Feindliches Fernsehen

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23.11.2010 13:12
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#1
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Uni Halle mit Studie zu Konkurrenzkampf zwischen Ost- und Westfernsehen.

Fernsehen in der DDR war sowohl für die Zuschauer als auch für die Programmmacher mehr als nur das DDR-Fernsehen. Der Blick in den Westen respektive in seine Fernsehprogramme war allgegenwärtig: Im Osten sah man auch den Westen. Doch warum verlor die DDR den "Kalten Krieg im Äther"? In einer wissenschaftlichen Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) untersuchte die Medienwissenschaftlerin Dr. Claudia Dittmar, warum das DDR-Fernsehen den Konkurrenzkampf mit dem "Westfernsehen" nicht gewinnen konnte.

Die Programme von ARD und ZDF strahlten über die deutsch-deutsche Grenze hinweg in die DDR ein und waren in weiten Teilen Ostdeutschlands zu empfangen. Nur das "Tal der Ahnungslosen" im Raum Dresden und der äußerste Norden der Republik blieben außen vor.

Für das Staatsfernsehen der DDR war die Konkurrenz aus dem Westen allerdings mehr als ein Wettbewerber um die Gunst der Zuschauer. Stigmatisiert als "Feindliches Fernsehen" setzten die Sender der Bundesrepublik mit ihrem Programmangebot Maßstäbe und waren immer wieder die Messlatte für die eigenen Leistungen der DDR-Fernsehmacher.

Doch es ist zu einfach zu sagen, die Bürger der DDR hätten Abend für Abend per Bildschirm Republikflucht begangen, sagte die Fernsehforscherin Claudia Dittmar: "Der bisherige Forschungsdiskurs hat in einer Art Schwarzweiß-Malerei die Bedeutung des Fernsehens der BRD zu stark simplifiziert: Die DDR-Bürger wären jeden Abend ,virtuell’ ausgereist und darum hätte das Ostfernsehen am Ende nur noch ARD und ZDF kopiert. Tatsächlich war auch das eigene Programm in der DDR erfolgreich und die Westsender wurden selten nachgeahmt. Dafür wurden die Konkurrenten aber umso intensiver beobachtet und permanent in einer als ideologischen Ätherkrieg interpretierten Auseinandersetzung bekämpft".

Das Fernsehen der DDR war bei den eigenen Zuschauern vor allem im Unterhaltungsbereich erfolgreich - und weniger bei ideologischen Sendungen. Dittmar kommt zu dem Schluss: "Während zu Beginn sogar noch intensiv um die westdeutschen Zuschauer geworben wurde, blieb seinen Machern am Ende nur noch übrig, sich resigniert auf unterhaltende Formate einzulassen und Filme aus dem westlichen Ausland zu importieren. Das ostdeutsche Publikum sollte so um nahezu jeden Preis auf den eigenen Kanälen gehalten werden. Damit mussten sich die großen Hoffnungen, das Fernsehen als ‚ideologische Waffe im Klassenkampf’ und als Indoktrinationsinstrument für die Bevölkerung einsetzen zu können, letztendlich doch zerschlagen."

Die Veröffentlichung "Feindliches Fernsehen" ist Teil des Forschungsgruppe "Programmgeschichte des DDR-Fernsehens komparativ" der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG). Diese war von 2002 bis 2008 am Department Medien- und Kommunikationswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie an der Universität Leipzig, der Humboldt-Universität Berlin und der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg beheimatet.

Das Buch "Feindliches Fernsehen" ist erschienen im transcript-Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis.
ISBN 978-3-8376-1434-3
Preis: 34,80 Euro.


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23.11.2010 13:37
avatar  Pit 59
#2
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Ich kann das nur bestätigen,ich kenne als Kind kein DDR-Fernsehen,in meinem Elternhaus wurde nur ARD u.ZDF geschaut.Mein Vater baute immer die neuesten Antennen (angeblich) mit umgelagerten Alu u. Kupfer selbst.Da gab es die tollsten Konstruktionen.
Tagesschau haben sich meine Eltern nie entgehen lassen.Ich habe einmal "Schwarzer Kanal " gesehen. dann wurden Unterhaltungssendungen kopiert z.B. Kessel Buntes,haben DDR Zuschauer auch nur gesehen weil immer Westkünstler auftraten.


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23.11.2010 13:39
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#3
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94

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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23.11.2010 16:47
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#4
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bei mir war es eher so,das mit den 3 westprogrammen schon 5 zur auswahl kamen um das interessanteste raus zu suchen.als kind war das sonntagsnachmittagsprogramm mit meister nadelöhr weit besser als die augsburger puppenkiste sowie das sandmännchen oder artur der engel.dagegen sah das brd fernsehen alt aus,auch zu sylvester schauten wir meistens nur das ddr fernsehen,an filmen gab es kultsendungen wie polizeiruf oder den staatsanwalt,ansonsten viele filme im brd fernsehen.
beim radie sah das anders aus,hier hörten wir fast nur den rias wegen der besseren musik.
andy


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23.11.2010 17:37
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#5
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Bei mir war es umgekehrt.Gerne hätte ich mal das DDR Programm angeschaut.Dies war aus technischen Gründen nicht möglich.


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23.11.2010 18:18
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#6
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In Berlin (West) konnten wir natürlich DDR-Fernsehen empfangen. Ab und zu haben wir uns auch schon mal die Satiresendung "Der schwarze Kanal" angeguckt. Das, was Ede da über den Westen losgelassen hat, war herrlich haarsträubender Blödsinn. Das kam schon fast an Dieter Hildebrandts Sendung "Notizen aus der Provinz" (ZDF, 1973 - 1979) heran.


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23.11.2010 18:32 (zuletzt bearbeitet: 23.11.2010 18:47)
avatar  GZB1
#7
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Die Trickfilme auf ZDF im Vorabendprogramm in der Woche mit Paulchen Panther (Pink Panther) Tweetie etc. waren für mich als Kind auch immer lustig. Gegen die Flimmerstunde (Kindersendung DDR1) am Sonnabendnachmittag oder Abenteuer im Märchenwald (nachdem Meister Nadelöhr gestorben war) Sonntagnachmittag mit Pittiplatsch und Gefolge kam das Westfernsehen bis Anfang der 80er Jahre nicht an.


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23.11.2010 18:37
avatar  PF75
#8
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Wo das hinführt wenns keinen Klassenkampf mehr gibt sieht man ja an der Qualität der heutigen Programme.


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23.11.2010 19:02 (zuletzt bearbeitet: 23.11.2010 19:02)
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#9
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Zitat von PF75
Wo das hinführt wenns keinen Klassenkampf mehr gibt sieht man ja an der Qualität der heutigen Programme.


Stimmt!

Ich vermisse auch die Berichte über Ernteerfolge in den Hauptnachrichtensendungen.


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23.11.2010 19:22
#10
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Bin leider ohne Ahnung von Fernsehtechnik: Deshalb die Frage: Die BRD hatte die PAL Norm, die DDR hingegen das französische Secam. Warum konnte man überhaupt Westfernsehen schauen, wenn die Technik unterschiedlich war?
Theo


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23.11.2010 19:26 (zuletzt bearbeitet: 23.11.2010 19:29)
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#11
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PAL bzw. Secam sind nur die Farbwiedergabesysteme. In schwarz-weiß konnte das jeweils andere System gesehen werden.

In Berlin (West) wurden die Farbfernseher fast immer mit beiden Systemen in einem Gerät verkauft.


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23.11.2010 19:46 (zuletzt bearbeitet: 23.11.2010 19:49)
avatar  GZB1
#12
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In der DDR gab es in den 80ern dann auch Farbfernseher mit beiden Farbsystemen.

(Marke Colortron oder Colormat vom VEB Stassfurt)


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23.11.2010 20:03
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#13
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Moin,
nicht nur im Osten wurden abenteuerliche Antennen gebaut.
Als wir 1980 in unseren Neubau (Flachdach) einzogen, musste natürlich sofort auch er Fernseher funktionieren!
Eine Woche nach Einzug kam dann mein Onkel (begnadeter Hobbyelektroniker) um die Ecke und als ich in den Kofferraum schaute, fiel ich fast vom Hocker! - Da lag eine 3,5 Meter lange VHF Antenne drin und eine kleine UHF Antenne.
Da die ARD bei uns in der Gegend fast mit nem feuchten Finger zu empfangen war, wurde dieses Trumm dann in Richtung Brocken ausgerichtet.
Nachdem die Kabelage, 3 Antennenverstärker, etc. montiert war wurde der Sendersuchlauf am Ferni betätigt und nun erkannte ich, warum mein Onkel dieses riesiege Trum in die verkehrte Richtung gedreht hatte: Ich habe dort zum ersten mal in ein mir völlig unbekanntes Land geschaut! - Sogar in Farbe, nachdem mein Onkel den SECAM Adapter eingebaut hatte.
Sudel Ede, Verkehrsmagazin, Pittiplatsch, etc. - das war eine völlig neue Erfahrung!
Manches war wirklich klasse gemacht, z.B. Pol. Ruf, die Kindersendungen, etc.
Satiresendungen wie Der schwarze Kanal, Aktuelle Kamera und auch das Verkehrsmagazin, etc. waren im Kumpelkreis so beliebt, das ich es teilweise auf Video aufnehmen musste! :D

Viele Grüße,
Carsten


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23.11.2010 20:21
avatar  94
#14
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94

Zitat von CASI
..., das ich es teilweise auf Video aufnehmen musste!



Haste die Bänder vllcht noch? *liebfrag*

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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23.11.2010 20:27
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#15
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( gelöscht )

Zitat von 94

Zitat von CASI
..., das ich es teilweise auf Video aufnehmen musste!



Haste die Bänder vllcht noch? *liebfrag*




Da muss ich mal durch die Videokiste kramen. Komplette Sendungen bestimmt nicht mehr.
Eine E180 Markenvideokassette kostete Anfang der 80er um die 35 Mark und wurde dementsprechend oft überspielt.


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