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#1

Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 10:10
von Südharzer | 570 Beiträge | 8 Punkte
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Hallo Freunde der alten Grenzgeschichten.
Ich möchte heute mal über die Ereignisse der Grenzöffnung vor genau 21 Jahren,am 11.11.1989, im Abschnitt Ellrich und Walkenried berichten,bei denen ich als Gefreiter dabei war.
Einige,darunter auch meine Zimmerkameraden,hatten an diesem Tag bereits ihre Schicht im Abschnitt geleistet. Alles war eigentlich wie immer,obwohl die 2 vergangenen Tage die Ereignisse überschlagen ließ. Wir wurden jedoch angewiesen unseren Grendienst wie immer zu leisten,da sich die Grezöffnung ja nur auf einige bestimmte Grenzübergänge beschränkte,zu denen Ellrich nun mal nicht zählte. Das war für uns nachvollziehbar,da in Duderstadt unweit von Ellrich am 11.11.ein Übergang eröffnet wurde.
Zu dieser Zeit wurde die Anrede "Genosse" auf Anweisung unserer Vorgesetzten nicht mehr benutzt,wir durften aus Angst vor Reibereien mit der heimischen Bevölkerung in Zivilkleidung in den Ausgang und auf den Zimmern durften alle zu empfangenden Radiosender auf unseren eigens mitgebrachten Radios gehört werden.
Am Abend des 11.11. waren wir mit den alltäglichen Dingen zum Zeittotschlagen beschäftigt. Dabei lief bei uns im Zimmer NDR2 auf dem Radio.In den 19:00Uhr Nachrichten wurde erzählt das 19:30 Uhr ein Grenzübergang in Richtung Walkenried eröffnet werde. Wir wollten gerade Luft holen um herzhaft lachen zu können da ertönte schon der Kompaniealarm.
Also alles runter, eigentlich war uns der Grund für den Kompaniealarm schon klar,war er aber doch Unvorstellbar.
Unser Kompaniechef stand kreidebleich vor uns und gab uns die zuvor gehörte Nachricht auf NDR2 zum besten. Sein Telefon im Zimmer klingelte,er rannte hinein und kam mit dem Befehl heraus die Grenze am Schlagbaum Rotbuche solle sofort geöffnet werden.
Ich bin in den LO auf den Beifahrerücksitz und vor mir nahm unser KC platz. Während der kurzen Fahrt bis zum Grenzzaun hat er es vor Nervosität geschafft 2 Zgaretten durchzuziehen und uns einzeln ständig gefragt ob wir das so erwartet hätten. Wir haben natürlich NEIN,NIEMALS geantwortet. Er hat warscheinlich seine Felle davonschwimmen sehen. Seine so sichere gut bezahlte Existens schien dahin.
Wir konnten nicht den direkten Weg zur Rotbuche fahren da sich diese Nachricht in Ellrich herumsprach wie ein Lauffeuer,zudem war der größte Teil der Einwohner bei einer Faschingsveranstaltung die in nicht allzuweiter Entfernung zum Grenzzaun stattfand. Alle die diese Veranstaltung besuchten machten sich,mit Wein-Sekt-Bier und Schnapsflaschen auf den Weg zum Grenztor das geöffnet werden sollte. Sie öffneten die Wechselsprechanlage(Uhu) und forderten die sofortige Öffnung des Tores.
Auf der anderen Seite des Grenzzaunes konnten wir beim eintreffen sehen das auch der BGS und der Zoll schon aktiv am Zaun mitwerkelte. Auf unserer Seite waren Offiziere dabei das Streckmetall abzubauen.Beleuchtet wurde die ganze Aktion wie ein Flutlichspiel,zudem schwebten Hubschrauber auf der westdeutschen Seite die noch zusätlich die ganze Aktion ausleuchteten.

Es waren auch schon einige Zivilisten auf Walkenrieder Seite zu erkennen die für den Empfang der ersten Ellricher bereit standen. Ellricher und Walkenrieder konnten sich jedoch,auf Grund der weiten Entfernung,noch nicht gegenseitig sehen.
Für uns begann eine schnelle hektische Einweisung wie wir uns zu verhalten haben-wir waren unbewaffnet- und wer sich am nähesten an das Tor mit den tobenden(aus lauter Vorfreude) Ellrichern rantraut. Da ich der am längsten gediente Gefreite zu diesem Zeitpunkt war und eigentlich ein sehr gutes Verhältnis zu den Bewohnern aus Ellrich hatte scheute ich mich nicht davor den ersten Postenpunkt mit meinem Zimmerkameraden Marco aus Erfurt im Spalier einzunehmen.
19:34uhr das Tor wurde geöffnet,mehere hundert Ellricher stürmten jubelnd durchs Tor.
Einige kamen sofort auf uns zu und klopften uns auf die Schulter,schüttelten unsere Hände und gaben uns Unmengen ihres mitgeführten Alkohols,da wir sie fragten wo sie damit hinwollen,wo doch auf der Westseite alles im Überfluss ausgeschenkt wird. Nehmt ihr armen Schweine so endeten die meisten Sätze der durchlaufenden Ellricher.

Wir nahmen natürlich dankend an. Das mulmige Gefühl es könnte zu Konflikten mit den Zivilisten kommen verflog sofort,eigentlich kannte ich fast alle Gesichter die an uns vorbeigingen.Viele forderten uns auf einfach mitzukommen,aber den Ärger ersparten wir uns lieber.
Nachdem der erste große Schwung der Ellricher vorbei war dachten wir na ja das wars dann wohl,jetzt wird es ruhiger. Aber nun kamen die Menschen aus den umliegenden Orten,die oftmals,bis Mitternacht, ihre Babys und Kleinkinder mitschleppten. Es gab ja das Bgrüßungsgeld für jeden DDR-Bürger,egal wie alt der Bürger war.
Irgendwann kamen dann die ersten wieder zurück und von denen bekamen wir gesagt das der Übergang am morgen wieder geschlossen wird,aber im Zorger Dreick am morgen einer geöffnet wird der dann auch mit dem Auto überquert werden kann. (Die bauarbeiten waren schon voll im Gange)
In der Zwischenzeit wurden wir von unserer Einheit versorgt und uns gesagt wir sollen bis zum morgen durchhalten.
Gegen 6:30Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Heimweg und als wir auf der Hauptstrasse ankamen traf uns fast der Schlag. Da stand eine Autoschlange die,wie wir später erfahren haben, bis ins ca.9km entfernte Niedersachswerfen reichte.Bis zum neu geöffnetem Grenzübergang waren es ja auch noch immerhin 4km.
7:30 Uhr wurde der neu eingerichtete Grenzübergang am Zorger Dreick geöffnet und wir schliefen ein............................nachdem wir von den Geschenken der Ellricher reichlich gekostet hatten.
Eine unvergessliche Nacht ging für uns zu Ende und ein unvergesslicher Tag für die Menschen in der Schlange vorm Grenzübergang begann.


zuletzt bearbeitet 12.11.2010 11:22 | nach oben springen

#2

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 12:41
von LO-driver | 838 Beiträge | 494 Punkte
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Ein schönes Erlebniss für die dort Anwesenden. Mein Dienst lief ja leider schon 10 Jahre eher ab, aber die Gefühle der Beteiligten kann ich gut nachvollziehen.
Aber eine exakte Verbindung an diese stelle habe ich doch. Der Betrieb in dem ich arbeitete ist sofort mit der Wende durch eine Firma aus dem Golden
Westen übernommen worden. Da viele Materialfahrten zum Mutterbetrieb an der anderen Seite des Harzes lag, bin ich als Kraftfahrer sehr oft über Ellrich/Walkenried und
auch der Zorger Landstrasse gefahren. Am anfang auch noch mit Kontrollen, sowie viel Papierkram. Aber dies hatte sich ja auch bald erledigt.
Einmal sind mir am Hang richtung Harz auch Mienenräumarbeiten aufgefallen. In dieser Zeit habe ich auch viele Türme und Anlagen mir angesehen.
Leider ohne die Idee mal Fotoaufnahmen zu machen. Das ärgert mich heute noch.
Aber schön das alles so gekommen ist, auch wen es die beiden Betriebe heute nicht mehr giebt.


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#3

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 13:50
von Südharzer | 570 Beiträge | 8 Punkte
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Zitat von LO-driver
Ein schönes Erlebniss für die dort Anwesenden. Mein Dienst lief ja leider schon 10 Jahre eher ab, aber die Gefühle der Beteiligten kann ich gut nachvollziehen.
Aber eine exakte Verbindung an diese stelle habe ich doch. Der Betrieb in dem ich arbeitete ist sofort mit der Wende durch eine Firma aus dem Golden
Westen übernommen worden. Da viele Materialfahrten zum Mutterbetrieb an der anderen Seite des Harzes lag, bin ich als Kraftfahrer sehr oft über Ellrich/Walkenried und
auch der Zorger Landstrasse gefahren. Am anfang auch noch mit Kontrollen, sowie viel Papierkram. Aber dies hatte sich ja auch bald erledigt.
Einmal sind mir am Hang richtung Harz auch Mienenräumarbeiten aufgefallen. In dieser Zeit habe ich auch viele Türme und Anlagen mir angesehen.
Leider ohne die Idee mal Fotoaufnahmen zu machen. Das ärgert mich heute noch.
Aber schön das alles so gekommen ist, auch wen es die beiden Betriebe heute nicht mehr giebt.




Ja ja, der vergessene Fotoapparat. Wer ärgert sich nicht darüber. Ich habe aus meiner "Uniformzeit" nur das Foto im Wehrdienstausweis,fotografiert nach einem 3000m Lauf in brütender Hitze.


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#4

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 14:05
von Gert (gelöscht)
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@Südharzer, ein sehr schöner Bericht den du da geschrieben hast und fast beneide ich dich um dieses Erlebnis. Das muss sehr aufwühlend und eigentlich unvorstellbar gewesen. Vor allem brach es ja über euch herein, ohne dass ihr große Anzeichen oder Vorwarnungen hattet. Einfach Klasse. Ein Wort noch zu den Offizieren, du hattest es ja angedeutet. Denen muss es ja wie Schuppen von den Augen gefallen sein, dass ihr Job hier in Kürze zu Ende ist. Kann ich Nachfühlen, keine gute Perspektive, die ein Berufssoldat der DDR an diesem Tag hatte. Ein Frage habe ich aber noch : Wurde der Streifendienst an der Grenze eingestellt, nachdem die Tore überall aufgingen ?


Gruß Gert


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#5

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 14:17
von werraglück | 679 Beiträge | 1 Punkte
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Sei gegrüßt Gert, wenn ich kurz antworten darf...in unserem Bereich ging erstmal alles so weiter, bis ich dann schon in Vacha (Dezember/Januar?) als Einzelposten Dienst schieben durfte mit Bewaffnung Makarov. War das langweilig....


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
02_24 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 14:18
von Pit 59 | 12.490 Beiträge | 12157 Punkte
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Ich kann mich da nur anschließen,ein Erlebnis was seines gleichen sucht,und mit Sicherheit nicht Vergessen wird.Ich wäre da auch ums verrecken gern dabei gewesen.Einfach toll.Beim lesen läuft es einem immer noch eiskalt den Rücken runter.
Bilder gibt es davon wohl nicht ?


zuletzt bearbeitet 11.11.2010 14:24 | nach oben springen

#7

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 16:12
von Südharzer | 570 Beiträge | 8 Punkte
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Zitat von Pit 59
Ich kann mich da nur anschließen,ein Erlebnis was seines gleichen sucht,und mit Sicherheit nicht Vergessen wird.Ich wäre da auch ums verrecken gern dabei gewesen.Einfach toll.Beim lesen läuft es einem immer noch eiskalt den Rücken runter.
Bilder gibt es davon wohl nicht ?




Ich bemühe mich schon Krampfhaft Bilder von diesem Abend zu erhalten. Habe in Ellrich einen Autor ausfindig gemacht der ein Buch über diese Tage geschrieben hat.
Er schrieb mir das es von dem Zeitpunkt der Toröffnung kein Foto gäbe,dafür hat man eine Zeichnung anfertigen lassen die diesen Moment darstellen soll. Ansonsten wäre einige Bilder von diesem Abend vorhanden. Ein zweites Buch mit weiteren Fotos in Arbeit.
Auch ein Video vom 12.11.,der Öffnung des 2. Übergangs hat er.
Das Buch ist nur über ihn zu beziehen. Hab gefragt ob ich es mir persönlich abholen könne und gleich einen Blick auf die restlichen Fotos
werfen kann.
Er hat nicht geantwortet und ich bin ja momentan verhindert ihn aufzusuchen.Ich werde aber nicht locker lassen
Ein Foto ist in einem anderem Buch was direkt am vorderen Zaun geschossen wurde. Hab ich mir fürs Krankenhaus als Lektüre bestellt darf ich leider nicht mit in mein steriles Zimmer nehmen.


http://www.amazon.de/gp/product/3936617058/ref=oss_product


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#8

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 16:27
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@Gert,

der Grenzdienst ging "normal" weiter,allerdings hatten wir jetzt weniger Ruhe. Wir hatten keine Makarow sondern weiterhin unsere Kaschi.
Unsere Ruhe beim grenzen wurde nun durch Reiselustige Polen und DDR-Bürger die keinen gültigen Ausweis hatten jäh gestört.
Sie wurden am Übergang abgewiesen,da haben sie es halt 500m weiter ohne Kontrolle probiert.

Habe Anfang Dez.89 bei einem Grenzalarm,ja es gab da die Alarmgruppe noch, einen Müllfahrer am spitzen Winkel festgenommen.
Wir sind als wir ihn gesehen haben nicht hinterhergerannt,nein wir habe gerufen ,Mensch du A.... bist du bekloppt wo du hin rennst ist Wernigerode was willst du denn da? Da ist er zu uns gekommen und hat seinen Ausweis gezeigt den er anscheinend täglich bei der Arbeit am Mann hatte und zu jedem Frühstück schien er drin geblättert zu haben.
Wir haben ihn dann auf Anweisung zum Rat der Stadt gebracht,dort hat er erstmal einen provisorischen erhalten und wir haben ihn dann zum Übergang gefahren. Ja wir waren doch Kumpel.
Mein Kumpel und ich durften sofort in Sonderurlaub fahren.


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#9

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 17:34
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[quote="Südharzer"]@Gert,


Habe Anfang Dez.89 bei einem Grenzalarm,ja es gab da die Alarmgruppe noch, einen Müllfahrer am spitzen Winkel festgenommen.


Wo war denn der "Spitze Winkel" ???
Zwischen Benneckenstein und Rothesütte ???


Gruß Sonne

05/66-10/67
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#10

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 17:53
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Zitat von Sonne
[quote="Südharzer"]@Gert,


Habe Anfang Dez.89 bei einem Grenzalarm,ja es gab da die Alarmgruppe noch, einen Müllfahrer am spitzen Winkel festgenommen.


Wo war denn der "Spitze Winkel" ???
Zwischen Benneckenstein und Rothesütte ???



Hallo Sonne,
das war die Trennungslinie zu Rothesütte. Im Winkel stand ein B-Turm. Warum die den da hingebaut hatten kann ich mir bis heute nicht erklären.Du hast ringsrum nur Wald gesehen,allerdings waren die Bäume höher als der Turm.
Im Winter haben wir Nachts ab und zu Besuch vom Rothesütter Posten gehabt. Bei uns waren es gefühlte 10 Grad wärmer als da oben.


zuletzt bearbeitet 11.11.2010 17:54 | nach oben springen

#11

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 18:22
von Sonne | 546 Beiträge | 473 Punkte
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Zitat von Südharzer

Zitat von Sonne
[quote="Südharzer"]@Gert,


Habe Anfang Dez.89 bei einem Grenzalarm,ja es gab da die Alarmgruppe noch, einen Müllfahrer am spitzen Winkel festgenommen.


Wo war denn der "Spitze Winkel" ???
Zwischen Benneckenstein und Rothesütte ???



Hallo Sonne,
das war die Trennungslinie zu Rothesütte. Im Winkel stand ein B-Turm. Warum die den da hingebaut hatten kann ich mir bis heute nicht erklären.Du hast ringsrum nur Wald gesehen,allerdings waren die Bäume höher als der Turm.
Im Winter haben wir Nachts ab und zu Besuch vom Rothesütter Posten gehabt. Bei uns waren es gefühlte 10 Grad wärmer als da oben.




Toll nach so vielen Jahren den Begriff "Spitzer Winkel" zu hören-bereits zu meiner Zeit in Rothesütte(1966/67) gab es das PG es war zwischen Jägerfleck und Hohegeiß.Aber einen B-Turm gab es da nicht-aber ein Sanatorium mitten im Grenzgebiet.Diese Sanatorium soll 1968 weggerissen wurden sein. Trotz Belehrung war in diesem Gebiet oft Grenzalarm weil die Patienten immer mal in Richtung Grenze sich verlaufen hatten. Wir mußten es ausbaden !!


Gruß Sonne

05/66-10/67
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#12

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 18:42
von Zermatt | 5.311 Beiträge | 120 Punkte
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Hier habe ich eine Aufnahme aus dieser Gegend.Ganz hinten links liegt das Örtchen Zorge.Rechts,aber nicht zu sehen liegt dann Ellerich,die Verbindungstrasse ist zu erkennen.Hinter dem Rücken des Beobachters haben wir den Ort Walkenried,auch nicht zu sehen.Im Hintergrund die Steigung,bzw die Berge,dort geht es über den Spitzen Winkel in Richtung Jägerfleck.

Angefügte Bilder:
img034.jpg

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#13

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 18:50
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hey an alle die in ellrich waren. spitzer winkel auch genannt linke trennungslinie. ja dort stand ein b-turm den wir im winter offt nutzden es war schön warm dort aber sehr trockene lufft. in der nähe war auch ein alter brunnen und ein kleiner waldsee. am toor 8 gab es noch die löwenkopfqwelle. in dem kleinen waldsee haben wir im winter das eis aufgepickt und leuchter reingeschossen sah geil aus


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#14

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 21:11
von Südharzer | 570 Beiträge | 8 Punkte
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@Zermatt,danke für das Foto. Das ist fast der Punkt an dem wir damals geöffnet haben. Im Hintergrund sieht man die alte Eisengießerei,daneben stand unsere Führungsstelle.
Habe von dieser Stelle ein Foto aus diesem Jahr. Habe ich aber leider zu Hause auf meinem anderem Rechner.
Reiche ich in ca. 3 Wochen nach.
Erkennst du nicht wieder.

Gruß


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#15

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 21:28
von Gert (gelöscht)
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Zitat von Südharzer
@Gert,

der Grenzdienst ging "normal" weiter,allerdings hatten wir jetzt weniger Ruhe. Wir hatten keine Makarow sondern weiterhin unsere Kaschi.
Unsere Ruhe beim grenzen wurde nun durch Reiselustige Polen und DDR-Bürger die keinen gültigen Ausweis hatten jäh gestört.
Sie wurden am Übergang abgewiesen,da haben sie es halt 500m weiter ohne Kontrolle probiert.

Habe Anfang Dez.89 bei einem Grenzalarm,ja es gab da die Alarmgruppe noch, einen Müllfahrer am spitzen Winkel festgenommen.
Wir sind als wir ihn gesehen haben nicht hinterhergerannt,nein wir habe gerufen ,Mensch du A.... bist du bekloppt wo du hin rennst ist Wernigerode was willst du denn da? Da ist er zu uns gekommen und hat seinen Ausweis gezeigt den er anscheinend täglich bei der Arbeit am Mann hatte und zu jedem Frühstück schien er drin geblättert zu haben.
Wir haben ihn dann auf Anweisung zum Rat der Stadt gebracht,dort hat er erstmal einen provisorischen erhalten und wir haben ihn dann zum Übergang gefahren. Ja wir waren doch Kumpel.
Mein Kumpel und ich durften sofort in Sonderurlaub fahren.




cool Südharzer

Gruß Gert


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#16

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 11.11.2010 22:56
von kirsche.ndh | 135 Beiträge | 104 Punkte
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Hallo Südharzer,
ich habe am 11.11.89 mein Haus in Niedersachswerfen oben auf den Kirchberg weiter hochgemauert wie so oft.
Sonntag den 12.11.89 konnte ich von der ersten Etage aus die Hauptstraße von NSW einsehen und ab späten Vormittag bildete sich eine endlose Blechlawiene Richtung Ellrich.
Radiomeldung, Ellrich ist auf.
Habe dann die Mörtelkübel leergemauert, Familie geholt und auch nach Ellrich gefahren.
Ging aber nur noch in Schrittgeschwindigkeit vorwärts.
Grenze war an der Eisengießerei auf.
Bin dann nach Walkenried, 100 DM geholt und dann an die Tanke. Wollte dort für meine Jungs ( damals 3 und 6 ) was Süßes holen.
Die war aber schon restlos leergekauft.
Danach gings in einer riesigen 2 Takterqualmwolke in Schrittgeschwindigkeit zurück nach Nordhausen.
Nach der Währungsunion habe ich mir erstmal eine billige Enduro gekauft und bin dann die Grenze auf den K6 abgefahren von Ellrich bis Ecklingerode. ( da war die Straße nach Walkenried immer noch nicht befahrbar, die zum Campingplatz )
Zu meiner Zeit, I 81 bis II 82, habe ich mitgebaut von Ecklingerode bis Zwinge Ziegelei.
Das habe ich mir dann noch einmal reingezogen.
Ich war dieses Jahr am Etzenborner Hang vom Süßloch aus mit dem PKW, mußte mich dann mit so einen Blödmann von Wessiforstspinner rumzanken wegen typisch verboten, sollste nicht, darfste nicht, Schutzgebiet Heinz Sielmann Stiftung.
Alles wieder zugewachsen wie vor dem Grenzausbau damals, kaum wiederzuerkennen.
Hätte ich meine Raupe D 493 A russischer Bauart von 81 gehabt, hätte ich den Typen zeigen können wie schön der blaue Himmel im Osten leuchten kann.
Verbotsschilder sind jetzt dort deutlich mehr vorhanden, nur mit anderen Aufdruck, wie damals.
Auch Fuhrbach habe ich mir mal schön angeschaut.
Damals konnten wir ja nur von oben aus den Wald raus runterschauen.
Sogar die Kneipe von Ecklingerode wo unsere EK Feier 82 war ist noch da.
Habe mein EK Tuch auch noch, wurde dort den Abend fleißig unterschrieben.
Der örtliche Busunternehmer von damals ( Reimann ) ist auch noch vorhanden nur die Busse sehen anders aus.


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#17

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 12.11.2010 09:32
von Südharzer | 570 Beiträge | 8 Punkte
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Hallo Ingo,
ist schon Merkwürdig an welche Details man sich nach so langer Zeit noch erinnern kann.

Hast du den Inhalt des Mörtelkübels wirklich noch verarbeitet,oder hast du ihn ausgekippt und nen Haken reingesteckt?

Gruß


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#18

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 12.11.2010 10:40
von kirsche.ndh | 135 Beiträge | 104 Punkte
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Wirklich bis zu Ende gemauert, Kübel reichte immer so ne Stunde.
Ich war damals noch nie drüben, meine Frau immer 2 x jährlich bei Oma und Opa zum Geburtstag in Hann. Münden, letztmalig eine Woche über den 07.10.89.
Daher wollte ich mir nur schnell den Hunderter sichern, bevor die Kohle alle war.


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#19

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 12.11.2010 10:46
von Südharzer | 570 Beiträge | 8 Punkte
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Wir haben unsere Ausweise Anfang Dez. wiederbekommen.Ich sollte ja noch bis Ende Januar dienen.
Bin dann mit meinem Kumpel im Kurzurlaub,natürlich über Ellrich,nach Bad Sachsa gefahren. Rein in die Auszahlungsstelle, Geld bekommen,raus. Da drinn stand kein Mensch mehr an.
Die dachten sicher,wo kommt der denn her? Hat der bis jetzt gepennt?


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#20

RE: Grenzöffnung in Ellrich am 11.11.1989

in Mein Grenzer Tagebuch 27.12.2010 21:45
von enne | 12 Beiträge
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Zitat von Südharzer
Hallo Freunde der alten Grenzgeschichten.
Ich möchte heute mal über die Ereignisse der Grenzöffnung vor genau 21 Jahren,am 11.11.1989, im Abschnitt Ellrich und Walkenried berichten,bei denen ich als Gefreiter dabei war.
Einige,darunter auch meine Zimmerkameraden,hatten an diesem Tag bereits ihre Schicht im Abschnitt geleistet. Alles war eigentlich wie immer,obwohl die 2 vergangenen Tage die Ereignisse überschlagen ließ. Wir wurden jedoch angewiesen unseren Grendienst wie immer zu leisten,da sich die Grezöffnung ja nur auf einige bestimmte Grenzübergänge beschränkte,zu denen Ellrich nun mal nicht zählte. Das war für uns nachvollziehbar,da in Duderstadt unweit von Ellrich am 11.11.ein Übergang eröffnet wurde.
Zu dieser Zeit wurde die Anrede "Genosse" auf Anweisung unserer Vorgesetzten nicht mehr benutzt,wir durften aus Angst vor Reibereien mit der heimischen Bevölkerung in Zivilkleidung in den Ausgang und auf den Zimmern durften alle zu empfangenden Radiosender auf unseren eigens mitgebrachten Radios gehört werden.
Am Abend des 11.11. waren wir mit den alltäglichen Dingen zum Zeittotschlagen beschäftigt. Dabei lief bei uns im Zimmer NDR2 auf dem Radio.In den 19:00Uhr Nachrichten wurde erzählt das 19:30 Uhr ein Grenzübergang in Richtung Walkenried eröffnet werde. Wir wollten gerade Luft holen um herzhaft lachen zu können da ertönte schon der Kompaniealarm.
Also alles runter, eigentlich war uns der Grund für den Kompaniealarm schon klar,war er aber doch Unvorstellbar.
Unser Kompaniechef stand kreidebleich vor uns und gab uns die zuvor gehörte Nachricht auf NDR2 zum besten. Sein Telefon im Zimmer klingelte,er rannte hinein und kam mit dem Befehl heraus die Grenze am Schlagbaum Rotbuche solle sofort geöffnet werden.
Ich bin in den LO auf den Beifahrerücksitz und vor mir nahm unser KC platz. Während der kurzen Fahrt bis zum Grenzzaun hat er es vor Nervosität geschafft 2 Zgaretten durchzuziehen und uns einzeln ständig gefragt ob wir das so erwartet hätten. Wir haben natürlich NEIN,NIEMALS geantwortet. Er hat warscheinlich seine Felle davonschwimmen sehen. Seine so sichere gut bezahlte Existens schien dahin.[bää]
Wir konnten nicht den direkten Weg zur Rotbuche fahren da sich diese Nachricht in Ellrich herumsprach wie ein Lauffeuer,zudem war der größte Teil der Einwohner bei einer Faschingsveranstaltung die in nicht allzuweiter Entfernung zum Grenzzaun stattfand. Alle die diese Veranstaltung besuchten machten sich,mit Wein-Sekt-Bier und Schnapsflaschen auf den Weg zum Grenztor das geöffnet werden sollte. Sie öffneten die Wechselsprechanlage(Uhu) und forderten die sofortige Öffnung des Tores.
Auf der anderen Seite des Grenzzaunes konnten wir beim eintreffen sehen das auch der BGS und der Zoll schon aktiv am Zaun mitwerkelte. Auf unserer Seite waren Offiziere dabei das Streckmetall abzubauen.Beleuchtet wurde die ganze Aktion wie ein Flutlichspiel,zudem schwebten Hubschrauber auf der westdeutschen Seite die noch zusätlich die ganze Aktion ausleuchteten.

Es waren auch schon einige Zivilisten auf Walkenrieder Seite zu erkennen die für den Empfang der ersten Ellricher bereit standen. Ellricher und Walkenrieder konnten sich jedoch,auf Grund der weiten Entfernung,noch nicht gegenseitig sehen.
Für uns begann eine schnelle hektische Einweisung wie wir uns zu verhalten haben-wir waren unbewaffnet- und wer sich am nähesten an das Tor mit den tobenden(aus lauter Vorfreude) Ellrichern rantraut. Da ich der am längsten gediente Gefreite zu diesem Zeitpunkt war und eigentlich ein sehr gutes Verhältnis zu den Bewohnern aus Ellrich hatte scheute ich mich nicht davor den ersten Postenpunkt mit meinem Zimmerkameraden Marco aus Erfurt im Spalier einzunehmen.
19:34uhr das Tor wurde geöffnet,mehere hundert Ellricher stürmten jubelnd durchs Tor.
Einige kamen sofort auf uns zu und klopften uns auf die Schulter,schüttelten unsere Hände und gaben uns Unmengen ihres mitgeführten Alkohols,da wir sie fragten wo sie damit hinwollen,wo doch auf der Westseite alles im Überfluss ausgeschenkt wird. Nehmt ihr armen Schweine so endeten die meisten Sätze der durchlaufenden Ellricher.

Wir nahmen natürlich dankend an. Das mulmige Gefühl es könnte zu Konflikten mit den Zivilisten kommen verflog sofort,eigentlich kannte ich fast alle Gesichter die an uns vorbeigingen.Viele forderten uns auf einfach mitzukommen,aber den Ärger ersparten wir uns lieber.
Nachdem der erste große Schwung der Ellricher vorbei war dachten wir na ja das wars dann wohl,jetzt wird es ruhiger. Aber nun kamen die Menschen aus den umliegenden Orten,die oftmals,bis Mitternacht, ihre Babys und Kleinkinder mitschleppten. Es gab ja das Bgrüßungsgeld für jeden DDR-Bürger,egal wie alt der Bürger war.
Irgendwann kamen dann die ersten wieder zurück und von denen bekamen wir gesagt das der Übergang am morgen wieder geschlossen wird,aber im Zorger Dreick am morgen einer geöffnet wird der dann auch mit dem Auto überquert werden kann. (Die bauarbeiten waren schon voll im Gange)
In der Zwischenzeit wurden wir von unserer Einheit versorgt und uns gesagt wir sollen bis zum morgen durchhalten.
Gegen 6:30Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Heimweg und als wir auf der Hauptstrasse ankamen traf uns fast der Schlag. Da stand eine Autoschlange die,wie wir später erfahren haben, bis ins ca.9km entfernte Niedersachswerfen reichte.Bis zum neu geöffnetem Grenzübergang waren es ja auch noch immerhin 4km.
7:30 Uhr wurde der neu eingerichtete Grenzübergang am Zorger Dreick geöffnet und wir schliefen ein............................nachdem wir von den Geschenken der Ellricher reichlich gekostet hatten.
Eine unvergessliche Nacht ging für uns zu Ende und ein unvergesslicher Tag für die Menschen in der Schlange vorm Grenzübergang begann.


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