Warum war bei der NVA jeder Genosse?

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01.10.2011 18:19
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#1
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Hab´mal ´ne Frage: Wieso wurde bei der NVA (und auch bei den GT) jeder als Genosse angesprochen, egal ob Parteimitglied oder nicht? War das so nach dem Motto "bei uns sind eigentlich alle gleich, egal ob Soldat oder General...?

Wie war das bei der VP? Insbesondere bei den Bereitschaften, wo es auch Grundwehrdienstleistende gab?


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01.10.2011 19:01
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#2
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Nabend @MK, Genosse Dienstgrad war die übliche Anrede in allen bewaffneten Organen der DDR.

Mann wollte sich so vom Herr Dienstgrad des Westens absetzen, denn einen Herren hatten unsere Soldaten und Soldatinnen nicht. Der Genosse sollte die Verbundenheit der Unterstellten und Vorgesetzen innerhalb unserer sozialistischen Menschengemeinschaft betonen und war deshalb nicht auf den Parteigenossen bezogen.

So habe ich es zumindest einmal gelehrt bekommen, aber ich denke einer unserer ehem. Polits hier im Forum, wie Pitti, Rainman etc., haben da sicher auch eine Lehrbuchantwirt auf deine Frage.


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01.10.2011 19:15
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#3
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Das war grundsätzlich in der DV 010/0/003 Innendienstvorschrift geregelt und fand Anwendung in allen bewaffneten Organen der DDR.

Hier ein Auszug:

43. (1) Die Armeeangehörigen haben im gegenseitigen Umgang
immer höflich und korrekt aufzutreten. Im Dienst haben sie
sich untereinander mit ,,Sie" anzusprechen.
(2) Es sind anzusprechen:
a) Vorgesetzte und Dienstgradhöhere mit ,,Genosse" und dem
Dienstgrad,
b) Unterstellte und Dienstgradniedere mit dem Dienstgrad
und dem Namen oder mit ,,Genosse" und dem Dienstgrad.
c) Stabsoffiziere der Volksmarine mit ,,Genosse" und voller Dienstgradbezeichnung, zum
Beispiel: ,,Genosse Fregattenkapitän!",
d) Generale und Admirale mit ,,Genosse" und voller Dienstgradbezeichnung, zum Beispiel:
,,Genosse Generalleutnant oder ,,Genosse Konteradmiral!".
(3) Der Minister für Nationale Verteidigung ist mit ,,Genosse Minister!" anzusprechen.
(4) Bei der persönlichen Anrede sind die Dienststellung sowie
akademische Grade bzw. andere Qualifikationsgrade oder Titel
nicht hinzuzufügen.
(5) Werden Vorgesetzte oder Dienstgradhöhere angesprochen,
sind vom Unterstellten oder Dienstgradniederen der Dienstgrad
und Name zu nennen, falls diese dem Anzusprechenden nicht bekannt sind.
44. Der Vorgesetzte oder Dienstgradhöhere ist links zu begleiten.
Mehrere Begleiter gehen links und rechts neben dem
zu Begleitenden.
45. Beim Herantraten an einen Vorgesetzten oder Dienstgradhöheren
ist die Ehrenbezeigung zu erweisen und danach das
Anliegen vorzutragen, Beispiel: ,,Genosse Leutnant! Gestatten
Sie, daß ich Sie spreche?".
46. (1) Ein vom Vorgesetzten oder vom Dienstgradhöheren aufgerufener
oder gerufener Armeeangehöriger hat die Grundstellung einzunehmen und mit ,,Hier!
Genosse . .. (Dienstgrad)!" zu antworten.

Weitere Fragen?

Weichmolch


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01.10.2011 20:30
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#4
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Zitat von Feliks D.
Nabend @MK, Genosse Dienstgrad war die übliche Anrede in allen bewaffneten Organen der DDR.

Mann wollte sich so vom Herr Dienstgrad des Westens absetzen, denn einen Herren hatten unsere Soldaten und Soldatinnen nicht. Der Genosse sollte die Verbundenheit der Unterstellten und Vorgesetzen innerhalb unserer sozialistischen Menschengemeinschaft betonen und war deshalb nicht auf den Parteigenossen bezogen.

So habe ich es zumindest einmal gelehrt bekommen, aber ich denke einer unserer ehem. Polits hier im Forum, wie Pitti, Rainman etc., haben da sicher auch eine Lehrbuchantwirt auf deine Frage.


war das nicht alles nur theorie bei euch felix? ich bin der meinung bei uns ging es lockerer zu. auch ohne genosse. lg glasi


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01.10.2011 20:54 (zuletzt bearbeitet: 01.10.2011 20:56)
#5
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Hallo MK1987,

da hat ja Feliks eine schöne Vorlage gegeben. Aber eine wiklich Politgerechte Antwort der "alten Schule" habe ich nicht.

1. Fangen wir zunächst beim Ursprung des Wortes an.
Etymologisch kommt das Wort aus dem Althochdeutschen und ist neben anderen Formen auch in "genauta" überliefert (bereits vor dem 8. Jahrhundert n.Chr.). Darin wiederum steckt das Wort "nauta", dass sich in kleineren Abwandlungen bis in den afrikanische Sprachraum findet und "Vieh" oder auch "wertvoller Besitz" bedeutet. Damit hat das Wort Genosse seinen tatsächlichen Bedeutungsursprung in: "Der das gleiche Vieh besitzt". Insofern ist übrigens die Genossenschaft der Bauern tatsächlich und im Wortsinn darauf zurückzuführen. (Bei wikipedia findet sich die Erklärung "ginoz – jemand, der mit einem anderen etwas genießt, Nutznießung hat" - ja, das ist eine der möglichen Bedeutungen, aber nur eine! Merke: Auch wikipedia hat Grenzen.)

2. Die Abgrenzung zu Kamerad
Das Wort Kamerad oder Kameradschaft lässt sich auf die französische Bedeutung "Kammergemeinschaft" zurückführen. Das bedeutet allgemein, dass Leute, egal welcher Stellung in der Gesellschaft durch die Aufnahme in die Kameradschaft "gleich gemacht" werden. Besonders in den deutschen Armeen seit der Einführung der Wehrpflicht in den Befreiungskriegen bekam dieser Aspekt eine große Bedeutung, da plötzlich in den militärischen Einheiten Bürgersöhne beben Proletariern und Bauern standen. Die Bedeutung wird vielleicht so am besten wiedergegeben: "Wir mögen zwar nicht gleich sein, aber wir betrachten uns durch unseren Dienst als gleich."
Hier faucht der Wirbel der proletarischen Revolutionen hinein. Klassenunterschiede werden nivelliert. Wer das Gleiche tut, ist gleich! Diese Gleichschaltung fand ihren verbalen Ausdruck in dem Wort Genosse.

3. Abgrenzung zu Herr
Hier verweise ich nur kurz auf die Referenz zu "Herrschaft" oder "Herr und Diener". In einer Gesellschaft, die die Aufhebung der Klassenunterschiede zum Ziel hat, passt das nicht.

4. Das sowjetische Vorbild
Im Rahmen der russischen Revolution und der Entwicklung sowjetischer Streitkräfte setzte sich dort die Entsprechung des Wortes Genosse mit товарищ (towarischtsch) durch. Hier wird es aber schwer mit der einfachen Übersetzung, denn Towarischtsch kann auch mit Freund, Kamerad, Kumpel etc. übersetzt werden. Beim Aufbau der Streitkräfte der DDR verband man die Tradition der deutschen proletarischen Revolution in Form der Anrede "Genosse" mit der Übersetzung des Wortes aus dem sowjetische Sprachgebrauch. Somit ist die Anrede zwar die Übernahme einer Tradition der sowjetischen Streitkräfte, aber etymologisch lässt sich das Wort aus dem deuschen Gebrauch herleiten (siehe 1.).

Ja, soviel erstmal dazu ...
Ich hoffe, es war noch verständlich.
ciao Rainman2

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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01.10.2011 21:43
#6
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Man kann es auch ganz kurz fassen.Das Wort - Genosse-- als Anrede bei den bewaffnete Organen der DDR--kann man auch so sehen,es sollte ein Verbundenheitsgefühl gezeigt werden--womit man sagt --wir ziehen alle am gleichen Strang.So ist es aber auch heute mit der Anrede bei der Bundeswehr mit --Herr--.Im Prinzip sollte es und soll es nur der Diziplin dienen. Also mal so gesagt man sollte, das Wort Genosse nicht so ernst nehmen, selbst in der Demekratischen Partei die SPD --kommt das Wort Genosse vor. Und in Bundestag redet man sich mit Kollegen an,um zu bekunden--das man sich respektiert.


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01.10.2011 22:46
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#7
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ich habe viele anreden kennen gelernt. es kam sicher darauf an wie das verhältnis war. in der ausbildung war ich genosse-dienstgrad oder dienstgrad-name. an der grenze kam auch nur name oder spitzname vor. zu vorgesetzten meist immer genosse-dienstgrad oder genosse name.
ich fühlte mich anfangs komisch das alle genosse als anrede hatten. später gewöhnte ich mich daran und man sagte es ohne dem weiter beachtung zu schenken. heute kann ich mir nicht vorstellen wie es wäre mit herr gefreiter angeredet zu werden. klingt für mich irgendwie adlig was ich gar nicht mag.

gruß ek 82/2


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01.10.2011 23:40
#8
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Zitat von EK 82/2
ich habe viele anreden kennen gelernt. es kam sicher darauf an wie das verhältnis war. in der ausbildung war ich genosse-dienstgrad oder dienstgrad-name. an der grenze kam auch nur name oder spitzname vor. zu vorgesetzten meist immer genosse-dienstgrad oder genosse name.
ich fühlte mich anfangs komisch das alle genosse als anrede hatten. später gewöhnte ich mich daran und man sagte es ohne dem weiter beachtung zu schenken. heute kann ich mir nicht vorstellen wie es wäre mit herr gefreiter angeredet zu werden. klingt für mich irgendwie adlig was ich gar nicht mag.

gruß ek 82/2


Mal Echt gesagt--haben wir das Wort --Genosse-in unseren 18 monatige Dienstzeit--ernsthaft genommen. Ich glaube,die überwiegende Zahl-war es egal--wie man angesprochen wurde.Man sagte sich einfach-- die wenigen Monate bekomme ich rum


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02.10.2011 00:21
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Zitat von Rostocker

Zitat von EK 82/2
ich habe viele anreden kennen gelernt. es kam sicher darauf an wie das verhältnis war. in der ausbildung war ich genosse-dienstgrad oder dienstgrad-name. an der grenze kam auch nur name oder spitzname vor. zu vorgesetzten meist immer genosse-dienstgrad oder genosse name.
ich fühlte mich anfangs komisch das alle genosse als anrede hatten. später gewöhnte ich mich daran und man sagte es ohne dem weiter beachtung zu schenken. heute kann ich mir nicht vorstellen wie es wäre mit herr gefreiter angeredet zu werden. klingt für mich irgendwie adlig was ich gar nicht mag.

gruß ek 82/2


Mal Echt gesagt--haben wir das Wort --Genosse-in unseren 18 monatige Dienstzeit--ernsthaft genommen. Ich glaube,die überwiegende Zahl-war es egal--wie man angesprochen wurde.Man sagte sich einfach-- die wenigen Monate bekomme ich rum




hi rostocker, aber die waren hart für fast alle waffengattungen.
den satz sage heute mal einem BW-soldaten und das er in der zeit nur die hälfte unserer ausbidung machen braucht. ob er dann auch sagt: die wenigen monate....?

ansonsten ging mir genosse durch die kehle. ich nahm es schon gar nicht mehr wahr das ich es sagte obwohl ich heute stolz auf meine zeit bin. damals haßte ich sie. mag an der zeit liegen und das grenzer heute als verbrecher hingestellt werden, da lehnt man sich auf.

gruß ek 82-2


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02.10.2011 00:23 (zuletzt bearbeitet: 02.10.2011 15:54)
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#10
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habe den beitrag gelöscht, weil er doppelt einging.
gruß ek 82-2


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02.10.2011 10:34
#11
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Interessant: "Herr/Frau" , "Genosse/Genossin", usw. In der Schweiz haben wir seit den siebziger Jahren weder noch. Sind eben mundfaul hier.
http://www.nttc.ch/tecbt/GS_07.pdf
Theo


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02.10.2011 10:57
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#12
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Zitat von eisenringtheo
Interessant: "Herr/Frau" , "Genosse/Genossin", usw. In der Schweiz haben wir seit den siebziger Jahren weder noch. Sind eben mundfaul hier.
http://www.nttc.ch/tecbt/GS_07.pdf
Theo



Theo bei mir geht der Link nicht, er ist leer - oder sind die Schweizer auch schreibfaul ?


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02.10.2011 11:06
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#13
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Also bei mir öffnet sich eine DV 51.019

Eventuell mal dein PDF Reader updaten


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02.10.2011 11:19
#14
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Zitat von Feliks D.
Also bei mir öffnet sich eine DV 51.019

Eventuell mal dein PDF Reader updaten



Ja das ist das Reglement Grundschulung der Schweizer Armee. Formelle Ausbildung beginnt auf S.147.
Theo


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02.10.2011 13:15
avatar  TOMMI
#15
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An und für sich ist aber die Anrede "Genosse" und "Sie" ein Widerspruch, da sich Genossen untereinander bekanntlich duzen.

EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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