Hoher Besuch an der Grenze zu den Feiertagen

  • Seite 1 von 4
11.04.2011 14:52 (zuletzt bearbeitet: 11.04.2011 15:47)
#1
avatar

Die verheirateten Kameraden waren über die Weihnachtstage bei ihren Familien.
Die Ledigen hatten Weihnachten und Silvester Dienst am Kanten. Am Nachmittag des 24. Dezember 1970 kam eine Durchsage über das GMN: "Grenzkontrolle! Karl Eduard von Schnitzler im Anmarsch." Erst dachte wir an einen Scherz, bis ein Konvoi den Kolonnenweg entlang kam und unter unserem Postenturm anhielt. Es stiegen mehrere gutgelaunten Leute aus und unterhielten sich. Eine Frau im Pelzmantel bestaunte unseren Kantentrabbi. Sie streichelte die Motorhaube und sagte: "Schönes Auto, kleines Auto." Es war die Frau vom Ede, Marta Rafael. Wir konnten kaum, vor lauter Lachen. Dann machte sich Karl Eduard auf und kam mit seinem Begleiter und dem Grenzoffizier die Leiter hoch. "Jawoll Genossen, unsere Republik muß auch zur Weihnachtszeit vor dem Imperialismus geschützt werden!" Dabei schaute er in die Runde: "Hier hat sich viel verändert seit 1961." Ich antwortete ihm: "Das kann ich nicht beurteilen Genosse von Schnitzler, ich bin erst seit acht Wochen hier an der Grenze." Mein Postenführer mußte Grinsen, der Hauptmann fand es gar nicht lustig. Wir steckten uns eine Duett an. Ede fragte uns nach unseren Familien und was wir im zivilem Leben gemacht hätten. Nach circa zehn Minuten sagte Ede zu seinem Begleiter: "Na, dann Genosse, pack mal aus." Der wühlte in seinen Taschen und kramte für jeden drei ode vier Zehnerpackungen Karo raus und drückte sie uns in die Hand. Karl Eduard wünschte uns noch ein schönes Fest und wir sollten an den Feiertagen doppelt wachsam sein, dann waren sie verschwunden. Mein Posten kam aus Leipzig. Er schrieb auf die Karoschachteln, 'Erinnerung an Karl Eduard von Schnitzler Weihnachten 1970' "Der Sudel Ede kommt öfter nach Leipzig ins 'Hotel International'. Da werde ich ihm sein Geschenk wieder zurückgeben." Ich hätte mein zwei Schachteln auch behalten sollen, aber ich hab sie damals über die Mauer geworfen. F6 und Duett haben halt besser geschmeckt.
Schreibt doch auch einmal, wie ihr die Feiertage im Grenzdienst verbracht habt.

Komm'se mal zurück Genosse Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 15:07 (zuletzt bearbeitet: 11.04.2011 15:34)
avatar  ( gelöscht )
#2
avatar
( gelöscht )

Ja Peter,
das kann ich bestätigen. Ich war zwar im Urlaub, hatte ja schon Familie, aber meine Kumpels haben mir das erzählt. Ein hoher Offizier hat mir gegenüber dann auch mal erwähnt, dass er sich wegen der Zigarettenaktion mächtig geschämt hat.
Dafür war ich am Sivester dran. den Jahreswechel habe ich oben auf dem Haus Vaterland erlebt. Bin mit dem KC dann die ganzen Posten abgefahren. Er hatte es sich nicht nehmen lassen jedem perönlich zu Neujahr zu gratulieren.


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 15:12 (zuletzt bearbeitet: 11.04.2011 15:35)
avatar  Pit 59
#3
avatar

Cooles Ding,ich hätte mir vieleicht das Lachen verkneifen müssen.Ausser Karo gabs dann nichts weiter ? Und da ist Karo schon eine Frechheit ist aber Geschmackssache) ,wenn man beim Rauchen überhaupt von Geschmack Reden kann.Hätteste mal gefragt nach welcher Seite Du mehr Aufpassen sollst.


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 15:16 (zuletzt bearbeitet: 11.04.2011 15:36)
#4
avatar

Zitat von stutz
Ja Peter,
das kann ich bestätigen. Ich war zwar im Urlaub, hatte ja schon Familie, aber meine Kumpels haben mir das erzählt. Ein hoher Offizier hat mir gegenüber dann auch mal erwähnt, dass er sich wegen der Zigarettenaktion mächtig geschämt hat.
Dafür war ich am Sivester dran. den Jahreswechel habe ich oben auf dem Haus Vaterland erlebt. Bin mit dem KC dann die ganzen Posten abgefahren. Er hatte es sich nicht nehmen lassen jedem perönlich zu Neujahr zu gratulieren.



Auch daran kann ich mich auch erinnern, denn Silvester war ich auf dem Turm neben dem Invalidefriedhof (links).
Der Posten hieß glaube ich VIPA, denn nebenan (rechts) wurde das Gesöff produzieret.

Habe um Mitternacht sämtliche Schwarzmunition verballert.
Das war ein Feuerwerk!

Komm'se mal zurück Genosse Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 15:18 (zuletzt bearbeitet: 11.04.2011 15:36)
#5
avatar

Zitat von Pit 59
Cooles Ding,ich hätte mir vieleicht das Lachen verkneifen müssen.Ausser Karo gabs dann nichts weiter ? Und da ist Karo schon eine Frechheit ist aber Geschmackssache) ,wenn man beim Rauchen überhaupt von Geschmack Reden kann.Hätteste mal gefragt nach welcher Seite Du mehr Aufpassen sollst.



Ausser Karo nichts gewesen. Habe mich immmer gefragt, was in deren Köpfen vorgegangen ist.
Unsere zwei Schachteln Duett lagen ja offen da.

Komm'se mal zurück Genosse Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 15:18 (zuletzt bearbeitet: 11.04.2011 15:37)
avatar  GZB1
#6
avatar

Na, da wird sich Ede noch richtig gut dabei gefühlt haben und hatte gleich nen Aufhänger für seine nächste Sendung:

"...Wissen Sie meine Damen und Herren neulich zu Weihnachten war ich zu Besuch bei unseren Grenzsoldaten...."

, die du doch bestimmt gesehen hast.


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 15:25 (zuletzt bearbeitet: 11.04.2011 15:37)
avatar  Pit 59
#7
avatar

Tolles Erlebnis,das vergisst man sein Leben nicht.Das mit dem KC finde ich Super und Hoch Anständig.Ja Vipa und Virola gabs,oder auch schon wieder.Ich auch Weihnachten zu Hause (Verheiratet),und Silvester am Werra Ufer.Eigentlich durften die Dörfer ja kein Feuerwerk zünden,aber dran gehalten hat sich kaum jemand.Wir haben auch um Mitternacht eine "Dicke Berta" gezündet.

Gruß aus Thueringen


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 15:55
#8
avatar

Zitat
die du doch bestimmt gesehen hast


Das glaube ich nicht GZB1
Ich habe vorher und auch nicht danach, nie nicht keinen Schwarzen Kanal gesehen.
(Aber in der GK gab es auch damals schon - heimlich! - Westfernsehen)

Komm'se mal zurück Genosse Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 21:07 (zuletzt bearbeitet: 12.04.2011 08:22)
avatar  Blondi
#9
avatar

Hohen Besuch hatte ich nicht. Zu Silvester 79 mußte ich in Wahlhausen Latte stehen (Wachposten der Einheit). Mich besuchte der Spieß zum Jahreswechsel, hatte wohl Angst ich könnte allein ein paar Knaller los lassen. 0:10 Uhr verlies er mich wieder. Toller Jahreswechsel.

Guß Blondi

Sei was du willst, doch habe den Mut es ganz zu sein.


 Antworten

 Beitrag melden
11.04.2011 22:04
#10
avatar

Also echt gesagt..kann mich an Weihnachten 74 und Silvester 74 auf Neujahr 75 schwer erinnern.Ich glaube Weihnachten gab es Broiler und Schnitzel.Aber an den Grenzdienst kann ich mich etwas dran erinnern--es kam einen da draußen nicht so vor--als wäre Weihnachten oder Silvester.Es war einfach nur das Tägliche,wenn man draußen im Dienst war.Ok am Neujahrstag,sagte man sich--dieses Jahr geht es Heimwärts. Die einen im Mai und die Anderen im Oktober und man sagte sich auch,ein Glück das einmal nur mitgemacht zu haben--Weihnachten und Silvester am Kanten bei Ar----Kälte. Gruß Rostocker


 Antworten

 Beitrag melden
12.04.2011 10:03
avatar  moreau
#11
avatar

An Weihnachten / Silvester 84/85 kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Da geht es mir wie den rostocker. Alles im grauen Dienstalltag untergegangen.

Also die Aktion von Ede war auch mehr als flüssig --> Überflüssig. Die Karos kann man auch als Zeichen nehmen welche "Wertschätzung" uns entgegengebracht wurde.

Übrigends! Im Grenzradio habe ich im letzten halben Jahr Ede wesentlich öfter gehört wie in den Jahren zuvor.

Gruß
moreau


 Antworten

 Beitrag melden
12.04.2011 11:49
avatar  ( gelöscht )
#12
avatar
( gelöscht )

Silvester 74/75 wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ich war Waffenkammerbulle in der Grenzkompanie Saßnitz Fährhafen. Meine Frau hatte Entbindungstermin zwische 1.1 und 3.1.75 Ich erhielt aber keinen Urlaub weil sich zu Silvester der Chef Volksmarine Ehm mit seinem damaligen Adjudanten Kutzschebauch angekündigt hatten. Dazu kamen noch der Chef der Grenzbrigade Küste und und der Batallioner aus Stubbenkammer. Im Vorfeld wurde unsere Grenzkompanie, die aus einem älteren Gebäude bestand, von Oben bis Unten renoviert. Ausgetretene Treppenstufen wurden begradigt, Fußbodenbelag wurde neu verlegt und auch die Dachrinnen wurden bei Scheefall gestrichen. Der Empfang ging wohl so gegen 11 Uhr los . Eine extra für diesen Anlaß gegründete Band spielte in gemäßigter Lautsärke Kampflieder, allerdings nur solange wie der Konteradmiral in der Kompanie war, anschließend gings dann mit lauten Seemannsliedern weiter. Es gab ein mehrgängiges Menu und Alk bis zum Abwinken. Ich saß neben meinem Hauptfeld und der hat mir immer seine Schnäps zugeschoben. Bis 16 Uhr hab ich durchgehalten, dann wurde ich in mein Zimmer gebracht weil ich meinem Kaffee auf die Hose des 1. Sekretärs der Kreisleitung verteilte. Mein Stubenkamerad war bei diesem Empfang als Backschafter, sprich Kellner tätig. Er mußte notgedrungen ein bischen länger durchhalten wie ich und er war auch so pfiffig und hat eine Flasche Hochprozentigen versteckt. Allerdings hat er am Ende nicht mehr gewußt wo er die Flasche versteckt hat. Und so kam es dann das wir am 1.1.75 gegen 0.30 Uhr in unserer Betten saßen und mit Wasser auf meinen Sohn anstießen.
Unvergeßlich !!!


 Antworten

 Beitrag melden
12.04.2011 15:02
avatar  Alfred
#13
avatar

praeceptor507 •

Du konntest Dir Duett leisten, nicht schlecht.

Ich glaube nicht, dass Schnitzler dies mit den Karo böse meinte, denn er selbst rauchte außer Zigarren selbst auch mal eine Filterlose, genau wie Armeegeneral Hoffmann.


 Antworten

 Beitrag melden
12.04.2011 15:13 (zuletzt bearbeitet: 12.04.2011 15:31)
avatar  GZB1
#14
avatar

Zitat
Zitat von praeceptor507

..."Na, dann Genosse, pack mal aus." Der wühlte in seinen Taschen und kramte für jeden drei ode vier Zehnerpackungen Karo raus und drückte sie uns in die Hand....



War ne 10er Packung Zigaretten nicht ne Verpackungsgröße aus ner Kampf-/ Notration oder aus dem Posten-(sonder)verpflegungsbeutel (der mit dem Obst und der Schokolade, 1x monatlich)?


 Antworten

 Beitrag melden
12.04.2011 15:20
avatar  ( gelöscht )
#15
avatar
( gelöscht )

Das mit dem Schitzler war ja wohl eine ziemlich verlogene Vorstellung. Ich las mehrfach über die Jahre in Tageszeitungen hier im Westen D.s, dass er sowohl in Westberlin als auch in Lübeck bei Einkaufstouren beobachtet wurde. Und dann am Kanten solche Sprüche ablassen.


Grüße aus dem Rheinland


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!