Suchtrupp entdeckte die Leiche des Unteroffiziersschülers am frühen Morgen des folgenden Tages in einer nahe gelegenen Parkanlage. Er hatte sich mit seiner Maschinenpistole selbst getötet.

geboren am 12. Januar 1969 in Rostock
Suizid am 12. Februar 1988
Ort des Zwischenfalls: Park in Schilde, Kreis Perleberg (Brandenburg)

Nach dem Schulabschluss an der Polytechnischen Oberschule „Wilhelm Wolff” in Dargen auf der Insel Usedom erlernte Axel Stahnke den Beruf eines Facharbeiters für Pflanzenproduktion. Er gehörte der Arbeitsgemeinschaft ‚Junge Sanitäter‘ an, war DRK-Helfer sowie Mitglied der Deutsch-Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft SF und der GST-Sektion Sportschießen. Das Wehrkreiskommando Malchin warb ihn zum Dienst bei den DDR-Grenztruppen an. Am 3. November 1987 trat er seinen Dienst an. Er kam zur Ausbildung auf die Unteroffiziersschule der DDR Grenztruppen nach Perleberg, die seit 1973 den Ehrennamen des an der Berliner Mauer ums Leben gekommenen Grenzers „Egon Schultz” trug. Wie sich erst nach dem Ende der DDR herausstellte, war Unteroffizier Egon Schultz 1964 nicht von West-Berliner Fluchthelfern, sondern von eigenen Leuten aus Versehen erschossen worden.

Vorgesetzte beurteilten Axel Stahnke überwiegend gut. Er sollte im April 1988 zum Unteroffizier befördert werden. Er nehme „einen positiven politischen Standpunkt” ein und besitze „ein ausgeprägtes positives Wehrmotiv für den Dienst als Berufsunteroffizier”. Gegen Befehle, deren Sinn er nicht einsah, sei er jedoch impulsiv und teilweise unbeherrscht aufgetreten. Auch verhalte er sich mitunter noch kindlich und verspielt. In der Nacht vom 11. zum 12. Februar 1988 führte Unteroffiziersschüler Stahnke mit seinem Ausbilder Rainer G. eine Wachkontrolle durch. Am Morgen fiel die Frühstücksversorgung aus, worüber Axel Stahnke sich derart aufregte, dass er die weitere Dienstdurchführung verweigerte. Aus Protest verließ er seinen Postenbereich. Nachdem der Ausbilder Unteroffizier Rainer G. ihn zurückgerufen und mit Bestrafung gedroht hatte, äußerte Stahnke, „daß ihm das alles egal ist und er sowieso macht, was er will”.

Am 12. Februar 1988 trat Axel Stahnke um 13.30 Uhr seinen Wachdienst auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes der Unteroffiziersschule „Egon Schultz” bei Perleberg an. Dort brach er einen Bauwagen auf, entwendete die Zündschlüssel für ein abgestelltes Baufahrzeug (Dumper) und fuhr damit ziellos auf dem Standortübungsplatz umher. Er beschädigte dabei ein Gassentor des zu Ausbildungszwecken dort errichteten Grenzzauns I/83 und fuhr das Fahrzeug in einem Waldstück fest. Wohl um das Gerät in Brand zu schießen, feuerte er wütend aus seiner Maschinenpistole 38 Schüsse auf das Fahrzeug ab. Dann entfernte er sich in Richtung des Ortes Schilde und verscharrte am Waldrand einen Teil seiner Ausrüstungsgegenstände und den Grenzmeldehörer im Erdreich. Außerdem verbrannte er seinen Wehrdienstausweis. Gegen 18.45 Uhr und 19.20 Uhr sahen ihn Anwohner im Ort Schilde. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits drei Kompanien der Grenztruppen die Gegend gemeinsam mit Einheiten der Volkspolizei abgeriegelt. Die Fahndung nach dem verschwundenen Unteroffizier dauerte bis zum nächsten Morgen an. In einer Parkanlage von Schilde, Kreis Perleberg, entdeckte gegen 8.25 Uhr ein Suchtrupp etwa 2,5 Kilometer vom Truppenübungsplatz entfernt seine Leiche. Wie die spätere medizinische Untersuchung ergab, muss sich der 19-Jährige am Vorabend mit seiner Maschinenpistole, die auf Dauerfeuer gestellt war, durch zwei Schüsse in den Kopf selbst getötet haben.

Die Beisetzung Axel Stahnkes fand am 18. Februar 1988 auf dem Friedhof in Dargun statt. Seine Dienststelle entsandte Ehrenposten, Sarg- und Kranzträger sowie einen Grabredner. Die musikalische Umrahmung erfolgte durch das Stabsmusikkorps des Militärbezirkes. Eine Ehrenformation der Grenztruppen kam auf Wunsch der Angehörigen nicht zum Einsatz.



Wir waren im selben Block untergebracht. Beim Essen im großen Speiseraum, saß er immer am Nachbartisch. Das war schon ein komisches Gefühl, als er nach seinem Suizid dann nicht mehr am Tisch saß.

Ich habe ihn bildlich noch genau vor Augen, als wenn es erst gestern gewesen ist und werde diesen tragischen Vorfall auch nie vergessen.





hmm, die quelle wurde wohl leider vergessen erwähnt zu werden.

gruß vs

Nein nicht vergessen @vs1400, der Link ließ sich nicht einfügen. ( Fehler 404: Seit nicht gefunden. ) Dann dachte ich mir, es muss auch anders gehen.


"Durch Anerkennung und
Aufmunterung kann man in einem
Menschen die besten Kräfte mobiliesieren"

(Charles M. Schwab, amerikanischer Industrieller 1862-1939)
zuletzt bearbeitet 18.01.2018 15:05 | nach oben springen

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