Alleinerziehende Mütter, Uneheliche Kinder in der DDR

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07.04.2009 13:06
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#1
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Hallo miteinander,

in einer Diskussiom über Alleinerziehende Mütter, fiel mir beiläufig auf, dass ich zu diesem Thema im Zusammenhang mit der DDR noch nie etwas gehört habe.

Jetzt würde mich natürlich interessieren ob es in der DDR überhaupt Alleinerziehende Mütter gab? Ich meine natürlich im Sinne von "außerehelich geborenen Kindern"?
Dass die Scheidungsrate in Ostdeutschland einer der höchsten überhaupt war, weiß ich. Aber auch hier die Frage, wurden die Kinder bzw. die Alleinerziehenden aus den geschiedenen Ehen vom Staat irgendwie unterstützt?

Jetzt kramt mal schön!


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07.04.2009 13:40
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#2
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Ein außereheliches Kind... das wäre ja dann ich...


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07.04.2009 18:23
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#3
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Ja, toll @manudave.

Ich wollte eigentlich (ernsthaft) wissen, ob in der DDR uneheliche Kinder und damit Alleinerziehende Mütter "üblich" waren, ob es deswegen "Probleme" gab und wenn ja, wie die aussahen? Ob beispielsweise Kinder von +- 15jährigen Müttern überhaupt eine Chance in der Gesellschaft hatten, oder ob sie vielleicht schon von Anfang an in die "Obhut" des Staates kamen, wäre zum Beispiel eine dazugehörige Frage?!


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07.04.2009 19:47
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#4
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Nun ja, ich meinte die Sache auch ernsthaft - trotz der Smileys.
Als Sohn einer 17 jährigen, die bereits 19 Monate wegen Republikflucht saß (Stasi-Gefängnis + Jugendwerkhof), weiß ich dann doch ein paar Sachen.

In der Obhut des Staates waren davon abgesehen sowieso fast alle Kinder - wir gingen ja zur Schule, Kindergarten, Hort etc.. Millitärische Erziehung "durften" wir ja alle geniessen - was hab ich die Betriebskampfgruppen vereehrt. Und heute erfährt man, dass genau die gegen das Volk im Falle eines Aufstandes vorgehen sollten...


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07.04.2009 20:56
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#5
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Hallo zusammen,


Ja, Wolfgang dazu kann ich nur so viel sagen. Meines Wissens haben die Mütter oder die Kinder keine Benachteiligung vom Staat erfahren.
In unserer Abteilung hatten wir eine Frau, Sie hatte sogar ein Tag im Monat frei. Wir oder man sagte in unseren Betrieb Waschtag dazu.
Ansonsten wurden sie nicht benachteiligt. Kenne persönlich keinen Fall wo man negativ reden müsste.

Gruß Bürger


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07.04.2009 21:43 (zuletzt bearbeitet: 07.04.2009 21:46)
#6
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Hallo Wolfgang,

zum zweiten Teil Deiner Frage kann ich nichts sagen. Zum ersten Teil, ob alleinerziehende Mütter "üblich" waren, würde ich sagen: Ja, durchaus. Das lag zum Teil an der recht hohen Scheidungsrate, zum Teil einfach an der Emanzipation der Frauen, die sich den Kinderwunsch eben auch ohne "Mann fürs Leben" erfüllten. Als meine Mutter sich endlich per Eheschließung an einen Mann band, zählte ich bereits stolze 24 Lenze. Bis dahin war auch sie alleinerziehend, wobei wir bei meiner Großmutter wohnten, was die Sache schon wieder etwas relativierte. Probleme gab es deswegen keine. In der Schule hatte ich eher ein Problem, weil meine Mutter, dank Fachschulabschluss und Arbeit an einer Fachschule, zur "Schicht der Intelligenz" zählte. Ich war also kein "Arbeiterkind". Als solches wäre ich mit meinem Abschluss der 10. Klasse an die Erweiterte Oberschule gekommen. Als "Intelligenzler" hatte ich damit keine Chance. Nett übrigens: Nachdem ich die Offiziershochschule absolviert hatte, zählte ich als Offizier wieder zur Arbeiterklasse. Hat mich damals schon sehr amüsiert.

Zu dem Thema verweise ich übrigens, wie an anderer Stelle auch bereits, auf die Filmreihe: "Chronik der Kinder von Golzow". Einige dieser Kinder, die 1961 bei ihrer Einschulung erstmalig und dann zum Teil mehr als 40 Jahre lang gefilmt wurden, waren auch alleinerziehende Mütter. Die erste bekam ihr Kind mit 17 Jahren. Sie lebte zunächst bei ihren Eltern, zog dann aber bald den Jungen allein groß, bis er 8 Jahre alt war. Dann heiratete sie. Die Ehe ging wieder in die Brüche. Sie starb, schon einige Zeit an einer Herzerkrankung leidend, mit 29 Jahren. Der Film "Brigitte und Marcel" ist einer der anrührendsten und allemale der traurigste aus dieser Reihe. Und doch ist da auch der Satz zu Mutter und Sohn drin, vom Filmemacher Winfried Junge gesprochen: "Da gehen zwei nicht unter!". Ansehen! DDR-Alltag ohne Helden, Trara und Tamtam. So, wie er eben war.

ciao Rainman

@Bürger: Das hieß richtig offiziell: Haushaltstag!

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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07.04.2009 22:02
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#7
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Hallo Rainman,

Hi,danke kam doch nicht drauf. Auf den Haushaltstag.

guß Bürger


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08.04.2009 10:08
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#8
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Ja mein lieber Rainman, der Erste Teil erinnert doch sehr das Thema "Quote einhalten - egal wie" . Es MUSSTE jemand aus der Arbeiterklasse sein, sonst war der Weg zum Abitur z.B. versperrt.


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08.04.2009 10:27
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#9
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S51

Das man über alleinerziehende Mütter in der DDR wenig liest oder hört, dürfte daran liegen, dass es dort eigentlich nichts Besonderes war. Kinderbetreuung gab es ab der Krippe für außereheliche Kinder genauso wie für alle Anderen. Arbeit für die Mütter auch. Unterhalt regelte der Staat für die Kinder. Unterhalt für die Mütter gab es nur eine begrenzte Zeit, leben auf Kosten des Ex war also nicht auf längere Dauer möglich. Das machte das "Danach" deutlich unkomplizierter für beide Seiten. Alleinerziehendes Elternteil zu sein, galt nicht als offizielles Makel, sondern brachte Vorteile im Beruf, wie Haushaltstage. Und die Doppelbelastung (Beruf und zu Hause) gab es wie heutzutage auch.
Da waren wir in Dunkeldeutschland deutlich weniger spießig als in anderen Bereichen und viel weniger als in Germany.

GK Nord, GR 20, 7. GK, GAK
VPI B-Lbg. K III


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08.04.2009 12:48
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#10
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Die soeben gepriesene Doppelbelastung war gewollt.

Da der DDR die Fachkräfte männlicherseits fehlten, mussten auch die Frauen arbeiten gehen - sprich das Gesetz zur Arbeitspflicht. Den Anreiz, das die Frauen auch arbeiten gingen, schuf man damit, indem man die Gehälter der Männer absichtlich auf unterem Niveau hielt. Somit mussten beide arbeiten gehen und die Kinder kamen in die staatliche Betreuung. Damit hatte man diese auch gleich unter den staatlichen Fittichen.
Ich denke auch alleinerziehende Mütter sollten die Kinder so schnell wie möglich in die Krippe o.ä. geben, damit sie wieder produktiv sein konnten.

Übrigens für die Wessis unter uns:

Wer in der DDR nicht arbeiten wollte, wurde ein Asi vor dem Gesetz. Dafür konnte man monatelang einsitzen.


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08.04.2009 13:30
#11
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Hallo manudave,

wenn ich S51 richtig gelesen und verstanden habe, hat er die Doppelbelastung nicht "gepriesen", sie war einfach vorhanden. Ich gebe Dir recht mit der Betrachtung und auch Bestrafung von Leute als "Asoziale", wenn sie nicht arbeiten wollten. In anderen Punkten regt sich bei mir Widerspruch: Die alten Ideale der Arbeiterbewegungen "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" und "Gleichberechtigung von Mann und Frau" wurden durchgesetzt. Vielleicht ungeschickt und linkisch, wie wir auch bereits in der Diskussion von Frauen in Führungspositionen betrachtet haben. Aber das waren letztlich die Grundsätze, auf denen das aufbaute und die auch eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung fanden. Du schreibst: "... indem man die Gehälter der Männer absichtlich auf unterem Niveau hielt." Hast Du dafür Belege, oder ist es eine einfache Behauptung? Die staatliche Betreuung, auch in den vielen Betriebskindergärten, war übrigens keineswegs flächendeckend. Es gab da viele Probleme mit der Versorgung. Und wenn ich mir meine beiden alten Kindergärtnerinnen als "staatliche Fittiche" vorstelle, kommt mir eher ein Schmunzeln ins Gesicht, als die Lust zur Auseinandersetzung mit dem System.

Noch ein paar Sätze zur Quote Arbeiter/Intelligenz: Prinzipiell ist der Gedanke an eine getrennte Betrachtung entsprechend der Herkunft nicht allzu unflott. Man ging davon aus, dass Kinder aus Familien der "Intelligenz" einen früheren und leichteren Zugang zu Bildung hatten, als Arbeiterkinder. Da mag im Durchschnitt durchaus was dran sein. Den Versuch, hier eine Chancengleichtheit herzustellen, kann man als ehrenwert ansehen, wie bürkratisch das dann auch immer umgesetzt wurde. Die Rückverwandlung meiner Wenigkeit in einen "Arbeiter" nach einem Hochschulstudium hatte schon deshalb eine heitere Seite, weil man darunter auch verstehen konnte, dass wir Offiziere damit intelligenztechnisch einen Rückschritt begingen. Und da ist ja dann durchaus auch was dran, gelle?

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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08.04.2009 14:12
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Da hat manudave etwas Entscheidendes vergessen:
In der DDR bestand nicht nur die Pflicht, sondern auch das R E C H T auf Arbeit, welches die breite Bevölkerung auch genoss.
Udo


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08.04.2009 15:39
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Da hast du sicher recht, Udo. Jedoch hieß das RECHT auf Arbeit nicht automatisch, dass man welche hatte. Man hatte einen Arbeitsplatz, aber Arbeit gab es allzu oft dann doch nicht - weil das Material fehlte.

Übrigens:
Meinst du nicht, dass man unter dem öffentlich dargestellten Recht zur Arbeit die Pflicht zur Arbeit besser verpacken konnte?
Es war ein beliebtes Mittel der Stasi Leute grundlos ins Gefängnis zu bringen. Systemgegner wurden entlassen und anderen Betrieben wurde ein Aufnahme dieser Person verboten. So konnte dieser seiner Pflicht nicht nachkommen und wurde festgenommen. Hab mehrere solcher Personen bereits kennen gelernt.

@Rainman

Belegen kann ich das freilich nicht. Ich weiß diese Praktik aus verschiedenen Gesprächen mit ehem. Politikern der DDR und ehem. Oppositionellen / Systemkritikern.


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08.04.2009 23:56
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#14
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Hallo manudave,

Ich habe auch Leute gekannt die nicht Arbeiten wollten, aber die Gesetze sehr gut gekannt haben um nicht Eingesperrt zu werden. Und dann wieder andere die in Arbeitslagern waren und jeden Tag geschlagen wurden weil sie gegen den Staat waren.
Aber ich weiß auch das die Betriebe Leute einstellen mussten die aus dem Gefängnis kamen.
Auch gab es in unserem Werk viele Geistigbehinderte, die hatten alle arbeit und wurden voll integriert .
In Beziehung auf arbeit brauchte sich keiner in der DDR zu ängstigen. Heute dagegen wissen schon unsere Kinder nicht was aus ihnen wird oder haben keine Zukunft. Das ist viel trauriger als die ganze DDR Geschichte.

Gruß Bürger


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09.04.2009 06:28
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#15
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@manudave:
Ich schrieb auch von der breiten Bevölkerung und nicht von Systemgegnern.

Arbeit gab es ansonsten immer, auch wenn kein Material da war. Ich habe in einem Chemiebetrieb als Schichtelektriker gearbeitet. Kabel, Steckdosen uä. - Fehlanzeige. Selbst Sicherungen und bestimmte Glühlampen waren zeitweise Mangelware. Da musste man sich eben was einfallen lassen, damit die Anlagen weiterlaufen. Stillstand gab es nicht. Wir haben noch immer irgendwas zusammen gefriemelt, damit kein Produktionsausfall entstand. Manche Anlagen waren dann auch abenteuerlich.
Udo


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