Laufender Motor und Finger am Abzug

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10.02.2011 14:20
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#1
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Ich kann mich noch an Berichte im " Augenzeuge " erinnern, da wurde gezeigt, wie ein Zivilist? in einem Jeep, begleitet von bewaffneten GI's über die Grenze am Checkpoint Charlie gefahren wurde, eine Runde gedreht hat um wieder zurück in den Westsektor zu rollen. Da sollte demonstriert werden, dass die Siegermächte wann, wo und wie berechtigt sind, die Sektorengrenze zu überschreiten und keine Einschränkungen ihrer aliierten Rechte durch die DDR hinnehmen wollen.
Ich glaube, das war der Auftakt für die gefährlichste Konfrontation der 2 Supermächte im kalten Krieg.
Um Stärke zu demonstrieren, liess Clay Räumpanzer in der Friedrichstrasse auffahren und hart mit hoher Geschwindigkeit bis zur Grenzlinie vorrücken. Ich kann mich da auch an ein Bild erinnern, wo der Panzer kurz vor einem unerschrockenen Polizisten gebremst hat.
Tags darauf sind dann sowjetische Panzer der 90. Gardepanzerdivision aus Bernau ( Pateneinheit des GR 33 ) gegenüber in der Friedrichstrasse in Stellung gebracht worden. Scharf aufmunitioniert, mit laufenden Motoren, also gefechtsbereit und nur wenige Meter, Auge in Auge voneinander getrennt und zu allem entschlossen sollte nun der Showdown beginnen.
Die Frage, was wäre geschehen wenn Joe aus Dallas oder Wanja aus Smolensk, damals im Oktober 1961, eine juckigen Finger bekommen hätte, darf man sich gar nicht stellen.
Glücklicherweise ist das nun Geschichte und hat einen guten Ausgang genommen als die russischen Panzer wieder abgezogen wurden. Nie ist es jemals wieder zu einer solchen unmittelbaren Konfrontation der Supermächte gekommen.
Wer weiss mehr?


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10.02.2011 14:38 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2011 14:41)
#2
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Der Diplomat wollte die sozialistische Theaterkultur geniessen. Das DDR Kontrollpersonal liess ihn nicht durch. Da zeigte man Stärke..

Ein Jahr später: die Kubakrise. Da war die Situation schlimmer.
Theo


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10.02.2011 14:58
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#3
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Zitat von eisenringtheo
Der Diplomat wollte die sozialistische Theaterkultur geniessen. Das DDR Kontrollpersonal liess ihn nicht durch. Da zeigte man Stärke..

Ein Jahr später: die Kubakrise. Da war die Situation schlimmer.
Theo



Ja, Theo da gebe ich dir Recht.... aber nie wieder standen sich die einfachen Soldaten so massiv gegenüber. Der Richtschütze muss doch die Bartstoppeln seines Kontahenten durch's Zielfernrohr gesehen haben.


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10.02.2011 15:20
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#4
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Aber mal ehrlich: Der Kutscher, der den Panzer (M-48?) an der Linie abgestellt hat, hat's doch richtig drauf gehabt!!


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10.02.2011 18:26 (zuletzt bearbeitet: 10.02.2011 18:27)
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#5
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Habe dazu mal nen interessanten Link

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-20410335.html

Da wollte ein General wohl mit den Muskeln spielen und wurde dann zurückgepfiffen.


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10.02.2011 18:33
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#6
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S51

Von Seiten der Berliner Polizei (West) wurde mir von einem älteren Kollegen 1992 anläßlich einer privaten Feier erzählt, dass die amerikanischen Panzer in der ersten Reihe anders als heute oft dargestellt, keine Munition an Bord gehabt hätten.
Aus den eigenen Reihen einmal von einem Kollegen aus dem VP-Lager damals in der Möllendorfstr. (v. Z....) und von einem Offizier aus der Karlshorster Garnison wurde mir in den 80-er Jahren erzählt, dass auch die sowjetischen Panzer keine Munition an Bord gehabt hätten. Es hätte vielmehr eine Art Agreement gegeben, Stärke zu demonstrieren und nach Beruhigung wieder abzuziehen. Damit dabei nichts schiefging, habe es keine Munition gegeben. Die Russen hätten zwar einen "diensthabenen Panzer" mit Kampfsatz dabei gehabt, der hätte jedoch abgesetzt weiter hinten gestanden.
Es wären auch nicht alle dort stehenden Fahrzeuge die gesamte Zeit besetzt gewesen.


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10.02.2011 18:52
#7
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@S51 stimmt, vor einiger Zeit habe ich mal gesehen oder gelesen; weiß nicht mehr so genau, kann im Fernsehen gewesen sein; dass ein US Militär, um zu sehen ob deutsche oder sowjetische Panzer, in einen Panzer geklettert ist und dort kyrillische Schriftzeichen an den Geräten und russische Zeitungen gesehen hat. Ergo sowjetische Panzer. Aber wohin haben sich die Dinger denn zurück gezogen? Die standen in der Kaserne in der Geschwister-Scholl-Straße unter den S-Bahnbögen und da die Kanonenrohre aus den Viaduktbögen ragten, wurden über die abgesenkten Kanonenrohre die Transport LKW der Kaserne gefahren. Habe ich selber erlebt, war zu dieser Zeit als Grenzpolizist in der Kaserne. Die Russen durften sich nur in VP Uniform über den Hof bewegen und sich auch nicht an den Fenstern zeigen. Wenn sie aus den Fenstern sehen wollten, mussten sie sich VP Mützen aufsetzen, damit die kurzgeschorenen Haare auf dem Kopf nicht zu sehen sind. Wir VP Angehörige hatten nämlich alle "lange" Haare, eben den normalen Haarschnitt.
Peter, der Zaunkönig, der zu dieser Zeit noch ein halbes Jahr zu dienen hatte.


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10.02.2011 20:07
#8
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Wenn die DDR den Viermächtestatus bedroht, muss man eben Muskeln zeigen, damit der Bündnispartner BRD Ruhe gibt. Knapp ein Jahr später wurde den Bussen der Sowjetsoldaten, welche das Ehrenmal bewachen, die Scheiben eingeschlagen. Weil die Westberliner Polizei aus Sicht der Sowjets ihren Job zu leicht nahmen. Deshalb nahm man dann schwere Schützenpanzerwagen und benutzte natürlich die Güst Zimmer-/Friedrichstrasse....
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...nical/year/1962
Denn eigentlich durfte das allierte Militärpersonal ganz Gross-Berlin (in den Grenzen von 1937) betreten und befahren, auch mit schwerem Material. Dieses Recht wollte niemand aufgeben. Wenn man als Westallierter schon in Ostberlin war, liess man sich auch gerne mit DDR Soldaten ablichten, um den Angehörigen ein schönes Foto nach Hause schicken zu können.
http://www.cottonbalers.com/photo_albums...coldwar_014.asp
Theo


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11.02.2011 10:31 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2011 10:32)
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#9
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Das Viermächteabkommen galt nur für Berlin, nicht für die übrige DDR.

Einen ähnlichen Viermächtestatus gab es auch bis 1955 für Wien:

Wikipedia.de:
"...Wenige Tage nach dem Ende der Kämpfe des Zweiten Weltkriegs im Raum Wien sorgte die Sowjetarmee für den Aufbau einer neuen Stadtverwaltung. Auch politische Parteien formierten sich wieder. Erst im Herbst 1945 ließen die Sowjets auch Militärkontingente der anderen drei Alliierten, USA, Großbritannien und Frankreich, nach Wien; es blieb dann bis 1955 Viersektorenstadt. Im 1. Bezirk, der keiner der vier Besatzungsmächte fix zugeteilt war, wechselte die Besatzung jeden Monat.
Am 15. Mai 1955 erlangte Österreich mit dem Österreichischen Staatsvertrag die volle Freiheit zurück. Die Besatzungstruppen zogen bis Herbst 1955 ab..."

Dies hätte in Deutschland, nicht erst 1990 sondern mit der sogenannten Stalinnote vom 10. März 1952, falls die Westalliierten und Adenauer (nach dem Motto : Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb; bzw. Teile und Herrsche) nicht abgelehnt sondern verhandelt hätten, möglicherweise ebenfalls schon viel früher passieren können.


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11.02.2011 10:42 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2011 10:42)
#10
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Österreich und Deutschland ist nicht dasselbe. Österreich ist viel kleiner und westlich liegt noch die Schweiz. Ohne Truppen in Österreich konnten die Russen leben. Ein einheitliches Deutschland wäre nur möglich gewesen, wenn die ausländischen Truppen als Schutzmächte hätten bleiben können. Und auch nur im Zeitfenster anfangs der 50er Jahre.
Theo


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11.02.2011 10:43
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#11
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Zitat von stutz

Die Frage, was wäre geschehen wenn Joe aus Dallas oder Wanja aus Smolensk, damals im Oktober 1961, eine juckigen Finger bekommen hätte, darf man sich gar nicht stellen.
Wer weiss mehr?



Hallo,
ich halte es für möglich daß BEIDE zuständigen Kommandanten wußten die große Politik lässt "Sommertheater" spielen, wir als Schaupieler wollen allenfalls den Bühnentod, nicht den echten, vor allem nicht durch Dummheit oder Nervösität.

Daher ein Durchbruch in den jeweils anderen Sektor mit 10 Panzern schafft keinen gewonenden Krieg. Also können wir uns es leisten zum eignen Vorteil um Zwischenfälle zu vermeiden nur zu behaupten die Panzer wären aufmunitioniert, dem Kollegen Kommandanten mit der anderen Uniform das aber wissen lassen..

Ich denke die Stadtkommandaten hatten für solche Zwecke ihre direkten Verbindungen an allen offiziellen Wegen vorbei.


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11.02.2011 10:47 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2011 10:50)
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#12
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@ Theo,
Als neutraler Korridor mit Schweden, Dt, evtl. Tschechien und Österreich, von der Ostsee bis zur Adria wäre das eine Variante gewesen. (aber das ist Spekulatius)


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11.02.2011 10:52 (zuletzt bearbeitet: 11.02.2011 10:53)
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#13
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@ SET800

Die große Bühne der Weltpolitik und ihre Laiendarsteller. Richtig gute Star-Schauspieler gibts da ja eher selten.


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11.02.2011 10:54
#14
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Also das Bremsmanöver des Panzers an der weissen Linie. Das sieht schon aus, als hätte es der Fahrer ausgiebig geübt. Dieses Manöver gehört nicht zur normalen Ausbilung, für die Panzerbesatzung ist solches Manövrieren nicht so angenehm.
Auf jeden Fall zogen sich die Panzer ziemlich rasch zurück und hielten dann zweihundert Meter Abstand. Dies aber über einen Tag lang. Und dazwischen die Güst Zimmerstrasse. Für die Mitarbeiter dort eine unangenehme Situation.
http://www.panzerbaer.de/models/87_sfm_cp_charlie-a.htm
Theo


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11.02.2011 14:13
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#15
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94

Zitat von eisenringtheo
Also das Bremsmanöver des Panzers an der weissen Linie.


Meisterleistung! Was sind denn das eigentlich für Flammen (?), die da unter/hinter dem Turm aufleuchten?
https://www.youtube.com/watch?v=tb9AMndjr2U&t=72s


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