Neues Mitglied (Nostalgiker)

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12.05.2011 18:29
#1
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Hallo,

wie an jeder ordentlichen Grenze wird auch hier kontrolliert.

Kurz mein "Werdegang".

Geboren 1950 in Sachsen-Anhalt, später verzogen in den Bezirk Leipzig. 1957 mit 7 Jahren eingeschult. Schulzeit: 10 Jahre.
Auf Grund der sozialen Herkunft kein Besuch der EOS möglich.
Berufsausbildung mit Abitur bis 1970.
Verpflichtung zu 3 Jahren NVA. Bei der Wiederholungsmusterung im Frühjahr 1970 Ausmusterung auf Lebenszeit.
Studium bis 1974, Diplomabschluß.
1971 Aufnahme in die SED, im Frühjahr 1982 Parteiausschlußverfahren mit Streichung der Mitgliedschaft.
Danach Entlassung aus dem Arbeitsrechtsverhältnis und mehrmonatige "Arbeitslosigkeit".
Überlegungen einen Ausreiseantrag zu stellen verworfen, trotz Einholung von Informationen über notwendige Schritte.
Nach Wiederaufnahme einer Tätigkeit bis Frühjahr 1990 in verschiedenen Leitungspositionen tätig. Die letzten Jahre Fachbereichsleiter eines Fachbereichs in einem großen Kombinat.
1988 Ablehnung der Delegierung zu einem Zusatzfernstudiums (EDV) durch meinen unmittelbaren Vorgesetzten. [Zulassung wäre für den Betrieb und nicht für mich!]
Ab 1990 DV Ausbildung an einem BRD Institut.
Danach, bis jetzt, in den verschiedensten Bereichen des IT-Consultings tätig.

Auf dieses Forum bin ich durch Zufall gestoßen und ich lese seit einigen Monaten mehr oder minder regelmäßig hier mit.
Den Gedanke mich hier "Aktiv" einzubringen hatte ich schon öfters, aktuellerer Anlass es nun doch zu machen ist ein bestimmter Diskussionsthread.

Gruß
Nostalkiker


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12.05.2011 18:34
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#2
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Hallo Nostalgiker,

willkommen bei uns und viel Spaß beim lesen und schreiben.Deine Vorstellung lässt auf ein breites Wissen schließen.Davon lebt das Forum.


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12.05.2011 18:37
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#3
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Erst mal willkommen im "Club" und viel Spass beim Lesen und Schreiben. Ich glaube hier wird es nicht langweilig.

Und da fällt mir in deiner Vorstellung gleich etwas auf :
Zitat neues Mitglied Nostalgiker :1971 Aufnahme in die SED, im Frühjahr 1982 Parteiausschlußverfahren mit Streichung der Mitgliedschaft.Danach Entlassung aus dem Arbeitsrechtsverhältnis und mehrmonatige "Arbeitslosigkeit".

Also da bin ich ja total überrascht. Ich dachte in der früheren DDR hätte es keine Entlassungen aus politischen Gründen und Berufsverbote gegeben, so habe ich es immer von verschieden Leuten gehört. Ich war der Meinung, dass es nur in der Bundesrepublik Berufsverbote gibt. Wieder etwas dazu gelernt.

Gruß aus dem Rheinland


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12.05.2011 19:04
avatar  Pit 59
#4
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Sei gegrüßt Nostalgiker und viel Spass im Forum.jetzt grübeln aber erst mal einige,aber ich bin mir sicher Sie werden was finden.


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12.05.2011 19:26
#5
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Hallo und willkommen Nostalgiker,
deine Biografie klingt ja wirklich interessant.

Gert, wo schrieb er,daß er aus politischen Gründen entlassen wurde? Ein Parteiausschluß muß nicht automatisch einen politischen Hintergrund gehabt haben.
gruß mannomann


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12.05.2011 19:32
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#6
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( gelöscht )

Hallo Nostalgiker,

deine Vorstellung macht neugierig auf mehr.
Scheinst ja auch so einiges (untypische?) im Arbeiter und Bauernstaat erlebt zuhaben.
Na dann viel Spaß hier und bring deine Erfahrungen und Erlebnisse ein.

Gruß ek40


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12.05.2011 19:35
#7
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Hallo Gerd,

Zitat von Gerd
Also da bin ich ja total überrascht. Ich dachte in der früheren DDR hätte es keine Entlassungen aus politischen Gründen und Berufsverbote gegeben, so habe ich es immer von verschieden Leuten gehört. Ich war der Meinung, dass es nur in der Bundesrepublik Berufsverbote gibt. Wieder etwas dazu gelernt.



So einfach ist das nun wirklich nicht. Natürlich bin nicht aus "politischen" Gründen entlassen worden.
Nach dem Parteiausschlußverfahren wurde von Seitens der staatlichen Vorgesetzten festgestellt das ich den Anforderungen meines Arbeitsplatzes nicht genüge. Die Gründe für den Partei-Ausschluß waren eine "Verfehlung" meinerseits welche mir zum Stolperstein wurde.
Da diese "Verfehlung" eine Verurteilung auf Bewährung nach sich zog ( 3 Jahre Bewährung unter Androhung von 14 Monaten Haft) war ich als SED Mitglied nicht mehr tragbar. Der Ausschluß war übrigens vor dem Gerichtsverfahren, denn ein SED Mitglied "darf" nicht vor Gericht stehen.
Nach der Streichung meiner Mitgliedschaft und dem Gerichtsverfahren wurde meine Arbeit kritisch bewertet und es wurde festgestellt das ich a) nicht die zu Erwartende Leistung erbringe und b) bedauerlicherweise keine andere Stelle in der Firma frei ist.
Um dem Arbeitsrecht genüge zu tun wurden mir 3 Stellen zugewiesen. Alle drei Stellen lehnten natürlich ab jemanden Einzustellen der sich in aktiver Bewährung befand. Ein weiterer Fehltritt meinerseits und ab für 14 Monate.....
So wurde ich völlig fristgerecht entlassen.

Der Besuch beim Arbeitsamt (gab es auch in der DDR) brachte mir die Erkenntnis das ich keine Arbeit unter meiner Qualifikation aufnehmen darf, bzw. das Amt einer solchen nicht zustimmen wird.
[Einschub - diejenigen die ein sogenannte Berufsverbot erhielten wurden zumeist zur Bewährung in der sozialistischen Produktion verdonnert (verurteilt) oder suchten sich gleich "Nischenjobs" im Umfeld der Kirche]
Ich hatte mich regelmäßig, einmal im Monat bei dem Richter zu melden welcher mich verurteilte. Als ich mich bei ihm beklagte das ich keine neue Arbeit finde, bekam ich sinngemäß zur Antwort 'das hätten sie sich vor begehen der Straftat überlegen müssen'.

Da ich Rücklagen hatte rutschte ich nicht sofort in die Falle "asoziales Verhalten" durch "Nichtarbeit" was eine Verletzung der Bewährungsauflagen bedeutet hätte.

Bis zur fristgerechten Entlassung verbrachte ich wohl noch drei Monate Däumchen drehend in der Firma. Das besondere an der Situation war das sehr schnell ein Nachfolger für mich gefunden wurde. Per Weisung wurde ich aufgefordert ihn in das Arbeitsgebiet einzuarbeiten.
Mit der Weisung in der einen und der Kündigung in der anderen Hand bin ich zum Chef und habe gefragt wie das wohl zusammenpasst, gekündigt wegen "Blödheit" die Arbeitsaufgaben zu erfüllen aber den Nachfolger Einarbeiten das darf ich?
Ich weigerte mich einfach und habe diese Verweigerung auch konsequent durchgezogen.
Welche Disziplinarmaßnahme wollten sie denn noch anwenden?

Zu meinem Glück fand ich nach einigen Monaten zittern und zagen eine Anstellung. Dem dortigen Direktor war es ziemlich schnuppe was mit mir war, er brauchte qualifizierte Leute und ich war Einer.

Übrigens hat im Vorfeld des Gerichtsverfahren die hier im Forum so beliebte Einrichtung MfS in Form eines netten Mitarbeiters zu mir Kontakt aufgenommen.
Ich arbeitete damals in einem Außenhandelsbetrieb und sie wollten in einer besonders für sie interessanten Abteilung einen Fuß in die Tür bekommen; denke ich Heute.
Also wurde mir Angeboten wenn ich einer Zusammenarbeit zustimme würde dafür gesorgt das ich erstens in diesen Bereich versetzt werde und zweitens wird veranlasst das meine begonnenes Verfahren (staatlich und parteilich) sofort gestoppt werden. So als wäre nie etwas gewesen. Ich hatte da so meine persönlichen Zweifel und lehnte sofort ohne groß über eventuelle Konsequenzen nachzudenken dieses Ansinnen ab.
Es war auch nicht der erste Anwerbungsversuch. Einmal im Studium, das zweitemal in der ersten Anstellung als Absolvent. Dies war der dritte Werbeversuch.

Danach wurde ich weitgehendst in Ruhe gelassen, außer das in der Wohnung unter mir ein "Mitarbeiter" wohnte welcher mich penetrant beim ABV anschwärzte. Nachdem er auszog wurde diese Wohnung zu so einer "konspirativen Wohnung".
Das konnte ich schwarz auf weiß 1990 in der Zeitung nachlesen nachdem die Liste der konspirativen Wohnungen in Berlin veröffentlicht wurde.

Meine Erfahrung daraus: auch mit Vorstrafe, Bewährung und Parteiausschluß konnte ich wieder Fuß fassen.

Ein Verlassen des Landes auf Grund dieser Vorkommnisse, wozu? Außerdem hatte ich noch Familie und da ich aus Erfahrung, nicht eigenen, von Freunden weiß schlug sowas sehr unangenehm auf die Familienmitglieder durch.

Das als nicht umfassende Antwort auf Deine Bemerkung.

Gruß
Nostalgiker


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12.05.2011 19:41
#8
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in bewußter Firma (da wo ich rausflog) war ich bis zum Zeitpunkt des Verfahrens stellvertretender Gewerkschaftsvorsitzender vom Betrieb und ebenfalls stellv. BPO Vorsitzender.
Hieß das so? Hab' ich echt vergessen.
Hatte ich erwähnt das ich trotz Ausmusterung ganz, ganz freiwillig in der Kampfgruppe des Betriebes war?


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12.05.2011 20:01
avatar  Backe
#9
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Zitat von Nostalgiker
Hallo Gerd,

Zitat von Gerd
Also da bin ich ja total überrascht. Ich dachte in der früheren DDR hätte es keine Entlassungen aus politischen Gründen und Berufsverbote gegeben, so habe ich es immer von verschieden Leuten gehört. Ich war der Meinung, dass es nur in der Bundesrepublik Berufsverbote gibt. Wieder etwas dazu gelernt.



So einfach ist das nun wirklich nicht. Natürlich bin nicht aus "politischen" Gründen entlassen worden.
Nach dem Parteiausschlußverfahren wurde von Seitens der staatlichen Vorgesetzten festgestellt das ich den Anforderungen meines Arbeitsplatzes nicht genüge. Die Gründe für den Partei-Ausschluß waren eine "Verfehlung" meinerseits welche mir zum Stolperstein wurde.
Da diese "Verfehlung" eine Verurteilung auf Bewährung nach sich zog ( 3 Jahre Bewährung unter Androhung von 14 Monaten Haft) war ich als SED Mitglied nicht mehr tragbar. Der Ausschluß war übrigens vor dem Gerichtsverfahren, denn ein SED Mitglied "darf" nicht vor Gericht stehen.
Nach der Streichung meiner Mitgliedschaft und dem Gerichtsverfahren wurde meine Arbeit kritisch bewertet und es wurde festgestellt das ich a) nicht die zu Erwartende Leistung erbringe und b) bedauerlicherweise keine andere Stelle in der Firma frei ist.
Um dem Arbeitsrecht genüge zu tun wurden mir 3 Stellen zugewiesen. Alle drei Stellen lehnten natürlich ab jemanden Einzustellen der sich in aktiver Bewährung befand. Ein weiterer Fehltritt meinerseits und ab für 14 Monate.....
So wurde ich völlig fristgerecht entlassen.

Der Besuch beim Arbeitsamt (gab es auch in der DDR) brachte mir die Erkenntnis das ich keine Arbeit unter meiner Qualifikation aufnehmen darf, bzw. das Amt einer solchen nicht zustimmen wird.
[Einschub - diejenigen die ein sogenannte Berufsverbot erhielten wurden zumeist zur Bewährung in der sozialistischen Produktion verdonnert (verurteilt) oder suchten sich gleich "Nischenjobs" im Umfeld der Kirche]
Ich hatte mich regelmäßig, einmal im Monat bei dem Richter zu melden welcher mich verurteilte. Als ich mich bei ihm beklagte das ich keine neue Arbeit finde, bekam ich sinngemäß zur Antwort 'das hätten sie sich vor begehen der Straftat überlegen müssen'.

Da ich Rücklagen hatte rutschte ich nicht sofort in die Falle "asoziales Verhalten" durch "Nichtarbeit" was eine Verletzung der Bewährungsauflagen bedeutet hätte.

Bis zur fristgerechten Entlassung verbrachte ich wohl noch drei Monate Däumchen drehend in der Firma. Das besondere an der Situation war das sehr schnell ein Nachfolger für mich gefunden wurde. Per Weisung wurde ich aufgefordert ihn in das Arbeitsgebiet einzuarbeiten.
Mit der Weisung in der einen und der Kündigung in der anderen Hand bin ich zum Chef und habe gefragt wie das wohl zusammenpasst, gekündigt wegen "Blödheit" die Arbeitsaufgaben zu erfüllen aber den Nachfolger Einarbeiten das darf ich?
Ich weigerte mich einfach und habe diese Verweigerung auch konsequent durchgezogen.
Welche Disziplinarmaßnahme wollten sie denn noch anwenden?

Zu meinem Glück fand ich nach einigen Monaten zittern und zagen eine Anstellung. Dem dortigen Direktor war es ziemlich schnuppe was mit mir war, er brauchte qualifizierte Leute und ich war Einer.

Übrigens hat im Vorfeld des Gerichtsverfahren die hier im Forum so beliebte Einrichtung MfS in Form eines netten Mitarbeiters zu mir Kontakt aufgenommen.
Ich arbeitete damals in einem Außenhandelsbetrieb und sie wollten in einer besonders für sie interessanten Abteilung einen Fuß in die Tür bekommen; denke ich Heute.
Also wurde mir Angeboten wenn ich einer Zusammenarbeit zustimme würde dafür gesorgt das ich erstens in diesen Bereich versetzt werde und zweitens wird veranlasst das meine begonnenes Verfahren (staatlich und parteilich) sofort gestoppt werden. So als wäre nie etwas gewesen. Ich hatte da so meine persönlichen Zweifel und lehnte sofort ohne groß über eventuelle Konsequenzen nachzudenken dieses Ansinnen ab.Es war auch nicht der erste Anwerbungsversuch. Einmal im Studium, das zweitemal in der ersten Anstellung als Absolvent. Dies war der dritte Werbeversuch.

Danach wurde ich weitgehendst in Ruhe gelassen, außer das in der Wohnung unter mir ein "Mitarbeiter" wohnte welcher mich penetrant beim ABV anschwärzte. Nachdem er auszog wurde diese Wohnung zu so einer "konspirativen Wohnung".
Das konnte ich schwarz auf weiß 1990 in der Zeitung nachlesen nachdem die Liste der konspirativen Wohnungen in Berlin veröffentlicht wurde.

Meine Erfahrung daraus: auch mit Vorstrafe, Bewährung und Parteiausschluß konnte ich wieder Fuß fassen.

Ein Verlassen des Landes auf Grund dieser Vorkommnisse, wozu? Außerdem hatte ich noch Familie und da ich aus Erfahrung, nicht eigenen, von Freunden weiß schlug sowas sehr unangenehm auf die Familienmitglieder durch.

Das als nicht umfassende Antwort auf Deine Bemerkung.

Gruß
Nostalgiker



So etwas wurde als Wiedergutmachung an der Gesellschaft bezeichnet.Hab ich hier gelernt.
VG


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12.05.2011 20:06
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#10
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( gelöscht )

Nun ja so eine Verurteilung wird wohl in jedem Land einen Karriereknick verursachen können, bei Dir war sie zudem Grund für einen interessanten Lebenslauf. Deine Texte lesen sich angenehm sachlich und daher gilt Dir schon jetzt meine Anerkennung dafür. Die Texte von anderen hier sprühen da schon wegen viel weniger vor Hass und bei diesen wäre der alleinge Schuldige schon längst gefunden. Auch das diensteifrig und eilig von @Gert angebotene Stöckchen hätten diese sofort dankbar aufgenommen.Trotz Deiner Erklärung der Ursache und Deiner Sachlichkeit, und ich hoffe diese bleibt Dir hier erhalten, denke ich, Du hättest gern auf diese Erfahrungen verzichtet, auch wenn Du sicher Deine Aktien an der Sache hattest.

In diesem Sinne freue ich mich über einen scheinbar durchaus sachliches und qualifiziertes neues Mitglied hier im Forum.


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12.05.2011 20:26
avatar  VNRut
#11
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Hallo Nostalkiker,

herzlich Willkommen und viel Spaß im Forum

Grüße aus der Magdeburger Börde

Wolfram VN_Rut


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12.05.2011 20:52
#12
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Ok, dann werde ich mal die Hosen runterlassen......

Die "Verfehlung" welche zur Verurteilung führte lag im staatlichem Finanzwesen begründet.
Bei der Sparkasse gab es keinerlei Kredite, man konnte nur über sein Gehalt verfügen und/oder auf Sparrücklagen zurückgreifen.
Barkredit, unmöglich.
Ich mußte was bezahlen und dusslig wie ich war hob ich kein Geld vom Sparbuch ab sondern stellte einen Scheck aus und löste den ein.
Ein zweites Mal wurde innerhalb des laufenden Monats ebenfalls mit einem ungedecktem Scheck bezahlt (waren wohl 7 Mark.....)

Im Nachhinein erfuhr ich von einer Freundin deren Mutter mit einer Richterin befreundet war und sie ihr meinen Fall erzählte das zu dieser Zeit "Kontoüberziehungen" von einem Großteil der Bevölkerung getätigt wurden.
Statt zentrale Regularien über die Geld- und Privatkreditwirtschaft zu finden wurde die "wir erziehen mal die Bevölkerung" Bestrafungskeule ausgepackt.
In meinem Falle hieß das Scheckbetrug im Wiederholungsfall! Die Summe war längst wieder ausgeglichen, es galt nur die Tat und die war höchst verwerflich.
In jeder Strafsache ist es Auslegungssache des Richters den zutreffenden Paragraphen bis zur Neige auszuschöpfen.
Als meine "Sache" aktuell war wurde gerade bis zu Neige ausgeschöpft.
Soweit ich mich erinnere sagte bewusste befreundete Richterin das zu "normalen" Zeiten solch ein Fall, wenn überhaupt, vor der betrieblichen Konfliktkommission gelandet wäre.
Vergessen habe ich auch das zur Bewährung, Androhung der Haft auch noch eine ziemliche hohe Geldstrafe dazu kam welche weit über dem "Schaden" welcher der Volkswirtschaft entstand lag.

Was Heute selbstverständlich ist und durch Dispokredite sogar noch gefördert wird, nämlich kurzfristig sein Konto zu überziehen galt damals in der DDR je nach Auslegung und Verfolgungsgrad als Straftat.

Im Prinzip wußte ich schon was ich tat, wurde ich doch ein paar Jahre vorher wegen eines Minus von 7 Pfennigen auf meinem Konto von der Schalterbeamtin in einer wohlgefüllten Schalterhalle der Sparkasse lautstark zur Schnecke gemacht.
Eine Fehlbuchung auf meinem Konto Monate später, ein Minus von 30.000 Mark, wurde dagegen lapidar mit "das kann ja mal passieren" abgetan.

Was ist Systemimmanent, was ist schlicht menschliches Fehlverhalten?

Was wäre mir passiert wenn auch noch herausgekommen wäre wofür ich das Geld so dringend brauchte?
Dafür habe ich unter anderem Literatur gekauft um meinen "geistigen Wohlstand" aufzubessern.

Ich möchte das im Nachhinein nicht überbewerten oder mich als unschuldiges Opfer darstellen.
Keiner lebt im Luftleeren und vor allem rechtsfreien Raum.

Nur weil die DDR als Unrechtsstaat verunglimpft wird herrschte dort auf weiten Strecken durchaus eine staatliche Gesetzlichkeit. das dies hier nicht jedem gefällt ist mir bewußt und ich kann es auch nicht ändern.
Übrigens wurden Urteile und Gesetze des Dritten Reiches meines Wissens von der offiziellen Geschichtsklittung a la Knabe nie als ein Verbrechen im Sinne eines Rechtsstaates angesehen. Da wurde damals eben nach gültigem Recht Recht gesprochen und gut ist es.
Nur merke, wenn zwei das Selbe tun ist es noch lange nicht das Gleiche.
DDR-Recht = Unrecht
BRD-Recht = Hort der Freiheit
3. Reich = naja Pech gehabt aber es warrechtlich, vielleicht menschlich bedenklich.

Woran sich ein "Unrechtsstaat" per Definition zeigt kann übrigen keiner aber auch keiner der dieses Wort benutzt sagen. Alles nur nebulöses Gerede.
Jetzt schweife ich von der eigenen Thematik ab.

Thematik gehört wohl auch mehr in andere Diskussionsthreads.

Gruß
Nostalgiker


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12.05.2011 21:13
avatar  ( gelöscht )
#13
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( gelöscht )

Jetzt haste Gert und Pit aber enttäuscht, so viel transzendentale Apperzeptionsfähigkeit wird dort sicherlich kein Verständnis finden.


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12.05.2011 21:14
#14
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Ich bin nicht hier um Anderen zu gefallen.


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12.05.2011 21:26
avatar  Mike59
#15
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Willkommen im Forum - Wird mit deiner Vita bestimmt noch interessanter.

Mike59


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