Die 5 Kilometer Sperrzone an der DDR Grenze

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18.04.2009 14:02von Angelo
Frage
Die 5 Kilometer Sperrzone an der DDR Grenze

Ich habe da mal eine Frage zur Sperrzone,wie war die genau Aufgebaut und wer durfte diese betreten? Wie wurde der Anfang im Landesinneren gesichert? Weil wenn ich das richtig versanden habe waren das ja die 5 Kilometer vor der eigentlichen Grenze oder?

18.04.2009 15:36von S51
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Die Sperrzone war eigentlich nur ein Geländestreifen von etwa 5 km Tiefe vor der Grenze. Umgangssprachlich auch Grenzgebiet genannt. Das mit der Tiefe war sehr relativ, es konnten wie zum Beispiel nahe Sorge auch nur kaum 20 Meter sein. Nach der Grenze zu wurde sie durch den Schutzstreifen (wo die Sperranlagen begannen) und nach dem Hinterland durch simple Schilder und eine gedachte Linie dazwischen begrenzt.
Wer in der Sperrzone wohnte oder dort auf Dauer arbeitete, brauchte einen speziellen Stempel im Ausweis oder den entsprechenden Eintrag im Wehrdienstausweis. Wer nur zeitweise rein musste, ob als Arbeiter, Besucher oder Urlauber, der brauchte einen Passierschein. Diesen zu bekommen, war oft vor allem für Verwandte von Anwohnern sehr schwierig.
Kontrolliert wurde man in der Sperrzone an den Straßen und hauptsächlichen Zugängen durch die Polizei. Theoretisch auch drinnen aber das habe ich nie erlebt. Zusätzlich haben wir GAK dort Kontrollen an allen möglichen und unmöglichen Stellen außerhalb der Ortschaften zu allen Zeiten durchgeführt.

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S51
18.04.2009 16:18von Angelo
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War das so ein Passierschein ?


18.04.2009 16:33von S51
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Ja, zum Beispiel. Es gab auch noch andere Varianten. Der Text war, soweit ich weiß, immer gleich aber die Farbe jeweils anders. Zum Beispiel weiß für Urlauber,
Kurzzeitbesucher...

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S51
18.04.2009 17:04von ( gelöscht )
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Noch eine kleine Anmerkung
In der Sperrzone gab es etwa 300 Ortschaften mit rund 200000 Einwohnern.
Für den Urlaub galt: wer nach erfolgter Prüfung zu einem Urlaub ins Grenzgebiet einreisen
durfte,erhielt gleich am Anfang die Hinweise der Grenztruppen für das richtige Verhalten im
Grenzgebiet.

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18.04.2009 21:47von ( gelöscht )
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Hallo zusammen,


Habe da eine kleine Geschichte dazu. Habe 1981 mal eine Kutsche gekauft, der Verkäufer Wohnte direkt hinter dem Schlagbaum . Allein stehendes Haus zwischen Creuzburg und Ifta. Die Polizei konnte uns ständig sehen, keine 20m entfernt.
Ich musste damals 6 Wochen vorher einen Antrag an das VPKA Eisenach einreichen mit Personen Anzahl Zeit und Grund. Wurde beim ersten mal abgelehnt. Beim zweiten mal durfte ich die Kutsche abholen.
Anmerkung: Das nach 1Jahr Grenzdienst bei den Grenztruppen der DDR.
Habe mich damals sehr darüber geärgert.

Gruß Bürger

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18.04.2009 22:09von ( gelöscht )
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Hallo zusammen,
bei uns im Abschnitt gab es den kleinen Ort Lütkenwisch, in Grenzersprache LKW genannt, der sollte eigendlich auch geräumt werden, aber die wenigen Menschen dort waren extrem heimatbezogen und bewirtschaftetn ihren Bauernhof auch unter den Einschränkungen der Grenztruppen.
Davor hatte ich als Grenzer große Achtung, und versuchte den Menschen dort, trotz aller Einschränkungen, das Leben am Zaun so angenehm, wie es mir möglich war, zu gestalten.
Der Frühdienst brachte der Familie dort immer frische Backwaren mit, und wenn abends das Licht noch brannte, dann haben wir angeklopft und nachgefragt, was im Haushalt so benötigt wurde, die waren ja richtig zwischen zwei Zäunen eingesperrt.
Die GT versuchte vor Ort ein gutes Verhältnis zu halten, die Menschen dort hatten aber wirklich massive Einschränkungen, wenn ich da heute darüber nachdenke, das waren wirklich richtige Einzelkämpfer.

Gruß nf

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19.04.2009 07:38von ( gelöscht )
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Wobei natürlich die Frage wäre, warum diese Bauernfamilie ihr Gehöft so nahe der Grenze behalten durfte und alle anderen mussten weichen...

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19.04.2009 10:30von S51
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So wie ich es in vielen Gesprächen mit den Leuten vor Ort gehört habe, war es wohl eher die Regel, dass man blieb. Da musste einiges an gegenseitigen Sticheleien zusammen kommen mit ideologischem Oberwasser und Dingen, die sich mit "militärischen Erfordernissen der Grenzsicherung" schön schwammig und trotzdem höllisch wirksam begründen ließen, damit dort jemand seine Existenz verlor.
Aber dass die Passierscheine oft sehr willkürlich abgelehnt oder eingeschränkt wurden, kenne ich. Ich habe um Schierke Besucher kontrolliert, deren Verwandte dort wohnten und bei denen die Passierscheine nur bis zur Ortsgrenze galten. Also nichts mit Wandern rundum. Äußerst sinnvoll. So ärgert man Menschen, denn wen sie hätten abdampfen wollen, ging dies sowieso nicht über die Wanderwege.
Als ich am letzten Tag nach der Entlassung von Wernigerode wieder hoch nach Schierke fuhr, um mein Motorrad abzuholen, hatten die Kollegen in ganz Grün schon Alarm ausgelöst, weil ihnen nicht aufging, dass meine Erlaubnis bis 24 Uhr galt. Das habe ich dann schon aus Prinzip bis zur letzten Minute ausgekostet. Der KC hat sich amüsiert ("Wieso, wohin, der trinkt noch seinen Kaffee").

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S51
19.04.2009 11:21von ( gelöscht )
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Wenn wir vom unmittelbaren Schutzstreifen reden - da kann ich in der Region um Tann von über 20 Gehöften berichten, die ausnahmslos zwangsgeräumt und geschleift wurden.

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19.04.2009 11:35von ( gelöscht )
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@manudave,
irgendwen brauchte man, um die Ländereien, auch im Sperrgebiet, zu bewirtschaften.
Es gab halt Menschen, die weg wollten, und wiederum Andere, die ihrer Heimat treu bleiben.
Ich bin auch einer, der im Letzteren seine höchsten Prioritäten setzt.
Zu meiner Musterung musste ich mir schon anhören, ein kleinbürgerlicher Spießer zu sein.
Ich hatte mein Land, mein Haus, wollte und will da nie weg, daß war zu Ostzeiten nicht anders.
So war diese Bauernfamilie auch, bodenständig sagt man wohl dazu.
Hätte man sie vertrieben, hätte die GT enorm mehr Arbeit gehabt, um den Abschnitt sauber zu halten, die Fam. war sywstemtreu, also warum nicht diesen Weg gehen?

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19.04.2009 11:52von ( gelöscht )
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In Antwort auf:
Wenn wir vom unmittelbaren Schutzstreifen reden - da kann ich in der Region um Tann von über 20 Gehöften berichten, die ausnahmslos zwangsgeräumt und geschleift wurden.


Weil sie sich nicht den Gegebenheiten einer Grenze unterordnen wollten, wer rummoserte, der ging, wer sich arangierte, der blieb.
Rhöner eben.

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19.04.2009 12:07von S51
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Ja, nicht unbedingt verwunderlich. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen einer Demokratie, falls sie dabei auch ein Rechtsstaat ist und einer Diktatur.
In Stapelburg und Abbenrode gab es auch bewohnte Häuser im Schutzstreifen. Da hat es keinen gestört. In der Diktatur waren auch Dinge möglich, die nicht gesetzlich geregelt waren. Sowohl zum Vorteil aus auch zum krassen Nachteil der Betroffenen. Dagegen konnte man vorgehen mit Eingaben und ählichem. Mal mit Erfolg, mal ohne (oft mit). Vor Ermessensentscheidungen gab es nicht immer Schutz. sie konnten Dinge ermöglichen, die bei den Verantwortlichen woanders glatt zum Herzkasper geführt hätten aber sie konnten genausogut (oder besser schlecht) Menschen sozial vernichten ohne die Möglichkeit einer Gegenwehr.
Heutzutage im Rechtsstaat gibt es auch Enteignungen. Gerade wird in Potsdam so etwas ähnliches vorbereitet (ich meine die Posse um den Teichweg). Aber es läuft alles nach Gesetz ab. Schützt es den Bürger, kann er sich auch ohne politisches Wohlverhalten gegen den sonst allmächtigen Staat durchsetzen. Außer, wenn dieser mal schnell die Gestze ändert. Schützt das Gesetz den Bürger nicht, ist er chancenlos. Ermessensentscheidungen gibt es da nicht. Und der Beamte, der dies trotzdem versucht, macht sich ggf. sogar strafbar.

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S51
19.04.2009 13:26von ( gelöscht )
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schreib doch das nächste mal dazu, dass in stapelburg die ganze jungbornsiedlung
dem erdboden gleichgemacht wurde!nur wegen der vollständigkeit und wahrheit.mich hat es sehr gestört.
schöne altersheime,rasthöfe und kuranlagen fielen der planierraupe zum opfer.

tiroler

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19.04.2009 13:28von S51
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Sorry, konnte ich nicht. Das habe ich nicht gewußt.

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S51
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