Erste Erlebnisse mit den "Russen"

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16.03.2011 13:58 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2011 23:20)
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#1
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Im Juli 1945 kamen die Sowjets nach Leipzig und somit auch in unser Dorf. Da gab es eine Kaserne die nach den Deutschen von den „Russen“ genutzt wurde. Die Russen wurden immer als böse für uns Kinder hingestellt. Und wir müssen einen großen Bogen um die Kaserne machen. Der Vater meines Freundes war Ortsgruppenleiter und ein dicker Nazi. Als die Russen kamen wurde er verhaftet und kam nach Russland. (Er kam nie wieder)
Doch mein Freund vermisste seinen Papa. Er hatte ihn noch nie gesehen. Die Mutter sagte ihm „ Der ist bei den Russen“
Da dachten wir Kinder gehen wir hin und besuchen ihn. Also auf zur Russenkaserne.
Mein Freund hatte ein Foto vom Papa dabei, so richtig schön Papa in seiner schönen Nazi Uniform. Russisch verstanden wir nicht, und wunderten uns wie böse der Posten wurde als wir ihm das Foto zeigten und sagten wir suchen seinen Papa und möchten ihm besuchen.
Er schimpfte schrie was von Faschist ,Nazi oder so riss das Foto aus der Hand und trampelte darauf rum! ,und seine Kalaschnikow richtete er auf uns. Wir weinten fürchterlich und unsere Angst war riesengroß. Wie groß die Angst war sah man an der Hose meines Freundes die war nass! Ein älterer Soldat sah das alles, und kam auf uns zu . Nach einer heftigen Diskussion mit dem Posten schob er uns vorwärts in das innere der Kaserne . Mensch die hatten einen Schweinstall mit Schweinen, aha dachten wir da sind sie also die geklauten Schweine. Da hatte meine Mutter doch recht als sie sagte die haben die Russen beschlagnahmt! Wir hatten gelernt Beschlagnahmen ist wie klauen! Der alte Soldat schob uns in eine Küche, eine ältere Frau die aussah wie halb Soldatin halb Köchin gab uns einen großen Teller mit Kohlsuppe dazu zwei dicke Scheiben Brot! War das köstlich! Seit diesem Tag gingen wir noch oft Olga die Köchin besuchen. Und die Russen ? Für uns beide waren sie nicht mehr die Bösen und immer wenn von diesen Untermenschen die Rede war haben wir sie
verteidigt! Wir zweifelten an allem was uns früher über die Bolschewisten erzählt wurde. Von Vergewaltigungen ,Partisanen die Grausam und hinterhältig waren , Sicherlich wir waren Kinder und haben vieles noch nicht verstanden. Aber etwas hatten wir begriffen ,nicht alles kann stimmen was uns über die bösen Russen erzählt wurde. Es war eine schöne Zeit mit diesen Russen. Wir bekamen Essen, manchmal warfen sie eine Handgranate in den Kanal um zu fischen. Wir durften die kaputten oder kleineren Fische einsammeln. Klar wenn wir damit nach Hause kamen wurde nicht auf die Russen geschimpft. Warum schreibe ich das ? Für uns Kinder war es nicht schwer Vorurteile abzubauen ,wenn es doch so leicht als Erwachsener wäre. Ich glaube auch meine Erinnerungen an meine Kindheit haben mir geholfen der zu sein der ich heute bin. Ich habe keine Vorurteile mehr, versuche nur immer wieder zu begreifen ,was uns trennte ,warum kam es dazu, was können wir tun das sich vieles nicht wiederholt was wir Menschen uns Gegenseitig angetan haben. Versucht endlich Eure Schranken wenn sie noch da sind in Euren Köpfen abzubauen,
Gruß Peter(turtle)


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16.03.2011 15:21
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#2
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sinn deines beitrages @turtle, wurde verstanden...


p.s. 1946 kann es keine "kalaschnikow" gewesen sein, eher eine ppsh 41 bzw. ein karabiner mosin/ nagant


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16.03.2011 15:43
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#3
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Zitat von GilbertWolzow
sinn deines beitrages @turtle, wurde verstanden...


p.s. 1946 kann es keine "kalaschnikow" gewesen sein, eher eine ppsh 41 bzw. ein karabiner mosin/ nagant




Na ja Gilbert,dann war es ein Schießgewehr, das ist doch über 58 Jahre her! Du hast recht es war natürlich so ein Ding


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16.03.2011 15:51
#4
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Nach dem die Amis aus Thüringen abgezogen waren, kamen die Russen als Besatzer.
Ein Arbeiter unseres Nachbarorts freute sich so sehr, dass jetzt endlich die Freunde kamen.
Er zog sein Sonntagsgewand an, nahm seine goldene Taschenuhr, setzte sich auf sein
Fahrrad und fuhr Sonntag Mittag los, um seine "Towarischtschi" zu empfangen.
Das einzige Wort, dass er sonst noch verstand, war "Druschba".
In der Nacht brachte man ihn nach Hause zurück.
Auf einem Pritschenwagen unter einer Militärdecke. Ohne Anzug,
ohne Taschenuhr und auch ohne Fahrrad. Dafür hatte er ein paar Kugeln in der Brust.
Ich sehe immer noch vor meinem geistigen Auge, wie er die Towarischtschi mit seinem "Druschba" begrüßen wollte.

Komm'se mal zurück Genosse Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?


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16.03.2011 15:57
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#5
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Gibt es Beweise das Ihn die Russen Erschossen haben,hat es jemand gesehen ?


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16.03.2011 16:08
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#6
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Da war wohl die Freundschaft schlagartig abgekühlt.

Von den Amis in Thüringen habe ich so etwas nicht gehört. Meine Mutter erzählte mir, dass sie zwar kein Wort mit den Deutschen redeten außer dass sie Befehle erteilten. Die Begegnung meiner Mutter und mir als kleines Kind mit den amerikanischen Kampftruppen war am Ostersonntag 45 in einem Dorf nordwestlich von Erfurt. Da waren sie durch Nordhausen und Ohrdruf schon durch und hatten alle Grausamkeiten der SS in den dortigen Lagern gesehen. Trotzdem verhielten sie sich korrekt gegen die Zivilbevölkerung.
Hätte man doch auf Churchill gehört, der da vorgeschlagen hatte das Abkommen von Jalta zu brechen und die Westalliierten an der Elbe stehen zu lassen. Uns in Thüringen wäre viel erspart geblieben.

Am 1.Juli 1945 ging dann der große Terror der roten Armee in Thüringen los. Diesem fielen viele auch unschuldige Menschen zum Opfer.

Gruß Gert


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16.03.2011 16:13
#7
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Natürlich gibt es Beweise. Er war ein Arbeitskollege meins Großvaters.
Außerdem gibt es Berichte von Augenzeugen und die Polizeiberichte,
die den Russen nicht in die Hände gefallen sind.
Denn auch damals schon, gab es weitsichtige Bürger.

Komm'se mal zurück Genosse Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?


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16.03.2011 16:35
#8
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Zitat
Von den Amis in Thüringen habe ich so etwas nicht gehört.



Das Hauptquartier der Amis war auf dem Hof meiner Urgroßmutter.
Meine Großmutter und ihre zwei jungen Mädchen, darunter meine Mutter, wohnten auch da.
Von dem, was ich in meiner Kindheit vom Krieg und der Besatzung erfahren habe, könnte ich Bücher schreiben.
Von versteckten deutschen Fahnenflüchtlingen, von der Fairness der Amerikanischen Besatzer bis hin zu versuchter Vergewaltigung,
Zerstörungswut, Züchtigung und Diebstählen unter der Russischen Besatzung. Unter Einsatz ihres Lebens beschützte meine Größmutter ihre zwei Töchter. Allein das Denuntiantentum war so ausgeprägt. dass viele junge, unschuldige Burschen des Ortes verhaftet und lange Zeit inhaftiert wurden. Ein "Ex-Nazi" brauchte nur mir dem Finger auf jemand zu zeigen und "Werwolf" zu sagen und schon war wieder einer weg!

Komm'se mal zurück Genosse Gefreiter! Könn'se denn nich grüßen?


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16.03.2011 16:48
avatar  VNRut
#9
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Manchmal war man zur falschen Zeit am falschen Ort. Mein Opa erzählte mir vor Jahren seine Begebenheit mit den Russen. Er war damals aktiv in der KPD. Als er von einer Versammlung nach Hause wollte, musste er an einen russischen Standort im Ort vorbei. Der Wachposten fragte ihm "woher und wohin er gehen wolle". Mein Opa antwortete und begab sich weiter in Richtung der Wohnstätte, die durch eine dunkle Gasse führte. Ein Geistesblitz durchzuckte ihm plötzlich und er sprang hinter eine hohe Treppe. In diesen Moment flogen mehrere Projektile durch die Luft. Erst nach mehreren Minuten verließ der die Deckung und begab sich weiter nach Hause. Damals wurde unsere neue Zuckerfabrik demontiert und in die SU verschickt. Leider verloren sich die Spuren in der Weite des Landes.

Ich lernte die Russen Jahre später auch als billige Arbeitskraft ihrer Herren Offiziere kennen. Gegen Wodka und Geld wurden sie in unser örtlichen Gärtnerei zum Gräben schachten für Bewässerungsanlagen und als Bauhelfer zweckentfremdet. Oft standen tagelang bei winterlichen Temperaturen einfache russische Soldaten ohne Verpflegung auf unsere Straßenkreuzungen. Dann wurden sie von unseren Einwohnern beköstigt und mit Heizmaterial versorgt - auch eine Form des Vergebens und freundschaftlichen Miteinanders.

VN_Rut

GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle

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16.03.2011 16:55
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#10
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( gelöscht )

Zitat von turtle
Im Mai 1946 kamen die Sowjets nach Leipzig und somit auch in unser Dorf. Da gab es eine Kaserne die nach den Deutschen von den „Russen“ genutzt wurde. Die Russen wurden immer als böse für uns Kinder hingestellt. Und wir müssen einen großen Bogen um die Kaserne machen. Der Vater meines Freundes war Ortsgruppenleiter und ein dicker Nazi. Als die Russen kamen wurde er verhaftet und kam nach Russland. (Er kam nie wieder)
Doch mein Freund vermisste seinen Papa. Er hatte ihn noch nie gesehen. Die Mutter sagte ihm „ Der ist bei den Russen“
Da dachten wir Kinder gehen wir hin und besuchen ihn. Also auf zur Russenkaserne.
Mein Freund hatte ein Foto vom Papa dabei, so richtig schön Papa in seiner schönen Nazi Uniform. Russisch verstanden wir nicht, und wunderten uns wie böse der Posten wurde als wir ihm das Foto zeigten und sagten wir suchen seinen Papa und möchten ihm besuchen.
Er schimpfte schrie was von Faschist ,Nazi oder so riss das Foto aus der Hand und trampelte darauf rum! ,und seine Kalaschnikow richtete er auf uns. Wir weinten fürchterlich und unsere Angst war riesengroß. Wie groß die Angst war sah man an der Hose meines Freundes die war nass! Ein älterer Soldat sah das alles, und kam auf uns zu . Nach einer heftigen Diskussion mit dem Posten schob er uns vorwärts in das innere der Kaserne . Mensch die hatten einen Schweinstall mit Schweinen, aha dachten wir da sind sie also die geklauten Schweine. Da hatte meine Mutter doch recht als sie sagte die haben die Russen beschlagnahmt! Wir hatten gelernt Beschlagnahmen ist wie klauen! Der alte Soldat schob uns in eine Küche, eine ältere Frau die aussah wie halb Soldatin halb Köchin gab uns einen großen Teller mit Kohlsuppe dazu zwei dicke Scheiben Brot! War das köstlich! Seit diesem Tag gingen wir noch oft Olga die Köchin besuchen. Und die Russen ? Für uns beide waren sie nicht mehr die Bösen und immer wenn von diesen Untermenschen die Rede war haben wir sie
verteidigt! Wir zweifelten an allem was uns früher über die Bolschewisten erzählt wurde. Von Vergewaltigungen ,Partisanen die Grausam und hinterhältig waren , Sicherlich wir waren Kinder und haben vieles noch nicht verstanden. Aber etwas hatten wir begriffen ,nicht alles kann stimmen was uns über die bösen Russen erzählt wurde. Es war eine schöne Zeit mit diesen Russen. Wir bekamen Essen, manchmal warfen sie eine Handgranate in den Kanal um zu fischen. Wir durften die kaputten oder kleineren Fische einsammeln. Klar wenn wir damit nach Hause kamen wurde nicht auf die Russen geschimpft. Warum schreibe ich das ? Für uns Kinder war es nicht schwer Vorurteile abzubauen ,wenn es doch so leicht als Erwachsener wäre. Ich glaube auch meine Erinnerungen an meine Kindheit haben mir geholfen der zu sein der ich heute bin. Ich habe keine Vorurteile mehr, versuche nur immer wieder zu begreifen ,was uns trennte ,warum kam es dazu, was können wir tun das sich vieles nicht wiederholt was wir Menschen uns Gegenseitig angetan haben. Versucht endlich Eure Schranken wenn sie noch da sind in Euren Köpfen abzubauen,
Gruß Peter(turtle)






Lieber Peter, deine Erlebnisse decken sich mit meinen, denn ich war auch ein Kind der Nachkriegszeit. Mir als Kind haben sie nichts getan und sie waren sogar freundlich zu mir und meinen Spielkameraden. Was aber meine Eltern erzählten und was ich später aus offiziellen Quellen erfuhr, das war eine andere, böse , Geschichtsschreibung der Nachkriegszeit und Besatzung durch die Russen. Sie haben, kaum befreit,z.B. Buchenwald wieder schnell gefüllt und das waren nicht nur Ex Nazis, sondern auch viele unschuldige Menschen, die dort unter unmenschlichen Bedingungen einsassen. Man sollte schon auf diese schlimmen Exzesse hinweisen aber auch vergeben und in die Zukunft schauen. Das hat mit Schranken eigentlich nichts zu tun.

Gruß Gert


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16.03.2011 17:10 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2011 17:13)
avatar  GZB1
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Man sollte auch nicht die Grundursache solcher Geschichten vergessen, welche 1933 in Dt. begann!!!


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16.03.2011 17:23
#12
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Die "Bolschewisten" waren das Feindbild Nr. 1 der Nazis bis zum 24. August 1939 und dann wieder vom 22. Juni 1941 an. Die massive Negativ Propaganda der Deutschen hat sich in den Köpfen der Deutschen festgesetzt und die Gräueltaten der Deutschen an den Russen haben das ihre getan, dass viele von der SU nichts Gutes für die Deutschen erwarteten.
Theo


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16.03.2011 17:32 (zuletzt bearbeitet: 16.03.2011 17:33)
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#13
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@eisenringtheo

das wohl auch, aber so meinte ich es nicht. Das Pendel der grausamen dt. Kriegsführung der Nazis in der UdSSR und den anderen besetzten Gebieten schlug auf Dt. zurück und hier auf die deutsche Bevölkerung.

http://einestages.spiegel.de/static/topi..._deutschen.html


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16.03.2011 17:49
#14
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Das stimmt ganz genau. Der noch nachwirkende Hass vieler Deutschen auf die Russen und der einsetzende kalte Krieg mit ähnlicher Hasspropganda der Westalliierten (Mc Carthy) gegen die SU hat die Sache allerdings nicht einfacher gemacht.
Theo


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16.03.2011 18:47
avatar  Greso
#15
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Zitat von turtle

Zitat von GilbertWolzow
sinn deines beitrages @turtle, wurde verstanden...


p.s. 1946 kann es keine "kalaschnikow" gewesen sein, eher eine ppsh 41 bzw. ein karabiner mosin/ nagant




Na ja Gilbert,dann war es ein Schießgewehr, das ist doch über 58 Jahre her! Du hast recht es war natürlich so ein Ding



Hallo turtle,1946 warst du 1 Jahr alt
Gruß Greso


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