Geschichten vom Grenzdienst!

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28.06.2019 12:14
avatar  GKUS64
#361
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Natürlich wurden nicht alle Duckmäuser, es hängt natürlich auch immer vom Charakter des Einzelnen ab. @Ehli , du hast dich eben nicht ganz unterkriegen lassen. Aber deine Aussage: „Zur Grenze,Gruß über die Mauer, warum nicht, wenn kein Vorgesetzer in der Nähe war“, zeigt doch auch, dass du nicht selbst, ohne schlechtes Gewissen, entscheiden konntest!
Nun kommt von Einigen bestimmt gleich: „Bei jeder Armee müssen Befehle eingehalten werden!“, das stimmt , aber es war kein Kriegszustand und auch keine Angriffssituation.
Im zivilen Bereich gab es ja auch genügend Beispiele für diese ständige unsinnige Gängelei.

- Fuhr ich z.B. im betrieblichen Auftrag zur Leipziger Messe und hatte keinen direkten Verhandlungsauftrag („Verhandlungsdirektive „ mit 10 Genehmigungsunterschriften), durften keine Gespräche mit „kapitalistischen“ Ausstellern geführt werden. Im jugendlichen Alter gab ich mich
dort dann meist als Student aus, später machte ich ausweichende Angaben.
Meine eingeholten Informationen bzw. Prospekte dienten ja immer auch nur betrieblichen Zwecken!

- Ein paar Jahre fuhr ich im betrieblichen Auftrag nach Rumänien, dort wurden für Pentacon Kunststoffteile gefertigt.
Im dortigen Betrieb begleiteten mich dann immer eine Person von der Sicherheit und ein Dolmetscher. Der Dolmetscher war mir sympathisch und so trafen wir uns manchmal zu einem Bier am Abend. Seine große Angst war dann immer, dass uns jemand aus der Firma sehen konnte. Die Kneipen wählte er dann auch in etwas versteckten Gegenden.
Einmal war er krank und ich richtete seinem Vertreter Grüße aus. „Das darfst du nicht wieder tun“ sagte er mir beim nächsten Besuch, er musste bei der Firmenleitung antreten und man warf ihm private Kontaktaufnahme mit Ausländern vor. Wieso das? Unsere Länder waren doch freundschaftlich verbunden!
Ja diese ewige Gängelei meinte ich, sie führte nach meiner Meinung bei einigen zu Duckmäusertum!

Ein schönes Wochenende

GKUS64


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28.06.2019 12:27 (zuletzt bearbeitet: 28.06.2019 14:24)
avatar  Fred.S.
#362
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zu 360. Grüß Dich, grenzergold, nein, erlaubt war das nicht, es kam auf den Bootsführer an.
Ja, ich habe oft Spuren von Stiefeln in Buhnenfelder gesehen und wusste das ihr dort auf Streife gewesen seid.
Persönlich sah ich Euch nie, nur mal auf dem Deich oder im B-Turm.
Sturmbahn König hat mir auch oft erzählt, wie " saumäßig " solche Kontrollen am Buhnenfeldrand waren,
er dort oft in den Morast fast stecken geblieben ist. Und auch von Zollbootbesatzungen oft angesprochen wurde.
Der größte Feind ? grenzergold ? in Horst versteckten die Soldaten dort, ihren Alkoholvorrat immer in den Dachrinnen.
Ob der wohl bei Hitze dann schmeckte ? Gewirkt wird er auf jeden Fall.
Wir waren ja auch dort statioiert, am einen Tag,ich trinke fleißig auch Weinbrand, DA--- Alarm... das ich mit der Besatzung als Alarmboot
eingeteilt war, wussten wir nicht. Nun grenzergold, das ich meine Waffen empfing, die steile Eisentreppe runter,
unten auf dem Boot war. daran kann ich mich erinnern.
Der Maschi und Funker machten die Fahrt und alles andere Beide alleine. Ich schlief auf der Koje.
Das mal zum Alkohol. mfg. Fred


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28.06.2019 17:07
#363
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Zitat von Rostocker im Beitrag #355
Also ich hatte nicht das Gefühl--das mich jemand zum Duckmäuser erziehen wollte: Na ja,der eine fäst das so auf,der andere so. Aber ist im Prinzip, nicht jeder Soldat,dann ein Duckmäuser. Der sich in einer militärischen Befehlskette befindet, der sich der militärischen Disziplin und Ordnung ein zu ordnen hat. Und das gilt doch , für jede Armee dieser Welt.
Auch im zivilen Bereich, wird es solche Dinge geben. Wo man sich einfügen und anpassen muss, ob man das nun Duckmäusertum oder wie auch immer nennt--die Auffassung muss jeder für sich selbst vertreten.


Das ist sicher nicht mit wenigen Worten allgemeingültig zu behandeln und hängt auch viel von den subjektiven Faktoren im Verhältnis Vorgesetzter - Untergebener ab.
Das ist richtig auch im zivilen Bereich so, wo ich inzwischen so etwas wie meine eigene Kompanie mit über 40 Mann habe. Überall braucht es klare Strukturen und Weisungs- bzw. Befehlsketten, weil sonst das Chaos ausbricht.
Kritisch wird es dann, wenn der Untergebene durch dieses Weisungsgefälle gezwungen wird, gegen seine eigene Überzeugung zu handeln, und er auch keine Möglichkeit hat seinen Einwand geltend zu machen.
Ein schwacher Anführer wird seine Macht nutzen, um Einwände zu unterdrücken, während ein starker Anführer in Betracht ziehen wird, ob dieser Einwand nicht eine bessere Möglichkeit aufzeigt, die Ihm und damit allen nützt. Das geht natürlich nicht überall sofort und es spielen meist noch viele andere Faktoren mit rein, die man nicht immer erklären kann. Aber wenn die Grundausrichtung stimmt, dann haben die Untergebenen auch in den Situationen, die sie nicht gleich verstehen das Vertrauen in den Vorgesetzten.
Dagegen werden sich die Untergebenen bei dem schwachen Anführer entweder zurückziehen und zum Duckmäuser, oder sie werden sich mental oder direkt anderweitig orientieren. Beides ist negativ für die Gruppe.

Sojus


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28.06.2019 17:44
#364
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Zitat von mifra im Beitrag #359
Hallo Sojus, ich war einer, der Euch zu Duckmäusern erziehen wollte. Schlimmer noch, mir hatte mal ein Soldat gesagt, dass es nur darum gehe, den Soldaten das Denken abzugewöhnen.


Hallo mifra, das warst nicht Du sondern das System. Ich hatte schon mal in einem anderen Threat geschrieben, dass die DDR eigentlich an einem Paradoxon zu Grunde gegangen ist. Die DDR erzog ihre Jugend zu selbständig denkenden friedlichen Menschen. Zwar mit einer gewissen Orientierung aber mit genug Freiraum für den Geist. Ab einem gewissen Alter kollidiert dann diese "Grundausbildung" mit der Realität. Und wenn dann der Führende keine schlüssigen Antworten hat bzw. haben kann, kommt es zu diesen sozialen Disharmonien.
Dann kommt es im Verhältnis Vorgesetzter - Untergebener noch auf die Intelligenz und Menschenkenntnis, sowie einige andere Charaktereigenschaften an.
Und eins steht fest @mifra, wenn ich bei den Offizierswerbungsgesprächen nicht so widerspenstig gewesen wäre, dann wäre ich auch so ein Major geworden wie Du.

Aber eins das weißt Du auch als alter Militär: Man sollte sich nie das Schlachtfeld aufzwingen lassen, auf dem man zu kämpfen hat. Sondern man sollte das Feld auf dem man kämpfen will selbst bestimmen, wenn man siegen will.

Sojus


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28.06.2019 19:06
avatar  Fred.S.
#365
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zu 259. Du hast keine 'Duckmäuler' erzogen, mifra,
ja, das denken abgewöhnt, das stimmt, denn was wäre ein Soldat der erst über ein Befehl nachdenkt,
ein Befehl, der sein Tod sein könnte. Dann mifra-- wäre dieser Soldat schon tot, bevor er angefangen hätte, den Befehl auszuführen.

Wie habe ich geflucht in der Grundausbildung, wollte meinen Gruppenführer und Zugführer erschießen, wenn ich scharfe Patronen
in der Waffe habe === aber solche Ausbildung, so ein bedingungsloses Gehorsam wie auch Du es gefordert hast,
das gibt es in allen Armee in dieser Welt. Und nur so könneen Armee bestehen und siegen --- wie ein User es schon hier sagte. Fred


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28.06.2019 20:01
avatar  ( gelöscht )
#366
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( gelöscht )

Ich hatte schon manchmal das Gefühl zum "Duckmäusertum" erzogen zu werden.....
Wie kann eine militärische Führung auf der einen Seite die "EK-Bewegung" verabscheuen und auf der anderen Seite nach dem "Kappo-Prinzip" genau diese Machenschaften für sich nutzen?


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28.06.2019 22:21 (zuletzt bearbeitet: 28.06.2019 22:22)
#367
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Besser den Mund zu halten, ist kein Duckmäusertum.
Duckmäuser sind unterwürfig.

Und selbst Unterwürfigkeit äußerte sich doch eher im "Kratzertum".

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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28.06.2019 22:40
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#368
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( gelöscht )

Ich stelle jetzt mal den Klugscheißermodus an:Die DDR ging einzig und allein an der nichtfunktionierenden Ökonomie ein, so wie der gesamte Sozialismus. Um nicht immer Marx zitieren zu müssen sage ich einfach, dass der Kapitalismus eben noch nicht abgewirtschaftet hat, so wie wir uns das vorstellten. Und diese ökonomische Schwäche versuchten wir auszugleichen, indem politisch versucht wurde, zu retten, was zu retten ist. Ich erinnere nur daran, wie Ende der 80-er Jahre in den Parteiversammlungen die "Parole" ausgegegben wurde, nicht zu kritisieren sondern sagen, wie man es besser machen solle. Daraufhin sagte einer meiner Instrukteure, dass bei einer Diskussion in seiner Schulungsgruppe ein Soldat erwähnt hat, dass ein bestimmtes Aggregat nicht fertig gestellt werden konnte, weil eine einzige besondere Schraube fehlte. Sollte er die Schraube selbst herstellen? Und das war am Ende der DDR symptomatisch.

Westsender. Uns war es verboten, diese zu hören oder zu sehen. Die, die also am ehesten zum Staat standen, mussten dieses Verbot über sich ergehen lassen.
Weist Du, wie blöd wir machmal da standen, wenn ein Soldat etwas in die politische Schulung einwarf, von dem wir keine Ahnung hatten?

Auch kann ich mich noch gut an die Rufe und Transparente erinnern: Entweder die D-Mark kommt zu uns oder wir gehen zur D-Mark.
Übrigens erleben wir dieses Phänomen bei der Masse der Menschen, die versuchen nach Europa oder in die USA zu gelangen.

Wenn wir den "ökonomischen Krieg" gewonnen hätten, wäre kein (kaum ein) Bürger der DDR abgedampft.
Klugscheißermodus aus.

Wir werden wohl noch ein paar Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte warten müssen, bis das gegenwärtige ökonomische System auch nicht mehr funktioniert.
(Nun muss ich doch mal Marx sinngemäß zitieren: Der Kapitalist ist gezwungen, seinen eingenen Totengräber zu ernähren.) Und das immer mehr. Wir werden uns noch über die Digitalisierung der Produktion wundern und was sie für die Masse der Menschen bringt.

Und wer hätte schon in den 70-ern gedacht, dass mal nach der Jahrtausendwende eine westliche Bank unter staatliche Kontrolle gestellt werden muss. Undenkbar zur damaligen Zeit.
Heute denkt man laut über eine solche Sache nach. Wir können also vorsichtig optimistisch sein. (nicht ernst gemeint)

meint mifra


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28.06.2019 23:15
avatar  vs1400
#369
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #357
Der Kasernenalltag war immer noch preußisch.Der alte Kommiß.
Ideologie (Polit und "Genosse") wurden eher formell abgehandelt. Wer gehorchte, der hatte vor Überzeugung seine Ruhe.
Der "Unbequemste" des Kasernenalltags, der "Spieß", war gleichzeitig der am wenigsten Ideologische.
Er verkörperte am ehesten alte Tradition.


aus meiner sicht und damaligen zeit, @Freienhagener , ist diese darstellung eher sehr pauschal gehalten.

gruß vs

04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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29.06.2019 08:39 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2019 08:40)
#370
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Auf SED-Parteiversammlungen wird es auch bei der Truppe politisch intensiver zugegangen sein.
Aber dabei war ich nicht und diese Genossen redeten auch nicht darüber.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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29.06.2019 09:07
avatar  Fred.S.
#371
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zu 370. Aber wohl, Freienhagener, das wurden die Beschlüsse der Parteitage durch diskitiert, aber vor allen,
wie wir die Beschlüsse in der Praxis umsetzen konnten.
+ schnellere Zeiten bei der herstellung der Gefechtsbereitschaft ( Alarm ) besonders solche BUs wie ich, die außerhalb
des Objektes in der Stadt oder gar auf ein in Stadtnähe liegendes Dorf wohnten.
+ + bessere Noten in der Sportausbildung,
+ sparsamer Umgang mit den Kraftstoff während eines Einsatzes. Nur einige Beispiele. Fred


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29.06.2019 09:20 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2019 09:29)
#372
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Danke, Fred.
Aber die von Dir genannten Punkte der Einsatzbereitschaft sind für alle (Grenz)truppen relevant, haben nichts mit der ideologischen Ausrichtung zu tun.
Auch da Parteibeschlüsse offensichtlich nur als "Aufhänger".

Fanatische Demagogie ist mir eher im zivilen Betrieb begegnet.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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29.06.2019 10:43
#373
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Zitat von mifra im Beitrag #368
Wenn wir den "ökonomischen Krieg" gewonnen hätten, wäre kein (kaum ein) Bürger der DDR abgedampft.
Klugscheißermodus aus.


Richtig!
Aber die DDR hatte nie den Hauch einer Chance. Wenn Du bei Spielbeginn schon 0:3 zurückliegst mit dem schwachen Osten im Rücken, dann hast du gegen den wirtschaftlich starken Westen keine Möglichkeit FREI aufzuspielen. Du versuchst dich über die Zeit zu retten, gerätst in ideologische Verkrampfung und wirst in einen Fehler nach dem anderen gedrängt. In der Zwischenzeit kauft dir der Gegner die besten Spieler weg.
Das Ende kennt jeder.

Sojus


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29.06.2019 10:53 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2019 10:55)
avatar  Fred.S.
#374
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zu 372. Wie wahr, wie wahr, Freienhagener. Wegen der Urkunde eines Politgenerals das ich auf dem politischen Gebiet,
bei der Truppe sehr gut war und eine Parteihochschule der SED besucht haben soll,
wurde ich sofort in den Vorstand der Parteigruppe meiner Post einberufen.
Nach zwei Monaten flüchtete ich daraus. Wie Du es sagtest, nur das blöde Gefassel, wie wir als Postler den Anspruchen der Partei
gerecht werden konnten.
Ja, Freienhagener, ich konnte doch nicht mehr Paketcontainer aus ein Eisenbahnwaggon herausholen, als dort reingingen.
Oder mehr Pakete in das Postauto nach Waren einladen als vorhanden waren. === Beispiel nur ==

Nee, das war mir zu bunt und ich eckte damit bei den Genossen an, worauf ich eine " Einladung " zur Rosenstraße bei uns bekam.
Dem Sitz des MfS dort. Danach war ich dann nur noch ein zahlendes Mitglied bis zur Wende. Fred


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29.06.2019 11:51
avatar  GKUS64
#375
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Zitat von vs1400 im Beitrag #369
Zitat von Freienhagener im Beitrag #357
Der Kasernenalltag war immer noch preußisch.Der alte Kommiß.
Ideologie (Polit und "Genosse") wurden eher formell abgehandelt. Wer gehorchte, der hatte vor Überzeugung seine Ruhe.
Der "Unbequemste" des Kasernenalltags, der "Spieß", war gleichzeitig der am wenigsten Ideologische.
Er verkörperte am ehesten alte Tradition.


aus meiner sicht und damaligen zeit, @Freienhagener , ist diese darstellung eher sehr pauschal gehalten.

gruß vs


Na dann gib doch mal was Konkretes von dir, nicht nur bla, bla!


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