Geschichten vom Grenzdienst!

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29.06.2019 19:45
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#376
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Zitat: Der "Unbequemste" des Kasernenalltags, der "Spieß", war gleichzeitig der am wenigsten Ideologische.
Er verkörperte am ehesten alte Tradition.

Hallöchen, da könntst Du sogar Recht haben. Einen solchen Spieß hatte ich auf der Offiziersschule. Scharf wie eine Rasierklinge, aber doch irgendwie für seine Leute da. Mutter der Kompanie, irgendwie hat man diesen Kerl doch gemocht.

Sicher, die Anrede "Genosse" wurde pauschal behandelt. Da hat keiner nachgedacht, was der Inhalt dieser Anrede sein sollte.
Aber ansonsten muss ich Dir widersprechen. Ein unpolitischer Soldat ist ein Söldner und gerade das sollten unsere Soldaten nicht sein. Wir haben zum Beispiel über den Sinn des Soldatseins gesprochen und das recht ehrlich (denn nur dann hat die ganze Politschulung einen Sinn). Da wurde kein Soldat zusammengeschissen, wenn seine Meinung nicht mit der Lehrmeinung übereinstimmte. Schade, dass sich keiner aus dem GAR 7 meldet. Mich würde wahnsinnig interessieren, wie er die politische Schulung zwischen 1979 und 1988 empfunden hat.

Allerdings kann ich auch von Sachen berichten, gerade aus der Politschulung, die haarsträubend waren. Doch das mache ich nicht, dann liest keiner mehr mein Buch.

mifra


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29.06.2019 20:13
avatar  Mike59
#377
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Auf unsere Frage als US an der Uffz. Schule, weswegen eigentlich hier jeder mit Genosse angeredet werden "muss" - kam die Antwort - Kampfgenosse. Als US hatte man noch nicht den Schneid das zu hinterfragen.

Der HfW (Spieß) für alle wessis - der HfW war im Osten eine Dienststellung und kein Dienstgrad (ab 1980 mehrheitlich ein Fhr. Dgrd.), war in den allermeisten Linieneinheiten auch der Parteisekretär !
Er (der HfW) verkörperte auf alle Fälle alte militärische, disziplinarische und organisatorische Traditionen einer deutschen Armee. Er war sowohl die Mutter als auch der Wachhund der Kompanie.


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29.06.2019 21:47
avatar  Jörg
#378
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#374 ... da wollte dir nach deinem Rausschmiss der POLITGENERAL bestimmt was gutes tun , Fred ! 😉
Politgeneral ... geil , konnte ich endlich mal wieder Schmunzeln ! 👍


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29.06.2019 21:53 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2019 22:10)
avatar  Jörg
#379
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Ja , der Spieß ! Auf der Boko Potsdam , zu meiner Zeit , der Stabsoberfähnrich Rüf..er ! Ein wirklich durchgeknallter altgedienter ... .Und ja , Parteisekretär war er auch . Und trotsdem mochte ich den irgendwie . Wenn man wusste , wie man ihn nehmen mußte ( jetzt aber an keine Schweinerein denken ) konnte man mit dem alten Mann gut auskommen .


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29.06.2019 22:03
avatar  Mike59
#380
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Also @Fred ich hatte mit dem MfS nie ein Problem.

Die hatten immer nur ein Problem mit mir - das hat mich aber eigentlich nicht gestört und ich habe die es auch merken lassen. Nachdem mir die Briefkontrolle auf die Nerven ging habe ich mal ein P.S. unter einen Brief an meine Frau mit dem Wortlaut " Liebe Genossen vom MfS, wenn Ihr schon meine Post lest, dann sorgt wenigstens dafür das meine Briefe in der richtigen Reihenfolge bei meiner Frau ankommen"
Hintergrund war eigentlich das meine Frau sagte schreib mir jeden Tag und wenn es nur 10 Zeilen sind - das habe ich gemacht - 10 Zeilen als Fortsetzungsgeschickte - jeden Tag.
Gab eine kurze Vorladung bei der 2000 - ob ich Probleme hätte, konnte ich verneinen. Meine Briefe wurden danach nach 2 Tagen (vorher 3) und immer in der richtigen Reihenfolge bei meiner Frau in den Briefkasten gelegt. Man muss einfach nur mal das Gespräch suchen *lol*


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30.06.2019 13:43
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#381
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( gelöscht )

Nach meiner Grundausbildung wurde ich zur PIK I versetzt. Die war damals in einem Ort im Eichsfeld stationiert. Zu dieser Zeit hatte ich eine Freundin und wir schrieben uns sehr verliebt fast jeden Tag....
Mit dem "Umzug" nach Wüstheuterode blieb die Post an mich schlagartig aus. Es wurden ja die Briefe mit dem Absender Soldat XYZ, Standort und Postfachnummer versehen. Ich hoffe ich habe das noch richtig in Erinnerung. Ich habe noch mehrmals mit dem richtigen Absender geschrieben und war sehr enttäuscht über die ausbleibenden Antworten.
Irgendwann habe ich dann wütend und frustriert aufgegeben. Klar zu diesem zeitpunkt als "Spritzer" in der neuen Einheit, da war an Urlaub erst einmal nicht zu denken. Nach dem "Rückzug" in das Winterquartier bekam ich auf einmal einen ganzen Stapel Briefe an mich überreicht, welche nicht weitergereicht wurden......
Zufall?


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30.06.2019 15:28
#382
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Also ich habe auch öfters über der unregelmäßigen Erhalt der Briefe geklagt oder die falsche Reihenfolge. Aber dabei ging es um Tage oder mal ne Woche. In Deinem Fall vermute ich eher Schlamperei der Verantwortlichen Spieß und Schreiber. Falls es eine Kontrolle der Post gegeben hat, dann muss sie sehr begrenzt gewesen sein.
Denn vor allem im letzten halben Jahr wurde ich relativ leichtsinnig und schrieb Sachen rein, aus denen man mir hätte einen Strick drehen können.

Oft ging gerade auf den kleinen Grenzkompanien auch die Post an allen Funktionären vorbei. Entweder gab man seine Post direkt dem Schreiber mit oder man erhielt von ihm das Paket, wenn der Spieß nicht da war. Ich habe selbst mal die Post mit dem Fahrrad geholt, weil ich im Ort noch was anderes zu erledigen hatte.
Also vieles war so schnell aus dem Militärbereich raus oder kam gar nicht erst richtig rein.
Und um die Briefe an anderer Stelle (M / 12) abzufangen mussten sie einen schon auf dem Kieker haben. Ist ja alles auch ne personelle Frage.

Sojus


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30.06.2019 15:49 (zuletzt bearbeitet: 30.06.2019 16:08)
#383
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Zitat mifra

Ein unpolitischer Soldat ist ein Söldner und gerade das sollten unsere Soldaten nicht sein.
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Es ging um die Vermittlung der Politik der SED.

Vorgesetzte, welche die Soldaten damit eher in Ruhe ließen, müssen deshalb nicht unpolitisch gewesen sein.

Und selbst ganz unpolitische Soldaten können nur Söldner sein, wenn sie sich aus eigenem Antrieb für Geld verdingen, ohne sich dem Land verbunden zu fühlen.

Das kann man jedenfalls für GWDler ausschließen, die im Zivilen mehr verdienten und lediglich der Wehrpflicht nachkamen.


Mein "Spieß" war kein Netter, aber eher unpolitisch. Sicherlich hat er vor allem eine berufliche Laufbahn gewählt ("Berufssoldat"!). Nach der Wiedervereinigung war er im Bundesdienst beim Minenräumen dabei.
Selbst wenn er von Anfang an nur seinen Lebensunterhalt verdienen wollte, käme es mir in den Sinn, Leute wie ihn als Söldner zu bezeichnen und etwa Politoffiziere höher zu schätzen.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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30.06.2019 17:03
avatar  Fred.S.
#384
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zu 377. Wir hatten, Mike, neben unseren Hauptfeld auch extra einen Parteisekretär, neben den Politoffizier,
in der Bootskompanie Dömitz. Der führte am meisten die Politschulungen durch.
Dein letzter Satz stimmt vollkommen. Dem kann ich nur bepflichten. Fred


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