Kinderkurheim Erich Steinfurth in Zinnowitz

23.11.2010 15:19
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Gang von der Gartenseite durch die mehrstöckige Ruine des früheren DDR-Kinderheims in Zinnowitz auf der Ostseeinsel Usedom mit abschließendem Blick vom Balkon des Obergeschosses auf das Achterwasser.

1978 im Herbst war ich 6 Wochen dort. Ich war in der 7. Klasse. "Chronische Rhinitis" oder so ähnlich hieß die Diagnose. Bei der Eingangsuntersuchung stellte man außerdem 7 Kilo Untergewicht fest. Das bedeutete Zusatzkost. Puddingsuppe zum Frühstück. Angenehm! Ansonsten Kasernenhofathmosphäre. Post wurde kontrolliert (haben wir dann heimlich bei Ausflügen in öffentliche Briefkästen geworfen), Mittagsschlaf musste in Bauchlage gehalten werden, Pakete mussten zur öffentlichen Verteilung freigegeben oder ungeöffnet deponiert werden ( beim wöchentlichen Wäschewechseln kamen wir im Keller an unser großes Gepäck und konnten dann heimlich und eilig ein Loch ins Paket ritzen und eine Handvoll Süßigkeiten mitnehmen, die dann mit Freunden geteilt wurde).
Im Keller des Hauptgebäudes haben wir Sole inhaliert und sind nackt im Kreis um eine Höhensonne gelaufen.
Schön waren die Spaziergänge durch Zinnowitz und Umgebung, wir besichtigten die V1-Startrampen in Zinnowitz, sammelten Bernstein am Strand (wurden zu möglichen Phosphorfunden belehrt) und erlebten die Ostsee erstmals bei Sturm. Im Gemeinschaftsraum spielten wir stundenlang ein Autokartenspiel, das ein Kumpel aus dem Westen hatte. Im wunderschönen parkartigen Garten spielten wir alle möglichen Spiele, wie z.B. "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?", "Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser?", "Eins, zwei,drei,vier Heringstonne". Im Garten entstand auch ein Gruppenfoto, das ich noch besitze.Ich war in einer reinen Jungengruppe, man kam aus allen Teilen der DDR. Das Beste an dieser Kur war die sich allmählich entwickelnde Solidarität vieler Jungs untereinander, um die Schikanen der Erzieher auszuhalten und zu umgehen. Insofern eine gute Schule, um sich letzendlich auch auf die gleiche Art und Weise mit der DDR im Ganzen zu arrangieren.Nach der Kur war ich total erkältet und- ein Treppenwitz der Geschichte- hatte genau 7 Kilo abgenommen.Vor ca. drei Jahren war ich in Zinnowitz, wo das Heim tatsächlich nahezu unverändert als Ruine herumsteht. Zum Teil konnte ich drin rumklettern, das war zum "Gänsehautkriegen", sosehr packten mich die Erinnerungen.Vielleicht gelingt es über dieses Blog, Ehemalige aufzuspüren, Erinnerungen aufzufrischen, Fotos auszutauschen. Wenn nicht, dann ist´s auch nicht so schlimm.

Quelle: http://zinnowitz.blogspot.com/2007/11/faszination-kur.html


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23.11.2010 16:53
#2
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es gibt da im weltweiten Netz noch mehr Gruselgeschichten
ich schreibe später noch was zu dem Kinderheim und versuche auch mal einen ehemaligen Mitarbeiter ins Forum zu locken

http://www.gespensterweb.de/wbb2/thread.php?threadid=4648

das Grundstück des Kinderheimes gehört hier zu.
http://www.ewh24.de/html/main/

mannomann


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