Unteroffiziersschule "Egon Schultz" Perleberg

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30.04.2011 04:17 (zuletzt bearbeitet: 30.04.2011 04:20)
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#316
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Zitat von utkieker
An der ersten Schießübung konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen


Du hast da nicht so sehr viel verpasst.

Die Schießbahn auf dem StÜP war hier:
http://www.wikimapia.org/#lat=53.0494658...58&z=18&l=5&m=b

Das war im Grunde ein verbesserter KK-Schießstand mit großem Erdwall drum. Vier (oder sechs?) Schützen parallel, liegend, Einzelfeuer. Aus naheliegendem Grund wurde da nur mit Plastkern geschossen.

Das Ganze war für genau das gedacht - was Du schon sagtest: Bedingung, um Wache stehen zu "dürfen". Ansonsten war das Kinderkacke: Die richtigen Schießübungen waren auf dem TÜP Lübtheen, da wurde mit den Mannschaften mit W50 gefahren; das Wecken war so gegen 0330.

An die Plastkern-Schießerei auf StÜP Perleberg habe ich übrigens eine deutliche Erinnerung: Ich war für die liegenden Schützen verantwortlich; ich weiß nicht mehr, wie meine Funktion an der Linie hieß. Befehlslage war folgende: Jeder u/i-Funktion (also ich) kann das Schießen sofort unterbrechen. So eine Art Totmann-Schalter.

Wir hatten in der Fachrichtung Na nun einen neu zukommandierten Major, der Nordpol wird sich sicher an Mjr. Reixxxxx erinnern: Der gab schon an der Vorbereitungslinie den Affen: Ohne, dass er da was zu befehlen gehabt hätte, befahl er ein "Stahlhelm auf" für das Schießen. Das war nun nicht konzeptgemäß. Das gab dann schon den ersten Streß.
Deutlich schwerer wog. dass er beim Schießen zwischen den liegenden Schützen rumturnte und denen direkt beim Schießen an der Waffe rumfummelte. Ich habe dann das Schießen unterbrochen.

Das klingt heutzutage dramatischer als es damals war:
Jeder Aufsichtsführende an der Linie konnte das Schießen sofort unterbrechen - das war ihm in allen Zweifelssituationen strikt befohlen. Das war da mal - ich.
Der Genosse Mjr Reixxxxx wurde nicht so direkt mein Freund: Auf meinen Hinweis hin - wurde er vom Leiter des Schießens aus der Zone verbannt.
Später gab es auch keine Nachfragen. Sondern nur vom Leiter Häxxxxx ein "alles ok".

Tja. Opa erzählt vom Kriech.


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30.04.2011 15:16
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#317
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hallo @ mart,

ein echt nettes thx für deine mühe.
es macht freude, auch mal die erklärende sicht eines ehemaligen ausbilders lesen zu können.
für mich, der selber dort oben leiden durfte, war perleberg, damals und heute noch, eine zeit mit vielen erfahrungen.
sowohl positive, als auch negative.

gruß vs ... und weiter so!


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30.04.2011 17:02
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#318
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Hallo Mart,
wenn ich mich recht entsinne, 84 ist ja schon eine Weile her, war ich auch mal Melder. Mir war so als wäre das kein fester Posten gewesen, der wurde immer wieder neu eingeteilt . Einmal hat es mich mit Alarm erwischt. Musste die Alarmmeldung an Hpt. Häxxxx überbringen glaube der war damals noch Oltn. und wurde während meiner Zeit befördert. So weit ich mich erinnere ging es in FDU aber ohne Waffe im Sprint durch den KDP die Straße raus. Häxxxxx wohnte glaube ich in einem Neubaublock auf der Liebknecht Str. ein ganzes Stück nach der Hindernisbahn. Alarmmeldung machen und im Sprint wieder zurück. Mit dem Scheiß R-109 (hoffe Bezeichnung stimmt) durfte ich mich auch mal sinnlos abschleppen.

Gruß
EK87II


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30.04.2011 21:42 (zuletzt bearbeitet: 30.04.2011 21:45)
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#319
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Ich kann mich Erinnern das ich mit einem Trabant Kübel Rausgefahren wurde!
Ob mit oder ohne Waffe kann ich nicht genau Sagen.
In meiner Stasi Akte die über mich geführt wurde und die einen Personalfragebogen Enthält mit Angabe 6.Kompanie 2 ter Zug Zugführer Ulltn. Hxxxig

@Stabsfähnrich: Bitte keine Klarnamen verwenden.


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30.04.2011 21:53
#320
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[quote="Alien1964"]Ich kann mich Erinnern das ich mit einem Trabant Kübel Rausgefahren wurde!
Ob mit oder ohne Waffe kann ich nicht genau Sagen.
In meiner Stasi Akte die über mich geführt wurde und die einen Personalfragebogen Enthält mit Angabe 6.Kompanie 2 ter Zug Zugführer Ulltn. Hxxxig

.............bitte erkläre doch mal bitte den Zusammenhang, zwischen US VI (Thema), dass du "Melder" gewesen bist, Deiner "Stasi" Akte und der 6. Kompanie. Meinen Dank für die Erklärung, schon mal im voraus.

Mit freundlichen Grüßen - Chris
www.polizeilada.de


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30.04.2011 21:59
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#321
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Hatte gerade meine Akte in der Hand


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30.04.2011 22:27
avatar  Mart
#322
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Zitat von EK87II
... Melder. Mir war so als wäre das kein fester Posten gewesen, der wurde immer wieder neu eingeteilt .


Das glaube ich fast nicht.
Vorab: Über die Zeiten hat sich viel geändert; ich bin hier nicht der, der sagt "so war das!". Unser beider Zeit hat sich offenbar fast überschnitten: Du bist doch Einstellung 84/II, wenn ich recht rechne. (Wenn ich von 7. und 8. rede, müsstest Du Dir 6. und 7, wegen der Um-Nummerierung denken.)

Nach meiner Erinnerung war es so (7./8.): Die sportlichsten US wurden ausgeguckt. Dann gab es eine praktische Einweisung: Ein Uffz, der auch mal Melder war, zog mit den Leuten los - mal zeigen wo was ist im Städtchen. Wo man so überall hin muss. - Also aus meiner Sicht funktioniert das nur, wenn man einen Pool von Leuten hat(te), die Melder sein konnten.

Relativ sicher weiß ich lediglich, dass ich als US mitkriegte, was da so geplant war - und sofort in Deckung ging: Ich dachte so bei mir, dass ich das nicht so unbedingt brauche. Insoweit sind meine Kenntnisse bzgl. Melder auch nicht so doll.

Zitat von EK87II
Einmal hat es mich mit Alarm erwischt. Musste die Alarmmeldung an Hpt. Häxxxx überbringen glaube der war damals noch Oltn. und wurde während meiner Zeit befördert.


Hmmm, kann das sein? Ok, mal die Führung aus meiner Erinnerung:
Bis 82 war Hptm. Ruxxxx der KC der 7. Ganz feiner Mann übrigens. Der wurde dann Fachlehrer Funk/Fernschreib. Als KC rückte der ZF Häxxxx nach, der war frisch gebackener Oltn. und mit 23 Jahren wohl der jüngste KC. Bei dem ging das Gerücht, dass sein Vater Oberst im Ministerium sei - und Sohnemann den Marschallstab im Tornister habe. Ich meine, dass er bereits 84 Hptm. wurde.

Der Ruxxxx hatte dann folgenden Weg: Als Fachlehrer sollte/mußte er zu einem Akademiestudium nach Dresden. Mir hat er mal erzählt, dass er das wegen seiner Frau/Familie ablehnte. Und schon schlug die DDR zu: 84 wurde er nun der KC der 8., da wurde er auch Major.

Zitat von EK87II
So weit ich mich erinnere ging es in FDU aber ohne Waffe im Sprint durch den KDP die Straße raus. Häxxxxx wohnte glaube ich in einem Neubaublock auf der Liebknecht Str. ein ganzes Stück nach der Hindernisbahn.


Ja, ist korrekt.


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01.05.2011 01:09
avatar  Mart
#323
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Zitat von vs1
hallo @ mart,
ein echt nettes thx für deine mühe.
es macht freude, auch mal die erklärende sicht eines ehemaligen ausbilders lesen zu können.
für mich, der selber dort oben leiden durfte, war perleberg, damals und heute noch, eine zeit mit vielen erfahrungen.
sowohl positive, als auch negative.


Danke-schön!

Du hättest übrigens gut an meiner Stelle sein können: Ich habe mir das damals nicht so direkt ausgesucht. Ich weiß bis heute nicht, wie es dazu kam, dass ich in Perleberg blieb: Meine Akte bei BStU ist ausnehmend geplündert. (Zur Musterung sagte ich, dass ich nicht zu den GT möchte, da ich im Frieden nicht schießen werde - ggf. wäre hier der Grund zu suchen.)

Perleberg war für mich eine Haßliebe: Die haben mir drei Jahre gestohlen; korrekter: Ich hab sie mir stehlen lassen. Denn irgendwer hat ja mal "ja" zu den drei Jahren gesagt. Klar.
Das Städtchen wurde sogar einigermaßen liebenswert, wenn man längere Zeit dort war, dann auch die Tricks kannte. Und ab Konter war man eh ausgebufft, auch im Dienst.

Ich habe versucht, mich an den Kantschen Kategorischen Imperativ zu halten; ich rede mir auch ein, dass mir das gelungen ist. Dabei ist mir durchaus klar, dass da Verdrängung im Spiel sein könnte: Das Problem war, dass der GF/Ausbilder keinen Streß hatte, wenn seine Gruppe "lief" - und das bedeutete schon auch Zwang. Und damit war ich ein Rädchen in einem ziemlich großen Getriebe, das war mir auch damals völlig klar.

Tatsächlich ist die Wahrnehmung der "anderen Seite" völlig anders: Wie schon berichtet, rief ich vor Jahren einen "meiner US" an, um über eine sehr unschöne Sache mehr zu erfahren. Nebenbei war der Mann nun nicht so wirklich günstig auf mich zu sprechen.

Ich würde vermuten, dass da die Umstellungsproblematik (zivil -> militär) eine ganz deutliche Rolle spielt: In der heutigen Erinnerung dürfte für die meisten Uffz ein "Perleberg war Sonderscheiße, da haben sie mich geschliffen" eine deutliche Rolle spielen.


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01.05.2011 09:54
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#324
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Zitat von Mart
[quote="EK87II"]...
Hmmm, kann das sein? Ok, mal die Führung aus meiner Erinnerung:
Bis 82 war Hptm. Ruxxxx der KC der 7. Ganz feiner Mann übrigens. Der wurde dann Fachlehrer Funk/Fernschreib. Als KC rückte der ZF Häxxxx nach, der war frisch gebackener Oltn. und mit 23 Jahren wohl der jüngste KC. Bei dem ging das Gerücht, dass sein Vater Oberst im Ministerium sei - und Sohnemann den Marschallstab im Tornister habe. Ich meine, dass er bereits 84 Hptm. wurde.

Der Ruxxxx hatte dann folgenden Weg: Als Fachlehrer sollte/mußte er zu einem Akademiestudium nach Dresden. Mir hat er mal erzählt, dass er das wegen seiner Frau/Familie ablehnte. Und schon schlug die DDR zu: 84 wurde er nun der KC der 8., da wurde er auch Major.

...



@Mart

Hpt. Ruxxx sagt mir noch was als ZF. Da ich von 77 bis 79 in der 7. war, hatte ich zeitweise direkt mit ihm zu tun. Da war er aber noch Oltn (Glaub ich zumindest). Mein ZF war Hptm Rexxx, GF OFW Päxxx und FW Wexxx. Sagt das noch jemandem etwas? Im Herbst 1979 habe ich dann Perleberg Richtung GAR-7 verlassen, um im Frühjahr 1980 zum Meisterlehrgang wieder anzurücken.

Ich habe mich Jahrelang nicht mit dieser Problematik beschäftig. Aber seit dem ich Eure Einträge auf dieser Seite versuche nachzuvollziehen, kommt stückchenweise alles wieder hoch.


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01.05.2011 21:28
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#325
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Hallo Mart,
ich verlasse mich da eher auf deine Aussagen, ist ja schon verdammt lange her und die Erinnerungslücken werden immer größer. Wenn ich deine Berichte lese kommt man sich immer mitten drin vor, als wäre es eben passiert. Also ganz großes Lob noch einmal und ja ich bin 84II eingerückt und durfte mich mit der R-142 herumschlagen.

Gruß
EK87II


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01.05.2011 23:40
avatar  Mart
#326
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Zitat von Freddy
Hpt. Ruxxx sagt mir noch was als ZF. Da ich von 77 bis 79 in der 7. war, hatte ich zeitweise direkt mit ihm zu tun. Da war er aber noch Oltn (Glaub ich zumindest). Mein ZF war Hptm Rexxx, GF OFW Päxxx und FW Wexxx. Sagt das noch jemandem etwas?


Schick, Du warst Ausbilder in der 7. UAK? Das nimmt doch langsam Gestalt an: Jetzt haben wir hier schon drei Ausbilder.
Der Ruxxxx hatte den Spitznamen Rummel. So ein etwas knorriger, präziser, gelassener Offizier. Und fachlich unschlagbar - also zu meiner Zeit. Also der passte in die Welt.

Vermutlich haben wir nicht allzuviele gemeinsame Bekannte: Also ich da 81/II eintrat, sprang da sowohl bei den Offizieren als auch bei den Uffz. im Grunde nur junges Gemüse rum. Als ich US war, war da exakt ein EK, dritter Zug R-125 wohl: Ufw. Maxx. Ganz gelassener Mann, EK halt. Wenn mir recht ist, war der Maler. Und - der ist aber wohl 8. UAK gewesen oder der Nachrichtensicherstellungszug: Ofw. Haxxx. Der wohnte in der obersten Etage als Innenschläfer. Und war wohl Weltmeister im Schmuggeln von Glasmantelgeschossen.

Schicke mir mal bitte die uneingekürzten Namen als PN.

Ja, der Thread ist recht unübersichtlich. Ich habe die Administration gebeten, uns ein Unterforum US VI einzuräumen. Und den bisherigen Thread gleich mal in Themen aufzuspalten. Ich hoffe mal, dass das in den nächsten Tagen wird.


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02.05.2011 00:27 (zuletzt bearbeitet: 02.05.2011 00:28)
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#327
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Zitat von Mart
[quote="vs1"]hallo @ mart,

Du hättest übrigens gut an meiner Stelle sein können: Ich habe mir das damals nicht so direkt ausgesucht. Ich weiß bis heute nicht, wie es dazu kam, dass ich in Perleberg blieb: Meine Akte bei BStU ist ausnehmend geplündert. (Zur Musterung sagte ich, dass ich nicht zu den GT möchte, da ich im Frieden nicht schießen werde - ggf. wäre hier der Grund zu suchen.)

Perleberg war für mich eine Haßliebe: Die haben mir drei Jahre gestohlen; korrekter: Ich hab sie mir stehlen lassen. Denn irgendwer hat ja mal "ja" zu den drei Jahren gesagt. Klar.
Das Städtchen wurde sogar einigermaßen liebenswert, wenn man längere Zeit dort war, dann auch die Tricks kannte. Und ab Konter war man eh ausgebufft, auch im Dienst.

Ich habe versucht, mich an den Kantschen Kategorischen Imperativ zu halten; ich rede mir auch ein, dass mir das gelungen ist. Dabei ist mir durchaus klar, dass da Verdrängung im Spiel sein könnte: Das Problem war, dass der GF/Ausbilder keinen Streß hatte, wenn seine Gruppe "lief" - und das bedeutete schon auch Zwang. Und damit war ich ein Rädchen in einem ziemlich großen Getriebe, das war mir auch damals völlig klar.

Tatsächlich ist die Wahrnehmung der "anderen Seite" völlig anders: Wie schon berichtet, rief ich vor Jahren einen "meiner US" an, um über eine sehr unschöne Sache mehr zu erfahren. Nebenbei war der Mann nun nicht so wirklich günstig auf mich zu sprechen.

Ich würde vermuten, dass da die Umstellungsproblematik (zivil -> militär) eine ganz deutliche Rolle spielt: In der heutigen Erinnerung dürfte für die meisten Uffz ein "Perleberg war Sonderscheiße, da haben sie mich geschliffen" eine deutliche Rolle spielen.



meine musterung lief daher auch voll daneben. ich wollte eigentlich als bu zur marine, bereich maschine.
kurz vor der einberufung bekam ich die info vom wkk, alle stellen seien besetzt.

klar, auch die hatten ihren plan zu erfüllen.

nach einem gespräch mit diesen leuten, vom wkk, einigten "wir" uns auf 10 jahre grenzbrigade küste, bereich maschine.
in perleberg sah alles anders aus, kennst es ja noch und bestimmt auch derartige situationen.
ich landete in einer ausbildungskompanie für gruppenführer und irgendwann, nach der einkleidung, wurde man befragt, ob man richtig gelandet ist.
ich verneinte und das "spiel" begann.

erst wurde nach freien plätzen für den eigentlichen wunsch gesucht und dann nach ausweichmöglichkeiten gefragt.
ich hatte immer den gedanken, was ist danach und was bist du dann. schießen und übermäßig politisch wollte ich nie werden, doch hätte ich es als bu/ gf werden müssen.
daher hab ich mich damals entschlossen abzukohlen, auf 3 jahre.

die grundausbildung war abgeschlossen, wir wurden vereidigt und "gäste" durften teilnehmen.
ich hab nur meine mutter eingeladen, obwohl gehbehindert ist sie gekommen und wurde sofort separiert.
was ich von ihr erst nach meiner entlassung erfuhr.
man versuchte sie zu beeinflussen, mich zu überreden, um mein gesuch zurück zu nehmen.
sie hat sich damals nichts anmerken lassen und nur gesagt, ich sollte meinen weg gehen und selber entscheiden.



nun wurde es richtig heftig.
ich wurde aus der gruppe entfernt und bekam ein bett im kompaniebereich, ein zimmer ohne fenster in dem wohl noch der schreiber lebte.
nun, da feststand das ich abkohle, wurde es richtig heftig.

dieses gesuch musste man beim zuständigen kc abgeben und er ließ mich 4-5 mal abtreten, wegen formfehler im gesuch.
vor seinem zimmer stand ich stundenlang in grundstellung, auf einer fliese und dachte mir, was ist jetzt noch alles falsch im gesuch.
am spätem nachmittag kam mein gruppenführer vorbei, ich machte männchen, wie gelernt und er fragte mich "warum stehen sie denn noch immer hier."
ich erklärte ihm die situation, abgewiesen wegen formfehler und er entfernte mich von dieser fliese.
nahm mich mit, auf sein dienstzimmer und erklärte mir die dv und den wortlaut des gesuchs.

danach ging alles recht schnell. bu klamotten tauschen gegen die pferdedecken.

doch auch das war nur ein ungewollter kompromiss.

gruß vs


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02.05.2011 00:34
avatar  Mart
#328
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Zitat von EK87II
ich verlasse mich da eher auf deine Aussagen


Ich mühe mich. Einige Geschichten über die ersten Tage (Maßnahmen) und über die Ausbildung habe ich noch. Als ich nach der Wende merkte, dass die Erinnerung kleiner wird, habe ich mir das eine oder andere aufgeschrieben. Vor allem aber: Hier sind ja mehrere Leute, die länger als 6 Monate in Perleberg waren. Da geht was.

Zitat von EK87II
und ja ich bin 84II eingerückt


Knapp verfehlt. - Beste Gelegenheit, über meine EK-Zeit und Entlassung zu berichten: So sehr viele waren es ja nicht, die von Perleberg entlassen wurden.

Nun wurde ich also EK. Das hieß zunächst einmal, dass die K1 funkelniegelnagelneue Schulterstücke bekam. Kein Knick, nichts. Für das Bandmaß hatte ich einen geerbte Messingzylinder. Bandmaß war schwierig: Die DDR hatte grad mal keine. Nichtmal die mit diesem Alu-Abschluss, das kam damals auf. Also mußte Muttis Bandmaß dran glauben, das hatte zudem den Vorteil, dass der Abschluss noch Messing war. Der kam an die Uhr. Dazu später.

EK-Bewegung gab's im Grunde in Perleberg nicht: Wer hätte denn EK sein können? Wir hatten die Sicherstellungskompanie (unten, in den Holzbaracken) und den Nachrichtensicherstellungszug. Und vereinzelt UaZ/Ausbilder. Also ich war da weit und breit der einzige EK; die Nasen von der Sicherstellung hätten es nicht gewagt, mich auf "Kontrolle" anzusprechen. Auch in der Kompanie war es ganz entspannt: Die Offiziere wussten schon, wer EK war. Also ich habe da nicht mehr jeden Geikel mitmachen müssen - andererseits wurde natürlich erwartet, dass man in kritischen Situationen mit seiner Erfahrung da tatsächlich auf der Brücke ist.

Also ich habe da alle paar Tage mal Bandmaß geschnitten. Und den Anschnitt an der Uhr - den hatte ich fast vergessen. Die Uhr trage ich rechts. Einen Monat vor meinem Abgang war nochmal ein heißer Alarm. ich war ja Truppführer der Funkstelle des Stabschef - dann mal los: Etwas abgehetzt reihe ich mich in die Schlange beim OvD ein, da mal den ganzen Umschlagschnodder abholen: Ehrenbezeigung und Meldung. Häh, was hat der nur, schielt der OSL? Was stiert der so an mir vorbei?
Als dann die R-118 im Marschband zum StÜP ruckelte, wurde es mir klar: Bei der Ehrenbezeigung war meine Uhr zu sehen - und da bammelte der Anschnitt fröhlich vor sich hin. Der hat mir dann ... dazu später.

Die letzten Tage sind irgendwie aus meiner Erinnerung verschwunden. Wie ich den Gefechtskrempel abgab, wie ich meine Zivilkleidung bekam - alles weg. Nur sehr fragmentarische Erinnerungen habe ich: Die EKs mussten zum Stab. Da saßen in verschiedenen Zimmern alles, was der Staat so an "Organen" hatte: Polizei, Zoll, MfS, weiß der Geier wer noch alles. Und jeder erzählte, wie schön es bei ihm sei. Aber da wurde nicht pressiert: Der Satz "ich hab Studienplatz" reichte - und man war wieder draußen. Lediglich das eine Zimmer: Wollen Sie Reserveoffiziersanwärter werden? Ja, klar will ich das. Glaubst Du Nase, dass ich bei jeder Reserveübung als Feldwebel durch den Matsch laufen will?
Und eine ausnehmend abstruse Veranstaltung: Die Herren der Fachrichtung Gesellschaftswissenschaften machten eine Reservistenbelehrung. Das war offenbar auch bei denen hinreichend unbeliebt, sie ordneten da einen jungen Oltn ab. Der erzählte nochmal den ganzen kommunistischen Sermon. Aber er machte sich auch Sorgen um das Außenbild der Armee: Also alles ist geheim, das mal nicht vergessen. Und nur die guten Dinge berichten - da, da draußen. Die Gefreiten-EKs hatten aber beschlossen, weder dem Oltn noch sich selbst Stress zu machen: Sie schlummerten friedlich vor sich hin. Und der junge Genosse Oltn. wagte es nicht, sie zu wecken.

Wenige Tage vor Schluss kommt die Uhr mit dem Anschnitt nochmal ins Rennen. Ich muss die Sicherheit des Lehrgebäudes kontrollieren. Also insbesondere die Spezialklassen: Unten rechts SAS/SND, mitte rechts Lehrklasse R-118, oben rechts/hinten die Funkaufklärer. Ich bin etwas unrasiert und zugegeben auch lustlos. Ok, erledigt. Dann mal wieder zurück. Und direkt vor der SAS/SND-Lehrklasse läuft mir so ein frisch beförderter junger OSL über den Weg, der muss in der Fachrichtung Na auch in der Ecke SAS gewesen sein. Na gut, dann mal Meldung machen. Und fröhlich baumelt der Anschnitt an der Uhr an der rechten Hand an der rechten Mützenseite. Ja, Jottchen, ich bin E. Da musste jetzt durch, OSL. Rumms. Schwerer Anschiss. Warum sind Sie nicht rasiert, Genosse Ufw? Ich denke so für mich: Du Knalltüte, warum wohl nicht? Vielleicht, weil ich mich nicht rasiert habe? Und weil Du in vier Tagen jemand anderen schikanieren kannst? Gesagt habe ich das natürlich nicht - ich war ja lieb. Und der OSL sprach weiter: Morgen haben Sie ein Gespräch mit ihrem KC.

Hptm Häxxxx war höchst unglücklich: Warum haben Sie sich denn ausgerechnet diesen OSL ausgesucht? Tja, Cheffe. Ich hab mir den nicht ausgesucht, der hat mich ausgesucht. Häxxxx zu mir: Tja Mart. Der hat Dir grad Deine Abschlußbeförderung zum Fw. vermasselt. Behalte den in Erinnerung. Joh, Cheffe, zu Fehl. Bis heute.

Am Abgangstag gab es irgendwie Frühstück mit allen EK. Ich bin dann raus, habe das E-Tuch vor dem KdL-1 abgemacht und in der schwarzen Reisetasche (sig!) verstaut. Ich war wieder im Leben. Es gab keinerlei Grund, mich völlig freiwillig noch als Angehöriger der "bewaffneten Organe" zu erkennen zu geben. Ich habe mich auf dem Weg zum Bahnhof auch nicht umgedreht. Hinter mir lagen drei Jahre meiner Jugend.
Die Stadt der drei Lügen soll mich nie wieder ... dieses Versprechen habe ich dann allerdings gebrochen. Immer wenn es sich ergibt, ändere ich die Route so, dass ich in Perleberg vorbeischaue. Ein nettes mittelalterliches Städtchen. Was ganz schwer mit den Nachwendeproblemen kämpft.


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02.05.2011 00:53
avatar  Mart
#329
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Zitat von vs1
daher hab ich mich damals entschlossen abzukohlen, auf 3 jahre.


Ich hoffe mal, dass die Administration uns bald einen eigenen Unterbereich baut: Aufkohlen und Abkohlen müßte im Grunde ein eigener Thread werden. Daher im Moment nur kurz.

Es gab beides. Die Aufkohler waren im Wesentlichen in den Spezialfachrichtungen, die ihren Traum-Beruf gefunden hatten: UaZ kohlten auf BU auf (Freddy hier im Thread), BU kohlten auf Fä. auf (Blacky Schwxxx als Hfw.)

Abkohler müßte man trennen.
Also Olaf Anxxx (ich erzählte in diesem Thread schon) war BU und GF/Ausbilder. Seine Mutter wollte einen Westdeutschen heiraten. Das fand "der Staat" nicht so prima. Und Olaf fand nicht so prima, dass er in Sippenhaftung genommen wurde. Olaf hat abgekohlt. Er hat das ganz konsequent und politisch neutral durchgezogen. Nach 2,5 Jahren war er wieder zu Hause.

Es hat einige US/UaZ gegeben, die abkohlten. Die sind nicht vereidigt worden. Nach meiner Erinnerung wurden die etwa zur Vereidigung wieder nach Hause geschickt. Da das zu meiner Zeit in der 7. nie vorkam, kann ich nicht sagen, welcher Druck und durch wen da ausgeübt wurde.

Dein Fall erscheint mir als Sonderfall - weil Du ja nicht auf Soldat abgekohlt hast. Ich kann mir vorstellen, dass die V2000 genau damit ein Problem hatte: Also Dich als Feind darzustellen - ging nicht. Du wolltest ja immerhin noch drei Jahre.

Soweit ich das recht beobachtet habe, war das eine Spielwiese der V2000. Und offenbar hat es da (wir GT, diese Stasis da) durchaus vorsichtige Solidarisierung mit Abkohlern gegeben - Du beschreibst das ja auch. Der Genosse von V2000 hatte nun nicht so den kompletten Durchgriff auf die Kompanie. Also er hatte seine IM, da würde ich mal schätzen: Einen pro Zimmer im Durchschnitt. Dann hatte er sicher den einen oder anderen GF/Ausbilder. (Ich würde fast denken wollen, dass die absolute Minderheit der GF gleichzeitig IM waren: Die GF hatten die Tricks durchschaut, wie der Genosse V2000 an seine IM zum Gespräche kam; das war ja wegen des strengen Dienstregimes nicht so ganz einfach. Also ein GF als IM wäre den anderen GF sofort aufgefallen. Zweie - kenne ich.) Durchgriff hatte er auch auf KC und Hfw - aber das war es dann auch.


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02.05.2011 01:13
avatar  Mart
#330
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Zitat von vs1
nun wurde es richtig heftig.
ich wurde aus der gruppe entfernt und bekam ein bett im kompaniebereich, ein zimmer ohne fenster in dem wohl noch der schreiber lebte.


Überlesen. (Sage mal bitte das Einberufungsjahr.)

Ich will Dir nun nicht Deine (sicher sehr unschöne) Erinnerung nehmen. Aber das kann nicht stimmen. Bei dem Bautyp U-500 gibt es keine Zimmer ohne Fenster. Definitiv nicht. Ich ahne da aber was - da Du Schreiber erwähntest.
Links neben der Waffenkammer war ein kleiner Raum. Der diente als Kleinteilelager für den Hauptfeld und seinen Schreiber. Also aller möglicher Firlefanz: Knöpfe, Bügeleisen (Bügelstube!) und all das. Die Fenster dieses Raumes waren (bei der 7. Kp) ständig verdunkelt. Das könnte hinkommen.

Schreiber schliefen mit im Bereich der Sicherstellungskompanie - in meiner Erinnerung.


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