Gut oder schlecht / wer wünscht "Sie" sich zurück ?

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09.01.2019 19:25 (zuletzt bearbeitet: 09.01.2019 19:44)
#2776
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Ein schwieriges Thema, was da in den letzten gut 10 Beiträgen diskutiert wird. Darüber hatte ich mir auch schon vor Jahren wegen gesamtökonomischer Überlegungen Gedanken gemacht. Ich verch´s kurz und einfach zu machen.
Alle Kosten lösen sich letztendlich, oft über viele Umwege, in Lohnkosten auf. Als reine Wertschöpfungen können m.E. ausschließlich die produzierenden Gewerke angesehen werden. Auch Ideen, also imaterielle Produkte, zählen daher nicht als Wertschöpfungen 1. Grades. Sie werden es erst, wenn aus ihnen materielle Güter entstehen. Und diese können nur entstehen, wenn durch imaterielle Leistungen (Entwicklungen/Erfindungen, Verwaltung, Sicherheit, Gesundheit und Bildung, Kultur u.a.) die Voraussetzungen für die Möglichkeit der materiellen Produktion geschaffen werden. Das Problem ist hierbei nur, daß ein solches Maß an imateriellen Leistungen wie wohl in jedem Gemeinwesen existiert meist gar nicht nötig ist, um die gleichen Voraussetzungen für materielle Wertschöpfung zu schaffen. Wie war das mit dem Bierdeckel als Steuererklärung ? Mal ein kleines Beispiel aus den Anfangsjahren meiner Außentätigkeit. In den ersten Jahren nach der Wende, noch in meinem Erfurter Betrieb, genügte für die Reisekostenabrechnung einer Woche ein Formular in Postkartengröße mit einem Durchschlag. Zwei Jahre später in Pirmasens war für jeden Tag ein A 4 formatiges Formular mit drei Durchschlägen notwendig. Wer hat da alles noch mitverdient ? Was die Notwendigkeit von imateriell Tätigen betrifft, mal ein Beispiel aus dem ganz normalen Ehe-Alltagsleben. Das kennen wohl die Meisten hier. Meine Frau war ab ca. 1993 wegen Pflegefall Mutter und Kind zu Hause. Ich war draußen, brachte das Geld, Mietwohnungsrenovierungen, später zusätzlich aufwändige Außenanlage des EFH. Ich sah jeden Tag, was ich geschaffen hatte. Meine Frau nicht. Wäsche gewaschen, Essen zubereitet, welches nach einer halben Stunde spurlos bis auf dreckige Teller verschwunden war. Sie litt darunter. Ich mußte sie immer wieder aufbauen und ihr klar machen, daß erst sie mit ihrer Arbeit überhaupt die Grundlagen dafür schafft, daß ich das alles weitestgehend unbelastet mit anderen Problemen erledigen konnte, daß ich saubere Klamotten hatte wenn ich auf Tour ging u.v.m. So ähnlich wird es den meisten Ehepaaren mit nur einem Alleinverdiener gehen. Das soll nur mal ein Beispiel für notwendige imaterielle Leistungen sein, im Gesellschaftlichen wie im Privaten.


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09.01.2019 20:55 (zuletzt bearbeitet: 09.01.2019 20:56)
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#2777
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #2774
Was ich meine ist, daß
1. die reine Lehre von der Marktwirtschaft schlichtweg in der Praxis nicht mehr funktioniert und somit
2. die BRD einem staatlich dominierten Wirtschaftswesen wie der DDR eins war immer ähnlicher wird und
3. ähnlich eines Motors mit Stegriß dieses Wirtschaftswesen immer mehr Abgase produziert, immer mehr Abgehängte versorgen muß.
4.die politisch Verantwortlichen wegsehen und keine Grundsatzdiskussion zulassen.

Ok, hier geht es um die Basics gesamtgesellschaftlicher Zusammenhänge und persönliche Ansichten zu Vorzügen der Marktwirtschaft bzw. staatlich gelenkter Wirtschaft.
Während hier Grundsatzdiskussionen zugelassen sind, werde ich mich daran nicht beteiligen. Das führt zu nichts, außer zu..na ja, Ihr wisst alle, wo hin das führt.

Ich schau ab und zu mal rein und geb meinen Senf dazu, wenn mir etwas doof vorkommt oder interessant und ich mehr darüber wissen möchte.
Und 7 Mio. Nettoeinzahler vs. 37 Mio. indifferenter Rest passten zunächst in beide Kategorien, jetzt nur noch in die erste, denn es ist nach Lesen der Quelle für mich wirtschaftlich, mathematisch und auch argumentativ Unsinn.
Ganz offensichtlich sind für jede denkbare Gesellschaftsform Einnahmen nötig, um bestimmte notwendige Ausgaben realisieren zu können.
Welche Leistungen der Staat übernehmen sollte und welche er der Marktwirtschaft überlassen sollte, kann man ja diskutieren. Aber den Wert eines Menschen für die Wertschöpfung oder die Gesellschaft im Allgemeinen daran festzumachen, ob er für den Staat eher auf der Einnahmen- oder der Ausgabenseite steht ist absurd und eine deutlich zu einseitige Betrachtungsweise.


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09.01.2019 21:11
#2778
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Zitat von Mike59 im Beitrag #2749
Zitat von Unner Gräzer im Beitrag #2748
Wir brauchen "Sie" uns doch gar nicht zurück wünschen, wir haben "Sie" doch eigentlich schon fast wieder

Woran machst du das denn fest ?


Naja, Die "Einigkeit" der sogenannten Altparteien erinnert schon ziemlich an ein Politbüro, die von einigen Politikern vorgegebenen Merkmale, woran man Kinder von "rechten" Eltern erkennt, das grundsätzliche Ablehnen von Politikern einer bestimmten, sogar demokratisch gewählten Partei, die Aufforderung an Arbeitgeber, "rechten" Arbeitnehmern zu kündigen (ich hatte so ein "Merkblatt" eines ortsansässigen, staatlich subventionierten Betriebes selbst in der Hand) und damit die Aufforderung zur Denunziation, die Verfolgung, das Beleidigen und das tätliche Angreifen von politischer Korrektnes abweichenden Menschen, die weit gediehene Vetternwirtschaft in Politik und Wirtschaft und so weiter. Reicht das erstmal, Mike59 ?


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09.01.2019 21:21
#2779
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #2761
H4 ist relativ wenig, für nichts machen aber wieder viel.
Wie soll das denn nun am besten reformiert werden?
Mehr geben für nichts machen?
Mir fällt dazu eigentlich nur ein das man es eventuell gerechter verteilen könnte, unverschuldet darauf angewiesene Kranke z.B. etwas mehr und notorische Faulpelze schrittweise immer weniger bis ein Fleißschub einsetzt.
Der Mindestlohn müsste auf 12,50 rauf gesetzt werden das der Abstand zu H4 etwas deutlicher wird.


Damit erzeugst du in strukturschwachen Regionen nur noch mehr H4-Empfänger, da dieser Mindestlohn für kleine Dienstleister nicht mehr zu finanzieren ist. Außerdem würde das die Preisspirale aber kräftig andrehen, dann möchte ich die Preise z.B. beim Bäcker sehen (bei uns kostet seit diesem Jahr bei manchem Bäcker eine Doppelsemmel jetzt schon 0,65 € !).


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09.01.2019 22:36
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#2780
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Verstehe ich das richtig, dass z.B. ein Angestellter, dessen Gehalt vollständig aus Steuergeldern bezahlt wird, nach dieser Mathematik ein Specker ist, der von den "Nettosteuerzahlern" ausgehalten werden muss, ganz unabhängig davon, was sein tatsächlicher Job ist .

rot Damals sagte man Nichtproduktive .


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10.01.2019 05:34
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#2781
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Was hätte der Sklave ohne den Sklaventreiber gemacht?
Richtig, nichts.


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10.01.2019 19:06
#2782
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Zitat von sentry im Beitrag #2777
[quote="Hackel39"|p698093]
Ok, hier geht es um die Basics gesamtgesellschaftlicher Zusammenhänge und persönliche Ansichten zu Vorzügen der Marktwirtschaft bzw. staatlich gelenkter Wirtschaft.
Während hier Grundsatzdiskussionen zugelassen sind, werde ich mich daran nicht beteiligen. Das führt zu nichts, außer zu..na ja, Ihr wisst alle, wo hin das führt.

Ich schau ab und zu mal rein und geb meinen Senf dazu, wenn mir etwas doof vorkommt oder interessant und ich mehr darüber wissen möchte.
Und 7 Mio. Nettoeinzahler vs. 37 Mio. indifferenter Rest passten zunächst in beide Kategorien, jetzt nur noch in die erste, denn es ist nach Lesen der Quelle für mich wirtschaftlich, mathematisch und auch argumentativ Unsinn.
Ganz offensichtlich sind für jede denkbare Gesellschaftsform Einnahmen nötig, um bestimmte notwendige Ausgaben realisieren zu können.Welche Leistungen der Staat übernehmen sollte und welche er der Marktwirtschaft überlassen sollte, kann man ja diskutieren. Aber den Wert eines Menschen für die Wertschöpfung oder die Gesellschaft im Allgemeinen daran festzumachen, ob er für den Staat eher auf der Einnahmen- oder der Ausgabenseite steht ist absurd und eine deutlich zu einseitige Betrachtungsweise.


Der Bauhof der Gemeinde ist ein durch und durch sozialistischer Betrieb, ebenso die Staatsbahnen und zu immer größeren Anteilen die aufgestockte Marktwirtschaft.
Die Schneefräse vom Bauhof sind ebenso Volkseigentum wie auch die Loks von DB Regio und gehören somit keiner Privatperson sondern dem Staat, kein Grund zur Aufregung. Die Gemeindearbeiter und Staatsbahner konkurrieren zwar pro forma mit GALA– Betrieben bzw. Privatbahnen, es wäre aber auch nicht schlimm, wenn es die Staatsbetriebe alles allein machen würden oder hat jemand vernommen, daß die Bahnen seit Abelio & Co. unter regulären Bedingungen Gewinne einfahren oder sich die Bahnschulden verringert haben ?
Würde es irgendjemanden ruinieren, wenn es die Commerzbank ab morgen nicht mehr geben würde und die Sparkassen und Genossenschaftsbanken alle aktuellen Finanzierungen übernehmen würden, dem Staat kann es doch egal sein wem er das gedruckte Papier zum Diskontzinssatz überläßt.
Die Kreditbedingungen, Konditionen und Sicherheiten bleiben doch gleich– einen Wettbewerb gibt es nicht, das merkt man spätestens wenn man Opfer des Kleingedruckten wird oder kein umschwärmter Neukunde mehr ist.
Die staatlich einst geretteten Geschäftsbanken sind eben für das Brot– und– Butter– Geschäft bestenfalls gleichwertig und nicht allein wegen der Eigentumsstruktur profitabler, jedenfalls nicht ohne Bilanztricksereien und Casinoaktivitäten warum haben wir die überhaupt noch?
Es sind eben doch diese grundsätzlichen Fragen, und vor allem die extrem verschärften Tendenzen zum Aufstockertum, die Tag für Tag meine Zweifel an der angeblichen Überlegenheit der angeblich sozialen Marktwirtschaft nähren.
Ohne Wachstum ist alles nix– das Ende des Kapitalismus, die letzten Zuckungen, befeuert durch Abwrackprämien, Rauchmelderzwang, Aufllagen zu Heizkesselmodernisierungen, Dieselverbot, GEZ, eben jegliche als Fortschritt getarnte Gängelei die primär zur Generierung von Steuern angelegt ist.
Mit einer Wertermittlung der einzelnen Produktivkraft oder eben Unproduktivkraft hat all das meinerseits übrigens nichts zu tun und auch nichts mit persönlichen Aktivitäten zur Konterrevolution.
Die kann ich unmöglich vom Führerstand aus lostreten.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
Aber die Vergangenheit soll ein Sprungbrett sein aber kein Sofa.


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04.08.2019 23:45 (zuletzt bearbeitet: 04.08.2019 23:47)
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#2783
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Gut oder schlecht, immer wieder diskutiert.
Man stößt oft auf gemauerte Meinungen nach dem Motto: Basta, das war so:
Doch auch in der DDR konnte man sich wehren. Ich will den Thread mal aufgreifen und schildern, wie ich 1979 zu einem Parteiverfahren kam, weil ich als Abteilungsleiter in einem VEB mich für die Werktätigen einsetzte und ein kritisches Schreiben einer Gewerkschaftsgruppe an den FDGB Bundesvorstand mit unterschrieb.
Das Schreiben liegt mir als Fotokopie vor, ist aber für das Einstellen hier im Forum ungeeignet, da kaum leserlich. Also mache ich mir die Arbeit und schreibe es ab. Es geht mir darum, sichtbar zu machen, dass man sich auch in der DDR gegen Ungerechtigkeiten wehren konnte, übrigens in diesem Falle mit Erfolg, es gab eine Lohnkorrektur, aber nur gruppen- und personengebunden und ich eben ein Parteiverfahren Das ging sehr glimpflich aus, weil keiner so recht mit der Materie vertraut war und heimlich wurde mir dann zugeflüstert: Du traust dich ja was!!!
Aber nun die Abschrift.:

Bundesvostand des FDGB
Kommission Arbeit und Löhne
102 Berlin
Fritz-Heckert-Str. 70
Kombinatsbetrieb im VEB Chemie-
Anlagenbaukombinat Leipzig/Grimma
Dresden, den 1.2.1979
Liebe Kollegen!
Wir möchten Sie bitten, uns eine Auskunft zu erteilen, da unsere Bemühungen zur Klärung unserer Probleme bisher erfolglos geblieben sind. Es geht um folgende Fragen:
In unserem Betrieb wurden 1978 die Grundlöhne eingeführt. Dieser an sich erfreuliche Umstand, der auch in unserem Kollektiv der Vervielfältigung (Foto, Druck, Vervielfältigung) sowohl zu einer beachtlichen Leistungssteigerung als auch zu differenzierter Anhebung der Nettolöhne führte, brachte auch eine Reihe von ungeklärter Fragen mit sich. Sicher ist es zunächst richtig, dass kein Werktätiger durch die Einführung der Grundlöhne schlechter gestellt werden darf, nettoverdienstbezogen betrachtet wird. Da unser Kollektiv (12 Arbeiterinnen) bisher aber Gehalt erhielt, ergibt sich bei uns durch die steuerlich Vergünstigung des Grundlohnes, dass wir zwar im Netto mehr verdienen, der Bruttoverdienst aber niedriger als zuvor liegt.
Ein Beispiel:
Eine Kollegin verdient vor Einführung des Grundlohnes im Jahresdurchschnitt
Brutto 675,-M Netto 502,- M
Jetzt verdient sie
Brutto 608,-M Netto 528,. M
Sie erhält tatsächlich 26,-M Netto durchschnittlich im Monat mehr.
Ihr Bruttoverdienst liegt aber jetzt durchschnittlich 87.-M niedriger. Das hat folgende nachteiligen Folgen für die Kolleginnen: ---Die Jahresendprämie bruttobezogen reduziert sich. In unserem Beispiel bedeutet das für die Bedingungen in unserem Betrieb, eine Reduzierung um ca. 80,-M
Die Möglichkeit über eine freiwillige Zusatzrentenversicherung für das Alter vorzusorgen, ist durch die Bruttoverdienstsenkung stark gemindert. Selbst wenn vom gestiegenen Nettoverdienst über eine Lebensversicherung oder ein Sparbuch eine Rücklage gebildet wird, können die sonstigen Vorteile einer freiwilligen FZR damit nicht ausgeglichen werden.
Auch die Rentenberechnung selbst wird nachteilig beeinflusst, wenn eine Kollegin mit ihrem durchschnittlichen Bruttoverdienst unter 800.-M gerät.
Ein zweites Problem, mit dem wir konfrontiert werden. Der Haushaltstag als bezahlte Freistellung für unsere Frauen war für uns immer eine selbstverständliche Errungenschaft, über die sich jede Frau gefreut hat, aber keine Gedanken gemacht hat. Jetzt tut uns jeder Haushaltstag und jeder gesetzliche Feiertag im Geldbeutel weh. Vor Einführung der Grundlöhne veränderte sich z.B im Dezember am Gehalts garnichts, obwohl 1 Haushaltstag und 2 Feiertage enthalten waren. Jetzt bedeutet jeder Feiertag und jeder Haushaltstag eine Nettoeinbuße von ca. 16.-M.
Das halten wir für eine Benachteiligung der Grundlöhner, insbesondere der weiblichen Grundlöhner, gegenüber allen anderen Werktätigen, die Gehalt erhalten. Ursache ist die Formulierung im Arbeitsgesetzbuch, das für solche Tage ein Ausgleich in Höhe des Tariflohnes und nicht in Höhe des Grundlohnes zu zahlen ist.
Ein drittes Problem, wir arbeiten alle nach Leistungsnormen und können auf eine kontinuierliche und gute Normerfüllung verweisen. Bezahlt werden wir aber nicht im Leistungslohn, sondern im Prämienzeitlohn, weil es in unserem Betrieb keine Leistungslöhner gibt, wir wären die einzigen. Das ist auch nicht das entscheidende Problem, sondern die sehr stark differenzierten Mehrlohnprämien zwischen den Betrieben des Kombinates.
Es besteht z.B. schon innerhalb des Betriebes Unterschiede zwischen Baustellen und anderen Betriebsteilen.
Z.B. Lohngruppe Baustelle Sonstige
4 -.50 -,40
5 -.60 -.45
6 -,65 -,46
7 -,85 -,48
8 1,00 -,50
Im Durchschnitt beträgt die Mehrlohnprämie auf den Baustellen 15-25 %des Grundlohnes. Für die sonstigen Mitarbeiter nur 11-15 %.
In unserem eigenen Kombinat werden im Stammbetrieb für Prämienzeitlohn z.B. als Mehrlohnprämie gezahlt:
LG 4 -,78 M, LG5 -,87 M, LG 6 -,95 M, LG7 -1,04 M, LG 8 1,12 M
Das entspricht einheitlich 28% auf den Grundlohn. Solche gravierende Unterschiede halten wir nicht gerechtfertigt. Nur weil ein Betrieb reich und ein anderer arm ist, ist das unbefriedigend erklärt. Die Grundlöhner in unserem Betrieb leisten keineswegs weniger als zum Beispiel die im Stammbetrieb, wieso dann verdienen wir bei uns in der LG 7 über 100 M weniger?.
Soweit jene Probleme, die uns bewegen. Wenn wir diesen ungewöhnlichen Weg einer Anfrage gehen, bitten wir dafür um Verständnis. Wir haben uns viel Mühe gegeben, um die Fragen bei uns zu klären, leider waren alle Antworten unbefriedigend.
Wir hoffen, dass wir auf diesem Wege und durch Ihre Antwort mehr Klarheit bekommen. Vielleicht dürfen wir noch bemerken, dass es uns in erster Linie nicht um mehr Lohn geht, das natürlich auch, zuerst geht es uns darum, dass unsere Leistungen auch gerecht bewertet werden, diesen Eindruck haben wir derzeit nicht.
Mit kollegialem Gruß
Xy YZ XZ
Abteilungs.-Ltr Gewerkschaftsvertrauensmann Gruppenleiter
Die Namen lasse ich weg, einen von den Unterzeichnern kenne ich sehr gut!
Der 39.


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23.11.2020 21:52
#2784
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Manchmal begegnen einem DDR- Nostalgiker in der kleinsten Hütte, genau genommen in einem Taxi, das an der Schweizer Grenze Lokführer hin und her fährt.
Als die Rede auf meine Herkunft kam, meinte der ehemalige DB- Schlafwagenschaffner (Wagen, dunkelblau mit TEN- Aufschrift), daß es wunderbare Zeiten waren als man noch beim Asiaten die DM 1:10 in Aludollar tauschen konnte und damit im Osten ein König war.
Es gastierte in 500 M teuren Hotels, besuchte mit dem Taxi (hatte nur Berlin- Visum) die Freundin in Rostock und lebte wie Gott in Frankreich, sobald er nicht mehr der Knecht der Schlafwagen- Fahrgäste war.
Er arbeitete sich übrigens vom Liegewagen- zum Schlafwagenschaffner hoch, was mehr Geld aber auch mehr Schikane bedeutete, da diese Kunden anspruchsvoller und hochnäsiger waren.
Vermutlich hätte der Bulgare mit seiner Taxifahrt als subversives Element gegolten, wenn ihn DDR- Behörden außerhalb von Berlin erwischt hätten.
Wer wäre da eigentlich zuständig gewesen, weiß das jemand ?
Sicher die VP oder eher Zoll, und was wäre dem passiert, wenn man ihn erwischt hätte ?
Was stand darauf, wenn man beim Asiaten solche Deals zu diesen Umtauschkursen gemacht hätte und erwischt worden wäre?
Ich denke mal, die hätten dann sogar in der Zeitung gestanden wegen Devisenvergehen, ich kann mich dunkel an diese Kurzmeldungen in der Tageszeitung noch erinnern.
Naja, es scheint ja alles gut gegangen zu sein, die Freundin in Rostock ist hoffentlich anderweitig Mama geworden, die Vietnamesen haben für ihr Schwarzgeld billigen Jeansstoff gekauft, Lewis- Aufnäher und Labels bei C& A geklaut und mit dem gefälschten Endprodukt ostdeutsche Yuppies beglückt.
Nun ja, der Taxifahrer ist wieder ein Knecht, so wie sein Fahrgast auch bloß und wenn sie nicht gestorben sind, so träumen sie bis heute von der guten alten Zeit.

Viele leben zu sehr in der Vergangenheit.
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23.11.2020 22:34 (zuletzt bearbeitet: 23.11.2020 22:35)
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#2785
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Ostalgische Spinnereien, genießt einfach euer erfolgreiches Leben, auch ohne FDJ.


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24.11.2020 06:23 (zuletzt bearbeitet: 24.11.2020 06:35)
#2786
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Zitat von Hanum83 im Beitrag #2785
Ostalgische Spinnereien, genießt einfach euer erfolgreiches Leben, auch ohne FDJ.


Ich schrieb aus der exotischen Perspektive des bulgarischen Schlafwagenschaffners, der die DDR als sein Königreich wahr nahm.
Ich war niemals König, nur FDJ- Sekretär, leider.

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24.11.2020 08:05 (zuletzt bearbeitet: 24.11.2020 08:12)
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#2787
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Ich meinte, wenn es einem heute gut geht im Kapitalismus, muss man eigentlich nicht der DDR hinterherheulen.
Gut, der bulgarische Schlafwagenschaffner hat da eventuell eine andere Sicht.
Die Ideale waren anders, aber weit her war es mit denen wohl auch nicht, siehe das DDR-Knarren-Thema.


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24.11.2020 08:43
#2788
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Der Adler hat nun mal seine Flügel verloren und das hat nichts mit Corona zu tun.
Ich sehe Jahrzehnte alte Bahnbaustellen auf denen Geschäftstätigkeit scheinbar nur vorgetäuscht wird und somit nie fertig werden und erinnere mich dabei voller Wehmut an unsere früheren Einsätze bei der Streckenelektrifizierung, wo Tag und Nacht gebaut wurde mit mobiler (wandernder) Baustelle...das würden aktuelle Bahnstrukturen gar nicht mehr zulassen.
Da war selbst das zentrale FDJ- Jugendobjekt professioneller organisiert und durchgezogen worden als z. B. die langjährigen Baumaßnahmen auf dem Bonner oder Halleschen Hauptbahnhof.
Dafür gibt es keine Entschuldigung und das hat auch nichts mit Nostalgie und Klassenkampf zu tun, da sind Nieten am Werk und die kommen aus der Politik.
Die Ursachen kann man so zusammenfassen, daß unwissende Politiker sich dort haben hinein manövrieren lassen wo wir jetzt sind.
Die Treiber waren kleingeistige Wutbürger, unterbeschäftigte Advokaten, Hobbyeisenbahner mit unrealisierbaren Visionen, blödsinnige Bundesländerkompetenzen bezüglich des Bahnbetriebs und deren Infrastruktur und tausend andere Kennzeichen einer stillstandsorientierten Verwalterrepublik wo jeder nur seinen fetten Posten streßfrei bis zur Rente ausleben möchte.
Aber auch anderswo, z. B. bei Baufinanzierungen fließt mehr Sand ins Getriebe als durchs Sandrohr vom Eisenbahnrad beim Anstieg auf der Frankenrampe.
Überall lauert man sich gegenseitig auf, keiner geht voran alles kuscht und bibbert hinterm Schreibtisch weil denen eines fehlt und das ist Praxis.
Unter solchen Bedingungen (der unfaßbar vollen Kassen) so eine Starre und Verschwendung herbeizuführen ist nobelpreisverdächtig!

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24.11.2020 09:33
#2789
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Eine DDR, ohne SED und MfS, mit freier Marktwirtschaft könnte mir zusagen.


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24.11.2020 09:47
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#2790
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Dann wär es aber nicht die DDR, da muss man schon das volle Programm nehmen.


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