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#21

RE: Grenzdurchbruch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.04.2009 11:03
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Sogar ein IM wurde gegen Dich eingesetzt!

Das war bei den Grenztruppen nichts unnormales. Allerdings ist der Auszug aus der Aktge wirklich ein beeindruckendes und aussagekräftiges Dokument. Ein sehr typisches Exemplar eines solchen Berichtes!
Auf mich waren während meiner GT-Zeit 4 IM's angesetzt. 2 davon hätte ich damals ohne zu zögern als meine Freunde bezeichnet, aber dass Sie IM's waren habe ich auch erst 15 Jahre später erfahren.
Bei den Grenztruppen geht man davon aus, dass bis zu 20% der Angehörigen IM's waren. Ich habe auch schon irgendwo einmal ein Faksimile einer Dienstanweisung gesehen, die vorschrieb in etwa diese Quote anzustreben.
IM-Berichte konnten im Übrigen noch viel drastischer sein, weil oftmals Unprofessionalität gepaart mit Profilierungssucht oder anderen "niederen" Motiven den IM über das Ziel hinausschießen ließen. Glücklicherweise war zumindest das Attribut Unprofessionalität bei den hauptamtlichen Führungsoffizieren meist nicht vorhanden, so dass viel Mist ausgefiltert wurde und so in vielen Fällen der Stasi-Mann gewollt oder ungewollt zum Retter des Ausspionierten wurde (alles eigene Erfahrungen oder die von nächsten Angehörigen, bewiesen durch Personenakten).

In Antwort auf:
Hast Du nie den Gedanken zu einer Flucht gehabt? Du warst Matrose, da muss es doch Möglichkeiten gegeben haben?

Ich kann nicht für skylight sprechen, aber Fluchtgedanken, Fluchtwille und Fluchtgelegenheit hängen nicht immer direkt zusammen. -gedanken hatte wahrscheinlich jeder Grenzer, -gelegenheiten hatten die meisten, vielfach sogar praktisch risikolos, aber den -willen hatten eben viele nicht. Längst nicht alle haben in ihrer DDR_Vergangenheit tatsächlich echte schlechte Erfahrungen gemacht, Behinderungen in persönlichen Freiheiten und andere Einschränkungen waren zum Teil so sehr zur Normalität geworden, dass sie nicht wirklich jeden so stark berührt haben. Nicht umsonst gab es auch das Wort: "Wir wurden nicht von SED und Stasi terrorisiert sondern von Handwerkern und Taxifahrern.", das so wie "Sozialismus ist Überfluss an Mondraketen und Mangel an Toilettenpapier." ganz hervorragend die alltäglichen Probleme der Menschen beschreibt.
Und last but definetly not least haben viele Menschen (Grenzer eingeschlossen) Bindungen an ihre Heimat gehabt, die sich auch mit Kommunismus und Mangelwirtschaft nicht überwinden ließen und die den riskanten Schritt, alles hinter sich zu lassen und irgendwo neuanzufangen eben überwogen. Dazu musste man nicht 'mal an das System glauben.

zuletzt bearbeitet 17.04.2009 11:05 | nach oben springen

#22

RE: Grenzdurchbruch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.04.2009 13:07
von turtle | 6.961 Beiträge | 101 Punkte
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Hallo ,Danke für Eure Beiträge,

Behinderungen in persönlichen Freiheiten und andere Einschränkungen waren zum Teil so sehr zur Normalität geworden, dass sie nicht wirklich jeden so stark berührt haben.

Für mich war die DDR schon der bessere Staat, ein Vergleich fehlte mir ja.Aus den 2-3mal Westfernsehen
Eigentlich wollte ich dieses Land verbessern, nicht verlassen!

Diese Zeilen von Euch geben mir Anlass näher darauf einzugehen. Wenn Behinderungen in der pers. Freiheit und sonstige Einschränkungen Normalität geworden sind, spiegelt das auch Resignation wieder.
Ich finde die Worte von skylight“ Eigentlich wollte ich dieses Land verbessern, nicht verlassen“ zutreffend mit vielen anderen Ex- DDR Bürgern welche genau so dachten! Ich denke es hätte sich gelohnt ,diese DDR liebenswerter ,menschlicher ,und demokratischer zu machen. Doch die alte Herren in Wandlitz haben die Zeichen der Zeit in ihrer Agonie nie erkannt. Das haben andere getan und sich die DDR zu ihren Gunsten gegriffen! Ich habe mich über die Wiedervereinigung natürlich gefreut ,doch ein zweiter deutscher Staat mit einer anderen Gesellschaftsordnung wäre zumindest eine Alternative gewesen! Ob die Menschen reif sind für eine sozialistische Gesellschaftsordnung sei dahin gestellt! Nur wie es in der DDR praktiziert wurde musste es letztlich scheitern! Wie nach der Wende alles platt gemacht wurde, Werte vernichtet, Bürger über den Tisch gezogen wurden ist traurig liegt aber in der Natur des Menschen.
Ich finde es gut das es dieses Forum gibt . Es hat dazu beigetragen Vorurteile abzubauen, mehr Verständnis für einander zu haben, ,und fördert das Miteinander. In diesem Sinn und Gruß Peter(turtle)



zuletzt bearbeitet 17.04.2009 13:08 | nach oben springen

#23

RE: Grenzdurchbruch

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 17.04.2009 13:32
von sentry | 1.237 Beiträge | 211 Punkte
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Wenn Behinderungen in der pers. Freiheit und sonstige Einschränkungen Normalität geworden sind, spiegelt das auch Resignation wieder.


Ja, na klar, aber manchmal eben auch nur Gleichgültigkeit oder man war eben nicht soweit, sich wirklich kritisch mit solchen Angelegenheiten auseinanderzusetzen.
Ich war keine 20 Jahre alt, als ich an die Grenze gekommen bin. Ich komme aus Berlin-Mitte. Die Begriffe Stasi oder Wessi haben wir schon benutzt, da hätte noch nicht mal Axel Springer an einen Mauerfall geglaubt. Klar, hatten wir einen Plan, was wir alles Schei*e an der DDR finden, aber jugendliche Kerle kommen doch überall gut zurecht. Sicher ist das auch so eine Art Resignation, aber eben nicht auf dem Level "Ich-reiße-mir-die-Haare-aus-vor-Verzweiflung". Das Blauhemd wurde in der Marlboro-Tüte zur Schule getragen und nach dem Fahnenappell verschwnad es wieder in derselben - Ami-Schüler schwören auch jeden Morgen einen Eid auf ihre Fahne - so what, das ist zwar lästig, aber irritiert eine Horde Teenies doch nicht ;)
Eigentlich hatte ich in meinem ganzen Leben bloß ein einschneidendes Erlebnis mit der Staatsmacht, dann aber auch gleich richtig.
1984 wurde meine Familie und ich wegen Verdacht 213 verhaftet (§213 behandelte Republikflucht). Das war schon ein ziemlicher Hammer, zumal wir unschuldig waren und kaum wussten wie uns geschah...
Aber so schräg war eben das System: keine 3 Jahre später fand ich mich an der GÜSt Marienborn wieder buchstäblich mit den Hacken an einer dicken weißen Linie, die dort den sonst beinahe unüberwindlichen eisernen Vorhang markierte...der den man auf dem Bild sehen kann:

© Archiv Grenzschutzschule, Lübeck

P.S.: Auf dem Turm ("das Schiff") habe ich übrigens auch 49x gestanden.

zuletzt bearbeitet 17.04.2009 13:35 | nach oben springen


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