Der 9. November 1989 - Die Mauer blieb. Wie wäre es weiter gegangen?

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15.02.2011 02:36
#1
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Im Herbst 1989 waren Reiseerleichterungen für die Bürger der DDR erplant, in welchem Umfang ist nicht so richtig geklärt. Auf einer Pressekonferenz am Abend des 9.11.1989 verkündete Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros des ZK der SED eben jene Reiseerleichterungen ohne zu wissen dass es sich bei dem vorgelesenen Text nicht um einen aktuellen Beschluss sondern jediglich um einen Entwurf handelte. Die Folgen sind bekannt, sämtliche Grenzübergangstellen wurden förmlich überrollt und letztendlich geöffnet und somit die Mauer, welche die zwei deutschen Staaten Jahrzehnte trennte zum Fall gebracht.

Was wäre geschehen wenn an jenem Abend Schabowski eine neue Reiseregelung präsentiert hätte, welche sich nur unwesentlich von den bisherigen Regelungen unterschied und somit die Mauer weiter bestanden hätte? Hätte die DDR trotz des imensen Druckes durch die Bevölkerung und großer wirtschaftlicher Engpässe weiter bestehen können und wenn ja wie? Hätte es in Osteuropa zwei unterschiedliche sozialistische Lager gegeben (Ungarn z.B. näherte sich zu diesem Zeitpunkt mehr dem Westen an) oder war das sozialistische Lager in Europa schon dem Untergang geweiht und der Fall der Berliner Mauer nur der berühmte Tropfen, welcher das Fass zum überlaufen brachte?

Gruß aus Costa Rica

Major Tom


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15.02.2011 08:42
#2
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Wenn ZK und Politbüro wie bisher weitergemacht und die Entwicklung im In- und Ausland ignoriert hätten, dann wäre es auf die bewaffneten Kräfte angekommen. Sicher mal ein hartes Durchgreifen und Einleiten von Sicherungsmassnahmen an der Grenze Ost vergleichbar zu denjenigen in West und Süd und zu Berlin(West). Und dann die schwere Frage für die Armeeführung:
1. Weitermachen wie bisher mit dem alten ZK und Politbüro? Man hätte sich nach einem neuen starken Partner umsehen müssen, da sich die UdSSR als unzuverlässig erwies. China! Die hätte die nötige Wirtschaftskraft, aber möglicherweise kein Interesse, sich wegen der DDR mit der UdSSR anzulegen. Letzlich hätte man Verhältnisse wie in Burma oder Kuba gehabt: grosse Not und Armut, aber innere Ruhe und Frieden mit den Nachbarstaaten "dank" starker Armee.
2. Oder doch Militärputsch und Übergangsregierung zur Neuorientierung. Das hätte wohl zur Annäherung an den Westen geführt.
Theo


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15.02.2011 11:06
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#3
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Zum Kollaps wäre es früher oder später gekommen.
Wie hätten sich die alten Herren gegen Handys und Internet sperren wollen, ohne dass die DDR dadurch in die Bedeutungslosigkeit verschwunden wäre.
Verhältnisse wie in Nordkorea hätte sich doch der linientreueste Anhänger nicht bieten lassen. Der Krug wäre so lange zu Wasser gegangen, bis er zerbrochen wäre und ob es dann noch eine friedliche Revolution geworden wäre, hätte in den Sternen gestanden.
Die Globalisierung hätte uns ganz kalt erwischt und wäre mit voller Wucht über uns hinweg gerollt.
So konnten wir ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende erleben...und das ist gut so.


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15.02.2011 11:14
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#4
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ABV

Bei uns wurde gemunkelt, dass an der Oder bald wieder Grenzkompanien aufziehen würden. Einige frühere, in den sechziger Jahren von den GT aufgegebene Standorte, sollten quasi reaktiviert werden. Ich kann aber jetzt nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um Vermutungen oder konkrete Planungen handelte.
Die Öffnung der Mauer, sowie sie geplant nicht wie sie letztendlich durchgeführt wurde, war ein verzweifelter Versuch ein Ventil zu öffnen. Ohne diese Lösung wäre es bald zu einer gewaltsamen Eskalation der Wendeereignisse gekommen. Entweder wären die Menschen wirklich auf die "Barrikaden" gegangen. oder der Staat hätte gewaltsam durchgegriffen. Die Option mit den Isolierungslagern bestand ja auch im Herbst 1989 und wurde nur durch die Dynamik der Ereignisse verhindert.

Gruß an alle
Uwe


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15.02.2011 11:51
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#5
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hallo uwe

im wendejahr 89 wurde fast ganz martin hoop an die polnische/ tschechischegrenze versetzt um den exodus über ungarn zu verhindern, da ja alle faktisch schon auf reise richtung ungarn gewesen sind, als ich dann von schwantes nach hoop auf die knolle musste, war bis auf den kompnieschreiber und zwei drei andere uffze keiner anwesend, vom hörensagen ist mir bekannt, das die kalaschnikows in der waffenkammer bleiben mussten, die frischlinge haben ohne was im wald gestanden damit ja keiner anfängt rumzuballern, wenn wer stiften gehen sollte, also war das ganze richtig gemunkelt die odergrenze sollte dicht gemacht werden, ich vermute in anbetracht der ereignisse haben sie es sein lassen und es kam wie es kam

gruss max


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15.02.2011 12:05
avatar  GZB1
#6
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Ohne Reiseerleichterungen wäre es max. nur noch zwei Wochen "gut" gegangen dann wäre der "Schnellkochtopf" explodiert (haben ja eine Reihe von Heizern eingeheizt). Aber auch organisatorisch optimal vorbereitete und durchgeführte Reiseerleichterungen, ohne die "Bornholmer Variante", hätten innerhalb von max. 1 Jahr zu einer Auflösung der DDR geführt, weil die Menschen einfach die "goldenen" Westverhältnisse haben wollten und die DDR dies aus mangelnder Wirtschaftskraft und Devisen-Mangel nie hätte leisten können ("Offenbarungseid" Modrow bei Kohl). Auch mit einem Niedriglohngebiet (a´la Polen, Tschechien) hätte es nicht geklappt. Die Menschen wären einfach ausgewandert, wie auch vor/nach der Einheit viele wegen besser bezahlter oder überhaupt Arbeit umzogen (mußten). Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Systems der DDR hatten die Menschen einfach nicht mehr.
Und es gab nur einen Silberstreif am Horizont, die D-Mark!


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15.02.2011 12:30
avatar  Alfred
#7
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Zitat von ABV
Bei uns wurde gemunkelt, dass an der Oder bald wieder Grenzkompanien aufziehen würden. Einige frühere, in den sechziger Jahren von den GT aufgegebene Standorte, sollten quasi reaktiviert werden. Ich kann aber jetzt nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um Vermutungen oder konkrete Planungen handelte.
Die Öffnung der Mauer, sowie sie geplant nicht wie sie letztendlich durchgeführt wurde, war ein verzweifelter Versuch ein Ventil zu öffnen. Ohne diese Lösung wäre es bald zu einer gewaltsamen Eskalation der Wendeereignisse gekommen. Entweder wären die Menschen wirklich auf die "Barrikaden" gegangen. oder der Staat hätte gewaltsam durchgegriffen. Die Option mit den Isolierungslagern bestand ja auch im Herbst 1989 und wurde nur durch die Dynamik der Ereignisse verhindert.

Gruß an alle
Uwe



Was Du so alles gehört hast.
Isolierungslager, dass hätte die DDR in Friedenszeiten politisch nie durchgestanden.
Halte dich doch lieber mal an Fakten.


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15.02.2011 12:38
avatar  Alfred
#8
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Hier mal was zum lesen.


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15.02.2011 12:51
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#9
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hallo uwe

89 waren keine friedenszeiten, der politnik der einheit hat immer was von konterrevolution- die niedergeschlagen werden wird, gelabert, also die ansätze waren da zumindest in den köpfen einiger weniger, da sei doch die weisheit derer gerühmt die sich dazu entschlossen haben die frischlinge ohne kalaschnikow an die oder zustellen

gruss max


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15.02.2011 13:13
avatar  94
#10
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94

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15.02.2011 13:25
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#11
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was, chinesische zustände, muss nicht sein, was meint ihr ???


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15.02.2011 13:45
#12
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Hallo max ,

Das GAR-7 wurde Anfang Oktober 1989 mittels Gefechtsalarm in Marschbereitschaft versetzt.
In dieser Nacht hatte hatte ich Kompaniedienst auf der Einheit. Unsere AbK verlegte danach
mittels Kfz-Marsch von Halberstadt nach Mescherin an der Oder.
Wir bekamen dort den Befehl, den Abschnitt Autobahnübergang Pomellen - Tantow - Rosow -
Mescherin zu sichern. Unsere Bewaffnung und Ausrüstung war vollzählig. Untergebracht waren
wir die ca. 3 Wochen in den Gebäuden eines Kinderferienlagers - die Betten waren etwas kurz.
Soviel zu meinen Erinnerungen.

Gruß

Ricardo

in Antwort auf

Zitat von max
... im wendejahr 89 wurde fast ganz martin hoop an die polnische/ tschechischegrenze versetzt ... vom hörensagen ist mir bekannt, das die kalaschnikows in der waffenkammer bleiben mussten, ...


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15.02.2011 14:18
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#13
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hallo ricardo

in diesem zeitraum wurde ich von schwantes nach hoop versetzt, da war hoop schon an der oder, ich selbst war nicht mit an der oder , und wie ich ja geschrieben habe mir ist vom hörensagen bekannt.......


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15.02.2011 16:32
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#14
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Die DDR wäre so oder so kolabiert. Der kleine Regiefehler von Gen. Schabowski hat da nur wenig Einwirkung gehabt. Er hat lediglich die Entwicklung von jetzt auf gleich, quasi turbogetrieben, in die Höhe katapultiert. Der Ansturm auf die Grenzen am nächsten Morgen wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso abgelaufen, wie er tatsächlich ablief. Ich denke, die DDR bezog ihre Existenzberechtigung aus dem Gegensatz des kalten Krieges. Solange dieser Spannungszustand anhielt, war die Existenz dieses Staates stabil. In dem Moment wo "Tauwetter" einsetzte, war der 2.Staat auf deutschem Boden überflüssig und er konnte mit dem anderen Staat verschmelzen, was ja dann auch geschah. Oder was sollten 2 Staaten auf deutschem Boden mit gleichem politischen und wirtschaftlichen System ? Ergibt irgendwie keinen Sinn. So ist es gekommen wie es kommen musste.

Viele Grüße vom Rhein


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15.02.2011 17:28
#15
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Ich habe gerade ein interessantes Interview mit Schabowski gelesen in welchem auch auf die berühmte Pressekonferenz eingegangen wird. Interessant zu lesen ist z.B. auch, dass offensichtlich geplant wurde die Grenzen zum Westen völlig zu öffnen selbst auf die Gefahr hin dass dies die Auflösung der DDR bedeuten könnte.

http://www.tagesspiegel.de/politik/deuts...lt,1629732.html


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