Heldenpathos und Geschichtsverfälschung- Der Umgang der DDR mit dem Zweiten Weltkrieg

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08.01.2012 16:56
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#1
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ABV

Hallo Freunde!
Ich möchte euch an einem konkreten Beisiel aus dem Oderbruch aufzeigen, wie bis 1989 mit den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg umgegangen wurde. Der von mir dazu geschriebene Beitrag den ihr als PDF-Datei im Anhang findet, beruht auf eigenen Erlebnissen und Erfahrungen. Ich hoffe auf eine sachliche und ausgiebige Diskussion.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe

08.01.2012 17:25
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#2
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oh mein gott. rusische soldaten haben uns deutschen erst kultur begebracht.


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08.01.2012 17:42
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#3
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Die Hoffnung auf Sachlichkeit ist schon mit dem 1. Beitrag zum Thema verloren!!


Zitat von glasi
oh mein gott. rusische soldaten haben uns deutschen erst kultur begebracht.


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08.01.2012 17:46
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#4
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Uwe ein sehr schöner Bericht. An diese seltsame "Verehrung" der Sowjets kann ich mich auch noch gut erinnern ( ich kann mich bis etwa 1948 zurück erinnern). Wenn ich recht erinnere, gab es in den 50er Jahren einen arbeitsfreien "Tag der Befreiung", das war der 8.Mai eines jeden Jahres, ist wohl später wieder abgeschafft worden. Zu Hause bei den Eltern sprach man aber nicht von Befreiung sondern von einem Zusammenbruch, wie sollten wir Kinder mit diesem Widerspruch umgehen ?Weiterhin wurde in diesen Jahren in der Schule nur solch eine Sprachregelung von der ruhmreichen Sowjetarmee, von dem großen Stalin, und von unserem " Glück", dass wir von den Sowjets befreit wurden, gesprochen. Meine Mutter berichtete, dass am Ostersonntag 1945 US amerikanische Truppen, das Dorf in Thüringen besetzten, aus dem wir aus der Stadt Erfurt geflüchtet waren. Sie benahmen sich nicht als Freunde aber sie vergewaltigten keine Frauen und erschossen nicht wahllos Zivilisten. Obendrein tauschten sie noch Konserven gegen frische Lebensmittel, wie z.B Eier, bei dem Bauern, wo wir unterkamen.
Später in der Schule wurde mit keinem Wort erwähnt, dass meine Heimat Thüringen von amerikanischen Truppen ( die berühmte 3. US Army unter dem Kommando George Pattons)." befreit" wurde. Tja, so kann man auch mit Geschichte umgehen.

Gruß an den Oderstrand Gert


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08.01.2012 17:47
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#5
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ABV

Zitat von glasi
oh mein gott. rusische soldaten haben uns deutschen erst kultur begebracht.



Ja, Glasi solch einen Quatsch musste sich der "kleine ABV" als Kind anhören.
Aber mal im Ernst und um Missverständnisse vorzubeugen: Mir geht es nicht um die gegenseitige Aufrechnung von Kriegsverbrechen. Mir ist auch klar, wer den Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Ebenso sind mir die vielen grausamen Verbrechern der Deutschen in der Sowjetunion absolut bewusst. Mir geht es einzig und allein darum aufzuzeigen, wie in der DDR speziell mit den Ereignissen im Winter / Frühling 1945 umgegangen wurde. Und auch um die möglichen Folgen aufzuzeigen.

Gruß an alle
Uwe

08.01.2012 17:51
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#6
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ABV

Hallo Gert!
Die inneren Widersprüche in denen wir damals gestürzt wurden sind eigentlich für die Nachwelt kaum erklärbar. In der Schule hörte man es so und Zuhause völlig anders. Wem wird geglaubt? Natürlich der eigenen Familie. Aber wenn Lehrer unglaubwürdig werden, welchen Sinn hat denn noch der Schulunterricht? Die DDR war schon ein verdammt eigenartiger Staat.

In diesem Sinne
schönen Grüße zurück an den Rhein

08.01.2012 17:52
avatar  Pit 59
#7
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Was mich wundert ist, das die Kienitzer Bürger den Panzer Ihrer "Befreier" heute noch dulden.Das der zu DDR Zeiten stehen bleiben musste ist klar. Über das Vergewaltigen hat man schon öfters gelesen und gehört.Ich bin aber davon Überzeugt das auch Deutsche Soldaten an solchen Schweinereien beteiligt waren.Für einen Zeitzeugen ist das natürlich ein Unfassbares Erlebnis,welches einen sein ganzes Leben lang prägt.


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08.01.2012 17:53
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#8
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@uwe, ich habe deine kurzzusammenfassung gelesen. du hattest mal geschrieben, bei anmerkungen bitte gleich reagieren:

seite 2 oben - "31. oktober" ? - sicherlich meinst du den 31. januar 1945

seite 3 unten - "kalaschnikow" ? - gemeint ist bestimmt die ppsh 41


p.s. so ein brisantes thema kann man nur anreißen oder du müsstest noch ausführlicher werden. was ist dein eigentliches ziel dabei ?
p.p.s. falls ihr mal irgendwann den t 34 nicht mehr wollt. ick würde ihn nehmen der knackpunkt sind jedoch die versandkosten...


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08.01.2012 18:05
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#9
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Zitat von GilbertWolzow
@uwe, ich habe deine kurzzusammenfassung gelesen. du hattest mal geschrieben, bei anmerkungen bitte gleich reagieren:

seite 2 oben - "31. oktober" ? - sicherlich meinst du den 31. januar 1945

seite 3 unten - "kalaschnikow" ? - gemeint ist bestimmt die ppsh 41


p.s. so ein brisantes thema kann man nur anreißen oder du müsstest noch ausführlicher werden. was ist dein eigentliches ziel dabei ?
p.p.s. falls ihr mal irgendwann den t 34 nicht mehr wollt. ick würde ihn nehmen der knackpunkt sind jedoch die versandkosten...




Das ist wohl wahr, Gilbert. Sie würden den Verschrottungserlös wahrscheinlich übersteigen


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08.01.2012 18:06
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#10
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( gelöscht )

Zitat von glasi
oh mein gott. rusische soldaten haben uns deutschen erst kultur begebracht.


Zitat von ABV

Ja, Glasi solch einen Quatsch musste sich der "kleine ABV" als Kind anhören.


@uwe, bist du eigentlich nie auf die idee gekommen warum du dich damals mit diesen antworten zufrieden gegeben hast ?
ein teil meiner familie stammt aus neuenhagen bei bad freienwalde. meine uroma hat mir schon erzählt, wie sie die besetzung des bad freienwalder krankenhauses und die anschliessenden vergewaltigungen erlebte. selbstverständlich musste man nachboren...

auch meinen großeltern habe ich ganz konkrete fragen gestellt und auch absolut ehrliche antworten bekommen. so erfuhr ich, warum z.b. meine oma beinahe aufseherin im kz ravenbrück geworden wäre oder warum sich mein opa, als wehrmachts- uffz auf heimaturlaub, in oranienburg fast in eine häftlingekolonne hätte einreihen dürfen. mein anderer opa ist als kvu- wachmann 1945 richtung lübeck getürmt. als er mehrere tieffliegerangriffe von engländern auf zivile flüchtlingstrecks miterlebte, meinte er: "schlimmer kann es bei den bolschewisten auch nicht werden" und drehte um.

in unserer familie wurde aus geschichte nie ein hehl gemacht...


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08.01.2012 18:14
avatar  glasi
#11
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die engländer, amrikaner, franzosen und kanadier waren auch nicht ohne


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08.01.2012 18:21
avatar  ABV
#12
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ABV

Hallo Gilbert!
Erstmal vielen Dank für deine Hinweise. Ich meinte natürlich den 31. Januar und nicht den 31. Oktober.
Warum ich mich mit den Antworten nicht mehr zufrieden gab? Damals, 1973, war ich gerade mal neun Jahre alt. In dem Alter hinterfragt man noch nicht so viel. So etwas kommt erst später. Ein Hinterfragen. möglicherweise so anzweifeln des gesagten, wäre in der Kienitzer Schule nicht möglich gewesen. Die hätten dir dann wer weiß was für Dinge unterstellt. Für die Lehrer gab es nur "Schwarz" und "Weiß". Dazwischen war nix. Ob es allerdings ihrer tatsächlichen Meinung entsprach, kann wohl nur jemand sagen der damals Lehrer war.

Viele Grüße vom Oderstrand
Uwe

08.01.2012 18:21 (zuletzt bearbeitet: 08.01.2012 18:22)
avatar  Mike59
#13
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Zitat von Gert

Zitat von GilbertWolzow
@uwe, ich habe deine kurzzusammenfassung gelesen. du hattest mal geschrieben, bei anmerkungen bitte gleich reagieren:

seite 2 oben - "31. oktober" ? - sicherlich meinst du den 31. januar 1945

seite 3 unten - "kalaschnikow" ? - gemeint ist bestimmt die ppsh 41


p.s. so ein brisantes thema kann man nur anreißen oder du müsstest noch ausführlicher werden. was ist dein eigentliches ziel dabei ?
p.p.s. falls ihr mal irgendwann den t 34 nicht mehr wollt. ick würde ihn nehmen der knackpunkt sind jedoch die versandkosten...




Das ist wohl wahr, Gilbert. Sie würden den Verschrottungserlös wahrscheinlich übersteigen





Ist zwar auch OT aber die rund 30 000 Euro die so ein Ding kosten kann wird der Versand nicht bringen, der ist da eher günstiger.
Wer verschrottet denn heute so was, da kann man auch Geld verbrennen.
Mike59


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08.01.2012 18:24
avatar  PF75
#14
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sucht sich nicht jede Gesellschaft vorwiegend nur das aus der geschichte raus ,das sie selbst in einem guten licht stehen läßt ?
So kann man doch immer sagen wie schlecht war dieser oder jener und unsere "Beschützer (Besatzer)" waren /sind die guten oder umgekehrt.Wahrscheinlich muß man dieses Thema auch unter dem Aspekt der jeweiligen politischen Lage betrachten.


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08.01.2012 18:41
#15
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Dieses Thema ist meines Erachtens ein äußerst heikles Thema. Die offizielle Sprachregelung in der DDR von der Befreiung, wenn ich jetzt nur die NS-Ideologie sehe, mag aus Sicht der Spitzen dieses Landes eventuell richtig sein, ich denke da auch an Befreiung aus Zuchthäusern und KZs in denen ein großer Teil derer saß die später in der DDR das sagen hatten. Für sie mag der Terminus "Befreiung" durchaus zutreffen aber nicht für den großen der Bevölkerung.
Soweit ich mich in dieser Problematik auskenne fühlten sich auch die Einwohner in den westlichen Regionen Deutschlands nicht "befreit".

Die ganze Thematik war in der DDR nicht "verboten" aber es lag ein unausgesprochenes Tabu über dem Thema "Befreiung".

In einer Diskussion Anfang der Achtziger Jahre, zum Glück war keiner dabei der es weiter gemeldet hatte, ließ ich mich zu sinngemäßer Äußerung hinreißen: Wenn die Deutschen wie es heißt von der Roten Armee befreit wurden wieso lese, höre und sehe ich nie etwas davon wie das deutsche Volk jubelnd am Strassenrand stand um ihre Befreier zu begrüßen?
Schon solche Gedanken zu denken war Frevel genug, sie dann auch am falschen Ort auszusprechen.......

An vorsichtiges Herangehen an dieses Thema kann ich mich daran erinnern das Werner Heiduczek in seinem Roman "Tod am Meer" von 1977 zumindest die Thematik 'Vergewaltigungen durch Sowjetsoldaten und verübte Kriegsgräuel" anschnitt, was ihm prompt den Vorwurf negativer Kritik einbrachte und der Roman verschwand aus den Regalen......

Erst 1985 erzählten mir Kolleginnen ihre damaligen Erlebnisse die sie auf der Flucht aus dem Warthegau hatten......
Auch dies stimmte mit dem vermittelten, offiziellen Geschichtsbild der "gütigen Befreier" nur sehr bedingt überein.

Offiziell war der Begriff Zusammenbruch ziemlich verpönt, Kapitulation wurde, wenn auch zähneknirschend, toleriert.
Es ist auch noch ein anderer Aspekt dabei zu beachten denke ich, wer befreit wurde konnte kein Volk von Tätern sein und eine Auseinandersetzung mit dem NS-Regime fand meist unter dem Blickwinkel des Widerstandes statt und da auch vorzugsweise den der Kommunisten. Wobei ich nicht ihren Einsatz damit schmälern möchte.

In meiner Familie wurde ebenfalls ziemlich offen über diese Zeit gesprochen, wobei wir in einem Gebiet wohnten welches zuerst von den Amerikanern besetzt wurde.
Nachdem die einzelnen Zonen endgültig aufgeteilt waren , besetzten die Russische Armee das Gebiet.
Zu solch Übergriffen wie unmittelbar während und nach den letzten Kriegstage kam es nicht mehr.

Diese Lehrerin, nun ja, da kennt bestimmt jeder solch eine Geschichte wo in guter Absicht unter höchster Verklärung mit völligem Realitätsverlust solche Sachen geäußert wurden.

Gruß
Nostalgiker

PS.: der 8. Mai als arbeitsfreier Feiertag wurde übrigens mit der Einführung der 5 Tage Arbeitswoche in der DDR im Mai Ersatzlos gestrichen. Ich mein natürlich das da frei war, als Tag der Befreiung existierte er weiter....

Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


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