GT der DDR und Paßkontrolle an der GÜST Mbn./A.

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03.12.2010 13:02
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#16
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Zitat von Pitti53
..aber es gab doch die Einlaßkontrollen an den Güst'en Autobahn und Bahnhof,diese wurden doch durch Posten der Sik besetzt.Dort soll es manchmal zu kontroversen gekommen sein.die Sik hat dort seeehr übereifrig kontrolliert,die PKE hat sich öfter beim Kommandanten beschwert.Aber es kam nie zu Maßreglungen.ganz im gegenteil,Belobigungen wegen guter Dienstdurchführung.der Oberst ließ auf seine Leute nie was kommen.



Erst einmal zur Info: Der letzte Kommandant der GÜSt wohnt in Harbke OT Autobahn, sozusagen auf dem alten Kasernengelände. Über den langjährigen Kommandanten Oberst M., von allen nur "Obst" genannt, kann ich allerdings nichts sagen.

Jetzt erst einmal schönen Dank an Rabe für die Auskünfte - sehr aufschlussreich, wenn sie mir auch sehr "political correct" vorkommen.
Die Schilderungen bzgl. der Befehlsgewalt in der GÜSt waren allerdings sehr hilfreich, zumal aus erster Hand.
Ich hatte natürlich Anlässe aus meiner eigenen Dienstzeit, die mich nach den Zusammenhängen PKE/SiK fragen ließen.
Da die Darstellungen von Rabe allerdings im Großen und Ganzen Harmonie ausstrahlen, decken sie sich nicht so ganz mit meinen Erlebnissen.
Insbesondere an den von Pitti erwähnten Einlasskontrollen kam es relativ häufig zu kleinen formellen Reibereien. Einem übermütigen Gefreiten, der kurz vor der Entlassung stand, brachte das sogar ein paar Tage nachdienen ein. Er hatte wohl einem PKE-Fahrzeug Teile seiner Postenverpflegung (Apfel) hinterhergeworfen. Der Anschiss war sicher in soweit berechtigt, wenn auch die Strafe vielleicht unverhältnismäßig hart ausfiel. Aber das Ereignis sagt schon ein bisschen etwas über das Verhältnis SiK-Soldaten/PKE aus...sowohl der Apfelwurf als auch der prompte Anschiss und die harte Strafe.

Die Aussagen in Pitti's Zitat muss ich denn auch ein bisschen relativieren. Ganz allgemein hat die Sik nicht übereifrig kontrolliert - im Gegenteil, viele Soldaten haben bekannte Zivilisten, aber auch täglich wiederkehrende Fahrzeuge (Bäcker, Post usw.) überhaupt nicht kontrolliert. Das galt natürlich nicht, wenn Vorgesetzte oder eben Angehörige der PKE in der Nähe waren. Meistens waren dann aber auch die Zivilisten besonders vorbildlich und hielten statt z.B. normalerweise der klein zusammengefalteten Zeitung ihre Papiere aus dem LKW-Fenster.
Penibel wurden tatsächlich die PKEler kontrolliert...sie wurden auch mal warten gelassen, wenn man bei der Kontrolle die Wahl zwischen mehreren Ankömmlingen hatte.
Das Pochen auf die Vorschriften und die vorzuweisenden Dokumente führte denn auch tatsächlich zu gelegentlichen Beschwerden. Auch dazu ist mir eine prägende Anekdote bekannt, die meinen Kameraden Gefr. H. zum kleinen Helden der SiK machte, die den Obst und unseren KC zwar tatsächlich heißblütig für das Verhalten der Soldaten eintreten ließ, letztendlich aber doch zur Änderung der Vorschriften an diesem Postenpunkt führte und zwar ganz im Sinne der PKE.

Naturgemäß verteidige ich natürlich meine Kameraden, aber man muss auch ganz klar zugeben, dass wir als Soldaten unsere kleine Machtposition an den Kontrollpunkten oder auch als Gehilfe des DHO/Eisenbahn schamlos ausnutzten. Es war uns natürlich regelmäßig ein innerer Abgang, wenn man einen Offizier (der Stasi) ein bisschen schikanieren konnte, einfach in dem man sich besonders vorschriftengetreu verhielt oder die persönlichen Möglichkeiten ausnutzte, um ihn ein bisschen zum Kochen zu bringen. Auch dazu könnte ich viele kleine Anekdötchen erzählen.
In der Summe, denke ich, haben wir aber dennoch verloren. Meistens war die Dienstdurchfürung eben nicht besonders akurat, so dass wir potenziellen Anscheissern durch Dummheit mehr Futter boten, als wir ihnen durch kleine Schikanen abringen konnten.
Und sicher hätten wir damals gerne jede kleine Warteminute zurückgenommen, wenn wir dem blöden Apfelwerfer dadurch das Nachdienen hätten ersparen können.


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03.12.2010 16:40
avatar  Zkom IV
#17
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Muß jetzt nochmal nachfragen ob ich die Struktur einer GÜSt richtig verstanden habe.
Da gabs also drei Bereiche: Zoll, PKE und GT. Die Sicherungskompanie gehörte zu den GT. Chef einer GÜSt war der Kommandant, welcher den GT angehörte. Der war Chef des gesamten Geländes, aber den Paßkontrollkräften nicht weisungsbefugt. Die Zöllner hatten als Chef den Leiter des GZA.
Wer war denn jetzt direkter Vorgesetzer für die PKE.

Gruß Frank


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03.12.2010 17:13 (zuletzt bearbeitet: 03.12.2010 17:17)
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#18
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Hallo Zkom IV

Auch die Paßkontrolleinheit hatte einen Chef. Leiter der Paßkontrolleinheit.

Rabe


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03.12.2010 17:23
avatar  Zkom IV
#19
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Hallo @ Rabe,
Habe ja gerade das Buch "Guten Tag, Paßkontrolle der DDR" gelesen, konnte mich aber daran nicht erinnern. Dank vorerst für den Hinweis. War der Leiter PKE denn auch gleichzeitig Zugführer PKE, denn den gabs doch auch ?
Bei so vielen selbstständigen Bereich war doch eigentlich ein Kompotenzgerangel von vornherein angesagt. Warum hat eigentlich nicht der Kommandant der GÜSt für ALLE das Sagen gehabt. Wäre das nicht einfacher gewesen ?

Gruß Frank


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03.12.2010 17:48
avatar  Eumel
#20
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Zugführer waren die "Schichtleiter" und falls der Leiter der PKE bzw. dessen Stellvertreter (je nach Größe der Güst gab es da auch mehrere (z. B.: Leiter Operativ)) nicht da waren bzw. ausser Dienst, dann waren diese amtierende Leiter. Entscheidungen gingen aber auch bei Wichtigkeit über Lage- Informationsgruppe bzw. Fahndungsleitstelle. Leiter PKE war natürlich je nach Vorkommnis auch sofort zu informieren. War nicht alles so einfach mit den Kompetenzen.

Der Kommandant hatte ja bei der Sicherung der Güst das Sagen. Allerdings eben nicht bei den operativen Vorgängen. Da gehörte eben (sehr weit gefasst) auch die Abfertigung dazu. Also spezielle Zoll- und Abfertigungsprozesse wurden von den eigenen Ministerien verantwortet. Durch die Involvierung verschiedener Ministerien hatte eben auch jeder seine eigenen Kompetenzen. In der Wendezeit wurde das ja dann auch verändert und die Grenztruppen waren auch für Abfertigung verantwortlich.

Zum Verhältnis Zoll - PKE kann ich auch nichts negatives sagen. Man hat zusammen gegessen und gab eigentlich auch in der Zusammenarbeit aus meiner Erinnerung keine Probleme. Gab da auch private Kontakte. Wird da auch überall anders gewesen sein. Trifft sicher auch auf SiK zu. Da gab es eben auch kaum Kontakte je nach Güst. Ansonsten kann ich da Rabe nur bestätigen. Auf alle Fälle war es wichtig, den Kommandanten als Chef des ganzen zu grüßen, sonst gab es Beschwerden


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03.12.2010 18:12
avatar  Zkom IV
#21
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@ Eumel:

Dank für Deine weiteren Hinweise. Das mit dem Grüßen muß ja unheimlich wichtig gewesen sein. Wahrscheinlich habe ich als völlig "Ungedienter" (als Westberliner war ich ja vom Wehrdienst befreit und die Bundeszollverwaltung legte immer größten Wert auf ihren Status als "zivile Behörde) den damaligen Kommandanten der GÜSt Kleinmachnow nicht richtig gegrüßt, woraufhin der natürlich sauer war und mich des "Feldes" verwiesen hat.

Gruß Frank


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03.12.2010 19:06
avatar  Eumel
#22
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Zitat von Zkom IV
@ Eumel:
Dank für Deine weiteren Hinweise. Das mit dem Grüßen muß ja unheimlich wichtig gewesen sein. Wahrscheinlich habe ich als völlig "Ungedienter" (als Westberliner war ich ja vom Wehrdienst befreit und die Bundeszollverwaltung legte immer größten Wert auf ihren Status als "zivile Behörde) den damaligen Kommandanten der GÜSt Kleinmachnow nicht richtig gegrüßt, woraufhin der natürlich sauer war und mich des "Feldes" verwiesen hat.
Gruß Frank



Hehe ... sicher war es nicht so. Bei der Armee war es nun mal üblich, ordentlich Grußerweisung zu machen. Bei der PKE hat es da etwas an Schliff gefehlt. Der Kommandant als Oberst der GT legte da aber (mit Recht) Wert drauf.

Die Angehörigen vom Wachregiment "Friedrich Engels" (das waren die, welche z. B. am Mahnmal Unter den Linden standen) waren da wesentlich korrekter drauf. Falls man da auf der Straße einen Offizier begegnete (man selbst in Uniform), haben die auch mal niedere Dienstgrade wegen unvorschriftsmäßigen Grüßen zurückgepfiffen Auf dem Weg zum Mittag konnte man da bei uns häufig mal sehen, wie man korrekt Grußerweisung zu machen hat


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03.12.2010 20:31
avatar  Pitti53
#23
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Zitat von Rabe
@Pitti53 Hallo

Von solchen Kontroversen, wie Du es nennst, habe ich keine Kenntnis. Wirklich nicht. Ich hätte so etwas auch nicht geduldet.
Wenn ich mal kontrolliert wurde ( sehr selten ), war es immer korrekt.

Rabe


aber es gab sie @rabe...habe es in den 9 jahren selbst erlebt.auch sentry berichtete hier schon ähnliches


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03.12.2010 21:07
#24
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Sehr interessante Ausführungen, besonders auch die über die Passausweisauskontrolle. Eine Frage, die mich immer interessiert hat, ist die: Wie ist man vorgegangen, wenn zwar der Ausweis zweifellos echt war, aber nicht eindeutig klar war, dass das Foto im Ausweis wirklich das des Inhabers war? Gab es da Spezialisten am Grenzübergang, z.B. Physiognomen?
Theo


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04.12.2010 00:16 (zuletzt bearbeitet: 04.12.2010 00:22)
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#25
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Identitätsprüfung war eines der wichtigsten Ausbildungsschritte. Bevor du in der Abfertigung warst, gab es da (zu meiner Zeit) viele Tests anhand von ... sagen wir Testtafeln oder Katalogen. Beliebt waren da Zwillinge. Es gab immer zwei Bilder und du musstest da identisch oder nicht identisch erkennen. Waren auch wirkliche Vorkommnisse eingebaut. Für jeden Mitarbeiter gab es auch ein kleines "Handbuch". Glaub, dass war auch im Buch von PKE mit drin. Das Ohr mit seinen vielen Unterschieden war wichtig. Deswegen auch die Lästereien wegen "Ohr frei machen" ;) ... Wenn du so willst, dann waren alle in der Passkontrolle "Physiognomen".

Edit flüsterte mir noch zu den Tests ein: Gerade wegen Altersunterschieden und krankheitsbedingten Veränderungen waren solche Fotos sehr beliebt. Kann allerdings heute nicht mehr sagen, wie viele unveränderliche Merkmale man erkennen sollte. Vielleicht weiss da PKE oder Rabe mehr dazu.

Es gab allerdings natürlich Spezialisten die bei Verdacht auch noch mal geschaut haben. Und hattest du den Verdacht, dann solltest du auch dringend den Spezialisten anfordern. Da hat (bei uns) keiner was gesagt. Das sollte aber im Normalfall auch nicht offen passieren. Kam aber auch vor.

In der Praxis kann man aber auch nicht so dumm denken, wie es manchmal kommt ... Da es auch ständig Leistungsdruck gab und bei machen Personengruppen "ja nichts passieren konnte", wurde da auch manchmal geschlampt. So gab es eben auch eine Schleusung, oder besser in diesem Fall einen ungesetzlichen Grenzübertritt, ohne die mindeste Ähnlichkeit, da ein DDR-Bürger einer betrunkenen Studentengruppe einen Pass entführt und sich dieser einfach angeschlossen hatte. Der Student im vorherigem Koma traf verspätet ein und meldete seinen Passverlust. Muss wohl alles schlüssig gewesen sein ... paar Tage später durfte er nach Hause. Für mich war es ein bleibendes Erlebnis, da es meine erste Zuführung zur Vernehmung war und viele Überstunden dran hingen.


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04.12.2010 01:11
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#26
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Moin @Rabe.Keine Kontroversen?Ich habe genug Schichten am PP A5 geschoben um dieser Aussage nicht ganz zustimmen zu können.Man hatte doch immer irgendwie das Gefühl, dass die vom PKE nur darau warten, einem etwas anhängen zu können.Und so wurden sie halt jedes Mal kontrolliert,auch wenn sie 10x hintereinander in die Güst fuhren.Pgh. Grüsse vom verschneitem Wittow Möwe


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04.12.2010 14:44
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#27
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Hallo,

ich könnte die von einigen Usern geschilderten " Spannungen " zwischen den Angehörigen der SIK und den Mitarbeitern der Paß-
trolle einfach so sthehen lassen. Ich kann damit durchaus leben. Es ist Geschichte. Es ist auch nichts ungewöhnliches, daß es bei
allen Streitkräften der Welt, so auch in der DDR, zwischen den Angehörigen der Teilstreitkräfte und den verschiedenen Waffen-
gattungen ernste und weniger ernste " Zwistigkeiten " gab und immer geben wird.
Ich selber habe 18 Monate meiner Dienstzeit als " Wachposten " abgeleistet. Ich kenne also die Befindlichkeiten eines Posten
am Tage und in der Nacht, im Sommer und im Winter, bei Regen und bei Schnee.
Als Angehöriger der Paßkontrolle habe ich an verschiedenen Grenzübergangsstellen Dienst versehen. An der Güst Oebisfelde gab
keinerlei dienstliche Kontakte, auch nicht beim Betreten der Güst, zu Angehörigen der SIK. Dies trifft auch für die Güst Salzwedel
zu. Die Einfahrt in den " rückwärtigen Raum " der Güst Marienborn/A. war durch ein Postenpaar der SIK gesichert. Diesen
Postenbereich habe ich und 95 % der Mitarbeiter der Paßkontrolleinheit arbeitstäglich 2 Mal in einem Linien - KOM passiert.
In 10 Jahren hochgerechnet mindestens 6000 Mal. Der Bus ist nicht ein einziges Mal von dem Posten kontrolliert worden.
Ich glaube es nicht, daß ein Mitarbeiter der Paßkontrolle aus dem Bus heraus eine " lange Nase " gemacht hat.
Relativ selten bin ich zu Fuß oder mit einem KfZ durch den Postenbereich zum Objekt Harbke, Ortsteil Marienborn/A. gelaufen
bzw. gefahren. Wenn ich kontrolliert wurde, war es korrekt. Dabei bleibe ich.
Nun hab ich jedoch noch eine Frage: Welche Dokumente hat der Posten der SIK eigentlich von einem Mitarbeiter der Paßkontrolle kontrollieren müssen?

Rabe


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04.12.2010 15:15
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#28
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Den Dienstausweis und ggf. die Genehmigung, ein Kfz mit hinein zu nehmen. An eine Anreise der PKE per KOM kann ich mich nicht erinnern bzw. dass ein Linienbus in die GÜSt fuhr (87/88).
Übrigens habe ich erst durch diese Ausweiskontrollen realisiert, dass Passkontrolleure MfS-Angehörige waren. Das war auch in der DDR kein Allgemeinwissen.


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04.12.2010 15:26
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#29
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Zitat von sentry

Naturgemäß verteidige ich natürlich meine Kameraden, aber man muss auch ganz klar zugeben, dass wir als Soldaten unsere kleine Machtposition an den Kontrollpunkten oder auch als Gehilfe des DHO/Eisenbahn schamlos ausnutzten. Es war uns natürlich regelmäßig ein innerer Abgang, wenn man einen Offizier (der Stasi) ein bisschen schikanieren konnte, einfach in dem man sich besonders vorschriftengetreu verhielt oder die persönlichen Möglichkeiten ausnutzte, um ihn ein bisschen zum Kochen zu bringen. Auch dazu könnte ich viele kleine Anekdötchen erzählen.



na dann mal los @sentry, gerade die anekdoten sind doch die würze eines forums...


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04.12.2010 15:43
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#30
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Ich hacke hier bloß auf meinem ipod rum und ich glaube, ich habe auch schon mal ein paar Geschichtchen geschrieben. Aber wenn ich wieder eine richtige Tastatur vor mir habe, wärme ich nochmal was auf.


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