Hysterie oder nicht?

  • Seite 1 von 2
23.09.2011 10:29
#1
avatar


http://insider.orf.at/?story=5435
In der österreichischen Unterhaltungssendung "Die Grosse Chance" brachte ein 68 Kandidat folgendes Volkslied aus dem 19. Jahrhundert auf seiner Mundharmonika zur Aufführung, das bei Anhängern der volkstümlichen Musik sehr beliebt ist:


Das führte zu einem grossen Medienecho.
http://www.bild.de/unterhaltung/tv/panne...38646.bild.html
http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/ver.../story/15312780
http://derstandard.at/1316390091243/Verb...lichen-Schritte

Hysterie oder nicht?

Theo


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 10:33 (zuletzt bearbeitet: 23.09.2011 10:58)
avatar  GZB1
#2
avatar

Nun er hat ja offensichlich nicht den Text des H.W.-Liedes, der Nationalhymne des 3. Reiches gesungen. Ne Provokation ist es allerdings schon. Spricht auch nicht gerade für die Geschichtskenntnisse der Redaktion.

http://de.wikipedia.org/wiki/Horst-Wessel-Lied


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 10:35 (zuletzt bearbeitet: 23.09.2011 10:36)
avatar  ( gelöscht )
#3
avatar
( gelöscht )

Mensch mit dem Outfit hätte ich @Rainman fast nicht erkannt, nur der Bart hat ihn verraten.


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 10:44
avatar  ( gelöscht )
#4
avatar
( gelöscht )

Viel Lärm um nix, finde ich. Ich habe mir das Lied angehört und gefragt , wo ist hier der Gag. Erst als ich die Zeitungslinks gelesen hatte, verstand ich, wo da Leute Problem hatten. Ich kenne die Melodie des besagten Liedes gar nicht.

Gruß Gert


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 11:01 (zuletzt bearbeitet: 23.09.2011 11:03)
#5
avatar

Zitat von Gert
Viel Lärm um nix, finde ich. Ich habe mir das Lied angehört und gefragt , wo ist hier der Gag. Erst als ich die Zeitungslinks gelesen hatte, verstand ich, wo da Leute Problem hatten. Ich kenne die Melodie des besagten Liedes gar nicht.

Gruß Gert



Ohne Text (Mundharmonika) müsste man es eigentlich schon erkennen. Es ist eine Tatsache, dass Machthaber gerne die ganze Kultur für sich vereinnahmen, sozusagen kidnappen. Nach Ende des Kaiserreichs und der Nazidiktatur hatten dann die nachfolgend Generationen das Problem, dass die "Kultur" beschmutzt war. Beispiel: Am Völkerschlachtdenkmal sagte der Führer, dass es ein Denkmal für die sowjetisch-russische Waffenbruderschaft war, dank der Europa von der napoleonischen Tyrannei befreit wurde. Sei das, wie es wolle, aber aus dieser Sicht heraus wurde das EK für herausragende Leistungen dieser russisch-deutschen Befreiungstaten gestiftet. Man überlegte sich deshalb in der DDR tatsächlich, das abmontierte EK der Quadriga am Brandenrburger Tor wieder aufzusetzten, konnte das aber nicht, weil Kaiser Wilhelm und Adolf Hitler und deren Anhänger das EK "missbraucht" hatten.
So werden Kaiser Wilhelm und Adolf Hitler noch Jahrhunderte auf die deutsche Geschichte Einfluss haben.
Theo


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 12:09
avatar  ( gelöscht )
#6
avatar
( gelöscht )

Zitat von eisenringtheo


Am Völkerschlachtdenkmal sagte der Führer, dass es ein Denkmal für die sowjetisch-russische Waffenbruderschaft war, dank der Europa von der napoleonischen Tyrannei befreit wurde. .
Theo



Spielst Du jetzt auf Adenauer an, für den wir immer die Zoffjetzone waren?


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 12:19 (zuletzt bearbeitet: 23.09.2011 12:22)
#7
avatar

Zitat:
"Der Kandidat selbst hat glaubhaft erklärt, dass er mit seiner Darbietung keinerlei Bezug zum Horst-Wessel-Lied herstellen wollte und ihm die Ähnlichkeit auch nicht bewusst war. Er bedauert die Ähnlichkeit und die daraus entstandene öffentliche Diskussion", teilte der ORF am Dienstag mit."

Ist nicht ganz einfach zu beurteilen. Ich nehme erst mal die Berufung auf das hier eingestellte Volkslied (siehe Video im Eröffnungsbeitrag). Die ersten 2 Takte sind als identisch mit dem Horst-Wessel-Lied (weiter als HWL) anzusehen (Vergleich mit der Notation im WIKIPEDIA Link zum HWL). Die folgenden beiden Takte weichen in den Einzelstrophen mal leicht ab, mal stimmen sie überein. Ab Takt 5 ist der Melodieverlauf etwas anders. Ist nicht ganz leicht einzuschätzen, da der Typ derart schmalzt, dass aus dem Brei der Strophen die Melodie kaum noch erkennbar hervortritt. Der Refrain weist aufgrund der anderen Betonung in den Zeilen eine rhythmische Verschiebung auf. Die Melodieführung weicht leicht ab, ist aber noch als ähnlich zu bezeichnen.

Im Urheberrecht gilt ein Musikstück als Plagiat, wenn 2 Takte übereinstimmen. Nur geht es hier nicht um das Urheberrecht. Dennoch würde ich das Kriterium auch hier anlegen. Zu wissen, dass es diese "Ähnlichkeit" gibt und das Volkslied doch zu bringen, bedeutet aus dieser Sicht, ein bewusstes musikalisches Zitat zu bringen. Achtung: Es wird nur die Melodie zitiert, die den Rückschluss auf den tatsächlichen Ursprung nicht eindeutig zulässt und aufgrund der Ähnlichkeit als Zitat des HWL gewertet werden kann. Nach deutschem Recht käme das in den Bereich einer strafbaren Handlung. Ich formuliere es vorsichtig, da nach meiner Auffassung die Rechtslage hier nur durch die Rechtssprechung und kaum durch die Gesetzgebung ausgestaltet werden kann. Das Einstellen des Volksliedes als Video erfüllt diesen Tatbestand übrigens nicht, da hier die Ähnlichkeit der Melodie durch den Text kommentiert wird. Es ist immer noch problematisch, aber nach meiner Meinung kein Rechtsverstoß.

Zurück zum Zitieren der Melodie. Wie gesagt, das setzt das Wissen um die Bedeutung der Melodie voraus. Nun sagt der Typ, dass er nüscht davon wusste. Hm, und genau da wird es eine Glaubensfrage. Rein rechtlich könnte man den Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" ansetzen. Dann bliebe noch die Verantwortung des Senders. Aber da ist die Lage ähnlich. Offiziell durfte dieses Lied seit 66 Jahren nicht mehr erklingen. Wer unter 70 kann es also gekannt haben und wenn er es kannte, wie kam er an das Wissen? Wenn man sich also hier mit Unwissen entschuldigt, hat man wahrscheinlich gute Karten.

Wenn nun aber all die Unschuldsvermutungen gelten, warum dann die Aufregung. Weil diese Unwissenheit nicht verhindert, dass hier ein faschistisches Symbol öffentlich zur Schau gestellt wird. Da es keine Zurschaustellung im Sinne von Ironisierung, Satire oder Entlarvung ist, muss die Öffentlichkeit reagieren, sobald das bekannt wird. Die Tiefe und Art der Entrüstung kann jeder mit sich selbst ausmachen. So etwas darf nicht sein. Da es nun aber geschehen ist, sollte die Botschaft, dass es nicht sein darf, ruhig eindeutig ausfallen. Und auch das gilt, es ist nur eine Vermutung, dass das Ganze keine Provokation oder Demonstration ist. Die Tatsache, dass hier rechtlich keine Schuld gesprochen werden muss, bedeutet nicht, dass die Handlung an sich frei von Kritik gestellt werden muss. Im Gegenteil. Gerade für den Fall des Vorsatzes muss hier die Grenze klar gezeigt werden.

Also: Für mich keine Hysterie!

ciao Rainman2



Zitat von Feliks D.
Mensch mit dem Outfit hätte ich @Rainman fast nicht erkannt, nur der Bart hat ihn verraten.


Mensch Feliks, der Hut belegt doch ganz klar, dass ich das nicht bin!

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 13:55
#8
avatar

Damit es ganz dolle verrückt wird:

Hier das Original:



Der klein Tromper - Wikiartikel

Text und Melodie beider Lieder im Vergleich

Da sollten die investigativen Journalisten einfach mal besser forschen und jemanden Fragen der Kampf- und Volkslieder aus der Zeit der zwanziger Jahre kennt.
Es gibt übrigens noch ein paar Arbeiter-, Kampf- und Volkslieder aus der Zeit die von der NS-Propaganda vereinnahmt wurden, genauso wie es ein paar NS-Lieder gab deren Melodie mit neuem Text von der DDR Propaganda vereinnahmt wurden.

Gruß
Nostalgiker

Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 14:02
#9
avatar

Hallo Nostalgiker,

nein, da irrst Du Dich leider. Das für Horst Wessel umgedichtete "Lied des kleinen Trompeters" hat nichts mit dem "Horst-Wessel-Lied" zu tun. Das sind zwei unterschiedliche Lieder.

ciao Rainman2

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 14:14
avatar  94
#10
avatar
94

Was unterscheidet eigentlich ein Plagiat von einer Parodie?

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 14:19
avatar  Greso
#11
avatar

Was sollte das?? #8


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 14:40 (zuletzt bearbeitet: 23.09.2011 14:42)
#12
avatar

Zitat von 94
... Was unterscheidet eigentlich ein Plagiat von einer Parodie?...


Hallo 94,

der Kälbermarsch von Bert Brecht wurde von Hanns Eisler vertont (1943) - die Art der Verfremdung im Eislerschen Original ist übrigens im Wikipedia-Link zum Horst-Wessel-Lied recht gut erläutert. Formal erfüllt die Verfremdung nicht die Kriterien der Übereinstimmung. Dennoch ist es so ähnlich, dass der Bezug, sowohl im Text als auch in der Melodie eineindeutig zu erkennen ist. Das darf man ruhig als Kunst bezeichnen. Die Interpretation von Ernst Busch in dem von Dir eingestellten Video nimmt den Verfremdungseffekt wieder ein Stück heraus. Was auch immer Busch zu dieser Interpretation bewegt hat, es entspricht nicht mehr ganz dem, was Eisler geschrieben hat. Da die Aussage des Gedichts eine eindeutige Anklage gegen den Faschismus enthält, wäre der Vorwurf eines Plagiats in diesem Fall lächerlich. Aber die Grenzen sind fließend. Es ist eben immer wieder eine Frage der Interpretation - und dabei nicht nur der des Interpreten.

Im Übrigen bekenne ich mich offen dazu, in dieser Frage parteiisch zu sein da ich
1. Antifaschist und
2. Fan von Brecht und Eisler bin.

ciao Rainman2

PS: Nachgereicht nochmal der hier schon erwähnte Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Horst-Wessel-Lied

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 14:40
#13
avatar

Zitat von Rainman2
Hallo Nostalgiker,

nein, da irrst Du Dich leider. Das für Horst Wessel umgedichtete "Lied des kleinen Trompeters" hat nichts mit dem "Horst-Wessel-Lied" zu tun. Das sind zwei unterschiedliche Lieder.

ciao Rainman2



Rainmann2,

lies Dir doch bitte den von mir verlinkten Wikiartikel durch und höre und lies den Liedervergleich.
Es sind zwei verschiedene Texte, das ist richtig welche aber über weite Strecken identisch sind.

Das es sich um das gleiche Lied von der Melodie her handelt weiß ich unter anderem von meinem Vater.

Er ging nach dem Krieg in einen Laienchor.
Als sie das Lied vom kleinen Trompeter einstudierten dachte er er falle vom Glauben ab weil sie jetzt ausgerechnet das HWL singen.

Glaub es einfach Das Lied vom kleinen Trompeter war zuerst da, also wird hier nicht am Glauben gerüttelt. Die NS-Propaganda mißbrauchte Melodie und Text und nicht umgedreht.

Gruß
Nostalgiker

Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 14:42
#14
avatar

Zitat von Greso
Was sollte das?? #8



Verstehend lesen und schon erübrigt sich Deine Frage.

Gruß
Nostalgiker

Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler


 Antworten

 Beitrag melden
23.09.2011 14:44
#15
avatar

Hallo Nostalgiker,

ich habe Dich im Bezug auf das Lied schon verstanden. Aber glaub es: Es ist nicht das hier besprochene Horst-Wessel-Lied.

Wenn wir über den Missbrauch von Arbeiter- und Kampfliedern der Kommunisten durch die Faschisten reden würden, dann wäre Dein Diskussionsbeitrag absolut korrekt. Aber hier geht es um das Horst-Wessel-Lied und nicht um das von Dir angeführte Lied. Nochmal der Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Horst-Wessel-Lied

ciao Rainman2

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!