Fahnenfluchten russischer Soldaten

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05.09.2011 21:16
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#46
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Es ist so einfach, wenn man es auf seine eigene Situation bezieht. Natürlich würde ich in einer Notwehrsituation auch geziehlt schießen, aber einen wehrlosen Menschen eiskalt hinrichten, wie in dem Beitrag "Tod im Grenzzaun" Ich wußte genau, daß ich dem russischen nicht das Leben retten konnte, er stirbt trotzdem. Doch ich habe keine Schuld auf mich geladen, das war mir wichtig. Ich bin dafür dafür auch gut belohnt worden. Ich bin heute mit einer russisch-sprachigen Frau verheiratet und führe ein glückliches Leben. Mit russischem Blut an meinen Händen hätte ich diese Verbindung nicht eingehen können.
@BO, Dir kann ich nur sagen, Du glücklicher Unwissender, in gewisser Weise beneide ich Dich sogar, doch die Realität sieht anders aus.


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05.09.2011 21:22
#47
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Zitat von Bummi
Hallo Leute,
die genannten Zahlen über die sowjetischen Soldaten sind durchaus realistisch. Nur mit einem wesentlichen Unterschied. Die außerhalb der Kasernen verübten straftaten sind hauptsächlich von meist betrunkenen sowjetischen Offizieren begangen worden. Soldaten war sowas nicht möglich, da sie schlicht keinen Ausgang bekamen. Die Soldaten wurden gehalten wie die Tiere. Ich habe oft mit eigenen Augen gesehen. Ich mußte oft unseren Politoffizier zum Besäufnis in eine russische Kaserne in der Nähe von Eberswalde fahren und dort auf ihn warten. Es war gruselig. Es gab nur riesige Schlafsääle mit 60-70 schmalen Pritschen, zu jeder Pritsche gehörte ein kleines Nachtschränkchen, das war alles an Privatsphäre. Die Klamotten hingen auf meterlangen Kleiderstangen. Zu essen gab es meist Hirse- oder Haferbrei. Einziger Luxus: Im Winter gab es eine Heizung. Ganz anders bei den Offizieren: Sie hatten Ihr eigenes Privatzimmer und ihr Casino mit allem Luxus, sogar eine Banja. Sie machten mit der Bevölkerung Geschäfte, meist für Alkohol. Und sie fühlten sich in der DDR als Besatzer. Die DDR-Gerichtsbarkeit kehrte alles unter den Tisch. Vor diesen Offizieren hatten die Soldaten panische Angst. Prügel und Folter waren an der Tagesordnung. Ich selbst habe auch etwas davon mitbekommen. Die Zustände waren katastrophal, viel schlimmer als es hier bisher genannt wurde. Das Leben eines Soldaten war für seinen Offizier absolut nichts wert. Insofern hattet ihr schon recht, diese Jungs hatten nichts mehr zu verlieren und waren zu allem bereit. Und da kommt meine Einheit ins Spiel. Sicher haben einige Russen versucht Richtung Westen zu fliehen. Aber die Mehrheit floh richtung Osten, nach Hause.
Ich möchte hier mal kurz auf die "Berichte" von Spiegel, Bild und MDR eingehen. Diese naiven Schreiberlinge haben wirklich geglaubt, den desertierten Soldaten drohe nur eine geringfügige Freiheitsstrafe. Die haben sich schön an der Nase herumführen lassen. Aus eigenem Erleben weis ich: JEDER, der seine Kaserne unerlaubt verlassen hat, war automatisch ein toter Mann
Nun wieder zu meiner Einheit. Wir sind fast täglich ausgerückt und ich habe auch einige Schußwechsel miterlebt. Auch ich habe den Befehl bekommen auf einen Menschen zu schießen, nadem er auf mich geschossen hatte. Dazu später mehr.
Wir waren eine Spezialeinheit, getarnt in einer ganz normalen Dienstanfängerkomanie der Bereitschaftspolizei. Stationiert im berliner Randgebiet im Blankenburger Pflasterweg. Wir hatten eine spezielle Ausbildung im Umgang mit verschiedenen Lang- und Kurzwaffen, Zweikampf, Häuserkampf und bei mir kam noch eine Scharfschützenausbildung dazu. Außerdem war ich oft als Kradmelder und Regulierer eingesetzt. Bei den Einsätzen gegen die desertierten Soldaten, hatten wir die Aufgabe, die Soldaten vor die Gewehre Ihrer Eigenen Leute zu treiben, damit diese dann erschossen werden konnten. Bei einem dieser Einsätze bekam ich dann ein Dragunov-Scharfschützengewehr und wurde als Scharfschütze eingeteilt. Im Laufe dieses Einsatzes kam es zu einem Schußwechsel, bei dem mein Offizier nur knapp verfehlt wurde. Er befahl mir das"Ziel" zu vernichten. Für mich war es aber kein Ziel, für mich war es einer dieser bemitleidenswerten, bis aufs Blut gepeinigten Menschen, die aus Angst und Verzweiflung weggelaufen waren. Ich habe in diesem Einsatz einen Entschluß gefasst. Ich werde mir nicht die Hände schmutzig machen. Ich schoss als bewußt vorbei. Als ich nach dem dritten Einsatz als Scharfschütze keinen "Treffer" landete wurde ich zum Verhör abkommandiert. Man entzog mir den Scharfschützentitel, schrich mir Ausgang und Urlaub gnadenlos zusammen.(Ich war damals jung verheiratet und gerade Vater geworden) Und degradierte mich. Trotzdem habe ich diese Einstellung bis heute weder bereut noch geändert.
Und gerade deshalb war ich über einige Beiträge hier ziehmlich erschüttert, mit welcher kaltschnäuzigkeit ein Menschenleben entwertet und auf wehrlose Menschen geschossen wurde. Jeder der auf Menschen geschossen hat, auch wenn es ihm befohlen wurde, hatte er immer die Wahl nicht auf diesen Menschen zu schießen, wie ich es getan habe. Dehalb ist jeder der auf einen Menschen geschossen hat für mich ein skrupelloser Mörder und ich wünsche mir, daß ein jeder seine gerechte Strafe dafür bekommen mag.



Bummi--wenn jeder Soldat dieser Welt--diese Einsicht hätte--dann gäbe es kein Irak,Afganistan-keinen Nahen Osten und was man so alles Aufzählen kann.Denn dann wäre die Menschheit einen Schritt weiter und klüger in ihrer Entwicklung.Aber leider ist es mal so--das der Soldat ein Mittel zum Zweck ist--deren Politik er eines Staates dient.


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05.09.2011 21:27
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#48
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Zitat von Bummi
Es ist so einfach, wenn man es auf seine eigene Situation bezieht. Natürlich würde ich in einer Notwehrsituation auch geziehlt schießen, aber einen wehrlosen Menschen eiskalt hinrichten, wie in dem Beitrag "Tod im Grenzzaun" Ich wußte genau, daß ich dem russischen nicht das Leben retten konnte, er stirbt trotzdem. Doch ich habe keine Schuld auf mich geladen, das war mir wichtig. Ich bin dafür dafür auch gut belohnt worden. Ich bin heute mit einer russisch-sprachigen Frau verheiratet und führe ein glückliches Leben. Mit russischem Blut an meinen Händen hätte ich diese Verbindung nicht eingehen können.
@BO, Dir kann ich nur sagen, Du glücklicher Unwissender, in gewisser Weise beneide ich Dich sogar, doch die Realität sieht anders aus.




Naja Bummi....
Du musst mich weder beneiden noch die damalige Realität "erklären"....die GSSD hatten enorme Probleme,dass steht ausser Frage ...nur Deine Aussage stimmt so nicht!
Du machst es Dir ein bisschen einfach,so mal husch husch über Alle gleichmässig,wie mit einer Gieskanne zu behaupten...Die Russen hätten alle erschossen,die unerlaubt die Kaserne verlassen haben.
Punktum...dennoch
Gruss BO


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05.09.2011 21:31
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#49
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Wie war denn die genaue Bezeichnung dieser Einheit, in welchem Objekt war sie stationiert und in welchem Unterstellungsverhältnis befand sie sich?


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05.09.2011 21:40
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#50
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Ich möchte mir nicht anmaßen über jeden Soldaten der Welt ein urteilen zu wollen. Darum geht es doch gar nicht. Es geht hier nur um die Situation nach der dieses Forum benannt ist. Die ehemalige Innerdeutsche Grenze. Es geht darum das in der DDR auf flüchtende Menschen geschossen wurde um sie zu ermorden, das hatte nichts mit Grenzsicherung zu tun, das ist Mord. Da ich in dieser Einheit etwas weiter als gewöhnlich hinter die Kulissen sehen konnte, konnte ich auch die skupellose Brutalität, sowohl der Russen als der DDR Führung sehen. Es war Mielke, der in den 20er Jahren in Berlin 2 Polizisten eigenhändig erschossen hatte. Es war Mielke, der in einer internen Besprechung mit Seinesgleichen gefordert hatte, alle Abweichler umzubringen. Manche hier scheinen immernoch in der sozialistischen heilen Welt zu leben.


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05.09.2011 21:53
avatar  EK87II
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Erstmal willkommen, komme mal wieder etwas herunter. Vielleicht kannst Du zunächst auf die Fragen von Felix antworten!

Gruß
EK87II


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05.09.2011 22:14
avatar  Mike59
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Also wenn die Legende stimmt, dass bei beginn der Kampfhandlungen (Kriegsfall) sehr viele Offiziere von den eigenen Leuten erlegt werden, weil diese so beliebt waren. Dann muss der Offizier von @Bummi, auf den hier Feuer geführt wurde, ja ein riesiges A...loch gewesen sein.
Na Hauptsache kein russisches Blut vergossen. Da stellt sich die Frage ob der andere auch der Meinung war er möchte kein deutsches Blut an den Händen haben. Ganz bestimmt war es so - denn sonnst hätte er ja den Offizier getroffen.
Also Sachen gibts - unglaublich.

Mike59


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05.09.2011 22:24
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Zitat von Gert

weiss jemand etwas darüber, ob russischen Soldaten auch der Grenzdurchbruch gelungen ist und was danach mit ihnen geschah ? Wurden sie ausgeliefert an die SU ? Haben sich die anderen "Besatzer " damit befasst oder wurden sie deutscher Gerichtsbarkeit unterstellt ?
Gruß Gert



Gert. Die gefluechteten einfachen Soldaten und auch einige Offiziere wurden nicht an die SU ausgeliefert. Diese kamen in die 'Obhut' der US Besatzer. Einige blieben in der BRD, andere gingen in die USA. Es wurden so weit mir bekannt ist, auch Selbsthilfevereine gegruendet, die sich irgendwann in Wohlgefallen aufloesten. Zwei sollen reumuetig zurueckgekehrt sein, vor der Transformation der Sowjetunion.
Larissa


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05.09.2011 22:26 (zuletzt bearbeitet: 05.09.2011 22:27)
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Hallo Bummi,

auch wenn ich eine heftige Kritekerin der innerdeutschen Grenze bin, so unterstelle ich keinem Grenzer, dass er ein Mörder ist. Die Diskussion droht hier wieder abzudriften.

Wenn sich jemand die Mühe gemacht hat die links von 94 zu lesen, dann beginnt man zu begreifen, wie die russischen, roten, sowjetischen Armeen funktioniert haben. Und darum geht es. Das ging sogar den DDR Oberen irgendwann gegen den Strich.

Und ich beginne zu begreifen, warum manch ein Grenzer schweißgebadet nach dem Dienst aus Albträumen aufgewacht ist.

LG von der grenzgaengerin


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05.09.2011 22:34
avatar  Mike59
#55
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Übrigens @ Bummi,

hab mir mal dein Profil angesehen - ich glaube da besteht etwas Erklärungsbedarf. Das ist sicher auch das was @ Felix meinte.
Das haut doch vorn und hinten nicht hin was du so schreibst. Das hat etwas mit Glaubwürdigkeit zu tuen.

Gruß Mike59


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05.09.2011 22:35 (zuletzt bearbeitet: 05.09.2011 22:36)
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Zitat von Bummi
Ich möchte mir nicht anmaßen über jeden Soldaten der Welt ein urteilen zu wollen. Darum geht es doch gar nicht. Es geht hier nur um die Situation nach der dieses Forum benannt ist. Die ehemalige Innerdeutsche Grenze. Es geht darum das in der DDR auf flüchtende Menschen geschossen wurde um sie zu ermorden, das hatte nichts mit Grenzsicherung zu tun, das ist Mord. Da ich in dieser Einheit etwas weiter als gewöhnlich hinter die Kulissen sehen konnte, konnte ich auch die skupellose Brutalität, sowohl der Russen als der DDR Führung sehen. Es war Mielke, der in den 20er Jahren in Berlin 2 Polizisten eigenhändig erschossen hatte. Es war Mielke, der in einer internen Besprechung mit Seinesgleichen gefordert hatte, alle Abweichler umzubringen. Manche hier scheinen immernoch in der sozialistischen heilen Welt zu leben.



Locker bleiben. Mord und Totschlag gab und gibt es ueberall. Es geht hier um die ehemalige deutsche Grenze, ja, und deshalb auch um die Aufteilung Deutschlands und um vieles mehr.... diese Grenze hat naemlich Geschichte, die spielte sich nicht jeweils auf zwei Meter Breite auf jeder Seite ab. Wenn es darum nur ginge hier, koennten wir Murmeln spielen, haetten uns nichts mehr zu sagen. Und manche, so sie moegen, duerfen das, in der sozialistischen Welt leben. Jedem das Seine. Demokratie weisst Du, ist fuer alle da.
Diskutieren ist gut, aber nicht gleich Schaum vor den Mund, das blockiert die Sprache und betaeubt die Sinnesorgane.
Ich gruesse Dich 'Leser'.
Larissa


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05.09.2011 23:04 (zuletzt bearbeitet: 05.09.2011 23:18)
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Oh Gott, wo bin ich denn hier hineingeraten.
@Feliks
wenn Du in meinem ersten Beitrag genauer hineinließt, dann werden Deine Fragen beantwortet.
@Larissa
Wenn ich mit Schusswaffengewalt daran gehindert werde von einem Land in ein anderes zu wechseln, dann ist das immer ein Verbrechen, so wie die ganze Mauer immer ein Verbrechen war.
Ich habe hier einen Link eingestellt, schau Dir mal diesen Verbrecher an, wenn er gekonnt hätte, hätte er alle Leute dort erschossen. So habe ich auch die Offiziere meiner Einheit erlebt. Es waren allesamt menschenverachtende Kriegstreiber, wenn die die Möglichkeit gehabt hätten auf den roten Knopf zu drücken, dann hätten sie es ohne zu zögern getan. Und was die Russen und ihre Armee betrifft, dort ist Brutalität eine lange, traurige Tradition, die bis heute anhält. Ich habe es in meiner Dienstzeit selbst oft genug erlebt. Ihr könnt es glauben oder nicht, ist mir egal, ich weis was ich erlebt habe.
@Mike59
ich habe werder von Kampfhandlungen, noch von Kriegseinsatz geredet. Auch nicht davon das Soldaten ihre Offiziere umgebracht hatten. Ich sprach von einem Schußwechsel, bei dem ich und ein Offizier nur knapp verfehlt wurden.


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05.09.2011 23:20 (zuletzt bearbeitet: 05.09.2011 23:22)
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#58
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Mir ist schon klar was Du geschrieben hast und daher habe ich extra nochmals deutlich nachgefragt!

In Blankenburg befand sich die 10. Kp die zwar dem MdI direkt unterstellt war, jedoch ausschließlich zur Sicherstellung der Verpflegungsversorgung diente und daher fast ausschließlich aus Köchen bestand.

Dazu mal diese Darstellung von Chris...


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05.09.2011 23:21
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#59
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"Oh Gott, wo bin ich denn hier hineingeraten."

Du hast Dich doch selber eingeloggt.
Bleibe bitte sachliich und du wirst merken, daß Deine Gegenüber es genaua so tun.
Sprich bitte nicht von Mördern, da Du selbst ein ausgebildeter Scharfschütze bist. (Stein im Glashaus)

Mozart


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05.09.2011 23:28 (zuletzt bearbeitet: 05.09.2011 23:34)
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#60
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Genau, und weil dort nur Köche untergebracht waren, gab es dort eine Zuführungsstelle und einen KFZ-Park, der ca. 1 drittel so groß war wie das gesamte Objekt
Im übrigen scheint diese Aufnahme aus der Nachwendezeit zu sein, denn die Aufwändigen Sicherungsanlagen für die "Kochschule" fehlen

Im übrigen, vielen Dank für die schöne Aufnahme. habe es sofort wiedererkannt.


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