Mein Gott, Walter....

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24.08.2016 22:44
#16
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Ob der hier thematisierte Walter auch Weggefährten hatte, die ähnlich über ihn dachten ?
Klar kommt er aus einer ganz anderen Welt aber es ist kaum bekannt, wie einstige Kritiker und Freunde seine Entwicklung aus der Ferne interpretiert hatten.
Ich hätte ihn damals mit ähnlichen Worten fragen wollen, wie es der Godfather of brit pop Ray Davies seinem Ex- Mitstreiter 1968 in einem wenig bekannten Werk künstlerisch zum Ausdruck gebracht hat, eben ob er noch an seine Ideale glaubt oder doch eher nur noch unbeirrt verwaltet und keine Inspirationen mehr hat.
Hat ein Politiker allgemein nicht auch das Recht, zum Spießer zu werden und müssen überhaupt immer nur die Alten regieren ?
Wie schön, daß es solche Textübersetzungen gibt und wir alle so hin und wieder den Spiegel vor die Nase gehalten bekommen.



Do You Remember Walter? Übersetzung

Walter, erinnerst du dich an die Zeit, als die ganze Welt für uns noch neu war
und alle Mädels deinen Namen kannten?
Walter, ist es nicht eine Schande, wie sich unsere kleine Welt seitdem verändert hat?
Denkst du noch manchmal daran, wie wir bei Wind und Wetter Kricket spielten...?
Und erinnerst du dich, wie wir heimlich geraucht haben hinter eurem Gartentor?
Jawohl... Walter war mein bester Kumpel...
aber Walter, alter Freund, was ist wohl aus dir geworden?

Walter, ist es nicht eine Schande, wie sich unsere kleine Welt verändert hat?
Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir gegen die ganze Welt um unsere Freiheit kämpfen wollten?
Unser gesamtes Geld wollten wir sparen, ein Boot davon kaufen, und die Welt umsegeln!
Es hat nicht sollen sein...
Damals kannte ich dich so gut – aber was weiß ich eigentlich heute noch von dir?

Walter, du bist nur noch der Nachhall einer Welt, die mir vor langer Zeit einmal vertraut war.
Wenn wir uns heute träfen, wüsstest du sicher nicht einmal mehr meinen Namen!
Ich wette, du bist verheiratet, hast Fett angesetzt, und liegst spätestens um halb neun zu hause in deinem Bett.
Und wenn ich mit dir über die alten Zeiten reden wollte, würde es dich langweilen und du hättest mir nichts mehr zu sagen.

Tja... oft verändern sich die Menschen - aber wenigstens die Erinnerungen an sie können wir uns erhalten!

zur Originalversion von "Do You Remember Walter?"


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24.08.2016 23:01 (zuletzt bearbeitet: 24.08.2016 23:03)
#17
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Ideale?
Es geht doch um Walter Ulbricht, oder?
Der war schon in Moskau Stalinist und wurde deswegen nicht abgeholt im Hotel Lux.

Karrierist wie Stalin selbst, oder?

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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24.08.2016 23:38 (zuletzt bearbeitet: 25.08.2016 08:49)
#18
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #17
Ideale?
Es geht doch um Walter Ulbricht, oder?
Der war schon in Moskau Stalinist und wurde deswegen nicht abgeholt im Hotel Lux.

Karrierist wie Stalin selbst, oder?


Das scheint mir zu einfach,zumal ich diese Epoche nur aus den Geschichtsbüchern kannte und die dann auch noch in wilder Abfolge die Perspektiven wechselten.
Man kann solche Entwicklungen nicht damit abtun, daß nur einer verantwortlich für das finale Scheitern gewesen sein soll, auch Ulbricht hat Weichen gestellt, aber der Prellbock kam erst bei Honecker.
Für einen anderen Weg hätte es unzählige Fahrstraßen gegeben, aber daß plötzlich eine Schutzwand notwendig wurde, sahen damals auch im Westen verschiedene Politiker in der Nachbetrachtung ein.
Die Russen waren nur die Eskorte für den Werttransport, dafür und für alles was davor lief hatte die DDR halt bezahlen müssen und das fehlte dann anderswo.
Diese Zwänge und daraus folgenden Mängel kann man keiner Einzelperson anlasten, die Mauer war Notwehr aus der damaligen Perspektive der Machthaber - Stalinist hin oder her.
Keinesfalls würde ich Ulbricht absprechen wollen, daß er jemals Ideale hatte und alles nur eine voraus berechnete Karrierebiografie war, was möglicherweise später daraus geworden ist als er merkte, daß sein Volk nicht komplett mit zog darüber gibt es massenhaft Diskussionsbedarf.


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25.08.2016 00:16 (zuletzt bearbeitet: 25.08.2016 00:20)
#19
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Gegenteiliges habe ich nicht behauptet.
Es ging darum, ob Ulbricht in seiner Parteilaufbahn Ideale verfolgte.
Mein Fazit: Schon vor 1945 war er alles andere als ein Idealist, so wie dieser Ray Davies es gewesen sein soll.

(der mir übrigens unbekannt ist.
Gottvater? Da fallen mir John Mayall und Eric Clapton ein. Aber das ist off topic)

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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25.08.2016 08:08 (zuletzt bearbeitet: 26.08.2016 09:34)
#20
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #19
Gegenteiliges habe ich nicht behauptet.
Es ging darum, ob Ulbricht in seiner Parteilaufbahn Ideale verfolgte.
Mein Fazit: Schon vor 1945 war er alles andere als ein Idealist, so wie dieser Ray Davies es gewesen sein soll.

(der mir übrigens unbekannt ist.
Gottvater? Da fallen mir John Mayall und Eric Clapton ein. Aber das ist off topic)


Ray Davies war der Sänger der Kinks ("Lola") und das mit diesen bei Ulbricht so verhaßten Rockstars ist auch so eine Geschichte die zur Erstellung eines Psychogramms dieser Parteifunktionäre beitragen könnte.
Ob die eine Ahnung hatten, daß deren Songs (z. B. CCR "Fortunate Son" u.v.a.) auch extrem kritisch das Kriegstreiben ihrer Heimatländer begleitet haben und daß dieses "Yeah- Yeah- Yeah" im Prinzip oft das gleiche war, was die Kommunisten auch bloß wollten, nämlich Frieden.
Statt dessen grenzte man sie aus, verspottete deren Fans anstatt alle verfügbaren Kräfte zur Sicherung dieses wichtigsten Themas der Weltgeschichte, dem Weltfrieden zu bündeln.
War es Borniertheit, Angst oder Duckmäusertum dem großen Bruder gegenüber ?
Das Franchise- Unternehmen "DDR- Sozialismus" unter der Schutzmacht Sowjetunion hatte bis zu einem gewissen Grade auch eigene Wege zugelassen, die Ulbricht ja auch versucht hat zu gehen, nur daß eben große Teile der Bevölkerung nicht die Grenzen dieser kleinen Freiheiten geachtet haben, sondern im Geiste des Kapitals ihre Schiebergeschäfte und Störmanöver trotz erkennbarer Fortschritte beibehalten haben, so daß man seitens der DDR- Regierung reagieren mußte.
Es waren einfach zu viele, die keine Geduld hatten und den Preis des Fortschritts im gedopten Nachbarland nicht erkennen konnten.


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25.08.2016 14:32 (zuletzt bearbeitet: 25.08.2016 14:41)
#21
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Dạ gehe ich weit mit, bis auf die Einschätzung von Lockerungen. M. E. untaugliche Manöver, um Dampf aus dem Kessel zu lassen.
Honecker ging ja anfangs noch weiter, ohne echte Reformen zu wagen.
Kein Grund, deswegen begeistert zu sein. Das "Tauwetter" war ja schnell wieder vorbei, weil die Genossen Nachteile für ihre Herrschaft befürchteten.
Einen Vertrauensvorschuss hatten die bereits 1953 verloren. Da hätten Ergebnisse hergemusst, wenigstens "Einholen" des Westens.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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25.08.2016 17:18 (zuletzt bearbeitet: 25.08.2016 17:23)
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#22
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #21
Da hätten Ergebnisse hergemusst, wenigstens "Einholen" des Westens.


Und das war volkswirtschaftlich schlicht für den COMECON nicht möglich, Gründe:

1. Aus Paranoia, Traum der Weltrevolution oder berechtigter Angst fühlten sich die UdSSR genötigt mit ihren Vasallen eine ebenso starke Militärmacht zu sein wie die NATO, plus der Notwendigkeiten in Zentralasien und am Pazifik, China, Japan...

2. Dazu aber gegenüber der NATO nur 1/3 an Industriebevölkerung und keine "Kolonien" wie Kongo oder arabische Ölstaaten.

3. Rohstoffe im Gesamgebiet technologisch deutlich teurer zu gewinnen und die Bergleute deutlich besser bezahlt als z.B. Kupfer-Kumpel in Peru, Teekolchosen in Grusinen arbeiten auch unter besseren Sozialbedingungen als in Darjeeling oder für Kenia-Kaffee, Zitrusfrüchte südlich des Kaukasus wurden auch mit höheren Reallöhnen gepflückt als Bananen in Mittelamerika.

4. Ernorme Lasten aus dem Wiederaufbau in der Ukraine und Weißrussland.

Praktisch, wie sah 1970 oder 1980 die Lebensqualität der Mansfelder Kupferbergleute aus, inkl. Polykliniken, Schulen für die Kinder, Wohnungen, Arbeitsschutz gegenüber Katanga-Bergbau oder Peru-Kupferminen. Und die Ergibigkeit der Lagerstätten, Mansfeld vs Peru, Arbeitsaufwand je Tonne? Saudi-Öl vs Öl vom Polarkreis?


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25.08.2016 19:06 (zuletzt bearbeitet: 25.08.2016 19:08)
#23
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Und unter diesen Umständen sprach Ulbricht bekanntlich vom "Überholen ohne einzuholen".

Soviel zur undankbaren DDR-Bevölkerung, die das "Schieben" nicht sein ließ. Auf diese Bemerkung von Hackel bezog sich mein Beitrag.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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25.08.2016 20:01
avatar  Lutze
#24
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Meiner Meinung war Ulbricht schön blöd gewesen,diesen Mauersatz von sich
gegeben zu haben,da wurden doch erst recht viele DDR-Bürger hellhörig
geworden,und haben schnell noch ihre Sachen gepackt und weg
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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26.08.2016 08:13
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#25
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Lotte Ulbricht himmelte und bewunderte mit dem Ausspruch " Mein Gott, Walter....." ihren Ehemann ! So ist es überliefert.........


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26.08.2016 10:32 (zuletzt bearbeitet: 26.08.2016 10:33)
#26
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Zitat von Lutze im Beitrag #24
Meiner Meinung war Ulbricht schön blöd gewesen,diesen Mauersatz von sich
gegeben zu haben,da wurden doch erst recht viele DDR-Bürger hellhörig
geworden,und haben schnell noch ihre Sachen gepackt und weg
Lutze


Wenn Du Dir mal den gesamten Zusammenhang zu Gemüte führst, wie sich Ulbricht zu diesem Ausspruch veranlasst sah, wirst Du ganz schnell merken,. daß damit nicht die einige Monate später tatsächlich entstandene Mauer gemeint war. Das ist ein typischen Beispiel, wie gestern und heute und wohl auch morgen Halbsätze von Politikern aus dem Zusammenhang gerissen werden, um damit eine Gegenpropaganda zu betreiben und der blöde Michel glaubt´s auch.


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26.08.2016 11:23
#27
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Zitat von Lutze im Beitrag #24
Meiner Meinung war Ulbricht schön blöd gewesen,diesen Mauersatz von sich
gegeben zu haben,da wurden doch erst recht viele DDR-Bürger hellhörig
geworden,und haben schnell noch ihre Sachen gepackt und weg
Lutze


Ja Lutze, das gehört ebend dazu. Bei deutschen Politiker,ob damals wie heute--solche blöden Sätze von sich zu geben. Hör doch nur hin--diese Merkel mit ihren blöden Satz,--Wir schaffen das-- und was macht man aus Deutschland? Ja nun wird das deutsche Volk hellhörig.


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