Dittrichshütte als Satire

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18.11.2010 20:51
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Das Leben eines Grenzers im Spiegel der Satire.

Es war Frühling und wir wurden in das heutige Kinder- und Jugenderholungsheim geschickt.

http://www.dittrichshuette.de/pdf/lagepl...richshuette.pdf

Eine kostenlose Eisenbahnfahrt erwartete uns auf der wir Jungs uns kennen lernen durften. Die Gegend versprach viel von den Landschaftlichen Reizen und wir sollten nicht enttäuscht werden diese auch kennen zu lernen.

Meine Unterkunft war im Hamsterbau und ich packte meine Sachen aus. Das meiste durfte ich wieder nach Hause schicken weil man sich sogar um Kleidung für uns bemüht hatte und einen eigenen Spind gab. Weil junge Menschen immer schusselig sind, nahm der Leiter unserer Gruppenleiter (Obergruppenleiter) den 2.Schloßschlüßel an sich.
In den vielen nächsten Tagen brachte man uns bei, wie man läuft ohne von den anderen Gruppen aufzufallen. Ja sogar das singen lernten wir und die Gegend mal so richtig kennen.

Da gab es einen Spielplatz mit Tunnelröhre zum verstecken, eine Balkenbarriere bei der wir mal richtig unten drunter durch den Schlamm kriechen durften und sogar eine Holzwand gegen die wir anfangs gerne rannten. Leider war der schöne graben nicht mit Wasser gefüllt, einige hätten bestimmt im Sommer mal ein schönes Bad genommen.

Auch unser Gruppenleiter war sehr nett zu uns, er achtete immer darauf dass unsere Stiefel gut geputzt sind, welche wir dann vor dem Spind stellten. Aber der Nicolaus war wohl zu sehr beschäftigt, denn unsere Stiefel füllte er nie. Dafür tröstete uns der Gruppenleiter jeden Morgen mit Spielen wie Einholen und Überholen, das machte soviel Freude dass wir oft 3.000 Meter liefen und uns hinsetzten mit schlechter Laune weil das Spiel vorbei war. Oder wir durften mal mit Panzerkettenglieder Spielen wie echte Panzersoldaten.

Aber am meisten machten die Nachtwanderungen Spaß, man dachte jetzt muss man schon wieder um 22.00 Uhr die Nachtruhe einhalten und dann pfiff jemand und sagte. Ganz schnell aufstehen, wir machen heute mal Nachtwanderung. Man was waren wir vor Freude schnell in den Klamotten und standen voller Spannung vor unserem Hamsterbau. Meistens schwindelte uns der Gruppenführer nur an und wir mussten wieder ins Bett. Aber einmal, da kamen richtig große Autos angefahren und nun durften wir Schnippseljagt in der Nacht machen.

Inzwischen kannten wir die Gegend ja so gut dass sich niemand verlaufen konnte.

Nach 6 Wochen gab es eine große Feier und unsere Eltern durften uns besuchen um zu sehen wie es uns geht, aber keiner wollte mit nach Hause, es war ja sooo schön dort.
Ich glaube wir wurden schon auf irgendwelche Berufe vorbereitet, die meisten wollten Diener werden denn (fast) alle sagten: „Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik“.

Ich wollte eigentlich etwas anderes lernen, aber sagte es auch und so wurde mir auch die Anfangsstufe der Küche gezeigt. Wer Dienen möchte sollte die Lebensmittel und ihre Verarbeitung kennen, also schälten wir auch oft Kartoffeln. Ich weis nicht für wen, denn von meinen geschälten Kartoffeln bekam ich nur 5 ab.

Endlich durften wir mal alleine in die nächste Stadt, wie die Eltern zu Hause bemühte man sich um Korrektheit, das wir auch saubere Fingernägel haben und gut aussehen, denn wir sollten ja lernen Mädchen anzubaggern. Damit sich keiner verläuft kontrollierten immer einige vom Lager ob wir noch wissen wo wir sind. Sie fuhren uns dann auch wieder in den Hamsterbau. Zuhause musste ich immer laufen.
Irgendwann wurden wir nach Hause geschickt, aber das gefiel vielen nicht und so kam es das wir uns alle nach einigen Tagen wieder im Jugendlager Trafen. Alle sind von zu Hause wieder abgehauen. Auch ein 2. versuch uns nach Hause zu schicken fruchtete nicht. Also behielt man uns ein ganzes Halbes Jahr mit der Qual sich immer wieder neue Spiele ausdenken zu müssen. Wo erlebt man heute soviel Führsorglichkeit?

Nach einem halben Jahr kam der Lagerleiter und sagte, „Ich habe so viele Anfragen von anderen Jungs die auch hier Urlaub machen möchten, darum müsst ihr uns jetzt verlassen“.
Es war ein Trauriger Tag und man dachte sich als Andenken einen Trauermarsch aus, der das Ganze Umfeld noch einmal erleben ließ, sogar auf den Spielplatz durften wir uns noch mal austoben und die ganzen schönen Regendichten Sachen bim Laufen anziehen.

Wir wurden getröstet das wir in ein neues Lager kommen und dort brauchten wir auch keine Angst haben uns zu verlaufen. Man hatte extra für uns 2 Zäune gebaut wo wir ungestört die Tiere beobachten können oder Pilze sammeln, sogar nachts gäbe es einen schönen Sternenhimmel zu sehen und wenn jemand lange weile hat darf er sogar mal eine Weiße Leuchtpatrone abschießen um sich dann aus dem Behälter etwas zu basteln für Bandmaß oder so. Ein Bandmaß ist zum nähen nie verkehrt, also sollte es geschützt sein.

Wir wurden nicht enttäuscht, ich hoffe die Heute dort Ferien machen haben weniger Spass, ich gönne ihnen unsere Freude nicht.

EK 82/2

Eine kleine Geschichte zum Lachen oder auch nicht, aus lange Weile geboren.


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18.11.2010 22:04
#2
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Hallo EK82/2

Ich finde Deine Geschichte wirklich gut. Sie kommt einem irgendwie bekannt vor!

Theo 85/2


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18.11.2010 23:56
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#3
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Hallo EK, Deine Geschichte hat mich zu Tränen gerührt ! Genau so habe ich es auch erlebt, konnte es aber nie so ausdrücken !

Übrigens, ein netter Onkel von damals, ist dort heute noch aktiv !

Gruß
P3


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19.11.2010 17:02
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#4
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hi p3,
siehste,so betrachtet war doch alles gar nicht so schwer.
somal es ja noch viel mehr gab.der gute onkel (scholz,nehme ich an) organisierte immer solche guten märchenstunden wo uns aus büchern von rotkäpchen und dem bösen wolf vorgelesen wurde und erst das sandmännchen im frnsehen (ich glaube es hieß karl eduard von der hütte)
erzählte immer so gruselige einschlafgschichten das wir nacher lachten um unsere angst zu verdrängen.
auch alle unkrautsorten lernten wir im kiesgarten kennen, der onkel erlaubte uns ganze eimer voll zu sammeln.

ja so war sie die gute hütte.

gruß andy.


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19.11.2010 19:30
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#5
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Hallo Andy,

Deine satirische Schiene gefällt mir !

Ich versuche es auch einmal !

An eine Geschichte von der guten Hütte erinnere ich mich auch noch. An einem Morgen, Mitte Dezember 1981 haben wir beim Frühstück wieder mal gebummelt. Und gerade an diesem Tag hatte man Besonderes mit uns vor. Unsere Betreuer waren schon ganz ungeduldig, wir brauchten viel zu lange zum kauen, mussten los, aber das halbe Marmeladenbrötchen durfte man aber nicht mitnehmen. Das Tolle war, ich hatte auch noch Geburtstag. Au fein, dachte ich, mit allen Kumpels Geburtstag auf einem ganz großen Spielplatz feiern, das ist eine feine Sache. So wanderten wir mit unseren Spielsachen in die Heide, es lag Schnee und frischer Regen fiel herunter. Auf unserem Spielplatz gab es viel zu entdecken. Die Spielgeräte waren fast alle aus Beton, und so krabbelten wir von Gerät zu Gerät durch den nassen Schnee. Das war erst langweilig, doch dann spielten wir Verstecken. Dazu hatten wir uns weiße Umhänge übergezogen, so daß uns die Freunde im Schnee nicht erkennen konnten. Ein Spielgerät hieß Schützengraben und der nasse Schnee spritzte so schön beim Hineinspringen. Weil wir so gut versteckt waren, hat uns auch keiner gefunden, bis uns unsere Betreuer wieder einsammelten und wir wieder in unsere Hütte wanderten. Das Wandern tat gut, denn unsere Sachen waren ganz nass vom Spielen und so wurde uns wieder warm. Nach dem Abendessen habe ich dann meinen Geburtstag gefeiert,mit Vita-Cola und Butter-Keksen aus Wurzen.


Ja natürlich, die abendliche Fernsehstunde, ich habe einige Male die Öfen vorbereitet, Kohle mit Kohlenanzünder und Papier in die Kanonenöfen gestopft, denn punkt 19.30 sollte es im Fernsehraum für die Aktuelle Kamera so richtig mollig warm sein !


Gruß
P3


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19.11.2010 19:45
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#6
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hallo p3,
siehste,aus dem richtigen winkel betrachtet hattest du doch auch ein schönes ferienerlebnis und gut beschrieben.
erinnerst du dich noch daran das wir mal in einer schwimmhalle mit sachen ins becken springen durften?das durfte ich nie wieder,schade.
oder das lagerfeuer in plauen wo wir vor freude nur so durchrannten,die hatten zwar kein holz,aber improvisierten mit feuerschalen.

jetzt kommt langsam auch mein sentimentaler durch bei all den schönen erinnerungen.übrigens waren die spielsachen nicht einfach nur aus beton,es waren große legobausteine. und eine wippe gab es auch über die wir gerne rannten.ich will wieder hin!

gruß andy


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20.11.2010 21:34
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#7
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Ja Andy, die Hütte war eine Erfahrung für das ganze Leben. Irgendwie hatte es geprägt, für den Kanten wurde man hart gemacht. Im KU habe ich zu Hause im Laufschritt die Kohlen vom Schuppen ins Haus gebracht !

Ich erinnere mich auch an einen privaten Spezialeinsatz, musste mit Schwarzkombi nebst Beautycase und UW für einige Nächte bereitstehen. Ein Major hat mich dann nach Saalfeld überführt, um für seine Schwiegertochter ein paar Fliesen an die Wand zu bringen. Ich hatte keinerlei Werkzeug zur Verfügung, habe dann mit Töpferzange, Glasschneider, Hutschnur und Stahlnägeln den Auftrag ausgeführt. Meine Kameraden dachten ich wäre in Schwedt, sie freuten sich richtig, als ich nach drei Tagen wieder auf der Hütte war.


Sehe uns noch auf der Hütte erwachen, Rauhreif auf der Bettdecke im Winter 81/82, es gab pro Abend zwei Eimer Kohle. Die war so minderwertig, es stank immer gewaltig nach Schwefel ! kotz] In der Polenkrise haben wir dann mit voller Ausrüstung die Nacht verbracht, um dann bei Probstzella als Dachse die Grenze zu sichern, war lächerlich, nach sechs Wochen Grundausbildung ! Dann war die GK wie eine Erlösung, es gab eine Zentralheizung, das Essen war besser und man war so hart für den Einsatz am Kanten.

Gruß
P3


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20.11.2010 22:19
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#8
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@p3,das mit der polenkrise wurde uns gesagt das ausbildungseinheiten als verstärkung kommen,denn von unserem bt wurde ja immer eine gk nach erfurt verlegt.sie saßen abmarschbereit 3 tage auf zügen in erfurt für den transport an die polnische grenze.
zum glück erlebte ich die hütte nie im winter,essen gab es ja im 100 mann zelt,nicht im gebäude.und uns reichte es wenn es beim spielen regnete,aner so richtig schneballschlacht wollten wir nie.
mal sehen,die zeit bringt sicher noch mehr hüttenkumpels zum forum.
gruß andy


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21.11.2010 15:05
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#9
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Passend zur Satiere mal ein Bild....Wer es erkennt, gewinnt eine Fußreise durch den Thüringer Elbsandsteinharz, Gepäck und Unkosten sind selbst zu tragen.....


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21.11.2010 19:07
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#10
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genau in der kurve war der KUGELBAUM ,ganz schön gewachsen das ding.eine kettensäge wäre ein besserer preis.ca.1,5km vom lager entfernt.hin und zurück machte 3 km.das problem der gute gutte war nie vorn.er deckte beim laufen mit roten kopf unsere rückfront.vielleicht sah er sich als schnelle eingreifreserve?
ich liebe das teil.
amdy


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22.11.2010 11:29
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Ja der prickelnde Lauf am Morgen ! Auf dem Rückweg kamen uns dann die Kameraden entgegen, deren Verfassung nicht so gut war, ihren netten Zugführer mit ermunternden lauten Worten im Genick !

Gruß
P3


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22.11.2010 22:09
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hallo p3,
kannst du dich noch an "becher braun" erinnern?die flogen auf der fahrt in die gk massenhaft in den strassengraben trotz verbot von major braune.ich glaube eifrige sucher finden heute noch welche.
andy


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23.11.2010 14:17
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#13
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Hallo Andy !

Kann mich erinnern, daß Dachsbecher auf der Hütte an einer Funkantenne aufgefädelt wurden. Das gab richtig großen Ärger !


Ja man könnte mal im nächsten Jahr auf Spurensuche gehen, was man um die Hütte herum so alles fíndet.



Gruß
P3


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23.11.2010 15:57
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#14
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Die Schleiferhütte kenn ich nur aus einem 4 wöchigen Gastspiel im Sommer 84. Da war ein Kradlehrgang angesagt. Während dieser Zeit "durfte" mal einer der eingesessenen "Urlauber" unter Vollschutz und mit sämtlichen Gebäck etliche runden ums Karré rennen. Laut Gerüchten isser mit dem Bus von der Spielwiese reingefahren!? weil er keinen Bock hatte zum Reinlatschen. War das überhaupt möglich ?? BUS ?? Jedenfalls waren die Herren Vorgesetzten not amused. über dererlei unsportlichen Verhaltens.

Gruß
moreau


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23.11.2010 16:54
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#15
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ich kann es mir nur so vorstellen das er auf dem rückmarsch in die kompanie von der truppe entfernte und eine station mit dem bus fuhr weil dieser grade kam.
an die art der bestrafung habe ich keine zweifel,wer wollte es verhindern?beschweren hieße ausgangssperre.
andy


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